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Video; Colin Goldner - Kritik ritualistischer Praktik im alten Tibet

    • Tibetisch
    • Kritik
  • Sungi
  • 30. März 2019 um 15:52
  • Zum letzten Beitrag
1. offizieller Beitrag
  • Sungi
    Gast
    • 30. März 2019 um 15:52
    • #1

    Kritiker aus der humanistischen/progressiven Richtung berichten oft von Abgründen tantrischer Rituale und brutaler ritualistischer Praktik im alten Tibet. Was ist von solchen Vorwürfen zu halten? (sexuelle Ausbeutung von Frauen, Essen von Menschenfleisch und anderem was man in tantrischen Geheimritualen vermutet oder nachgewiesen hat.)

    Als jemand, der sich mit buddhistischer Lehre identifiziert und dem entgegnen muss kann man sehr ratlos da stehen. Habt ihr etwas darüber zu sagen? Geht es in Tibet wirklich so schrecklich bei tantrischen Ritualen mit Lamas zu? Es ist bestimmt eine große Schwäche, dass so viel geheim gehalten wird, das lässt den Raum für solche Spekulationen.

    Auch wenn man es selbst nicht gut heißt, was bei solchen Ritualen geschieht und welche Denkweise dahinter steht wirft das ja ein sehr schlechtes Licht auf alles buddhistische. Ich persönlich würde mich darum auch vor meinen Freunden wenn sie nicht danach fragen nicht als Buddhist bezeichnen, dafür gibt es zu viele Vorbehalte von dieser Seite.

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    Einmal editiert, zuletzt von Sungi (30. März 2019 um 16:08)

  • Sungi
    Gast
    • 30. März 2019 um 16:51
    • #2

    Danke, da kommt viel zu dem Thema. Ich verstehe trotzdem nicht welches Motiv dahinter steht. Sicherlich waren das alte Tibet und seine Mächtigen nicht besser als andere Länder und Machthaber. Aber derartige "Schmutzkampagnen" sind schon auffällig.

  • Turmalin 1
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    • 30. März 2019 um 16:53
    • #3
    Sungi:

    Was ist von solchen Vorwürfen zu halten? (sexuelle Ausbeutung von Frauen, Essen von Menschenfleisch und anderem was man in tantrischen Geheimritualen vermutet oder nachgewiesen hat.)

    ich hab mir mal von jemandem einen Text zum Karmamudra-Ritual senden lassen. Nur um informiert zu sein, eigentlich sollte man nicht in sowas schnüffeln als einfache Praktizierende.

    Aber jedenfalls stand da:

    "Die Mudra muss den Yogi lieben" Ausbeute geht also nicht laut diesem Text.

    ansonsten schien mir alles recht abgefahren aber nichts schlimmes wie das Essen von Menschenfleisch.

  • Sungi
    Gast
    • 30. März 2019 um 16:57
    • #4
    Turmalin:

    ansonsten schien mir alles recht abgefahren aber nichts schlimmes wie das Essen von Menschenfleisch.

    Woher haben die Leute dann diese Informationen?

  • Turmalin 1
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    • 30. März 2019 um 17:01
    • #5
    Sungi:
    Turmalin:

    ansonsten schien mir alles recht abgefahren aber nichts schlimmes wie das Essen von Menschenfleisch.

    Woher haben die Leute dann diese Informationen?

    ich weiß darüber nichts. Habe sowas nie gehört.

  • Online
    Helmut
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    • 30. März 2019 um 17:01
    • #6

    Hallo Sungi,

    von solchen Vorwürfen ist nichts zu halten. Sie beruhen auf Unkenntnis.

    Tantrische Belehrungen waren nicht nur in Tibet, sondern auch in Indien geheim. Geheim bedeutet, diese Lehren wurden nicht öffentlich jedermann gelehrt. Die Lehrer gaben diese Lehren nur an Schüler/Schülerinnen weiter, die spirituell soweit entwickelt waren, dass sie diese Lehren auch verstehen und anwenden konnten.

