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Beiträge von Amdap

  • Der Neue wollte nur kurz "Hallo" sagen.

    • Amdap
    • 2. Juni 2026 um 07:36

    Hallo Marterra ,


    vielen Dank für die ausführliche Erklärung!

    Es ist hier selten, dass jemand so genau auf den Punkt kommt, eine ausführlichere Analyse aufzeigt oder hier mit tiefschürfenden Gedanken herauskommt.


    Dann stellen die beiden Vögel auf Deinem Logo sozusagen zugleich den relativen und den absoluten Aspekt der Erscheinung eines Lebewesens dar.

    Im buddhistischen Mahayana ist von den Zwei Wahrheiten die Rede:

    Einerseits: Samvriti-satya – die konventionelle, relative oder verhüllende Wahrheit:

    Menschen, Tische, Berge, Karma, Ursache und Wirkung existieren auf dieser Ebene.

    Die Welt funktioniert und ist nicht einfach eine Illusion im trivialen Sinn.

    Andererseits: Paramartha-satya – die höchste oder letztgültige Wahrheit.

    Alle Phänomene sind leer von einer eigenständigen, unabhängigen Existenz (śūnyatā).

    Diese Wahrheit ist nicht ein verborgenes Ding hinter den Erscheinungen, sondern die wahre Natur der Erscheinungen selbst.


    Die Lehre von den Zwei Wahrheiten ist zwar schon älter als der Buddhismus selbst, doch gerade der letzte Punkt unterscheidet Madhyamaka von vielen nicht-buddhistischen indischen Systemen.

    Madhyamaka ist geradezu die Philosophie Nāgārjunas. Wenn man von Madhyamaka spricht, denkt man normalerweise zuerst an ihn und seine Hauptschrift, das Mulamadhyamakakarika (Grundverse des Mittleren Weges).

    Der Name Madhyamaka kommt von madhyama = „Mitte“. Er knüpft an den frühen buddhistischen Begriff des „Mittleren Weges“ an, bekommt bei Nāgārjuna aber eine sehr präzise philosophische Bedeutung.


    Der "Mittlere Weg" bedeutet keinesfalls bloß ein Maßhalten im herkömmlichen Sinne, wie man meinen könnte, sondern:

    wenn man sich fragt, worin denn wirklich diese "Mitte" besteht, so sagt Nāgārjuna dazu,

    dass wir gewöhnlich in Extreme verfallen:

    Eternalismus: Dinge besitzen ein eigenes, dauerhaftes Wesen.

    Nihilismus: Nichts existiert überhaupt, alles ist bedeutungslos.

    Die Mitte liegt weder in dem einen noch in dem anderen.


    Ein berühmter Gedanke bei Nāgārjuna lautet:

    Weil Dinge abhängig entstehen, sind sie leer.

    Weil sie leer sind, können sie entstehen.

    Das ist der Kern seiner Philosophie. Er sagt nicht: "Nichts existiert", sondern eher:

    "Nichts existiert auf die Weise, wie wir es für gewöhnlich annehmen."

    Aber keines dieser Dinge existiert unabhängig, aus sich selbst heraus oder als festes Wesen.


    Für Nāgārjuna sind die zwei Wahrheiten nicht zwei verschiedene Welten:

    Auf der relativen Ebene gibt es Menschen, Berge, Ursache und Wirkung, Buddhas, Leiden und Befreiung.

    Auf der absoluten Ebene erkennt man, dass all diese Phänomene leer von Eigenwesen sind.


    Das ist ein wichtiger Unterschied zum Advaita Vedānta (---> Hinduismus). Dort könnte man vereinfacht sagen:

    "Hinter der Erscheinungswelt steht Brahman.",

    aber Nagarjuna würde sagen: "Hinter der Erscheinungswelt steht nichts; ihre Leerheit ist gerade ihre abhängige Existenz."

    Das ist typisch für den Tibetischen Buddhismus. Die großen tibetischen Schulen betrachten Madhyamaka gewöhnlich als die höchste philosophische Sichtweise, auch wenn sie sich über Details streiten (diese Feinheiten sind etwas für Spezialisten, das lasse ich hier mal weg).


    Gerade dieser Punkt macht Nāgārjuna so radikal und erklärt, warum seine Philosophie bis heute sowohl Buddhisten als auch westliche Philosophen fasziniert. Sie ist weder realistischer Substanzmetaphysik noch einfachem Nihilismus zuzuordnen und versucht konsequent, beide Extreme zu vermeiden: wer die Leerheit zu einer neuen metaphysischen Substanz macht, hat die Lehre nicht verstanden. Deshalb gibt es im Madhyamaka letztlich keinen „Brahman-Ersatz“. Die absolute Wahrheit ist nicht ein verborgenes Etwas, sondern die Einsicht, dass alle Dinge ohne Eigenwesen und nur in wechselseitiger Abhängigkeit bestehen.

    Das ist sehr tiefgründig, und gerade dieser Punkt macht Nāgārjuna so radikal und erklärt, warum seine Philosophie bis heute sowohl Buddhisten als auch westliche Philosophen fasziniert. Sie ist weder realistischer Substanzmetaphysik noch einfachem Nihilismus zuzuordnen und versucht konsequent, beide Extreme zu vermeiden.


    Puuuh, das ist erstmal schwere Kost, nicht wahr?

    Und Deine zwei Vögel in Deinem Logo haben mich darauf gebracht, gerade weil sie als ein Symbol aus dem Hinduismus stehen.

    Auf den ersten Blick gibt es keine philosophische Verbindung zwischen diesen beiden Vögeln, und den zwei Raben Odins auf meinem schönen Holzrelief, siehe oben.

    Es gibt allerdings eine andere Verbindung, wie mir scheint, und die ich persönlich spannend finde.

    (Zur Erinnerung: Huginn = Gedanke, Denken, Reflexion; Muninn = Erinnerung, Gedächtnis, Bewusstsein des Gewesenen).

    Jeden Morgen fliegen die beiden Raben in die Welt hinaus und kehren abends zu Odin zurück, um ihm zu berichten, was sie gesehen haben.

    Man könnte darin eine Art Doppelbewegung erkennen:

    die Vielfalt der Erscheinungen der Welt, und die integrierende Erkenntnis, die alles wieder auf einen Zusammenhang bezieht.

    Das erinnert entfernt an die buddhistische Spannung zwischen konventioneller und letztgültiger Wahrheit.

    Aber wenn man die Analogie etwas präziser machen wollte, würde ich sie anders formulieren:

    Huginn und Muninn bewegen sich in der Welt der Unterschiede: Menschen, Ereignisse, Geschichten, Erinnerungen, Gedanken.

    Das entspricht eher der relativen Wahrheit.

    Odin selbst sitzt im Zentrum und empfängt die Berichte. Man könnte ihn symbolisch als die integrierende Perspektive verstehen, die die Vielheit überschaut.

    Doch genau hier beginnt das Problem:

    Im Madhyamaka gibt es gerade kein oberstes Subjekt, das die letztgültige Wahrheit besitzt oder verkörpert. Die Analogie würde also genau an dem Punkt brechen, der Nāgārjuna wichtig ist.


    Es gibt allerdings eine andere Verbindung, die ich persönlich spannender finde.

    Huginn und Muninn sind keine Dinge, die Odin besitzt wie Werkzeuge. In manchen Quellen wirkt Odin sogar besorgt, dass sie eines Tages nicht zurückkehren könnten.

    Das bedeutet: Erkenntnis ist nicht statisch, Wissen muss immer wieder neu errungen werden, und die Welt zeigt sich nur in einem ständigen Prozess.

    Diese Dynamik hat tatsächlich etwas, das an buddhisches Denken erinnert: keine feste Substanz, sondern fortlaufende Beziehungen und Prozesse.


    Nun schließe ich vorläufig, sonst wird das hier zu lang -

    obwohl mir noch Weiteres dazu eingefallen ist.

  • Wie geht ihr damit um, wenn nahestehende Menschen euren Glauben nicht ernst nehmen?

    • Amdap
    • 1. Juni 2026 um 07:48
    Tim1:

    Ich kommuniziere kaum, dass ich Buddhist bin, nicht aus Scham sondern, weil es Niemand etwas angeht.

    Meine Erfahrung: ...und weil es kaum jemanden interessiert.

    Haben sie doch etwas mitbekommen, dann kursieren verzerrte Vorstellungen: ich "glaube an den Buddha als einer Art Gott"; das Nirvana sei entweder das Nichts, oder so eine Art Paradies wie im Christentum, nur mit ausgetauschten Figuren; der Dalai Lama sei so eine Art Papst der Buddhisten; ich "halte es für möglich, mit demselben Ich wie aktuell, als Ameise wiedergeboren zu werden".... und vieles mehr.

    Ich fange nicht mehr an, darüber zu diskutieren. Sie wollen auch nicht diskutieren, sondern bevorzugen Schubladendenken, weil es sie beruhigt. "Identifiziert", "erfasst", "benannt" und "einsortiert". Fertig. Sobald dies geschehen ist, geht's zum nächsten Thema über, Small Talk eben.

