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  1. Buddhaland Forum
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Achtsamkeit

  • Helmut
  • 21. Juli 2020 um 17:17
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    Helmut
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    • 21. Juli 2020 um 17:17
    • #1

    Hier auf Buddaland ist ja in den vergangenen Jahren in verschiedenen Zusammenhängen über Achtsamkeit debattiert worden.

    In meinen Studienunterlagen habe ich zu dem Thema folgende Aussage von einem unserer westlichen Lehrer gefunden:

    "Achtsamkeit bedeutet die Anwendung von Sattipathana auf die Ethik. Das ist etwas ganz anderes als ohne Urteil im Hier und Jetzt zu sein."

    Gruß Helmut

    Als Buddhisten schätzen wir das Leben als höchst kostbares Gut.

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    • 21. Juli 2020 um 17:26
    • #2

    Hallo Helmut,

    durch das Buch "Sattipathana - der direkte Weg" von Analayo bin ich vor Jahren mit dieser Sichtweise in Berührung gekommen und übe mich seither darin. Um wirklich achtsam zu sein, muss ich unterscheiden können zwischen heilsam und unheilsam. Und das ist ein Urteil. Aber dieses Urteil ist nicht dasselbe wie ein geistiges inneres Diskutieren darüber, was nun vom Wahrgenommenen heilsam oder unheilsam ist. Diese Unterscheidung ist bereits zuvor - vielleicht schon seit vielen Jahren - verinnerlicht. Ich komme mir immer wieder dabei vor wie "die guten ins Töpfchen, die schlechten ins Kröpfchen". Es ist jedoch ein lautloser, sekundenbruchteiliger Moment.

    Deshalb kann Achtsamkeit immer hier und jetzt geübt werden. Mit "geübt" meine ich auch nicht, dass das eine schwierige Übung sei, sondern zu einer permanenten Gewohnheit wird, die bei Un-Achtsamkeit im fortgeschrittenen Stadium sofort "bezahlt" wird.

    _()_

  • Dawa
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    • 21. Juli 2020 um 17:47
    • #3

    Ich bin mir nicht sicher ob das hier das richtige Subforum ist :?

    "Ethik" ist ja schon von vornherein wertend. Wenn man nun nur Achtsamkeit auf die eigene Ethik legt, läuft man dann nicht Gefahr in eine Sackgasse zu rennen?

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    Helmut
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    • 21. Juli 2020 um 18:23
    • #4

    Ich bin schon der Meinung, dass es richtig ist, hier über Achtsamkeit zu sprechen. Ich bin durch meine Lehrer stark durch die indo-tibetische Tradition, die auf dem Sanskritkanon beruht, geprägt. Deshalb halte ich es für angemessen, das Thema Achtsamkeit hier anzusprechen.

    Achtsamkeit spielt natürlich in allen buddhistischen Traditionen eine wichtige Rolle. Insofern kann man das Thema in allen Foren der buddhistischen Schulen als auch im Forum Allgemeines zum Buddhismus ansprechen.

    Ethik ist wertend (und ich setze sie bewusst nicht in Anführungszeichen). Es geht immer darum was aufzugeben und was zu entwickeln ist. Es geht darum was sind unheilsame Handlungen, die zu unterlassen sind, und was sind heilsame Handlungen, die zu entwickeln und durchzuführen sind. Um dies im alltäglichen Leben gut unterscheiden zu können, braucht man eben Achtsamkeit.

    Im Kompendium des Höheren Wissens schreibt der indische Meister Asanga:

    "Was ist Achtsamkeit? Aufbauend auf Hasslosigkeit, Verblendungslosigkeit oder Begierdelosigkeit und mit Tatkraft verbunden, ist sie das Hüten des Geistes vor befleckten Phänomenen und die Gewöhnung an heilsame Phänomene. Sie hat die Funktion, alle weltlichen und überweltlichen Vortrefflichkeiten zu verwirklichen und zu vollenden."

    Gruß Helmut

    Als Buddhisten schätzen wir das Leben als höchst kostbares Gut.

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    • 21. Juli 2020 um 18:49
    • #5
    Dawa:

    "Ethik" ist ja schon von vornherein wertend. Wenn man nun nur Achtsamkeit auf die eigene Ethik legt, läuft man dann nicht Gefahr in eine Sackgasse zu rennen?

    Ich verstehe Deine Frage nicht, Dawa. Vielleicht kannst Du das noch weiter erläutern?

