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Wut

  • Lucky Luke
  • 22. November 2018 um 18:48
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  • xiaojinlong
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    • 25. November 2018 um 18:35
    • #51

    Ich denke es fällt vielen schwer zwischen Emotion und Kognition zu unterscheiden. In der Verhaltenstherapie benutzt man dabei gerne das sogenannte SORKC-Modell:

    SORKC-Modell:
    • S (Stimulus) bezeichnet eine äußere oder innere Reizsituation. Der Stimulus erfasst die das Verhalten auslösenden Bedingungen (In welcher Situation tritt das Verhalten auf?).
    • O (Organismusvariable) bezeichnet die individuellen biologischen und lerngeschichtlichen Ausgangsbedingungen bzw. Charakteristika der Person auf den Stimulus.
    • R (Reaktion bzw. Verhalten) bezeichnet die Reaktion auf den Stimulus nach der Verarbeitung durch den Organismus auf kognitiver, motorischer, vegetativer und affektiver Ebene.
    • K (Kontingenz) bezeichnet die Regelmäßigkeit des Auftretens der Konsequenz nach der Reaktion.
    • C (Konsequenz) bezieht sich auf das Einsetzen einer Verstärkung oder Bestrafung als Folge eines Verhaltens (Was folgt auf das Verhalten?).

    Wobei die Reaktion in

    • kognitiv
    • emotional
    • physiologisch
    • motorisch

    unterteilt wird.

    Wobei natürlich nicht alles instant passiert.

    Wenn ich also auf ein Ereignis die Emotion Wut spüre, dann ist das eine Reaktion von mir, die aber erstmal nur in mir drin ist. Die Frage ist, wie gehe ich damit um. Also welche weiteren Reaktionen zeige ich.

    Drängelt sich jemand vor, ist eine möglich emotionale Reaktion Wut. Da sehe ich weder etwas positives noch negatives. Es ist einfach eine menschliche Reaktion. Wenn ich aber jetzt physiologisch in Rage kommen und dadurch einen hohen Puls bekomme, kann das durchaus negative Folgen habe. Verfalle ich einem Rachedenken oder blaffe die Person auf unschöne Art und Weise an, dann bin ich auch auf einem nicht sonderlich gutem Pfad. Die ursprüngliche Emotion (Wut) ist dabei aber nicht der Auslöser. Der Auslöser ist die Aktion (z,B. das Vordrängeln).

    _()_

    小金龍

  • Lirum Larum
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    • 25. November 2018 um 19:38
    • #52
    Aravind:
    Losang Lamo:

    ...

    ...

    ALLERDINGS habe ich gerade Deinen Satz noch mal genauer gelesen, da steht ja "nur", dass Wut nicht heilsam ist; dem kann ich mich natürlich anschließen. Aber daraus folgt ja nicht, dass man keine Wut empfinden sollte.

    Was machst Du mit Deiner Wut?

    Richtig. Ich habe sogar im Gegenteil in meinem ersten Posting in diesem Thread darauf hingewiesen, dass es nicht darum geht, Wut zu verurteilen etc pp - ganz am Anfang des Stranges hier.

    Ich und meine Wut? Schwierig. Ich bin genetisch Wikingerin und kann echt richtig ausflippen. Das war bis jetzt ein langer, langer Prozess, damit besser umzugehen. Nix perfekt. Es gibt immer noch Grund zur Reue manchmal. Aber die finde ich wichtig, um den Prozess überhaupt in Gang zu setzen und die eigene Wut zu analysieren. Wann fing der Ärger an? Was ist danach passiert?

    Solange ich mir einrede, meine Wut sei hilfreich gewesen, sei gar berechtigt gewesen und überhaupt hätte sowieso auf jeden Fall der/die andere Schuld - solange komme ich nicht weiter. Und kann die Situation nicht verstehen... und kann nächstes Mal nicht besser reagieren.

    Mich selbst verstehen und den anderen verstehen hilft mir sehr weiter. Da ist Wut letzendlich nicht einmal mehr möglich.

    Und wahrnehmen, wann Wut entsteht, ist auch sehr hilfreich. Das ist unglaublich viel früher, als man so denkt - schon beim ersten mürrischen Gedanken manchmal. Es ist sehr gut, sowas möglichst rechtzeitig wahrzunehmen und dann einen besseren, gerechteren, mitfühlenderen Blickwinkel einzunehmen. Auch mitfühlend mit sich selbst. Da ich nicht aus Beton bin, ist es auch okay, mich manchen Situationen einfach rechtzeitig zu entziehen.