    Da ich solche Art der Konversation hasse, habe ich mich zurückgezogen und kann mir zum Glück diesen Luxus leisten.

  • Der Neue wollte nur kurz "Hallo" sagen.

    • Amdap
    • 1. Juni 2026 um 06:55

    Hallo Marterra ,


    Du hast Dir da ein für mich sehr interessantes Logo ausgewählt!

    Ich habe mir nämlich vor ein paar Wochen online ein wunderschönes Holzrelief bestellt mit ca. 40 cm Durchmesser.

    Es stellt aus der germanischen Mythologie den Weltenbaum Yggdrasil dar, am Stamm ringelt sich die Schlange, und für mich ganz wichtig: die zwei Raben Huginn und Muninn.

    Der Inhalt kann nicht angezeigt werden, da du keine Berechtigung hast, diesen Inhalt zu sehen.

    In der germanischen Mythologie steht Yggdrasil für die gesamte Weltordnung, die Schlange/Drache Níðhöggr für Zerstörung und Verfall an ihren Wurzeln, und Odins Raben Huginn und Muninn für Denken und Erinnerung. Zusammen zeigen sie das Zusammenspiel von Wissen, Leben, Ordnung und unvermeidlichem Vergehen.


    Das Relief hängt jetzt bei mir über der Eingangstür vom Eingangsflur zum Wohnzimmer, auf der Innenseite (Wohnbereich).


    Ich sehe natürlich, dass Dein Logo keine zwei Raben enthält, sondern zwei andere Vögel.

    Auch sehe ich, dass die Abbildung bei Dir von einem Spruch eingefasst ist, aber der ist zu klein, ich kann das leider nicht lesen.


    Mit dem Baum, rund eingefasst, haben wir ja schon mal was gemeinsam.

    Was bedeutet das für Dich, und warum hast Du Dir dieses Logo ausgesucht?

    Und ein klassischer Buddhist bin ich auch nicht.

  • Tibetischer Buddhismus „Selbststudium“ Hilfe

    • Amdap
    • 20. Mai 2026 um 06:42

    Igor, ich gehe jetzt raus.

    Treib Deinen Schwurbelspaß hier alleine weiter.

  • Tibetischer Buddhismus „Selbststudium“ Hilfe

    • Amdap
    • 20. Mai 2026 um 06:00
    void:

    Während der Theravada-Buddhismus stark auf dem Studium des Pali-Kanons basiert, ist es doch bei Vajrayana so, dass dieser auf einer tantrischen Praxis beruht, bei der sämtliche Schulen des tibetischen Buddhismus übeteinstimmend sagen, dass diese auf die Übertragung durch eine qualifizierte Lehrperson

    angewiesen ist, um Probleme zu vermeiden.


    Allerdings gibt es gerade im Gelug auch eine theoretische Annäherung durch den Lamrim z.B in den Werken von Gampopa ( "Der kostbare Schmuck der Befreiung und Tsongkhapa (" Die große Abhandlung über die Stufen des Pfades zur Erleuchtung (Lamrim Chenmo)"


    Von daher würde dir jeder dazu raten, eben Kontakt zu einer buddhistischen Tradition aufzubauen.

    Alles anzeigen

    Es scheint so, dass Yasuo sich nur informieren wollte, da er im Zen verankert ist.

    Hat allerdings zurzeit keinen Lehrer, falls das noch aktuell ist.

    Und Du schreibst: "...ist es doch bei Vajrayana so, dass dieser auf einer tantrischen Praxis beruht, bei der sämtliche Schulen des tibetischen Buddhismus übereinstimmend sagen, dass diese auf die Übertragung durch eine qualifizierte Lehrperson angewiesen ist, um Probleme zu vermeiden."

    Hierzu möchte ich daran erinnern, dass ich (siehe auf S. 1, Beiträge Nr. #18/20) geschrieben habe, dass ich selbst gerade keinen Lehrer habe. Formell habe ich zwar einen, aber nicht wirklich. Das hat sich aus meinen Erfahrungen, und den Gesprächen mit dem Lehrer, so ergeben; wir redeten immer aneinander vorbei. So sehe ich mich auf dem spirituellen Weg wie das "einsame Nashorn" (Khaggavisana Sutta); gemeint ist die radikale Unabhängigkeit des spirituell Suchenden - frei von Anhaftung, Streit und sozialer Verstrickung.

    Meine "Problemvermeidung" besteht gerade in dem Abstand. Falls "mein Lehrer" glaubt, er sei mein Lehrer: innerlich habe ich mich von ihm längst verabschiedet.


    Und JoJu91 schrieb, dass er eigentlich Dzogchen praktizier(t)e - welches die vorherrschende Praxis bei den Nyingmas (und Bön) ist - , dass er aber lieber zum Praktizieren in eine Zen-Gruppe ging, weil ihm die tibetischen Gruppen in seiner Nähe irgendwie unheimlich erschienen.

    Warum eigentlich, JoJu91 ?

    Wie ich bereits schrieb, unterscheiden sich Zen und Dzogchen doch gewissermaßen, hier kurz auf den Punkt gebracht:

    Zen: direkte Einsicht in die Natur des Geistes durch stilles Sitzen, Achtsamkeit und oft strenge Praxis — „einfach sitzen“.

    Dzogchen: unmittelbares Erkennen des bereits vollkommenen ursprünglichen Gewahrseins (Rigpa) - üblicherweise durch direkte Einführung eines Lehrers.

    Als "Kurzform von der Kurzform" könnte man sagen: Zen betont das Durchdringen durch Praxis; Dzogchen das unmittelbare Erkennen dessen, was schon da ist.


    Jedoch, void , wie kommst Du auf Gampopa, im Zusammenhang mit den Gelugs?

    Gampopa war ein großer Lehrer der Kagyü-Schule und ein Hauptschüler von Milarepa. Er verband dessen Mahamudra- und Meditationsübertragung mit den klösterlichen Lehrtraditionen. Dadurch wurde er zu einer Schlüsselfigur der späteren Kagyu-Traditionen.

  • Tibetischer Buddhismus „Selbststudium“ Hilfe

    • Amdap
    • 19. Mai 2026 um 11:14

    Igor07 :


    Jaaa.

    Aber es reicht jetzt wirklich.

    Zum X-ten Mal,

    und Punkt.

  • Tibetischer Buddhismus „Selbststudium“ Hilfe

    • Amdap
    • 19. Mai 2026 um 10:58

    Igor, das haben wir von Dir nun schon zum X-ten Mal gehört.


    Keiner hier ist blind oder schwerhörig.


    Wenn Du damit ein schwerwiegendes Problem hast, wäre es nicht verkehrt, professionelle Hilfe zu suchen.

    Aber bei diesem Thema ist Deine Abschweifung auf immer wieder Dasselbe fehl am Platze.

    Es wäre besser, sachliche Diskussionen auch sachlich zu lassen und sich nicht immer mit einem persönlichen Problem, auch noch grell-plakativ, einzumischen und zu stören. Nur bei einem kleinen Stichwort (hier: "Bön", das ich kurz mit einbezogen hatte) bist Du schon wieder so getriggert, dass Du sofort alles aufmischen musst.

    Übe doch mal Selbstbeherrschung, das ist eine hohe Tugend auf dem buddhistischen Pfad. Das ist doch nicht zu viel verlangt, das gehört zu den Grundübungen.


    Davon mal abgesehen:

    "Den feinstofflichen Körper aktivieren" von Tenzin Wangyal Rinpoche, das Buch besitze ich selbst auch. TWR ist ein hoch anerkannter und respektierter Meister.

    Hier allerdings geht es um ein ganz anderes Thema. Bitte respektiere das und lass ein für allemal diese sachliche Diskussion hier in Ruhe.


    Im Übrigen erinnere ich daran, dass Du (Deine Antwort Nr.#31) keine weiteren Beiträge mehr schreiben wolltest, doch hier wirfst Du das schon nach kurzer Zeit wieder über den Haufen. Sei doch konsequent. Konsequenz ist die Schwester der Selbstbeherrschung.

  • Tibetischer Buddhismus „Selbststudium“ Hilfe

    • Amdap
    • 19. Mai 2026 um 08:08
    JoJu91:

    Wenn man von der äusseren Form absieht, den Ritualen u.s.w., und die Essenz betrachtet, sind Zen und Dzogchen sehr gut kompatibel.

    Ich habe die Dzogchen-Meditation in einer Zen-Gruppe praktiziert, weil mir die tibetischen Gruppen in meiner Nähe damals ein wenig unheimlich erschienen.


    Zen und Dzogchen betrachten den wachen Geist, während er nicht denkt,

    und führen dadurch - hoffentlich - eines Tages zu einem Erwachen durch unmittelbares Erkennen der Geistesnatur.