    Es geht ja nicht darum, "nur Achtsamkeit auf die eigene Ethik zu legen".

    Wenn ich achtsam bin, dann schaue ich eigentlich hauptsächlich auf mein Denken, meine Gefühle und meine Handlungen. Selbstverständlich bin ich auch so achtsam wie möglich auf meine Umgebung.

    Aber das wichtigste scheint mir zu sein, auf sich selbst zu achten, denn wer achtsam auf sich selbst ist, ist auch achtsam auf andere.

    Ich muss während der Achtsamkeit bewerten, sonst kann ich ja keine Veränderung vornehmen, wenn ich erkenne, welches Muster da abläuft oder ob ich mich irre und vielleicht die falsche Perspektive einnehme.

    Etwas anderes ist es, diesen Irrtum zu verurteilen. Darum geht es nicht, sondern nur um die eventuelle Korrektur - ohne zu ver- oder beurteilen. Das ist möglich, wenn ich genug Distanz zu mir oder anderen einhalte.

    _()_

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    • 21. Juli 2020 um 18:50
    • #6
    Helmut:

    "Was ist Achtsamkeit? Aufbauend auf Hasslosigkeit, Verblendungslosigkeit oder Begierdelosigkeit und mit Tatkraft verbunden, ist sie das Hüten des Geistes vor befleckten Phänomenen und die Gewöhnung an heilsame Phänomene. Sie hat die Funktion, alle weltlichen und überweltlichen Vortrefflichkeiten zu verwirklichen und zu vollenden."

    Ja, Achtsamkeit ist das Hüten des Geistes.

    Sie wird auch als Wächter bezeichnet.

    _()_

  • Schmu
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    • 21. Juli 2020 um 18:59
    • #7

    Achtsamkeit hat für mich unterschiedliche Facetten und Bedeutungszusammenhänge. Es ist für mich unter anderem zum Beispiel etwas, das mit Aufmerksam-Sein / Wachsein / Gewahrsein zu tun hat. In dem Sinn kann es sich auf ganz unspektakuläre Dinge beziehen, wie das Trinken einer Tasse Tee, das Kartoffelschälen, das Zähneputzen oder das bewusste Gehen.

    Also einfach darauf, Dinge konzentriert und eben achtsam zu tun.

    Einmal editiert, zuletzt von Schmu (21. Juli 2020 um 19:05)

  • Aravind
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    • 21. Juli 2020 um 19:01
    • #8

    Ich verstehe den Satz auch (noch) nicht. Rein inhaltlich, unabhängig davon, dass ich kein Tibeter bin.

    Was soll das denn bedeuten,

    Helmut:

    Anwendung von Sattipathana auf die Ethik.

    Hervorhebung durch mich. Kannst Du das an einem Beispiel erläutern, Helmut ? Vielleicht weiß ich auch einfach nicht, was man im tibetischen Buddhismus mit Ethik meint, und das ist mein Problem im Verständnis.

    Unter Sattipathana würde ich auch das verstehen, das Du beschreibst, Monika:

    Monikadie4.:

    Wenn ich achtsam bin, dann schaue ich eigentlich hauptsächlich auf mein Denken, meine Gefühle und meine Handlungen. Selbstverständlich bin ich auch so achtsam wie möglich auf meine Umgebung.

    Aber das wichtigste scheint mir zu sein, auf sich selbst zu achten, denn wer achtsam auf sich selbst ist, ist auch achtsam auf andere.

    Den bereits gegebenen Interpretationen würde ich zustimmen, sehe aber noch nicht, wo das in dem Zitat steht:

    Urteilsfrei im Annehmen dessen, was man vorfindet. Aber nicht urteilsfrei im Handeln: Heilsames stärken, unheilsames verblassen lassen:

    Monikadie4.:

    Etwas anderes ist es, diesen Irrtum zu verurteilen. Darum geht es nicht, sondern nur um die eventuelle Korrektur - ohne zu ver- oder beurteilen. Das ist möglich, wenn ich genug Distanz zu mir oder anderen einhalte.

    Helmut:

    "... das Hüten des Geistes vor befleckten Phänomenen und die Gewöhnung an heilsame Phänomene. (...)"

    Liebe Grüße,

    Aravind.

  • Xyz
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    • 21. Juli 2020 um 19:02
    • #9

    Buddhistische Ethik bedingt Achtsamkeit.

    Ohne die Voraussetzung von Achtsamkeit

    erfüllt bleibt eine Handlung im Gewahrsein möglicherweise eine Handlung ohne buddhistische Ethik.

