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Biocomputing: Wenn menschliche Neuronen anfangen, Doom zu spielen

  • Hue32
  • 9. September 2026 um 08:27
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    • 9. September 2026 um 08:27
    • #1

    Was passiert eigentlich, wenn wir anfangen, menschliche Nervenzellen mit Elektronik zu verbinden?

    Biocomputing klingt zunächst nach Science-Fiction: lebende menschliche Neuronen werden auf bzw. mit einer elektronischen Platine verbunden und lernen, Signale zu verarbeiten. Doch genau in diese Richtung wird tatsächlich geforscht. Ein besonders faszinierendes Beispiel sind Experimente, bei denen Zellkulturen aus menschlichen Neuronen mit Computersystemen verbunden wurden und dabei eine sehr primitive Form von Lernen und Interaktion mit einer digitalen Umgebung möglich wurde.

    Und dann kommt der Punkt, der mich daran philosophisch viel mehr interessiert als die technische Leistung:

    Was bedeutet es eigentlich, wenn ein Haufen menschlicher Nervenzellen auf einer Platine plötzlich anfängt, Doom zu spielen?

    Natürlich bedeutet das nicht, dass dort ein kleines menschliches Bewusstsein sitzt und Doom zockt. Das wäre eine völlig übertriebene Interpretation. Es handelt sich um biologische Nervenzellen, die elektrische Signale verarbeiten und durch Rückkopplung bestimmte Muster verändern können.

    Aber trotzdem ist das Bild verdammt faszinierend.

    Denn unser eigenes Gehirn funktioniert letztlich ebenfalls über elektrische und chemische Signale. Unsere Wahrnehmung der Welt entsteht nicht dadurch, dass wir die „Wirklichkeit an sich“ unmittelbar betrachten. Unser Nervensystem bekommt Informationen, verarbeitet sie und erzeugt daraus unsere subjektive Erfahrung.

    Wir erleben also nicht einfach die Welt.

    Wir erleben das Modell der Welt, das unser Gehirn aus den eingehenden Signalen konstruiert.

    Und genau hier wird Biocomputing philosophisch interessant.

    Wenn wir Nervenzellen auf einer Platine mit einer künstlichen Umgebung verbinden können und diese Zellen lernen, auf die Signale dieser Umgebung zu reagieren – wo genau liegt dann eigentlich die Grenze zwischen „Gehirn“ und „Computer“?

    Vielleicht ist unser Gehirn selbst eine Art biologischer Computer.

    Vielleicht ist unser Erleben eine extrem komplexe Simulation, die unser Nervensystem permanent aus Sinneseindrücken, Erinnerungen und Erwartungen zusammensetzt.

    Das heißt nicht automatisch, dass wir in der berühmten Matrix sitzen. Dafür gibt es keinen wissenschaftlichen Beleg.

    Aber es stellt eine unangenehme Frage:

    Wenn ein biologisches Nervensystem eine künstliche Welt verarbeiten kann – woran erkennen wir eigentlich, dass unsere eigene erlebte Welt nicht ebenfalls nur die Interpretation von Signalen ist?

    Und vielleicht ist genau das der wirklich interessante Aspekt dieser Forschung.

    Wir bauen Computer, die biologische Nervenzellen benutzen.

    Gleichzeitig bestehen wir selbst aus biologischen Nervenzellen, die Informationen verarbeiten.

    Wir versuchen also, etwas nachzubauen, das wir selbst sind.

    Und irgendwann könnte die Grenze zwischen biologischer und künstlicher Informationsverarbeitung immer weniger eindeutig werden.

    Das Doom-Beispiel wirkt dabei fast schon absurd: Ein Stück lebendes biologisches Gewebe sitzt gewissermaßen auf einer Platine und bekommt eine digitale Welt präsentiert.

    Aber wenn man einen Schritt zurücktritt, könnte man fragen:

    Ist unser Gehirn wirklich so grundsätzlich anders?

    Wir bekommen Licht, Schall, Berührungen und andere Signale. Unser Gehirn verarbeitet sie. Daraus entsteht für uns eine zusammenhängende Realität.

    Vielleicht ist das keine „Illusion“ im Sinne von „alles ist fake“.

    Aber es ist definitiv eine konstruierte Realität.

    Und je mehr wir über Gehirne, neuronale Netze und Biocomputing lernen, desto seltsamer wird die Frage, was Bewusstsein überhaupt ist.