    :om::zen:

    Alles anzeigen

    Das hast Du bestens auf den Punkt gebracht,

    wenn auch dabei die "Geschmäcker" und "Nuancen" sich unterscheiden!

  • Tibetischer Buddhismus „Selbststudium“ Hilfe

    • Amdap
    • 19. Mai 2026 um 08:06

    Vielen Dank für Deine Rückmeldung, Matthie .


    Es ist sehr wichtig, auf diesem Gebiet Unklarheiten aufzulösen.

    Gerade das hat Lama A. Govinda getan, das ist sein Verdienst.


    Schaut man auf den riesigen esoterischen Markt, so sträuben sich einem die Haare.

    Daher bin ich froh, dass es solche sachlichen Bücher gibt, vor allem, dass sie schon in der Frühzeit der Bekanntwerdung tantrischer Methoden in der westlichen Welt erschienen.

    Trotzdem schützt das ja nicht vor Missbrauch durch ganz eigene Herangehensweisen und Interpretationen, wie gerade hier an einer Beispielperson gesehen.

    Doch wer aufrichtig und behutsam nach Klarheit sucht, nach einer "spirituellen Landkarte" zur Orientierung, der findet sie auch.


    Es liegt bei jedem in dessen eigener Verantwortung, wie er/sie mit den Inhalten umgeht.


    ----------------------------------------


    Der Buddhismus hat auf seiner Wanderschaft in andere Länder ziemlich Vieles, was dort vorhanden war, assimiliert.


    Ja, Yoga spielt auch eine Rolle im Buddhismus, aber nicht überall. Jedenfalls, das war dem Buddha nicht fremd, immerhin ist der Buddha in hinduistischer Kultur aufgewachsen und mit Sicherheit hat er auf seinem spirituellem Weg Yoga geübt (wir Westler verstehen landläufig das darunter, was eine bestimmte Sparte im Yoga ist: Hatha-Yoga).

    Was den Yoga im tantrischen Buddhismus betrifft, da ist es noch ein bisschen anders gekommen, Ich will hier aber nicht die zwei Ausbreitungswellen, die stark von der damaligen Politik beeinflusst waren, aufdröseln. Sondern es geht mir vor allem darum, dass im Wesentlichen den tantrischen Buddhismus hier geprägt haben:

    Yogamethoden aus Indien, und vorhandenes Bön, das damals ziemlich schamanistisch geprägt war.

    Die Yogamethoden wurden integriert, aber das ist nicht ganz der richtige Ausdruck, sondern es gab jahrhundertelang eine gegenseitige Wechselwirkung und Beeinflussung; wichtig ist aber zu sagen: das Gerüst, auf dem sie basierten, war ein anderes (siehe mein Post Nr.#34).

    Interessanterweise blieb dadurch auch der Hinduismus nicht unbeeinflusst, Letztendlich kann man beides historisch nicht mehr präzise nachverfolgen - die Methoden hat sich sozusagen gegenseitig befruchtet. Trotzdem ist es heute so (da vergegenwärtigst Du Dir am besten meine Tabelle in #34), dass beide eigene Systeme sind.

    Über das Bön kann man heute nicht mehr sagen, dass es sich maßgeblich am Schamanismus orientiert, denn auch hier haben sich Bön und Buddhismus gegenseitig gestärkt und beeinflusst. Einiges im Buddhismus stammt eindeutig aus dem Bön, z. B. das Staatsorakel des Dalai Lama, oder solche geflochtenen Häuschen, um "Geister zu fangen", oder ähnlich geflochtene Amulette usw. Geht man aber heute auf ein Bön-Kloster zu, denkt man auf den ersten Blick, es sei ein buddhistisches Kloster. Erst auf den zweiten Blick merkt man, dass es anders ist: die Statuen und Thankghas z. B., oder dass das Umkreisen eines heiligen Monuments nicht rechtsherum, sondern linksherum zu vollziehen ist. Auch das Grundmandala ist ganz anders, jedoch nach gleichen Prinzipien aufgebaut, und mit Äquivalenten zu den Dhyani-Buddhas.

    Der Dalai Lama hat das Bön als fünfte Tibetische Linie anerkannt.


    Nun, das sollte hier erstmal als Anregung genügen.

  • Tibetischer Buddhismus „Selbststudium“ Hilfe

    • Amdap
    • 19. Mai 2026 um 06:26

    Vielen Dank, crocus .

    _()__()__()_


    Ich habe aus gegebenem Anlass nach längerer Zeit gerade wieder reingeschaut.


    Vor allem konnte ich mich nicht erinnern, dass L.A.G., wie Igor schreibt, von A. Avalon "begeistert" gewesen sei. Govinda nennt Avalon im Zusammenhang mit seinen Analysen wenig, mit einer Ausnahme (S. 168), bei der er ausführlich den Unterschied der Zentren psychischer Kraft (Chakren) zwischen der Tradition des Kundalini-Yoga (ab S. 161) - wobei er sich zur näheren Erläuterung zweier zeichnerischer Darstellungen aus Avalons Werk bedient - und dem buddhistisch-tantrischen System erklärt.

    Beide Systeme (Hinduismus: 7 Chakren, Buddhistisches System: 5 Chakren) stammen aus unterschiedlichen spirituellen Kontexten und haben unterschiedliche Zielsetzungen.


    Wichtig ist dabei vor allem:

    1. Das hinduistische Kundalini-System (besonders bei Avalon, "Die Schlangenkraft") ist primär ein aufsteigendes Energie-Modell.

    2. Das tibetisch-buddhistische Chakren- und Nadi-System ist stärker in Meditation, Bewusstseinsintegration und Bodhicitta eingebettet.

    3. Die Chakren sind daher nicht einfach „dieselben Zentren mit anderer Anzahl“, sondern Teil verschiedener spiritueller Landkarten.


    Wir haben das im Orden sogar tabellarisch ausgearbeitet, ich bemühe mich mal hier:

    ThemaHinduistisches Kundalini-Yoga (7 Chakren)Tibetischer tantrischer Buddhismus (meist 5 Chakren)
    GrundmodellAufstieg der Kundalini-ShaktiTransformation von Bewusstsein und subtilen Energien
    HauptbewegungVon unten nach obenSammlung, Integration, oft Rückführung ins Herz
    ZielVereinigung von Shakti und ShivaVerwirklichung von Bodhicitta und Buddha-Natur
    Chakra-ZahlMeist 7 HauptchakrenHäufig 5 Hauptchakren
    HerzfunktionÜbergangsstufeZentrales Integrationszentrum
    SymbolikKosmische EvolutionLeerheit + Mitgefühl
    EnergieverständnisErweckung einer schlafenden KraftArbeit mit Windenergien (prana/lung) und Geist
    PraxisfokusErweckung/AufstiegStabilisierung, Auflösung dualer Wahrnehmung
    Gefahr des VermischensEnergetische DysbalancenVerlust systemischer Kohärenz

    Tantrischer Buddhismus:
    Die Rückführung ins Herzzentrum ist tatsächlich ein zentraler Unterschied. Im Vajrayana — besonders in bestimmten Mahamudra- und Dzogchen-nahen Traditionen — gilt das Herz nicht bloß als eines unter mehreren Zentren, sondern als eigentlicher Sitz der integrierten Erkenntnisnatur. Das entspricht Upeksha/Gleichmut und der Verkörperung der Bodhisattva-Haltung in der Welt.


    Hinduismus:

    Im klassischen Kundalini-Yoga dagegen ist der Höhepunkt oft das Durchstoßen des Scheitelzentrums (Sahasrara), also Transzendenz durch Aufstieg. In nahezu allen buddhistischen Tantras wäre ein bloßes „Hinaufsteigen“ sogar unvollständig, wenn die Erkenntnis nicht wieder in Mitgefühl, Verkörperung und Alltagsbewusstsein integriert wird.


    Hier sehen wir zwischen beiden Übungswegen einen himmelweiten Unterschied, den Igor leider verwischt, da er mit seiner ganz eigenen Botschaft auf sich selbst aufmerksam machen will.


    Igor äußerte, dass es im ganzen Buch sehr viele Hinweise auf Yoga und auf "all diese geheimen Kanäle des sogenannten feinstofflichen Körpers" gebe, "der übrigens wissenschaftlich nicht nachgewiesen" sei.

    Natürlich nicht, und das hat hier ja auch keiner behauptet - Govinda schon gar nicht, wohlgemerkt.

    Hierzu lässt sich ergänzen:

    Auch die unterschiedlichen Farben und Symboliken sind kein nebensächliches Detail. Sie zeigen, dass die Chakren nicht als anatomisch feste „Objekte“ verstanden werden, sondern als funktionale Meditationsfelder innerhalb verschiedener symbolischer Systeme.


    Bei Arthur Avalon (hinduistisch) sieht man sehr deutlich:

    Sanskrit-Tantra,

    Shakti-Metaphysik,

    aufsteigende Schlangenkraft,

    spezifische Bija-Mantras,

    lotosförmige Zentren mit festgelegter "Bütenblätter"-Zahl.


