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AN 4.170: Yuganaddhasutta: Die Lehrrede vom Gekoppelten

  • pano
  • 10. Juni 2026 um 22:19
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  • pano
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    • 10. Juni 2026 um 22:19
    • #1

    Spielregel für diesen Faden

    Wer hier mitreden will, kommentiert, zitiert, antwortet sollte die Sutta einmal konzentriert gelesen haben (oder angehört). Erst Lesen, dann schreiben. Für offtopic Anmerkungen einfach lieber einen separaten Faden aufmachen.


    Ñānatiloka Thera

    Ñānatiloka Thera übersetzt:

    • Samatha - Geistesruhe
    • Vipassana - Hellblick
    Aṅguttara Nikāya Das Vierer-Buch 4.170. Wege zur Erlösung II übersetung Nyānatiloka Thera:


    So habe ich gehört. Einstmals weilte der ehrwürdige Ānanda im Ghosita-Kloster bei Kosambi. Dort wandte sich der ehrwürdige Ānanda an die Mönche: „Liebe Mönche!“ sprach er. „Bruder!“ erwiderten jene Mönche dem ehrwürdigen Ānanda. Und der ehrwürdige Ānanda sprach:

    „Wer auch immer, ihr Brüder, von den Mönchen oder Nonnen mir gegenüber die Erreichung der Heiligkeit kundgibt, der tut es auf vier Weisen oder auf eine von ihnen. Welches sind diese vier?

    Da, ihr Brüder, entfaltet ein Mönch den Hellblick mit vorangehender Geistesruhe. Indem er aber den Hellblick mit vorangehender Geistesruhe entfaltet, erschließt sich ihm der Pfad. Jenen Pfad hegt und pflegt er, wandelt ihn beharrlich. Indem er aber jenen Pfad hegt und pflegt, ihn beharrlich wandelt, lösen sich ihm die Fesseln und die Neigungen ersterben.

    Ferner noch, ihr Brüder: da entfaltet ein Mönch die Geistesruhe mit vorangehendem Hellblick. Indem er aber die Geistesruhe mit vorangehendem Hellblick entfaltet, erschließt sich ihm der Pfad. Jenen Pfad hegt und pflegt er, wandelt ihn beharrlich. Indem er aber jenen Pfad hegt und pflegt, ihn beharrlich wandelt, lösen sich ihm die Fesseln und die Neigungen ersterben.

    Ferner noch, ihr Brüder: da entfaltet ein Mönch Geistesruhe und Hellblick zum Paare verbunden. Indem er aber die Paarverbindung von Geistesruhe und Hellblick entfaltet, erschließt sich ihm der Pfad. Jenen Pfad hegt und pflegt er, wandelt ihn beharrlich. Indem er aber jenen Pfad hegt und pflegt, ihn beharrlich wandelt, lösen sich ihm die Fesseln und die Neigungen ersterben.

    Ferner noch, ihr Brüder: da wird bei einem Mönche der Geist von Wahrheitsunruhe ergriffen. Es kommt aber die Zeit, wo der Geist sich innerlich festigt, sich völlig beruhigt, einig wird und sich sammelt; und dann erschließt sich ihm der Pfad. Jenen Pfad hegt und pflegt er, wandelt ihn beharrlich. Indem er aber jenen Pfad hegt und pflegt, ihn beharrlich wandelt, lösen sich ihm die Fesseln und die Neigungen ersterben.

    Wer auch immer, ihr Brüder, von den Mönchen oder Nonnen mir gegenüber die Erreichung der Heiligkeit kundgibt, der tut es auf diese vier Weisen oder auf eine von ihnen.“

    Alles anzeigen

    Übersetzung von Sabamitta

    Sabamitta übersetzt:


    • Samatha -Sammlung
    • Vipassana - Klarsicht
    Nummerierte Lehrreden 4.170 17. Das Kapitel über die Übung Hand in Hand:

    Hand in Hand

    So habe ich es gehört: Einmal hielt sich der Ehrwürdige Ānanda bei Kosambī auf, in Ghositas Kloster. Da wandte sich Ānanda an die Mönche und Nonnen: „Geehrte, Mönche und Nonnen!“

    „Geehrter“, antworteten sie. Ānanda sagte:

    „Geehrte, alle Mönche und Nonnen, die in meiner Gegenwart erklären, dass sie die Vollendung erreicht haben, haben diese über den einen oder anderen von vier Wegen erreicht.

