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Wo fange ich an?

  • Spiegelsee
  • 6. Dezember 2019 um 23:57
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    • 11. Dezember 2019 um 10:28
    • #26

    Man muss sogar feststellen, dass das menschliche Gewissen darauf ausgelegt ist, immer das Richtige zu tun. Es gibt keinen Menschen, der etwas tut, von dem er überzeugt ist, dass es falsch ist.

    Die katholische Theologie sieht übrigens im Gewissen und seiner strukturellen Ausrichtung den Hinweis auf einen "Guten Gott".

  • Spiegelsee
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    6. Dezember 2019
    • 11. Dezember 2019 um 21:43
    • #27

    Guten Abend _()_

    an manchen Tagen komme ich echt schlecht zum Schreiben (Lesen geht immer) aber nun:

    Danke für eure Rückmeldungen zu meiner Frage!

    Ich sollte wohl weniger darüber nachdenken, was ich Kluges sagen könnte und den Fokus dahin verschieben, warum es mir so viel ausmacht und ich mich nicht abgrenzen und die Situation loslassen kann.

    Die Ursachen hierfür liegen definitiv in meiner gesamten Persönlichkeitsstruktur und da ist auch einiges dabei, an dem ich wirklich arbeiten sollte. Ich versuche herauszufinden, was mich zuweilen so aus dem Gleichgewicht bringt aber ich hänge an irgendwas fest.

    Ich habe vor einiger Zeit von einem Konzept gelesen, das sehr gut auf mich passt, Echoismus nannte sich das und ist quasi ein Gegenstück zum Narzissmus. Ich habe vor allem ein Problem mit mir und weniger mit den anderen. Das Verrückte daran ist, dass ich bewusst gar nichts benennen kann, was mich so an mir stören würde, ich habe keine übermäßigen Minderwertigkeitsgefühle, bin nicht depressiv o.ä. und trotzdem schaffe ich es einfach nicht gut für mich und meine Interessen einzustehen.

    Im Nachhinein ist die Situation für mich auch echt ok. Ich kann so gar Dankbarkeit empfinden, dass ich hierdurch mit einem für mich offenbar relevanten Thema konfrontiert wurde und bin eigentlich auch damit einverstanden, wie ich mich in der Situation verhalten habe. Nur die Unsicherheit/Ängstlichkeit geht bei mir in solchen Momenten oft ziemlich hoch - ist aber eben auch vergänglich ^^

    Weltreisender:

    Da bin ich mir nicht so sicher. Die größten Verbrechen der Menschheit sind geschehen, weil die Leute glaubten, das gute und richtige zu tun.

    Ähm ja :eek:, wenn du es so formulierst muss ich sagen: Da hast du absolut recht!

    Und Lucy natürlich auch!

    Ich habe zwischen dem Eigen- und Fremdwohl getrennt und nur das als gute Absicht gewertet, was den anderen zu Gute kommt. Dass ich diesen gedanklichen Weg gegangen bin ist wahrscheinlich auch wieder bezeichnend für meine Thematik. Ich bekomme den Zusammenhang zwischen Eigen- und Fremdwohl nicht gut hin.

  • Fǎ Fá
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    • 11. Dezember 2019 um 21:53
    • #28
    Spiegelsee:

    Ich habe vor einiger Zeit von einem Konzept gelesen, das sehr gut auf mich passt, Echoismus nannte sich das und ist quasi ein Gegenstück zum Narzissmus. Ich habe vor allem ein Problem mit mir und weniger mit den anderen.

    Oh.... ein Konzept :)

    Heute ist mir ein Video über den Weg gelaufen, vielleicht ist da etwas für Dich dabei:

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  • Spiegelsee
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    6. Dezember 2019
    • 12. Dezember 2019 um 14:04
    • #29

    Vielen Dank für das Video, Weltreisender!

    Lustig, ich hatte gerade in einem Buch etwas ähnliches gelesen.

    Das Prinzip, dass ich fast nichts von dem was ich tue wirklich tue sondern es viel mehr geschieht, automatisch und unbewusst, gibt es in der Psychoanalyse auch. Aber ja, es wird nur durch die Selbsterfahrung/Selbstbeobachtung wirklich anschaulich.

    Am leichtesten finde ich es am Atem nachvollziehbar aber im Grunde ist es auch nicht viel anders bei den Gedanken. Ich habe nur wenig Kontrolle darüber, wie ich auf etwas reagiere, welche Gedanken und Emotionen es in mir auslöst und welche Interpretationen mein Gehirn anschließend vornimmt.

    Jetzt kommt der spannende Teil (Zitat aus dem Video bzgl. Gedanken):

    "Es geht nicht darum still zu werden, wir sind bereits still. Das was wir sind ist still"

    Hm... :?

    Es geht um den Beobachter in uns selbst, das, was z.T. auch mit Bewusstsein bezeichnet wird (nehme ich an) und ich kann den Beobachter nicht beobachten, nicht beschreiben. Der Beobachter ist das einzig Konstante in uns Selbst weil ich auf jeder Moment anders ist als der vorher dagewesen, jeder Moment meine Person verändert und ich somit niemals genau das sein kann, was ich zuvor war? Ich werde niemals genau das gleiche fühlen, denken, sehen, wie zuvor. Ist das gemeint?

