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Pali-Begriff für Selbstbehauptung?

  • Fragender
  • 24. Mai 2019 um 14:41
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1. offizieller Beitrag
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    • 24. Mai 2019 um 14:41
    • #1

    Ihr Lieben, zu unserem Dasein im Samsara gehört auch das Streben nach Selbstbehauptung.

    Unter Selbstbehauptung verstehe ich jede Form kompetitiven Verhaltens, sei es das Verlangen, der Stärkste, der Klügste oder die Schönste zu sein, sei es der Wunsch, in einer Diskussion zu „gewinnen“ oder sei es die Verteidigung gegen Angriffe von außen gleich welcher Art.

    Während Selbstbehauptung unerläßlich ist, um sich im Samsara zu bewähren und überlebensfähig zu bleiben, wird sie auf dem Weg zum Nibbāna auf den höheren Ariya-Stufen aufgegeben. Spätestens ein Arahat, wahrscheinlich aber schon ein Anagami ist von kompetitivem Verhalten frei.

    Nun meine Frage: Gibt es einen speziellen Pali-Begriff, der das Phänomen der Selbstbehauptung bezeichnet?

    Der Oberbegriff ist sicher Bhavasava (Daseinstrieb), aber Selbstbehauptung scheint mir eine Unterkategorie davon zu sein. Was ich außerdem gefunden habe, ist der Begriff atta-vāda, aber das ist eher der Glaube an ein Selbst und noch nicht die konkrete Behauptung dieses imaginierten Selbst.

    Also, welchen passenden Begriff gibt es für Selbstbehauptung im Pali?

    Mit bestem Dank im Voraus für Eure Antworten! _()_

  • void
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    • 24. Mai 2019 um 23:01
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    • #2

    Bei dem "Wettbewerbsgeist" muss ich an die Asura denken. Deren charakteristische Eigenschaft wird meist als Eifersucht übersetzt aber auch mit "Rivalitätssucht" in Verbindung gebracht. Ich habe nachgeschaut, dass das in Pali

    "palāso" ist.

    Puggala Paññatti - Das Buch der Charaktere:

    48.] 54. Welcher Mensch gilt als "eifersüchtig", und was ist da "Eifersucht" (palāso)?

    Was da Eifersucht ist, Eifersüchtigsein, eifersüchtige Gesinnung, Eifersucht als Nährstoff und Ursache des Streites, Rivalitätsucht, Nicht-Zurücktreten: das nennt man Eifersucht. Wer aber von dieser Eifersucht nicht frei ist, diesen Menschen nennt man eifersüchtig.

    Dieses "Nicht-Zurücktreten" scheint mir mit Selbstbehauptung synonym. Aber welches Wort ist das?

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  • Fragender
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    • 24. Mai 2019 um 23:12
    • #3

    Danke, lieber Void, du scheinst genau den springenden Punkt gefunden zu haben.

    "Nicht-Zurücktreten", genau das ist es: Ich meine die sture Haltung des Unbeugsamen, der sich nicht brechen läßt.

    Wohlgemerkt ist das in diesem Samsara eigentlich eine Tugend. Auf dem Weg zum Erwachen gibt man es aber auf. Das fasziniert mich gerade.

    Wer kann jetzt noch mit dem dazugehörigen Pali-Begriff aushelfen? :)_()_

  • Rudolf
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    • 25. Mai 2019 um 20:16
    • #4
    Fragender:

    .... sei es der Wunsch, in einer Diskussion zu „gewinnen“ oder sei es die Verteidigung gegen Angriffe von außen gleich welcher Art.

    Fragender:

    "Nicht-Zurücktreten", genau das ist es: Ich meine die sture Haltung des Unbeugsamen, der sich nicht brechen läßt.

    Der Bekannteste Selbstbehaupter, der größte Nicht-Zurücktreter, der Unbeugsamste im Buddhismus war Buddha Shakyamuni.

    Bei den zahlreichen Diskussionen mit Brahmanen z.B. ist der Buddha nie von seiner Ansicht zurückgetreten und hat am Ende die Diskussion immer gewonnen. Indem die Brahmanen ihn lobten und manchmal sogar Zuflucht zu ihm nahmen.