    Von welchen vier?

    Da ist ein Mönch, der zuerst Sammlung und dann Klarsicht entwickelt. Während er das tut, wird in ihm der Pfad geboren. Er pflegt, entwickelt und mehrt ihn. Während er das tut, gibt er die Fesseln auf und beseitigt die zugrunde liegenden Neigungen.

    Dann ist da ein Mönch, der zuerst Klarsicht und dann Sammlung entwickelt. Während er das tut, wird in ihm der Pfad geboren. Er pflegt, entwickelt und mehrt ihn. Während er das tut, gibt er die Fesseln auf und beseitigt die zugrunde liegenden Neigungen.

    Dann ist da ein Mönch, der Sammlung und Klarsicht Hand in Hand entwickelt. Während er das tut, wird in ihm der Pfad geboren. Er pflegt, entwickelt und mehrt ihn. Während er das tut, gibt er die Fesseln auf und beseitigt die zugrunde liegenden Neigungen.

    Dann ist da ein Mönch, dessen Geist von Rastlosigkeit gepackt ist, sich über die Lehre klar zu werden. Doch es kommt eine Zeit, da sein Geist innerlich gestillt wird; er setzt sich, wird eins und versinkt im Samādhi. Der Pfad wird in ihm geboren. Er pflegt, entwickelt und mehrt ihn. Während er das tut, gibt er die Fesseln auf und beseitigt die zugrunde liegenden Neigungen.

    Alle Mönche und Nonnen, die in meiner Gegenwart erklären, dass sie die Vollendung erreicht haben, haben diese über den einen oder anderen dieser vier Wege erreicht.“

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  • pano
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    • 10. Juni 2026 um 22:28
    • #2

    Von dieser Kurzen Lehrrede habe ich mal 2 Übersetzungen eingestellt, ich finde das ganz illustrativ, auch weil ich Sabamittas Übersetzung des Worts samatha als Sammlung für verwirrend halte, Geistesruhe ist treffender.

  • Anna Panna-Sati
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    • 14. Juni 2026 um 23:18
    • #3

    Dieses Sutta hat mich überrascht:

    Hier wird "Wahrheitsunruhe" (Nyanatiloka Thera), bzw. "Rastlosigkeit" (...sich über die Lehre klar zu werden) (Sabamitta) als ein möglicher Ausgangspunkt eines der 4 Wege zur Arahantschaft beschrieben:

    Zitat

    1. (Nyanatiloka Thera)

    Ferner noch, ihr Brüder:

    da wird bei einem Mönche der Geist von Wahrheitsunruhe ergriffen.

    Es kommt aber die Zeit, wo der Geist sich innerlich festigt, sich völlig beruhigt, einig wird und sich sammelt;

    und dann erschließt sich ihm der Pfad. Jenen Pfad hegt und pflegt er, wandelt ihn beharrlich.

    Indem er aber jenen Pfad hegt und pflegt, ihn beharrlich wandelt, lösen sich ihm die Fesseln und die Neigungen ersterben.


    2. (Sabamitta)

    Dann ist da ein Mönch, dessen Geist von Rastlosigkeit gepackt ist, sich über die Lehre klar zu werden. Doch es kommt eine Zeit, da sein Geist innerlich gestillt wird; er setzt sich, wird eins und versinkt im Samādhi. Der Pfad wird in ihm geboren.

    .....

    Alles anzeigen

    Sowohl Sabamittas Übersetzung mit "Rastlosigkeit" (sich über die Lehre klar zu werden), als auch Nyanatilokas Bezeichnung "Wahrheitsunruhe" irritieren etwas, u.a., da "Unruhe/Rastlosigkeit/Aufgeregtheit" ja als eines der 5 zu überwindenden Hindernisse/Nivarana betrachtet wird....


    Entscheidend ist wohl, dass der Übende jeweils (innerlich) tief bewegt und umgetrieben wird von der Suche nach der Wahrheit (des Dhammas) und seinen Geist ernsthaft auf Erwachen ausgerichtet hat.


    Die Frage bleibt aber, wie oder wodurch der Geist sich dann - offensichtlich ohne die bei den 3 anderen Wegen praktizierten Samatha- und Vipassana-Meditationen? -

    soweit beruhigt und sammelt, dass er schließlich Samadhi erreicht und sich ihm demzufolge "der Pfad erschließt"? :?


