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Was wird wiedergeboren?

  • Sili
  • 3. Oktober 2019 um 12:22
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  • Igor07
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    • 24. Februar 2024 um 20:10
    • #551
    Metta:

    Dort wird doch das Verhältnis der "2 Wahrheiten" expliziert, nicht nur einer.

    Richtig, man kann aber niemals die beide unter einen Hut bringen. So wäre dann die Illustration:

    Das leere Netz des bedingten, abhängigen Entstehens’ wird durch ein Bild aus dem Avatamsaka Sutra illustriert:

    “Weit weg, in der himmlischen Residenz des grossen Gottes Indra, gibt es ein wunderbares Netz welches von einem geschickten Kunsthandwerker und Erbauer hergestellt und aufgehängt wurde, so dass es in alle Himmelsrichtungen unendlich weit reicht. In Übereinstimmung mit dem extravaganten Geschmack der Götter, der Devas, hing der Künstler ein einzelnes glitzerndes Juwel in jedes ‘Auge‘ des Netzes. Und da das Netz unendlich ist in seiner Ausdehnung, sind auch die Juwelen unendlich an der Zahl. So hängen die Juwelen dort, glänzend wie die grossen Sterne – ein phantastischer Anblick. Wenn man nun irgendeines dieser Juwelen auswählt, um es von nah zu betrachten und zu untersuchen, entdeckt man, dass auf seiner geschliffenen Oberfläche alle anderen Juwelen des Netzes reflektiert werden – unendlich an der Zahl. Nicht nur das, sondern alle Juwelen, die in diesem einen Juwel gespiegelt werden, reflektieren auch alle anderen Juwelen, so dass ein unendlicher Prozess der Wiederspiegelung entsteht.“

    Fred von Allmen.

    So war mein Gedanke . LG. :taube: :taube: :taube:

    Ein Leben ohne Selbsterforschung verdiente gar nicht gelebt zu werden.

    Sokrates

  • Metta
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    • 24. Februar 2024 um 20:32
    • #552
    Igor07:

    Richtig, man kann aber niemals die beide unter einen Hut bringen.

    Doch das kann man. Das soll man sogar:

    [lz]

    Es ist eine grundsätzliche Forderung, daß jeder, der am Bau unseres geistigen Erbteils mitarbeiten will .... imstande ist, einen anderen, wie er geht und steht, zum Buddha zu machen.

    Bei einem solchen geschieht es dann, daß, was er schaut, im selben Augenblick zur Tat wird, daß er im Verhüllen (durch Worte, samvrtisatya) auch schon auch auseinanderfaltet, daß Theorie und Praxis nicht mehr auseinanderklaffen, daß, was nur für die Zeit vorläufige Geltung hat, mit ewiger, endgültiger Wahrheit (paramarthasatya) Schritt hält. Er kann darauf verzichten, den ersten Stein im Spiel zu setzen (sich auf Leerheit und seine Erfahrung darin rauszureden) und richtet das Tor der Wahrheit zweiter Ordnung auf. Denn wollte er das Rankenwerk kurzerhand abhauen, so wäre es den Neulingen unter seinen Schülern schwer, ihr Schifflein in den Hafen zu steuern. ... es geht nun mal nicht anders" (HEKIGANROKU, 5.Beispiel)[/lz]

  • Igor07
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    • 24. Februar 2024 um 22:30
    • #553
    Metta:
    Helmut:

    Mit dem Tod in diesem Leben trennt sich unser Bewusstseinskontinuum vom Körper dieses Lebens. Mit der Empfängnis, mit der das nächste Leben beginnt, verbindet sich unser Bewusstseinskontinuum mit einem neuen Körper. In dieser neuen Existenz als Mensch wirken sich dann die karmischen Prägungen des Bewusstseinskontinuums, die aus früheren Existenzen stammen, aus.

    Hm, nach M43 geht das nicht.

    Mich interessiert diese Stelle:

    Zitat

    26. "Ihr Bhikkhus, die Empfängnis eines Embryos im Schoß findet statt, wenn drei Dinge zusammenkommen. Wenn die Vereinigung von Vater und Mutter stattfindet, aber die Mutter nicht ihre fruchtbaren Tage hat, und das Wesen, das wiedergeboren werden soll, nicht anwesend ist - in diesem Fall gibt es keine Empfängnis. Wenn die Vereinigung von Vater und Mutter stattfindet, und die Mutter ihre fruchtbaren Tage hat, aber das Wesen, das wiedergeboren werden soll, nicht anwesend ist - auch in diesem Fall gibt es keine Empfängnis. Aber wenn die Vereinigung von Vater und Mutter stattfindet, und die Mutter ihre fruchtbaren Tage hat, und das Wesen, das wiedergeboren werden soll, anwesend ist - in diesem Fall findet eine Empfängnis durch das Zusammenkommen dieser drei Dinge statt.


    Wie kannst du es erklären, Metta ? Ich bedanke mich im voraus.

    P.S. Sehr tolles Zen-Zitat, wenn es geht, wo kann man es lesen? Umwerfend! :like:


    Majjhima Nikāya 38

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  • Metta
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    • 24. Februar 2024 um 22:59
    • #554
    Zitat

    und das Wesen, das wiedergeboren werden soll, nicht anwesend ist

    Ist ausgedachtes Zeug. Im Original steht da "Gandhabba" - eine Klasse von Devas, die "Sänger", die aber auch Hüter des Lebens-Elixiers "Soma" sind. Mythologisch ist das der "innere Lebenssaft aller Wesen", der die "Lebenskraft" (āyu) aus M43 bewirkt.

    Igor07:

    P.S. Sehr tolles Zen-Zitat, wenn es geht, wo kann man es lesen? Umwerfend! :like:

    Das Hekiganroku ist die Koan-Sammlung, die von Dōgen nach Japan gebracht wurde, also die Koansammlung des Soto.
    Unter dem chinesischen Namen "Bi-Yän-Lu, Niederschrift von der smaragdenen Felswand" ist es in der hervorragenden deutschen Übersetzung von Wilhelm Gundert erschienen. Bekommt man
    oft für 10€, entweder in drei Einzelbänden oder als 1000-Seiten-Gesamtausgabe 8) .

    Einmal editiert, zuletzt von Metta (24. Februar 2024 um 23:06)

  • Metta
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    • 25. Februar 2024 um 00:00
    • #555

    Das Hekiganroku war übrigens mein erstes Zen-Buch, ca 1980 in der DDR (auf Vorrat) gekauft. Der Zensurbehörde war völlig entgangen, was das für ein zersetzendes Machwerk ist, was da für teure und knappe Devisen aus dem Westen eingekauft wurde - aber irgendwie nachvollziehbar, denn auch ich verstand erstmal nur Bahnhof, es mußten noch über 10 Jahre vergehen, bis man mich in Japan aufklärte, was da in meinem Regal stand.

  • Igor07
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    • 25. Februar 2024 um 05:39
    • #556

    Metta .

    Dein immenses Wissen besticht mich( OT). Zur Sache. Sehr viele Autoren sprechen über den „Empfindungskörper“, ( nama-kaya), das sei der Körper „der Trieben“, und der bleibt bestehen, und der stoffliche Körper( rupa-kaya), der vergeht. Interessanterweise die indirekte Bestätigung ( Parallelen) ich hatte auch im Buch „Die Philosophie des Buddhismus“ von Willhelm K. Essler bekommen. Und wie kann man erklären, dass der Buddha im Kanon so viele Bereiche des Daseins sehr ausführlich schildert, auch er erinnert bei sehr tiefen Versenkung an die „eigene“ frühere Leben. Deine eigene Erklärung. Wenn alles mit den Khandha weggeht? Wie kann man überhaupt bhava ohne die Wieder-Geburt erklären, auch es wäre mein Anliegen. Apropos, Neumann übersetzt „gandhabba“ als eher „jenseitiges Wesen“. Nach dieser Auffassung man verliert nur den Fleisch-Leib-Körper, aber die Triebe, also das „Sinnen-Süchte „ wandern weiter in die nächste Existenz entsprechend Karma. Man kann es auch sehr gut bei Milindapanha an vielen Stellen finden. Und noch eins, wie sollte man dann Jataka -Geschichten interpretieren, alles ist erfunden? Deine Version. LG.

