Was über unsere möglichen Erfahrungen hinaus geht, hat der Buddha scheinbar systematisch nicht gelehrt, wie ich manchmal vermute bewusst nicht gelehrt, er hat es scheinbar nicht als seine Aufgabe gesehen, das zu tun. Möglich auch, dass er eine Beschäftigung mit bestimmten Dingen einfach als nicht zielführend angesehen hat, um einen Zustand geistiger Befreiung erreichen zu können, sondern eventuell als Hindernis auf dem Weg dorthin.
Ich fühle mich ansonsten damit als langjähriger Agnostiker ganz wohl, denn ich denke nicht das Ahnen, Denken und Begreifenwollen, und auch kein visionäres Erleben, schafft Zugang zur Wahrheit und zur Freiheit. Sondern ein Loslassen vom Wunschdenken, und Akzeptieren von dem was ist, was unbestreitbare Erfahrung ist, aber nicht mehr. Und auch ein Akzeptieren davon, dass man manche Dinge einfach nicht sicher erkennen kann in unserer Existenz, und dass dies trotzdem zu versuchen vielleicht etwas ist, was uns ganz schön vom Weg zur Freiheit abbringen kann.
Er hat sich mit manchen Themen sehr zurückgehalten. Also lehrte der Buddha ja auch keine Lehre von einer Seele, sondern eine Lehre über Ansichten, die beharrlich verfolgt und angenommen, Gestalt annehmen können, Erfahrung werden und zu verschiedenen Standpunkten führen können. Ob nun ewig oder zeitlich, innen oder aussen, alles ist vorstellbar und verfolgbar, und es scheint möglich, dass man diese Dinge so weit verfolgen kann, dass man Geisteszustände fester Überzeugung erreichen kann. Innerhalb des bedingten Entstehens kann es also viele Ansichten über die "Seele" geben, ihre Beschaffenheit und Qualitäten, ihre Vergangenheit und Zukunft. Auch viel Kummer, Jammer, Schmerz und Leid, was diese Sache angeht, wenn man sie begreifen will, sich an sie klammert, und nicht bereit ist die Vorstellungen loszulassen und sich einfach in das zu ergeben, was man da ganz schlichtes und einfaches findet, wenn man alles andere loslässt oder überwindet. Das was immer da ist, was eben erst einmal unsere ganze Wahrheit sein muss, von der uns ein Widerstreben dagegen nur wieder abbringen würde. Was wir leider nur selten erkennen, da viele von uns ja scheinbar immerzu mit einer Vielzahl von Gedanken an allerlei erstrebenswerte oder abzulehnende Dinge beschäftigt sein müssen.
So denke ich persönlich, der Buddha hat nicht gelehrt, dass es keine "Seele" gibt, sondern dass es unheilsam ist, darüber zu viel nachzudenken. Oder gibt es konkrete Passagen in den alten Texten, in denen der Buddha eine konkrete Nichtexistenz postuliert?
Eine weitere Unsicherheit habe ich allerdings noch. Wenn Vorstellungen und Ansichten mit Bezug auf Dinge wie die Seele usw. ja in einer höheren Ebene gar kein Gewicht haben, beliebig sind, dem Verfall unterworfen. Dann droht uns ja immer noch reales Leid und Erfahrungen von Verlust, ein Unterworfensein gegenüber Wechselwirkungen dieser Vorstellungen mit Erlebnissen in der Welt, in der wir leben. Verschwinden derartige Verwicklungen, und mit ihnen die Gefahren, denen man durch sie ausgesetzt sein kann, zusammen mit dem Glauben an die falschen Ansichten? Oder ist es mehr ein transzendenter Erfolg, der einen zwar nicht mehr an die Relevanz der Verwicklungen glauben zu müssen erlaubt, ihre Erfahrung aber eben leider nicht verhindern kann?