    Das Sutta scheint keine schlüssige Antwort darauf zu geben, Geduld und Geisteszügelung sind aber sicherlich vonnöten...?

    (Zu starker "Erkenntnisdrang" könnte auch kontraproduktiv sein - Stichwort "Papanca"/Ausuferung/Gedankenwucherung.)

    Zitat

    Es kommt aber die Zeit, wo der Geist sich innerlich festigt, sich völlig beruhigt, einig wird und sich sammelt;


    Liebe Grüße, Anna :)_()_:heart:

    "...Dieser edle achtfache Pfad aber ist der zur Aufhebung des Leidens führende Weg..." (AN.VI.63)

    "In dieser Stunde hörte Siddhartha auf, mit dem Schicksal zu kämpfen, hörte auf zu leiden. Auf seinem Gesicht blühte die Heiterkeit des Wissens, dem kein Wille mehr entgegensteht, das die Vollendung kennt, das einverstanden ist, mit dem Fluss des Geschehens, mit dem Strom des Lebens, voll Mitleid, voll Mitlust, dem Strömen hingegeben, der Einheit zugehörig." (H.Hesse)

  • pano
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    • 14. Juni 2026 um 23:50
    • #4

    Vielleicht ist damit auch der Anreiz und die Motivation gemeint? So wie chanda ?


    Also wenn ich die Sutta lese klingt das so wie der Anreiz zum rechten Entschluss (samma sankappa)

  • pano
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    • 14. Juni 2026 um 23:55
    • #5

    Es ist immer wieder spannend dass man suttas so unterschiedlich lesen kann. Was du bemerkt hast habe ich locker überlesen. Ich war sehr klar an der Frage interessiert ob Einsicht nachgelagert oder parallel geübt werden soll.

  • Qualia
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    • 15. Juni 2026 um 08:39
    • #6

    samatha = das funktionale Stillstellen der inneren Formungs‑ und Reaktionsprozesse (saṅkhāra‑Beruhigung).


    Das deckt sich mit dem Satipatthana Sutra.

    Was formt Sankhāra? Einzig die Gedankentätigkeit, denn sankhāra sind Gedankengebäude. Der Geist formt nichts, außer man setzt Geist und Verstand gleich.

    Der Tat geht der Gedanke voran, beende ich die Gedanken, kommt es nicht zur Tat. Der Geist bleibt unberührt.

    pano:

    Von dieser Kurzen Lehrrede habe ich mal 2 Übersetzungen eingestellt, ich finde das ganz illustrativ, auch weil ich Sabamittas Übersetzung des Worts samatha als Sammlung für verwirrend halte, Geistesruhe ist treffender.

    Wenn es eine Quelle gibt, ist es Ich.

    Ich ist nicht leer oder tot.

    Ich ist offen und frei,

    für sein ergreifen, festhalten, loslassen,

    für das ergriffen, festgehalten, verlassen werden.

  • Anna Panna-Sati
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    • 16. Juni 2026 um 13:18
    • #7
    pano:

    Ich war sehr klar an der Frage interessiert ob Einsicht nachgelagert oder parallel geübt werden soll.

    Ja, diese Frage ist wohl auch die vordringliche, wenn man "rechte Meditation" üben und "Fehler" vermeiden möchte.


    Im vorgestellten Sutta legt Ananda (!), der zu dieser Zeit selbst noch nicht vollständig erleuchtet, sondern "nur" Sotapanna war, dar, dass jene Frage offensichtlich individuell verschieden beantwortet werden kann.


    Klar scheint nur, dass Erleuchtung u.a. das Praktizieren beider Meditationsrichtungen zur Voraussetzung hat:

    Ruhe/Samadhi UND Einsicht/Vipassana

    In welcher Reihenfolge man übt, ergibt sich oft aus der aktuellen Situation, bzw. der momentanen geistigen Verfassung, heraus:

    Bei innerer Unruhe muss der Geist erst mal durch eine Samatha-Meditation konzentriert, beruhigt, gesammelt werden, bevor ein Übergang/ein Hineingleiten zur/in die Vipassana- Meditation folgt.


    Ayya Khema hielt dazu mal einen Dharma-Vortrag (Er war übrigens seinerzeit "mein" Einstieg in die buddhist. Praxis ;)):


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    ca.16. Min. : Einsichtsmeditation = Kontemplation

    ca. 25.Min.: Einsicht in die Vergänglichkeit/Anicca


    In ca. Min. 31:15: "Nur ein Geist, der wirklich zur Ruhe gekommen ist, kann tiefe Einsichten bekommen."