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    • 25. Februar 2024 um 08:47
    • #557

    [lz]

    Wenn die Vereinigung von Vater und Mutter stattfindet, aber die Mutter nicht ihre fruchtbaren Tage hat[/lz]


    Bei dem Text muss bedacht werden, was mit Mutter und Vater im Kanon gemeint ist.


    [lz]

    In der tieferen Bedeutung der Dhamma-Sprache jedoch ist Nicht-Wissen (avijjā) unser Vater und Verlangen (taṇhā) unsere "Mutter". Man muß sie töten und vollständig beseitigen. Der Buddha sagte: „Mātaraṁ pitaraṁ hantvā akataññūsi brāhmana.“
    „Sei undankbar! Töte den Vater, töte die Mutter, und du wirst Nibbāna erreichen.“
    Der für unsere "Geburt" Verantwortliche ist unser "Vater", - Ignoranz oder Nicht-Wissen -; unsere "Mutter", ebenso verantwortlich für unsere Geburt, ist das Begehren. Den Worten "Vater" und "Mutter" wurde durch den Buddha diese höhere Bedeutung in der Dhamma-Sprache gegeben. So verstanden müssen diese "Eltern" (avijjā und tanhā) getötet, völlig vernichtet werden, bevor Nibbāna verwirklicht werden kann.

    https://www.dhamma-dana.de/files/Dhamma%2…der_Sprache.pdf[/lz]

    „Alleinsein ist Glück beim Zufriedenen,

    der die gehörte Wahrheit erschaut.
    Glück ist Freisein von Bedrückung in der Welt
    und Selbstbeherrschung gegenüber Lebewesen.
    Glück ist Gierlosigkeit in der Welt,
    das Überwinden von Begierde.
    Die Beseitigung der ‘Ich bin’-Einbildung ist höchstes Glück.“

    विहाय कामान्यः सर्वान्पुमांश्चरति निःस्पृहः।
    निर्ममो निरहंकारः स शान्तिमधिगच्छति।।

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    • 25. Februar 2024 um 08:55
    • #558

    Igor07 Zu Nagarjuna, kommt mir vor, als ob dir nicht klar ist, dass er den kompletten Kanon logisch widerlegt hat. Macht relativ wenig Sinn, wenn man gleichzeitig mit ihm und mit dem Kanon argumentieren will.

    "Nagarjuna war ein bedeutender buddhistischer Philosoph, der im 2. Jahrhundert n. Chr. lebte und ein wichtiges Werk namens "Mulamadhyamakakarika" verfasste. In diesem Werk versuchte er, die philosophischen Grundlagen des Mahayana-Buddhismus zu etablieren und zu verteidigen. Er argumentierte, dass die Wirklichkeit letztlich leer (shunyata) von festen, unveränderlichen Eigenschaften ist.

    Um den Pali-Kanon, der die grundlegenden buddhistischen Texte der Theravada-Tradition darstellt, zu widerlegen, verwendete Nagarjuna eine Methode der Reduktion ad absurdum, auch als "Wiederlegung durch Widerspruch" bekannt.

    Seine Argumentation in Bezug auf den Pali-Kanon basierte auf dem Konzept der "Vier Edlen Wahrheiten", einem zentralen Lehrkonzept des Buddhismus. Diese Wahrheiten besagen:

    1. Das Dasein ist Leiden (Dukkha).
    2. Die Ursache des Leidens ist das Verlangen (Tanha).
    3. Das Leiden kann beendet werden, indem man das Verlangen aufgibt.
    4. Der Weg, das Verlangen aufzugeben, ist der Achtfache Pfad.

    Nagarjuna argumentierte, dass diese Wahrheiten selbst von ihrer eigenen metaphysischen Annahme abhängig sind, nämlich der Annahme, dass es feste, unveränderliche Entitäten und Eigenschaften gibt (wie das "Selbst" oder "Dinge"). Er behauptete jedoch, dass diese Konzepte letztlich nicht aufrechterhalten werden können.

    Er wandte eine Methode an, die als "Wiederlegung durch Widerspruch" bekannt ist, um zu zeigen, dass jede Aussage über die Natur der Realität in sich widersprüchlich ist, wenn man versucht, sie auf ihre letzte Bedeutungsebene zu führen. Durch dieses Vorgehen versuchte er zu zeigen, dass jede Behauptung letztendlich auf ein paradoxes Ergebnis führt, wenn man versucht, sie logisch zu analysieren.

    Nagarjuna argumentierte, dass letztlich alles leer von festen, unveränderlichen Eigenschaften ist. Seine Philosophie des "Madhyamaka" betont die Idee der "Leerheit" (Shunyata), in der alle Dinge in ihrer Essenz leer von einem unabhängigen Selbst oder einer festen Natur sind.

    Auf diese Weise versuchte Nagarjuna, die metaphysischen Grundlagen des Pali-Kanons zu widerlegen, indem er zeigte, dass sie letztlich auf unauflösbare Widersprüche führen, wenn man versucht, sie logisch zu analysieren. Dies war ein zentraler Beitrag zur Entwicklung der Mahayana-Philosophie im Buddhismus."

    „Alleinsein ist Glück beim Zufriedenen,

    der die gehörte Wahrheit erschaut.
    Glück ist Freisein von Bedrückung in der Welt
    und Selbstbeherrschung gegenüber Lebewesen.
    Glück ist Gierlosigkeit in der Welt,
    das Überwinden von Begierde.
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    विहाय कामान्यः सर्वान्पुमांश्चरति निःस्पृहः।
    निर्ममो निरहंकारः स शान्तिमधिगच्छति।।

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    • 25. Februar 2024 um 09:09
    • #559
    Igor07:

    Wie kann man überhaupt bhava ohne die Wieder-Geburt erklären,

    So:

    Im Buddhismus ist "Bhava" ein Begriff mit tiefer philosophischer Bedeutung, der auf die psychologische Ebene der Existenz und des Seins hinweist. Um "Bhava" im ultimativen, psychologischen Sinne zu verstehen, müssen wir in die grundlegenden Konzepte des Buddhismus eintauchen.

    Bhava: Das Kontinuum der Existenz

    "Bhava" kann auf verschiedene Weisen übersetzt werden, darunter "Existenz", "Sein", "Zustand des Seins" oder "Becoming" (Werden). Im ultimativen, psychologischen Sinne bezieht sich "Bhava" auf das Kontinuum des Seins, das durch das Zusammenspiel von Karma (Handlungen) und Bewusstsein entsteht.

    1. Karma (Handlungen): Im Buddhismus ist Karma das Gesetz von Ursache und Wirkung. Es besagt, dass unsere Handlungen in Gedanken, Worten und Taten Auswirkungen haben, die uns in diesem Leben und in zukünftigen Leben beeinflussen. Durch unsere Handlungen gestalten wir unser "Bhava" oder unseren Zustand des Seins.

    2. Bewusstsein: Das Bewusstsein ist ein zentraler Bestandteil von "Bhava". Es bezieht sich auf das kontinuierliche Fließen von Bewusstsein von einem Moment zum nächsten. Jeder Moment des Bewusstseins trägt zur Formung unseres Seins bei.

    Drei Arten von Bhava:

    Im Buddhismus werden drei Arten von "Bhava" unterschieden, die jeweils verschiedene Zustände des Seins oder der Existenz beschreiben:

    1. Kāma Bhava (Sinnliches Sein): Dies bezieht sich auf das Sein, das von sinnlichem Verlangen und den Bedürfnissen des Körpers geprägt ist. Es umfasst die Lebensformen, die von der Suche nach Vergnügen, Sinnesfreuden und sinnlicher Befriedigung bestimmt sind. Menschen, die von starken sinnlichen Begierden geleitet werden, können in diesem "Kāma Bhava" existieren.

    2. Rūpa Bhava (Formen-Sein): Dies bezieht sich auf das Sein, das von der Identifikation mit körperlichen Formen, dem Streben nach Schönheit, Macht und Einfluss geprägt ist. Es betrifft auch die Identifikation mit dem Körper als etwas Dauerhaftes und Bedeutendes.