    Ich denke auf eine Art verstehe ich das Konzept, den Gedanken aber mir fehlt das dazugehörige Erleben. Ich kann mich selbst beobachten, natürlich aber ich kann den Beobachter nicht isoliert wahrnehmen. Wenn ich beobachte, was ich z.B. denke beginne ich i.d.R. schnell damit zu interpretieren. Und dann verschwimmen der Beobachter, der "Richter" (psychoanalytisch wäre das das Über-Ich) und meine Gedanken in meiner Wahrnehmung zu einem und ich kann sie nicht mehr trennen.

    Sunu, ich hatte gestern ganz vergessen auf deinen Beitrag zu antworten, das wollte ich eigentlich noch:

    Das Buch konnte ich tatsächlich günstig erwerben.

    Und vielen Dank für die Informationen! Ich bin bei sowas einfach lieber vorsichtig, da ich schon mal erlebt habe, wie schnell es gehen kann, wenn jemand versucht einen zu manipulieren, dass man nicht mehr weiß, wo links und rechts und oben und unten ist. Gerade wenn man sich mit spirituellen Fragen auseinandersetzt und dabei auch zwangsläufig mit sich selbst (bzw, Nicht-Selbst :lol:) kann man da denke ich schon auch mal aufs Glatteis geführt werden.

    Ich hatte über die DBU nochmal nach Anlaufstellen gesucht und dabei herausgefunden, dass es doch noch etwas in geringerer Entfernung gibt (Buddhistische Gesellschaft Berlin e.V.), die eben auch für alle Richtungen offen ist. Ich denke, da werde ich zuerst mal vorbei schauen.

    Ich hatte gestern hier im Forum etwas über negative Erfahrungen bei Meditation gelesen. Irgendwer hatte dort geschrieben, dass es so etwas wie einen emotionalen Rückschlag geben kann, wenn man beginnt sich mit Meditation u.ä. zu befassen.

    Ich glaube, das erlebe ich auch ein bisschen in dem Sinne, dass die Beschäftigung mit Angstfreiheit einem aufzeigt, in welchen Bereichen man Ängste hat. Ich habe festgestellt, dass ich große Angst vor dem Leid anderer habe, weniger vor meinem eigenen Leid (wobei zweites natürlich aus ersterem entstehen würde). Es fällt mir sehr schwer zu akzeptieren, dass es grausame Dinge gibt, die geschehen und die ich nicht verhindern kann. Am meisten ist diese Angst auf mir nahestehende Personen gerichtet. Davor, dass mir etwas geschieht, habe ich eher insofern Angst, dass dies bei anderen Menschen Leid auslösen würde. Es liegt daran, dass ich mir selbst zutraue, mit dem Leid zurecht zu kommen aber anderen irgendwie nicht.

    Ich lasse mir Zeit _()_

  • Aravind
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    • 12. Dezember 2019 um 15:07
    • #30
    Spiegelsee:

    Ich glaube, das erlebe ich auch ein bisschen in dem Sinne, dass die Beschäftigung mit Angstfreiheit einem aufzeigt, in welchen Bereichen man Ängste hat.

    Genau, mit einem Rückschlag hat das nichts zu tun, sondern Deine Abwehrkräfte (die Deine Entwicklung und Deinen inneren Frieden behindern) dürfen schwächer werden.

    Spiegelsee:

    Es liegt daran, dass ich mir selbst zutraue, mit dem Leid zurecht zu kommen aber anderen irgendwie nicht.

    Ja und nein, würde ich sagen, sonst würde Dich der Gedanke, dass Du leidest, weil andere leiden, nicht belasten. ;)

    Liebe Grüße,

    Aravind.

  • Fǎ Fá
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    • 12. Dezember 2019 um 19:36
    • #31
    Spiegelsee:

    "Es geht nicht darum still zu werden, wir sind bereits still. Das was wir sind ist still"

    Hm... :?

    Wenn Du mal beobachtest, was Du üblicherweise glaubst zu sein... hat das irgendwie immer mit Aktivität zu tun... Gedanken, was man ist, Emotionen, was man ist, Wahrnehmungen, was man ist, Körperliches, was man ist.

    Und weil wir glauben, dass wir diese Dinge sind, wollen wir still werden.

    Da wir das aber alles nicht sind, bleibt nur die Stille. Meine Erfahrung ist während des Sitzens, dass diese ganzen Dinge vorbeiziehen, aber wenn sie vorbeiziehen, werden wir uns ihrer gewahr. Eben nicht als etwas, das wir sind, sondern im Gegenteil als etwas, das vorbeizieht, sich ablöst, sich gegenseitig hervorruft.

    Aber beobachtend... sind wir still.

