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Ist der Begriff "Hinayana" politisch korrekt?

  • lubob
  • 7. April 2014 um 13:54
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1. offizieller Beitrag
  • lubob
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    • 7. April 2014 um 13:54
    • #1

    Ich gehöre zu einer Soto-Zen Linie. Irgendwann ganz in den Anfängen habe ich gelernt, dass es im Buddhismus die beiden großen Richtungen Hinayana und Mahayana gibt. Allerdings habe ich auch gleich dazu gelernt, dass der Begriff Hinayana "kleines Fahrzeug" bedeutet, während wir Zenies zum "großen" Fahrzeug des Mahayana gehören. Gleichzeitig habe ich aber auch gelernt, dass die Bezeichnung Hinayana von den Mahayana-Buddhisten bewußt geschaffen wurde, um die alten Schulen herabzusetzen - weshalb er eigentlich nicht verwendet werden sollte. Also habe ich es bis jetzt immer so gehalten: Wenn ich über die verschiedenen Richtungen spreche, dann rede ich immer von Mahayana und Theravada, den Begriff Hinayana verwende ich nie.

    Obwohl ich mich seit Jahren immer wieder auf Buddhaland herumtreibe, habe ich nun erst vor ein paar Tagenzum ersten Mal in diese Sektion hier hinein geschaut. Und was sehe ich: Hier, in der Sektion für die alten Schulen wird der Begriff das Hinayana von Euch scheinbar ganz selbstverständlich verwendet.

    Lag ich in der Sache also lange Jahre lang falsch? Ich würde mich freuen, wenn ihr mich aufklärt.

  • void
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    Buddh. Richtung
    Zen
    • 7. April 2014 um 14:00
    • Offizieller Beitrag
    • #2
    lubob:

    Ich gehöre zu einer Soto-Zen Linie. Irgendwann ganz in den Anfängen habe ich gelernt, dass es im Buddhismus die beiden großen Richtungen Hinayana und Mahayana gibt. Allerdings habe ich auch gleich dazu gelernt, dass der Begriff Hinayana "kleines Fahrzeug" bedeutet, während wir Zenies zum "großen" Fahrzeug des Mahayana gehören. Gleichzeitig habe ich aber auch gelernt, dass die Bezeichnung Hinayana von den Mahayana-Buddhisten bewußt geschaffen wurde, um die alten Schulen herabzusetzen - weshalb er eigentlich nicht verwendet werden sollte. Also habe ich es bis jetzt immer so gehalten: Wenn ich über die verschiedenen Richtungen spreche, dann rede ich immer von Mahayana und Theravada, den Begriff Hinayana verwende ich nie.

    Obwohl ich mich seit Jahren immer wieder auf Buddhaland herumtreibe, habe ich nun erst vor ein paar Tagenzum ersten Mal in diese Sektion hier hinein geschaut. Und was sehe ich: Hier, in der Sektion für die alten Schulen wird der Begriff das Hinayana von Euch scheinbar ganz selbstverständlich verwendet.

    Lag ich in der Sache also lange Jahre lang falsch? Ich würde mich freuen, wenn ihr mich aufklärt.

    Ich sehe es genau wie du. So wie die Juden den Begriff "Altes Testament" für ihre Thora ablehnen, ist es auch für den Thervada ein Schlag ins Gesicht, ihn mit Hinayana zu bezeichnen. So wie das "Herkömmliche Waschmittel" in der Werbung, ist es etwas was geschaffen wurde, um sich positiv davon abzuheben.

    • Nächster offizieller Beitrag
  • Kusala
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    • 7. April 2014 um 14:09
    • #3

    Theravada ist nicht Hinayana.
    Hinayana bezeichnet quasi den Anfängermodus im "Tibetischen".

    Liebe Grüße
    Kusala

  • Syia
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    • 7. April 2014 um 14:22
    • #4
    Kusala:


    Hinayana bezeichnet quasi den Anfängermodus im "Tibetischen".

    Ähm,..............nein.

  • e-coder
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    • 7. April 2014 um 15:01
    • #5
    Kusala:

    Theravada ist nicht Hinayana.
    Hinayana bezeichnet quasi den Anfängermodus im "Tibetischen".

    Liebe Grüße
    Kusala

    Äh was? :) Nö das verwechselst du was :)

    mani-tibetan.jpg

  • Kirschbluete
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    • 7. April 2014 um 15:54
    • #6

    Mir ist das so ziemlich egal:
    ich fahre eh lieber mit meinem Mountainbike (einem kleinen Fahrzeug) als im Reisebus, von daher habe ich kein Problem, wenn mir nachgesagt wird, ich bin im oder mit einem "kleinen Fahrzeug" unterwegs. :D
    Wenn jemand damit meinen Weg abwerten will, dann sagt diese Wertung viel mehr über ihn aus als über meinen Weg.
    Nicht mein Problem.

    Herzliche Grüße von der

    Kirschblüte


    Der vielleicht größte Vorteil des Ruhms besteht darin, daß man ungestraft die größten Dummheiten sagen darf.

    André Gide

  • void
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    Buddh. Richtung
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    • 7. April 2014 um 16:09
    • Offizieller Beitrag
    • #7
    Kirschbluete:

    Mir ist das so ziemlich egal:
    ich fahre eh lieber mit meinem Mountainbike (einem kleinen Fahrzeug) als im Reisebus, von daher habe ich kein Problem, wenn mir nachgesagt wird, ich bin im oder mit einem "kleinen Fahrzeug" unterwegs. :D
    Wenn jemand damit meinen Weg abwerten will, dann sagt diese Wertung viel mehr über ihn aus als über meinen Weg.
    Nicht mein Problem.