    Im tibetischen System dagegen:

    spielen Kanäle (tsa), Winde (lung) und Tropfen (thigle) oft eine größere Rolle als die Chakren selbst,

    variieren Zahl und Position der Zentren je nach Tantra,

    ist die Symbolik stärker mit Buddha-Familien und Bewusstseinsqualitäten verbunden.


    Im Orden Arya Maitreya Mandala wurde vor Vermischung gewarnt , das entspricht deshalb einer traditionellen Vorsicht. Nicht unbedingt, weil eines „richtig“ und das andere „falsch“ wäre, sondern weil jede Praxis ein in sich geschlossenes psycho-spirituelles System bildet. Wenn man Methoden unterschiedlicher Systeme kombiniert, ohne die jeweilige innere Logik zu verstehen, kann die Orientierung verloren gehen — gerade bei subtilen Energiepraktiken.

    Daher ist von "Yoga und sehr verschiedene Stile" zu praktizieren eindringlich abzuraten.


    Nochmals:

    im tantrischen Buddhismus steht nicht die "Erweckung nach oben" im Mittelpunkt, sondern Integration ins Herz und Umsetzung in Bodhisattvaschaft.

    Dazu haben wir, bevor es "übungstechnisch" ans Eingemachte ging, in einer besonderen Zeremonie die Bodhisattvagelübde abgelegt.

  • Tibetischer Buddhismus „Selbststudium“ Hilfe

    • Amdap
    • 18. Mai 2026 um 18:31

    :roll::silent::cry:

  • Tibetischer Buddhismus „Selbststudium“ Hilfe

    • Amdap
    • 18. Mai 2026 um 17:58

    Dann hast Du es gar nicht gelesen.

  • Tibetischer Buddhismus „Selbststudium“ Hilfe

    • Amdap
    • 18. Mai 2026 um 17:34

    Von welchem Buch sprichst Du denn hier, Igor?


    Jedenfalls nicht von einem Buch, von dem bei mir hier die Rede ist.

    Wahrscheinlich meinst Du "Die geheimen Dakini-Lehren..." usw., was verrückter-narr empfohlen hat und was mich veranlasst hat, eindringlichst darauf hinzuweisen, dass man für solche Art Bücher die Grundlagen kennen muss, wie sie in "Grundlagen Tibetischer Mystik" von Lama A. Govinda behandelt werden, als eine Landkarte zur Orientierung. Dem einzigen Buch, das in meiner langen "spirituellen Laufbahn" erschien, das imstande war, einen Wegweiser mit klarer Struktur aufzuzeigen durch den Irrgarten der bunten tibetisch-buddhistischen Welt.


    Ich weiß, dass Du von allen möglichen Stichworten animiert und gedrängt bist, das Vajrayana, mehr oder weniger passend, und immer aus Deiner Sicht, beinahe zwanghaft stets mit [entarteter] Sexualität in Verbindung bringst.

    Das ist auch ein Hauptgrund, warum ich vorübergehend hier lange geschwiegen habe.

    Warum das bei Dir so ist, weiß ich natürlich nicht. Möglicherweise hast Du auf solchem Gebiet traumatische Erlebnisse gehabt.


    Jedenfalls, als Du dann zu allem Überfluss auch noch den unbescholtenen Lama A. Govinda und seine Gemeinschaft als Missbrauchs-Person darstelltest, war meine Schmerzgrenze überschritten und ich zog es vor, mich zurückzuziehen.

    Jetzt hast Du dieses Thema hier gefunden, weil Du alle Themen findest, und nun soll es erneut von vorne losgehen.

    Wenn Du es denn so willst und weiter verletzen willst, indem Du Dich immer derselben Instrumente bedienst, ohne das Ganze von innen zu kennen, dann werde ich mich wieder zurückziehen.

    Das ist sehr traurig, aber ich sehe da keinen anderen Ausweg.


    Wie dem auch sei: als einst Lama A. Govinda von den Eskapaden des Tschögyam Trungpa hörte, regte er sich so auf, dass er einen Schlaganfall erlitt und von da an sich nach der Erholung nur noch im Rollstuhl fortbewegen konnte. Er lebte dann nicht mehr lange und starb 1985. Ich bedaure, dass ich ihn nicht mehr kennenlernen konnte.

    Das sollte Dir hier genügen, wenn Du Takt- und Feingefühl hast.

  • Tibetischer Buddhismus „Selbststudium“ Hilfe

    • Amdap
    • 18. Mai 2026 um 12:48

    Yasuo :


    Was meine Praxis betrifft, das soll ja hier nicht im Vordergrund stehen.

    Allerdings hat sich das aus dem Gespräch so ergeben.


    Wichtig ist mir nach wie vor, hervorzuheben, dass die von verrückter-narr empfohlenen Bücher zu studieren nur Sinn macht, wenn man mit dem Grundgerüst vertraut ist, da man nur so damit etwas anfangen kann, und es war und ist mir ein Anliegen, darauf hinzuweisen, dass von den vielen Büchern, die mir diesbezüglich begegnet sind, das Buch "Grundlagen Tibetischer Mystik" von Lama Anagarika Govinda das einzige seiner Art ist, das ein wohlsortiertes Gerüst der Grundlagen rüberzubringen imstande ist.

    In diesem Zusammenhang wies ich außerdem darauf hin, dass man das noch optimieren kann, wenn man dieses Buch zusammen mit "Gleich dem Lotos" von Eugen Schnurr studiert.


    Mehr wollte ich ursprünglich gar nicht dazu sagen.


    Speziell für Dich fiel mir allerdings noch ein, in Kurzform auf die Ähnlichkeit des Dzogchen mit dem Zen hinzweisen, doch auch die Unterschiede anzumerken.

  • Tibetischer Buddhismus „Selbststudium“ Hilfe

    • Amdap
    • 17. Mai 2026 um 05:45
    mooncake:
    Amdap:

    Bei den Traditionstibetern dagegen ist jede Puja auf die jeweilige Gottheit abgestimmt und hat immer Opferungscharakter, wobei die Mandala-Grundlage für den Ausführenden unklar bleibt. [Beim AMM und Nachfolger:] Die ganz individuelle Praxis ist da weniger unmittelbar mit der Puja verbunden, als bei den Traditionstibetern.

    Danke Amdap für Deinen Erfahrungsbericht!!!


    Was ist den mit den Traditionstibetern gemeint? Sind das traditionelle Schulen im Vergleich zu nicht traditionellen Tibetischen Schulen? Habe das nicht wirklich verstanden und wäre für Deine Aufklärung sehr dankbar.


    _()_

    Alles anzeigen

    (Anm.: zum besseren Durchblick meiner Ausführung habe ich hier [im "Kasten im Kasten"] eine kleine Ergänzung in grüner Schrift vorgenommen; meinen Original-Post #22 kann ich ja leider nicht mehr ändern)


    Die traditionellen Tibetisch-buddhistischen Schulen sind schlicht und einfach das, wie sie bezeichnet werden: sie stammen aus dem tibetischen Kulturraum und folgen ihren Traditionen.

    Dabei gibt es in den Linien im Wesentlichen zwei Formen:

    1. das Tulku-System und 2. das Wahl- oder Ernennungssystem.

    Zu Recht kann man das "Linien" nennen, in denen die jeweilige Lehre und Kultur weitergetragen wird, wobei sich im Grunde die Linien in der Kernphilosophie doch nahe stehen, nur sie praktizieren unterschiedliche Schwerpunkte.


    Den Orden Arya Maitreya Mandala kann man aber nicht dazuzählen, da Lama Anagarika Govinda eine kompatible Modifikation für Westler herausgearbeitet hat, wenn auch mit ausdrücklicher Erlaubnis seines Gurus Tomo Geshe Rinpoche. Zugleich hält sich L.A.G. streng an die buddhistischen Grundlagen, andernfalls hätte T.G.R. ihm das alles auch nicht erlaubt.

    Ich habe weiter oben betreffs "Arya Maitreya Mandala" von "zwei Linien" gesprochen, weil mir kein besseres Wort dafür eingefallen ist, weise aber darauf hin, dass die Nachfolger von L.A.G. die Bezeichnung "Linie" vermutlich eher von sich weisen würden.


    -----------------------------------


    Noch eine Anmerkung zu meinem Post Nr. #22:

    So, wie ich es zusammengefasst dargestellt habe, erscheint die Puja des AMM trocken, und streng aufgebaut. Im Grundgerüst ist sie das ja auch, aber ich hebe hier doch hervor, dass sie Spielraum lässt für eigene Ausdrucksform. Wasser und vor allem brennende Kerzen spielen hier eine große Rolle - die Weitergabe von Licht von Teilnehmer zu Teilnehmer, sowie die Verteilung von Prasad. Das ist sehr berührend, und tatsächlich noch tiefempfundener als eine traditionstibetische Puja..