    Dazu beschreibt Ayya Khema eine Analogie, das Bild von den Ozeanwellen:

    Angenommen, wir befinden uns im Ozean - bei hohem Wellengang - dann können wir nichts weiter sehen, als das Wasser der Wellen.

    Hat sich jedoch der Ozean geglättet (beruhigt), "können wir in die Tiefe schauen".


    pano:

    Vielleicht ist damit auch der Anreiz und die Motivation gemeint? So wie chanda ?


    Also wenn ich die Sutta lese klingt das so wie der Anreiz zum rechten Entschluss (samma sankappa)

    Danke, lieber pano , ja, das leuchtet mir ein.


    Chanda, in diesem Fall heilsames Chanda ( "Dhamma-Chanda"/"Kusala-Chanda"),

    also das 2. Glied (rechte Gesinnung/rechtes Denken/Absicht-> Entschluss) des Edlen Achtfachen Pfades,

    scheint in dieser Lehrrede als ein weiterer Zugang zum Beschreiten des Achtpfades beschrieben zu werden...?


    Frage: Lässt sich Dhamma-Chanda "intellektuell" entwickeln, also z.B. als "Frucht" intensiven Nachdenkens und Erwägens - dieses allerdings unter Einbeziehung von Lieb. Güte und Mitgefühl?


    Liebe Grüße, Anna :)_()_:heart:

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    "In dieser Stunde hörte Siddhartha auf, mit dem Schicksal zu kämpfen, hörte auf zu leiden. Auf seinem Gesicht blühte die Heiterkeit des Wissens, dem kein Wille mehr entgegensteht, das die Vollendung kennt, das einverstanden ist, mit dem Fluss des Geschehens, mit dem Strom des Lebens, voll Mitleid, voll Mitlust, dem Strömen hingegeben, der Einheit zugehörig." (H.Hesse)

  • Online
    Matthie
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    • 16. Juni 2026 um 15:32
    • #8

    Der 4te Weg klingt für mich nach Spontanerleuchtung wie man Sie ja aus verschiedenen Koan - Geschichten kennt.

    Sodass nur der Klang eines Steins auf den Bambus zur Erleuchtung geführt hat.


    Als Motivation um jeden Moment als besonders zu betrachten indem alles Möglich ist vielleicht ganz hilfreich.

    Wie die meisten hier sehe ich das aber auch eher als ein Prozess und Weg 1-3 ist besser nachvollziehbar.

  • Samadhi1876
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    • 16. Juni 2026 um 22:01
    • #9

    Der Begriff Geistesruhe ist von zentraler Bedeutung:

    Der „Weg“ zur „völligen Geistesruhe“:


    Spätestens wenn unser Körper der geboren wurde wieder stirbt

    Stirbt damit auch der gewöhnliche Affengeist der die Geistesruhe behindert

    Und wir werden wieder tiefsten Frieden und grenzenlose Freiheit darin finden wo wir einst alle „ her gekommen sind“

    Diesen Weg werden wir irgend wann auch alle kennenlernen und gehen


    Aber wir möchten ja noch nicht das unser Körper jetzt schon stirbt

    Denn dann könnten wir dieses Leben ja nicht mehr erleben

    Das Wunder dieses Lebens auf der Erde nicht mehr erleben

    Das größte Geschenk an sich an uns

    Da wir dafür einen Körper dafür brauchen

    Der auf dieser Erde leben, stehen, sich bewegen, sehen, riechen, schmecken, fühlen, hören kann


    Nun schön:


    Wie finden wir wieder Geistesruhe in diesem Leben?

    Wir gehen allein in den Wald wie der Buddha damals

    Dreißig Tage lang

    Abseits von Menschen und anderem Lärm

    Und meditieren und sind nur noch mit der Natur Eins


    Kannst Du das selbst?

    Möchtest Du das auch mal ausprobieren?
    Hältst Du 30 Tage durch?
    Hast Du zuvor alles Andere im Leben schon ausprobiert und bist dadurch zur Erkenntnis gekommen, das kann es nicht wirklich sein das glücklich macht?
    Hast Du noch Angst vor dem Sterben oder bist Du nun neugierig darauf geworden was nach dem Sterben ist?
    Hast Du Vertrauen zu dem Dir noch Unbekannten, „Gott“, dem Universum, das sie Dich dabei begleiten werden?