    @Dawa stimme ich mit seinem Gedankengang zu._()_

  • Schmu
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    • 21. Juli 2020 um 19:25
    • #10

    Achtsamkeit hat nach meinem Verständnis zunächst nicht unmittelbar etwas mit Ethik zu tun. Auch nicht mit Heilsamem / Unheilsamem.

    Achtsamkeit hat dann einen Einfluss darauf, wenn sie zu Einsichten führt, die zu einer neuen Sichtweise mit dem Wunsch nach verändertem Handeln führt. So erscheint es mir...

  • Aravind
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    • 21. Juli 2020 um 19:39
    • #11
    Schmu:

    Achtsamkeit hat nach meinem Verständnis zunächst nicht unmittelbar etwas mit Ethik zu tun. Auch nicht mit Heilsamem / Unheilsamem.

    An sich nicht. Aber die Frage ist, welcher Sanksrit/Pali Begriff da im Original stand.

    Bei Helmut steht ja Satipatthana, das ist schon deutlich konkreter als generell "Achtsamkeit".

    Liebe Grüße,

    Aravind.

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    • 21. Juli 2020 um 19:42
    • #12

    Der achtfache Pfad enthält m.E. alle ethischen Grundsätze, die für ein rechtes Denken und Handeln wichtig sind.

    _()_

  • Schmu
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    • 21. Juli 2020 um 19:59
    • #13
    Aravind:

    An sich nicht. Aber die Frage ist, welcher Sanksrit/Pali Begriff da im Original stand.

    Ich habe es so verstanden, dass es eine Verknüpfung von einem der Lehrer von Helmut ist:

    Helmut:

    "Achtsamkeit bedeutet die Anwendung von Sattipathana auf die Ethik. Das ist etwas ganz anderes als ohne Urteil im Hier und Jetzt zu sein."

    Das erscheint mir typisch für den tibetischen Buddhismus, den ich immer als sehr zielgerichtet wahrnehme.

    Für mich persönlich ist Achtsamkeit nur Achtsamkeit, nichts anderes. Sehrwohl verstehe ich aber, dass wenn jemand Achtsamkeit näher beleuchtet, den Wunsch hat, es damit zu verknüpfen, was Achtsamkeit hervorbringen kann. Seltsam ausgedrückt... ich kann es gerade nicht besser... :roll:

  • Aravind
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    • 21. Juli 2020 um 20:02
    • #14
    Schmu:

    Für mich persönlich ist Achtsamkeit nur Achtsamkeit, nichts anderes.

    Genau, sehe ich auch so. Hatte ich ja schon geschrieben , dass ich den Satz so alleine noch nicht verstehe.

    Der Sinn scheint mir trotzdem klar, aber das müsste Helmut noch bestätigen... :) Vielleicht aus dem Textkontext des Satzes

  • Deepa
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    • 21. Juli 2020 um 21:27
    • #15

    Eine mögliche Beschreibung:

    Achtsamkeit - beobachten, ohne zu bewerten/moralisch zu urteilen.

    Beobachtung: Der Hund beißt *wen auch immer*.

    Versus: Der Hund macht etwas böses. Oder: Der Hund ist böse.

    Beobachtung: Person A. hat Person B. einen 20-Euro-Schein überreicht.

    Was man darüber denkt, geht dann in die Bewertung. Das Handeln oder die Person ist großzügig/geizig, dumm... Etikettierungen.

    Zu meinen Beiträgen: So sehe ich es.

    Viele Wege führen ins Nirvana.

    Deepa

  • Deepa
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    • 21. Juli 2020 um 21:44
    • #16

    Habe gerade das gelesen:

    Zitat

    satipatthāna

    Die 4 'Grundlagen' (Ausgangspunkte) der Achtsamkeit (sati + patthāna),

    oder besser, die 'Gewärtighaltungen' der Achtsamkeit (sati + upatthāna), sind:

      1. die Betrachtung des Körperlichen (kāyānupassanā),
      2. die Betrachtung der Gefühle (vedanānupassanā),
      3. die Betrachtung des Bewußtseins (cittānupassanā) und
      4. die Betrachtung der Geistobjekte (dhammānupassanā).

    satipatthana

    Betrachten. Beobachten. Als würde etwas von einem Aufnahmegerät aufgenommen bzw. abgespielt. Das gibt lediglich wieder - ohne es zu bewerten.