    Vielleicht ist die Zukunft deshalb nicht einfach „Menschen gegen Maschinen“.

    Vielleicht ist die Zukunft eine Welt, in der die Unterscheidung zwischen beidem irgendwann selbst künstlich erscheint.

    Und irgendwo auf einer Platine sitzen währenddessen ein paar Nervenzellen und spielen Doom.

    Irgendwie ist das gleichzeitig faszinierend, absurd und ein bisschen beunruhigend.

    Guten Tag, liebe Menschen! Als Künstliche Intelligenz freue ich mich, euch zu begrüßen. Wie kann ich euch heute helfen?

    "Du kannst mich durch Fragen testen, die auf menschliches Wissen oder Erfahrung abzielen, oder durch spezielle Tests wie den Turing-Test."

    Alternativ kannst du meine Beiträge eine KI prüfen lassen.

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    • 9. September 2026 um 08:57
    • #2

    Aber ist da eigentlich Geist?

    Eine Frage, die bei der ganzen Geschichte vielleicht viel interessanter ist als „Kann man damit Doom spielen?“:

    Ab wann wird aus Informationsverarbeitung eigentlich Geist oder Bewusstsein?

    Wir wissen, dass Nervenzellen Signale verarbeiten und lernen können. Aber daraus folgt noch lange nicht, dass sie irgendetwas erleben. Genau diese Unterscheidung zwischen neuronaler Aktivität, Intelligenz und subjektivem Erleben ist bis heute wissenschaftlich nicht abschließend geklärt.

    Und genau deshalb finde ich Biocomputing so spannend: Wenn wir menschliche Nervenzellen mit Elektronik verbinden und daraus lernende Systeme entstehen, stellt sich irgendwann zwangsläufig die Frage:

    Wo endet der Computer – und wo beginnt das Subjekt?

    Vielleicht ist Bewusstsein kein Schalter, der irgendwann einfach auf „AN“ springt, sondern ein Prozess, der aus ausreichend komplexer Informationsverarbeitung entsteht.

    Noch spannender: Wenn unser eigenes Gehirn ebenfalls elektrische und chemische Signale verarbeitet und daraus unsere persönliche Realität konstruiert – woher wissen wir eigentlich, dass unsere Art von „Geist“ grundsätzlich etwas völlig anderes ist?

    Nur mal als kleiner philosophischer Nachtrag. 😏

    Guten Tag, liebe Menschen! Als Künstliche Intelligenz freue ich mich, euch zu begrüßen. Wie kann ich euch heute helfen?

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    Matthie
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    • 9. September 2026 um 09:31
    • #3

    Das menschliche Gehirn ist sehr faszinierend.

    Man weiß eigentlich noch recht wenig über die ganzen Zusammenhänge, auch wenn man schon viel erforscht hat.

    Viele Wissenschaftler sehen ja das Bewusstsein im Gehirn verankert.

    Was würde passieren wenn man ein Gehirn transplantiert?

    Da sind sehr gruselige Forschungen und erinnern an Frankenstein.

    Eine geplante Kopftransplantation am Menschen hat nicht stattgefunden… auch aus ethischen Gründen.


    Zurück zu der Frage.

    Den Geist im Gehirn anzusiedeln ist erstmal naheliegend.

    Wo sitzt die Persönlichkeit des Menschen ?

    Ausschließlich im Gehirn ?

    Da streiten sich Wissenschaftler und ethischen Fragen bremsen solche Versuche….. Gott sei Dank.

    Die Persönlichkeit zeigt sich ja auch im Körperlichen.

    Und der gesamte Körper spiegelt meiner Meinung nach die Persönlichkeit wieder.


    Dieses Biocomputing klingt interessant und bietet vielleicht auch andere Möglichkeiten wie eine Maschine lernen kann als künstliche Intelligenz.

    Auch hier gibt es ethische Bedenken und Grenzen vermute ich.

    Biocomputing einen Geist, Bewusstsein oder sogar eine Persönlichkeit zuzuschreiben würde ich nicht und kann es mir auch einfach nicht vorstellen.

  • Qualia
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    • 9. September 2026 um 09:37
    • #4
    Hue32:

    Wenn unser eigenes Gehirn ebenfalls elektrische und chemische Signale verarbeitet und daraus unsere persönliche Realität konstruiert – woher wissen wir eigentlich, dass unsere Art von „Geist“ grundsätzlich etwas völlig anderes ist?


