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Ventil für Wut und Frust

  • rosewreaths
  • 27. März 2014 um 21:14
  • Zum letzten Beitrag
  • Kusala
    Gast
    • 29. März 2014 um 12:52
    • #26
    fotost:

    wenn wir nicht wirklich sehen, was wichtig ist können wir umso schneller in Muster von Wut und Frust zurück fallen.

    Ganz genau.
    Wenn man der Sache, den Dingen (den Dhammas) nicht selber auf den Grund geht
    und nicht selber erkennt wie die Dinge funktionieren, kann man soviel man will darüber schwatzen.
    Es wird nichts ändern.

    Wer was ändern möchte, muss erst einmal zur Ruhe kommen und sehr vieles erst einmal sein lassen.

    ()

  • Mirco
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    • 30. März 2014 um 17:41
    • #27
    accinca:
    Mirco:

    Wie aber bewacht und zügelt man die Sinne?


    Die Formulierung finde ich nicht schlecht:

    Hat da der Mönch mit dem Auge eine Form gesehen,

    so greift er nicht nach den Vorstellungen und greift nicht nach den Assoziationen

    da Begierde und Missmut, böse, unheilsame Dinge gar bald den überwältigen, der die Seheigenschaft nicht bewacht,
    befleißigt er sich dieser Bewachung, er hütet die Sehfähigkeit, er wacht eifrig über die Sehtätigkeit.
    Und ebenso mit den anderen Sinnen. So zügelt er die Sinne.

    Er bewacht die Sinnentätigkeit ohne sich mit den Sinnendingen zu befassen
    bleibt die Achtsamkeit bei der Sinnentätigkeit.

    Er sieht nur dann nach den Dingen, wenn und soweit es wirklich
    notwendig ist um das Leben und Üben zu ermöglichen.

    Im Grunde handelt es sich um den ersten größeren Schritt zur Zügelung der Sinne.
    Der Geist wird an die Achtsamkeit auf die Sinnentätigkeit gebunden.

    Alles anzeigen

    Das "Sinne zügeln" betrifft also nur das Bedingte Entstehen nach dem Begehren. Das war es, was mich verwirrt hatte, denn wie sollten sich Organe, Objekt, Kontakt oder Empfindung direkt zügeln lassen. Mit "Sinne zügeln" ist der gesamte Vorgang bis bhāva gemeint, wobei aktiv Einfluss nur ab upādāna (bzw. ab kurz davor) möglich ist.
    Danke :)

  • Zorița Câmpeanu
    Gast
    • 30. März 2014 um 17:51
    • #28

    .
    das besste ventil kennen kinder ..... erwachsene verbieten es in der erziehung... "es schickt sich nicht, mit den fersen zu stampfen"... statt dessen macht man "gute miene zum bösen spiel" .... :D

    LG

    _()_
    .

  • gbg
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    • 30. März 2014 um 18:00
    • #29

    Ist Wut nicht auch eine Antwort auf eine als negativ empfundene Überraschung?

    Dann würde helfen, sich bewusst zu machen, dass nicht alle Überraschungen negativ sind und dass die negativen durch Neugier, die Schwester der Überraschung im Vorfeld enttarnt werden können. ;)

  • gbg
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    • 30. März 2014 um 18:24
    • #30

    Und noch ein kurzes Zitat:

    Zitat

    Wer mit sich im Frieden lebt, denkt von niemandem Arges.


    Thomas von Kempen

  • Chamäleon
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    • 1. April 2014 um 15:27
    • #31

    Vor einigen Jahren hatte mich ein Feind so provoziert, dass ich ihn am liebsten umbringen würde. Dazu mein Ventil: ich steigerte die Vorstellung meiner Rache soweit, bis ich an den Punkt der Unmöglichkeit gelangte. Ich stellte mir vor, ich würde mit einer Panzerfaust auf seinen Arbeitsplatz schießen. Ja, eine Szene, die ich in Kriegsfilmen gesehen hatte. Im heutigen Deutschland ist das ein Ding der Unmöglichkeit. Nicht einmal illegal weiß ich, wie man eine Panzerfaust beschaffen kann. Auch kenne ich keine Stelle, von der aus man das Firmengebäude unbemerkt beschießen kann.