    Das von dem man sich abrenzt, so nahe es einem ist , wird abgewertet. So kommen in der Bibel, gerade weil Jesus ein Pharisäer(Rabbi) war die anderen Pharisäer so schlecht weg. Und bei den Kommunisten die Sozialdemokraten. Und die Buddhisten werten ie Hindus ab, indem sie deren Atman-Konzept, das für die Hindus den Inbegriff von Selbstlosigkeit und Illusionslosigkeit bedeutet, mit dem Festhalten an einem Selbst assoziieren. Um das buddhitische Anatta-Konzept herauzsustellen, wird Atman in Richtung Ego gerückt.

    Von daher nehme ich mal, an dass das mit dem Hinayana nicht bösser Wille war, sondern sich aus so eine Logik ergeben hat.

    • Vorheriger offizieller Beitrag
  • SpringMode5708
    Gast
    • 7. April 2014 um 16:26
    • #8

    Es ist 'politisch inkorrekt' und es wurde sich darauf festgelegt, den Theravada nicht als Hinayana zu bezeichnen. Nicht nur, weil es eine Herabwürdigung wäre. Es wäre auch sachlich falsch, hatte sich aber eingeschlichen. Leider weiß ich garede nicht mehr wann, wo und von wem es beschlossen wurde. Tolle Angabe, ich weiß ;-).

    Hier ist ein, wie ich finde, guter, kurzer Artikel
    über das falsche Verständnis vom Begriff Hīnayāna, auf englisch.

    Kirschbluete:

    von daher habe ich kein Problem, wenn mir nachgesagt wird, ich bin im oder mit einem "kleinen Fahrzeug" unterwegs.


    Es steckt mehr darin als 'klein', sonst hieße es vermutlich Cūḷayāna.
    Es hatte schon den abwertenden Charakter.

    lubob:

    Obwohl ich mich seit Jahren immer wieder auf Buddhaland herumtreibe, habe ich nun erst vor ein paar Tagenzum ersten Mal in diese Sektion hier hinein geschaut. Und was sehe ich: Hier, in der Sektion für die alten Schulen wird der Begriff das Hinayana von Euch scheinbar ganz selbstverständlich verwendet.


    Ist mir nicht aufgefallen. Wo denn?

    Schöne Grüße,
    Mirco

  • lubob
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    • 7. April 2014 um 16:30
    • #9
    Mirco:


    Ist mir nicht aufgefallen. Wo denn?

    Hier in dem Nachbarfaden "Erloschene Schulen des "Hinayana". Da hat sich niemand der Beteiligten an dem Ausdruck gestört und das hat mich stutzig gemacht:
    http://www.buddhaland.de/viewtopic.php?f=13&t=12722

  • Kusala
    Gast
    • 7. April 2014 um 16:34
    • #10
    Syia:
    Kusala:


    Hinayana bezeichnet quasi den Anfängermodus im "Tibetischen".

    Ähm,..............nein.

    Was denn?

    ()

  • SpringMode5708
    Gast
    • 7. April 2014 um 16:36
    • #11
    lubob:

    Hier in dem Nachbarfaden "Erloschene Schulen des "Hinayana". Da hat sich niemand der Beteiligten an dem Ausdruck gestört und das hat mich stutzig gemacht:
    http://www.buddhaland.de/viewtopic.php?f=13&t=12722


    Da hast Du recht. Da sieht man mal, wie sehr es sich eingeschlichen hat.

  • Lirum Larum
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    Buddh. Richtung
    Ich protestiere gegen den mangelnden Respekt vor den unterschiedlichen Traditionen.
    • 7. April 2014 um 18:14
    • #12
    Kusala:
    Syia:

    Ähm,..............nein.

    Was denn?

    ()

    Wahrscheinlich hast Du es mit der Bezeichnung "Sutra-Fahrzeug" verwechselt, Kusala? Das bezeichnet wohl eher den "Anfängermodus" im Tibetischen Buddhismus, und gleichzeitig kann es wohl auch für den Theravada benutzt werden.

    Nein, Hinayana ist eine Beschreibung der Mahayanis für den Pfad der Shravakas, die Arahatschaft anstreben. Darin besteht an sich noch keine Wertung.
    Da aber die Bezeichnung Hinanyana als abwertend benutzt wurde, von Mahayanaschülern, die anderen Richtungen gegenüber keinen Respekt haben, kann und sollte auf diese Benennung verzichtet werden.
    So würde sich jede sinnlose Diskussion erübrigen.

    Wer die Schulen des südlichen Buddhismus herabsetzt, verstößt gegen seine Gelübde. Wer sich erblödet, einen Arahat gering zu schätzen, weil er kein Bodhisattva sei, braucht wohl im Sandkasten der Schulungen noch eine ganze Weile.

    :rainbow: Gute Wünsche für jede und jeden. :tee:


  • SpringMode5708
    Gast
    • 7. April 2014 um 20:22
    • #13
    Losang Lamo:

    Nein, Hinayana ist eine Beschreibung der Mahayanis für den Pfad der Shravakas, die Arahatschaft anstreben. Darin besteht an sich noch keine Wertung.


    Aus dem oben verlinkten, interessanten Artikel:

    Zitat

    Hinayana, oder korrekterweise hīnayāna, ist ein höchst herabwürdigender Begriff. Er bedeutet nicht einfach „Geringeres Fahrzeug“, wie man es oft zu sehen bekommt.

    […]

    Hīna hat nur sehr selten die Bedeutung „geringer“ oder „kleiner“. Wenn das der Fall wäre, würde es an anderen Stelle in Pāḷi oder Sanskrit-Texten als Gegenteil von mahā (groß) auftauchen. Tut es aber nicht. Das Gegenteil von mahā ist cūḷa, das normale Wort für „klein“.