    Wenn das so ist…

    Dann mach das…

    Aber höre auf dabei etwas zu erwarten wie dein ganzes Leben zuvor…

    “Stirb einfach“ während Du lebst…


    Es kommt auf die äußeren Umstände an

    Es kommt auf die eigene Offenheit und Bereitschaft an

    Es kommt auf die Umgebung an in der man übt

    Es kommt darauf an wie man atmet und sich innerlich versenken kann

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    Matthie
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    • 17. Juni 2026 um 08:03
    • #10

    Wow das ist ja ein radikaler Ansatz den ich aber durchaus nachvollziehen kann.

    Ob ich einmal 30 Tage in den Wald gehe um eins mit der Natur zu werden weiß ich nicht.

    Ob ich das durchhalten würde weiß ich auch nicht.

    Empfinde den Gedanken aber durchaus als reizvoll….

    Samadhi1876:

    Stirb einfach“ während Du lebst…

    Ich vermute Du meinst alles loslassen, sich fallenlassen, alles hinter sich lassen und sich voll hingeben. Vielleicht sogar Neu Erwachen ?


    Habe ich so drastisch noch nie gehört 🙈.

    Samadhi1876 kannst Du das etwas ausführen was Du damit meinst ?

  • Qualia
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    • 17. Juni 2026 um 09:58
    • #11
    Matthie:

    Ich vermute Du meinst alles loslassen, sich fallenlassen, alles hinter sich lassen und sich voll hingeben. Vielleicht sogar Neu Erwachen ?

    Das ist die Vorstellung von frei sein. Doch frei sein ist vergänglich. Dieses Konzept: Freisein ist nur hilfreich, wenn man im Stress ist, es ist aber dukkha.

    Hilfreich ist:

    Jetzt das loslassen das nicht nötig ist und nur belastet.

    Jetzt will ich essen und mir keine Gedanken um das nach oder vor dem Essen machen. Außer es entspannt mich, weil ich es loslassen kann und essen.


    Sich jetzt fallenlassen, raus aus Gedanken und Handeln. Jetzt Nichtstun oder nur das, was hilft, mich fallen zu lassen, damit ich Nichtstun sein kann.


    Jetzt alles hinter sich lassen, die Tür hinter sich schließen und ganz das fühlen, was jetzt da ist. Das geht hervorragend, wenn man sich bewusst wird, dass man am Geschehenen nichts ändern kann. Ich werde mich darum kümmern, wenn es wieder vor mir ist.


    „Neu erwachen“ ist dann neu-geboren, wenn man loslassen, fallenlassen, hinter sich lassen durch bewusstes Üben im Alltag erfährt. Es jederzeit bewusst, mit Aufmerksamkeit auf die direkte Umwelt und Achtsamkeit auf die eigene Gedankenwelt handeln kann. Neuerwachen wird dann so normal wie im Jetzt sein.


    So auch Meditation ausführen: „Loslassen, fallenlassen, hinter sich lassen“ macht eine Meditation von fünf Minuten zu einem Aufenthalt von 30 Tagen allein im Wald.


    Meditation ist dann sinnlos, wenn sie nur entspannen soll, da gibt es genug andere Techniken.

    Meditation ist dann Hilfreich wenn man sich mit Nichthandeln stilllegen muss, um aus der Stresssituation herauszukommen. Sich ganz bewusst stilllegen, in Abgeschiedenheit, ist manchmal die einzige Hilfe. (Erst mal dreimal ganz bewusst tief ein- und langsam ausatmen.) Atmen ist keine bewusste Tätigkeit und darum der Grund das man lebt. Atmen wird aber unbewusst gesteuert durch nicht erkannten Stress.

    Wenn es eine Quelle gibt, ist es Ich.

    Ich ist nicht leer oder tot.

    Ich ist offen und frei,

    für sein ergreifen, festhalten, loslassen,

    für das ergriffen, festgehalten, verlassen werden.

    Einmal editiert, zuletzt von Qualia (17. Juni 2026 um 10:03)

  • Samadhi1876
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    • 17. Juni 2026 um 11:34
    • #12
    Matthie:

    Ich vermute Du meinst alles loslassen, sich fallenlassen, alles hinter sich lassen und sich voll hingeben. Vielleicht sogar Neu Erwachen ?


