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Die missliche Lage, in die ich mich gebracht habe

  • Turmalin 1
  • 30. März 2020 um 10:15
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    • 31. März 2020 um 15:44
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    • #51

    Bei den Katholiken gibt es ja das Schuldenbekenntis.


    [lz]

    Der Betende bekennt, dass er ein Sünder ist und bittet Gott um Vergebung. Schon vom Hl. Augustinus ist überliefert, dass der Betende sich dabei dreimal auf die Brust schlägt. Dies geschieht bei den Worten "...durch meine Schuld, durch meine Schuld, durch meine große Schuld." bzw. "...mea culpa, mea culpa, mea maxima culpa."[/lz]

    Das "Durch meine Faulheit bin ich in diese missliche Lage geraten." hat etwas von so einem "mea culpa", Im Christentum ist die Idee von der Erbsünde konsistent: Durch ihre Auflehnung gegen Gott haben sich Adam und Eva in eine missliche Lage (Sünde) gebracht.

    Im Buddhismus ist dagegen Dukkha der Grundzustand der Welt. Da wir nie draußen waren hat sich niemand in diese missliche Lage gebracht und eigentlich ist niemand "schuld". Von daher gibt es viele - die das Konzept Schuld im Buddhismus als fehl am Platz ansehen und auch in einer Selbstbeschuldigung nichts Konstruktives sehen.

    In dem "Geistestraining in sieben Punkte" von Geshe Chekawa, gibt es die Anweisung, anderen Wesen und dem Unständen keine Schuld zu geben, sondern "dem einen alle Schuld zu geben§. Dieser Eine ist natürlich nicht man selbst als Person sondern das "haften an einem Ich" selbst.

    Djamgön Kongtrul Lodrö Thaye:

    Wenn du körperlich krank bist oder geistig leidest, wenn dich andere beleidigen, dich

    angreifen oder du in Streit verwickelt wirst – kurz, wann immer dir oder deinen Nächsten

    große oder kleine Ärgernisse widerfahren: Denke nicht: „Diese Person macht Probleme“

    und schiebe so anderen die Schuld zu.

    Bedenke stattdessen: „Dieser Geist, der an einem Ich haftet, obwohl es keinerlei Ich gibt,

    hat im anfangslosen Daseinskreislauf bis zum heutigen Tag aus reiner Selbstbezogenheit

    eine Unmenge nichtheilsamer Handlungen ausgeführt. Deren Ergebnis ist das Leid, das

    mich jetzt befällt. Niemand sonst ist daran Schuld als einzig und allein meine Ichbezogenheit,

    und ich werde alles daran setzen, sie zu bezähmen.“

    Also wem wird hier alle Schuld zugeschoben? Dem Ich-Anhaften – also grob gesagt uns

    selbst, dem Irrtum, dem wir selbst immer wieder aufsitzen seit endloser Zeit.

    Alles anzeigen

    Wenn man genauer hinschaut, ist es schon noch ein Unterschied, ob man dem "Haften am ich" alle Schuld gibt oder "sich".

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    • 31. März 2020 um 16:07
    • #52
    mukti:

    Erstens die Identifikation mit dem Körper, was wohl die allermeisten Menschen betrifft, und zweitens dass dukkha vor allem dann einen Anstoß zu mehr buddhistischer Praxis gibt, wenn es gerade in meiner Umgebung oder bei mir selber zuschlägt.

    Das ist ja auch normal, Mukti, wozu sollte sonst die Praxis sein, wenn nicht, um uns über schwierige Situationen hinauszutragen.

    Wichtig ist m.E. aber, dass ich praktiziere, auch wenn es mir gut geht. Das ist nämlich das Ergebnis guter Praxis - so wie tägliches Zähneputzen.

    Bin ich zu streng?

    _()_ Monika

  • Turmalin 1
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    • 31. März 2020 um 16:19
    • #53
    void:
    Djamgön Kongtrul Lodrö Thaye:

    Wenn du körperlich krank bist oder geistig leidest, wenn dich andere beleidigen, dich

    angreifen oder du in Streit verwickelt wirst – kurz, wann immer dir oder deinen Nächsten

    große oder kleine Ärgernisse widerfahren: Denke nicht: „Diese Person macht Probleme“

    und schiebe so anderen die Schuld zu.

