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Koans bei Kafka?

  • Alaya
  • 21. November 2021 um 01:47
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  • Alaya
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    • 21. November 2021 um 01:47
    • #1

    Hallo werte Zennies.

    Würdet ihr sagen dass diese beiden kurzen Geschichten Franz Kafkas als Koans benutzt werden können "bzw dem Sinn Nahe kommen"?

    Mich erinnern sie jedenfalls daran.

    Übrigens wurden beide kurze Erzählungen relativ kurz Nacheinander.

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    Liebe Grüße

    Tobias

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    • 21. November 2021 um 05:28
    • #2

    Hallo, Tobias, ich mag diesen Autor fast abgöttlich. Darf ich dich fragen, warum du diese Frage stellst?

    Ich würde niemals die Erzählung " Die Verwandlung" vergessen. Denn es wäre wie die Option des eigenen Schicksals , eigentlich.

    Wir ver-wanadeln uns bestädig, ohne Unterlass, aber wir merken es nichts... In uns ist alles verborrgen liegt, wie das Göttliche, so auch das Dämonische, und was steckt dahinter? Was kann man hinter diesen verschiedenen Masken finden? Das wäre sehr gute Frage in Bezug auf die buddhustische "Interpretation".

    LG.:tee:

    Ein Leben ohne Selbsterforschung verdiente gar nicht gelebt zu werden.

    Sokrates

  • Obladi Oblada
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    • 21. November 2021 um 11:42
    • #3
    Alaya:

    Hallo werte Zennies.

    Würdet ihr sagen dass diese beiden kurzen Geschichten Franz Kafkas als Koans benutzt werden können "bzw dem Sinn Nahe kommen"?

    Mich erinnern sie jedenfalls daran.

    Das ist nicht so weit hergeholt. Es gibt auch etliche Aphorismen Kafkas, die als Koans taugen. "Ein Käfig ging einen Vogel suchen" oder "Du bist die Aufgabe. Kein Schüler weit und breit".

    Irgendwo in seiner fulminanten dreiteiligen Kafka-Biographie zitiert Reinhard Stach diesen Tagebucheintrag Kafkas:

    "Ich saß einmal vor vielen Jahren, gewiß traurig genug, auf der Lehne des Laurenziberges. Ich prüfte die Wünsche, die ich für das Leben hatte. Als wichtigster oder als reizvollster ergab sich der Wunsch, eine Ansicht des Lebens zu gewinnen (und – das war allerdings notwendig verbunden – schriftlich die anderen von ihr überzeugen zu können), in der das Leben zwar sein natürliches schweres Fallen und Steigen bewahre, aber gleichzeitig mit nicht minderer Deutlichkeit als ein Nichts, als ein Traum, als ein Schweben erkannt werde. Vielleicht ein schöner Wunsch, wenn ich ihn richtig gewünscht hätte. Etwa als Wunsch, einen Tisch mit peinlich ordentlicher Handwerksmäßigkeit zusammenzuhämmern und dabei gleichzeitig nichts zu tun und zwar nicht so, daß man sagen könnte: »Ihm ist das Hämmern ein Nichts«, sondern »Ihm ist das Hämmern ein wirkliches Hämmern und gleichzeitig auch ein Nichts«, wodurch ja das Hämmern noch kühner, noch entschlossener, noch wirklicher und, wenn du willst, noch irrsinniger geworden wäre."

    Stach meinte hierzu, Kafka wusste es nicht, aber er habe da Zen entdeckt.

    Living is easy with Eyes closed

  • Alaya
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    • 21. November 2021 um 12:13
    • #4
    Igor07:

    Hallo, Tobias, ich mag diesen Autor fast abgöttlich. Darf ich dich fragen, warum du diese Frage stellst?

    Ich würde niemals die Erzählung " Die Verwandlung" vergessen. Denn es wäre wie die Option des eigenen Schicksals , eigentlich.