    [...]

    Das Wort Hinayana ist nicht tibetisch, es ist nicht Chinesisch, Englisch oder Bantu. Es ist Pāḷi und Sanskrit. Um die Bedeutung des Wortes zu finden, ist der einzig vernünftige Ansatz zu schauen, wie das Wort hīnayāna in den Pāḷi und Sanskrit-Texten verwendet wird.

    Der zweite Teil, -yāna, bedeutet Vehikel. Darüber gibt es keine Meinungsverschiedenheiten.

    Wie also wurde hīna in den kanonischen Texten verwendet?

    Jeder Buddhist weiß von der ersten festgehaltenen Lehrrede des Buddha, dem Dhammacakkappavattanasutta, welche er fünf Asketen hielt, welche die fünf ersten Bhikkhus wurden.

    Dort sagte der Buddha „Diese beiden Extreme, Bhikkhus, sollten von einem, der in die Hauslosigkeit gezogen ist, nicht geübt werden. Welche zwei? Bei den Sinnendingen sich dem Anhaften am Sinnenwohl hingeben, dem niederen (hīna), groben, vulgären, unedlen, heillosen...“

    Wissend, dass im Stil der Suttas oftmals eine Reihe von Synonymen so benutzt werden, dass sie sich gegenseitig definieren und verstärken, kann man in diesem Fall grob, vulgär, unedel und heillos als zusätzliche Definitionen für hīna ansehen. Hier kennzeichnet der Buddha klar einen nicht zu gehenden Weg als hīna.

    In anderen Pāḷi-Texten und -Kommentaren wird hīna oft in der Kombination hīna-majjhima-paṇīta verwendet: schlecht–mittel–gut. Im Zusammenhang hīna-majjhima-paṇīta steht hīna immer für unerwünschte Qualitäten, wie z.B. Hass, Gier und Unwissen. Offensichtlich bedeutet hīna „nieder, unerwünscht, verachtenswert“ - und nicht „klein“ oder „geringer“.

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  • xxx
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    • 7. April 2014 um 21:02
    • #14

    Hier hab ich ein Artikel des Dalai Lama gefunden als ich mir zum Thema Sutra vs Tantra Informationen besorgte. Der Artikel passt gut hierher:


    Zitat

    http://www.tibet.de/index.php?id=5…=313&no_cache=1

    Hinayana, Mahayana - Licht in das Begriffsdickicht

    Von: S. H. der Dalai Lama

    Der folgende Text stammt aus den Unterweisungen des Dalai Lama in Frankreich im April 1997. Mit freundlicher Genehmigung des Bureau du Tibet.

    Im Buddhismus unterscheidet man zwei Fahrzeuge, das Hinayana oder auch "Kleines Fahrzeug" und das Mahayana, das "Große Fahrzeug". Manchmal werden sie auch "Shravakayana", also das "Fahrzeug der Hörer", und "Bodhisattvayana", das "Fahrzeug der Bodhisattvas" genannt.

    Beim Gebrauch der Ausdrücke Hinayana ("Geringes Fahrzeug") und Mahayana ("Großes Fahrzeug") ist Vorsicht geboten. Sie bedeuten nicht, daß das Hinayana minderwertig wäre. Der Unterschied wird im Hinblick auf die Motivation getroffen: In Abhängigkeit von Umfang und Stärke der Motivation gibt es größere und geringere Schulungswege und in Abhängigkeit davon größere und geringere Resultate. Dies ist die eigentliche Bedeutung für die Bezeichnungen "Hinayana" und "Mahayana". Um aber Mißverständnissen vorzubeugen, ziehe ich die Bezeichnungen Shravakayana und Bodhisattvayana vor.

    Das Bodhisattva-Fahrzeug hat noch einmal zwei Unterabteilungen, das "Sutra- Fahrzeug", auch Vollkommenheits- Fahrzeug genannt, und das "Tantra- Fahrzeug", das Tantrayana; ersteres enthält die allgemeinen, nicht-tantrischen Lehren, letzteres umfaßt die tantrischen Lehren. Die Lehre von den Vier Wahrheiten ist die grundlegende Lehre im Buddhismus, sie wird von allen Fahrzeugen und allen Traditionen akzeptiert und als Kern des Buddha-Dharma betrachtet.

    Im Shravakayana gab der Buddha die grundlegenden Lehren für alle Fahrzeuge, und es ist unvorstellbar, daß das Bodhisattvayana ohne diese Grundlagen auskommen könnte. Die Auffassung, das Mahayana sei eine vollkommen andere Richtung, die mit dem Hinayana nichts zu tun hätte, ist völlig falsch. Tatsache ist, daß das Bodhisattva-Fahrzeug vollständig auf den Lehren des Hörer-Fahrzeugs basiert. Auch die Ansicht, das Mahayana sei getrennt vom Hinayana, ist irrig. Weder ist das Bodhisattva- Fahrzeug besser als das Hörer- Fahrzeug, noch ist das Hinayana die eigentliche buddhistische Religion. Und wer glaubt, der Buddha habe das Mahayana gar nicht gelehrt, liegt ebenso falsch. All diese Meinungen basieren auf Unwissenheit.