    Bedenke stattdessen: „Dieser Geist, der an einem Ich haftet, obwohl es keinerlei Ich gibt,

    hat im anfangslosen Daseinskreislauf bis zum heutigen Tag aus reiner Selbstbezogenheit

    eine Unmenge nichtheilsamer Handlungen ausgeführt. Deren Ergebnis ist das Leid, das

    mich jetzt befällt. Niemand sonst ist daran Schuld als einzig und allein meine Ichbezogenheit,

    und ich werde alles daran setzen, sie zu bezähmen.“

    Also wem wird hier alle Schuld zugeschoben? Dem Ich-Anhaften – also grob gesagt uns

    selbst, dem Irrtum, dem wir selbst immer wieder aufsitzen seit endloser Zeit.

    Alles anzeigen

    Wenn man genauer hinschaut, ist es schon noch ein Unterschied, ob man dem "Haften am ich" alle Schuld gibt oder "sich".

    Alles anzeigen

    Und das hälst du jetzt für den wesentlichen Punkt nachdem du das von Jamgon gelesen hast? :? Finde ich schwierig, weil ich finde der Absatz ist in sich selbst einleuchtend.

    Es gibt im Lojong den Satz: "Richte alle Vorwürfe an einen"- ich finde das simpel zu verstehen und schwierig dauerhaft auszuführen.

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    • 31. März 2020 um 16:39
    • #54
    Monikadie4.:
    mukti:

    Erstens die Identifikation mit dem Körper, was wohl die allermeisten Menschen betrifft, und zweitens dass dukkha vor allem dann einen Anstoß zu mehr buddhistischer Praxis gibt, wenn es gerade in meiner Umgebung oder bei mir selber zuschlägt.

    Das ist ja auch normal, Mukti, wozu sollte sonst die Praxis sein, wenn nicht, um uns über schwierige Situationen hinauszutragen.

    Wichtig ist m.E. aber, dass ich praktiziere, auch wenn es mir gut geht. Das ist nämlich das Ergebnis guter Praxis - so wie tägliches Zähneputzen.

    Bin ich zu streng?

    _()_ Monika

    Ich finde auch dass das normal bzw. richtig ist und nicht zu streng, muss aber gestehen dass ich qualitativ und quantitativ umso mehr praktiziere je näher mir irgendeine Art von Leid auf den Pelz rückt. Obwohl Leid ja immer da ist, nur halt zuweilen so weit weg dass ich gar nicht dran denken will.

    Mit Metta, mukti.


  • Phoenix
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    • 31. März 2020 um 16:45
    • #55

    Hi void,

    der Text von Kongtrul Rinpoche, arbeitet recht gut heraus,wo es hier wichtige Unterscheidungsmerkmale gibt.

    Danke ,das du ihn hier eingestellt hast.:!:

    Mit persönlich ist halt wichtig , das wir bei philosophischen Betrachtungen wirklich sauber arbeiten.

    Sonst erinnert mich das nämlich zwar weniger an den schuldbeladenen Moralismus der Katolischen Kirche aber dafür um so mehr an meine evangelischen Wurzeln.

    Und da wurde halt so gut wie in jedem Gottesdienst erzählt, deine Schuld ist zwar irgendwo vorhanden, aber sie ist auch irgendwie schon lange getilgt ,denn Jesus Christus ist für dich am Kreuz gestorben.

    Ein bischen ähnlich kommt mir die Sache mit dem Ich oder dem Selbst im Buddhismus da schon manchmal vor. Man ist für die Suppe ,die man auslöffeln muß zwar selber verantwortlich , aber schuldig ist man ja schon alleine deshalb nicht ,weil es dieses selbst gar nicht wirklich gibt.

    Irgendwie fühle ich immer etwas unwohl,wenn ich Belehrungen zu Leerheit, Karma und dem Ego zu hören bekomme.

    Ich finde diese Belehrungen haben ein sehr großes Potential ideogisch eingsetzt zu werden und Zusammenhänge eher zu verschleiern als aufzuklären.

    Vielleicht kannst du ja ein wenig nachvollziehen, warum ich mich bei sehr traditionelles Belehrungen oder dem Dauerhit "das Ich und die Anhalftung " oft ein wenig unwohl fühle.