    Wir ver-wanadeln uns bestädig, ohne Unterlass, aber wir merken es nichts... In uns ist alles verborrgen liegt, wie das Göttliche, so auch das Dämonische, und was steckt dahinter? Was kann man hinter diesen verschiedenen Masken finden? Das wäre sehr gute Frage in Bezug auf die buddhustische "Interpretation".

    LG.:tee:

    Bei der Verwandlung gebe ich dir recht.

    Ich habe den Eindruck dass es im Sinn um das Aufgehen in der Handlung selbst geht um das loslösen von allem und aufgehen im tun oder nicht tun. Etwas holzschnittartig aber vielleicht weißt du was ich meine.

    Nun in der Beschreibung der Erzählung der Kreisel.

    Geht es doch genau darum. Der Kreisel ist die perfekte Bewegung die selbstvergessenheit. Durch Analyse und Beobachtung kommt man ihr nicht bei auch Nachahmung bringt nichts. Es ist eine gewisse selbstvergessenheit ein einlassen auf die Bewegung notwendig ist das nicht im Zen genauso im Koan

    Auch die kleine Favel ist eine Spielart davon

    Die Maus steht vor einer paradoxen Entscheidung die lebendbedrohlich ist

    Auch der Koran selbst bietet ja keine Lösung sondern bringt den fragenden an den Rand der erKenntnis

    Nur wer bereit ist auf dem Kissen zu sterben kann Erleuchtung erlangen

    .

    Genauso kann die Maus das Paradoxon nicht lösen durch geschicktes Verhalten oder nachdenken. Es geht um das Einlassen auf die Realität so wie sie ist ohne Bewertung meine radikale Annahme um das loslösen vom Leben. Erst dann ist Erkenntnis möglich.

    Wie findest du die Interpretationen?..

    .

    Liebe Grüße

    Tobias

  • Igor07
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    • 21. November 2021 um 14:34
    • #5

    Tobias, ich habe es alles mehr als von 30 Jahren auf russisch noch gelesen, in meiner Heimat...

    Für mich es ist besoders interessant, Kafka war doch Jude, und inwiefern ich es erinnere, er hatte keine konkrete Beziehung zum Buddhismus oder oder in dieser Richtung....

    Aber ich erinnere auch seinen Roman "Der Prozess". Man sieht doch auch wie die ausweglose Situation, und es auch wie nach Koan anmutet...

    Kafka war doch der Existentialist, deswegen diese Fragen , wie später bei A. Camus oder auch Sartre, die waren von diesen ewigen Fragen wie durchgetrunken, ich persönlich sehe hier so wie das klein Abbild des Westens, wie er versucht dieses Problem der "Bodenlosogkeit" oder wie in "die fremde Welt ausfworfen zu sein" ( M. Heidegger) zu lösen.

    Ach, Tobias, sie sollten doch meditieren, *lach*, ich scherze....

    Alaya:

    Genauso kann die Maus das Paradoxon nicht lösen durch geschicktes Verhalten oder nachdenken. Es geht um das Einlassen auf die Realität so wie sie ist ohne Bewertung meine radikale Annahme um das loslösen vom Leben. Erst dann ist Erkenntnis möglich.

    Ich denke, wie es Ch.Trungpa ausdrückt, und es wäre schon der echte Buddhismus, man sollte alle Hoffnungen hinter sich zu lassen, alles, keine Hintertürchen, die totale absolute Hoffnungslosigkeit, ineressant , wie es auf englisch klang, ich las es auf deutsch...

    Nur die echt radikale Annahme kann , ach, eher, könnte das Loslösen verursahen, oder aus-lösen...

    Und mancmal der Tod wäre dann auch die Lösung.... Oder die Er-lösung.

    Wie in einem Roman von H.Hesse, wo der Held den Sebstmord begeht, aber er werde dann wie "erleuchtet".

    Kafka, wenn ich es richtig ohne Wiki erinnere, war sehr schon in der Kindheit traumatiiesiert, sein berühmter Brief an den Vater, richtig?

    Dann seine Schwindsucht, das Leben als der "gewöhnliche" Beamter.... Ach, und er war auch so auch nichts besonders glücklich in der Liebe...