    :rainbow: Gute Wünsche für jede und jeden. :tee:


  • Schneelöwin
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    • 25. November 2018 um 19:41
    • #53

    Auf jeden Fall wird das eigene Leid auch vermehrt, wenn man der Wut keine Beachtung schenkt oder unterdrückt bzw. noch nicht einmal bemerkt.

    Unterdrückte Wut kann zu einer Depression führen und auch zu psychosomatischen Organleiden.

    Ich komme darauf, weil meine TCM Therapeutin bei mir häufiger mal den Dai mai Qi Meridian frei macht.. Sie meint, der ist z.B. blockiert wenn sich Wut anstaut und nicht richtig verarbeitet wird.

    Hier habe ich mal einen Link herausgesucht, falls interessant.

    dai mai.pdf

    Zu lesen unter Punkt 5.

    Naja, deswegen achte ich zumindest mal auf das Gefühl Wut. Ich werde augenscheinlich nie wütend. Passt auch irgendwie nicht zu mir. Allerdings muss es trotzdem einen Weg geben, dieses gesund umzuzwitschen oder zumindest zu bemerken.

    Liebe Grüße Schneelöwin

    "All is always now"


  • Monikamarie
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    • 25. November 2018 um 19:47
    • #54
    xiaojinlong:

    Die ursprüngliche Emotion (Wut) ist dabei aber nicht der Auslöser. Der Auslöser ist die Aktion (z,B. das Vordrängeln).

    Ja, der Auslöser ist das Vordrängeln. Jedoch reagiert ja nicht jeder mit Wut auf diesen Auslöser. Und es geht doch eigentlich darum, wie kann ich mit meiner Wut umgehen und nicht, ob ich Recht habe, weil da ein Auslöser ist. Es gibt unzählige Auslöser, die nicht nur dafür sorgen, dass jemand im Kleinen seinen Frieden verliert, sondern dass sogar größere Konsequenzen die Folge sein können, u.a. Rache, Totschlag, Kriege usw. In jedem Fall unheilsam.

    Ich muss mich, wenn ich die Lehre Buddhas ernst nehme, doch aber um die Wurzel kümmern. Und die ist nicht im Auslöser zu finden, sondern in der Resonanz. Buddha spricht deshalb auch vom Wächter am Tor. Der bewacht ja nicht das Umfeld auf mögliche Auslöser, sondern die inneren Vorgänge und Reaktionen, damit diese nicht unbedacht bzw. unachtsam das Tor verlassen und womöglich Schlimmeres verursachen als angemessen. Ich denke da an die Geschichte aus der Sesamstraße, in der Bert vom Nachbarn einen Hammer ausleihen will und in der Zwischenzeit sich alle möglichen schrecklichen Reaktionen des Nachbarn vorstellt, so dass er, als der Nachbar die Tür öffnet, diesen anschreit "behalten Sie doch Ihren blöden Hammer".

    Das kann auch beim Vordrängler passieren. Vielleicht ist der in großer Not - aus welchem Grund auch immer.

    _()_

  • Monikamarie
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    • 25. November 2018 um 19:55
    • #55
    Aravind:
    Sherab:

    Warum vermehrt Wut das eigene Leid lt. dem Zitat?

    Das ist die Chance auf eine Endlosschleife! :)

    Wut ist nur ein Gefühl. Nur die Anhaftung an Wut führt zu Leid. (Quelle: zweite edle Wahrheit ;) )

    Liebe Grüße, Aravind.

    Richtig! Wut vermehrt das Leid, weil nicht nur ich selbst darunter leide, sondern eventuell auch durch eine falsche Perspektive ungerecht werde. Somit wird die Wut übertragen auf die andere Person, die dann auch wieder wütend werden könnte oder traurig. Wird diese Endlosschleife nicht unterbrochen, kann es sein, dass Beziehungen gebrochen werden, die doch eigentlich zusammen gehörten - z.B. mein Bruder und ich. Wir haben durch solch ein dummes Verhalten (vor allem ich!!!) über 20 Jahre unseres Lebens vergeudet. Und der Schmerz über mein Fehlverhalten berührt mich heute noch, zumal mir erst vor wenigen Wochen klar wurde, dass ich mich total getäuscht hatte. Zum Glück sind wir seit 18 Jahren bereits wieder versöhnt.