    Das Interessante ist, dass wir Menschen oft glauben, wir bräuchten bestimmte Konzepte, um durch's Leben zu gehen und wenn wir diese Konzepte nicht haben, dann würde uns etwas fehlen. Ist natürlich auch nur ein Konzept :D

  • Spiegelsee
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    • 15. Dezember 2019 um 14:07
    • #32
    Aravind:

    Ja und nein, würde ich sagen, sonst würde Dich der Gedanke, dass Du leidest, weil andere leiden, nicht belasten. ;)

    Ja, das ist irgendwie richtig. Ich vermute, dass es an der scheinbaren Kontrollierbarkeit der eigenen Emotionen liegt. Ich glaube über meine Emotionen eine gewisse Kontrolle zu haben über die anderer Menschen aber natürlich nicht, darum ist das Leiden, das von außen kommt scheinbar schlimmer als das eigene.

    Im Grunde ist Leiden wahrscheinlich einfach nur Leiden, egal, von wem es nun gefühlt wird.

    Weltreisender:

    Wenn Du mal beobachtest, was Du üblicherweise glaubst zu sein... hat das irgendwie immer mit Aktivität zu tun... Gedanken, was man ist, Emotionen, was man ist, Wahrnehmungen, was man ist, Körperliches, was man ist.

    Und weil wir glauben, dass wir diese Dinge sind, wollen wir still werden.

    Da wir das aber alles nicht sind, bleibt nur die Stille. Meine Erfahrung ist während des Sitzens, dass diese ganzen Dinge vorbeiziehen, aber wenn sie vorbeiziehen, werden wir uns ihrer gewahr. Eben nicht als etwas, das wir sind, sondern im Gegenteil als etwas, das vorbeizieht, sich ablöst, sich gegenseitig hervorruft.

    Aber beobachtend... sind wir still.

    Ich vermute, dass ich verstehe, wie es gemeint ist aber sicher bin ich mir nicht.

    Ich bin nicht was ich fühle, denke oder empfinde. Ich bin nicht diese Dinge, die in mir vorüberziehen. Darum geht es oder?

    Um das Erkennen, das bin nicht ich.

    Und dieses Beobachtende in uns, das ist immer da. Aber da wir es nicht beschreiben können, ist es leer. Wenn ich das bin, was nicht vergänglich ist, dann bin ich das, was beobachtet also bin ich leer, wie jeder andere leer ist und somit sind wir auf dieser Ebene alle gleich?

    Ich muss sagen, dass ich mich mit den Büchern, die ich bisher so gelesen habe, recht wohl fühle. Ich habe aber den Eindruck, dass im Internet (nicht hier im Forum) viele Leute, die sich als Buddhisten bezeichnen, sehr fundamentalistisch sind. Da wird alles als schlecht und schädlich bezeichnet, was uns an diese Welt bindet, also auch Liebe, Freundschaft usw. Ja diese Dinge können, wenn es sich um fehlgerichtete Emotionen handelt sicherlich schädlich sein aber da wird es so dargestellt als wäre grundsätzlich jede zwischenmenschliche Bindung schlecht. Es kommt bei mir so an, als hätten diese Leute für die gewöhnlichen Menschen gar nichts mehr übrig. Ich empfinde das z.T. ehrlich gesagt als sehr überheblich, abgehoben und wenig weise.

    Ich vermute aber, dass das vielleicht auch so ein Internetphänomen ist und werde solche Texte erstmal meiden und mich lieber vor Ort informieren und meine Bücher weiterlesen :)

    Euch einen schönen Tag _()_

  • Fǎ Fá
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    • 15. Dezember 2019 um 17:02
    • #33
    Spiegelsee:

    ch bin nicht was ich fühle, denke oder empfinde. Ich bin nicht diese Dinge, die in mir vorüberziehen. Darum geht es oder?

    Das lässt sich intellektuell schwer bearbeiten. Natürlich kann man versuchen, das Konzept intellektuell zu verstehen und es sich dann intellektuell anzueignen. Mir geht es so, dass ich mit dieser Form der Adaption nicht voran komme. Wenn ich in einer schwierigen Situation mit Emotionen bin, die ich loslassen möchte, dann hilft es mir nicht, intellektuell das Konzept zu kennen. Weiter komme ich nur mit einer abrufbaren Erfahrung.

    Womit wir bei Deiner Frage sind: es geht vor allem darum, eine Erfahrung zu machen.

    Als ich mit Meditation angefangen hatte, glaubte ich immer, in die Versenkung gelangen zu müssen. Ich habe mich wirklich angestrengt. Wenn es nicht gelingen wollte, habe ich die Augen noch mehr zugekniffen, dass es dunkler wurde, nur weil ich in diesen Zustand kommen wollte. Irgendwann habe ich auch verstanden, warum meine damalige Freundin meinte, dass ich beim meditieren irgendwie wie das Gegenteil von entspannt wirke :D

    Dann habe ich irgendwann einmal ein Youtube Video von einem Zen-Meister gesehen, der einfach sagte, dass es nur ums Sitzen und Beobachten geht.

    Das war für mich die Info, die mich weitergebracht hat. Ich bemerkte dann auch die Widersprüche. Manchmal sagte ich mir: "Heute bin ich irgendwie zu faul zum sitzen". Dann musste ich selbst schmunzeln. Zu faul zu sein um sich hinzusetzen und nichts zu tun, schräg :)

    Aber warum? Weil wir uns eben den ganzen Tag mit irgendeiner Aktivität beschäftigen müssen. Wir kommen gar nicht mehr zu uns selbst. Sogar meditieren wollen wir möglichst aktiv.