    Ich bin jedenfalls irgenwann einmal darauf gekommen,das ich mich in einer mündlichen Übertragungslinie so gut aufgehoben fühle,weil es da um Vertrauen und Aufrichtigkeit geht, und weniger darum ,ob etwas nachgewiesenermaßen authentisch oder logisch ist.

    _()_ Phönix

  • Turmalin 1
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    • 31. März 2020 um 16:55
    • #56
    Phoenix:

    Und da wurde halt so gut wie in jedem Gottesdienst erzählt, deine Schuld ist zwar irgendwo vorhanden, aber sie ist auch irgendwie schon lange getilgt ,denn Jesus Christus ist für dich am Kreuz gestorben.

    Ein bischen ähnlich kommt mir die Sache mit dem Ich oder dem Selbst im Buddhismus da schon manchmal vor. Man ist für die Suppe ,die man auslöffeln muß zwar selber verantwortlich , aber schuldig ist man ja schon alleine deshalb nicht ,weil es dieses selbst gar nicht wirklich gibt.

    Madhyamaka, der Mittlere Weg ist was anderes als das Christentum. Ich würd eher versuchen, die zwei Wahrheiten-Lehre richtig zu verstehen,eventuell mit Hilfe eines Lehrers, als Vergleiche mit dem Christentum anzustellen.

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    • 31. März 2020 um 16:57
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    • #57
    Turmalin:

    Und das hälst du jetzt für den wesentlichen Punkt nachdem du das von Jamgon gelesen hast? :? Finde ich schwierig, weil ich finde der Absatz ist in sich selbst einleuchtend.

    Es gibt im Lojong den Satz: "Richte alle Vorwürfe an einen"- ich finde das simpel zu verstehen und schwierig dauerhaft auszuführen.

    Spotan fällt mit das Wort "Verantwortung" ein. Weiter unten in dem gleichen Text heißt es

    Lama Lhündrub:

    Dieses Ungeheuer, dieser Dämon, des eigenen Ich-Anhaftens ist das eigentliche Problem. Das dürfen wir nie vergessen, wenn wir versuchen, im Außen die Situation ein bisschen erträglicher zu gestalten, was nur Ausdruck davon ist, dass wir die Situation so nicht leben können, das überschreitet unsere Fähigkeiten. Wir sollten nie vergessen, dass dieses Ungeheuer des Ich-Anhaftens ohne weiteres in der Lage ist, uns in die Höllenbereiche zu schleudern, wenn wir denselben Hass und größeren noch entwickeln als die, die uns plagen, dann sind wir letzten

    Endes viel schlimmer dran als diejenigen, die die Situation begonnen haben. Da müssen wir ganz gut aufpassen, dass wir uns nicht in diesem Teufelskreis weiter drehen.

    Und jetzt sprechen wir mit diesem Ungeheuer.

    „In Hunderten und Tausenden von Leben hast du mir jedes Mal im Daseinskreislauf

    Leid zugefügt. Jetzt erinnere ich mich mit ganzem Groll und werde dich, den eigenen

    schädlichen Geist, vernichten!“

    Worum es hier geht, ist die allgemeine Haltung Schwierigkeiten gegenüber. Bei allen Schwierigkeiten behalten wir im Geist, dass das eigentliche Problem unser Anhaften ist. Damit haben wir schon seit Tausenden und Millionen von Leben zu tun! In diesem Leben – Schwierigkeiten werden wir haben, keine Frage. Das Wesentliche in diesem Leben ist, dieses Ich-Anhaften aufzulösen, freier zu werden davon oder ganz frei zu werden davon. Das ist das, was uns eigentlich interessiert. So werden wir mit jeder Situation arbeiten, um die aufsteigenden emotionalen Impulse durch Bodhicitta zu ersetzen, durch Bodhicitta aufzulösen. Um das wirklich tun zu können, um wirklich all unser Karma annehmen zu können, all diese Schwierigkeiten, und sie auflösen zu können, muss es uns egal werden, ob wir gesund oder krank sind, lebendig oder tot. Wir müssen so weit gehen, dass es uns egal wird. Erst dann können wir wirklich uns ganz entschlossen darauf ausrichten, an diesem Ich-Anhaften, unserer Ichbezogenheit zu arbeiten. Solange es uns nicht egal ist, was uns passiert, werden wir immer versuchen, im Außen die Dinge zu arrangieren.

