Moin, interessanter Podcast von der Rosa Luxemburg Stiftung zum Missbrauch von Achtsamkeit. Das ist vermutlich für niemanden hier etwas Neues. Spannend finde ich aber die Einlassungen zur Buddhismus-Rezeption im Westen. Hier waren mir einige Aspekte nicht klar gewesen. Ich hörs selbst gerade noch und finde, da werden einige interessante Fährten gelegt:
Kapitalismus wegatmen auf YouTube
Kapitalismus wegatmen
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Ich habe mal kurz reingehört. Es geht hauptsächlich um Achtsamkeit und was das ist und das Achtsamkeit eine Art Allheilmittel ist. Ich werde es mir später noch ganz anschauen. Mein erster Eindruck ist die Frau hat sich vielleicht mit Achtsamkeit beschäftigt aber nicht mit Buddhismus.
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Moin, der Hinweis auf den Missbrauch von Achtsamkeit ist tatsächlich interessant. Gerade aus buddhistischer Sicht könnte man allerdings noch einen Schritt weitergehen.
Vielleicht müsste man den Kapitalismus gar nicht ständig bekämpfen. Vielleicht kann man ihn zunächst einmal wegatmen. 😄
Einatmen: „Ich brauche noch mehr.“
Ausatmen: „Ach nee, eigentlich nicht.“
Einatmen: Status, Wachstum, Leistung, Besitz.
Ausatmen: Loslassen.
Und währenddessen sitzen die ganz großen Köpfe der Welt da, kommentieren, regieren, rechnen, planen und erlassen Gesetze – und sind trotzdem auf dieselbe kleine buddhistische Grundfunktion angewiesen wie alle anderen: einatmen, ausatmen.
Der eine sucht seine Krankenkassenkarte, der andere sucht Nirvana. Beide suchen offenbar etwas. 😄
Das eigentlich Interessante am Buddhismus ist für mich deshalb nicht, dass man Achtsamkeit möglichst effizient in das bestehende System einbaut, damit Menschen anschließend noch entspannter funktionieren und noch produktiver konsumieren. Wenn Achtsamkeit lediglich dazu dient, Menschen an schlechte Verhältnisse anzupassen, wird aus einer Befreiungspraxis ziemlich schnell ein Wellnessprogramm für das Hamsterrad.
Achtsamkeit sollte nicht manipulativ eingesetzt werden.
Und ich wiederhole es gerne:
Achtsamkeit sollte nicht manipulativ eingesetzt werden.
Vielleicht ist die radikalste antikapitalistische Übung deshalb manchmal erstaunlich unspektakulär: sitzen, atmen, wahrnehmen – und feststellen, dass man gerade überhaupt nichts kaufen muss.
Der Kapitalismus verspricht uns ständig das nächste Objekt der Begierde.
Der Atem sagt nur:
Hier. Jetzt. Reicht.
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In dem Video wird so getan als wäre Achtsamkeit im gegenwärtigen Moment das Ziel des Buddhismus. Aber ist das so ? Es geht darum nicht auf jede Emotion Gedanke sofort zu reagieren. Es geht doch letztlich darum den Geist zu Lautern von hier Hass und Anhaftung.
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Es geht um sowas wie MBSR ( Mindfullness based Stress reduction)
MBSR-Achtsamkeitstraining
Lernen Sie in in diesem Training zur Stressbewältigung durch Achtsamkeit, Ihre Wahrnehmung für jeden Augenblick zu schärfen. Sie schulen Ihre Aufmerksamkeit und erleben die entspannende Wirkung meditativer Verfahren.....
Das Ziel ist es, eine achtsame Haltung in den privaten wie beruflichen Alltag zu übertragen und dadurch gelassener mit Stress sowie belastenden Gedanken und Gefühlen umgehen zu können. Sie lernen vor allem, das, was Sie gerade wahrnehmen, anzunehmen, ohne es zu werten.