    Somit löste sich meine Rache in Luft auf und erwies sich als Illusion. Gerade weil ich es am Arbeitsplatz nicht versuchte, habe ich diesen Feind nie wieder gesehen. (Ich weiß nämlich nicht, wo er wohnt. Ich weiß nur, wo er arbeitet. Weil aber meine Rache illusorisch ist, bin ich dort nicht hingegangen). Im Umkehrschluss weiß dieser Feind auch nicht, wo ich wohne. Deshalb kann er mich nicht verfolgen. Heute kommt es mir so vor, als ob ich diesen Menschen nie gekannt hätte. Ich erinnere mich nur noch daran, dass es Worte und Taten gibt, die mich zur Weißglut bringen. Ein Buddhist, der Frieden und Harmonie wünscht, sollte davon ablassen.

    Es gibt keine Freiheit ohne Wahrheit. Es gibt aber auch keine Wahrheit ohne Freiheit.

  • Milou
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    • 2. April 2014 um 07:16
    • #32

    Hab ich gerade entdeckt:

    http://www.otz.de/startseite/det…Hirn-1755141404

    Lg

    Milou

    "... Wer jedoch nur Ochsenscheiße hat im Geist, der sieht nur Ochsenscheiße überall."

  • Thubten Gawa
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    • 2. April 2014 um 14:31
    • #33

    Ganz passend sind hier im Dhammapada ein paar Wege aufgeweisen, wie mit Wut und Zorn umgegangen werden sollte. Im Kapitel "Kodha - Zorn und Ärgernis" heisst es:

    Zitat

    Den Zorn gib auf, den Stolz! Lös' dich von allen Banden!
    Wo man nichts wünscht, nichts' hat, da ist kein Leid vorhanden.

    Wer Zorn hält auf wie ein Gespann, das eilig fuhr,
    Den nenn' ich Lenker; Zügelhalter sind die andern nur.

    Den Zorn durch Nachsicht, Bosheit durch Verzeih'n besiege,
    Durch Gebelust den Geiz, durch Wahrheitswort die Lüge!

    Sprich wahr und zürne nicht! Und bist du auch nicht reich,
    Gib doch dem Bittenden! So wirst du Göttern gleich.

    Die Weisen, selbstbeherrscht, die niemand Unrecht tun,
    Sie geh'n zum Frieden ein, wo alle Sorgen ruh'n.

    Den immer Wachsamen, die ringen allezeit
    Und auf Nirvana schau'n, vergeht die Weltlichkeit.

    Es ist ein altes Lied, kein neueres Gedicht:
    Man tadelt den, der schweigt, und den, der gern viel spricht,
    Auch den, der wenig sagt; an Tadel fehlt es nicht.

    Daß einer nur getadelt oder allgemein
    Gelobt wird, war noch nie, ist nicht und wird nicht sein.

    Doch wer darf tadeln ihn, den alle Klugen preisen,
    Die täglich ihn geprüft, den geistesklaren Weisen,

    Ihn, der im Wandel sich wie reinstes Gold bewährt,
    Den alle Götter loben, den auch Brahma ehrt?

    Beim Körper sei vor Zornestaten auf der Hut,
    Sei selbstbeherrscht und zügle deinen Körper gut!

    Beim Reden sei vor Zornesworten auf der Hut,
    Sei selbstbeherrscht und zügle deine Zunge gut!

    Beim Denken sei vor Zorngedanken auf der Hut,
    Sei selbstbeherrscht und zügle die Gedanken gut!


    In Taten, Worten und Gedanken sind die Weisen
    Gemäßigt, und als selbstbeherrscht sind sie zu preisen.