    Das Grundproblem ist immer, dass wir annehmen, dass es um irgendwas geht. Und man bereits vorher verstehen muss, worum es geht, noch bevor man angefangen hat. Wenn Du aber vorher Konzepte lernst und durch diese dann Deine Erfahrung klassifizierst, reproduzierst du nur, was du vorher gelernt hast. Du kannst nicht einmal sicher sein, ob das, was Du als Erkenntnis produzierst, wirklich Deiner Erfahrung entstammt oder ob es nicht einfach das ist, was Du vorher gelernt hast.

    Deswegen: Es geht um nichts außer sich hinzusetzen und zu beobachten.

    Spiegelsee:

    Wenn ich das bin, was nicht vergänglich ist, dann bin ich das, was beobachtet also bin ich leer, wie jeder andere leer ist und somit sind wir auf dieser Ebene alle gleich?

    Zuviel konzeptionalisieren. Leerheit versteht man durch Erfahrung. Alles andere macht keinen Sinn.

    Spiegelsee:

    Ich habe aber den Eindruck, dass im Internet (nicht hier im Forum) viele Leute, die sich als Buddhisten bezeichnen, sehr fundamentalistisch sind.

    Natürlich. Egal wo. Egal welche Richtung.

    Für mich hat Fundamentalismus was mit fehlender Beobachtung und Erfahrung zu tun. Die Leute haben nie erfahren, Gedanken loslassen und ziehen lassen zu können.

    Oder sie haben es erfahren und es hat ihnen Angst gemacht, weshalb sie sich dann festbeißen. Beides ist möglich.

    Hat aber beides weder mit dir noch mit mir zu tun. Dass wir das beobachten kann bedeuten, dass wir gut beobachten können oder dass wir selbst so sind.

    Who knows.

    Es sollte dich aber nicht ernsthaft beschäftigen.

  • Spiegelsee
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    • 15. Dezember 2019 um 21:58
    • #34
    Weltreisender:

    Als ich mit Meditation angefangen hatte, glaubte ich immer, in die Versenkung gelangen zu müssen. Ich habe mich wirklich angestrengt. Wenn es nicht gelingen wollte, habe ich die Augen noch mehr zugekniffen, dass es dunkler wurde, nur weil ich in diesen Zustand kommen wollte. Irgendwann habe ich auch verstanden, warum meine damalige Freundin meinte, dass ich beim meditieren irgendwie wie das Gegenteil von entspannt wirke :D

    [....]

    Das Grundproblem ist immer, dass wir annehmen, dass es um irgendwas geht. Und man bereits vorher verstehen muss, worum es geht, noch bevor man angefangen hat. Wenn Du aber vorher Konzepte lernst und durch diese dann Deine Erfahrung klassifizierst, reproduzierst du nur, was du vorher gelernt hast. Du kannst nicht einmal sicher sein, ob das, was Du als Erkenntnis produzierst, wirklich Deiner Erfahrung entstammt oder ob es nicht einfach das ist, was Du vorher gelernt hast.

    Deswegen: Es geht um nichts außer sich hinzusetzen und zu beobachten.

    Danke für das Bild :lol: das klingt irgendwie wirklich lustig!

    Aber ja, das trifft mein Problem. Und ich denke, der Tipp ist ganz gut, so werde ich es mal versuchen.

    Ich hatte es bisher mit der Atemmeditation (und zählen) und dem Bodyscan (im Sitzen) versucht. Beim ersten Bodyscan habe ich null gespürt wo mein Körper anfängt und aufhört, beim zweiten mal klappte das besser und beim dritten mal wäre ich mehrfach fast eingeschlafen. Ich habe auch die Meditation der klaren Gedanken versucht aber das war nicht so toll. Ich probiere es irgendwann nochmal.

  • Fǎ Fá
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    • 15. Dezember 2019 um 22:05
    • #35

    So viele Begriffe, die ich nicht kenne :)

  • Spiegelsee
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    • 16. Dezember 2019 um 22:33
    • #36

    Diese Techniken waren in einem Einführungsbuch beschrieben. Es ist im Prinzip genau das, wonach es klingt; Sich auf den Atem konzentrieren (ihn aber nicht lenken) oder sich auf sämtliche Körperregionen nacheinander konzentrieren. Bei den klaren Gedanken sollte es darum gehen zu versuchen die Pause, die zwischen den Gedanken liegt, auszudehnen. Aber da fangen meine Gedanken dann z.T. an zu spinnen und machen das Gegenteil von dem, was ich vorhatte und das ist dann sehr unentspannt.

    Weltreisender:

    Natürlich. Egal wo. Egal welche Richtung.

    Für mich hat Fundamentalismus was mit fehlender Beobachtung und Erfahrung zu tun. Die Leute haben nie erfahren, Gedanken loslassen und ziehen lassen zu können.

    Oder sie haben es erfahren und es hat ihnen Angst gemacht, weshalb sie sich dann festbeißen. Beides ist möglich.