    Alles anzeigen

    Das ist ziemlich heftig ausgedrückt. Der Kernpunkt für mich ist, das "all unser Karma annehmen" - die Verantwortung dafür übernehmen. Und ein Teilbereich davon ist, wenn immer wir in uns den Impuls fühlen, jrmend anderen oder Umstände zu beschuldigen, dieses Beschuldigen auf das "Ungeheuer des Ich-Anhaftens" zu richten.

    Ein großes Problem dabei, ist dass das Selbst-.Beschuldigen ja auch eine Art des Ich-Anhaftens sein kann. Oft beschuldigt man sich selbst ja, weil man einem bestimmten Ideal nicht nahekommt. Auch deswegen wird da Bodhicitta erwähnt. Das ist eine schwere Balance, sich gleichzeitig kein Beschuldigen durchgehen zu lassen, dies aber aus eine freundlichen Haltung heraus zu tun. Einen freundlichen,wohlwollenden Beschuldiger kann man sich schwer vorstellen!

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    • 31. März 2020 um 17:00
    • #58
    void:

    Bei den Katholiken gibt es ja das Schuldenbekenntis.

    [lz]

    Der Betende bekennt, dass er ein Sünder ist und bittet Gott um Vergebung. Schon vom Hl. Augustinus ist überliefert, dass der Betende sich dabei dreimal auf die Brust schlägt. Dies geschieht bei den Worten "...durch meine Schuld, durch meine Schuld, durch meine große Schuld." bzw. "...mea culpa, mea culpa, mea maxima culpa."

    [/lz]

    Das "Durch meine Faulheit bin ich in diese missliche Lage geraten." hat etwas von so einem "mea culpa", Im Christentum ist die Idee von der Erbsünde konsistent: Durch ihre Auflehnung gegen Gott haben sich Adam und Eva in eine missliche Lage (Sünde) gebracht.

    Im Buddhismus ist dagegen Dukkha der Grundzustand der Welt. Da wir nie draußen waren hat sich niemand in diese missliche Lage gebracht und eigentlich ist niemand "schuld". Von daher gibt es viele - die das Konzept Schuld im Buddhismus als fehl am Platz ansehen und auch in einer Selbstbeschuldigung nichts Konstruktives sehen.

    In dem "Geistestraining in sieben Punkte" von Geshe Chekawa, gibt es die Anweisung, anderen Wesen und dem Unständen keine Schuld zu geben, sondern "dem einen alle Schuld zu geben§. Dieser Eine ist natürlich nicht man selbst als Person sondern das "haften an einem Ich" selbst.

    Wenn man genauer hinschaut, ist es schon noch ein Unterschied, ob man dem "Haften am ich" alle Schuld gibt oder "sich".

    ........

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    Man muss "Schuld" in diesem Zusammenhang nicht unbedingt mit einer Selbstanklage assoziieren denke ich. Eine solche ist schon Ego, 'Ach ich bin so schlecht' wie auch das Gegenteil Ego ist, "Mensch bin ich großartig'. Aber irgendwas hat nun mal schuld, in dem Sinn dass es Ursache ist: Gott, Teufel, Mitmenschen, das Schicksal... oder eben ich selber. Die Sicht dass nichts und niemand für meine Lage verantwortlich ist als ich selber, scheint es mir am Besten zu treffen.

    "Das haften an einem Ich" ist natürlich eine Ursache, und nach dem Buddhismus hat sie selber keine Ursache. in dem Sinn, dass es laut (Pali-) Überlieferung nicht so ist, dass Unwissenheit irgendwann in der Vergangenheit nicht da gewesen wäre. Aber wenn man das nun einigermaßen versteht, dann kann man sie nur selber beseitigen, und wie sehr man sich dabei anstrengt hängt von einem selber ab. Andernfalls müsste man sagen: Ich will nichts anderes als Befreiung, aber die Umstände, die Kilesa, Mara oder sonstwas verhindern das und ich bin machtlos. Daran glaube ich nicht, würde ich wirklich nur Befreiung wollen, würde ich auf alles verzichten und ein Bikkhu werden.