    :rainbow:

  • Fragender
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    • 25. Mai 2019 um 20:25
    • #5

    Lieber Rudolf, hier mußt Du unterscheiden: Ja, Buddha ließ sich nicht von seiner Erkenntnis abbringen, aber das tat er nicht um der Selbstbehauptung willen. Vielmehr hatte er ja die Illusion eines mit dem Bedingten verbundenen Selbst vollkommen überwunden, also hat er sicherlich nicht diese Illusion zu verteidigen gesucht.

    Er beharrte auf der Wahrheit aus seinem großen Mitgefühl für alle fühlenden Wesen.

    Wenn wir aber kämpfen, streiten und uns durchsetzen wollen, können wir das nicht von uns behaupten. Und selbst, wenn man über die gute Lehre diskutiert, wie es hier in diesem Forum der Fall ist, muß man sich selbst sehr genau prüfen, ob man gerade aus Mitgefühl heraus die Wahrheit hochhält oder ob man nicht doch gewinnen oder sich wichtig machen möchte.

  • Rudolf
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    • 25. Mai 2019 um 20:47
    • #6

    Ja, zweifellos.

    Wie du sagst: man muss sich selbst sehr genau prüfen.

    Das kann kein Außenstehender für uns machen. Außer in krassen Fällen vielleicht, kann niemand anders es wissen welche Motivation wir bei einer Diskussion haben.

    :rainbow:

  • Fragender
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    • 25. Mai 2019 um 20:58
    • #7

    Da sind wir ganz einer Meinung, Rudolf. Aber die Frage war hier der Pali-Begriff für Selbstbehauptung.

  • Rudolf
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    • 25. Mai 2019 um 21:56
    • #8

    Ich kann keinen Pali-Begriff liefern, aber wenn eine Frage nebenbei erlaubt ist:

    Fragender:

    Ein Arahat ist in diesem Samsara quasi lebensunfähig ohne äußere Helfer, die ihm etwa Mahlzeiten spenden. Gerade diese Einsicht hat mich in den letzten Tagen so fasziniert und ist der Grund für meine Frage.

    Bodhisattvas gibt es auch unter Hausleuten, das sind also Samsara-lebensfähige Bodhisattvas. So wird es im Mahayana gelehrt.

    Ein Bodhisattva ist ja auch am nützlichsten unter anderen Samsara-Menschen.

    Eines Tages, ab dem Achten Bhumi, erreicht auch ein Bodhisattva Nirvana. Verliert er dann plötzlich und automatisch seine Lebensfähigkeit?

    Übrigens sind wir alle in Samsara lebensunfähig ohne äußere Helfer. ;)

    :rainbow:

  • Fragender
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    • 25. Mai 2019 um 22:10
    • #9
    Rudolf:

    So wird es im Mahayanagelehrt.

    Wir sind hier aber im Theravada-Forum und da ist die Sichtweise des Mahayana nicht maßgeblich.

  • void
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    • 25. Mai 2019 um 22:41
    • Offizieller Beitrag
    • #10
    Rudolf:

    Der Bekannteste Selbstbehaupter, der größte Nicht-Zurücktreter, der Unbeugsamste im Buddhismus war Buddha Shakyamuni.

    Bei den zahlreichen Diskussionen mit Brahmanen z.B. ist der Buddha nie von seiner Ansicht zurückgetreten und hat am Ende die Diskussion immer gewonnen. Indem die Brahmanen ihn lobten und manchmal sogar Zuflucht zu ihm nahmen.

    Das "Nicht-Zurücktreten" wird doch im Rahmen von Eifersucht und Rivalitätssucht geschildert. Wo es einem nicht um die Sache geht sondern um das eigene Territorium.

    Buddha dagegen ging es immer um die Sache und nie um das eigene Terretrium. Und wenn er da Debatten gegen Brahmanen gewonnen hat, dann eben nicht weil er sich so super durchsetzten konnte und sich als Alphatier behauptet hat.

    Sondern das Gegenteil ist der Fall. Er war so demütig, dass er einfach nichts von sich gab, von dem er nicht wusste das es stimmt. Für mich ist Buddha ein grosser Selbstloser und Selstverneiner und ihn in die Reihe der "Selbstbehaupter" zu stellen - der Alphatiere von den kriegslusternen Asura bis hin zu Putin und Trump ist kein Kompliment.