    _()_

  • hiri
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    • 25. November 2018 um 20:06
    • #56
    Monikadie4.:

    Ich muss mich, wenn ich die Lehre Buddhas ernst nehme, doch aber um die Wurzel kümmern. Und die ist nicht im Auslöser zu finden, sondern in der Resonanz. Buddha spricht deshalb auch vom Wächter am Tor. Der bewacht ja nicht das Umfeld auf mögliche Auslöser, sondern die inneren Vorgänge und Reaktionen, damit diese nicht unbedacht bzw. unachtsam das Tor verlassen und womöglich Schlimmeres verursachen als angemessen.

    Sehr gut beschrieben. Je nach Tagesverfassung reagiere ich auf die selbe Situation (ich muss länger arbeiten, jemand schneidet mich oder nimmt mir die Vorfahrt, und so weiter) völlig unterschiedlich - von starker Wut bis überhaupt keiner Wut kann da alles dabei sein. Da wird auch nichts verdrängt oder schön geredet, an guten Tagen kümmern mich solche Banalitäten einfach nicht, oft kann ich's dann sogar mit Humor nehmen.

  • xiaojinlong
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    • 25. November 2018 um 20:06
    • #57
    Monikadie4.:

    Vielleicht ist der in großer Not - aus welchem Grund auch immer.

    Das ist die kognitive Überlegung ;)

    _()_

    小金龍

  • Lucky Luke
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    • 26. November 2018 um 07:20
    • #58
    xiaojinlong:

    Wenn ich aber jetzt physiologisch in Rage kommen und dadurch einen hohen Puls

    Welche weiteren körperlichen Auswirkungen könnte Wut haben?

    - Ich denke da z.B. an Sodbrennen (insofern ein interessanter Vergleich, weil Wut auch mit dem

    Feuer Element zu tun hat)

  • Lirum Larum
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    • 26. November 2018 um 07:46
    • #59

    Magengeschwür.


    ... Aber eben auch die Tatsache, dass man andere höchstwahrscheinlich mit der eigenen Wut verletzt, vielleicht sogar schwer verletzt, ist Anlass zur Sorge - für das eigene Karma, Freundschaften, Sozialgefüge, in dem man lebt. Das ist alles nicht witzig, wenn man sein Umfeld schädigt.

    :rainbow: Gute Wünsche für jede und jeden. :tee:


  • Monikamarie
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    • 26. November 2018 um 08:19
    • #60

    Nicht zu vergessen, letztendlich sogar Herzinfarkt, -versagen ...

    Aber das sind ja "nur" die eigenen Dilemma, die hinzukommen. Für mich ist viel wichtiger das soziale Umfeld, möglicherweise sogar Tiere. Ich kannten einen Mann, der gab seinem Hund einen Tritt, weil ich ihm (dem Mann) widersprochen habe.

    _()_

  • Doris
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    • 26. November 2018 um 08:31
    • #61
    jianwang:
    xiaojinlong:

    Wut ist weder heilsam noch nicht heilsam. Genauso wie andere Emotionen, die Frage bleibt, was wir damit tun und was wir daraus schließen.

    Emotionen sind "Geistgestalter" … das sollte man immer beachten …

    das meine ich auch.

    selbst wenn man sich wieder beruhigt, muss man sehr aufpassen, dass durch die emotion nicht die gedanken gefärbt wurden. man denkt dann, dass man cool und gelassen und gaaanz neutral ist, dabei hat die wut bereits ihre wirkung getan und hat z.B. die meinung über etwas in eine bestimmte richtung geformt. das ist dann das phänomen der rationalisierung.

    von so was dann abzulassen ist ganz schwer. mara in feinstem tarnanzug.


    trotzdem, wut ist ein wichtiger motor und sensor. sie setzt energie frei, die unter umständen in bestimmten situationen wichtig ist.

    wut unterdrücken ist nicht hilfreich. ich bin eher dafür, sie zu analysieren und die ursachen zu finden. dann kann man eine situation aktiv verändern oder erkennen, dass diese wut eine altlast ist und man gerade projiziert. so genutzt kann wut dabei helfen, etwas aufzulösen.