    Hat aber beides weder mit dir noch mit mir zu tun. Dass wir das beobachten kann bedeuten, dass wir gut beobachten können oder dass wir selbst so sind.

    Who knows.

    Es sollte dich aber nicht ernsthaft beschäftigen.

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    Ich würde auch gar nicht unbedingt davon ausgehen, dass ich recht habe und diese Leute nicht. Vielleicht verstehe ich das, was sie schreiben auch nur nicht richtig oder die Worte kommen bei mir nicht so an, wie es gemeint ist. Ich ignoriere sowas jetzt erstmal weil es mich eh nicht weiterbringt. Ich verstehe es nicht richtig und es schreckt mich nur ab weil ich denke "so will ich aber nicht werden".

  • Spiegelsee
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    • 28. Dezember 2019 um 22:39
    • #37

    Guten Abend,

    in der Zwischenzeit ist nicht viel passiert.

    Ich habe jetzt abgefangen das Buch "mit Buddha das Leben meistern" zu lesen, das Sunu empfohlen hatte und bin ganz begeistert! Es gefällt mir sehr gut wie anschaulich es geschrieben ist und ich fühle mich dabei emotional sehr gut abgeholt. Es fühlt sich irgendwie heilsam an und ich schätze, das ist es auch, wonach ich gerade suche.

    Was ich auch sehr schön fand war, dass dort geschrieben wurde, dass jedes Individuum andere Erfahrungen und andere Voraussetzungen hat und deshalb nicht der gleiche Weg für jeden geeignet ist. Demnach müsste ein guter Lehrer vor allem fähig sein zu erkennen, wo sein Schüler steht und was er benötigt um zu wachsen (ich kenne die richtigen Fachbegriffe nicht und schreibe es jetzt einfach in meiner Alltagssprache). Das erscheint mir schlüssig und erklärt für mich auch, warum ich mich mit manchem, was so über Buddhismus im Internet geschrieben wird so unwohl fühle; Diese Dinge sind ja nicht an mich adressiert und entsprechen einfach nicht meinem jetzigen Stand also sind diese Informationen für mich u.U. sogar hinderlich.

    Ich habe nun auch versucht beim Meditieren einfach nur mehr zu beobachten und gar nichts anderes zu tun und das ging erstaunlich gut und war eine schönere Erfahrung. Ich hatte mehr das Gefühl von Ganzheit in mir selbst; Man meint ja so oft, es würde einem etwas fehlen und dabei hatte ich den Eindruck, dass eigentlich alles schon da ist :)

    Ich glaube, dass mir der Zugang über die körperliche Ebene leichter fällt. Im Intellektuellen verliere ich mich zu sehr.

    Was mir momentan etwas seltsam erscheint ist, dass ich das Gefühl habe, mich weniger mit mir zu identifizieren. Es ist nicht so leicht zu beschreiben, es ist, als würde ich mich selbst objektiver betrachten. Ich sehe mich selbst als Person mit gewissen Stärken und Schwächen, mit den Voraussetzungen, die ich erhalten habe, und ich habe weniger das Gefühl, diese Person zu sein sondern mehr das Gefühl durch diese Person zu sein. Meine Existenz in mir, ermöglicht mir alle Wahrnehmungen und Erfahrungen... das ist nichts neues aber es fühlt sich einfach etwas anders an, als zuvor. Kennt das vielleicht jemand? Ist das normal?

  • Monikamarie
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    • 29. Dezember 2019 um 02:31
    • #38
    Spiegelsee:

    Ich habe nun auch versucht beim Meditieren einfach nur mehr zu beobachten und gar nichts anderes zu tun und das ging erstaunlich gut und war eine schönere Erfahrung. Ich hatte mehr das Gefühl von Ganzheit in mir selbst; Man meint ja so oft, es würde einem etwas fehlen und dabei hatte ich den Eindruck, dass eigentlich alles schon da ist

    Hallo Spiegelsee, so mache ich das auch. :like:


    Spiegelsee:

    Was mir momentan etwas seltsam erscheint ist, dass ich das Gefühl habe, mich weniger mit mir zu identifizieren. Es ist nicht so leicht zu beschreiben, es ist, als würde ich mich selbst objektiver betrachten. Ich sehe mich selbst als Person mit gewissen Stärken und Schwächen, mit den Voraussetzungen, die ich erhalten habe, und ich habe weniger das Gefühl, diese Person zu sein sondern mehr das Gefühl durch diese Person zu sein. Meine Existenz in mir, ermöglicht mir alle Wahrnehmungen und Erfahrungen... das ist nichts neues aber es fühlt sich einfach etwas anders an, als zuvor. Kennt das vielleicht jemand? Ist das normal?

    Das sind gute Erfahrungen, die Du da machst. Ich kenne das auch.

    Ich bin jetzt müde, es ist bereit 1/2 3, alles Gute weiterhin für Dich.