    Buddha behauptet nicht das Selbst sondern das Nicht-Selbst.

    • Vorheriger offizieller Beitrag
  • Rudolf
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    • 26. Mai 2019 um 09:09
    • #11

    void,

    ich wollte mit meinen Beiträgen sagen, dass man in der Regel nicht beurteilen kann, wenn jemand nicht zurücktritt von seiner Ansicht, ob das an "Selbstbehauptung" liegt, oder ob er das anderen überzeugend mittteilen möchte, was er für wahr und nützlich zu wissen hält.

    Vielleicht findet ihr ja deswegen keinen Palibegriff für "Selbstbehauptung", weil die Pali-Gelehrten diese Idee einfach nicht hatten. Die Idee, dass man Selbstbehauptung diesen Menschen zuschreiben kann und jenen nicht.

    :rainbow:

  • Fragender
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    • 26. Mai 2019 um 09:36
    • #12

    Wir haben den Begriff doch schon gefunden, zumindest die deutsche Übersetzung: Nicht-Zurücktreten. Nur wissen wir mangels Pali-Kenntnissen nicht, wie der Original-Pali-Begriff heißt.

  • accinca
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    • 26. Mai 2019 um 11:00
    • #13
    Rudolf:

    Vielleicht findet ihr ja deswegen keinen Palibegriff für "Selbstbehauptung", weil die Pali-Gelehrten diese Idee einfach nicht hatten. Die Idee, dass man Selbstbehauptung diesen Menschen zuschreiben kann und jenen nicht.

    Das ist wohl kaum anzunehmen. attavado z.B könnte mit Selbsbehauptung wiedergegeben

    werden oder auch makkho einer der 16 geistigen Trübungen.

  • Schneelöwin
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    • 26. Mai 2019 um 11:46
    • #14

    Zur Selbstbehauptung oder sich - nicht offen - einer Meinung des Gegenübers stellen fällt mir nachfolgendes Zitat ein:


    [lz]

    Immer, wenn wir glauben, dass wir auf jeden Fall richtig liegen, so sehr, dass wir uns weigern, uns etwas oder jemand anderem zu öffnen, gehen wir genau dort fehl. Es wird eine falsche Ansicht. Wenn Leiden entsteht, wodurch entsteht es? Die Ursache ist falsche Ansicht; die Frucht davon ist Leiden. Wenn es rechte Ansicht wäre, würde es nicht zu Leiden führen.

    Ajahn Chah [/lz]

    Liebe Grüße von Schneelöwin

    Liebe Grüße Schneelöwin

    "All is always now"


  • xiaojinlong
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    • 26. Mai 2019 um 12:22
    • #15

    Selbstbehauptung ist aus meiner Sicht viel mehr und muss nicht unbedingt negativ sein.

    Wenn ich auf der Arbeit zu einem Thema befragt werde, das mein Fachwissen übersteigt, ist es aus meiner Sicht auch Selbstbehauptung zu sagen:[lz]

    das Weiß ich nicht.[/lz]

    Denn damit zeige ich auf wo meine Grenzen sind und vermeide dadurch sogar ggf. Schaden, der durch eine falsche Einschätzung meinerseits auftreten könnte. Selbstbehauptung hat daher, finde ich, auch einfach etwas damit zu tun, zu wissen (oder zumindest denkt man zu wissen) wo die eigenen Grenzen liegen. Ein weiteres Beispiel wäre auch, wenn ich eine falsche Einschätzung gebracht habe, ich dann aber dafür einstehe, dass mein Wissen nicht ausreichend / falsch war. Auch damit stehe ich zu meinen Grenzen und das ist nicht per se negativ.

    Wenn ich allerdings so stark auf meinen Standpunkt beharre, dass ich erst gar keine andere Meinung - oder andere Einflüsse im Allgemeinen - zulasse, dann sind wir natürlich bei einem eher negativen Punkt angelangt.

    _()_

    小金龍

Ausgabe №. 136: „Liebe & Loslassen"

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