    wann wut hilfreich ist und wann nicht, das zu erkennen erfordert genaues hinsehen und ehrliche analyse. dazu muss man die wut auch aushalten können ohne sie auszuagieren. oft stelle ich dann fest, dass sie sich von selbst auflöst.

    je mehr ich wut analysiere, desto seltener kommt sie. dinge, die mich früher wütend gemacht haben, lassen mich heute kalt. das zeigt, das wut nicht per se eine berechtigung hat, sondern was mit erfahrungen und vorstellungen zu tun hat. und mit mitgefühl. je weniger ich die dinge und ereignisse auf mich beziehe, umso seltener werde ich wütend.

    ein beispiel, das vielleicht jeder kennt:

    man hat es eilig und geht in einer menschenmenge. vor einem geht jemand so langsam, man kommt nicht einfach an ihm vorbei, und wird so aufgehalten. das kann wut erzeugen. nachdem ich mir aber bewusst geworden bin, dass dieser mensch keine augen auf dem rücken hat und einfach sein tempo hat, auf das er ein recht hat, vielleicht gar nicht schneller gehen kann, ist diese wut nie mehr aufgetaucht. mehr verständnis für die anderen, weniger ichbezogenheit, hat meine wut aufgelöst.

    wut ist also ein ego-ding. hat immer was mit mir selbst zu tun. das ist wohl ein überlebenswichtiger mechanismus. aber wut führt einen allzuoft in die irre. diesen mechanismus sollte man sehr gründlich studieren. es heißt nicht umsonst, dass ein moment der wut ein ganzes leben in kontemplation zunichte machen kann (so ähnlich jedenfalls).

    Der Sinn des Lebens besteht darin, Rudolph, dem Schwurkel, den Schnabel zu kraulen.

  • Lucky Luke
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    • 26. November 2018 um 08:35
    • #62
    Doris:

    wut unterdrücken ist nicht hilfreich.

    Da sehe ich einen Widerspruch zu meinem eingestellten Zitat, denn dieses besagt ja, dass Wut in jeder Situation nutzlos ist. Wenn man die Nutzlosigkeit von Wut erkennt, dann macht es auch keinen Sinn mehr, wütend zu sein und dann gibt es auch so etwas wie "Unterdrücken" nicht mehr.

  • Doris
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    • 26. November 2018 um 08:57
    • #63

    [lz]

    Hitze, Kälte, Regen und Wind,

    Krankheiten, Gefangenschaft, Schläge und anderes -

    ich sollte darüber nicht wütend sein,

    da sich sonst mein Leid vermehren wird[/lz]

    das ist dein von dir zitierter vers.

    ich schreibe, dass das unterdrücken von wut nicht hilfreich ist.

    sie entsteht spontan. nichts, was wir kontrollieren können. wir können lediglich kontrollieren, wie wir damit umgehen.

    sie ist wie wolken am himmel. eine unwillkürliche geistesregung.

    aber das bedeutet nicht, dass wut nicht auch reduziert werden kann, also dass weniger wolken am himmel aufziehen.

    weniger wolken ziehen auf, wenn wir mitgefühl entfalten und wenn wir weniger ichbezogen werden. da wut ja immer eine form der selbstverteidigung ist.

    solange wir aber diese ichbezogenheit nicht völlig aufgelöst haben (geht das überhaupt?), müssen wir uns darin üben, mit der wut angemessen umzugehen. also sie zügeln lernen, sie analysieren und zu durchschauen.

    ein teil der analyse besteht darin zu untersuchen, ob es überhaupt sinnvoll ist wütend zu werden? soll ich wütend werden, weil das wetter so ist wie es ist? würde wut was daran ändern können? würde ich gesund werden, wenn ich auf eine krankheit wütend wäre? würden die schläge aufhören (zugegeben, die schwerste übung)?

    die wut anzunehmen, sie auszuhalten und zu analysieren, hilft dabei, sie nicht mehr entstehen zu lassen. wenn wut z.b. aus einer alten verletzung heraus immer wieder auftaucht und ich das betrachte und in den kontext setze, kann diese verletzung heilen und damit verschwindet die quelle dieser wut.

    Der Sinn des Lebens besteht darin, Rudolph, dem Schwurkel, den Schnabel zu kraulen.