    3. Arūpa Bhava (Formlose Sein): Dies bezieht sich auf das Sein, das jenseits der körperlichen Formen liegt. Es betrifft die Bereiche des Seins, die über die sinnliche und materielle Welt hinausgehen, wie die feinstofflichen Ebenen des Bewusstseins oder die Realisierung formloser Zustände der Meditation.

    Bhava und die Psyche:

    In psychologischer Hinsicht ist "Bhava" eng mit der Konzeption des Selbst (Anatta) im Buddhismus verbunden. Es geht darum zu verstehen, dass das Selbst oder die Identität keine unveränderliche, ewige oder unabhängige Essenz hat, sondern ein kontinuierliches Fließen von Bewusstsein und Erfahrung ist, das durch Karma geformt wird.

    - Identifikationen und Muster: Bhava zeigt auf, wie wir uns mit bestimmten Identitäten und Mustern identifizieren. Diese Identifikationen können auf unseren Handlungen (Karma) und unseren Bewusstseinszuständen basieren. Wenn wir uns beispielsweise stark mit sinnlichen Genüssen identifizieren, formt dies unser Kāma Bhava.

    - Die Illusion des Selbst: Bhava zeigt auch die Illusion des getrennten Selbst auf, das wir oft aufbauen. Durch die Betonung von Karma und Bewusstsein zeigt Bhava, dass das Selbst ein dynamischer Prozess ist, der sich ständig verändert und nicht als etwas Festes oder Unveränderliches betrachtet werden kann.

    - Der Weg zur Befreiung: Im Buddhismus ist das Verständnis von "Bhava" von entscheidender Bedeutung für den Weg zur Befreiung (Nirvana). Indem wir die Illusionen des Selbst und des Seins durchschauen und unser Karma bewusst lenken, können wir uns von den begrenzenden Zuständen des Kāma Bhava, Rūpa Bhava und Arūpa Bhava befreien.

    Insgesamt zeigt "Bhava" im ultimativen, psychologischen Sinne die Verbindung zwischen unseren Handlungen, unserem Bewusstsein und unserem Zustand des Seins auf. Es lädt uns ein, die Illusionen des Selbst zu durchschauen, unsere Identifikationen zu überwinden und ein bewussteres, freieres und weiseres Leben zu führen. Es ist ein Schlüsselkonzept, um die tiefsten Schichten der menschlichen Psyche im Kontext der buddhistischen Lehren zu verstehen.

    „Alleinsein ist Glück beim Zufriedenen,

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  • Igor07
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    • 25. Februar 2024 um 09:50
    • #560

    Lieber Jan87 ,

    Ich habe kein Problem wie mit Nagarjuna , so wie mit zwei Wahrheiten. Ich habe das Problem mit der traditionellen Interpretation. So wie der moderne Zen-Autor Christian Dillo ( „ Der Tiefe Wunsch nach Lebendigkeit“), so auch Stephen Batchelor hatten überhaupt auf den Begriff „Karma“ verzichtet, deswegen ich wollte doch die Meinung von Metta hören.

    Wie den Begriff Bhava Nyanatioloka, Th. Bhikkhu ( „Die Paradoxie des Werdens“), usw erklären , das weiß ich genug. Im Pali-Kanon es gibt sehr viele Bereiche des Daseins, so wie

    Götter der 4 Großen Könige, Hölle, Tierwelt, Gespenster, Brahhma Götter, Reich gesegneten Götter .. weiß nur der Himmel, ( ich scherze), was man dort noch finden kann.

    Samsara-Rad ist sehr tief in der traditionellen Deutung mit Jenseits verbunden. Wir sind eher hier auf der Erde wie auf der Umsteigestation, wie die Gäste ( eher die „Geister“), man wünscht , wie es üblich im TB ist, die beste Wiedergeburt. Nicht verletzend gemeint.

    Deswegen ich wollte die Meinung von Profi hören, nicht aus den Büchern, und zwar wie man ohne Jenseits die ganze Lehre erklären kann. So kurz zur Sache. Nimm es nicht persönlich, bitte. Danke. LG.

    Ein Leben ohne Selbsterforschung verdiente gar nicht gelebt zu werden.

    Sokrates

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    • 25. Februar 2024 um 21:55
    • #561

    Solange Glaube da ist, solange ist auch Dukkha da

  • Bosluk
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    • 27. Februar 2024 um 16:35
    • #562
    Metta:

    Das ist die gängige tibetische Argumentation, die allerdings ein sehr wichtiges Prinzip der buddhistischen Philosophie negiert: nämlich das von der gemeinsamen Enetstehung von Namarupa und Bewußtsein (D15).

    Wenn Namarupa und Bewußtsein gemeinsam entstehen, wird Nama-rupa damit zu etwas Geist-Körperliches das im Laufe der Zeit anwächst.

    Aus dieser Interpretation macht es für mich keinen Sinn, wieso man allgemein von Nama-rupa (=alle Art der Formen) spricht. Wäre diese Interpretation richtig, hätte man im Palikanon auch schlicht vom Nama-kaya (=dem spezifischen Körper) sprechen können. Für mich stellt sich die Frage, wieso man dennoch allgemeiner von Rupa spricht anstelle von kaya.

    Aber es gibt für mich einen größeren Haken:

    Es ignoriert das in den Sutten vorangestellte avijjā. Insbesondere mit dem Aufhören von avijjā, hört auch nama-rupa auf. avijjānirodhā - nāmarūpanirodho.

    Wenn nama-rupa auf das Geist-körperliche reduziert wird, wie sieht dann ein "nāmarūpanirodho" aus, dass mit dem Verschwinden von avijjā einsetzt? Das Geist-körperliche, das zusammen mit viññāna entsteht, hört jedenfalls nicht auf. Die Frage geht nicht nur an dich Metta . Mich würde das von jedem interessieren, den diese Deutung anspricht.

  • Jan87
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    Buddh. Richtung
    Theravāda
    • 27. Februar 2024 um 21:17
    • #563
    Bosluk:

    Wenn nama-rupa auf das Geist-körperliche reduziert wird, wie sieht dann ein "nāmarūpanirodho" aus, dass mit dem Verschwinden von avijjā einsetzt?

    Mit Nama ist ein geistiges benennen gemeint, welchem Unwissenheit vorausgeht.

    "Nama ist vedana, sanna, cetana, phasso und manasikara" wird in Die Lehre des Buddha und ihre wesentliche Bedeutung beschrieben.

    Kurz von GPT erklärt:

    Zitat

    Im Abhängigen Entstehen (Paticca Samuppada) sind "Nama" und "Rupa" die zwei Hauptkategorien, die das menschliche Erleben ausmachen. Nama bezieht sich auf den geistigen oder mentalen Aspekt, während Rupa den materiellen oder physischen Aspekt darstellt. Innerhalb von Nama gibt es fünf Komponenten oder Aggregaten, die im Pali-Kanon als "Pancakkhandha" bekannt sind. Diese fünf Komponenten sind Vedana, Sanna, Cetana, Phassa und Manasikara. Hier ist eine Erklärung jedes einzelnen:

    1. **Vedana** (Gefühl):

    - Vedana bezieht sich auf die subjektive Erfahrung von Empfindungen, die als angenehm, unangenehm oder neutral wahrgenommen werden. Es ist die unmittelbare, emotionale Reaktion auf einen Reiz. Zum Beispiel kann das Sehen eines geliebten Menschen ein Gefühl von Freude (angenehm), das Verbrennen der Hand an einem heißen Objekt ein Gefühl von Schmerz (unangenehm) und das Sitzen in einem ruhigen Raum ein Gefühl von Gleichmut (neutral) hervorrufen.

    2. **Sanna** (Wahrnehmung):

    - Sanna bezieht sich auf die Fähigkeit des Geistes, Dinge zu erkennen und zu unterscheiden. Es ist die kognitive Funktion, die es uns ermöglicht, Objekte zu identifizieren und ihnen Namen zuzuweisen. Zum Beispiel erlaubt uns Sanna zu erkennen, dass ein Objekt ein Baum ist, und es von anderen Objekten zu unterscheiden.

