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Ist Motivation ein Wiederspruch zu nicht-ergreifen?

  • art
  • 21. Oktober 2019 um 17:45
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1. offizieller Beitrag
  • art
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    • 21. Oktober 2019 um 17:45
    • #1

    Hallo,

    seit einiger Zeit taucht diese Frage bei mir immer wieder auf.

    Ist das Entwickeln einer Motivation, z.B. die Kultivierung von Bodhichitta nicht ganz klar eine Ziel, dass es zu erreichen gilt?

    Andererseits lese ich immer wieder, dass es u.a. das Ergreifen in der Kette des Entstehens in gegenseitiger Abhängigkeit zu überwinden gilt.

    Wiederspricht sich das nicht gegenseitig?

    lg

    art

  • Xyz
    Gast
    • 21. Oktober 2019 um 17:59
    • #2

    Nein lieber/ Liebe art

    würde es nur nicht in Verbindung bringen.

    Grundsätzlich empfinde ich Motivationen als sehr wichtig und nötig auf dem Pfad.So wird diese wohl auch in Verbindung mit den Erleuchtungsfaktoren gezählt (Willenskraft)

    Allerdings dürften Motivationen damit auf keinen Fall ein Resultat beinhalten.

    Denn der buddhistische Weg ist ja der Weg des los lassens.❤️🙏

  • art
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    • 21. Oktober 2019 um 18:25
    • #3

    @SGM , danke für deine Antwort.

    Meine Lebenserfahrung sagt mir, dass eine gute Motivation eigentlich unerlässlich ist um etwas zu erreichen, um Krisen zu überstehen. Das was ich erreichen will ist aber ein Ziel und somit etwas das ich ergreife.

    SGM:

    Allerdings dürften Motivationen damit auf keinen Fall ein Resultat beinhalten.


    Genau, und da hänge ich.

    Das würde ja letztendlich heißen, das Ziel ist die Ziellosigkeit!?

    Oder verdrehe ich irgendwas total?

    lg

  • void
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    Buddh. Richtung
    Zen
    • 21. Oktober 2019 um 18:35
    • Offizieller Beitrag
    • #4
    art:

    Hallo,

    seit einiger Zeit taucht diese Frage bei mir immer wieder auf.

    Ist das Entwickeln einer Motivation, z.B. die Kultivierung von Bodhichitta nicht ganz klar eine Ziel, dass es zu erreichen gilt?

    Andererseits lese ich immer wieder, dass es u.a. das Ergreifen in der Kette des Entstehens in gegenseitiger Abhängigkeit zu überwinden gilt.

    Wiederspricht sich das nicht gegenseitig?

    Man muss zweischen Teilrpoblem und Gesamtproblem unterscheiden.

    Ein Beispiel ist das eines Bootes, das man dazu benutzt um einen Fluss zu überqueren, dss man aber dann, wenn man den Fluß überquert hat zurücklässt. Im Bezug auf das Teilproblem ( Fluß) macht das Bott Sinn auch wenn es dann danach keinen Sinn macht ein Boot mit sich zu führen.

    Oder denke dir einen Pfad. Auch für einen Pfad der zu einem Gipfel führt kann es notwendig sein herabzusteigen, um eine Schlucht zu überqueren. Man bewegt sich temporär in eine scheinbar falsche Richtung aber das ist nicht schlimm, weil es dann umso besser aufwärts geht.

  • Helmut
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    • 21. Oktober 2019 um 18:52
    • #5

    Hallo art,

    meines Erachtens kann man Motivation und angestrebtes Ziel nicht voneinander trennen. Sie hängen miteinander zusammen, auch wenn sie nicht identisch sind.

    Wenn wir die vier edlen Wahrheiten nehmen: Es gibt Zielsetzungen. Deshalb kann man im Kontext des Buddhadharma nicht davon sprechen, es gebe keine Zielsetzungen. Das Ziel ist, die wahren Beendigungen zu verwirklichen. Denn der Buddha sagte ja, diese seien zu verwirklichen. Wenn man sie verwirklicht hat, dann gibt es nichts mehr zu verwirklichen. Wenn das keine Zielsetzung ist, was ist dann eine Zielsetzung.

    Es wird häufig gesagt, die Lehre des Buddha bedeute, wir müssen nur loslassen. Leider wird dann meist nicht mehr sehr genauso sagt, was dies bedeutet.

    Ich sehe es so, dass wir auf dem Pfad zwei Dinge realisieren müssen: Einerseits das Aufgeben / Überwinden des Unheilsamen, also der Leiden und ihre Ursachen; andererseits Fähigkeiten, Qualitäten und Tugenden entwickeln, die die Gegenmittel gegen Unwissenheit, Gier und Hass sind.