  • Tibetischer Buddhismus „Selbststudium“ Hilfe

    • Amdap
    • 16. Mai 2026 um 12:36
    pano:

    Amdap wenn ich da mal ganz gezielt nachfragen darf: bei A Govinda wie muss man sich das vorstellen ? Gab’s da dann so eine textsammlung wie so ein Handbuch zu einer katholischen Messe? Oder war das eher so ad hoc zusamengesetzt aus Texten ?

    Es gab ein Begleitheft zum Andachtsritual, dazu ein sehr langes Vorwort von Lama A. Govinda.


    Zur Durchführung der Puja brauchte es einen Zelebranten (Pujari), welcher zusätzliche Aufgaben am Schrein hatte und der Gruppe gegenüber stand.


    Die Puja bestand aus zwei Teilen, der erste hatte mantrischen Charakter, der zweite bestand aus Pali-Texten, die aus dem Theravada-Buddhismus stammen.

    Ich habe weiter oben gesagt, dass die AMM-Puja keine eigentliche Opferungspuja ist wie bei den Traditionstibetern, das stimmt aber nicht ganz.

    Es beginnt tatsächlich mit einem [vierteiligen] Opferungsteil, der allein dem Pujari vorbehalten ist und wozu er auch allein rezitiert. Die vier Teile symbolisieren gleichzeitig die Elemente, es sind:

    Weihrauch, Licht, Blumen und Nahrung. Dieses ist dem eigentlichen Meister, bzw. dem Buddha,

    gewidmet und nicht, wie bei den Traditionstibetern, jeweils einer speziellen Gottheit (wozu es dort auch sieben, nicht vier Opfergaben gibt).

    Dann folgt die Gruppe, die gemeinsam rezitiert:

    1. Verehrung: Namo tassa bhagavato.... usw.

    2. Zuflucht: Buddham saranam gaccami... usw.

    3. Die fünf Silas

    4. Die vier heiligen Wahrheiten

    5. Die drei Merkmale

    6. Das bedingte Entstehen, endet mit: Mula-madyamaka-karika (Ohne Entstehen und ohne Vergehen...usw.)

    7. Der edle achtfache Pfad

    8. Metta-Sutta (10 Strophen)

    9. Vandana (Verehrung der drei Juwelen [das ist relativ lang])

    10. Punnanumodana (Übertragung der Verdienste)

    Anschließend liest eine vorher festgelegte Person aus der Gruppe das Maha-Prajna-Paramita-Hridaya vor,

    so dass alles endet mit dem großen Mantra: Om Gate Gate Paragate Parasamgate Bodhi Svaha.


    Die Teilnehmer aus der Gruppe sind, neben der gemeinsamen Rezitation, nicht ganz inaktiv, auch sie zeigen Mudras, nämlich die Mudras der fünf Dhyani-Buddhas: OM, HUM, TRAM, HRIH, AH.

    Das hat mit Opferungsmudras, wie bei den Traditionstibetern, überhaupt nichts zu tun, sondern symbolisiert die fünf grundlegenden Bewusstseinsqualitäten.

    Schließlich stand das Mandala der Dhyani-Buddhas beim AMM-Orden im Praxis-Mittelpunkt.

    . . . . . . . . . .

    Ich habe anfangs in der Vergangenheit gesprochen und bin dann ins Präsens übergegangen, denn ich gehe davon aus, dass diese Puja in der Gemeinschaft von Vajramala noch genau so zelebriert wird.

    . . . . . . . . . .

    Das Puja-Heft endet mit einer Abhandlung von Lama A. Govinda über die Bedeutung des Gebets im Buddhismus.

    Zum Schluss folgen noch Aussprache-Erklärungen zu den speziellen Zeichen-Buchstaben, und die letzte Seite beschreibt zusammengefasst die Entstehung und Bedeutung des Ordens AMM.

    . . . . . . . . . .

    Lama A. Govinda hat diese Puja selbst entwickelt und erhielt dazu die Erlaubnis seines Gurus Tomo Geshe Rinpoche, dieser gehörte der Gelug-Schule an. Später erhielt L.A.G. allerdings auch Einweihungen aus der Kagyü-Schule.


    -----------------------------

    Anm.: um den angenehmen Textfluss nicht zu stören, habe ich hier nicht gegendert.

  • Tibetischer Buddhismus „Selbststudium“ Hilfe

    • Amdap
    • 16. Mai 2026 um 07:44

    Hallo Yasuo ,


    ich freue mich riesig, dass Du auf meine Posts reagiert hast und nachfragst.

    Und vielen Dank für Dein Vertrauen! Dass Du meine Hinweise ernst nimmst und Dir sogar das Buch "geholt" hast!


    Wenn ich über meinen spirituellen Weg sprechen würde, könnte es ein ganzer Roman werden angesichts des langen Lebenslaufs. Und da ich gern und viel schreibe, fällt es mir gewissermaßen ein wenig schwer, mich kürzer zu fassen.

    Aber ich bemühe mich!

    Zuerst beantworte ich unmittelbar Deine Frage:

    Seit 10 Jahren praktiziere ich nicht mehr durch klassisches Sitzen, das habe ich aufgegeben. Der Auslöser, das waren äußere Umstände: ich lebte mit meiner Mutter zusammen und sie wurde zunehmend dement - es ging einfach nicht mehr. Zuerst sah ich das als Verlust, aber im Nachhinein betrachtet war das ein Segen, denn nun blieb mir nur noch das "Sein an sich", die Verarbeitung der Sinneseindrücke, die Reflexe, die Geistesvorgänge und dergleichen. Das "Von jetzt auf gleich", die eigentliche Präsenz, um die es geht. Das ist die Zusammenfassung von schon allem, bzw. Allem. Als dann meine Mutter ins Pflegeheim kam, hätte ich wieder mit "Sitzen" anfangen können, hatte aber inzwischen erkannt, dass diese Form, ohne zu sitzen, für mich die Essenz ist. Dann starb sie vor 6 Jahren - ich hatte hier keine Verpflichtungen mehr und konnte meine Praxis auf diese Weise erkennend vertiefen und bin vollkommen davon überzeugt. Kein Lehrer hat mich dazu gebracht, darauf bin ich von selbst gekommen. Man kann aber auch sagen, dass das unmittelbare Leben der eigentliche Lehrer ist.


    Ich habe weiter oben erklärt, dass ich früher Mitglied im Orden "Arya Maitreya Mandala" war, der von Lama Anagarika Govinda einst gegründet wurde. Genauer gesagt, ich war in der Anwärter-Phase, also Ordenskandidatin. Der Orden hatte sich schon vor meinem ersten Kontakt in zwei "Linien" gespalten, die inhaltlich aber sehr nah beieinander standen. Ich war in der Linie, die sich Anfang der 2000er-Jahre aufgelöst hat (ist bei der DBU nur noch eine Karteileiche), die andere Linie wird von Vajramalâ geführt, Stammsitz: Überlingen am Bodensee, siehe oben. Ich wechselte nicht nach dort, denn ich wohne in der Nähe von Hamburg, und so eine weite Entfernung schien mir nicht sinnvoll. Darum suchte ich mir eine traditionelle Tibetisch-buddhistische Linie, und meine Wahl fiel auf die Karma-Kagyü-Linie unter Orgyen Thrinley Dorje (17. Karmapa).

    Dort erlebte ich eine seltsam anmutende Überraschung: meine bisherigen Erfahrungen waren überhaupt nicht von Interesse, und jeder, der da ernsthaft einsteigt, muss mit dem Ngöndro (bitte googeln) anfangen, egal was er/sie da schon "mitbringt". Man macht da keine Unterschiede, nach meiner Erfahrung. Mir kam das vor wie ein Rückschritt, aber ich bemühte mich, alles mitzumachen, und zumindest der sportliche Aspekt der Niederwerfungen hat ja auch was Positives. Das Ngöndro besteht im Wesentlichen aus vier Teilen, die man bewältigen muss. Als ich bei der Mandala-Opferung angekommen war, hatte ich wegen der Widersprüche so viele Fragen, dass ich den Lehrer anscheinend überfordert hatte, so dass er nichts mehr dazu sagte und mir nur noch vorschrieb, "Guru-Yoga" zu praktizieren, allerdings ohne mich im Detail anzuweisen und es zu erklären (hätte mir das anlesen müssen, denn der Lehrer "knöpfte sich zu"). Das blockierte mich, und ich hörte mit all dem auf.

    Bei den Gelugs übrigens, da steht das Ngöndro nicht so im Vordergrund, sondern vielmehr das Lamrim (bitte googeln).


    Was diese persönliche Praxis betrifft, da sollte dieser mein Bericht erstmal genügen.