    3. **Cetana** (Absicht, Willenskraft):

    - Cetana bezieht sich auf den mentalen Prozess des Wollens, Planens und Entscheidens. Es ist die bewusste Absicht hinter unseren Handlungen. Cetana ist der mentale Faktor, der bestimmt, ob eine Handlung als gut, schlecht oder neutral betrachtet wird. Zum Beispiel kann Cetana die Absicht sein, einem Freund zu helfen, oder die Absicht, jemandem absichtlich Schaden zuzufügen.

    4. **Phassa** (Kontakt):

    - Phassa bezieht sich auf den Kontakt zwischen den Sinnesorganen (Salayatana) und den äußeren Objekten. Es ist der Moment des Zusammentreffens von Auge und Form, Ohr und Klang, Nase und Geruch, Zunge und Geschmack, Körper und Berührung, sowie Geist und mentalen Objekten. Phassa ist der Auslöser für Vedana, da er den Boden für die subjektive Erfahrung von Gefühlen schafft.

    5. **Manasikara** (Aufmerksamkeit, Geistesgegenwart):

    - Manasikara bezieht sich auf die Fähigkeit des Geistes, seine Aufmerksamkeit auf bestimmte Objekte zu richten oder von ihnen abzulenken. Es ist die geistige Aktivität, die entscheidet, auf welche Objekte der Geist sich konzentrieren soll. Zum Beispiel kann Manasikara die gezielte Aufmerksamkeit sein, die wir einem Buch widmen, während wir lesen, oder die Abwesenheit des Geistes, wenn wir abgelenkt oder unaufmerksam sind.

    Diese fünf Komponenten von Nama arbeiten zusammen, um die Erfahrung und das Verhalten eines Individuums zu formen. Sie sind miteinander verbunden und beeinflussen sich gegenseitig in der Art und Weise, wie wir die Welt wahrnehmen, auf sie reagieren und mit ihr interagieren.

    Alles anzeigen
    Zitat

    "Nāmarūpanirodho" wird oft als "die Beendigung von Name und Form" übersetzt. Es ist Teil der zweiten Edlen Wahrheit, die besagt, dass das Leiden (Dukkha) eine Ursache hat, nämlich den Durst, gierig an den Dingen dieser Welt festzuhalten (Tanha). Dieser Durst wird als die Ursache für das Anhaften an Existenz, das Festhalten an "Name und Form" betrachtet.

    Der Begriff bezieht sich auf die Idee, dass das Festhalten an Identitäten und Konzepten (Name) sowie an körperlicher und geistiger Form (Rupa) zur Entstehung von Leiden führt. Die "Beendigung von Name und Form" wird als ein Zustand der Befreiung betrachtet, in dem das Festhalten an diesen Konzepten und Identitäten aufgelöst ist, was zur Befreiung von Leiden führt.

    „Alleinsein ist Glück beim Zufriedenen,

    der die gehörte Wahrheit erschaut.
    Glück ist Freisein von Bedrückung in der Welt
    und Selbstbeherrschung gegenüber Lebewesen.
    Glück ist Gierlosigkeit in der Welt,
    das Überwinden von Begierde.
    Die Beseitigung der ‘Ich bin’-Einbildung ist höchstes Glück.“

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    • 27. Februar 2024 um 22:25
    • #564
    Bosluk:

    Aber es gibt für mich einen größeren Haken:

    Es ignoriert das in den Sutten vorangestellte avijjā. Insbesondere mit dem Aufhören von avijjā, hört auch nama-rupa auf. avijjānirodhā - nāmarūpanirodho.


    Wenn nama-rupa auf das Geist-körperliche reduziert wird, wie sieht dann ein "nāmarūpanirodho" aus, dass mit dem Verschwinden von avijjā einsetzt? Das Geist-körperliche, das zusammen mit viññāna entsteht, hört jedenfalls nicht auf. Die Frage geht nicht nur an dich Metta . Mich würde das von jedem interessieren, den diese Deutung anspricht.


    Das gefällt mir aber sehr, Bosluk. Ich hoffe, Metta " kommt vorbei." Zwei Zitate aus dem Abhidhamma - was denkt man darüber?


    Zitat

    Tod und Wiedergeburt ohne Zwischenraum

    Nach dem Theravāda-Buddhismus kann es keinen Zwischenraum zwischen zwei Leben

    geben – wogegen der Mahāyāna und darin insbesondere der tibetische Buddhismus vom

    „bardo“ (Zwischenzustand) spricht. Die geistige Kontinuität (citta-santāna) des

    Bewusstseinsstroms oder die Reihe der cittas muss dem Abhidhamma nach lückenlos sein,

    damit die paṭisandhi- und alle bhavaṅga-cittas im neuen Leben das Objekt aus dem alten

    Leben mitnehmen bzw. empfangen können (siehe unser Beispiel eines typischen

    Sterbeprozesses). Dem Theravāda zufolge müsste das „subtile Bewusstsein“ des

    Verstorbenen im bardo, das den Zwischenzustand mit all seinen Farben, Schrecken und

    Verlockungen erlebt, die im tibetischen Totenbuch (bardo thödol) beschrieben sind, bereits

    ein neues Lebewesen sein – vielleicht ein gespenst-ähnliches und kurzlebiges Wesen.

    Alles anzeigen

    Gemäß dem Visuddhimagga ist der letzte Augenblick des Todes unmittelbar der erste Augenblick der Wiedergeburt und wird durch karmische Ursachen bedingt. Es wird jedoch auch betont, dass es eine "Lücke" zwischen dem Tod und der Wiedergeburt geben kann, obwohl einige Interpretationen diese "Lücke" leugnen. Es gibt also verschiedene Auffassungen darüber. Korrekt, oder?

    Zitat

    Im Abhidhammattha Sa˙ngaha gibt es das Kapitel des Prozeßfreien. Es

    behandelt Bereiche, in denen das Bewußtsein fließt, ohne von Geistesprozessen

    unterbrochen zu werden. Das Handbuch beschreibt 19 verschiedene

    Bewußtseinsarten, die zusammen das Lebenskontinuum von Individuen

    bilden. Sie werden auch „bhava˙nga citt¯ani“ genannt. Um es noch einmal

    zu wiederholen: Sie sind Resultate von vergangenem Kamma, entstehen

    also aufgrund vergangener kammischer Handlung. Sie kommen im Tiefschlaf

    auf, zwischen Geistesprozessen, im Augenblick der Geburt (dem

    ersten Moment der neuen Existenz) und im Augenblick des Todes (dem

    letzten Moment).

    Alles anzeigen

    So die Quellen:

    https://www.abhidhamma.de/Fusspfade_kl.pdf

    https://www.theravadanetz.de/studium/pdf/txt_abhidhamma_skript.pdf

    Bosluk:

    Das Geist-körperliche, das zusammen mit viññāna entsteht, hört jedenfalls nicht auf.

    Ja, das ist eine logische Schlussfolgerung. Wenn der letzte Augenblick des Todes unmittelbar der erste Augenblick der Wiedergeburt ist und durch karmische Ursachen bedingt ist, dann impliziert das, dass das Bewusstsein oder die Kontinuität des Bewusstseins weitergeht, da der Tod und die Wiedergeburt voneinander abhängig sind. Dies ist eine Interpretation, die auf der Annahme basiert, dass das Bewusstsein einen kausalen Zusammenhang über den Tod hinaus hat. Hoffe ich, es sei korrekt, oder?

    Bosluk:

    Es ignoriert das in den Sutten vorangestellte avijjā. Insbesondere mit dem Aufhören von avijjā, hört auch nama-rupa auf. avijjānirodhā - nāmarūpanirodho.

    Also, man kann

    Nibbana mit dem Ende von Nama-Rupa vergleichen , was darauf hindeutet, dass es sich um die Überwindung oder die Freiheit von der üblichen Wahrnehmung handelt. In diesem Sinne könnte man Nibbana metaphorisch als das Ende der phänomenalen Erfahrung betrachten, eine Art Befreiung von den gewöhnlichen Wahrnehmungen und Erfahrungen des Lebens. Diese Interpretation wäre ähnlich, wie bei F. Schäfer. LG. _()_

    Ein Leben ohne Selbsterforschung verdiente gar nicht gelebt zu werden.