    Und dazu die ganze erstickende Atmosphäre in seiner Zeit...

    Interesant, dass man damit die Buddhistische "Wurzeln" durchblicken kann.

    LG.

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    • 21. November 2021 um 14:44
    • #6
    Alaya:

    Auch der Koran selbst bietet ja keine Lösung sondern bringt den fragenden an den Rand der erKenntnis

    Das war gut, Tobias, aber ich sehe hier eher wie ausser des "Randes"... wenn man bereit wäre den eigenen Hand abzuhacken, wie es im Zen, nur im die Wahrheit zu erlangen, das Leben, alles.... nur dann man hätte echte Chance....

    Auf dem "Kissen" zu sterben, und so weiter....

    Kafka, wie auch die andere Existentionlisten früher oder später, die haben das Problem sehr gut erkannt und echt wudervoll geschildert, aber die waren nichts imstande es zu lösen....

    Dann diese Sehn-Sucht / nach der Wahrheit/ entartete in das "Dahin-Siechen", so wie es mit Kafka passierte...

    LG.

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    • 21. November 2021 um 15:38
    • #7

    Ich finde es nicht gut, alles mögliche als "Koan" zu bezeichnen. Ein Koan ist ja eine ganz bestimmte Praxis mit einem Lehrer im Buddhismus.

    Auf der anderen Seite gibt es auch wo anders eine tiefe Beziehung zwischen dem Religiösen und dem Paradoxen.

    Diese hängt wohl damit zusammen, dass die normale Sicht des Menschen so weit von der Realität entfernt ist, er sich also in einer "unhaltbaren Situation" befindet. Und da gibt es immer wieder Geschichten, die diese "unhaltbare Situation' auf den Punkt bekommen.

    Im Christentum gibt es beispielsweise die Geschichte vom "Augustinus und den Knaben".

    Gemeinde Berg:

    Man erzählt von ihm, dass er, zu der Zeit, als er das Buch „De Trinitate“ vorbereitete, an einem Strand entlang ging. Da erblickte er einen Knaben, der eine kleine Grube im Sand gemacht hatte und mit einem Löffel Wasser aus dem Meer schöpfte und in die Grube goss. Als Augustinus ihn fragte, was er da mache, antwortete der Knabe, er habe vor, mit dem Löffel das Meer trockenzulegen und in die Grube zu füllen. Augustinus erklärte, das sei unmöglich, und lächelte über die Einfalt des Knaben. Der aber erwiderte ihm, eher sei es für ihn möglich, das fertigzubringen, als für Augustinus, in seinem Buch auch nur den kleinsten Teil der Geheimnisse der Dreifaltigkeit zu erklären. Und er verglich die Grube mit dem Buch, das Meer mit der Dreifaltigkeit und den Löffel mit dem Verstand des Augustinus. Danach entschwand er. Da ging Augustinus in sich, betete und verfasste danach, so gut er konnte, das Buch über die Dreifaltigkeit.“

    Es läuft also darauf hinaus, wie beschränkt unser Denken ist und wie wenig und wie falsch es die Wirklichkeit erfasst. Etwas was Augustinus zur Demut anhält.

    Im Sufismus findet man in Geschichten von Mullah Nassrudin ähnlich Beispiel und im Judentum in vor allem in der Tradition der Chassidim, der auch Kafka sich verbunden fühlte.

    Deitschlandfunk:

    Zuflucht nimmt Kafka dann 1915 öfters auch bei Georg Mordechai Langer, einem Prager Juden, der jahrelang das Leben eines „Chassiden“ zu führen versuchte. Mit ihm besucht Kafka einen Wunderrabbi, dessen Lehrreden er im Tagebuch nacherzählt.

    Vor dem Betreten des Allerheiligsten musst du die Schuhe ausziehen, aber nicht nur die Schuhe, sondern alles, Reisekleid und Gepäck, und darunter die Nacktheit, und alles, was unter der Nacktheit ist.