    Mit Metta, mukti.


  • Turmalin 1
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    • 31. März 2020 um 17:15
    • #59
    void:

    Ein großes Problem dabei, ist dass das Selbst-.Beschuldigen ja auch eine Art des Ich-Anhaftens sein kann. Oft beschuldigt man sich selbst ja, weil man einem bestimmten Ideal nicht nahekommt. Auch deswegen wird da Bodhicitta erwähnt. Das ist eine schwere Balance, sich gleichzeitig kein Beschuldigen durchgehen zu lassen, dies aber aus eine freundlichen Haltung heraus zu tun. Einen freundlichen,wohlwollenden Beschuldiger kann man sich schwer vorstellen!

    Man merkt ja, ob das "Bekennen" zu irgendwas Unproduktivem führt. Das Ziel solcher Belehrungen ist, statt die Schuld im Außen zu suchen, bei sich zu suchen und sich dran zu erinnern, dass der einzige Ausweg ist den Dharma zu praktizieren. Wenn es dabei endet dass man in schlechtem Gewissen badet, ist was schief gelaufen.

    Aber das sollte doch zu unterscheiden sein ob ich praktiziere und einen hellen Geist habe oder in schlechtem Gewissen bade und entsprechend schlecht drauf bin.

  • Monikamarie
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    • 31. März 2020 um 17:18
    • #60
    mukti:

    muss aber gestehen dass ich qualitativ und quantitativ umso mehr praktiziere je näher mir irgendeine Art von Leid auf den Pelz rückt.

    Ja, dem widerspreche ich ja gar nicht. In dem Moment, wo mir was "Bedrohliches auf den Pelz rückt" oder wenn "ich dem Tod ins Auge blicken muss", werde ich meditieren, was denn sonst?

    Turmalin:

    dass der einzige Ausweg ist den Dharma zu praktizieren.

    _()_

  • Lucky Luke
    Gast
    • 31. März 2020 um 17:23
    • #61
    Monikadie4.:
    mukti:

    muss aber gestehen dass ich qualitativ und quantitativ umso mehr praktiziere je näher mir irgendeine Art von Leid auf den Pelz rückt.

    Ja, dem widerspreche ich ja gar nicht. In dem Moment, wo mir was "Bedrohliches auf den Pelz rückt" oder wenn "ich dem Tod ins Auge blicken muss", werde ich meditieren, was denn sonst?

    _()_

    Wobei Leid ja auch ein relativer Begriff ist, siehe mein Thread zu den Glückshormonen unter "Praxis"...Wir leiden am meisten deshalb weil wir Leerheit nicht erkannt haben und an allen möglichen Dingen anhaften, gerade weil sie nicht leidvoll sind sondern kurzfristige Glücksgefühle hervorbringen.

  • user9999
    Gast
    • 31. März 2020 um 17:26
    • #62
    void:

    Spotan fällt mit das Wort "Verantwortung" ein. Weiter unten in dem gleichen Text heißt es

    Lama Lhündrub:

    Dieses Ungeheuer, dieser Dämon, des eigenen Ich-Anhaftens ist das eigentliche Problem. Das dürfen wir nie vergessen, wenn wir versuchen, im Außen die Situation ein bisschen erträglicher zu gestalten, was nur Ausdruck davon ist, dass wir die Situation so nicht leben können, das überschreitet unsere Fähigkeiten. Wir sollten nie vergessen, dass dieses Ungeheuer des Ich-Anhaftens ohne weiteres in der Lage ist, uns in die Höllenbereiche zu schleudern, wenn wir denselben Hass und größeren noch entwickeln als die, die uns plagen, dann sind wir letzten

    Endes viel schlimmer dran als diejenigen, die die Situation begonnen haben. Da müssen wir ganz gut aufpassen, dass wir uns nicht in diesem Teufelskreis weiter drehen.

    Und jetzt sprechen wir mit diesem Ungeheuer.