    Sokrates

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    • 28. Februar 2024 um 10:23
    • #565

    Igor07 Die Theravada-Abhidhamma-Erklärung ist bei Narada ausführlich zu finden.

    Hier einmal die deutsche Übersetzung.

    Zitat

    Kapitel 28


    Wie die Wiedergeburt stattfindet


    „Der Knochenhaufen (von all den Körpern) eines Mannes,


    Der allein ein Äon gelebt hat,


    Würde eine Bergeshöhe erreichen -


    So sagte der mächtige Seher.“ – Itivut’taka


    Dem sterbenden Menschen in diesem kritischen Stadium wird nach der Abhidhamma-Philosophie ein Kamma, Kamma Nimitta oder Gati Nimitta präsentiert.


    Mit Kamma ist hier irgendeine gute oder schlechte Tat gemeint, die während seines Lebens oder unmittelbar vor seinem Sterbemoment begangen wurde. Es ist ein guter oder schlechter Gedanke. Wenn die sterbende Person eine der fünf schwerwiegenden Verbrechen (garuka kamma) begangen hätte, wie etwa Totschlag usw. oder die Jhānas (Ekstasen) entwickelt hätte, würde sie ein solches Kamma vor ihrem Tod erleben. Diese sind so mächtig, dass sie alle anderen Handlungen völlig überlagern und sehr lebhaft vor dem geistigen Auge erscheinen. Wenn er keine solch gewichtige Handlung begangen hätte, könnte er als Objekt des sterbenden Gedankenprozesses ein unmittelbar vor dem Tod begangenes Kamma (āsanna kamma) nehmen; das könnte als „Tod-Nahes Kamma“ bezeichnet werden.


    Im Fehlen eines „Tod-Nahen Kammas“ wird eine gewohnheitsmäßige gute oder schlechte Handlung (ācinna kamma) präsentiert, wie die Heilung von Kranken im Fall eines guten Arztes oder die Lehre des Dhamma im Fall eines frommen Bhikkhus oder das Stehlen im Fall eines Diebes. Wenn all dies fehlschlägt, wird irgendeine zufällige belanglose gute oder schlechte Handlung (katattā kamma) zum Objekt des sterbenden Gedankenprozesses.


    Kamma Nimitta oder „Symbol“ bedeutet eine geistige Wiedergabe irgendeines Anblicks, Klangs, Geruchs, Geschmacks, Berührungsgefühls oder einer Idee, die zur Zeit einer wichtigen Aktivität, sei es gut oder schlecht, vorherrschend war, wie zum Beispiel eine Vision von Messern oder sterbenden Tieren im Fall eines Metzgers, von Patienten im Fall eines Arztes und vom Objekt der Verehrung im Fall eines Gläubigen usw.


    Mit Gati Nimitta oder „Symbol des Schicksals“ ist irgendein Symbol des Ortes der zukünftigen Geburt gemeint. Dies zeigt sich häufig sterbenden Personen und prägt ihre Züge mit Freude oder Dunkelheit. Wenn diese Anzeichen für die zukünftige Geburt auftreten und sie schlecht sind, können sie manchmal behoben werden. Dies wird durch Beeinflussung der Gedanken des Sterbenden erreicht. Solche vorahnenden Visionen[1] des Schicksals können Feuer, Wälder, bergige Gebiete, der Mutterleib, himmlische Wohnungen und Ähnliches sein.


    Indem man ein Kamma, ein Kamma-Symbol oder ein Schicksalssymbol als Objekt nimmt, läuft ein Gedankenprozess ab, auch wenn der Tod sofort eintritt.


    Um der Bequemlichkeit willen wollen wir uns vorstellen, dass die sterbende Person im menschlichen Königreich wiedergeboren wird und dass das Objekt irgendein gutes Kamma ist.


    Sein Bhavanga-Bewusstsein wird unterbrochen, vibriert für einen Gedankenmoment und vergeht; danach entsteht und vergeht das Geist-Pforten-Bewusstsein (manodvāravajjana). Dann kommt die psychologisch wichtige Stufe – der Javana-Prozess – der hier aus Schwäche nur für fünf Gedankenmomente statt der normalen sieben läuft. Ihm fehlt jegliche reproduktive Kraft, seine Hauptfunktion besteht nur darin, die neue Existenz zu regulieren (abhinavakarana).


    Da das Objekt hier wünschenswert ist, ist das erlebte Bewusstsein ein moralisches. Das Tadālambana-Bewusstsein, das für zwei Momente die Funktion hat, das wahrgenommene Objekt zu registrieren oder zu identifizieren, kann folgen oder auch nicht. Danach tritt das Todesbewusstsein (cuticitta) auf, der letzte Gedankenmoment, der in diesem gegenwärtigen Leben erlebt wird.


    Es gibt eine Fehlannahme bei einigen, dass die nachfolgende Geburt durch dieses letzte Todesbewusstsein (cuticitta) bedingt ist, das an sich keine spezielle Funktion auszuführen hat. Was tatsächlich die Wiedergeburt bedingt, ist das, was während des Javana-Prozesses erlebt wird.


    Mit dem Erlöschen des Todesbewusstseins erfolgt tatsächlich der Tod. Dann entstehen keine materiellen Qualitäten, die aus Geist und Nahrung (cittaja und āhāraja) geboren sind. Nur eine Serie von aus hitzegeborenen (utuja) materiellen Qualitäten setzt sich fort, bis die Leiche zu Staub zerfällt.[2]


    Gleichzeitig mit dem Aufkommen des Wiedergeburtsbewusstseins entstehen die 'Körperdekade', die 'Geschlechtsdekade' und die 'Basisdekade' (kāya-bhāva-vatthu-dasaka).[3]


    Nach buddhistischer Lehre wird das Geschlecht daher im Moment der Empfängnis bestimmt und durch Kamma bedingt, nicht durch irgendeine zufällige Kombination von Spermien- und Eizellen.[4]


    Das Dahinscheiden des Bewusstseins der vergangenen Geburt ist der Anlass für das Aufkommen des neuen Bewusstseins in der anschließenden Geburt. Es wird jedoch nichts Unveränderliches oder Dauerhaftes von der Vergangenheit in die Gegenwart übertragen.


    Genau wie das Rad nur an einem Punkt auf dem Boden ruht, leben wir streng genommen nur für einen Gedankenmoment. Wir befinden uns immer in der Gegenwart, und diese Gegenwart entgleitet ständig in die unwiderrufliche Vergangenheit. Jedes momentane Bewusstsein dieses sich ständig ändernden Lebensprozesses überträgt, wenn es vergeht, seine ganze Energie, alle unveränderlich aufgezeichneten Eindrücke darauf, auf seinen Nachfolger. Jedes frische Bewusstsein besteht daher aus den Potenzialitäten seiner Vorgänger zusammen mit etwas mehr. Bei einem Tod vergeht das Bewusstsein, so wie es in Wahrheit in jedem Moment vergeht, nur um in einer Wiedergeburt ein neues zu gebären. Dieses erneuerte Bewusstsein erbt alle vergangenen Erfahrungen. Da alle Eindrücke unveränderlich im sich ständig verändernden, palimpsestartigen Geist aufgezeichnet sind und alle Potenzialitäten von Leben zu Leben übertragen werden, unabhängig von vorübergehender Zerstreuung, kann es Erinnerungen an vergangene Geburten oder vergangene Ereignisse geben. Wohingegen bei einer Erinnerung, die ausschließlich von Gehirnzellen abhängig wäre, eine solche Erinnerung unmöglich wäre.


    „Dieses neue Wesen, das die gegenwärtige Manifestation des Stroms der Kamma-Energie ist, ist nicht dasselbe wie das vorherige in seiner Linie – die Aggregate, die seine Zusammensetzung ausmachen, sind anders, haben keine Identität mit denen, die das Wesen seines Vorgängers ausmachen. Und doch ist es nicht ein völlig anderes Wesen, da es den gleichen Strom der Kamma-Energie hat, wenn auch vielleicht modifiziert, nur indem es sich in dieser Manifestation gezeigt hat, die sich jetzt in der sinnlich wahrnehmbaren Welt als das neue Wesen zu erkennen gibt.“[5]


    Der Tod ist laut Buddhismus das Ende des psycho-physischen Lebens einer einzelnen Existenz. Es ist das Vergehen der Vitalität (āyu), d.h. des psychischen und physischen Lebens (jīvitindriya), der Hitze (usma) und des Bewusstseins (viññāna).