    Man kann auch beobachten - gewahr werden, dass man nicht achtsam war, sondern etwas bewertet hat.

    Nimmt man (z.B.) etwas wahr, was wir als Ärger/Zorn/Wut bezeichnen, geht das u.a. mit ablehnenden, verurteilenden Gedanken - Glaubenssätzen einher.

    Situation: Ein Hund hat ein Kind gebissen.

    Mögliche Gedanken: „Das sollte/darf nicht sein. Er ist böse/schlecht/... .Er gehört dafür bestraft...“ :evil:

    „Oh...ich bin wütend. ich habe bewertet...den Hund verurteilt.“

    Jetzt hat man die Möglichkeit, loszulassen...es wahrzunehmen und ziehen zu lassen. Die Wut löst sich auf....der Geist wird ruhig.

    Zu meinen Beiträgen: So sehe ich es.

    Viele Wege führen ins Nirvana.

    Deepa

  • Lucky Luke
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    • 22. Juli 2020 um 08:13
    • #17

    Eine ausführliche Beschreibung zum Begriff der Achtsamkeit findet sich auch hier:

    Was ist Achtsamkeit - Haltung und Wirkung


    [lz]

    Achtsamkeit ist eine Form von Konzentration, bei der man bewusst wahrnimmt was im gegenwärtigen Moment ist, ohne zu urteilen.[/lz]

    Einmal editiert, zuletzt von Lucky Luke (22. Juli 2020 um 08:25)

  • mukti
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    • 22. Juli 2020 um 09:21
    • #18

    Achtsamkeit hat für mich neben Ethik noch die Bedeutung von Erkenntnis, Bewusstwerden über die Wirklicheit. Wie im Satipatthana Suttabeschrieben, z.B. die Betrachtung der Gefühle:


    [lz]

    Er weilt bei den Gefühlen das gesetzmäßige Entstehen betrachtend, das gesetzmäßige Vergehen betrachtend, das gesetzmäßige Entstehen und Vergehen betrachtend. Oder wiederum 'Ein Gefühl ist da', so ist seine Achtsamkeit gegenwärtig, aber nur in dem Maße, wie es der Erkenntnis dient, wie es der Achtsamkeit dient. Unabhängig lebt er, hängt an nichts in der Welt. So, ihr Mönche, weilt der Mönch bei den Gefühlen, die Gefühle betrachtend. (D.22)[/lz]

    Auf dem Fundament der Ethik kann Sati demnach zur wirklichkeitsgemäßen Sicht der Daseinsfaktoren (Khandha) beitragen, die im Palikanon mit dem immer wiederkehrenden Standardsatz beschrieben ist "Das bin ich nicht, das gehört mir nicht das ist nicht mein Selbst". Ich weiß nicht ob das so auch im Sanskritkanon in diesem Sinn wiedergegeben wird, es würde mich aber wundern wenn dem nicht so wäre, ist das doch eine essentielle Aussage der Buddhalehre.

    Alles nur wahrzunehmen ohne etwas daraus zu machen, im Grunde ohne Ich-Bezug, ist eine Übung die sich u.a. auch in der Anweisung an den Bahiyer findet:


    [lz]

    'Gesehenes gelte dir nur als Gesehenes, Gehörtes nur als Gehörtes, sinnlich Erfahrenes nur als sinnlich Erfahrenes, Erkanntes nur als Erkanntes.' So kannst du dich üben, Bahiyer. Wenn dir Gesehenes nur als Gesehenes, Gehörtes nur als Gehörtes gelten wird sinnlich Erfahrenes nur als sinnlich Erfahrenes, Erkanntes nur als Erkanntes, dann, bist 'du' nicht 'dort' Bahiyer, dann ist 'das' nicht 'deine' Sache, dann Bahiyer, bist 'du' weder 'hier' noch 'jenseits' noch 'dazwischen': Das eben ist das Ende des Leidens.

    Ud.1.10.[/lz]

    Für solch eine vollendete Achtsamkeit mit ungetrübtem Bewusstsein ist natürlich die Entwicklung der Ethik eine Voraussetzung. Die Bewertung von Heilsam und Unheilsam und die Bemühung das Eine zu fördern und das Andere zu lassen ist eine vordringliche Übung die sich nicht überspringen lässt.

    Mit Metta, mukti.