  • Doris
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    • 26. November 2018 um 09:30
    • #64
    Sherab:

    Wenn man die Nutzlosigkeit von Wut erkennt, dann macht es auch keinen Sinn mehr, wütend zu sein und dann gibt es auch so etwas wie "Unterdrücken" nicht mehr.

    ganz nutzlos scheint mir wut nicht zu sein.

    zuerst ist das ja ein teil unseres primatendaseins. wut soll uns schnell und kräftig schützen: vor feinden von außen und vor dem herabsinken in der hierarchie der eigenen gruppe. je niedriger wir verortet werden, desto geringer unsere überlebenschancen. (das machen wir immer noch so, wenn wir andere verbal reduzieren und entmenschlichen: "flüchtlinge"). wut kann dabei helfen, in der hierarchie aufzusteigen oder andere absteigen zu lassen.

    deshalb scheint mir das so derart tief zu sitzen und eine so große macht über uns zu haben.

    kinder brauchen wut noch sehr, weil sie sich ihr überleben sichern müssen. außerdem müssen sie erst lernen damit umzugehen.

    ich vermute, dass menschen mit viel wut im bauch, choleriker, in diesem kindlichen ich gefangen sind. wut überdeckt und kompensiert ja die hilflosigkeit. je ohnmächtiger sich ein kind fühlen musste, desto eher wird es später probleme mit wut haben. und manche haben dazu weniger resilienz als andere. der sinn ihrer wut ergibt sich aus dieser vergangenheit. wird das unterdrückt, kann es zu depressionen kommen. wird es ausgelebt, wird man eher aggressiv und cholerisch. und das bekommt alles eine eigendynamik, weil man sich daran gewöhnt, weil sich offensichtlich das gehirn so formt.

    man kann das versuchen aufzulösen, indem man solche auflösungsübungen macht und indem man ganz bewusst damit arbeitet. beides halte ich für wichtig. das erkennen der nutzlosigkeit ist ein element der bewussten auflösung.

    die einsicht in die nutzlosigkeit halte ich aber für einen sekundären schritt. denn der wütende ist erst mal so getrieben, dass man ihm "mit so was" gar nicht kommen muss. er sieht oft sein recht auf die wut infrage gestellt. ja, solche argumentationen können die wut verstärken. ich vermute, dass das kindliche ich erst einmal getröstet werden muss, der hunger muss erst gestillt werden.

    Der Sinn des Lebens besteht darin, Rudolph, dem Schwurkel, den Schnabel zu kraulen.

  • Lucky Luke
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    • 26. November 2018 um 09:32
    • #65

    Gibt es eventuell Ausnahmen wo, zumindest eine gespielte (vorgetäuschte) Wut, auch von Nutzen sein kann?

    Eventuell wenn man seine Rechte durchsetzen will und mit

    lieben Worten bei "sturen Servicekräften" nicht weiterkommt?

    Man muss ja nicht gleich rumbrüllen, aber Durchsetzungsvermögen erfordert manchmal ein gewisses "Maß an Aggressivität".

  • Doris
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    • 26. November 2018 um 09:52
    • #66
    Sherab:

    Gibt es eventuell Ausnahmen wo, zumindest eine gespielte (vorgetäuschte) Wut, auch von Nutzen sein kann?

    Eventuell wenn man seine Rechte durchsetzen will und mit

    lieben Worten bei "sturen Servicekräften" nicht weiterkommt?

    Man muss ja nicht gleich rumbrüllen, aber Durchsetzungsvermögen erfordert manchmal ein gewisses "Maß an Aggressivität".

    kommt darauf an, was man unter "nützlich" versteht.

    meine vermutung:

    das kann kurzfristig erfolge einfahren. aber auf dauer wird der andere auf den druck mit gegendruck oder noch mehr verweigerung reagieren.

    wenn eine servicekraft keinen bock auf service hat, dann ist sie am falschen ort und/oder hat die falsche einstellung.

    ich vermute, dass es leute gibt, die "service" mit "unterdrückung" und "versklavung" gleichsetzen. da ist dann verweigerung, also der akt der passiven aggression, das einzig mögliche mittel, um der gefühlten ohnmacht was entgegenzusetzen. (wir haben ja oft die diskussion über demut und wie schlecht das angesehen wird.)