    Die zentrale Lehre des Buddha ist die von den Vier Wahrheiten. Ohne sie kann man weder Hinayana noch Mahayana praktizieren. Ob es die "37 für die Erleuchtung förderlichen Eigenschaften" sind oder die Übungen zur Entfaltung einer altruistischen Geisteshaltung, eines unbegrenzten Mitgefühls - sie alle basieren auf den Vier Wahrheiten. Die Unterscheidung zwischen Sutra- und Tantrafahrzeug innerhalb des Mahayana hat in Tibet zu Verwirrung geführt. Die Anhänger des Vollkommenheits-Fahrzeugs hegten manchmal negative Ansichten in bezug auf das Tantra, und die Tantra-Praktizierenden vernachlässigten die Sutra-Unterweisungen des Buddha, vor allem die über die Disziplin. So kam es zu Konflikten zwischen Anhängern dieser beiden Richtungen, was sehr negativ zu beurteilen ist. Wir müssen die Fahrzeuge des Buddhismus als Stufen betrachten: Erst kommt das Hinayana, dann das nicht-tantrische Mahayana und schließlich das tantrische Mahayana. Es ist unmöglich, die Resultate eines Fahrzeugs zu erlangen, ohne die Übungen des davorliegenden Fahrzeugs praktiziert zu haben. Mit anderen Worten: Wir können die Resultate des Bodhisattva-Fahrzeugs nicht erlangen, ohne uns zuvor in den Lehren des Hörer-Fahrzeugs geübt zu haben. Im Tantra wiederum lassen sich keine Verwirklichungen erzielen, wenn wir uns nicht intensiv im nicht-tantrischen Hörer- und Bodhisattva-Fahrzeug geschult haben. Wir müssen uns den buddhistischen Weg Stufe für Stufe erarbeiten. Im tibetischen Buddhismus legen wir großen Wert darauf, die verschiedenen Fahrzeuge als eine Einheit zu betrachten, und ich sehe es als eine besondere Errungenschaft unserer Tradition an, daß wir alle Fahrzeuge in unsere Praxis integrieren - sowohl das Hörer-Fahrzeug als auch die beiden Bodhisattva- Fahrzeuge.

    Im Mahayana werden die Belehrungen des Hinayana aufgegriffen und weiter vertieft. Ein Beispiel dafür ist die Biografie des Buddha Shakyamuni selbst: Im Hinayana werden die Person und der Werdegang des Buddha im Zusammenhang mit dem Höchsten Nirmanakaya, der menschlichen Erscheinung des Buddha, erklärt. Hier wird davon ausgegangen, daß der Buddha zunächst noch ein Bodhisattva auf der Stufe eines gewöhnlichen Wesens war und dann in Bodhgaya in tiefer Meditation den sogenannten Pfad der Vorbereitung erlangte. Als er dann auf dem Pfad weiter voranschritt - über den Pfad des Sehens zum Pfad der Meditation - überwand er schließlich in der vajragleichen Konzentration die letzten Hindernisse für die vollkommene Erleuchtung. Im nächsten Moment war er erleuchtet. Im Mahayana gibt es weitergehende Erklärungen über den Werdegang eines Buddha und den Zustand der Erleuchtung, die anhand der Vier Buddhakörper gegeben werden. Allerdings sind die Darlegungen dazu im nicht-tantrischen Vollkommenheits-Fahrzeug nicht vollständig. Aus diesem Grund gibt es das Tantra, das die tiefgründigsten Erklärungen über den Zustand des Buddha und den Weg dorthin bereithält.

    Was die Mittel zum Erreichen der Erleuchtung angeht, werden im Hinayana die "37 für die Erleuchtung förderlichen Eigenschaften" erklärt. Das hauptsächliche Meditationsobjekt ist die Selbstlosigkeit der Person (Anatman). Im Mahayana gibt es darüber hinaus weitere Erklärungen, speziell über die Selbstlosigkeit, die sich hier nicht nur auf die Person, sondern auf alle Phänomene bezieht. Auch der Weg eines Buddha wird noch präziser dargelegt, zum Beispiel anhand der Zehn Hohen Bodhisattva-Ebenen (Bodhisattva- Bhumis). Im nicht-tantrischen Mahayana wird großer Wert auf die Praxis der Einheit von Weisheit und Methode gelegt. Die tiefgründigsten Erklärungen darüber, nämlich die vollständige Einheit von Weisheit und Methode in einem einzigen Bewußtseinszustand, finden sich nur im Tantra.

    Der Buddha hat im indischen Varanasi das "Erste Rad der Lehre" in Bewegung gesetzt, das sich im wesentlichen auf die Vier Wahrheiten bezieht. Die Belehrungen zum Mahayana erteilte er hauptsächlich auf dem "Geiergipfel" in Rajgir, aber auch an anderen Orten; sie sind im "Zweiten Rad der Lehre" wiedergegeben. Hier hat der Buddha seine Erklärungen über die Vollkommenheit der Weisheit (Prajñaparamita), vor allem über die Wahren Beendigungen aus dem Ersten Rad aufgegriffen und näher erläutert. Die Inhalte des "Dritten Rades der Lehre" gehören ebenfalls zum Mahayana und umfassen das Sutra von der Essenz des Vollendeten (Tathagatagharba-Sutra), das die Basis für eine spätere Schrift Maitreyas bildete, das "Kontinuum des Mahayana" (Uttaratantra). In diesem Sutra ging der Buddha sehr genau auf die reine Lichtnatur des Geistes ein und unterstrich die Notwendigkeit, den Geist von vorübergehenden Befleckungen und Leidenschaften zu reinigen, um einen Zustand der Vollkommenheit zu erlangen. Er knüpfte damit an Belehrungen aus dem Ersten Rad über die Wahren Pfade an und vertiefte diese. Der Buddha verfeinerte in seinen späteren Lehrreden jene Erklärungen, die er zuvor gegeben hatte, und ermöglicht den Schülern somit die vollständige Erfahrung bis hin zur vollkommenen Erleuchtung. Seine späteren Ausführungen vertiefen also die anfänglichen.