    Während der Leser bei Kafkas Geschichten ein wenig mit der Absurdität sitzengelassen ist, schließt sich für ihn da eine Praxis an.

    Und so endet ja ein Koan nicht beim Absurden sondern fängt da an und mündet in eine "Koanarbeit".

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    • 21. November 2021 um 17:23
    • #8

    Ein Koan, das auch tatsächlich im Zen Anwendung findet, bleibt doch trotzdem dem Zen zugehörig und Kafka nicht, wenn ich da Parallelen finde, void.

    Dein einleitender Satz hat mich jetzt gerade daran erinnert, dass ich es als Kind nicht gut haben konnte, wenn sich die Speisen auf dem Teller vermischten. Alles musste einzeln für sich liegen. Kartoffeln, Gemüse, Fleisch. Es war "schrecklich" für mich, dass die Soße vom Fleisch zum Gemüse floss.

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    • 21. November 2021 um 18:42
    • #9
    Schmu:

    Ein Koan, das auch tatsächlich im Zen Anwendung findet, bleibt doch trotzdem dem Zen zugehörig und Kafka nicht, wenn ich da Parallelen finde, void.

    Dein einleitender Satz hat mich jetzt gerade daran erinnert, dass ich es als Kind nicht gut haben konnte, wenn sich die Speisen auf dem Teller vermischten. Alles musste einzeln für sich liegen. Kartoffeln, Gemüse, Fleisch. Es war "schrecklich" für mich, dass die Soße vom Fleisch zum Gemüse floss.

    Ich denke, dass ist nicht der Punkt. So wie es Koans nach dem Muster "Wenn du X tust, schlage ich dich! Wenn du X tust, schlage ich dich. Was tust du!" kann man sich auch die Geschichte von der Maus als etwas vorstellen, was man als Koan verwenden kann: "Maus! Wenn du nach links läufst, läufst du in die Falle! Wenn du nicht nach links läuft, frißt dich die Katze! Wohin läufst du!" vorstellen. Wenn Kafka seine Geschichte als Koan intendiert hätte, hätte er sie vielleicht so formuliert.

    Der Punkt ist: Er hat das nicht. Eine Fledermaus ist kein mißglückter Vogel und ein Pinguin kein mißglückter Fisch. Es ist etwas anderes, etwas was vielleicht seine eigene Geschichte hat. Die Maus weiss das die Falle ihr Schicksal ist, sie zögert aber ihr Schicksal anzunehmen, sie schrickt aber davor zurück. Mich erinnert dass an Hiob:

    Kirchenlecikon:

    Eines Tages spricht der Teufel Gott und sagt, das Hiob ihm nur diene, weil Gott ihn beschützt. Würde Gott ihn nicht mehr beschützen, so würde Hiob aufhören, ihm zu dienen. Gott ist sich sicher, dass Hiob ihm auch sonst dienen würde, darum erlaubt er dem Teufel, Hiob zu prüfen.

    Der Teufel tut Hiob viele schlimme Dinge an: Er sorgt dafür, das sein Vieh gestohlen wird, seine Diener sterben, ihn schlimme Schmerzen plagen und sogar, dass seine Familie durch einen Einsturz des Hauses umkommt.

    Der größte Teil des Buches Hiob besteht aus Gesprächen von Hiob mit Freunden häufig klagt er über sein Leid und die Freunde machen ihm Vorwürfe: Wenn er leiden muss, muss das bedeuten, dass er selbst etwas Schlechtes getan hat. Hiob zweifelt, verliert aber nicht seinen Glauben und will Gott trotzdem weiter dienen. Diese Gespräche erinnern an Gedanken und Sorgen, die Menschen häufig haben, wenn sie einen schweren Verlust beklagen.

    Eines Tages erscheint Gott bei Hiob. Er bedankt sich, dass er ihm trotz allem treu geblieben ist. Als Belohnung segnet Gott ihn und schenkt ihm eine langes, glückliches Leben.