    Zu sagen ist aber noch allgemein, dass die Traditionstibeter mittel- bis sehr lange Pujas zelebrieren, was ziemlich anstrengend werden kann, weil man die ganze Zeit vor den Blättern sitzt und die in lateinische Schrift transkribierte tibetische Ritualsprache mitrezitieren muss, da bleibt überhaupt keine Zeit für innere Einkehr. Man muss auch die ganze Zeit aufpassen, wann es "dran" ist, mit der Glocke (Ghanta) zu läuten, sowie die Opferungsmudras (bitte googeln) usw. auszuführen. Die Opferungsmudras kriege ich nie hin, wenn sie dran sind, obwohl ich immer versuchte, entsprechende Videos auf YouTube zu finden und mir das einzuverleiben; da muss ich immer passen, wenn ich dabeisitze - dann starre ich auf die Hände des Lamas und bekomme Stielaugen, und das ist sogar schon aufgefallen.

    Man soll diese Pujas ja auch zu Hause ausführen, aber da würde ich mir vorkommen wie im falschen Film, während ich denke: für wen?!, also tue ich es nicht - jedoch: für Viele ist das die einzige Praxis. - Ich habe einen wunderschönen, breit ausgeführten Schrein hier zu Hause, mit rituell gefüllten (bitte googeln) Statuen, Symbolen und Bildern, und der ist mir sehr wichtig; aber davor steht mein Heimtrainer, und wenn ich Bewegungsmangel habe, trainiere ich auf diesem Fahrrad (und bin so den Buddhas nah).


    Falls Du also in den Tibetischen Buddhismus einsteigen willst, solltest Du alles bedenken.

    Lama A. Govinda hielt übrigens nicht viel vom Ngöndro und auch nicht von der tibetischen Ritualsprache, sie wurde im Orden nicht benutzt, stattdessen waren Pali und Sanskrit die Ritualsprachen der Puja (gelegentlich auch Deutsch), die immer gleich war. Seine Begründungen dazu kannst Du Dir vielleicht denken.... Seine Puja beinhaltet in seiner Reihenfolge die Säulen des frühen Buddhismus, des Mahayana und des Vajrayana, und weist dabei auf die Mandala-Lehre der Dhyani-Buddhas hin. Bei den Traditionstibetern dagegen ist jede Puja auf die jeweilige Gottheit abgestimmt und hat immer Opferungscharakter, wobei die Mandala-Grundlage für den Ausführenden unklar bleibt. Die ganz individuelle Praxis ist da weniger unmittelbar mit der Puja verbunden, als bei den Traditionstibetern.


    Nach wie vor bin ich bei den Karma-Kagyüs, bin sogar zahlendes Mitglied und unterstütze sie darüberhinaus finanziell. Klappt zwar das eine nicht, so klappt doch das andere: die freundschaftliche Verbindung, und die will ich nicht missen, obwohl die analoge Präsenz abgenommen hat (Auslöser war Corona). Wenn ich dann doch mal dort bin, habe ich auch ein Gespräch mit dem Lama (es gibt zwei leitende Lamas dort), aber es ist zwar nett, jedoch oberflächlich. So eine Art Grooming.

    Man muss auch bedenken: wir haben gegenseitig was voneinander. Nicht nur wir sind abhängig von ihnen, sondern sie auch von uns, denn ohne materielle Unterstützung könnten sie einpacken.

    Und der Schmerz, keinen echten Lehrer zu finden, der ist längst vorbei.


    Ich hatte gemutmaßt, dass vielleicht die Gelugs am ehesten was für Dich wären, falls Du Kontakt suchen solltest - aufgrund ihrer philosophisch-analytischen Vorgehensweise.

    Aber vielleicht könnten auch die Nyingmas was für Dich sein, was die innere Praxis betrifft, denn sie pflegen ganz außerordentlich das Dzogchen. Es gibt gewisse Ähnlichkeiten zwischen Zen und Dzogchen.

    Zusammengefasst könnte man dazu sagen, im Vergleich:

    Zen: Erwachen durch radikale Einfachheit und konsequente Praxis.

    Dzogchen: Erwachen durch unmittelbares Erkennen der Geistesnatur.

    Zen wirkt oft: still, nüchtern, leer....

    Dzogchen eher: offen, leuchtend, bewusstseinszentriert.

    Das Ziel ist ähnlich, der "Geschmack" und die Methode unterscheiden sich aber.

    (Übrigens: bei den Karma-Kagyüs steht Mahamudra [bitte googeln] hier im Vordergrund.)


    Haha, so sieht es aus, wenn ich mich "kurz fasse"!!!

    Ich hoffe, es kann trotzdem ein Wegweiser für Dich sein.

    Auf jeden Fall bin ich hier radikal ehrlich.


    Liebe Grüße!

  • Tibetischer Buddhismus „Selbststudium“ Hilfe

    • Amdap
    • 15. Mai 2026 um 12:38
    Yasuo:

    Hallo Amdap


    Weitergekommen, im “Ganzen” auf jedenfall.

    Nur, dass Ich eher im Zen Zuhause war. Ich habe einen sehr “rationalen” analytischen Geist. Mich zieht es aber irgendwie immer wieder Richtung tib. Buddhismus, aber mein Geist zerlegt schnell konzepte, die ihm unlogisch/nicht beweisbar etc vorkommen.

    Und die Zugänglichkeit, wie du in deinen Post oben beschrieben hast, ist auch schwierig. Ich möchte ein “system” etc verstehen und nicht einfach etwas rauspflücken und keine Karte vom gesamten Weg/Hintergrund haben.

    Dann noch einen Qualifizierten lehrer zu finden…Ich praktiziere momentan alleine, und habe eine grosse Skepsis gegenüber Personen die sich “erhöhen” (Nicht das das auf alle Lehrer zutrifft.).

    Hallo Yasuo , ich kann Dich sehr gut verstehen.


    Ein analytischer Geist ist sehr wichtig, denn man sollte, mit welchem Meditationsobjekt auch immer man arbeitet, dieses erstmal analytisch angehen. Auch bei mir ist die Neigung dazu sehr ausgeprägt. Aus meiner Sicht ist es sowohl natürlich als auch logisch, so vorzugehen.

    Nichtsdestotrotz ist das auch die ausgeprägteste Vorgehensweise bei den Gelugs, des jüngsten Hauptzweigs im Tibetischen Buddhismus. Zugleich ist dort der kontemplative Aspekt von gleichem Gewicht, und es wird empfohlen, das Objekt zuerst analytisch und daraufhin kontemplativ anzugehen. Aber nicht nach starren Vorgaben, sondern so, wie es sich zeigt und wie man selbst darauf reagiert.

    So kann es sein, dass man bei einer Meditation nur analytisch, oder nur kontemplativ vorgeht. In den meisten Fällen wird es aber eine Kombination von beidem sein. In den fachspezifischen Büchern des Dalai Lama (ich meine hier wirklich die anspruchsvollen fachspezifischen, nicht die populäre Leichtlektüre) kann man das sehr gut nachlesen. In diesem Zusammenhang behandelt er auch die dabei auftretenden Vertiefungszustände und Störungen, beispielsweise spricht er über sehr grobes, grobes, mittleres, feines und äußerst feines Absinken.

    Ich könnte mir vorstellen, dass daher die Gelug-Linie für Dich die interessanteste sein könnte.


    Mach Dir keine Gedanken, einen qualifizierten Lehrer finden zu müssen.

    Du musst gar nichts.

    Ich bin jetzt fast 71 und mir ist es in Jahrzehnten nicht gelungen, obwohl ich schon mit 13 Jahren angefangen habe, mich mit Buddhismus zu beschäftigen. Damals interessierte ich mich am meisten für Theravada, und kurz darauf für Zen, besonders die scheinbar unlösbaren Koans - da war ich immer noch unter zwanzig.

    Inzwischen suche ich schon lange nicht mehr nach einem Lehrer und weiß intuitiv genau, dass ich mir selbst mein eigener Lehrer bin. Alle Lehrer, die ich in meinem Leben traf, hatten entweder eigene Vorstellungen, oder wir redeten stets aneinander vorbei, oder beides. Jetzt dagegen bin ich froh, frei zu sein. Es ist kein Makel, ganz im Gegenteil.

    Es hilft sogar, besser im Takt zu bleiben.


    Inzwischen beruhigt es meinen Geist, wenn ich mich mit Fragen der Astrophysik beschäftige, und deren neueste Erkenntnisse, soweit es mein laienhafter Geist erfassen kann, und ich da gewisse Parallelen zum Buddhismus finde, zur buddhistischen Philosophie. Das ist übrigens auch das Interessengebiet des Dalai Lama.

    Der Gedanke, selbst ein Teil dieses unendlichen Alls zu sein, ohne zu wissen, ob dieses überhaupt existiert, macht mich frei und glücklich, und dazu brauche ich keinen Lehrer, der mir sicherlich was anderes "einimpfen" will als diese Erkenntnis.....


    Trotzdem muss ich noch mal auf meine Buchempfehlung zurückkommen.

    Ich habe noch kein einziges Buch zum Thema "Tibetischer Buddhismus" gefunden, das dem Buch "Grundlagen Tibetischer Mystik" von Lama Anagarika Govinda gleichkommt, und ich weiß, wovon ich rede.