    Die Motivation, die dahinter steckt, ist doch der Wunsch nach dauerhaften Glück. Deshalb gibt es für mich beides im Buddhadharma, nämlich Motivation und Zielsetzung; die durch den Wunsch nach Leidfreiheit motivierte spirituelle Praxis des achtfachen Pfades.

    Gruß Helmut

    Gruß Helmut

    Als Buddhisten schätzen wir das Leben als höchst kostbares Gut.

  • Xyz
    Gast
    • 21. Oktober 2019 um 18:58
    • #6
    art:
    SGM:

    Allerdings dürften Motivationen damit auf keinen Fall ein Resultat beinhalten.


    Genau, und da hänge ich.

    Das würde ja letztendlich heißen, das Ziel ist die Ziellosigkeit!?

    Oder verdrehe ich irgendwas total?

    lg

    Das kann ich nicht beurteilen☺️

    Doch würden so viele Menschen den buddhistischen Anweisungen dann folgen?

    ‚Ziel und Ziellosigkeit’ könnte eine zu weltlich geformte Definition sein für eine spirituelle Entwicklung die Du in Dir entwickeln möchtest.

    Könnte ich mir jedenfalls auch vorstellen❤️🙏

  • art
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    • 21. Oktober 2019 um 19:32
    • #7

    Danke für eure Antworten,

    Helmut : Ich sehe das auch so, dass Motivation immer mit einem Ziel verbunden ist.

    Meine Verständnissproblem liegt darin, dass (zumindest nach meinem Verständniss) das "Wünschen" quasi Teil der Ursache des Leids ist. Wie soll dann der Wunsch nach Leidfreiheit zur selbigen führen?

    Da hilft die Darstellung von void, dass der Weg nicht immer direkt zu erkennen ist oder sich nur auf einen Teil des Gesamtweges bezieht.

    Ganz überzeugt bin ich noch nicht, ich muss mich wohl noch damit befassen.

    @SGM : Ja, Du hast Recht. Die Formulierung Ziel und Ziellosigkeit klingt irgenwie out of space :). Mir fällt nur keine andere ein, die besser passen würde.

    lg

  • kilaya
    Gast
    • 21. Oktober 2019 um 20:00
    • #8

    Gerade im Tibetischen Buddhismus, den Du in Deinem Profil stehen hast, wird etwas. das eigentlich ein Problem ist, zu einem Teil des Weges gemacht, in transformierter Form. oder in seinem Impuls auf etwas anderes ausgerichtet. Da sind dann Motivationen und Wünsche teilweise sogar notwendig, wenn sie nicht auf das Erfüllen von egoistischen Zielen ausgerichtet sind. Ohne Motivation bewegen wir uns nicht, auch nicht auf dem buddhistischen Weg.

  • Alephant
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    • 21. Oktober 2019 um 22:02
    • #9

    art

    Es ist ein Widerspruch. Widersprüche zu lösen, ist aus meiner Erfahrung gut mit Bedacht anzugehen.

    Das heisst vielleicht übertragen in Lehrredenterminologie, dass es heilsame und gute Handlungen und damit solches Werden gibt, und auch unheilsame Handlungen und solches Werden. Bedingt hierdurch ist Wahrnehmung und Gefühl. Und darauf kommt es an. Ist das ein gutes oder eher ein ungutes Gefühl und worin wurzelt das / hat das eine sichere Basis oder eher eine unsichere.

    Vielleicht ist es auch hilfreich zu sehen, dass technisch gesprochen wohl nicht, dass jemand am Gefühl anhaftet. Also dass im Kern so ein Gedanke abwegig ist, mit der Info es evtl leichter fällt einen unruhigen Gedanken zu bekämpfen.

  • Xyz
    Gast
    • 22. Oktober 2019 um 03:52
    • #10

    Lieber art

    erinnert mich so ein wenig an mein erstes verliebt SEIN da hatte ich auch oft nicht die richtigen Worte für das Gefühl in meinem ❣😉....

  • Helmut
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    • 22. Oktober 2019 um 17:21
    • #11
    art:

    Meine Verständnissproblem liegt darin, dass (zumindest nach meinem Verständnis) das "Wünschen" quasi Teil der Ursache des Leids ist. Wie soll dann der Wunsch nach Leidfreiheit zur selbigen führen?

    Hallo art,

    nicht der Wunsch nach Leidfreiheit ist Ursache des Leidens, sondern Unwissenheit, Gier, Hass und die daraus entstehenden Leidenschaften (skr. klesas), sind die Leidensursachen.

    Nur wenn ich den Wunsch habe, mich aus den Leiden zu befreien, werde ich mich auch daran machen, zu erkennen was die Leidensursachen sind, und ob es Wege, mittels derer ich sie überwinden kann.