    Man kann sich fragen, ob es sich bei den späteren Belehrungen des "Mahayana" nur um weitere Ausführungen oder Ausschmückungen von Lehren des Shravakayana handelt, die vielleicht nicht unbedingt nötig gewesen wären. Handelt es sich um die gleiche Sache? Nein, verläßt man sich nur auf die anfänglichen Belehrungen, zum Beispiel über die Vier Edlen Wahrheiten, findet man darin Widersprüche, die nicht zu klären sind, wenn man keine weiteren Lehren des Buddha heranzieht. Ein eklatanter Widerspruch entsteht im Zusammenhang mit der Biographie des Buddha, der laut Hinayana 80 Jahre gelebt und gewirkt hat, um dann im Nirvana zu verlöschen. Dieser Auffassung zufolge verließ der Prinz Gautama mit 29 Jahren das Palastleben, übte dann sechs Jahre lang tiefe Meditation und erlangte im Alter von 36 Jahren die Erleuchtung. Bis zu seinem achtzigsten Lebensjahr, also gut 40 Jahre lang, hat er gelehrt und dann diese Welt verlassen. In den gleichen Hinayana-Belehrungen wird gesagt, daß der Buddha, ehe er die Erleuchtung erlangte, drei Perioden von unzähligen Zeitaltern lang Verdienst und Weisheit angesammelt hat. Dies war nötig, um das hohe Ziel, die Buddhaschaft zum Wohl aller Lebewesen, verwirklichen zu können. Stellen wir beide Aussagen gegenüber, einmal diese unvorstellbar lange Zeit der Schulung und dann die kurze Zeit von 40 Jahren, in der er die Resultate dieser Schulung nutzen konnte, passen Ursachen und Wirkung nicht recht zusammen. Wieso mußte sich der Buddha so unvorstellbar lange schulen, um dann nur 40 Jahre zum Wohl der Lebewesen wirken zu können?

    Es gibt noch einen anderen Widerspruch, den ich hier nennen möchte: In den Hinayana-Lehren werden verschiedene Ebenen der Erleuchtung angenommen, man spricht von der Erleuchtung eines Hörers (Shravaka) und eines Alleinverwirklichers (Pratyekabuddha), die beide ihre individuellen Leiden und Leidensursachen überwunden haben, aber nicht die Fähigkeit besitzen, umfassend zum Wohl anderer zu wirken. Buddha Shakyamuni hat eine weitere Form erklärt, die vollkommene Erleuchtung, die er auch selbst erlangt hat. Nach den Erklärungen des Hinayana gibt es in der Tat Unterschiede zwischen dem vollkommen erleuchteten Buddha und den Feindzerstörern (Arhats, also den Shravaka- und Pratyekabuddhas). Es wird jedoch kein Unterschied in bezug auf die Schulung eines Buddha und eines Arhat getroffen. Unterweisungen darüber, wie der Zustand der Buddhaschaft erlangt werden kann, fehlen. In allen buddhistischen Fahrzeugen wird erklärt, daß alle Praktizierenden sich in den 37 für die Erleuchtung förderlichen Eigenschaften üben müssen. Hörer und Alleinverwirklicher schulen sich zwischen drei Leben und einhundert Zeitaltern; Buddha Shakyamuni mußte drei Perioden von jeweils unzähligen, das heißt unvorstellbar langen Zeitaltern durchlaufen. Die eigentliche Schulung ist nach dieser Auffassung gleich, der Unterschied liegt nur in der Dauer. Hier liegt ein Widerspruch vor: Wenn man das viel weiterreichende Resultat der vollkommenen Erleuchtung eines Buddha mit dem Resultat der Hörer und Alleinverwirklicher vergleicht, die nur ihre persönliche Leidfreiheit erreicht haben, so muß es auch im Pfad, im Wesen des Pfades einen Unterschied geben. Die Zeitkomponente erklärt nicht ausreichend, wie es zu diesen verschiedenen Resultaten kommt.

    Zufriedenstellende Erklärungen dazu findet man dann nur im Mahayana. Dort wird gesagt, daß es über den Weg der Hörer und Alleinverwirklicher hinaus weitere Übungen gibt, zum Beispiel die umfassende Übung der Vollkommenheiten eines Bodhisattva. Auch finden wir hier weitergehende und tiefgründige Erklärungen über die endgültige Realität, die sogenannte Selbstlosigkeit, als im Hinayana. Eine Person, die sich zusätzlich in diesen qualitativ anderen Schulungen übt, muß logischerweise auch ein anderes Resultat erlangen. Die Beispiele belegen, daß die Lehren des Buddha, die er im Hinayana und Mahayana erteilte, aufeinander aufbauen und als eine Einheit zu betrachten sind. Wir brauchen das Hinayana ebenso wie das Mahayana, um den Buddha-Dharma als Ganzes verstehen und praktizieren zu können.

    Aus dem Tibetischen von Christof Spitz


    Erschienen in "Tibet und Buddhismus", Heft 50, 1999
    http://www.tibet.de/zeitschrift

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  • nibbuti
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    23. April 2011
    • 8. April 2014 um 00:34
    • #15
    void:

    Und die Buddhisten werten die Hindus ab,


    Klingt für mich nach Schubladendenken. :shock:

    Man kann auch eine Lehre ganz sachlich z.B. nach ihrer Wirkung beurteilen, ohne persönlich-feidselig zu werden oder selbiges zu unterstellen.