    Der Tod ist nicht die vollständige Vernichtung eines Wesens, denn obwohl eine bestimmte Lebensspanne endet, wird die Kraft, die es bisher antrieb, nicht zerstört.


    Genau wie eine elektrische Lampe die äußere sichtbare Manifestation unsichtbarer elektrischer Energie ist, so sind wir die äußeren Manifestationen unsichtbarer kammischer Energie. Die Glühbirne mag zerbrechen und das Licht mag erlöschen, aber der Strom bleibt erhalten, und das Licht kann in einer anderen Glühbirne reproduziert werden. Auf die gleiche Weise bleibt die kammische Kraft von der Zersetzung des physischen Körpers ungestört, und das Vergehen des gegenwärtigen Bewusstseins führt zum Entstehen eines frischen in einer anderen Geburt. Aber nichts Unveränderliches oder Dauerhaftes „geht“ von der Gegenwart in die Zukunft über.


    In dem vorliegenden Fall nimmt das vor dem Tod erlebte Gedankenobjekt moralische Eigenschaften an, und das resultierende Wiedergeburtsbewusstsein nimmt als Material eine geeignete Spermien- und Eizelle menschlicher Eltern an. Das Wiedergeburtsbewusstsein (patisandhi viññāna) geht dann in den Bhavanga-Zustand über.[6]


    Die Kontinuität des Flusses ist beim Tod zeitlich ununterbrochen, und es gibt keine Unterbrechung im Strom des Bewusstseins.


    Die Wiedergeburt erfolgt sofort, unabhängig vom Geburtsort, genauso wie eine elektromagnetische Welle, die in den Raum projiziert wird, sofort in einem empfangenden Radiogerät reproduziert wird. Die Wiedergeburt des mentalen Flusses ist ebenfalls augenblicklich und lässt überhaupt keinen Raum für einen Zwischenzustand[7] (antarabhava). Der reine Buddhismus unterstützt nicht den Glauben, dass ein Geist der verstorbenen Person in einem temporären Zustand Zuflucht sucht, bis er einen geeigneten Ort für seine „Wiederverkörperung“ findet.


    [1] Für Einzelheiten zu diesen „vorahnenden Visionen des Ortes der Wiedergeburt“ siehe Dr. W. T. Evans-Wents, The Tibetan Book of the Dead, S. 183.


    [2]  Gemäß dem Buddhismus entstehen materielle Qualitäten auf vier Arten.


    i. Kamma, d.h. vergangene moralische und unmoralische Handlungen;


    ii. Utu, d.h. physische Veränderung oder das Tejo (Hitze)-Element, das sowohl Hitze als auch Kälte umfasst;


    iii. Citta, d.h. Geist und geistige Eigenschaften,


    iv. Āhara, d.h. Nahrung, die in der Nahrung vorhanden ist.


    [3] Siehe S. 424.


    [4] Vergleiche „Das Geschlecht des Individuums wird bei der Empfängnis durch die Chromosomenzusammensetzung der Gameten bestimmt. Dadurch ist der Embryo mit der Potenz ausgestattet, sich zu einem Geschlecht zu entwickeln“ Frank Alexander, Psychosomatic Medicine, S. 219.


    [5] Bhikkhu Silācāra.


    [6] Siehe A Manual of Abhidhamma von Nārada Thera, S. 273


    [7] Nach tibetischen Werken gibt es einen Zwischenzustand, in dem Wesen ein, zwei, drei, fünf, sechs oder sieben Wochen verweilen, bis zum neunundvierzigsten Tag. Diese Ansicht steht im Widerspruch zu den Lehren des Buddhismus. The Tibetan Book of the Dead, S. XLII -XLIII, 58, 160–165.

    The Buddha and His Teachings (buddhanet.net)

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    Interessant ist es dann, wenn man sich die einzelnen Pali-Begriffe genau anguckt.

    1. **Kamma**:

    - Kamma bezieht sich auf die Handlungen, Absichten oder Taten eines Individuums. Im ultimativen Sinne bezieht sich Kamma auf die Gesamtheit der Absichten, die das individuelle Schicksal bestimmen. Es ist das Gesetz von Ursache und Wirkung, das besagt, dass jede Handlung eine entsprechende Wirkung hat, entweder in diesem Leben oder in zukünftigen Existenzen.

    2. **Kamma Nimitta oder Gati Nimitta**:

    - Kamma Nimitta bezieht sich auf die Zeichen oder Vorahnungen, die aufgrund vergangener Handlungen auftreten können und die Tendenzen oder Neigungen einer Person anzeigen. Im ultimativen Sinne sind sie Manifestationen vergangener Kamma-Handlungen, die den Geist in eine bestimmte Richtung lenken.

    3. **Garuka Kamma**:

    - Garuka Kamma bezieht sich auf schwere oder schwerwiegende Handlungen, die bedeutende Auswirkungen auf das Leben und die Erfahrungen einer Person haben. Im ultimativen Sinne sind dies die Handlungen, die stark genug sind, um tiefgreifende Veränderungen im Laufe der Existenz zu bewirken.

    4. **Āsanna Kamma**:

    - Āsanna Kamma sind gegenwärtige Handlungen oder Taten, die unmittelbare Auswirkungen haben. Im ultimativen Sinne sind dies die Handlungen, die den gegenwärtigen Geisteszustand und die Erfahrungen formen.

    5. **Ācinna Kamma**:

    - Ācinna Kamma bezieht sich auf vergangene Handlungen oder Taten, die bereits begonnen haben, ihre Wirkungen zu entfalten. Im ultimativen Sinne sind dies die Handlungen, die bereits in Bewegung sind und deren Ergebnisse sich entwickeln.

    6. **Katattā Kamma**:

    - Katattā Kamma bezieht sich auf die Natur oder Art der Handlungen, die ein Individuum ausführt. Im ultimativen Sinne sind dies die grundlegenden Eigenschaften der Handlungen, die bestimmen, wie sie sich auswirken werden.

    7. **Bhavanga**:

    - Bhavanga ist das Unterbewusstsein oder der ruhende Geisteszustand zwischen bewussten Wahrnehmungen. Im ultimativen Sinne ist es das Fundament des Geistes, auf dem alle Erfahrungen aufbauen.

    8. **Manodvāravajjana**:

    - Manodvāravajjana ist das Türwächter-Bewusstsein, das den Eintritt von Sinneswahrnehmungen in den Geist kontrolliert. Im ultimativen Sinne ist es das Bewusstsein, das bestimmt, welche Eindrücke und Wahrnehmungen in den Geist eindringen und ihn formen.

    9. **Javana**:

    - Javana bezieht sich auf die Prozesse des geistigen Flusses oder der mentalen Strömung, die bei der Wahrnehmung und Reaktion auf Sinnesobjekte auftreten. Im ultimativen Sinne sind es die tiefen Schichten des Geistes, in denen Kamma gebildet wird.

    10. **Abhinavakarana**:

    - Abhinavakarana ist die Erneuerung oder Wiederholung von Gedanken oder Handlungen. Im ultimativen Sinne bezieht es sich auf den fortlaufenden Prozess der Konditionierung des Geistes durch wiederholte Muster.

    11. **Tadālambana-Bewusstsein**:

    - Tadālambana-Bewusstsein bezieht sich auf das Bewusstsein, das sich auf das Objekt oder den Gegenstand der Meditation richtet. Im ultimativen Sinne ist es das Bewusstsein, das auf dem Weg zur Erleuchtung verankert ist.

    12. **Cuticitta**:

    - Cuticitta bezieht sich auf das Bewusstsein, das während der tiefen Meditation oder Kontemplation auftritt. Im ultimativen Sinne ist es das reine Bewusstsein, das frei von allen Anhaftungen und Begierden ist.

