Ich finde, Qualia hat hier einen entscheidenden Punkt getroffen.
Die Frage ist doch nicht nur, ob der alte Mann Alkohol getrunken hatte oder ob er sich anschließend unangemessen verhalten hat. Die buddhistisch viel interessantere Frage lautet: Wie begegne ich einem Menschen, der offensichtlich leidet?
Man hätte zunächst wahrnehmen können: Da steht ein alter Mensch vor mir, möglicherweise einsam, möglicherweise suchtkrank, möglicherweise einfach verzweifelt und auf der Suche nach einem Ort, an dem er nicht allein ist. Genau dort beginnt doch Mitgefühl.
Das bedeutet nicht, dass man jede Grenze aufgeben muss. Wenn jemand aggressiv wird, darf man selbstverständlich für die Sicherheit aller sorgen und ihn gegebenenfalls hinausbegleiten. Aber zwischen „ihn bei allem gewähren lassen“ und „schick ihn weg, weil er unser schönes buddhistisches Umfeld stört“ liegt ein gewaltiger Unterschied.
Man hätte mit ihm sprechen, ihm zuhören und sein Leiden zunächst einmal aushalten können. Vielleicht hätte man ihm ruhig erklärt, dass er in seinem gegenwärtigen Zustand nicht an der Meditation teilnehmen kann, ihm aber trotzdem vermittelt, dass er als Mensch nicht abgelehnt wird und nüchtern wiederkommen darf.
Genau das verstehe ich unter einer buddhistischen Haltung: Nicht zuerst fragen, wie ich die unangenehme Situation möglichst schnell loswerde, sondern erkennen, was gerade vor mir liegt, und angemessen darauf antworten.
Der alte Mann war in diesem Moment nicht einfach ein „Betrunkener“, der das Zentrum störte. Da war ein Mensch mit seinem Leiden. Und gerade an solchen Menschen entscheidet sich, ob Mitgefühl tatsächlich praktiziert wird oder nur innerhalb angenehmer Grenzen existiert.
Insofern halte ich Qualias Einwand für sehr berechtigt: Das Leiden anderer nicht einfach aus unserem Blickfeld zu entfernen, sondern ihm offen zu begegnen, ist wesentlich näher an buddhistischer Praxis als die bloße Wahrung einer vermeintlich reinen, störungsfreien Atmosphäre.