    Der Buddha sagte (in M 11):

    "Bhikkhus, nur hier gibt es einen wahren Mönch, nur hier einen zweiten (wahren) Mönch, nur hier einen dritten (wahren) Mönch, nur hier einen vierten (wahren) Mönch. Die Lehren anderer sind leer von (wahren) Mönchen: auf jene Weise solltet ihr zu Recht den Löwenruf ertönen lassen."

    Bis heute hat sich IMHO nichts daran geändert, auch wenn gelegentlich einige von Buddhas Anatta-Lehre abkupfern.


    void:

    indem sie deren Atman-Konzept, das für die Hindus den Inbegriff von Selbstlosigkeit und Illusionslosigkeit bedeutet, mit dem Festhalten an einem Selbst assoziieren. Um das buddhitische Anatta-Konzept herauzsustellen, wird Atman in Richtung Ego gerückt.


    Hindu-Atman ist das Wahre Selbst.

    void:

    Inbegriff von Selbstlosigkeit


    Selbstlosigkeit ist ein Gefühl.

    void:

    und Illusionslosigkeit


    Illusionslos ist noch nicht Anatta.

    Der Buddha sagte:

    "Obwohl sie behaupten, die völlige Durchdringung aller Arten von Anhaftung zu lehren, beschreiben sie daher nur die völlige Durchdringung der Anhaftung an Sinnesvergnügen, der Anhaftung an Ansichten (Illusionen) und der Anhaftung an Regeln und Ritualen, ohne die völlige Durchdringung der Anhaftung an eine Lehre von einem Selbst zu beschreiben."

    (M 11)

    void:

    Von daher nehme ich mal, an dass das mit dem Hinayana nicht bösser Wille war, sondern sich aus so eine Logik ergeben hat.


    Nett gemeint, aber die obige Annahme basiert nicht auf Tatsachen.

    Hinayana heißt nicht "kleines Fahrzeug", wie oft behauptet wird, sondern "niedriges Fahrzeug".

    (Kleines Fahrzeug hieße Culayana.)


    Trage nicht das Weltgetöse in die stille Einsamkeit
    Such den Wald, daß er Dich löse von der Krankheit unsrer Zeit.

  • Kusala
    Gast
    • 8. April 2014 um 07:49
    • #16
    Losang Lamo:

    Wahrscheinlich hast Du es mit der Bezeichnung "Sutra-Fahrzeug" verwechselt, Kusala?

    Das bezeichnet wohl eher den "Anfängermodus" im Tibetischen Buddhismus, und gleichzeitig kann es wohl auch für den Theravada benutzt werden.

    Merkst Du den Widerspruch in diesen Sätzen?

    Losang Lamo:


    Wer die Schulen des südlichen Buddhismus herabsetzt, verstößt gegen seine Gelübde. Wer sich erblödet, einen Arahat gering zu schätzen, weil er kein Bodhisattva sei, braucht wohl im Sandkasten der Schulungen noch eine ganze Weile.

    Dieser Satz erscheint zwar ab und an in Mahayana-Texten und in Gelübden, doch wie ernst ist dies zu nehmen, wenn man solche Texte
    http://www.buddhaland.de/posting.php?mo…259376#pr259391 liest?

    Und sorry, bei dem was der D.L. da geschrieben hat, muss ich davon ausgehen, dass er noch einige Erfahrungs- und Wissenslücken hat, was den Buddha-Dhamma betrifft. So wird auch er wahrscheinlich noch eine lange Zeit (wie der Buddha) als Bodhisattva (ein nach Erleuchtung strebender) geboren werden. So wie er es ja auch möchte und so wie es karmisch für ihn passt.

    Das ist natürlich keine Abwertung dem Mahayana bzw. dem D.L. gegenüber.
    Jeder da wo er gerade steht. Dies gilt es zu erkennen und zu respektieren.
    (Synonymsatz für "Wer die Schulen des südlichen Buddhismus herabsetzt, ... 8)

    ()

  • SpringMode5708
    Gast
    • 8. April 2014 um 09:05
    • #17
    Kusala:

    Und sorry, bei dem was der D.L. da geschrieben hat, muss ich davon ausgehen, dass er noch einige Erfahrungs- und Wissenslücken hat, was den Buddha-Dhamma betrifft.
    [...]
    Das ist natürlich keine Abwertung [...] dem D.L. gegenüber.


    Du sagst zwar, es sei nicht Abwertend gemeint,
    dass hebt die Abwertung in meinen Augen aber nicht auf.
    Begründe die Kritik sachlich!

  • Kusala
    Gast
    • 8. April 2014 um 09:13
    • #18
    Mirco:

    dass hebt die Abwertung in meinen Augen aber nicht auf.

    Genau das wollte ich mit meinem "Synonymtext" zu

    Zitat

    "Wer die Schulen des südlichen Buddhismus herabsetzt, verstößt gegen seine Gelübde. Wer sich erblödet, einen Arahat gering zu schätzen, weil er kein Bodhisattva sei, braucht wohl im Sandkasten der Schulungen noch eine ganze Weile."


    deutlich machen.


    Kusala:

    Das ist natürlich keine Abwertung dem Mahayana bzw. dem D.L. gegenüber.
    Jeder da wo er gerade steht. Dies gilt es zu erkennen und zu respektieren.
    (Synonymsatz für: "Wer die Schulen des südlichen Buddhismus herabsetzt, ..."

    ()

  • Simo
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    • 8. April 2014 um 09:35
    • #19

    Das Begriffspaar Hinayana (geringeres Fahrzeug) und Mahayana (großes Fahrzeug) wurde vom Mahayana geprägt. Der Begriff wird auch im akademischen Kontext eigentlich nicht mehr verwendet - man spricht mittlerweile von "südlichem Buddhismus", "Theravada-Buddhismus", "Pali-Buddhismus" oder "Nikaya-Buddhimus".