    „In Hunderten und Tausenden von Leben hast du mir jedes Mal im Daseinskreislauf

    Leid zugefügt. Jetzt erinnere ich mich mit ganzem Groll und werde dich, den eigenen

    schädlichen Geist, vernichten!“

    Worum es hier geht, ist die allgemeine Haltung Schwierigkeiten gegenüber. Bei allen Schwierigkeiten behalten wir im Geist, dass das eigentliche Problem unser Anhaften ist. Damit haben wir schon seit Tausenden und Millionen von Leben zu tun! In diesem Leben – Schwierigkeiten werden wir haben, keine Frage. Das Wesentliche in diesem Leben ist, dieses Ich-Anhaften aufzulösen, freier zu werden davon oder ganz frei zu werden davon. Das ist das, was uns eigentlich interessiert. So werden wir mit jeder Situation arbeiten, um die aufsteigenden emotionalen Impulse durch Bodhicitta zu ersetzen, durch Bodhicitta aufzulösen. Um das wirklich tun zu können, um wirklich all unser Karma annehmen zu können, all diese Schwierigkeiten, und sie auflösen zu können, muss es uns egal werden, ob wir gesund oder krank sind, lebendig oder tot. Wir müssen so weit gehen, dass es uns egal wird. Erst dann können wir wirklich uns ganz entschlossen darauf ausrichten, an diesem Ich-Anhaften, unserer Ichbezogenheit zu arbeiten. Solange es uns nicht egal ist, was uns passiert, werden wir immer versuchen, im Außen die Dinge zu arrangieren.

    Alles anzeigen

    Das ist ziemlich heftig ausgedrückt. Der Kernpunkt für mich ist, das "all unser Karma annehmen" - die Verantwortung dafür übernehmen. Und ein Teilbereich davon ist, wenn immer wir in uns den Impuls fühlen, jrmend anderen oder Umstände zu beschuldigen, dieses Beschuldigen auf das "Ungeheuer des Ich-Anhaftens" zu richten.

    Ein großes Problem dabei, ist dass das Selbst-.Beschuldigen ja auch eine Art des Ich-Anhaftens sein kann. Oft beschuldigt man sich selbst ja, weil man einem bestimmten Ideal nicht nahekommt. Auch deswegen wird da Bodhicitta erwähnt. Das ist eine schwere Balance, sich gleichzeitig kein Beschuldigen durchgehen zu lassen, dies aber aus eine freundlichen Haltung heraus zu tun. Einen freundlichen,wohlwollenden Beschuldiger kann man sich schwer vorstellen!

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    void , wärst du bitte so nett, eine Quelle anzugeben? Link muss nicht unbedingt sein, aber Text-Titel wäre schon nett. Ich könnte dann nachlesen. Danke. :)

    Einmal editiert, zuletzt von user9999 (31. März 2020 um 18:18)

  • Phoenix
    Gast
    • 31. März 2020 um 17:37
    • #63
    Turmalin:
    Phoenix:

    Und da wurde halt so gut wie in jedem Gottesdienst erzählt, deine Schuld ist zwar irgendwo vorhanden, aber sie ist auch irgendwie schon lange getilgt ,denn Jesus Christus ist für dich am Kreuz gestorben.

    Ein bischen ähnlich kommt mir die Sache mit dem Ich oder dem Selbst im Buddhismus da schon manchmal vor. Man ist für die Suppe ,die man auslöffeln muß zwar selber verantwortlich , aber schuldig ist man ja schon alleine deshalb nicht ,weil es dieses selbst gar nicht wirklich gibt.

    Madhyamaka, der Mittlere Weg ist was anderes als das Christentum. Ich würd eher versuchen, die zwei Wahrheiten-Lehre richtig zu verstehen,eventuell mit Hilfe eines Lehrers, als Vergleiche mit dem Christentum anzustellen.

    Ich bin ganz bestimmt dafür unterschiedliche Religionen nicht in einen gemeinsamen großen Topf zu werfen, trotzdem gibts es gerade zwischen dem großen Mittleren Weg und dem Christentum eine Menge Paralellen.

    Und mit der Lehre von den zwei Wahrheiten hab ich mich schon beschäftigt ,da war ich noch gar kein Buddhist und man nannte das ganze Ideologiekritik.;)

    _()_

  • Phoenix
    Gast
    • 31. März 2020 um 18:09
    • #64

    Liebe @mkha',

    so richtig viel Neues für mich hast du hier nicht geschrieben.