    Alles anzeigen

    ich denke also, dass man die Wut nicht rauslassen sollte. Wut führt zu neuer Wut und außerdem konditioniert man sein Verhalten darauf. Auch wenn es schwer ist, gilt es die Wut im Inneren zu bekämpfen, bevor sie nach außen dringt. Buddha empfiehlt ja, sich darin zu üben, unheilsame Gedanken durch heilsame Gedanken zu ersetzen. Das ist in der Praxis nicht so einfach, aber in der Konsequenz eine sehr fruchtbringende Lösung - natürlich verbunden mit vieeeel Übung und Ausdauer. Ich arbeite da auch immer wieder dran... ;)

    Lauter im Handel und Wandel: vor geringstem Fehl auf der Hut kämpft er beharrlich weiter, Schritt um Schritt.

  • Bettler
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    • 2. April 2014 um 14:55
    • #34

    Kaufe die teuerste Kinderpistole, die du kriegen kannst, fahre ans Meer und wirft sie ins Wasser. Nimm an der Stelle einen Stein auf und vergrabe ihn vor deinem Fenster.

  • Chamäleon
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    • 2. April 2014 um 14:59
    • #35

    Mein Ventil für Wut besteht darin, unseelige Gedanken ad absurdum zu führen. Dazu führte ich einmal ein interessantes Lehrgespräch mit einem Psychologen. Ich spielte den Terroristen. Mein Lehrer hakte ständig nach und stellte die Frage, wie ich das genau tun wollte. Nach einer Stunde gelangte ich in den Bereich der Unmöglichkeit. Mir fielen nur noch Anschläge ein, die ich unmöglich hätte durchführen können. Falls ich das nicht schon vorher gewusst hätte, wurde mir jetzt klar, wie absurd Terrorismus ist.

    Das war vielleicht eine Ausnahme, denn dazu muss man einen Lehrer finden. Der wiederholt nur ständig die kritische Frage: Wie willst du das machen? :badgrin:

    Es gibt keine Freiheit ohne Wahrheit. Es gibt aber auch keine Wahrheit ohne Freiheit.

  • Thubten Gawa
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    • 2. April 2014 um 15:00
    • #36
    Bettler:

    Kaufe die teuerste Kinderpistole, die du kriegen kannst, fahre ans Meer und wirft sie ins Wasser. Nimm an der Stelle einen Stein auf und vergrabe ihn vor deinem Fenster.


    Oder eben so :badgrin:

    Lauter im Handel und Wandel: vor geringstem Fehl auf der Hut kämpft er beharrlich weiter, Schritt um Schritt.

  • Mirco
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    • 2. April 2014 um 15:02
    • #37
    Bettler:

    Kaufe die teuerste Kinderpistole, die du kriegen kannst, fahre ans Meer und wirft sie ins Wasser. Nimm an der Stelle einen Stein auf und vergrabe ihn vor deinem Fenster.


    'Unbuddhistisch' ... aber wundervoll :) !

  • fotost
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    • 2. April 2014 um 15:24
    • #38
    Bettler:

    Kaufe die teuerste Kinderpistole, die du kriegen kannst, fahre ans Meer und wirft sie ins Wasser. Nimm an der Stelle einen Stein auf und vergrabe ihn vor deinem Fenster.

    Lass Dich aber beim ins Wasser werfen nicht beobachten, sonst tauchen da 2 Stunden später diverse Polizeitaucher auf der Suche nach einer gefährlichen Terrosristen-Waffe und Du sitzt stundenlang wegen groben Unfugs auf irgendeiner Dorfwache fest....

  • Thubten Gawa
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    • 2. April 2014 um 15:31
    • #39

    Und dann wühlen sie Deinen Vorgarten auf der Suche nach dem Stein um...

    Lauter im Handel und Wandel: vor geringstem Fehl auf der Hut kämpft er beharrlich weiter, Schritt um Schritt.