    13. **Cittaja und Āhāraja**:

    - Cittaja bezieht sich auf das Bewusstsein, das aus dem Geist selbst entsteht, während Āhāraja sich auf das Bewusstsein bezieht, das aus externen Objekten oder Sinneserfahrungen entsteht. Im ultimativen Sinne sind es die verschiedenen Aspekte des Bewusstseins, die durch innere und äußere Einflüsse geprägt werden.

    14. **Utuja**:

    - Utuja bezieht sich auf das Bewusstsein, das durch physische oder körperliche Empfindungen entsteht. Im ultimativen Sinne ist es das Bewusstsein, das durch den Körper und seine Empfindungen beeinflusst wird.

    15. **Kāya-bhāva-vatthu-dasaka**:

    - Kāya-bhāva-vatthu-dasaka bezieht sich auf die zehn Arten von Grundlagen des körperlichen Seins. Im ultimativen Sinne sind es die verschiedenen Aspekte des körperlichen Daseins, die die Erfahrungen und Empfindungen beeinflussen.

    16. **Āyu**:

    - Āyu bezieht sich auf die Lebensspanne oder die Dauer des Lebens. Im ultimativen Sinne ist es die Zeit, die ein Individuum hat, um spirituelles Wachstum und Befreiung zu erreichen.

    17. **Jīvitindriya**:

    - Jīvitindriya bezieht sich auf die Lebenskraft oder die Fähigkeit zu leben. Im ultimativen Sinne ist es die Kraft, die das Leben erhält und ermöglicht.

    18. **Usma**:

    - Usma bezieht sich auf die Hitze oder Energie des Geistes. Im ultimativen Sinne ist es die Kraft des Geistes, die ihn antreibt und aktiviert.

    19. **Viññāna**:

    - Viññāna bezieht sich auf das Bewusstsein oder die Wahrnehmung. Im ultimativen Sinne ist es das Bewusstsein, das die Realität erlebt und durchdringt.

    20. **Eltern**:

    -

    Eltern bezieht sich auf die Eltern oder Ursprungswesen, von denen ein Individuum entstanden ist. Im ultimativen Sinne sind es die vorherigen Lebensformen oder Existenzgrundlagen, aus denen das aktuelle Leben hervorgegangen ist.

    21. **Patisandhi Viññāna**:

    - Patisandhi Viññāna bezieht sich auf das Bewusstsein, das den Beginn einer neuen Existenz oder Geburt markiert. Im ultimativen Sinne ist es das Bewusstsein, das den Übergang von einer Lebensspanne zur nächsten markiert.

    22. **Antarabhava**:

    - Antarabhava bezieht sich auf den Zwischenzustand zwischen zwei Lebensspannen oder Existenzformen. Im ultimativen Sinne ist es der Übergangszustand, in dem das Bewusstsein zwischen zwei Leben ruht oder wandert.

    Diese Begriffe sind zentral für das Verständnis des buddhistischen Konzepts von Karma, Wiedergeburt und dem Streben nach Erleuchtung. Im ultimativen Sinne zeigen sie die tieferen Schichten des Bewusstseins und wie sie durch Handlungen, Wahrnehmungen und den Zustand des Geistes geformt werden.

    „Alleinsein ist Glück beim Zufriedenen,

    der die gehörte Wahrheit erschaut.
    Glück ist Freisein von Bedrückung in der Welt
    und Selbstbeherrschung gegenüber Lebewesen.
    Glück ist Gierlosigkeit in der Welt,
    das Überwinden von Begierde.
    Die Beseitigung der ‘Ich bin’-Einbildung ist höchstes Glück.“

    विहाय कामान्यः सर्वान्पुमांश्चरति निःस्पृहः।
    निर्ममो निरहंकारः स शान्तिमधिगच्छति।।

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    • 28. Februar 2024 um 17:09
    • #566

    Jan87. Die Lücke -- wird weiter bestehen. So auch wie in Visuddhimagga.

    oder Übergang.

    Zitat

    Beim Tod vergeht das Bewusstsein, wie es in Wahrheit in jedem Moment vergeht, nur um in einer Wiedergeburt ein neues zu gebären. Dieses erneuerte Bewusstsein erbt alle vergangenen Erfahrungen.


    Aber alle khandha sind weg. (nach dem Tod). So drin liegt das Problem, worum es hier geht

    . Dann, das Bewusstsein geht weiter, eigentlich. Es würde den Tod überdauern. Deswegen genau ich wollte die Meinung von Metta hören. LG. _()_

    Tja, Nur-Geist-Schule, aber so wie in der anderen Verpackung. Es fällt mir ein.

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    Sokrates

    Einmal editiert, zuletzt von Igor07 (28. Februar 2024 um 17:19)

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    • 28. Februar 2024 um 18:41
    • #567
    Igor07:

    Aber alle khandha sind weg. (nach dem Tod). So drin liegt das Problem, worum es hier geht

    . Dann, das Bewusstsein geht weiter, eigentlich.

    Bewusstsein/Erkennen (vinnana) ist nicht-selbst, also nicht du.

    Hatte hier ja schon ausführlich das Problem mit der Übersetzung "Bewusstsein" von vinnana erklärt.

    Solange man noch an den Khandhas anhaftet, wird man sie auch nach dem Tot nicht los. So kann man auch im Theravada gut die Wiedergeburt im konventionellen Sinne erklären.

    Erst mit Nibbana löst sich die Anhaftung an die Khandhas und der Bewusstseinsstrom wird nicht mehr wiedergeboren.

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    • 28. Februar 2024 um 19:11
    • #568
    Jan87:
    Igor07:

    Aber alle khandha sind weg. (nach dem Tod). So drin liegt das Problem, worum es hier geht

    . Dann, das Bewusstsein geht weiter, eigentlich.

    Bewusstsein/Erkennen (vinnana) ist nicht-selbst, also nicht du.

    Hatte hier ja schon ausführlich das Problem mit der Übersetzung "Bewusstsein" von vinnana erklärt.

    Solange man noch an den Khandhas anhaftet, wird man sie auch nach dem Tod nicht los. So kann man auch im Theravada gut die Wiedergeburt im konventionellen Sinne erklären.

    Erst mit Nibbana löst sich die Anhaftung an die Khandhas und der Bewusstseinsstrom wird nicht mehr wiedergeboren.

    Alles anzeigen

    Mein Lieber, lies doch den Kapitel 29! Es geht um das Kontinuum des Bewusstseins, und es geht weiter immer im Jetzt! So wie es Nyanatiloka ca. in Milindapanha erklärt.

    So ich zitiere:

    Zitat
     

    Unmittelbar nach der Beendigung des Stadiums eines Gedankenmoments tritt das Entstehungsstadium des nachfolgenden Gedankenmoments auf. Jedes momentane Bewusstsein dieses sich ständig verändernden Lebensprozesses überträgt bei seinem Vergehen seine gesamte Energie, alle unauslöschlich aufgezeichneten Eindrücke, auf seinen Nachfolger. Jedes frische Bewusstsein besteht daher aus den Potenzialen seiner Vorgänger zusammen mit etwas Neuem. Es gibt daher einen kontinuierlichen Fluss des Bewusstseins wie einen Strom ohne Unterbrechung. Das nachfolgende Gedankenmoment ist weder absolut dasselbe wie sein Vorgänger, da seine Zusammensetzung nicht identisch ist, noch vollständig unterschiedlich, da es sich um denselben Lebensstrom handelt. Es gibt kein identisches Wesen, sondern eine Identität im Prozess.


    Aber wie es hier auf dem Faden mehr als genug durchgekaut wurde, mit dem Tod wäre alles das Ende . Keine khandha, aus! So war meine Frage an Metta ( M43). Alles Gute! :taube:

    P.S. Nicht bei dem Buddha, bei "uns".

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    Einmal editiert, zuletzt von Igor07 (28. Februar 2024 um 19:18)

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    • 28. Februar 2024 um 20:47
    • #569

    Alles gut, Igor. Ich arbeite das für mich selber auch noch etwas auf, ist nicht direkt als Antwort/Diskussion mit dir gemeint :)

    Hab mir Kapitel 29 auch nochmal angeguckt. Buddhaghosa würde mit der Interpretation vielleicht nicht unbedingt übereinstimmen, aber das Kapitel schließt auch mit "in konventionellen Begriffen ausgedrückt" im letzten Absatz ab, nach der langen Erklärung an König Milinda.