    _()_

  • Fǎ Fá
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    • 29. Dezember 2019 um 08:00
    • #39
    Spiegelsee:

    und ich habe weniger das Gefühl, diese Person zu sein sondern mehr das Gefühl durch diese Person zu sein

    Das ist doch eine schöne Erfahrung. Für mich war es auch eine total spannende Entdeckung, wie sehr meine Gefühle von mir selbst wandeln können, die mich nachhaltig geprägt hat. Nachdem ich lange Körper und Geist getrennt hatte, machte ich darin die Einheitserfahrung meiner Person.

  • Noreply
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    • 29. Dezember 2019 um 12:32
    • #40

    Im Moment ist das eine "schöne" Erfahrung. Sich selbst, sein Selbst sein, erkennen ist ja ganz gut. Doch wenn es sich auch in den sozialen Bedingungen äußert wird es meist ein mehr oder weniger Schrecken wie man so ist, war? Bin ich das noch.

    Lerne zufrieden sein. Glücklich und Unglücklich fühlen ist Leid erzeugend.

  • Spiegelsee
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    • 29. Dezember 2019 um 23:32
    • #41
    Weltwanbder:

    Das ist doch eine schöne Erfahrung. Für mich war es auch eine total spannende Entdeckung, wie sehr meine Gefühle von mir selbst wandeln können, die mich nachhaltig geprägt hat. Nachdem ich lange Körper und Geist getrennt hatte, machte ich darin die Einheitserfahrung meiner Person.

    Ja, das sind ja im Grunde zwei verschiedene Dinge: Einerseits das Gefühl einen gewissen Abstand zu sich selbst einzunehmen und andererseits diese Einheitserfahrung von der du schreibst. Aber interessant, dass du beides aufgreifst, da tatsächlich beide Erfahrungen bei mir gerade präsent sind und wahrscheinlich auch einander bedingen.

    Schön finde ich es nicht unbedingt, eher interessant. Ein bisschen befreiend vielleicht. Und zu merken, wie sehr mein Körper meine Gedanken beeinflusst oder eben beides zusammengehört, ist auch ein bisschen aufrüttelnd... Ich habe die körperliche Ebene wirklich sehr vernachlässigt und merke jetzt recht deutlich, wie viel das zu meinem "geistigen" Unwohlsein beiträgt.

    Ellviral:

    Im Moment ist das eine "schöne" Erfahrung. Sich selbst, sein Selbst sein, erkennen ist ja ganz gut. Doch wenn es sich auch in den sozialen Bedingungen äußert wird es meist ein mehr oder weniger Schrecken wie man so ist, war? Bin ich das noch.

    Lerne zufrieden sein. Glücklich und Unglücklich fühlen ist Leid erzeugend.

    Die Bedeutung dessen kann ich nicht erfassen.

    Das ist auch dieses Problem mit den Definitionen (was ist glücklich?, was ist Leiden?). Ich fühle mich manchmal wirklich wirklich glücklich wenn ich spazieren gehe etwas wahrnehme, das mich irgendwie berührt. Ist das Glück?, Ist das Leid verursachend?

    Ich habe schon gelitten und war gleichzeitig glücklich, dass ich so lebendig bin, dieses Gefühl erleben zu können. Ist es dann Leiden?

    Wenn nicht leiden zu müssen bedeutet, dass ich nie wieder glücklich sein darf, will ich das dann in Kauf nehmen?

    Das ist dieses Problem mit der Theorie:

    Gibt es Altruismus wirklich?

    Wenn ich kein Leid erzeugen will, bin ich dann überhaupt Handlungsfähig?

    Wenn ich von allen Begierden frei bin, was soll ich dann überhaupt noch auf dieser Welt?

    Ist es nicht auch eine Begierde, etwas zum besseren zu verändern, anderen Freude zu bereiten? Meine positive Intention kann eine negative Konsequenz haben weil ich die Wirkungen meiner Handlungen nicht richtig überschauen kann. Sollte ich deswegen nicht mehr versuchen, etwas besser zu machen? Und ist mein Wunsch, etwas Gutes zu tun, letztendlich nicht auch nur eine andere Facette von Egoismus?

    Wenn vermeintlich gute Absicht in der Konsequenz nichts Gutes bewirkt und ich durch die Erfahrung von Leid vielleicht erst auf den "richtigen" Weg geleitet werde, kann etwas Böses dann Gutes bewirken?... Und spätestens an dem Punkt wird es mir dann zu viel und ich steige lieber gedanklich aus.

    Ich erwarte auf diese ganzen Fragen natürlich keine Antworten! Ich versuche nur mein Verständnisproblem darzustellen.

    Ich vermute einfach, dass ich das intellektuell nicht klären kann. Diese Gedankenspiele finde ich z.T. auch echt beklemmend.

  • Noreply
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    • 29. Dezember 2019 um 23:45
    • #42

    Lerne ZuFrieden sein. Auch mit Glücklich oder Unglücklich. Wähle verdammt noch mal nicht andauernd das Glücklich sein wollen, verrückter weise auch noch auch im Unglück.

  • Spiegelsee
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    • 30. Dezember 2019 um 14:42
    • #43
    Ellviral:

    Lerne ZuFrieden sein. Auch mit Glücklich oder Unglücklich. Wähle verdammt noch mal nicht andauernd das Glücklich sein wollen, verrückter weise auch noch auch im Unglück.