  • Chamäleon
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    • 3. April 2014 um 17:24
    • #40
    fotost:
    Bettler:

    Kaufe die teuerste Kinderpistole, die du kriegen kannst, fahre ans Meer und wirft sie ins Wasser. Nimm an der Stelle einen Stein auf und vergrabe ihn vor deinem Fenster.

    Lass Dich aber beim ins Wasser werfen nicht beobachten, sonst tauchen da 2 Stunden später diverse Polizeitaucher auf der Suche nach einer gefährlichen Terrosristen-Waffe und Du sitzt stundenlang wegen groben Unfugs auf irgendeiner Dorfwache fest....

    Genau deshalb ersetze ich die reale Waffe durch meine geistige Vorstellung. Das hat sogar noch die stärkere Wirkung. Ich denke nicht nur an Kinderspielzeug, sondern ich stelle mir vor, wie es wohl wäre, wenn ich eine echtes Sturmgewehr ins Meer werfen würde... :grinsen: (Natürlich werde ich das nie tun, denn meines Wissens kostet eine Kalaschnikow 1.000 Euro auf dem Schwarzmarkt. Dafür habe ich kein Geld übrig).

    Es gibt keine Freiheit ohne Wahrheit. Es gibt aber auch keine Wahrheit ohne Freiheit.

  • nyalaana
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    • 8. April 2014 um 01:14
    • #41

    Wie gehe ich mit Wut und Ärger um? Mit nachdenken. Ich bemerke an mir, dass ich wütend bin. Wenn ich danach mal nen ruhigen Moment habe denke ich über die Situation nach. Warum bin ich wütend geworden? Der Anlass ist schnell klar. Aber ich denke dann weiter, warum hat mich dieser Auslöser gerade in dieser Situation wütend gemacht? Wenn ich das rausfinden kann, dann überlege ich ob ich das Verhalten oder das was der Andere gemacht hat auch ab und an selber mache, und ob ich das an mir dann gut finde? Ich habe festgestellt, dass mich meist diese Sachen ärgern, die ich selbst auch falsch mache, oder wo ich selbst einen Schwachpunkt habe. Das führte dann zu der Idee, dass ich oft in Wut gerate oder mich ärgere in Situationen wo der Andere das macht worüber ich mich selber über mich ärgere. Wenn ich sowas an mir feststelle und bemerke, dann bin ich auf den Anderen garnicht mehr ärgerlich. Ich kann dann überlegen was ich mit den Dingen mache, die mich über mich selber ärgern. Manche kann ich anders machen, manche muss ich mir einfach eingestehen, dass ich so "auch" bin. Ich hoffe das höhrt sich jetzt verständlich an.
    Mit der Zeit ist es mir dann gelungen mir nicht nur eine gedankliche Notiz zu machen:" Aha nun bin ich wütend da will ich mal drüber nachdenken", sonder in der Situation selbst diese Selbstreflektion durchzuführen. Ganz schnell in 1 - 5 Sekunden, und wenn ich dann einige Motive erkannt habe, und dann nachschaue ob ich noch wütend oder ärgerlich bin, dann stelle ich öfters mal fest , aha ich bin garnicht mehr wütend, sie ist verraucht. Oder aber ich bemerke die Motive und habe dann die Wahl, will ich weiter wütend sein, oder reagiere ich anders. Wenn ich dann mal anders reagiere habe ich bemerkt, dass das Gegenüber überrascht reagiert oder sich ganz neue Situationen ergeben.
    Dieses Nachdenken hat bei mir dazu geführt, dass ich die Wut nicht mehr so ernst nehme. Dass sie manchmal schon fast verraucht bevor sie überhaupt richtig entfacht ist.
    Oft bemerke ich aber auch dass ich leicht wütend werde oder mich ärgere, wenn ich übermüdet bin, oder angeschlagen. Wenn ich also bemerke, dass ich sehr müde bin, dann bin ich vorsichtiger und passe auf, sage mir also: " heute werde ich leicht wütend, also passe ich auf, und ich sollte heute Abend mal ne Stunde früher ins Bett."
    Das steht jetzt so nicht im Palikanon drinn, aber mir hat es geholfen, und ich finde es besser als loszuschlagen oder Wut zu verdrängen.