    Auch Hiob blickt auf eine "Falle": Auf tote Diener, gestohlenes Vieh, Schmerzen, Einsturz, den Verlust seiner Kinder. Aber weil er trotz all dem sein Vertrauen in Gottes Wege nicht verliert und offenen Herzens in die Falle geht, erwischt ihn der Teufel nicht. Während die Maus bei Kafka, weil sie nicht gottesfürchtig vertraut, Opfer der Katze wird.

    Falle und Katze sind hier nicht symmetrisch!

    Für mich ist es ein Reichtum, dass es unterschiedliche spirituelle Ansätze gibt. Und ich sehe es als problematisch an, wenn man im einem eine verkorkste Version andere sieht. Wenn man in "Dukkha" ein mißglücktes Konzept von "Erbsünde" sieht oder eben aus einer geglückten Geschichte aus der chassidischen Tradition einen seltsamen Koan macht.

  • Schmu
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    • 21. November 2021 um 19:03
    • #10

    Für mich ist Kafka einfach jemand, der aus dem "Dilemma des Daseins" keinen Ausweg fand, weil er das dualistische Denken nicht verlassen konnte / nie wirklich verlassen hat.

    Wo das Problem darin besteht, etwas als Koan zu bezeichnen, dass nicht von einem (Zen-)Meister / einer Meisterin als solches verwendet wird, leuchtet mir nicht ein.

    Ich stimme dir aber insofern zu, dass Kafkas Widersprüche des Daseins nur sehr entfernt mit der Bedeutung von Koans zu tun haben. Und wenn, dann nur, wenn sie in einem anderen Licht betrachtet werden, als er es getan hat.

  • Igor07
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    • 21. November 2021 um 19:17
    • #11

    Eigentlich, die chassidische Tradition, wenigstens wie es M.Buber schildert, ist sehr mit-verwandt / aber nichts so identisch/ mit dem Koan zu tun. Einige Geschichten sind doch von der logischen Seite volkommen absurd, aber man sollte anhand von dieser Gechichten so wie die Absurdität und auch Irrationlität des Lebens zu erläutern.

    Koan ist auch nichts möglich rein intellektuell zu erfassen, wie das berühmte Klatschen von einer Hand.

    Aber man kann es intiuitiv erfassen, als der Ausdrück des Miysteriums des Lebens... Die sillogistische / logische / Lösung des Koans mit Hilfe von dem Intellekt ist doch absolut unmöglich. Es ist keine mathematische Aufgabe, aber reine so wie die existenzelle Herausforderung.

    In diesem Sinne man kann auch die Parabeln von Sufis "verstehen".

    Man geht dann weg von allen möglichen Konzepten, denn das reale Leben ist doch kein Konzept par excellence.

    Ein Leben ohne Selbsterforschung verdiente gar nicht gelebt zu werden.

    Sokrates

  • Schmu
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    • 21. November 2021 um 19:43
    • #12

    Igor07

    Mir geht es darum, wann der Begriff "Koan" in "korrekter" Weise angewendet wird und wann es "unangemessen", falsch sein soll (so verstehe ich void).

    Als Koan kann alles Mögliche dienen. Dirk Künne (Rinzai) sagte letztens, das reine Dasitzen in der Zazen-Haltung ist auch ein Koan.

    Kafka hat meiner Meinung nach durchaus Sätze geschrieben, die als Koan dienen könnten. Nur eben nicht im Kafka-Zusammenhang, sondern im Zen-Zusammenhang.

  • Alaya
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    • 21. November 2021 um 19:50
    • #13
    void:

    ich denke, dass ist nicht der Punkt. So wie es Koans nach dem Muster "Wenn du X tust, schlage ich dich! Wenn du X tust, schlage ich dich. Was tust du!" kann man sich auch die Geschichte von der Maus als etwas vorstellen, was man als Koan verwenden kann: "Maus! Wenn du nach links läufst, läufst du in die Falle! Wenn du nicht nach links läuft, frißt dich die Katze! Wohin läufst du!" vorstellen. Wenn Kafka seine Geschichte als Koan intendiert hätte, hätte er sie vielleicht so formuliert.