    :lol: ich danke dir, das war für mich jetzt tatsächlich verständlicher.

    Das heißt, ich habe darüber nachgedacht und glaube, ich verstehe in etwa, was gemeint ist.

    Es ist ja so, wenn ich Glück empfinde oder meine Emotion als glücklich bewerte folgen hieraus i.d.R. drei Dinge.

    1. Ich will das gleiche wieder erleben oder mehr davon, 2. Ich erwarte, dass ich Glück in der gleichen oder einen ähnlichen Situation wieder empfinde und 3. Ich erlebe Enttäuschung wenn dies dann nicht eintritt.

    Ich vermute es geht um Akzeptanz und das Loslassen von Erwartungen. Wenn ich erwarte mich glücklich zu fühlen bin ich weniger im aktuellen Moment und empfinde hierdurch wahrscheinlich sogar weniger Glück. Ich kann das Gefühl glücklich zu sein nicht erzwingen, es ist da oder nicht und ich sollte beides akzeptieren anstatt zu versuchen, den Moment zu etwas zu machen, das er nicht ist.

  • Noreply
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    • 30. Dezember 2019 um 14:56
    • #44

    Spiegelsee Es geht darum einen "Zustand" zu erleben in dem all das erscheint. Doch im ""Inneren"" ist Zufriedenheit.

    Meine Nichten drücken das so aus: Es kann Super toll und Super Scheiße sein. In mir ist Zufriedenheit und im"Außen" Hektik und Aktivität, ja Wut, Ärger, Überschwang von Glück. Ich kann jederzeit sagen: Ihr könnt mich mal mir geht es gut!

  • Spiegelsee
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    • 30. Dezember 2019 um 15:36
    • #45

    Ja, das verstehe ich.

    Ich habe vor Jahren mal ein inneres Bild für diesen Zustand entworfen, da ist lustigerweise auch ein Buddha "drauf".

  • Fǎ Fá
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    • 30. Dezember 2019 um 19:00
    • #46
    Spiegelsee:

    Einerseits das Gefühl einen gewissen Abstand zu sich selbst einzunehmen und andererseits diese Einheitserfahrung von der du schreibst.

    Es schließt sich nur solange aus, wie wir etwas von uns noch als geschlossene Einheit verstehen.

    Wenn wir unsere Einheit in der Vergänglichkeit und Vielfalt erkennen, ist das Empfinden unserer Einheit nicht "einerseits" und das Empfinden der Vergänglichkeit nicht "andererseits". In der Vergänglichkeit liegt die Einheit und in der Einheit die Vergänglichkeit. Dann darin, dass alles vergänglich ist, besteht das ewige Selbst; und das ewige Selbst ermöglicht erst, dass alles vergänglich ist. Aber wie ist dieses Selbst? Sagen wir nicht, dass es kein Selbst gibt? Doch, das gibt es, aber seine Natur ist es, leer von einer Natur zu sein. Dadurch ermöglicht es Veränderung und Vergänglichkeit. Dieses Selbst kann man als Einheit empfinden. Und in dieser Einheit ermöglicht es Vergänglichkeit dessen, was wir fälschlicherweise für das Selbst hielten.

  • Spiegelsee
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    • 2. Januar 2020 um 00:10
    • #47
    Weltwanbder:

    Sagen wir nicht, dass es kein Selbst gibt? Doch, das gibt es, aber seine Natur ist es, leer von einer Natur zu sein. Dadurch ermöglicht es Veränderung und Vergänglichkeit. Dieses Selbst kann man als Einheit empfinden.

    Ich denke, ich verstehe das meiste von dem, was du geschrieben hast. Aber an dem Teil, dass man dieses "Selbst" als Einheit empfinden kann, hänge ich irgendwie. Ich kann meinen Körper und meinen Geist als Einheit empfinden, da ich beobachten kann, wie beides einander beeinflusst. Aber mein Selbst (im buddhistischen Sinne) ist ja weder mein Geist noch mein Körper, oder?

    Irgendwie ist mir immer noch unklar, was mit Selbst in diesem Sinne gemeint ist... Ist das Bewusstsein gemeint? Also, die Fähigkeit mich selbst zu beobachten? Oder ist die Lebensenergie an sich gemeint? Oder wird davon ausgegangen, das beides das gleiche ist?

    Für mich ist z.B. nicht erkennbar, ob mein Bewusstsein nicht einfach ein Phänomen meines Geistes ist. Mein Geist kann denken also wieso sollte er nicht in der Lage sein, sich beim Denken zu beobachten? Während ich ohne die Lebensenergie natürlich zu gar nichts in der Lage wäre.

    Ich merke, dass ich immer wieder auf innerpsychische Widerstände stoße und irgendwie sehr mit mir kämpfen muss um nicht zu resignieren und zu sagen, lasst mich doch alle in Ruhe, ich lebe einfach mein langweiliges, einsames Leben und das wars. Ich habe dann das Gefühl, nichts geben zu können und mir diese Welt, in der ich mich nicht zumutbar fühle, selbst nicht zumuten zu wollen.