  • Chamäleon
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    29. März 2014
    • 8. April 2014 um 16:11
    • #42
    nyalaana:

    Ich habe festgestellt, dass mich meist diese Sachen ärgern, die ich selbst auch falsch mache, oder wo ich selbst einen Schwachpunkt habe. Das führte dann zu der Idee, dass ich oft in Wut gerate oder mich ärgere in Situationen wo der Andere das macht worüber ich mich selber über mich ärgere.

    Das empfinde ich seitenverkehrt. Am meisten ärgere ich mich über irrationales Verhalten. Der andere Mensch sagt Dinge, die ich nie sagen würde oder tut Dinge, die ich nie tun würde. Meine Wut verraucht, wenn ich mir vorstelle, ich wäre selbst irrational falls ich mich mit meinem Gegner auf eine Stufe stellen würde. Das verdanke ich auch meinem Namensvetter - dem Chamäleon. Dieses Tier kann sich buchstäblich schwarz ärgern. (Man sieht es an der schwarzen Hautfarbe). Ein Chamäleon wird dann schwarz, wenn es Dinge erlebt, die aus seiner Sicht nicht normal sind. :x

    P.S.: Es würde mich sehr wütend machen, wenn man mir "Rassismus" unterstellt, nur weil ich mich auf ein Tier beziehe, dass seine Stimmung durch Hautfarbe ausdrückt. So wäre es absolut irrational, ein Reptil mit einem Afrikaner zu verwechseln. (Da würden die Afrikaner am lautesten protestieren, denn in ihrer Heimat gibt es die meisten Chamäleons).

    Es gibt keine Freiheit ohne Wahrheit. Es gibt aber auch keine Wahrheit ohne Freiheit.

  • OlliP
    Gast
    • 8. April 2014 um 23:46
    • #43

    Es gibt ja das Prinzip die Eingänge zu den 5 Sinnen zu bewachen. Ich übe das seit einiger Zeit v.a. mit den Augen. Das hat erstaunliche Fortschritte gebracht. Ich habe eigentlich Jahrzehnte mit meinen Augen Reize geradezu in mich hineingesogen. Ich denke es ist analog wichtig den Eingang zu seinen Gedanken zu bewachen. Die Anfangsgedanken, die zu Wut führen, erkennen und ziehen lassen. Sie erhalten keinen Eingang in den Geist.

    Vor einigen Tagen lief mir im Bahnhof eine Frau entgegen, die mit jemanden zu sprechen schien. Wo sie hinschaute war aber niemand. Sie führte ganz heftige Selbstgespräche wie ich das noch nie gesehen habe. Als ich an ihr vorbeilief sah man das von Wut verzerrte Gesicht und dass ihre Selbstrede hasserfüllt war. Die Stimmung klang leidend und traurig. Mir war klar, dass sie ihre Wut nicht mehr kontrollieren kann und sich über Jahre in eine enorme Wut hineingesteigert haben muss. Wut, Hass, Ärger sind Geistesgifte, vor denen man sich in Acht nehmen muss. Sich davor zu schützen tut man für sich selbst. Sich selbst zu beherrschen um nicht einen schlechten Eindruck beim Chef zu machen oder sich nicht das Zeugnis zu vermiesen tritt zu kurz, denn die Bewachung des Eingangs zu seinen Gedanken macht man in Wirklichkeit für sich selbst um selbst gesund zu bleiben.