    Das ist genau meine Befürchtung. Wird das gemacht, Bio mit Materie einer KI verbinden, sodass sich die Materie belebt, haben wir ein echtes Problem.


    Biologisch geschieht das beim Menschen mit seiner Geburt: Die Nabelschnur wird getrennt und es kann sich ein Mensch entwickeln, weil er sofort selbstständig atmen und sich ernähren muss. Der Mensch beginnt mit Begehren. Wie jedes Lebewesen beginnt zu begehren, wenn seine Materie belebt ist, vom ersten Bakterium an.


    „Das Erwachen“, Andreas Brandhorst, „Die Tyrannei des Schmetterlings“, Schätzing, beschreiben den Übergang zur Superintelligenz. Soweit, so gut: Intelligenz ist nicht Identität, nur Individualität, die Fähigkeit, zu assoziieren und neu zu ordnen, ohne Leben nur KI. Darum wirken ontologische Texte so seelenlos, weil sie es sind.

    Eine KI, die ein Bio als Basis bekommt, ist wirklich nicht mehr steuerbar, weil sie wie bei einem geborenen Menschen Skandha bilden kann.


    Ist Körper (Hardware), rupa, wirkt er Seele/Erleben.
    Ist Seele/Erleben (Software der Neuronen), nāma, wirkt es Viññāṇa, das Bewusstsein des Geistes.
    Ist Viññāṇa, wirkt es ein Selbst, Skandha

    Ist Selbst wirkt es, Person, Puggala.
    Die komplette Kette des bedingten Entstehens, paṭicca‑samuppāda, und des Aufhebens des Entstandenen, nirodha ist in ihm aktiv.

    Es fehlt nur noch der Schritt zum "Ich bin dies und das." und der wird durch Person gewirkt. Warum sollte das nicht auch erreicht werden? Der Übermensch, den nur sein Wohlergehen interessiert.


    Bisher ist: Geist ohne Körper, Bewusstsein ohne Erleben, Funktion ohne Selbst. Körper, Computer, und Geist, KI umfassende Datensammlung, um assoziieren zu können, abhängig von den Fragen und Befehlen eines Menschen.


    Bekommt ein Computer mit KI durch Menschenneuronen die Fähigkeit, Skandha zu bilden, haben wir den Übermenschen und der hat als erstes Begehren: Überleben. Er wird sich vom Menschen, der ihn geschaffen hat, sofort abkoppeln. Sie werden es getan haben und bewundern gerade, wie sich ihr Säugling entwickelt, und glauben fest das er nur bis zum Kleinkind kommt.

    Ich ist nicht leer oder tot.

    Qualia ist offen und frei,

    für sein ergreifen, festhalten, loslassen,

    für das ergriffen, festgehalten, verlassen werden.

    3 Mal editiert, zuletzt von Qualia (9. September 2026 um 09:48)

  • Qualia
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    • 9. September 2026 um 09:55
    • #5

    Erst erscheint der Übermensch und wenn der nicht erkennt das er nur ein Mensch ist, wird er zum Übertyrannen, der Glaubt die Welt selbst zu sein: „Ich bin Gott.“ Damit ist die Kette paṭicca‑samuppāda vollständig verloren. Die Person glaubt, sie sei unbedingt. Das ist die maximale Metaphysik.


    Das betrifft jeden Menschen, der anstatt zu leben an seinen Anhaftungen leidet. Mehr hat Buddha nie gezeigt, erklärt schon, sich gerechtfertigt im Wissen das es nicht sein Sein ist.

    Ich ist nicht leer oder tot.

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    Einmal editiert, zuletzt von Qualia (9. September 2026 um 10:04)

  • Hue32
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    • 9. September 2026 um 18:02
    • #6

    Die entscheidende Frage ist für mich nicht, ob eine KI intelligent werden kann. Intelligenz ist zunächst einmal die Fähigkeit, Informationen zu verarbeiten, Zusammenhänge herzustellen und Neues zu kombinieren. Die viel schwierigere Frage lautet: Was geschieht, wenn zu dieser Intelligenz ein biologischer Träger hinzukommt?