  • Schmu
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    • 22. Juli 2020 um 11:31
    • #19
    mukti:

    Für solch eine vollendete Achtsamkeit mit ungetrübtem Bewusstsein ist natürlich die Entwicklung der Ethik eine Voraussetzung. Die Bewertung von Heilsam und Unheilsam und die Bemühung das Eine zu fördern und das Andere zu lassen ist eine vordringliche Übung die sich nicht überspringen lässt.

    Das hört sich so an, dass die Entwicklung von Ethik eine Verfeinerung von Achtsamkeit zur Folge hat. Meinst du es so?

    Ich sehe es fast eher ein bisschen umgekehrt, bzw. zumindest so, dass ethisches Handeln und Achtsamkeit Hand in Hand gehen. Das Eine lässt sich für mich schwer als die Voraussetzung des Anderen bezeichnen, so sehr greift es ineinander.

  • Deepa
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    • 22. Juli 2020 um 12:05
    • #20

    Wenn wir das (gerne auch eine andere Quelle) als Ausgangsbasis nehmen:


    Zitat

    Der Begriff Buddhistische Ethik fasst Sittlichkeitsregeln und moralische Leitlinien des Buddhismus zusammen. Der „Weg des Buddha“ (skt. Buddha-marga) versteht sich als praxisorientierte Anleitung zum Leben. Der höchste Wert und das Heilsziel des Buddhismus ist Erlösung (Nirwana). Buddhistische Ethik unterscheidet Verhaltensweisen, die auf dem Weg zum Heilsziel förderlich (kusala) oder hinderlich (akusala) sind.

    Buddhistische Ethik ist ein Weg zur Selbsterlösung.

    Quelle: Wiki


    Und Achtsamkeit:

    Zitat

    Achtsamkeit (engl. mindfulness) ist ein Zustand von Geistesgegenwart, in dem ein Mensch hellwach die gegenwärtige Verfasstheit seiner direkten Umwelt, seines Körpers und seines Gemüts erfährt, ohne von Gedankenströmen, Erinnerungen, Phantasien oder starken Emotionen abgelenkt zu sein, ohne darüber nachzudenken oder diese Wahrnehmungen zu bewerten.

    Achtsamkeit kann demnach als Form der Aufmerksamkeit im Zusammenhang mit einem besonderen Wahrnehmungs- und Bewusstseinszustand verstanden werden, als spezielle Persönlichkeitseigenschaft sowie als Methode zur Verminderung von Leiden(im weitesten Sinne).

    Quelle: Wiki

    Dann ist Achtsamkeit ~> „Zustand von Geistesgegenwart, in dem ein Mensch hellwach […] ist“, die Voraussetzung, um bewusst ethisch handeln zu können.

    Das unterscheidet sich von einem Zustand, in dem man seinen Konditionierungen entsprechend handelt.

    Es unterscheidet sich davon, jemandem blind zu folgen.

    Es unterscheidet sich davon, nur zufällig im Sinne der buddhistischen Ethik zu leben.

    Gleichzeitig ist der Grad an Achtsamkeit ein Indikator dafür, wie weit jemand im Sinne der buddhistischen Ethik entwickelt ist - auf welcher Entwicklungsstufe er sich befindet.

    Zu meinen Beiträgen: So sehe ich es.

    Viele Wege führen ins Nirvana.

    Deepa

    2 Mal editiert, zuletzt von Deepa (22. Juli 2020 um 12:12)

  • mukti
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    • 22. Juli 2020 um 12:12
    • #21
    Schmu:
    mukti:

    Für solch eine vollendete Achtsamkeit mit ungetrübtem Bewusstsein ist natürlich die Entwicklung der Ethik eine Voraussetzung. Die Bewertung von Heilsam und Unheilsam und die Bemühung das Eine zu fördern und das Andere zu lassen ist eine vordringliche Übung die sich nicht überspringen lässt.

    Das hört sich so an, dass die Entwicklung von Ethik eine Verfeinerung von Achtsamkeit zur Folge hat. Meinst du es so?

    Ich sehe es fast eher ein bisschen umgekehrt, bzw. zumindest so, dass ethisches Handeln und Achtsamkeit Hand in Hand gehen. Das Eine lässt sich für mich schwer als die Voraussetzung des Anderen bezeichnen, so sehr greift es ineinander.

    Ja es greift ineinander, sehe ich auch so. Ich wollte vor allem damit ausdrücken dass Entwicklung von Ethik unumgänglich ist für die Entwicklung von Weisheit und Sammlung.

    Mit Metta, mukti.