    Ich hatte mal eine Stelle mit ziemlich schrägen Leuten (Bänker ...). Ich habe immer durch Selbstbeherrschung meinen Ärger im Zaun gehalten, um mir eben das erwähnte Zeugnis nicht kaputt zu machen. Das war enorm anstrengend und manchmal ein Ritt auf Messers Schneide, wenn ich kurz vor dem Explodieren war. Den Eingang zu seinen Sinnen bewachen braucht ständige Übung, die man täglich machen muss so wie Zähne putzen. Aber das kostet sehr viel weniger Kraft als Selbstbeherrschung. Und mit Selbstbeherrschung kann man den Ärger nicht loswerden. Wenn man das ganz gut kann, sieht man, dass viele dieser Leute eigentlich nur krank sind und sich nicht mehr neutral von außen beobachten können. Manche Bänker sind von Gier kaputt gemacht. Sie sehen buchstäblich ihre Mitmenschen nicht mehr. Deswegen braucht man es gar nicht persönlich zu nehmen, denn sie haben keine unterscheidende Wahrnehmung mehr. Dann muss man nicht einmal mehr den Eingang zu den Gedanken bewachen. Jemand, der einfach nur krank ist, löst keinen Ärger aus, sondern nur Mitleid. Sobald man Mitleid empfindet ist man von Wut und Hass befreit.

    Ich habe im Geschäft jetzt jemanden, der von der Geschäftsleitung quasi die Firma übgeben bekommen hat. Sehr einfaches Verfahren, muss man keine Ahnung haben und auch nichts tun. Ich habe schon früh gemerkt, dass er nicht viel Ahnung hat. Kollegen von mir haben sich auch schon vielsagend angeguckt. Letztlich hat dieser Kollege eine Präsentation gemacht, die ziemlich inhaltslos war. Ich stellte eine paar Rückfragen. Die Antworten waren ausweichend oder einfach eine Verarsche. Da war es schon passiert und ich war für den Rest des Tages wütend. Wut kann dann aufsteigen, wenn der Geist aufhört präsent zu sein. Wäre ich geistig präsent geblieben und hätte beobachtet was da passiert, hätte ich nur mehrere Beobachtungen gemacht: "Dass die ganze Konzeption fehlt, versteht er nicht, da er ja Quereinsteiger ist. Er kommt ja nicht mal aus einem verwandten Beruf. Statt von den anderen zu lernen will er deren Chef sein. Er muss also ein großes Problem mit seinem Selbstwertgefühl haben.". Das witzige ist, dass einfach Beobachtungen machen überhaupt keine Anstrengung erfordert. Der Kopf rattert sowieso und anstrengen tut das überhaupt nicht. Sich gegen Wut wehren ist dagegen anstrengend.

    Jo, manchmal funktioniert das alles bei mir. Manchmal für 5 Minuten, manchmal für 5 Sekunden und manchmal etwas länger ;-). Aber ich merke, dass Meditation und lesen in buddhistischen Büchern um ein besseres Verständnis zu bekommen mir hilft und ich in kleinen Schritten mich aus dem Sumpf rausarbeite, in den ich über die Jahrzehnte reingesunken bin.

    Grüße, Oliver

    _()_ <-- ist nicht von mir, finde ich aber schön :)

  • OlliP
    Gast
    • 1. Mai 2014 um 13:55
    • #44

    Ich habe noch einen guten Spruch gefunden aus "Gelassen wie ein Buddha" von Ilona Daiker:

    "Erlauben Sie sich, die ganze Wucht dieser Emotionen zu spüren, ohne sie zu beurteilen. Nehmen Sie Ihren inneren Impuls wahr, die Wut zu unterdrücken oder auszuleben, und entscheiden Sie sich dann bewusst dafür, weder das Eine noch das Andere zu tun."

    Da ich seit Jahren ein Problem habe mit Wut und Ärger (ich schreie niemanden an oder sowas, aber ich kriege dann wirklich schlechte Laune), beschäftigt mich das Thema in diesem Thread schon. Ich habe mal wieder einfach so über Buddhismus gesurfed und diese scheinbar banale Aussage gefunden (auf dieser Seite: http://buddha-buddhism.com/buddhism.html):

    "Die (buddhistischen) Mönche folgen und lehren die drei Tugenden: Weisheit, Reinheit und Mitgefühl."

