Polemisch sage ich in Anlehnung an eines meiner Lieblingszitate: „Spiritualität ohne Dogma ist eine Instagram-Kachel.“ Die sehr ernst gemeinte Frage dahinter ist: Wann habt ihr angefangen, euch selbst zu vertrauen? Wir reden über Karma, Nirvana, Leerheit(en), Sambhogakaya, etc.… Und leiten aus unserem Glauben, Erfahren, Überzeugtsein von diesen Begiffen/Konzepten unsere Zugehörigkeit zu unterschiedlichen Pfaden / Schulen ab.
Ich habe hier irgendwo einen Thread gelesen, in dem festgestellt wurde, dass der Buddha nicht lesen konnte. (Nicht, dass mich diese Frage besonders interessiert.) Der Punkt ist: Als „Mahayan(ist)“ müsste ich ja davon überzeugt sein, dass Ananda und Co. es mit einem allwissenden Ausstrahlungskörper zutun gehabt haben. Bin ich wirklich davon überzeugt? Weiß nicht.
Irgendwo hab ich gelesen, dass ein Zornanfall den Verdienst von zig Leben wegbruzelt – und wie ist mit dem Karma, wenn man sich ein leckeres Steak auf den Teller legt, wissend, dass dieses Tier nur als Mittel und nie als Zweck an sich gesehen wurde, möglicherweise in Massentierhaltung gequält wurde …?
Wie viel „Schulterzucken“ erlaubt ihr euch? Die Frage ist etwas schwammig: Aber wie kann man sich selbst vertrauen, wenn man ja selbst nicht erleuchtet ist?
Für mich lautet die Antwort „Kalama Sutta“, alles zu prüfen.
Okay. Aber eines der Fünf Hindernisse ist der Zweifel.
Ich kenne Leute, die erlauben sich, Fleisch zu essen. Immerhin, „der Buddha tat es ja auch“. Wieder andere haben es nicht so mit der „Wieder“geburt. Und sind Pretas und Höllenwesen nicht sowieso nur psychologische Figuren?
Das Konzept der drei Arten des Vertrauens finde ich hilfreich. Aber andererseits kann es einem ja – zumindest im Vajrayana – selbst dann noch die Suppe versalzen, wenn man im Detail eine falsche Vorstellung von der Leerheit hat.
Inzwischen komme ich zu dem Schluss, dass es 84.000 Buddhismen, bzw. so viele, wie es fühlende Wesen gibt, die die „Vier Siegel“ akzeptieren.
Ich weiß gar nicht, welche Frage ich stellen oder vermeintliche Erkenntnis ich hier teilen möchte. Mich interessiert einfach nur, wie ihr euch in punkto „Dogmen“ positioniert, wie genau ihr euren Weg folgt. Ich bin heute nicht mehr der „Buddhist“, der ich vor 20 Jahren war und schon gar nicht der, der über Jan Willem van de Wetering und Samurai-Begeisterung zu Zen gekommen ist. Und doch gibt es Überzeugungen, die mich von Anfang an begleitet haben: dass es keinen Schöpfergott gibt, dass das Selbst ein Konstrukt ist (beides glaubt auch mein Kind und das ist kein Buddhist).
Also ist die Frage vielleicht in Anlehnung an Herbert Grönemeyer: Wann ist ein Buddhist ein Buddhist?
Es soll ja heiß werden, dieses Wochenende. Daher wünsche ich allen ein kühles Plätzchen.