    Trotzdem gibt es im Buddhismus die Tenzenz Dinge klein zu reden, mit dem Argument, das sie doch von Natur aus leer sind, und auch von einem imaginären Ich gar nicht wargenommen werden können.

    _()_ Phönix

  • CCC
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    • 31. März 2020 um 18:22
    • #65
    mkha':
    Phoenix:

    Trotzdem gibt es im Buddhismus die Tenzenz Dinge klein zu reden, mit dem Argument, das sie doch von Natur aus leer sind, und auch von einem imaginären Ich gar nicht wargenommen werden können.

    Es mag sein, dass manch einer dies anbringt, aber es ist absoluter Blödsinn. Die Ebenen der Belehrung sollten fein säuberlich getrennt werden - ansonsten könnte derjenige, der einen solchen Schmarrn von sich gibt, auch einen Teller diverser Exkremente, (so what? ist doch von Natur aus leer), mit dem gleichen gesegneten Appetit verzehren, wie seine Lieblingsspeise ... Tut er das, nehme ich ihm zumindest ab, dass er auf dem besten Wege zur Erleuchtung isṭ :grinsen:;)

    Na danke, bin gerade beim Essen🤢:grinsen:

  • Phoenix
    Gast
    • 31. März 2020 um 18:25
    • #66

    noch kurz was zur Aufheiterung und zum Thema Anhaftung:

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  • Helmut
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    • 31. März 2020 um 18:35
    • #67
    Phoenix:

    Trotzdem gibt es im Buddhismus die Tenzenz Dinge klein zu reden, mit dem Argument, das sie doch von Natur aus leer sind, und auch von einem imaginären Ich gar nicht wargenommen werden können.

    Wenn im Mahayana-Dharma von Leerheit (sunyata) gesprochen wird, dass die Phänomen von Natur aus leer sind, dann geht es nicht um klein reden, sondern um die Bestehensweise der Phänomene.

    Hierbei gibt es zwei Aspekte: Mit der Leerheit wird einerseits aufgezeigt, dass die Phänomene von Natur aus leer sind von einem Eigenwesen, weil sie nur in Abhängigkeit existieren. Andererseits werden mit der Leerheit gegenteilige Auffassungen widerlegt.

    Ein imaginäres Ich kann sowieso nichts wahrnehmen, weil es dieses genauso wenig gibt wie einen rechteckigen Kreis.

    Obwohl es kein imaginäres Ich gibt, bedeutet dies nicht, dass es gar kein Ich gibt. Der Buddha hat mit der Selbstlosigkeit der Person nicht aufgezeigt, dass es keine Person gibt. Er hat mit der Selbstlosigkeit der Person nur bestimmte Auffassungen über die Bestehensweise der Person wie sie zum Beispiel in hinduistischen Philosophien und Religionen vertreten wurden, widerlegt.

    Gruß Helmut

    Gruß Helmut

    Als Buddhisten schätzen wir das Leben als höchst kostbares Gut.

  • Phoenix
    Gast
    • 31. März 2020 um 18:45
    • #68
    Helmut:
    Phoenix:

    Trotzdem gibt es im Buddhismus die Tenzenz Dinge klein zu reden, mit dem Argument, das sie doch von Natur aus leer sind, und auch von einem imaginären Ich gar nicht wargenommen werden können.

    Wenn im Mahayana-Dharma von Leerheit (sunyata) gesprochen wird, dass die Phänomen von Natur aus leer sind, dann geht es nicht um klein reden, sondern um die Bestehensweise der Phänomene.

    Hierbei gibt es zwei Aspekte: Mit der Leerheit wird einerseits aufgezeigt, dass die Phänomene von Natur aus leer sind von einem Eigenwesen, weil sie nur in Abhängigkeit existieren. Andererseits werden mit der Leerheit gegenteilige Auffassungen widerlegt.

    Ein imaginäres Ich kann sowieso nichts wahrnehmen, weil es dieses genauso wenig gibt wie einen rechteckigen Kreis.

    Obwohl es kein imaginäres Ich gibt, bedeutet dies nicht, dass es gar kein Ich gibt. Der Buddha hat mit der Selbstlosigkeit der Person nicht aufgezeigt, dass es keine Person gibt. Er hat mit der Selbstlosigkeit der Person nur bestimmte Auffassungen über die Bestehensweise der Person wie sie zum Beispiel in hinduistischen Philosophien und Religionen vertreten wurden, widerlegt.

