Ich selbst habe ebenfalls im vollen Lotossitz gesessen. Deshalb fällt es mir schwer, den Lotossitz an sich zum Schuldigen zu erklären. Es handelt sich um eine sehr alte Meditationshaltung, die in unterschiedlichen buddhistischen und yogischen Traditionen seit sehr langer Zeit praktiziert wird. Daraus folgt natürlich nicht automatisch, dass sie für jedes Hüftgelenk und jeden Menschen risikofrei ist. Aber ebenso wenig lässt sich aus einem später festgestellten Hüftgelenksverschleiß ableiten, dass jahrelanges Sitzen im Lotossitz dessen Ursache gewesen sein muss.
Gerade deine eigene Schilderung zeigt doch, dass mehrere Faktoren denkbar sind. Wenn tatsächlich eine anatomisch ungünstige Form der Hüftpfanne vorlag, könnte diese beispielsweise schon lange vor den ersten Beschwerden bestanden haben. Ob und welchen zusätzlichen Einfluss eine bestimmte Sitzhaltung darauf hatte, wäre eine medizinische Frage, die man nicht allein anhand der zeitlichen Abfolge beantworten kann.
Natürlich, das habe ich ja auch damit ausgedrückt.
Noch einmal: damals, als wir Fünfziger-Jahrgänge Babys und Kleinkinder waren, kamen bei den Kleinen zu flache Hüftpfannen nicht selten vor und hätten korrigiert werden müssen. Das wurde aber nicht gemacht, weil man noch nicht erkannt hatte, wie wichtig diese Maßnahme ist.
Von Beruf MTA, musste ich für meine Berufsausbildung, vorweg und pflichgemäß (so war das damals, ist jetzt längst gestrichen), ein 6wöchiges Praktikum auf einer Krankenhausstation absolvieren. Es dauerte lange, bis ich einen freien Praktikumsplatz fand, denn wir waren ja die Babyboomer. Endlich gelang es, und ich hatte eine lange Anfahrt zu einem Kinderkrankenhaus, dort war ich auf der Baby- und Kleinkinderstation. Wir befinden uns jetzt in einem knapp 20 Jahre späteren Zeitfenster, 70er-Jahre. Inzwischen hatte man gelernt, die zu flachen Hüftpfannen in diesem frühen Alter zu korrigieren, und so gab es auf jener Station mehrere Kinder, die um das Becken herum eingegipst waren (Spreizhose).
Wenn Du meinen Text noch mal genau liest, siehst Du, dass ich ein Zusammenwirken unglücklicher Umstände sehe, nämlich, dass der Lotossitz, durch das Verdrehen des rechten Beins (rechter Unterschenkel kommt auf dem linken zu liegen, rechter Fuß auf dem linken Oberschenkel), eine [Über-]Spannung im rechten Hüftgelenk hervorruft, und dieses im Zusammenhang mit zu flachen Hüftgelenkspfannen kontraproduktiv wirkt.
Der Orthopäde hielt sich aber über diesen Tatbestand bedeckt, weil ihm wahrscheinlich so ein Gedanke noch nicht vorgekommen ist. Vielleicht hat er darüber nachgedacht - vielleicht aber blieb er bei dem, was er klassisch gelernt hat, und legte meine Bemerkung ad acta. Ich kann ihn nicht mehr erneut danach fragen, weil er sich inzwischen selbstständig gemacht hat und keine neuen Patienten mehr aufnimmt - seine Liste war nach kurzer Zeit schon voll.
Jedenfalls behandle ich meine leichten Beschwerden mit der Tens-Methode, und das reicht erstmal, denn für eine Hüftgelenks-OP ist es noch viel zu früh.
Wie alt bist Du denn, Hue32 ?