Und diese aus dem Buddhismus abgeleitete Technik ist anscheinend wirksam darin, dass sich Leute weniger gestresst fühlen:
Findings indicate that MBSR significantly reduces perceived stress (up to 33%) and mental health issues (by 40%), particularly in academic settings and low- to middle-income countries
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Introvision-CoachingMit Introvision-Coaching kann die Stress-Resistenz erhöht und die Gefahr eines Burn-outs vermieden werden.www.coaching-magazin.de
Introvision. Ursprünglich an der Universität Hamburg als Therapiemethode entwickelt und nun auch im Coaching angekommen. Die Methode ist sehr effizient mit eindeutigem Bezug zum Buddhismus. Es kann dazu verwendet werden innere Konflikte aufzulösen, aber man kann damit eben auch moralische Hemmschwellen überwinden, bzw. deren körperliche Symptome, die ja meist gute Gründe haben. Die Methode basiert darauf erstmal innere Konflikte ausfindig zu machen, die mit einem inneren : "Das darf nicht passieren...das darf nicht sein..." belegt sind. Durch fragen nach dem Warum und Weshalb "darf dieses nicht/ muss unbedingt so sein" dringt man immer tiefer zum eigentlichen Kern des Konflikts vor. Letztendlich wird dieser dann durch bestimmte Achtsamkeitsübungen, die man vorher Trainieren muss, aufgelöst. Man lernt zunächst seine Achtsamkeit fokusier und wertfrei auf ein bestimmtes Objekt zu richten, um dann schließlich die Achtsamkeit auf den gesamten Raum auszuweiten. Später richten man dann seine Achtsamkeit auf den Konflikt aus ( das darf nicht) und wechselt dann mit seiner Achtdamkeit in den Raum, während man verinnerlicht : "das darf...das kann sein...das kann passieren". Innere Konflikt lassen sich damit sehr schnell auflösen, wenn man die Methode einmal beherrscht.
Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass es zb. auch einem Manager helfen kann seine Hemmung einzudämme , wenn es darum geht ein paar 1000 Leute zu entlassen ect. Die jeweilig tieferen Moralvorstellung an sich, werden sich dabei zwar nicht einfach auflösen, aber man schläft eben besser damit, wenn man ihnen zuwiderhandelt.
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Sunu Der Text verwechselt mehrere Dinge miteinander, die man gerade im Buddhismus nicht so leicht in einen Topf werfen sollte: Achtsamkeit, psychologische Selbstregulation, innere Konflikte und moralische Hemmungen.
Introvision mag als psychologische Methode zur Selbstregulation interessant sein. Die Universität Hamburg beschreibt sie als Verfahren, mit dem innere Konflikte und automatische Stressreaktionen bearbeitet werden sollen. Das ist zunächst eine psychologische Aussage – keine buddhistische.
Besonders problematisch wird es dort, wo aus der Auflösung eines unangenehmen inneren Konflikts plötzlich eine Art Befreiung von moralischen Hemmungen wird. Ein „Das darf nicht passieren“ kann nämlich zweierlei sein: eine übersteigerte, neurotische Selbstforderung – oder die durchaus vernünftige Einsicht, dass etwas tatsächlich nicht geschehen sollte. Wenn jemand beispielsweise Gewissensbisse bekommt, weil er anderen Menschen schadet, besteht die buddhistische Lösung nicht darin, das Gewissen so lange zu entkoppeln, bis es nicht mehr stört.
Genau hier liegt ein grundlegendes Missverständnis von Achtsamkeit.
Im Buddhismus ist Achtsamkeit nicht einfach ein neutrales psychologisches Werkzeug, mit dem man sich von unangenehmen Gefühlen freimacht. Sie steht innerhalb eines ethischen Weges. Der Achtfache Pfad enthält ausdrücklich rechte Rede, rechtes Handeln und rechten Lebenserwerb. Achtsamkeit wird also nicht aus dem moralischen Zusammenhang herausgelöst, um anschließend jede beliebige Handlung innerlich leichter ertragen zu können.
Noch deutlicher wird das am Beispiel des Managers: Wenn jemand Tausende Menschen entlässt und anschließend seine moralische Belastung durch eine Technik reduziert, ist damit überhaupt noch nicht gezeigt, dass ein innerer Konflikt „gelöst“ wurde. Vielleicht wurde lediglich das unangenehme Gefühl gegenüber dem eigenen Handeln abgeschwächt. Das sind zwei völlig verschiedene Dinge.
Und auch wissenschaftlich sollte man hier vorsichtig sein. Die Forschung zu Achtsamkeit zeigt keineswegs, dass sie einfach moralische Hemmungen beseitigt. Im Gegenteil: Meta-Analysen finden teilweise positive Zusammenhänge mit prosozialem Verhalten. Andere Arbeiten zeigen allerdings, dass die Effekte stark vom konkreten Training und vom jeweiligen moralischen Verhalten abhängen. Eine systematische Übersichtsarbeit kam beispielsweise zu dem Ergebnis, dass die prosozialen Effekte von Meditation begrenzt und von methodischen Faktoren abhängig sind.