    Gruß Helmut

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    Ich denke das von mir fett gemachte ist ein wichtiger Punkt.

    Genauso hat der Opfertod von Jesus Christus eine wichtige Rolle gespielt, um das moderne Christentum vom alttestamentalischen Glauben abzugrenzen.

    Trotzdem ist es mir auf die Nerven gegangen, mir die Geschichte von der Sündenvergebung jedes mal von Neuem anzuhören.

    _()_ Phönix,

  • Helmut
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    • 31. März 2020 um 19:03
    • #69

    Mit dem abhängigen Entstehen, das der Buddha gelehrt hat, kann man sich aber auch sehr gut verdeutlichen, warum man sich in dieser misslichen Lage, dem Samsara, befindet. Er hat aber auch aufgezeigt, wie man sich aus dieser misslichen Lage, dem Samsara, befreien kann.

    Gruß Helmut

    Gruß Helmut

    Als Buddhisten schätzen wir das Leben als höchst kostbares Gut.

  • Monikamarie
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    • 31. März 2020 um 19:13
    • #70
    Sherab:

    Wobei Leid ja auch ein relativer Begriff ist, siehe mein Thread zu den Glückshormonen unter "Praxis"...Wir leiden am meisten deshalb weil wir Leerheit nicht erkannt haben und an allen möglichen Dingen anhaften, gerade weil sie nicht leidvoll sind sondern kurzfristige Glücksgefühle hervorbringen.

    Ja, das stimmt, Sherab. Aber den Tod vor Augen :shock: halte ich schon für eine Situation, in der ich garantiert mein Mantra aufsagen werde. :)

    Es geht aus meiner Sicht ja darum, warum wir praktizieren. Das Leid wird dadurch erträglich bzw. bleibt ganz aus. Und Mukti ging es dabei bestimmt nicht um das "übliche Leiden", also an Dingen, an denen die meisten anhaften ...

    _()_

    Einmal editiert, zuletzt von Monikamarie (31. März 2020 um 19:21)

  • Monikamarie
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    • 31. März 2020 um 19:24
    • #71

    Jetzt wirds mir hier schon wieder zu schwierig und haarspalterisch.

    Tschüß

  • Online
    void
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    • 31. März 2020 um 19:27
    • Offizieller Beitrag
    • #72
    svea:

    void , wärst du bitte so nett, eine Quelle anzugeben? Link muss nicht unbedingt sein, aber Text-Titel wäre schon nett. Ich könnte dann nachlesen. Danke. :)

    Es war dieses PDF


    [lz]

    Erklärungen zum Lodjong Kommentar von Djamgön Kongtrul Lodrö Thaye

    DER HAUPTWEG ZUR ERLEUCHTUNG

    Eine für jedermann leicht verständliche Einführung zu den Sieben Punkten des Mahayana Geistestrainings

    Unterweisungen von Lama Lhündrub in Freiburg 26.12.05 bis 1.1.06[/lz]

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  • Phoenix
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    • 28. Oktober 2020 um 07:46
    • #73
    Lucy:

    ... schon mal diesem Unwohlsein zugewendet? In sich selber geschaut?

    Nee, das mach ich grundsätzlich nicht.;)

  • Deepa
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    • 28. Oktober 2020 um 08:47
    • #74
    Martin1980:

    Hier treffen nun mal verschiedene Leute und traditionen zusammen, und daher muss es eine Linie geben.

    (Hervorhebung von mir)

    Was mir beim Lesen in den Sinn kommt: Es sind weniger die Schulen/Traditionen, als der Entwicklungsstand der jeweiligen User*innen (wie Du schreibst: verschiedene Leute) der zu Konflikten führen kann. Das sehe ich als ein hervorragendes Übungsfeld an. Sobald man den anderen als Lehrer sieht - als Spiegel, der aufzeigt, wo es bei einem selbst noch zu Anhaftung (what ever) kommt, können gerade diese Begegnungen sehr lehrreich sein.

    Zu meinen Beiträgen: So sehe ich es.

    Viele Wege führen ins Nirvana.

    Deepa

Ausgabe №. 134: „Keine Angst vor der Angst"

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