    Nimm Dir, und damit spreche ich natürlich alle an, die das hier mitverfolgen, die Zeit und Geduld, meinen Post Nr. #16 gründlich zu lesen.

    Es ist wirklich das einzige Buch in diesem Bereich, und damit wiederhole ich mich erneut, weil es so wichtig ist und ohne zu übertreiben, welches die Grundlagen der ganzen Symbolik, der Mystik, der Gottheitenpraxis, der Kayas usw. als durchschaubares Grundgerüst sauber darstellt. Erst, wenn man dieses durchstudiert und verstanden hat, ist man imstande, mit den anderen Büchern, die beispielsweise verrückter-narr empfohlen hat, und vielen anderen mehr, etwas anfangen zu können.

    Es ist wirklich schade, dass es das einzige Buch dieser Art (in Jahrzehnten!) geblieben ist.

    Es gibt ja auch viele Bücher von Tibetisch-buddhistischen Autoren, die eher von psychologischer Natur sind, die meine ich nicht, wenn ich sage, dass man sie nicht lesen soll, bevor man die Grundlagen kennt. Selbstverständlich kann man solche lesen, auch da gibt es viel gute psychologische Lektüre, und da fällt mir als Erstes ein: "Spirituellen Materialismus durchschneiden" von Tschögyam Trungpa. Solchen Inhalts-Typus berührt das nicht.

    Aber wenn es um die Klassiker geht von Gampopa, Tsongkapa, Patrul Rinpoche, wie von verrückter-narr genannt, dann wird es knifflig und nicht mehr durchschaubar, wenn man die Grundlagen nicht kennt, das also sind keinesfalls Einsteiger- und Schnupperbücher in puncto Tibetischer Buddhismus. Davon sollte man die Finger lassen.

    Wer es ernst meint und meinen Tipps folgt, der versteht, wovon ich spreche.


    Ich wünsche Dir und allen anderen Lesern hier viel Erfolg!

  • Tibetischer Buddhismus „Selbststudium“ Hilfe

    • Amdap
    • 15. Mai 2026 um 08:09
    verrückter-narr:

    ich empfehle eines der Grundlagenwerke aus den jeweiligen Traditionen:

    Dzogchen: Die Geheimen Dakini-Lehren – Padmasambhavas mündliche Unterweisungen der Prinzessin Tsogyal

    https://www.wandel-verlag.de/die-geheimen-dakini-lehren/

    Nyinmapa: Patrul Die Worte meines vollendeten Lehrers.

    Die Worte meines vollendeten Lehrers | Arbor Verlag

    Kagyu: Gampopa Juwelenschmuck der Befreiung

    Der kostbare Schmuck der Befreiung – Spiritwiki

    Gelug: Tsongkhapa Große Darlegung der Stufen auf dem Pfad zur Erleuchtung

    Lamrim Texts – Deutsch – Jangchup Lamrim
    Kadam: Atische Lampe auf dem Pfad zur Erleuchtung

    Eine Lampe auf dem Pfad zur Erleuchtung – Spiritwiki

    Sakya: Taking the Result as the Path: Core Teachings of the Sakya Lamdre Tradition

    Alles anzeigen

    Deine Empfehlung macht mir ziemliche Bauchschmerzen.


    Zum erstgenannten Buch (Geheime Dakini-Lehren...):

    es ist eigentlich keine Einführung in den tibetischen Buddhismus, sondern ein fortgeschrittener Vajrayana-/Dzogchen-Text der Nyingma-Tradition.

    Das Buch enthält Unterweisungen über: Natur des Geistes, Guru-Yoga, Dakinis, tantrische Meditation und spontane Befreiung und Erkenntnis.

    Der Stil ist symbolisch, poetisch, esoterisch und oft absichtlich knapp und rätselhaft.

    Das Problem für Anfänger ist, dass der Text das gesamte symbolische Grundystem bereits voraussetzt: Mandala-Struktur, Buddha-Familien, Kaya-Lehre, tantrische Visualisation und Bedeutung der Gottheiten. Diese Grundlagen werden hier kaum erklärt!

    Dadurch kann bei Neulingen leicht der Eindruck einer faszinierenden, aber unübersichtlichen mystischen Welt entstehen, ohne dass die innere Struktur verstanden wird.


    Genau darin liegt der Unterschied zu "Grundlagen Tibetischer Mystik":

    Lama Anagarika Govinda versucht zuerst die symbolische „Grammatik“ des Vajrayana verständlich zu machen, während die „Dakini-Lehren“ diese bereits voraussetzen.


    Zum zweitgenannten: "Die Worte meines vollendeten Lehrers":

    das ist ein klassischer Nyingma-Text zu den vorbereitenden Übungen (Ngöndro). Es behandelt Vergänglichkeit, Karma, Samsara, Zuflucht, Bodhicitta, Reinigung, Guru-Yoga und die Motivation zur Praxis.

    Der Schwerpunkt liegt auf: Hingabe, ethischer Ausrichtung und innerer Umkehr zur spirituellen Praxis. Ebenso wie beim erstgenannten werden die symbolischen Grundlagen des Vajrayana nicht genannt: Mandala-Struktur, Buddha-Familien, Kaya-Lehre, tantrische Visualisation und psychologische Bedeutung der Gottheiten.

    Für Anfänger kann das inspirierend wirken, aber auch wie eine Sammlung intensiver religiöser Übungen ohne sichtbare Gesamtarchitektur.


    Desweiteren: "Juwelenschmuck der Befreiung" von Gampopa, das ist ein systematischer Stufenweg-Text der Kagyü-Tradition.

    Er beschreibt den gesamten buddhistischen Pfad: menschliche Existenz, Vergänglichkeit, Karma, Bodhicitta, Meditation, Bodhisattva-Weg, Erwachen, und der Stil ist klar und lehrhaft, und zugleich klösterlich und philosophisch geordnet.

    Das Buch vermittelt hervorragend Ethik und Pfadstruktur, erklärt aber kaum die innere Symbolwelt des tantrischen Buddhismus.
    Für Anfänger daher eher ein Lehrsystem als ein Zugang zur Vajrayana-Symbolik.


    Als Nächstes empfiehlst Du "Die große Darlegung der Stufen des Pfades zur Erleuchtung", das ein monumentales Grundlagenwert der Gelug-Tradition ist ("Lamrim Chenmo"). Es behandelt Ethik, Meditation, Leerheit, Bodhicitta und buddhistische Philosophie in großer analytischer Tiefe.

    Wie bei den Gelugs üblich, liegt der Schwerpunkt auf: Logik, Erkenntnistheorie und systematischer Schulung des Geistes. Hier stehen archetypische Symbolik, Mandalas, tantrische Bildsprache und psychologische Deutung der Gottheiten weniger im Vordergrund.

    Für philosophisch Interessierte hat es großes Gewicht, für Anfänger allerdings ist es oft anspruchsvoll und zu abstrakt.


    Dann folgt bei Dir: "Eine Lampe auf dem Pfad zur Erleuchtung" aus der Kadam-Tradition.

    Es ist hier ein kurzer Grundtext der Kadam-Tradition und Ursprung vieler späterer Lamrim-Systeme. Er ordnet den buddhistischen Weg stufenweise nach Motivation und geistiger Entwicklung.

    Das Werk ist sehr knapp, strukturell, und eher ein Gerüst als eine ausführliche Einführung. Es setzt Erklärungen durch Lehrer voraus und vermittelt kaum die symbolische oder meditative Tiefenstruktur des Vajrayana.


    Für das letztgenannte, englischsprachige Buch: "Taking the Result as the Path: Core Teachings of the Sakya Lamdre Tradition" habe ich mir eine Zusammenfassung auf Deutsch geben lassen, da mein Englisch nicht so fließend ist, dass ich es ohne Anstrengung gut und angenehm lesen könnte. Wenn ich diese Zusammenfassung nochmals zusammenfasse, so kann sie lauten:

    es behandelt Hevajra-Tantra, Einheit von Samsara und Nirvana, Vajrayana-Sichtweise und subtile Meditationen.

    Naheliegend ist der Stil eher: esoterisch und dicht, initiationsbezogen und stark symbolisch.

    Solches ist für Anfänger ebenfalls meist ungeeignet, weil nahezu die gesamte tantrische Symbolsprache bereits vorausgesetzt wird.


    ------------------------------------


    Und jetzt wiederhole ich mich, denn mir ist wichtig, hervorzuheben, dass das Buch "Grundlagen Tibetischer Mystik" dagegen eine Sonderstellung hat, da Lama A. Govindas Buch zuerst erklärt, was die traditionellen Texte meist voraussetzen:

    die innere Struktur des Mandalas, die fünf Dhyani-Buddhas, Bewusstseinsqualitäten, Symbolsprache, die psychologische Funktion der Gottheiten, die Kaya-Ebenen, den Zusammenhang von Meditation, Vision und Bardo.