    Liebe Grüße.

    Kein "Ich" - keine Probleme.

  • Lirum Larum
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    Buddh. Richtung
    Ich protestiere gegen den mangelnden Respekt vor den unterschiedlichen Traditionen.
    • 8. April 2014 um 09:36
    • #20

    Kusala, altes Haus!
    Du diskutierst nach wie vor auf der Ebene des Keinesfalls-verstehen-wollens. Macht das für Dich einen Sinn? Für mich nicht.
    In der Rede des Dalai Lama ist alles wunderbar auf den Punkt gebracht. Die Verdrehungen entstehen in Deinem
    Geist, weil da "tibetisch = pöse, pöse" gesetzt ist.
    So bringt es nichts. Ciao und alles Gute.

    :rainbow: Gute Wünsche für jede und jeden. :tee:


  • Doris
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    • 8. April 2014 um 11:36
    • #21

    Das ist schon öfter erklärt worden.

    Hinayana/Mahayana ist ein Begriffspaar aus dem Mahayana. Das hat nix mit Theravada/Mahayana zu tun.
    Schwer zu verstehen ist es nur, wenn man sich verbeisst, in der Meinung, dass Hinayana ein Synonym für Theravada ist. Das ist es eben nicht.
    Das Begriffspaar Hinayana/Mahayana gilt nur für das System des Mahayana.
    So wie "Rot" nur innerhalb des semantischen Systems "Farbe" eine konkrete Bedeutung hat. Im semantischen System "Obst" gibt es kein "Rot". Es gibt nur Obst, das eine rote Farbe aufweist, aber kein Obst, das Rot heißt.

    Hinayana/Mahayana sind zwei Ansätze der Übung.
    Im Hinayana konzentriert sich der Übende auf sich selbst. – Im Mahayana wird die Übung auf alle Wesen ausgeweitet.
    Beide Übungen sind untrennbar. Jeder Übende verlagert seinen Schwerpunkt mal auf die eine Seite, mal auf die andere Seite. Das geschieht nicht nur bei bestimmten Übungsformen, sondern geschieht in fließenden Übergängen im täglichen Leben. Andauernd.
    Ich drücke es mal ganz plakativ und vereinfacht aus:
    Mal schaue ich, wie ich mich fühle und dann schaue ich, wie ich mich anderen gegenüber verhalte.
    Mal handle ich in Bezug auf mein Wohl, mal handle stelle ich mein Wohl komplett zurück zugunsten der anderen (nicht nur als bewusster Verzicht, sondern als Automatismus, also absichtslos).

    Jeder übt und handelt mehr oder weniger so, egal welcher Tradition er angehört.
    In den Mahayana-Schulen wird der Aspekt "Wohl des anderen" jedoch offensichtlich sehr stark in den Vordergrund gestellt. Aber das lehnt den Hinayana-Aspekt, also den selbstbefreienden Aspekt, nicht ab. Im Gegenteil. Ohne Selbstbefreiung kann niemand anderen Wesen hilfreich zur Seite stehen. Jedoch wird die Wechselwirkung stark betont: Je mehr ich mir helfe, desto mehr helfe ich anderen. Je mehr ich anderen helfe, desto mehr helfe ich mir.
    Deshalb heißt es ja auch, dass Hinayana die unverzichtbare Grundlage der Übung ist. Daher wird ein Mahayana-Übende nicht einfach nur Gutes für das Umfeld tun wollen, sondern er wird unermüdlich an der Selbstbefreiung arbeiten.
    In den Paramitas sind beide Aspekte enthalten und keiner wird bevorzugt. Die Paramitas verbinden alle Schulen.

    Deshalb können diese Begriffe auch für die Ansätze des Theravada verwendet werden, aber eben nicht als Abgrenzung der verschiedenen Schulen, sondern als Beschreibung eine "Phase", in welcher sich der Übende momentan befindet.
    Eine solche Phase kann eine Übung sein wie "Ich übe mich die nächsten vier Wochen in Dana"/"Ich übe mich die nächsten vier Wochen intensiv um die Betrachtung meiner Gedanken", und sie wird aber auch innerhalb einer solcher Übung ständig wechseln.

    Daher erlaube ich Ungeschulte mir mit allem Respekt, dem Text des Dalai Lama voll zuzustimmen.

    Ich höre immer wieder wie wichtig das Hinayana ist, aber das wir nicht dabei bleiben sollen. Ich interpretiere das folgendermaßen:
    Wenn wir den Weg der Meditation beginnen, dann können wir von den Erscheinungen und Ergebnissen fasziniert sein, und zwar so sehr, dass wir das Ziel aus den Augen verlieren: nämlich zum Wohl aller Wesen zu wirken. Wir können selbstverliebt in Meditationserfahrungen und Textstudien usw. verharren. Das bewirkt, dass wir über einen bestimmten Punkt nicht hinauskommen und das Gesamtziel verfehlen. Denn eines der essentiellen Erkenntnisse ist die Ungetrenntheit in all seinen Aspekten. Genauso wenig sollten wir uns in einem Aktionismus verlieren den Wesen nutzen zu wollen, ohne die nötige Grundlage der Gewinnung der Selbsterkenntnis. Daher stimmt das wohl ein wenig mit dem "Anfängeraspekt" des Hinayana überein, den Du anführst. Nur, wenn ich es genau nehme, dann beginne ich ständig von neuem. Täglich werde ich unzählige Male wieder auf den Punkt zurückgeworfen, neu anzufangen und mich auf mich zu besinnen. Ich kann mir nicht vorstellen jemals dauerhaft über das Anfängerstadium hinauszukommen, jedenfalls habe ich diese Erfahrung noch nicht gemacht. Von daher ist für mich der Weg des Hinayana und des Mahayana aus eigener Erfahrung untrennbar. Es ist ein Weg und ich stelle mir diesen bildlich vor: eine rechte Seite und eine linke Seite, wie bei einem Feldweg. Wenn ich mit meinem Karren auf diesem Weg fahre, benutze ich beide Seiten um nicht in den Graben zu stürzen.