Interessanterweise gibt es sogar experimentelle Befunde, nach denen bestimmte Formen von Achtsamkeitsmeditation Schuldgefühle und daraus entstehendes Wiedergutmachungsverhalten vermindern können. Das zeigt gerade, dass „Achtsamkeit = automatisch moralisch besser“ wissenschaftlich zu simpel wäre.
Aber daraus folgt eben auch nicht das Gegenteil, nämlich dass Achtsamkeit grundsätzlich dazu dient, moralische Skrupel abzubauen. Eine neuere Übersichtsarbeit kommt ausdrücklich zu dem Schluss, dass die Auswirkungen kontemplativer Praktiken auf moralisches Funktionieren differenziert sind und sowohl positive als auch negative Effekte vorkommen können.
Buddhistisch gesprochen würde ich deshalb einen Schritt zurücktreten: Nicht jedes „Das darf nicht sein“ ist eine störende mentale Blockade, die beseitigt werden muss. Man muss zunächst untersuchen, woher dieses „Darf nicht“ kommt, welche Absicht dahintersteht und welche Folgen das eigene Handeln für andere Wesen hat.
Der entscheidende Unterschied lautet daher:
Nicht jede unangenehme Gewissensreaktion ist ein innerer Konflikt, von dem man sich befreien sollte.
Manchmal ist sie schlicht ein Hinweis darauf, dass die eigene Handlung überprüft werden sollte.
Wer Achtsamkeit benutzt, um das Leiden über eine Handlung zu vermindern, ohne die Handlung selbst zu hinterfragen, hat möglicherweise nicht den Konflikt gelöst, sondern lediglich den inneren Widerstand gegen das eigene Verhalten reduziert.
Und genau da würde ich buddhistisch sehr misstrauisch werden: Befreiung bedeutet nicht, dass man irgendwann alles tun kann, ohne sich schlecht zu fühlen. Befreiung bedeutet auch nicht, dass das Gewissen möglichst geräuschlos gestellt wird. Entscheidend sind Absicht, Handlung und ihre Folgen.
Wer seine moralische Hemmung nur deshalb beseitigt, damit er anschließend besser gegen seine eigenen moralischen Einsichten handeln kann, hat damit noch lange keine Weisheit entwickelt.
Er hat vielleicht nur gelernt, den inneren Alarm leiser zu stellen.
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Die Denkweise ist ja die, dass die modernen Arbeitsbedingungen immer mehr psychischen Druck auf die Beschäftigten ausüben.
Ursache Nummer eins für Krankschreibungen waren nun mit einem Plus von neun Prozent psychische Erkrankungen wie Depressionen mit 184 Fehltagen je 100 Versicherten.
Und dass dann aber alles was diesen Druck mildert - eben Waldspaziergänge, Pausen, Yoga, Meditation- insofern negativ ist, als sich die Leute, wenn der Druck groß genug wäre, gegen krankmachende Arbeitsbedingungen wehren würden und so die Bedingungen verbessern würden.
Aber ist das überhaupt so, oder reproduziert die Rosa Luxemburg Stiftung da liebgewonnene Klischees? Es gibt ja viele Länder wo Arbeiter weniger Rechte und mehr Druck haben ( gerade auch China) ohne dass es da zu konstruktiven Aufständen gegen ungerechte Verhältnisse kommen würde. Und ist es überhaupt so, dass Menschen nahr am Burnout bessere Vorkämpfer sind? Oder könnte ein Betriebsrat nicht auch von Meditation profitieren um seinen Job gelassener zu machen?
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Es ging mir ja eben um den möglichen Missbrauch von Achtsamkeit im Bezug auf Kapitalismus. Die Wissenschaft schält eine Methode aus dem "Buddhismus" heraus und verändert diese nach ihren eigenen Erkentnissen, um ein schnell wirksames Therapiekonzept daraus zu gestalten. Das soll ja auch erstmal Menschen im Rahmen einer Psychotherapie helfen, die unter Panikatacken ect. leiden. Von da aus erhält die Methode dann weiter Einzug ins Coaching, wo sie u.A. gestressten Managern helfen soll, insgesamt erfolgreicher zu handeln ( im Sinne von rein Materiel). An dem Punkt ist aber nicht mehr wirklich etwas heilsames übrig von der Methode, eher im Gegenteil und spätestens da kann man dann imo über Missbrauch reden.