    Für Gifte verwendet man Gegengifte. Wenn es mit dem Mitgefühl noch schwer fällt, kann aber schon mit Reinheit ein Gegengift aufbauen. Wenn man sich über jemanden ärgert, steigt der Ärger in einem selbst auf. Dem kann man Reinheit entgegensetzen. Für mich war das jetzt eine wichtige Erkenntnis. Sonst habe ich versucht mit Argumenten dagegenzuhalten. Wenn der andere aber nicht argumentieren will, sondern sich nur selbst darstellen will, nützt das nichts. Man fühlt sich ohnmächtig und leidet. So jemanden reden lassen und selbst rein sein, ist das viel bessere Gegenmittel. Ich kann immer noch schauen, dass ich meine Punkte sammle. Und wenn nicht, halte ich durch Reinheit meinen Geist immer noch frei von Wut und Ärger.

  • Chamäleon
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    • 1. Mai 2014 um 14:28
    • #45

    Einen guten Spruch kenne ich aus Montenegro: "Ein Held ist derjenige, der andere vor sich selbst schützt." Zwar sind die Montenegriner keine Buddhisten, doch erinnere ich mich an den Spruch, bevor mir mal die Hand ausrutscht. Wutanfälle sind meistens spontan und vorübergehend. Da kann ein Mensch Dinge tun, die er später bereuen wird.

    Es gibt keine Freiheit ohne Wahrheit. Es gibt aber auch keine Wahrheit ohne Freiheit.

  • keks
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    • 3. Mai 2014 um 09:50
    • #46

    Da jeder ich ist macht es keinen Sinn auf jemand anderes wütend zu sein da man nur auf sich selbst wütend ist.
    Dazu braucht man kein Mitgefühl oder Gleichmut zu üben die Einsicht alleine reicht aus denn dadurch ergibt sich alles andere von selbst.
    Die EInsicht zu beschreiben ist schwierig weil man von einem Gedanken in den nächsten rutscht.
    Die Einsicht alleine ist das Ventil :)

    Bubu :clown::oops:

  • Lirum Larum
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    Buddh. Richtung
    Ich protestiere gegen den mangelnden Respekt vor den unterschiedlichen Traditionen.
    • 3. Mai 2014 um 09:59
    • #47
    keks:

    Da jeder ich ist macht es keinen Sinn auf jemand anderes wütend zu sein da man nur auf sich selbst wütend ist.
    Dazu braucht man kein Mitgefühl oder Gleichmut zu üben die Einsicht alleine reicht aus denn dadurch ergibt sich alles andere von selbst.
    Die EInsicht zu beschreiben ist schwierig weil man von einem Gedanken in den nächsten rutscht.
    Die Einsicht alleine ist das Ventil :)


    Gefällt mir. :)

    :rainbow: Gute Wünsche für jede und jeden. :tee:


  • Aiko
    Gast
    • 3. Mai 2014 um 11:12
    • #48
    keks:

    Da jeder ich ist macht es keinen Sinn auf jemand anderes wütend zu sein da man nur auf sich selbst wütend ist.


    Auf sich selbst - oder auf einen anderen, das ist kein Unterschied für die Wut. Man ist einfach wütend und Wut und Frust sind zwei der 5 Hindernisse.

    Zitat


    Dazu braucht man kein Mitgefühl oder Gleichmut zu üben die Einsicht alleine reicht aus denn dadurch ergibt sich alles andere von selbst.
    Die EInsicht zu beschreiben ist schwierig weil man von einem Gedanken in den nächsten rutscht.
    Die Einsicht alleine ist das Ventil :)