    Der Punkt ist: Er hat das nicht. Eine Fledermaus ist kein mißglückter Vogel und ein Pinguin kein mißglückter Fisch. Es ist etwas anderes, etwas was vielleicht seine eigene Geschichte hat. Die Maus weiss das die Falle ihr Schicksal ist, sie zögert aber ihr Schicksal anzunehmen, sie schrickt aber davor zurück. Mich erinnert dass an Hiob:

    Hallo Void,
    Ich habe mich über Jahre intensiv mit Kafka befasst. Die Deutung die ich hier mache ist inspiriert von Prof Peter André Alt in seiner Kafka Biographie "Franz Kafka der ewige sohn. Er interpretiert das aus meiner Erinnerung ähnlich wie du es in den letzten Zeilen des ersten Absatzes gemacht hast. Transzendenz kommt zustande indem man sich auf das Paradoxon einlässt.
    Natürlich hast du Recht dass es kein Koan ist, . Aber ich finde genau die Frage die du hier als Koan ähnlich formuliert hast steckt im Text bzw führt zu einer gelungenen Interpretation. Denn laut Alt kommt man der Interpretation dann nahe wenn man sich die Interpretation der Erzählung der Kreisel anschaut. hab ich ja auch verlinkt. Der Philosoph möchte hier aus der Erkenntnis des Kleinen (der Bewegung des Kreisels) "War die kleinste Kleinigkeit wirklich erkannt dann war alles erkannt". Hier sehe ich gewisse Ähnlichkeiten zur Koan Sichtweise indem man sich auf einen konkreten(abgrenzten) Koan bezieht und ihn "erkennt" durchdringt kann man "alles " erkennen Ist das nicht vergleichbar? Er scheitert nun aber daran weil er dort zu analytisch rangeht. Ihm wird schwindelig und die Erkenntnis stellt sich eher unbewusst ein "Er taumelt wie ein Kreisel unter der ungeschickten Peitsche"

    Alt stellt nun die Kleine Fabel in die Gleiche Reihe der Interpretation weil sie eben fast zur gleichen Zeit entstanden sind. erst durch aufhören der analyse der Situation und das Loslassen von Konzepten das Einlassen auf die Situation kann Erkenntnis gewonnen werden.

    Ich habe ja in meinem Eingangsposting geschrieben, ob die Erzählungen den Sinn von Koans nahekommen. Ich wollte daraus nicht wirklich Koans machen.

    Liebe Grüße

    Tobias

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    • 21. November 2021 um 20:30
    • #14
    Alaya:

    Ich habe ja in meinem Eingangsposting geschrieben, ob die Erzählungen den Sinn von Koans nahekommen. Ich wollte daraus nicht wirklich Koans machen.

    Ein Koan ist etwas, was einen mit der Nase auf die Unhaltbarkeit der eigen Sicht stößt und so zu deren Überwindung führt. Es ist etwas, was die "Große Frage von Leben uns Tod" so auf den Punkt bringt, dass es schmerzt. Von daher ist da sowohl in der Situation mit der Maus als auch in der Besessenheit des Professors mit Kreisel etwas davon vorhanden. Da hast du vollkommen recht.

    Aber irgendwie auch nicht, weil beide in sich abgeschlossen sind. Sie handeln eher von einer Frage als eine zu sein. Für den Professor ist der Kreisel vielleicht ein Koan aber nicht für mich als Leser. Von daher kann ich es nicht als solchen verwenden.

  • Alaya
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    • 21. November 2021 um 21:13
    • #15
    void:
    Alaya:

    Ich habe ja in meinem Eingangsposting geschrieben, ob die Erzählungen den Sinn von Koans nahekommen. Ich wollte daraus nicht wirklich Koans machen.