    Habe ich so drastisch noch nie gehört 🙈.

    Samadhi1876 kannst Du das etwas ausführen was Du damit meinst ?

    „Stirb einfach während Du lebst“:


    Es kommt einem in manchen Momenten der Übung, Praxis, so vor, je weiter und tiefer man dabei voran schreitet, das (man) (etwas) gerade stirbt, etwas das einem bis dahin essenzentiell „Überlebenswichtig“ erschien. An dem man seine eigene Existenz und Identität zuvor selbst fest gemacht hat. Oder das von anderen mit geformt worden ist. Das „eigene Ich“.

    Was wird sein ohne dieses, mein so lange vertrautes „Ich“ oder wenn ich es plötzlich verliere? Bin „ich“ dann tot? Was wird stattdessen Dasein?

    Anfangs weiß man das eben nicht und es erfordert auch eine gewisse aufkommende Angst dabei zu überwinden. Die Angst vor dem Ungewissem. Ähnlich wie was wird (noch übrig geblieben) Sein wenn mein Körper einmal stirbt oder gestorben ist.

    Es erfordert auch anfangs Vertrauen trotzdem „einfach weiter zu gehen“ auch wenn sich in einem selbst etwas (natürlich) dagegen mehr oder weniger heftig beginnt zu wehren.

    Das war mal eine eigene Erfahrung die ich gemacht habe als ich mich dafür interessierte wer „Ich“ eigentlich bin, was das Leben eigentlich ist, wo meine verstorbenen Eltern jetzt sind.

    Dabei ist gefühlt auch mein eigenes Gerüst (Ego) (Worüber ich mich selbst definiert habe wer ich bin) zusammen gefallen das ich mir selbst im Laufe des Lebens „zusammen gezimmert habe“. Und das sich anfangs natürlich auch heftig dagegen gewehrt hat. Weil es für das Ego Existenziell war.


    Die Versenkung erfolgte in mehreren Stufen. Ich wusste auch nicht was kommen würde. Darüber gelesen hatte ich auch nicht was geschehen kann oder „sollte“. Es war mehr ein Experiment. Etwas ganz Neues auszuprobieren. Und es gab eben einen großen inneren Wunsch in mir das zu tun: Auf Grund einer sehr großen persönlichen Lebenskrise.


    Das ging rückblickend sehr schnell. Eigentlich Viel zu schnell. Und auf einmal erschien gefühlt so etwas wie ein Tor. Und ich hatte einerseits großes Unbehagen durch dieses „Tor“ zu gehen, andererseits war mein Neugier letztendlich größer: ich war bereit dafür „zu sterben“, wahrscheinlich weil ich in einer grossen Lebenskrise war und gefühlt sowieso nichts mehr zu verlieren hatte. Und als ich dann noch weiter und tiefer durch das „Tor“ Schritt, spürte ich auf einmal eine nicht erkannte innere Befreiung und das Tor verschwand augenblicklich. Und ich lachte darüber das ich zuvor glaubte da wäre ein „finsteres unheimliches Tor“ gewesen.

    Hätte ich nicht tiefes Vertrauen zu etwas mir sehr Unbekannten gehabt, das da noch etwas anderes ist, als mein Ego, das mich auffangen wird, wenn mein Ego stirbt, dann wäre ich glaube ich Nicht so weit gegangen.


    Es war eine neue Begegnung für mich, die vorher so einfach (mit diesem Ich und Ego) nicht möglich war, obwohl das was ich begegnete jeden Augenblick meines Lebens schon immer da war: „Ich“ (Ego) konnten es nur nicht erkennen.

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    Matthie
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    • 17. Juni 2026 um 11:43
    • #13

    Danke Qualia und Samadhi1876 🙏


    Fühle mich gerade unerwartet, unverhofft beschenkt durch Eure Beiträge 😊.


    Ich hoffe dieses Gefühl erzeugt nicht auch dukkha 😂🫣🙈🤣

  • Qualia
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    • 17. Juni 2026 um 13:32
    • #14
    Samadhi1876:

    „Stirb einfach während Du lebst“:

    Wenn man gelernt hat, es zu betrachten und nicht einzugreifen, kann man den Übergang ins Sterben im Leben erkennen. Darum drei ,Mal tief ein- und langsam ausatmen.