    eine servicekraft mit dieser einstellung, erkennt die reale wichtigkeit ihrer arbeit nicht. das hat aber auch damit zu tun, dass ihre arbeit nicht wertgeschätzt wird.

    daher: bei den putzkräften anfangen: sie mit namen kennenlernen, sie grüßen, einen plausch führen, sie fragen, wie man seinen arbeitsplatz am besten zurücklassen soll, ihre arbeit achten und sich bedanken … und letztlich gute löhne.
    dasselbe gilt für die bedienung in der gastronomie, den leuten im handwerk, den busfahreInnen, den pflegekräften, den leuten bei der müllabfuhr, den leuten am amt, den lehrern usw.

    wertschätzung und dankbarkeit sind in meinen augen die zauberwörter.

    Der Sinn des Lebens besteht darin, Rudolph, dem Schwurkel, den Schnabel zu kraulen.

  • Lucky Luke
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    • 26. November 2018 um 10:09
    • #67
    Doris:

    wertschätzung und dankbarkeit sind in meinen augen die zauberwörter.

    Ja, in der Regel sehe ich das auch so. Ich sprach ja von Ausnahmen!

    Mein Bruder war kürzlich mit seiner Familie (seine Frau und 2 Kindern) im Flughafen London gestrandet, weil sie

    einen Anschlussflug verpasst hatten. Die Dame am Schalter sah sich von einer Traube von Menschen umgeben, die weiter fliegen wollten. Passiert ist zunächst: Nichts. Erst als mein Bruder lauter wurde, hat sie reagiert und einen Flug nach Amsterdam "gefunden". Mit dem Bus sind sie dann von Amsterdam weiter nach Hamburg.

    Die Reise von New York nach Hamburg hat fast 30 Stunden gedauert.

  • CCC
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    • 26. November 2018 um 10:23
    • #68
    Monikadie4.:

    Ich kannten einen Mann, der gab seinem Hund einen Tritt, weil ich ihm (dem Mann) widersprochen habe.

    :eek:

    So was macht mich richtig wütend:evil:

    und traurig zugleich:cry:

  • Aravind
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    • 26. November 2018 um 10:40
    • #69
    Sherab:

    Wenn man die Nutzlosigkeit von Wut erkennt, dann macht es auch keinen Sinn mehr, wütend zu sein und dann gibt es auch so etwas wie "Unterdrücken" nicht mehr.

    Das erscheint mir zu optimistisch. ;)

    Leidest Du nicht mehr, weil Du erkannt hast, dass Leiden nutzlos ist?

    Diese Erkenntnis kann es natürlich einfacher machen, an der Wut zu arbeiten. Aber ich fürchte, man muss schon an die Ursachen ran.

    Liebe Grüße,

    Aravind.

  • Doris
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    • 26. November 2018 um 10:48
    • #70
    Sherab:
    Doris:

    wertschätzung und dankbarkeit sind in meinen augen die zauberwörter.

    Ja, in der Regel sehe ich das auch so. Ich sprach ja von Ausnahmen!

    Mein Bruder war kürzlich mit seiner Familie (seine Frau und 2 Kindern) im Flughafen London gestrandet, weil sie

    einen Anschlussflug verpasst hatten. Die Dame am Schalter sah sich von einer Traube von Menschen umgeben, die weiter fliegen wollten. Passiert ist zunächst: Nichts. Erst als mein Bruder lauter wurde, hat sie reagiert und einen Flug nach Amsterdam "gefunden". Mit dem Bus sind sie dann von Amsterdam weiter nach Hamburg.

    Die Reise von New York nach Hamburg hat fast 30 Stunden gedauert.

    war für deinen bruder und seine familie (damit wollte er seiner rolle als beschützer seiner familie nachkommen) gerade nützlich.

    wir wissen weder, ob dies der einzige weg war, noch was mit der frau los war.

    die angestellte erlebt sicher täglich solche situationen. es ist nicht ihre schuld, dass der anschlussflug verpasst wurde. dennoch muss sie die wogen glätten und für die leute sorge tragen, und vielleicht ist sie gerade überfordert, hat kummer, hat ärger mit der firma …. und immer ist einer darunter, der lautstark wird. der will auch nur zu seinem recht kommen, will seine familie versorgt wissen, muss in ein dringendes meeting, fährt zu einem sterbenden elternteil, ist von der reise erschöpft …

    Der Sinn des Lebens besteht darin, Rudolph, dem Schwurkel, den Schnabel zu kraulen.