    Grundsätzlich kann man das ja immer im Hinterkopf behalten:

    Der Inhalt kann nicht angezeigt werden, da du keine Berechtigung hast, diesen Inhalt zu sehen.

    Quelle

    Auch der konventionelle Glaube an die Wiedergeburt sollte für mich nur da sein, um dukkha zu mindern. Ist so für mich persönlich zum Beispiel eine schöne Vorstellung, das meine Katzen, wenn sie die nächsten Jahre sterben werden, durch ihr gutes Kamma eine gute Wiedergeburt haben werden.
    Für mich selber finde ich dann auch die Erklärung von Tolle, die er am Ende von "Jetzt - die Kraft der Gegenwart" oder die der Gita/Advaita ganz schön, die sich, wenn ich es so wie oben im Theravada sehe, auch gut decken. Mein Atta/Bewusstsein ist im Buddhismus halt das Nicht-Selbst.

    Was ich von Gurudev gestern hörte, war auch schön: "Der Yogi kann sich bei seinem Tot aussuchen, ob er zurück kommt oder nicht"

    Wie gesagt, alles nur in dem Sinne, das es Leiden im Leben lindern soll. Eine schöne Aussicht auf den Tot ist ja auch nicht verkehrt, was auch immer danach kommen mag ;)

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    • 28. Februar 2024 um 23:03
    • #570
    Jan87:

    Hab mir Kapitel 29 auch nochmal angeguckt. Buddhaghosa würde mit der Interpretation vielleicht nicht unbedingt übereinstimmen, aber das Kapitel schließt auch mit "in konventionellen Begriffen ausgedrückt" im letzten Absatz ab, nach der langen Erklärung an König Milinda.

    Kann sein, aber so zum Thema, Jan87 .

    Zitat

    Das ganze Leben hindurch gibt es Bewusstsein, ein Bewusstsein nach dem anderen, ohne Lücke, aber immer nur ein Bewusstsein zu einer Zeit. Sogar wenn jemand "bewusstlos" ist, in Ohnmacht gefallen oder im Koma liegt, ist eine subtile, passive Art von Bewusstsein (bhavaṅga) vorhanden. Deshalb spricht man auch von einem "Bewusstseinsstrom", der entsprechend seiner Bedingungen kontinuierlich von der Geburt bis zum Tod und im nächsten Leben weiterfließt (citta santāna). Dieser fortlaufende Strom wird nur in der

    endgültigen Verwirklichung von Nibbāna versiegen.

    https://abhidhamma.de/Abhi_Patthana_Buch_gesamt.pdf

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    • 29. Februar 2024 um 08:06
    • #571

    [lz]

    Bewusstsein (citta) [...] passive Art von Bewusstsein (bhavaṅga) [...]

    Entsprechend den sechs Sinnen als Grundlagen lassen sich sechs Arten von
    Bewusstsein unterscheiden:
    1. Seh-Bewusstsein oder Augen-Bewusstsein (cakkhu-viññāṇa)
    2. Hör-Bewusstsein oder Ohren-Bewusstsein (sota-viññāṇa)
    3. Riech-Bewusstsein oder Nasen-Bewusstsein
    (ghāna-viññāṇa)
    4. Schmeck-Bewusstsein oder Zungen-Bewusstsein
    (jivhā-viññāṇa)
    5. Tast-Bewusstsein oder Körper-Bewusstsein (kāya-viññāṇa)
    6. Geist-Bewusstsein (mano-viññāṇa)[/lz]

    Also das ist noch verwirrender, wenn man drei unterschiedliche Pali-Begriffe mit dem selben deutschen Wort übersetzt.

    Wenn man hier aber guckt, sieht man, dass sich alles auf Nama bezieht.

    Zitat
    Bewusstsein entsteht nicht allein, sondern immer mit mindestens sieben Geistesfaktoren (cetasika) zusammen, die zusammen den Geist (nāma) bilden.

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    „Alleinsein ist Glück beim Zufriedenen,

    der die gehörte Wahrheit erschaut.
    Glück ist Freisein von Bedrückung in der Welt
    und Selbstbeherrschung gegenüber Lebewesen.
    Glück ist Gierlosigkeit in der Welt,
    das Überwinden von Begierde.
    Die Beseitigung der ‘Ich bin’-Einbildung ist höchstes Glück.“

    विहाय कामान्यः सर्वान्पुमांश्चरति निःस्पृहः।
    निर्ममो निरहंकारः स शान्तिमधिगच्छति।।

    Einmal editiert, zuletzt von Jan87 (29. Februar 2024 um 08:11)

  • Jan87
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    • 29. Februar 2024 um 09:24
    • #572

    Igor07 Also das Buch ist sehr gut in der Erklärung der ultimativen Bedeutung, bezieht sich aber im Gegensatz zu Kapitel 28 und 29 von Narada nicht auf die konventionelle Auslegung.
    Macht so auch Sinn, citta, vinnana und bhavanga alle als Bewusstsein zu übersetzen, wenn der Leser die jeweilige Bedeutung kennt und es dann, wie am Ende des Buches vor dem Glossar beschrieben, zur Praxis/Meditation nutzt. Vipassana wird dann ja im Glossar beschrieben.

    Wie schon gesagt wurde, zwischen den zwei Arten der Wahrheiten, konventionell und ultimativ, muss unterschieden werden.

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    „Alleinsein ist Glück beim Zufriedenen,

    der die gehörte Wahrheit erschaut.
    Glück ist Freisein von Bedrückung in der Welt
    und Selbstbeherrschung gegenüber Lebewesen.
    Glück ist Gierlosigkeit in der Welt,
    das Überwinden von Begierde.
    Die Beseitigung der ‘Ich bin’-Einbildung ist höchstes Glück.“

    विहाय कामान्यः सर्वान्पुमांश्चरति निःस्पृहः।
    निर्ममो निरहंकारः स शान्तिमधिगच्छति।।

    Einmal editiert, zuletzt von Jan87 (29. Februar 2024 um 09:41)

  • Igor07
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    • 29. Februar 2024 um 11:42
    • #573
    Jan87:

    Also das ist noch verwirrender, wenn man drei unterschiedliche Pali-Begriffe mit dem selben deutschen Wort übersetzt.

    Das ist der reine Pali-Kanon:

    Zitat

    13. Was aber, ihr Bhikkhus, ist Bewusstsein? Die sechs Gruppen des Bewusstseins,

    • das Bewusstsein des Sehens
    • das Bewusstsein des Hörens
    • das Bewusstsein des Riechens
    • das Bewusstsein des Schmeckens
    • das Bewusstsein des Fühlens
    • das Bewusstsein des Denkens

    das, ihr Bhikkhus, heißt Bewusstsein.

    https://www.palikanon.com/samyutta/sam12_10.html

    _()_

    Ein Leben ohne Selbsterforschung verdiente gar nicht gelebt zu werden.

    Sokrates

  • Igor07
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    • 2. März 2024 um 01:39
    • #574
    Jan87:

    Bewusstsein (citta) [...] passive Art von Bewusstsein (bhavaṅga) [...]

    Hm, Jan87, schaue hier:

    Zitat

    Im Abhidhammattha Sa˙ngaha gibt es das Kapitel des Prozeßfreien. Es

    behandelt Bereiche, in denen das Bewusstsein fließt, ohne von Geistesprozessen

    unterbrochen zu werden. Das Handbuch beschreibt 19 verschiedene

    Bewusstseinsarten, die zusammen das Lebenskontinuum von Individuen

    bilden. Sie werden auch „bhava˙nga citt¯ani“ genannt. Um es noch einmal

    zu wiederholen: Sie sind Resultate von vergangenem Kamma, entstehen

    also aufgrund vergangener kammischer Handlung

    Alles anzeigen

    https://www.abhidhamma.de/Fusspfade_kl.pdf

    Ein Leben ohne Selbsterforschung verdiente gar nicht gelebt zu werden.

    Sokrates

Ausgabe №. 135: „Achtsamkeit und Aktivismus"

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