    Beim dritten Mal hat man eines Tages die klare Erkenntnis (Erleuchtung) gemerkt, dass das gierige, hassende, erwartende Ich gestorben ist und man nur noch, man weiß nicht was, ist. Und dann kommt die Wiedergeburt: Oh Mann, ist ja doch noch alles da. Erst jetzt kann ich das Wiedergeborene verändern.

    Wenn es eine Quelle gibt, ist es Ich.

    Ich ist nicht leer oder tot.

    Ich ist offen und frei,

    für sein ergreifen, festhalten, loslassen,

    für das ergriffen, festgehalten, verlassen werden.

  • Anna Panna-Sati
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    • 17. Juni 2026 um 16:54
    • #15
    Matthie:

    Der 4te Weg klingt für mich nach Spontanerleuchtung wie man Sie ja aus verschiedenen Koan - Geschichten kennt.

    Danke, lieber Matthie , für die Erinnerung, auch im Palikanon wird ja von solchen spontanen Erwachensereignissen berichtet, z.B., als der Buddha, kurz nach seiner Erleuchtung, seine 5 ehemaligen Mönchsgefährten in den Dharma einführte ("Rede von Benares").


    Jene Asketen hatten den extremen Weg der Selbstkasteiung lange zusammen mit dem (späteren) Buddha geteilt, bevor dieser erkannte, dass der Weg der Selbstqual nicht zum Ziel führen würde und sich absetzte...

    Zitat

    2. Dhammacakkappavattana Vagga

    S.56.11. Vom Vollendeten Gesprochenes - Dhammacakkappavattana Sutta


    Das hab ich gehört. Zu einer Zeit weilte der Erhabene bei Benares am Sehersteine im Wildparke. Dort nun wandte sich der Erhabene an die fünf verbündeten Mönche:

    "Zwei Extreme sind, ihr Mönche, von Hauslosen nicht zu pflegen. Welche zwei?

    • Bei den Sinnendingen sich dem Anhaften am Sinnenwohl hingeben, dem niederen, gemeinen, gewöhnlichen, unedlen, heillosen; und
    • sich der Selbstqual hingeben, der schmerzlichen, unedlen, heillosen.

    Diese beiden Extreme vermeidend, ist der Vollendete zum mittleren Vorgehen erwacht, das sehend und wissend macht, das zur Beruhigung, zum Überblick, zur Erwachung, zum Nirvāna führt.

    .........


    (Es folgt die Belehrung über die 4 Edlen Wahrheiten.)


    ....Und mir ging die Wissensklarheit auf: 'Unerschütterlich ist meine Gemüterlösung. Dies ist die letzte Geburt. Und nicht mehr gibt es Weitersein'".


    Also sprach der Erhabene.

    Zufrieden freuten sich die fünf verbündeten Mönche über die Worte des Erhabenen.


    Und während die Erklärung vorgetragen wurde, ging dem Ehrwürdigen Kondañño das lautere fleckenlose Auge der Lehre auf: *


    "Was irgend auch entstanden ist, muß einmal wieder untergehn".


    https://www.palikanon.com/samyutta/sam56.html#s56_11

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    * Dies beschreibt den sogenannten Stromeintritt (Sotapatti) = im Theravada die 1. Erleuchtungsstufe, in der die ersten 3 Fesseln

    (Persönlichkeitsansicht, Anhaftung an Regeln und Riten, skept. Zweifel) gelöst wurden.


    Im Erstaunen über diese plötzliche Einsicht - (scheinbar ausschließlich) nur durch das Hören des Dhammas - darf man aber den wesentlichen Punkt nicht übersehen, nämlich, dass die Mönche zuvor bereits jahrelang selbst-entsagend meditiert, geübt und "wahrheitssuchend" gelebt hatten.


    Wenig später, beim Anhören der nachfolgenden Lehrpredigt, erlangten die 5 Mönche dann (offenbar übergangslos) die Arahantschaft

    (= vollständiges Erwachen/Nibbana).

    Zitat

    S.22.59. Die Merkmale des Nicht-Ich - 7. Anattalakkhaṇa Sutta

    (Diese Rede ist das berühmte Anattā-Lakkhana-Sutta, die 'Lehrrede von den Merkmalen des Nicht-Ich', d.i. von den Kennzeichen, welche die Abwesenheit jeder beharrenden Ich-Substanz deutlich machen.