    Dann drehe ich gedanklich oft ein paar Runden (über mehrere Tage) um später wieder neu anzusetzen. Ich will mehr als das und bin frustriert über die Begrenztheit meiner Möglichkeiten.

    Auf der einen Seite ist diese Lethargie, die mir sagt, dass ich eh nichts ändern kann und dann will ich auch nichts weiter und finde mich mit dem ab, was ich habe. Und auf der anderen Seite bin ich (aus für die meisten Menschen sehr nachvollziehbaren Gründen) aber nicht glücklich mit meinem Leben und habe den Wunsch es zu verbessern. Da ist dann aber eben auch das Wollen, die Begierde und die ist ja irgendwie auch schlecht, oder? An dem Punk hänge ich wohl gerade.

    Ich habe, wenn ich bestimmte Dinge lese, sehr schnell ein schlechtes Gewissen und bin dann auch so hart gegen mich selbst, obwohl meine Lebensumstände so schon wirklich schwierig sind und ich mir eigentlich wirklich nicht noch selbst das Leben schwerer machen möchte.

    Am schlimmsten ist diese gefühlte Einsamkeit, das zerreißt mich manchmal nahezu und dann gleite ich leicht ab in irgendwelche Phantasiewelten. Ich wünschte, ich könnte aufhören mich so zu fühlen aber es kommt leider immer mal wieder.

    Ach, ich weiß auch nicht, vielleicht fehlt mir wirklich der innere Frieden. Ich wäre gerne zufrieden und trotzdem motiviert Dinge zum besseren zu ändern. Vielleicht klappt es ja, wenn ich es aufschreibe.

  • Fǎ Fá
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    • 2. Januar 2020 um 08:04
    • #48
    Spiegelsee:

    Aber mein Selbst (im buddhistischen Sinne) ist ja weder mein Geist noch mein Körper, oder?

    Irgendwie ist mir immer noch unklar, was mit Selbst in diesem Sinne gemeint ist... Ist das Bewusstsein gemeint? Also, die Fähigkeit mich selbst zu beobachten? Oder ist die Lebensenergie an sich gemeint? Oder wird davon ausgegangen, das beides das gleiche ist?

    Für mich ist z.B. nicht erkennbar, ob mein Bewusstsein nicht einfach ein Phänomen meines Geistes ist. Mein Geist kann denken also wieso sollte er nicht in der Lage sein, sich beim Denken zu beobachten? Während ich ohne die Lebensenergie natürlich zu gar nichts in der Lage wäre.

    Wenn Selbst weder Geist noch Körper ist, dann ist Selbst das, was nicht Körper und Geist ist. Oder anders ausgedrückt: Körper und Geist sind nicht das Selbst (anatman).

    Atman wird im Sanskrit als das Unerschaffene, das Ungeborene verstanden. "Ungeboren", den Begriff nutzte auch der Buddha. Existiert denn etwas, was ungeboren ist? Die Bhagavad-gita sagt, dass alles was existiert, vergänglich ist, denn was existiert, wurde geschaffen und kann daher auch sterben.

    Ich bin jetzt etwas in den Hinduismus hineingegangen, da diese Idee, dass das Selbst nicht Körper und Geist sind, ursprünglich bereits vor Buddha Teil des Denkens der Upanishaden war. Der Buddha stellte fest, dass die Leute praktisch trotzdem alles mögliche für das Selbst halten, aber das alles vergängliche Dinge sind. Und deshalb sagte er: das alles ist nicht das Selbst.

    Für mich ist das immer wieder eine Herausforderung, zu beobachten was ich eigentlich nicht bin.

    Spiegelsee:

    Auf der einen Seite ist diese Lethargie, die mir sagt, dass ich eh nichts ändern kann und dann will ich auch nichts weiter und finde mich mit dem ab, was ich habe. Und auf der anderen Seite bin ich (aus für die meisten Menschen sehr nachvollziehbaren Gründen) aber nicht glücklich mit meinem Leben und habe den Wunsch es zu verbessern. Da ist dann aber eben auch das Wollen, die Begierde und die ist ja irgendwie auch schlecht, oder? An dem Punk hänge ich wohl gerade.

    Gier hat immer etwas damit zu tun, etwas haben oder halten zu wollen, da steckt eine ungesunde Zwanghaftigkeit drin.

  • Alephant
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    • 2. Januar 2020 um 13:13
    • #49
    Fǎ Fá:

    Für mich ist das immer wieder eine Herausforderung, zu beobachten was ich eigentlich nicht bin.

    Vielleicht liegt das daran, dass die Vergänglichkeit und Leidhaftigkeit des Gefühls usw beobachtet werden kann, nicht aber, was ein Selbst nicht wäre. So etwas kann man nicht beobachten.

  • Daoist
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    • 2. Januar 2020 um 14:07
    • #50

    Das Beobachten hat den Nachteil, das es einen Beobachtenden erschaffen/abspalten muss. Eigentlich ist es ne Form von Dissoziation. Es versucht, eine vom Leben zu unterscheiden.

Ausgabe №. 135: „Achtsamkeit und Aktivismus"

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