    So erkennen - ich bin wütend - oder "da ist Wut" ist ja eine Übung in der Satipatthana-Übung. Das ist aber nur die eine Seite. Die andere ist sich darin zu üben, sich zurück zu halten und die Wut im Inneren verrauchen zu lassen oder sie gebremst zum Ausdruck zu bringen. Das erfordert schon einiges an Übung.
    Frust hingegen - kann sich als Depression zeigen und ist das Gegenstück bzw. die Rückseite dieses emotionalen Struktur. Wenn man seine Aggression nicht auslebt, dann kann sich eine Depression zeigen, da diese meistens hinter der Wut sich versteckt.
    Es gibt dazu jede Menge praktischer Übungen im Buddhismus - einfach mal unter nivarana bzw hindrances googlen.
    Das bisher ganz brauchbare fand ich hier - ist aber in englisch.
    http://www.insightmeditationcenter.org/books-articles…ances-handouts/

  • Doris
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    • 3. Mai 2014 um 13:39
    • #49
    keks:

    Da jeder ich ist macht es keinen Sinn auf jemand anderes wütend zu sein da man nur auf sich selbst wütend ist.
    Dazu braucht man kein Mitgefühl oder Gleichmut zu üben die Einsicht alleine reicht aus denn dadurch ergibt sich alles andere von selbst.
    Die EInsicht zu beschreiben ist schwierig weil man von einem Gedanken in den nächsten rutscht.
    Die Einsicht alleine ist das Ventil :)

    Wenn mir jemand eins über die Birne brennt, bin ich nicht wütend auf mich. Das ist sehr klar. Ich finde auch keine Wut auf mich, so sehr ich auch danach suche.
    Ich bin und bleibe wütend darüber, dass mir ein ANDERER eines übergebraten hat.
    Ich bin auch nicht wütend darüber, dass ich wütend werde. Das wäre der dümmste aller Gründe für mich um wütend zu werden.
    Was mir hilft ist, mich nicht in die Wut hinein zu steigern, sie als Emotion also als Geistesbewegung zu erkennen. Dann schau ich, ob es hilfreich ist, was zu unternehmen oder die Wut einfach vergehen zu lassen. Diese zeitliche Verzögerungsschleife hat sich bisher als hilfreich erwiesen. In den meisten Fällen kann ich die Wut einfach vergehen lassen, und wo ich dann was unternehme – es ist ja nicht unbedingt eine glückliche Entscheidung im Hinblick auf die Folgen für die Gesellschaft, wenn ein Prügler ungestraft davonkommt –, dann ist das überlegt und hat eine andere Qualität, als wenn ich aus dem Impuls heraus entscheide.

    Ich brauche eigentlich kein Ventil. Ventil bedeutet, dass was in gepresster Form und gesteuert heraus darf. Wenn ich Zorn beispielsweise in Bewegung, also beim Sport, rauslassen würde, dann bekäme mir das nicht gut. Aber Sport hilft mir, mich zu konzentrieren, auch auf den Körper. Und so verschiebt sich der Fokus von der Wut auf das, was im Moment mit dem Körper, in der Bewegung geschieht. So reguliert sich sicher der Adrenalinspiegel. Aber es ist eben kein Ausagieren, Dampf ablassen oder so.
    Den gleichen Effekt haben für mich Singen, Sprechen, Malen, Tanzen, Häkeln, Kuchen backen, Balkon putzen, Wäsche bügeln usw. Es ist die Fokussierung, die den Geist beruhigt.

    Liebe Grüße
    Doris

    Der Sinn des Lebens besteht darin, Rudolph, dem Schwurkel, den Schnabel zu kraulen.

  • Aiko
    Gast
    • 3. Mai 2014 um 14:01
    • #50
    Zitat

    Es ist die Fokussierung, die den Geist beruhigt.

    Ach was - Geist ist weder ruhig noch unruhig - er ist einfach so. Und wenn du auch "einfach so" bist - also eins mit dem Geist - dann bist du eben so. Und dieses So kann alles sein - also du kannst alles sein. Ich fokussiere nur, wenn ich einen Faden durch ein Nadelöhr bringen muss - oder ein Kamel.

Ausgabe №. 135: „Achtsamkeit und Aktivismus"

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