    Dadurch entsteht überhaupt erst eine innere Landkarte, innerhalb derer die anderen Bücher sinnvoll eingeordnet werden können. Darum wirkt das Buch für viele westliche Leser bis heute wie ein eigentliches Grundlagenwerk des Vajrayana — auch wenn traditionelle Schulen es oft nicht als klassisches Lehrbuch ansehen würden.


    Und das Buch: "Gleich dem Lotos" von Eugen Schnurr, hier wiederhole ich mich (siehe meine vorherigen Post Nr.12 und 15), zugleich mit anderen Worten, ergänzt Govinda in einer wichtigen Hinsicht: Es macht den inneren Erfahrungs- und Entwicklungsweg oft menschlicher, zugänglicher und existenzieller nachvollziehbar.

    Die Kombination beider Bücher kann tatsächlich helfen, sowohl die symbolische Architektur, als auch die innere Praxisdimension zusammenzusehen.


    ------------------------------------


    Und jetzt, liebe[r] Yasuo , nochmals meine Frage: bist Du in den letzten Jahren denn diesbezüglich weitergekommen? Oder hast Du es aufgegeben?

  • Tibetischer Buddhismus „Selbststudium“ Hilfe

    • Amdap
    • 14. Mai 2026 um 18:29

    In Antwort Nr. 12 ist leider ein Fehler aufgetreten, Vajramala erscheint da versehentlich 2 Mal.

    Stattdessen sollte der letzte (dritte) Link dieser hier sein:

    „gleich dem lotos“ – Bücher gebraucht, antiquarisch & neu kaufen
    Gleich dem Lotos. Aufbau und Symbolik des tibetischen Mandala.
    www.booklooker.de


    Ein wirklich sehr lesenswertes Buch und absolut top, wenn es darum geht, es zusammen mit "Grundlagen Tibetischer Mystik" durchzuarbeiten.


    Yasuo , wie ist es Dir denn seit Eingabe Deines Posts vor sechs Jahren in der Zwischenzeit ergangen, bist Du fündig geworden?

  • Tibetischer Buddhismus „Selbststudium“ Hilfe

    • Amdap
    • 14. Mai 2026 um 18:22
    Yasuo:

    Vielen Dank Amdap


    Aber mein Post ist sechs Jahre alt😅

    Ist mir schon klar.

    Aber hier lesen ja so viele Andere mit, die sollen doch nicht in die Röhre gucken.

  • Tibetischer Buddhismus „Selbststudium“ Hilfe

    • Amdap
    • 14. Mai 2026 um 09:27

    Hallo Yasuo ,

    ich kann Dir "Grundlagen Tibetischer Mystik" empfehlen von Lama Anagarika Govinda, das kann man zum Beispiel hier bestellen:

    „grundlagen tibetischer mystik“ – Bücher gebraucht, antiquarisch & neu kaufen
    Grundlagen tibetischer Mystik - Om Mani Padme Hum.
    www.booklooker.de


    Was den Tibetischen Buddhismus betrifft, da habe ich mit diesem Buch angefangen, bevor ich dort Kontakt gesucht habe.

    Leider gibt es den Orden von Lama Anagarika Govinda, Arya Maitreya Mandala, kaum noch in Aktivität, er hat sich weitestgehend aufgelöst. Einen anderen, aktiven Zweig von seinem Orden findest Du jedoch bei der leitenden Lehrerin Vajramalâ (Sabine Thielow), in Überlingen am Bodensee, sie lehrt sehr authentisch und ist sehr kompetent.

    Aktiv für einen lebendigen Buddhismus
    Am 7. April 2025 wird Vajramala 80 Jahre alt In den vergangenen 50 Jahren hat sich Vajramala aktiv am buddhistischen Leben in Deutschland beteiligt – oft…
    buddhismus-deutschland.de


    Ich selbst habe mich vom früheren Orden Arya Maitreya Mandala, dem erstgenannten, abgelöst, und wechselte zu den Karma-Kagyüs unter Karmapa Orgyen Trinley Dorje. Musste aber leider feststellen, dass man dort nicht von den Grundlagen an aufwärts lernt, wie ich es gewohnt war. Die meisten Mitglieder und Besucher, die ich dort kennenlernte, kannten sich mit den Grundlagen überhaupt nicht aus und man gewann den Eindruck, dass sie sich mehr oder weniger, was die Praxis betraf, sich das eine oder andere aus der bunten Palette ausgesucht hatten, ohne eine klare Linie zu haben, bzw. die Ausdrücke von Bewusstseinsqualitäten usw. von der Pike auf zu kennen.

    Darum empfehle ich nach wie vor obengenanntes Buch, das ist der Klassiker.


    Ein weiteres wunderbares Buch ist dieses hier:

    "Gleich dem Lotos" von Eugen Schnurr. Auch dieses ist noch second hand erhältlich:

    Aktiv für einen lebendigen Buddhismus
    Am 7. April 2025 wird Vajramala 80 Jahre alt In den vergangenen 50 Jahren hat sich Vajramala aktiv am buddhistischen Leben in Deutschland beteiligt – oft…
    buddhismus-deutschland.de

    Nach meiner Erfahrung und Dafürhalten ergänzen sich beide Bücher gegenseitig, und das ist mir sehr wertvoll.


    Das Studium der beiden Bücher ist allerdings etwas anspruchsvoll.

    Doch es lohnt sich, durch intensives sich damit Beschäftigen ein durchblickbares Grundgerüst aufzubauen, denn daraus kann man sich alle bildhaften Formationen von Bewusstseinsqualitäten ableiten.

    Man versteht dann den Tibetischen Buddhismus viel besser von innen her, und aufgrund seiner Aspekte versteht man, dass dies nicht nur für Anhänger des Tibetischen Buddhismus, sondern für alle Menschen gültig ist.

  • Ist der Buddhismus eine Wissenschaft?

    • Amdap
    • 3. Mai 2026 um 16:35
    Monikamarie:
    Qualia:

    Kein Wissenschaftler kann sich der Grenze seines Unwissens entziehen. Hat er sie erkannt, dann wird er automatisch auch ein Philosoph.


    Ein Wissenschaftler, der sich nur an das Gegebene hält, oder einer, der an Religion festhält, ist kein Philosoph.

    ? Das eine schließt das andere doch nicht aus.


    Mir gefällt diese kategorische Behauptung nicht, lieber Qualia :?

    Alles anzeigen

    Beidem widerspreche ich.

    1. Wenn jemand weiß, dass er nichts weiß, dann weiß er. Zugleich ist das Weisheit.

    Wenn aber jemand nicht weiß, dass er nichts weiß, dann glaubt er zu wissen, dass er weiß, und dass er weiß zu wissen. Das ist, buddhistisch definiert, Unwissenheit.

    2. Auf der relativen Ebene wissen Wissenschaftler, dass sie stets in der Gegenwart, bedingt durch die aktuellsten Ergebnisse, zur bestmöglichen und plausibelsten Theorie gekommen sind, aber sie wissen auch, dass das ein vorübergehender Status ist, da bei fortgeschrittenen und genaueren Ergebnissen die alte Theorie, die bisher galt, nicht zu verwerfen ist, sondern verbessert und verfeinert wird.

    Ein Wissenschaftler hält sich nicht dauerhaft fest an das Gegebene, sondern er weiß nur, dass aufgrund der gegenwärtigen Gegebenheiten die bestmögliche Theorie gültig ist. Andernfalls wäre ein Wissenschaftler kein Wissenschaftler.

    3. Nicht grundsätzlich schließt das eine das andere nicht aus. Sondern wir müssen uns hier immer darauf besinnen, auf welcher Ebene wir uns dabei bewegen.

    4. Wenn wir das aber ganz streng betrachten, so ist es unmöglich, auf der absoluten Ebene zu kommunizieren - im landläufigen Sinne.

    5. Sowohl die absolute als auch die relative Ebene sind Ausdrucksweise, zwei Seiten, ein und desselben Urgrunds (Stichwort: Rigpa/Samantabhadra), Aber selbst das kann durch Benennung Unwissenheit ausdrücken.


    Hahaha! - Habe ich Euch jetzt reingelegt?


    Der Weise schweigt.

  • Suche nach Erfahrungen

    • Amdap
    • 6. April 2026 um 09:27
    Monikamarie:

    Es kommt natürlich auf die Art der Suche an. Habe ich spirituelle Erfahrungen, so kann das genauso süchtig machen wie Drogen.

    _()_

    Dazu empfehle ich das Buch: "Spirituellen Materialismus durchschneiden" von Tschögyam Trungpa.

  • Wo fängt das Aussen an?

    • Amdap
    • 16. März 2026 um 08:22

    Die höhere Astrophysik bestätigt, dass es kein "Innen" und kein "Außen" gibt, jedenfalls nicht in der Form, wie wir es glauben.

Ausgabe №. 136: „Liebe & Loslassen"

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