    Ein Koan ist etwas, was einen mit der Nase auf die Unhaltbarkeit der eigen Sicht stößt und so zu deren Überwindung führt. Es ist etwas, was die "Große Frage von Leben uns Tod" so auf den Punkt bringt, dass es schmerzt. Von daher ist da sowohl in der Situation mit der Maus als auch in der Besessenheit des Professors mit Kreisel etwas davon vorhanden. Da hast du vollkommen recht.

    Aber irgendwie auch nicht, weil beide in sich abgeschlossen sind. Sie handeln eher von einer Frage als eine zu sein. Für den Professor ist der Kreisel vielleicht ein Koan aber nicht für mich als Leser. Von daher kann ich es nicht als solchen verwenden.

    Das hast du gut zusammengefasst ich wollte ausdrücken dass vor dem Professor der Kreisel koan ist genauso wie die Situation der Maus für sie ein koan ist wobei ich den Kreisen noch deutlicher Finde

    Aber ich verstehe auch dass du diesen Text nicht als koan verwenden kannst auch das hast du gut begründet

    Liebe Grüße

    Tobias

  • Sudhana
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    • 22. November 2021 um 17:44
    • #16

    [lz]

    Ich erinnere mich eines Gesprächs mit Kafka, das vom heutigen Europa und dem Verfall der Menschheit ausging." Wir sind", so sagte er, "nihilistische Gedanken, Selbstmordgedanken, die in Gottes Kopf aufsteigen". Mich erinnerte das zuerst an das Weltbild der Gnosis: Gott als böser Demiurg, die Welt sein Sündenfall. "O nein," meinte er, "unsere Welt ist nur eine schlechte Laune Gottes, ein schlechter Tag." - "So gäbe es außerhalb dieser Erscheinungsform Welt, die wir kennen, Hoffnung?" - Er lächelte: "Oh, Hoffnung genug, unendlich viel Hoffnung, - nur nicht für uns."[/lz]

    Max Brod, Der Dichter Franz Kafka, in: Gustav Kronjanker (Hrsg.), Juden in der deutschen Literatur. Berlin: Welt-Verlag 1922

    Mit Buddhismus im Allgemeinen und mit Zen im Speziellen hat das, soweit ich sehe, nur insoweit etwas zu tun, als da wohl die erste Wahrheit erkannt war. Wenn man freilich hinsichtlich der zweiten Wahrheit eine falsche Ursache identifiziert - gar eine, die sich nicht aufheben lässt (womit die dritte Wahrheit schon mal ganz unter den Tisch fällt), dann weiss man auch nicht um den Weg. Schlechte Voraussetzungen zum Präsentieren eines brauchbaren Koan.

    Wobei ich persönlich mich zu denjenigen zähle, die Kafka als religiösen Humoristen (diese Charakterisierung stammt wohl von Thomas Mann) lesen. Und genau da ist auch tatsächlich zumindest ein Berührungspunkt zu manchen Koan. Mehr wohl nicht ...

    _()_

    OM MONEY PAYME HUNG

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    • 23. November 2021 um 18:27
    • #17

    Kafka hat mich immer schon fasziniert, jedoch nicht weil ich seine Werke bewundere sondern weil er mich gruselt.

    Mir stehen jeweils die Haare zu Berge und ein fröstelnder Schauer läuft mir über den Rücken, wenn ich eines seiner Werke lese. Jedes mal kommt mir der gleiche Gedanke:

    Wie kann man so sehr am Leben leiden ?

  • Igor07
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    • 24. November 2021 um 14:26
    • #18
    Punk:

    Wie kann man so sehr am Leben leiden ?

    Aber es ist doch der Grund, warum es uns so immens fasziniert.

    Er hatte in den Abgrund angeschaut und der Angrund wäre dann wie er selbst.

    Der Angrund als ob lächelte ihm zurück zu.

    Nur weil er so entsetzlich gelitten hatte, genau deswegen er hatte so echt geniale Werke erschaffen.

    LG.

    Ein Leben ohne Selbsterforschung verdiente gar nicht gelebt zu werden.

    Sokrates

Ausgabe №. 135: „Achtsamkeit und Aktivismus"

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