    Diese Lehrrede wurde an dieselbe 'Gruppe der fünf' früheren Asketengefährten des Buddha gerichtet, welche durch die erste Lehrverkündung, die 'Predigt von Benāres' (Dhammacakka-Pavattana-Sutta) die Stufe des Stromeintritts erreicht hatten.


    Für die Wichtigkeit der Nicht-Ich-Lehre (anattā) ist es bezeichnend, daß erst nach Hören und Verstehen der davon handelnden zweiten Lehrrede des Buddha jenen fünf ersten Jüngern der Durchbruch zur Heiligkeit gelang. Diese Rede findet sich auch in Vinaya, Mahāvagga I 6, wo es noch zum Abschluß heißt: "Zu dieser Zeit nun gab es sechs Heilige in der Welt" - d.i. mit Einschluß des Buddha selber.)


    ....23. So erkennend, o Mönche, wendet sich der erfahrene, edle Jünger von der Körperlichkeit ab, er wendet sich ab vom Gefühl, er wendet sich ab von der Wahrnehmung, er wendet sich ab von den Gestaltungen, er wendet sich ab vom Bewußtsein. Abgewandt wird er entsüchtet.

    Durch die Entsüchtung wird er befreit.

    Im Befreiten ist die Erkenntnis: 'Befreit bin ich. Versiegt ist die Geburt, vollendet der Heilige Wandel, getan das Werk, nichts Weiteres nach diesem hier' - so erkennt er."


    24. Dies sprach der Erhabene.

    Beglückt freute sich die Gruppe der fünf Mönche über das Wort des Erhabenen.

    Während aber diese Erklärung gesprochen wurde, löste sich bei der Gruppe der fünf Mönche das Herz ohne Anhaften von den Trieben.


    https://www.palikanon.com/samyutta/sam22_060.html#s22_59

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    "Spontane" Erleuchtung heißt also nicht "ohne jede Vorbereitung" - EINSICHT/ERWACHEN erscheint zwar plötzlich, aber i.d.R. auf der Grundlage eines bereits vorbereiteten (geschulten) Geistes.


    Das wird im Zen nicht anders sein...;)

    Matthie:

    Sodass nur der Klang eines Steins auf den Bambus zur Erleuchtung geführt hat.

    Ja, schließlich und letztlich.....:)

    (So schön es wäre, ohne vorheriges "Mühen" (rechte Anstrengung) geht es wohl nicht, wobei auch Karma noch eine Rolle spielen mag ...:shrug:)


    Liebe Grüße, Anna :)_()_:heart:

    "...Dieser edle achtfache Pfad aber ist der zur Aufhebung des Leidens führende Weg..." (AN.VI.63)

    "In dieser Stunde hörte Siddhartha auf, mit dem Schicksal zu kämpfen, hörte auf zu leiden. Auf seinem Gesicht blühte die Heiterkeit des Wissens, dem kein Wille mehr entgegensteht, das die Vollendung kennt, das einverstanden ist, mit dem Fluss des Geschehens, mit dem Strom des Lebens, voll Mitleid, voll Mitlust, dem Strömen hingegeben, der Einheit zugehörig." (H.Hesse)

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    • 17. Juni 2026 um 18:01
    • #16

    Die beiden ersten Reden sollten immer zusammen erwähnt werden, denn sie machen klar, womit Buddha weitergemacht hat, nachdem die Freude, die keine ist, bei den Fünf vergangen war. Gleich in die Tiefe ging und dann nach einer weiteren Pause mit „Alles brennt“ das Feuer des Dukkha, durch das sich mit etwas Identifizieren, immer wieder Nahrung bekommen: Das ist mein, das bin ich, das ist mein Selbstsein.


    Die drei Reden reichen aus, um einzuschreiten, wenn man leidet: Das ist nicht mein, das bin nicht ich, das ist nicht mein Selbstsein. Leider glaubt man sich nicht und sucht nach Bestätigung durch einen Meister oder in den Reden Buddhas, aber alldieses ist nicht mein, nicht ich, nicht mein Selbst. Doch wenn ich das nicht erfahren habe, werde ich immer wieder auf das „Bin ich“ hereinfallen und leiden.

    Wenn es eine Quelle gibt, ist es Ich.

    Ich ist nicht leer oder tot.

    Ich ist offen und frei,

    für sein ergreifen, festhalten, loslassen,

    für das ergriffen, festgehalten, verlassen werden.

Ausgabe №. 136: „Liebe & Loslassen"

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