    Damit wären wir bei den vier edlen Wahrheiten, die der Buddha in seiner ersten Lehrrede dargelegt hat. Erst wenn ich erkannt habe worin die Leiden bestehen und was die Ursachen dieser Leidens sind, kann ich mich fragen ob es Mittel gibt mit denen ich die Leidensursachen und damit auch die Leiden überwinden kann. Wenn ich diese erkannt habe, kann ich auf dieser Grundlage den Wunsch verstärken, die Leidensursachen zu überwinden und mich dazu motivieren, die wahren Pfade, die zu den wahren Beendigungen des Leidens führen, zu praktizieren.

    Gruß Helmut

    Gruß Helmut

    Als Buddhisten schätzen wir das Leben als höchst kostbares Gut.

  • Monikamarie
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    • 22. Oktober 2019 um 17:30
    • #12
    art:

    Ist das Entwickeln einer Motivation, z.B. die Kultivierung von Bodhichitta nicht ganz klar eine Ziel, dass es zu erreichen gilt?

    Andererseits lese ich immer wieder, dass es u.a. das Ergreifen in der Kette des Entstehens in gegenseitiger Abhängigkeit zu überwinden gilt.

    Wiederspricht sich das nicht gegenseitig?

    Hallo Art und herzlich Willkommen, auch wenn du schon lange hier Mitglied bist :)

    Es ist nicht möglich, sich eine schlechte Angewohnheit wie das Rauchen abzugewöhnen, ohne den festen Wunsch dazu zu haben.

    Ramana Maharshi sagte es mal so: "Du benutzt einen Dorn, um einen Dorn aus dem Fuß zu entfernen. Danach wirfst Du beide Dornen fort."

    Um der Lehre Buddhas folgen zu können, musst Du sie ergreifen.

    _()_

  • art
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    • 22. Oktober 2019 um 18:41
    • #13

    Vielen lieben Dank nochmal, das eröffnet mir neue Sichtweisen und Sichtweisen neu.

    :?... aber (ich lehne mich jetzt mal weit aus dem Fenster) bedeutet dass dann nicht, dass ich den Pfad irgendwann verlassen muss, also - das Boot zurücklassen muss oder halt eben beide Dorne wegwerfe, also auch den Dharma ?

  • Helmut
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    • 22. Oktober 2019 um 18:54
    • #14

    Hallo art,

    zur dritten und vierten edlen Wahrheit heißt es sinngemäß: Die wahren Beendigungen sind zu verwirklichen. Wenn sie verwirklicht sind, gibt es nichts mehr zu verwirklichen. Die wahren Pfade sind zu üben. Wenn man sie vollständig geübt hat, gibt es nichts mehr zu üben. Textquellen kann ich jetzt nicht aus dem Ärmel schütteln.

    Man verlässt den Pfad nicht. Wenn man den Pfad bis zum Ende geübt hat, dann hat man die wahren Beendigungen des Leidens und seiner Ursachen erlangt. Dann braucht man die Pfade nicht mehr zu üben, denn man hat sie ja vollständig im eigenen Geist verwirklicht, da man das Ziel, die wahren Beendigungen, erreicht hat. Die wahren Pfade sind Bewusstseinszustände, nicht irgendwelche äußeren Wege, Pfade, Straßen usw. Auch die wahren Beendigungen sind nichts Äußeres, sondern Zustände des eigenen Geistes.

    Die Analogie mit dem Floß verdeutlicht dieses. Wenn man mit dem Floß sein Ziel erreicht hat, macht es keinen Sinn, dieses Floß weiter mit sich herum zu tragen, denn man hat ja das Ziel, das man mit dem Floß erreichen wollte, erreicht.

    Gruß Helmut

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  • Monikamarie
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    • 22. Oktober 2019 um 18:56
    • #15

    Wenn Du wirklich so weit kommst, dass Du "das Floß zurücklassen kannst", wirst Du durchdrungen sein vom Dharma - also EINS sein mit dem Dharma. Du wirst dann wissen, was zu tun oder zu lassen ist.

    Oder anders ausgedrückt, wenn Dein Fuß frei vom Dorn ist, wozu brauchst Du dann noch einen Dorn?

    _()_

  • mukti
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    • 22. Oktober 2019 um 19:09
    • #16
    art:

    Meine Verständnissproblem liegt darin, dass (zumindest nach meinem Verständniss) das "Wünschen" quasi Teil der Ursache des Leids ist. Wie soll dann der Wunsch nach Leidfreiheit zur selbigen führen?

    Alles Wünschen führt zu Leid, außer dem Wunsch nach Erleuchtung, der führt zu Leidfreiheit.

    Mit Metta, mukti.


Ausgabe №. 136: „Liebe & Loslassen"

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