  • Aravind
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    • 26. November 2018 um 10:56
    • #71
    Sherab:

    Gibt es eventuell Ausnahmen wo, zumindest eine gespielte (vorgetäuschte) Wut, auch von Nutzen sein kann?

    Eventuell wenn man seine Rechte durchsetzen will und mit

    lieben Worten bei "sturen Servicekräften" nicht weiterkommt?

    Man muss ja nicht gleich rumbrüllen, aber Durchsetzungsvermögen erfordert manchmal ein gewisses "Maß an Aggressivität".

    Ja, das ist ein spannendes Thema! Wieviel "natürliche" Autorität hat man in der jeweiligen Situation, und wo "muss" man mit Aggression arbeiten. Manchmal durchblicken zu lassen, dass man zumindest das Potential zur Aggression (oder vielleicht lieber: die Bereitschaft, sich ein- und durchzusetzen) hat, finde ich gar nicht so schlecht.

    Ein Freund hat mich neulich gefragt, warum ich so selten wütend werde (Dritten gegenüber; das heißt nicht, dass ich nicht häufiger wütend werde), er versteht das gar nicht. Und wir kamen darauf, dass ich mich einfach gut durchsetzen kann, ohne aggressiv zu sein. Das hat mit natürlicher Autorität zu tun, aber auch mit Alter, Körpergröße, Stellung, Erfahrung, Position, Titel, ...

    Das Letztere finde ich eigentlich ziemlich furchtbar. Bei Ärzten bekomme ich immer eine Sonderbehandlung und schnell einen Termin, nur, weil ich einen Doktortitel habe. Ich bin zwar kein Dr. med., aber das weiß die Helferin ja nicht; könnte ja sein, dass ich ein Kollege bin...

    Liebe Grüße,

    Aravind.

  • Lucky Luke
    Gast
    • 26. November 2018 um 10:59
    • #72
    Aravind:

    Bei Ärzten bekomme ich immer eine Sonderbehandlung und schnell einen Termin, nur, weil ich einen Doktortitel habe. Ich bin zwar kein Dr. med., aber das weiß die Helferin ja nicht; könnte ja sein, dass ich ein Kollege bin...

    Hätte ich das geahnt, hätte ich auch noch eine Dissertation nach meinem Studium gemacht :lol:

  • Aravind
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    • 26. November 2018 um 11:02
    • #73
    Losang Lamo:

    Richtig. Ich habe sogar im Gegenteil in meinem ersten Posting in diesem Thread darauf hingewiesen, dass es nicht darum geht, Wut zu verurteilen etc pp - ganz am Anfang des Stranges hier.

    Ich bin immer wieder überrascht, wie sich mein Bild verändert, wenn ich Posts oder ganze Fäden noch mal lese... :shock:

    Losang Lamo:

    Solange ich mir einrede, meine Wut sei hilfreich gewesen, sei gar berechtigt gewesen und überhaupt hätte sowieso auf jeden Fall der/die andere Schuld - solange komme ich nicht weiter. Und kann die Situation nicht verstehen... und kann nächstes Mal nicht besser reagieren.

    Klingt für mich so, als würdest Du and er Anhaftung an der Wut, und an den Ursachen arbeiten.

    Eine Wikingerin, die ihre Aggression kanalisieren kann, stelle ich mir ziemlich mächtig und wirkungsvoll vor!

    Liebe Grüße,

    Aravind.

  • Monikamarie
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    • 26. November 2018 um 11:48
    • #74
    Aravind:

    Ich bin immer wieder überrascht, wie sich mein Bild verändert, wenn ich Posts oder ganze Fäden noch mal lese... :shock:

    :like:Das ist seit Jahren eine gute Übung für mich, um falsche Vorstellungen und Vorurteile auszumerzen oder gar nicht erst aufkommen zu lassen.

    _()_

  • Monikamarie
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    • 26. November 2018 um 14:03
    • #75

    Außerdem kann ich dadurch klar sehen, wie oft ich mich irre. Wenn ich mich also schon irre, wenn ich es schwarz auf weiß habe, wie oft irre ich mich dann, wenn ich mich im Recht fühle und nicht nachprüfen kann.

    _()_

Ausgabe №. 136: „Liebe & Loslassen"

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