    Der Knackpunkt ist hier, liebe Kuala:

    Zitat

    Im Buddhismus unterscheidet man zwei Fahrzeuge, das Hinayana oder auch "Kleines Fahrzeug" und das Mahayana, das "Große Fahrzeug".

    Hier wird direkt als Eingangssatz Theravada mit Hinayana gleich gesetzt.

    Manchmal werden sie auch "Shravakayana", also das "Fahrzeug der Hörer", und "Bodhisattvayana", das "Fahrzeug der Bodhisattvas" genannt.

    Du selbst setzt Hinayana mit Theravada gleich, und daraus resultieren alle anderen Folgefehler und Missverständnisse.
    Es ist einfach die falsche Brille.

    Mir ist bewusst, dass es Mahayanis gibt, die das Begriffspaar zur Abwertung benutzen. Aber da unterliegen sie demselben Irrtum wie Du, liebe Kusala. Kurz: Es gibt keinen besseren oder schlechteren Traditionsweg. Jeder der seine Tradition dazu benutzt die andere abzuwerten oder seine verteidigt, befindet sich auf dem Holzweg. Ich erlaube mir diese Behauptung.
    Sollte sich also jemand dazu versteigen, den Theravada in herablassender Absicht mit dem Begriff "Hinayana" zu bezeichnen, dann ignoriere das bitte wohlwollend, mit dem Wissen, dass diese Person noch unwissend ist.

    So, damit habe ich mein Fasten vorerst gebrochen.

    Liebe Grüße
    Doris

    Der Sinn des Lebens besteht darin, Rudolph, dem Schwurkel, den Schnabel zu kraulen.

    2 Mal editiert, zuletzt von Doris (8. April 2014 um 11:46)

  • accinca
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    • 8. April 2014 um 11:41
    • #22
    Kusala:


    Von: S. H. der Dalai Lama
    Das sind jetzt nur kurze Ausführungen.


    Man könnte es aber auch: "Den Eiertanz des DL nennen."

  • lubob
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    • 8. April 2014 um 12:14
    • #23

    Vielen Dank an alle für diese erhellende Disksussion.

    Meine ursprüngliche Anfrage bezog sich vor allem auf den Gebrauch im Alltag und da ist für mich die Sache jetzt klar: Da es zumindest einige Schulen gibt, die den Ausdruck Hinayana als Herabsetzung sehen, verwende ich ihn auch weiterhin nicht.

  • Kusala
    Gast
    • 8. April 2014 um 12:26
    • #24
    Losang Lamo:

    Kusala, altes Haus!
    Du diskutierst nach wie vor auf der Ebene des Keinesfalls-verstehen-wollens. Macht das für Dich einen Sinn? Für mich nicht.
    In der Rede des Dalai Lama ist alles wunderbar auf den Punkt gebracht. Die Verdrehungen entstehen in Deinem
    Geist, weil da "tibetisch = pöse, pöse" gesetzt ist.

    Der "Tibetische Buddhismus" und der Theravada verfolgen nun mal unterschiedliche Ziele.
    Es sind 2 verschiedene Schulen, 2 verschiedene Herangehensweisen, Praktiken usw, auch wenn man die Sutten (angeblich) auch als Grundlage hat. Wobei die Sutten ja teilweise auch recht unterschiedlich sind.
    Man vergleiche nur das

    Digha Nikāya - 16. Mahāparinibbāna Sutta

    und das Tibetische Mahapara-NIRVANA-Sutra, das ich leider nicht in deutsch im Internet finde. Vielleicht weiß einer wo?

    Auf jeden Fall - 2 Welten.

    Was aber nicht bedeuten soll, dass es nicht auch Tibetisch Praktizierende gibt die "erwacht" sind.

    Zitat

    Die Verdrehungen entstehen in Deinem
    Geist, weil da "tibetisch = pöse, pöse" gesetzt ist.

    Für mich ist nichts "böse", sondern einfach manches falsch (aus meinem Verständnis heraus) in Bezug auf Buddha-Dhamma.


    ()

  • Doris
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    • 8. April 2014 um 12:47
    • #25
    lubob:

    Vielen Dank an alle für diese erhellende Disksussion.

    Meine ursprüngliche Anfrage bezog sich vor allem auf den Gebrauch im Alltag und da ist für mich die Sache jetzt klar: Da es zumindest einige Schulen gibt, die den Ausdruck Hinayana als Herabsetzung sehen, verwende ich ihn auch weiterhin nicht.

    Nur einzelne Leute fühlen sich dann angegriffen, nicht ganze Schulen. Und das liegt nur am mangelndem Verständnis.
    Verwende ihn nur nicht, um Schulen zu kennzeichnen. Denn das wäre falsch.
    Wenn Du Dich im Mahayana bewegst, dann ist Hinayana durchaus korrekt und wertneutral.

    Liebe Grüße
    Doris

    Der Sinn des Lebens besteht darin, Rudolph, dem Schwurkel, den Schnabel zu kraulen.

Ausgabe №. 135: „Achtsamkeit und Aktivismus"

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