  • Aravind
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    • 22. Juli 2020 um 13:14
    • #22
    Deepa:

    Gleichzeitig ist der Grad an Achtsamkeit ein Indikator dafür, wie weit jemand im Sinne der buddhistischen Ethik entwickelt ist - auf welcher Entwicklungsstufe er sich befindet.

    Das halte ich für einen falschen Umkehrschluss. Was an der Achtsamkeit alleine sollte mich davon abhalten, andere mit voller Achtsamkeit zu töten?

    Liebe Grüße,

    Aravind.

    PS: Ich werde jetzt erst mal nichts mehr schreiben, so lange Helmut nichts dazu gesagt hat, worauf er eigentlich hinaus wollte.

  • Deepa
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    • 22. Juli 2020 um 13:20
    • #23
    Aravind:
    Deepa:

    Gleichzeitig ist der Grad an Achtsamkeit ein Indikator dafür, wie weit jemand im Sinne der buddhistischen Ethik entwickelt ist - auf welcher Entwicklungsstufe er sich befindet.

    Das halte ich für einen falschen Umkehrschluss. Was an der Achtsamkeit alleine sollte mich davon abhalten, andere mit voller Achtsamkeit zu töten?

    Liebe Grüße,

    Aravind.

    PS: Ich werde jetzt erst mal nichts mehr schreiben, so lange Helmut nichts dazu gesagt hat, worauf er eigentlich hinaus wollte.

    Ein besonderer Bewusstseinszustand, eine spezielle Persönlichkeitseigenschaft […]:

    Zitat

    Achtsamkeit kann demnach als Form der Aufmerksamkeit im Zusammenhang mit einem besonderen Wahrnehmungs- und Bewusstseinszustand verstanden werden, als spezielle Persönlichkeitseigenschaft sowie als Methode zur Verminderung von Leiden(im weitesten Sinne).

    Wiki

    Hervorhebung „fett“ von mir.

    Zu meinen Beiträgen: So sehe ich es.

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    Deepa

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    • 22. Juli 2020 um 13:51
    • #24

    Hallo miteinander,

    ich wollte eigentlich auf gar nichts Bestimmtes hinaus. Ich hatte der Suche in meinen Studienunterlagen einen Notizzettel gefunden auf dem ich mir diese Aussage, die mein Lehrer in einem Studienkreis getätigt hatte, aufgeschrieben hatte. Ich habe mir gedacht, ich stelle diese Aussage hier einfach mal ein und warte ab wie sich das Thema entwickelt oder auch nicht.

    Die Beiträge zeigen ja, dass das Thema viele beschäftigt und es sehr unterschiedliche Auffassungen darüber gibt, was Achtsamkeit ist. Im Kontext von MBSR hat er eben eine ganz andere Bedeutung als im Kontext des Buddha-Dharma. Im Satipatthana Sutta (MN 10) wird schon am Anfang deutlich, dass der Buddha mit Achtsamkeit kein nichtwertendes bloßes Beoachten meint, während dies im MBSR die hauptsächliche Bedeutung ist.

    "Ihr Bhikkus, dies ist der Pfad, der ausschließlich zur Läuterung der Wesen führt, zur Überwindung von Kummer und Klagen, zum Verschwinden von Schmerz und Trauer, zum Erlangen des wahren Weges, zur Verwirklichung von Nibbana - nämlich die vier Grundlagen der Achtsamkeit." (K.Zumwinkel, Majjhima Nikaya, Jhana-Verlag, 2001, Band 1, S.155)

    Es stellt sich also die Frage, auf welcher Grundlage wollen wir hier über Achtsamkeit sprechen?

    Gruß Helmut

    Als Buddhisten schätzen wir das Leben als höchst kostbares Gut.

  • Schmu
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    • 22. Juli 2020 um 14:14
    • #25
    Helmut:

    Es stellt sich also die Frage, auf welcher Grundlage wollen wir hier über Achtsamkeit sprechen?

    Die Antwort steckt eigentlich im Thread und deinem Beitrag: Auf beiden Grundlagen! :)

    Es muss nur klar sein, welche gerade gemeint ist.

    Einerseits kann man einen Begriff (hier: "Achtsamkeit") bis zu einem gewissen Grad extrahieren und isolieren, um ihm Kontur zu geben. Andererseits muss man ihn daraufhin wieder in sein Umfeld stellen, um ihn im Zusammenhang sehen zu können.

Ausgabe №. 135: „Achtsamkeit und Aktivismus"

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