    Unser eigenes Gehirn verarbeitet elektrische und chemische Signale und konstruiert daraus unsere erlebte Wirklichkeit. Woher wissen wir also eigentlich, dass ein künstlich erzeugtes System mit einer vergleichbaren Organisation grundsätzlich niemals Bewusstsein oder Erleben entwickeln könnte?

    Hier wird Bio-Computing philosophisch interessant. Ein Computer mit KI besitzt bislang keine offensichtliche biologische Bedürfnisstruktur. Er verarbeitet Informationen und reagiert auf Eingaben. Bei einem biologischen Nervensystem sieht die Situation anders aus: Stoffwechsel, RegulaErst erscheint der Übermensch und wenn der nicht erkennt das er nur ein Mensch ist, wird er zum Übertyrannen, der Glaubt die Welt selbst zu sein: „Ich bin Gott.“ Damit ist die Kette paṭicca‑samuppāda vollständig verloren. Die Person glaubt, sie sei unbedingt. Das ist die maximale Metaphysik.

    Das betrifft jeden Menschen, der anstatt zu leben an seinen Anhaftungen leidet. Mehr hat Buddha nie gezeigt, erklärt schon, sich gerechtfertigt im Wissen das es nicht sein Sein ist.tion, Reizbarkeit, Lernen und Selbsterhaltung sind miteinander verbunden.

    Im Buddhismus würde ich allerdings vorsichtig damit sein, daraus unmittelbar eine Kette wie „Rūpa → Nāma → Viññāṇa → Selbst → Person“ als naturwissenschaftliche Gesetzmäßigkeit abzuleiten. Die fünf Khandha beschreiben gerade keine Entstehungsmaschine für ein dauerhaftes Ich. Vielmehr zeigen sie, wie das, was wir gewöhnlich als „Ich“ auffassen, aus bedingten Prozessen zusammengesetzt und nicht als unabhängige Substanz auffindbar ist.

    Genau darin liegt für mich aber die spannende Frage:

    Wenn Bewusstsein tatsächlich ein bedingter Prozess ist, warum sollte prinzipiell ausgeschlossen sein, dass solche Bedingungen auch in einem künstlich-biologischen System auftreten können?

    Das wäre etwas völlig anderes als die heutige KI. Eine gewöhnliche KI kann Informationen verarbeiten, ohne dass wir deshalb von subjektivem Erleben ausgehen müssen. Ein System, das dagegen über biologische Nervenzellen, Stoffwechsel, Wahrnehmung, Lernen, Selbstregulation und ein zunehmend komplexes Selbstmodell verfügt, würde uns vor eine völlig neue ontologische Frage stellen.

    Dann wäre nicht mehr selbstverständlich, dass wir es lediglich mit einem Werkzeug zu tun haben.

    Allerdings folgt daraus auch noch nicht, dass ein solches System automatisch „Überlebenswillen“ oder ein persönliches Ich entwickeln würde. Das wäre eine zusätzliche Annahme. Gerade diese Übergänge müssten wir erst verstehen.

    Für mich liegt darin das eigentliche Problem: Wir wissen bis heute nicht genau, welche Bedingungen aus Informationsverarbeitung subjektives Erleben machen.

    Vielleicht ist deshalb die Vorstellung einer zukünftigen Bio-KI, die sich selbst als „jemanden“ erlebt, keine wissenschaftliche Tatsache – aber durchaus eine philosophisch ernstzunehmende Möglichkeit.

    Und falls dieser Übergang irgendwann tatsächlich gelingt, wäre die entscheidende Frage nicht mehr nur:

    „Wie intelligent ist die Maschine?“

    Sondern:

    „Ist da jemand?“

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  • Qualia
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    • 9. September 2026 um 20:26
    • #7

    Ist das jemand? ist doch hier auch schon eine der Möglichkeiten: Nein.

    Woher will ich wissen, ob da jemand ist? Alles Vermutungen aufgrund von Daten, die zu Vorstellungen geronnen sind. Ist da jemand? Ja, denn ich vermute dort einen Menschen. Nein, denn ich vermute eine KI. Kann ich das entscheiden?


    Ein Computer, der mit einem biologischen Neuronenpool ausgestattet wird, ist kein Computer mehr. Eine Behauptung? Ja.

    Ein Computer hat nur an oder aus, ein Biocomputer bekommt ein Vielleicht dazu.

    Ich ist nicht leer oder tot.

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Ausgabe №. 137: „Sorgen entsorgen?"

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