    "sexuelle Ausbeutung von Frauen, Essen von Menschenfleisch und anderem was man in tantrischen Geheimritualen vermutet oder nachgewiesen hat": das ist Spekulation derjenigen die von den tantrischen Lehren keine ausreichenden Kenntnisse haben.

    Das Geheimhalten der tantrischen Lehren ist keine Schwäche. Sie dient dazu, dass Menschen, die diese Lehren nicht verstehen können, mit ihnen nicht konfrontiert werden. Aber hierzulande spekuliert man da vieles aus Unkenntnis hinein. Diejenigen, die über die Geheimhaltung der tantrischen Lehren herumspekulieren, sollten sich erst einmal fachkundig machen.

    Gruß Helmut

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    Als Buddhisten schätzen wir das Leben als höchst kostbares Gut.

  • void
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    Buddh. Richtung
    Zen
    • 30. März 2019 um 17:38
    • Offizieller Beitrag
    • #7

    Ich habe mal die zentralen Aussagen Goldners zusammengefasst:

    1. Es gibt in Deutschland eine Million Buddhusten aus dem Vajrayana.
    2. Während der ursprüngliche Buddhismus einen gewissen emanzipatorischen Gehalt hat (keine Götter, keine Priester und kein Kastensystem) ist Mahayana ist ein reaktionärer Rückschritt in den Brahmanismus. Die Mahayana Strategen verfielen auf die Argumentation, die Idee des ursprünglichen Buddhismus nach der jeder selbst für sich Nirvana erreichen kann, stelle zu hohe Anforderungen an den einzelnen und sei nur für eine Minderheit gangbar, die große Mehrheit bedürfe weiter einer Götterschar und einer Priesterkaste - man Übernahme das pomphafte Ritualgebäude des Brahmanismus.
    3. In Tibet wurde diese Entwicklung ins Aberwitzige fortgesetzt, hin zu einem Priester und Gottesstaat - einem theokratischen Feudalismus mit einem Gottkönig an der Spitze.
    4. Der Vajrayana ist ein "Phallusgefährt"in dem der Weg zur Erleuchtung durch realen Sex beschleunigt wird. Der männlichen Priesterkaste werden reale junge Frauen zugeführt.

    Auch bei optimistischen Schätzungen gibt es in Deutschland nur 300 000 Buddhisten. Wie kann es dann unter diesen 1 Million Vajrayana Anhänger geben?

    Tenzin Peljor:

    Tibetologen und Wissenschaftler, die ich befragte, winkten bei Colin Goldner ab. Keiner von ihnen nimmt ihn ernst. Es sei zwar ein Leichtes ihn zu widerlegen, aber keiner möchte seine Zeit verschwenden, sich mit seinem Buch zu befassen.

    ...

    Insgesamt gibt es nur 2 Rezensionen in wissenschaftlichen Fachzeitschriften zu seinem Buch.

    In der einen stellt der Rezensent, Dr. Achim Bayer, u.a. verschiedene kolonialistische Sichtweisen bei Goldner fest und merkt an, dass sich Goldners Darstellung des tantrischen Buddhismus weitgehend auf das Buch »Der Schatten des Dalai Lama« von Herbert und Mariana Röttgen (Trimondis) stütze, das nach Goldners Urteil eine religionswissenschaftliche Quelle sei. Bayer kritisiert außerdem, dass Goldner die Zitate von Zeitzeugen im Exkurs »Lebensumstände unter den Lamas« hauptsächlich aus dem Kongressband »Mythos Tibet« entnähme und er diese reproduziere, »ohne darauf hinzuweisen, dass sie in Mythos Tibet z.T. Beispiele für die Projektionen westlicher Tibetreisender darstellen.« Ein weiterer Kritikpunkt ist, dass Goldner keine Tibeter zu Wort kommen lasse und dem Dalai Lama jede Kompetenz in Bezug auf die Lebensumstände in Tibet unter den Lamas abspreche, während Goldner gleichzeitig das Grundlagenwerk für tibetische Kultur und Geschichte, Rolf Steins »Die Kultur Tibets«, nicht einmal erwähne.

    ....

    Menschen, die sich selbst für gebildet, kritisch, fortschrittlich und aufgeklärt halten, lassen sich von einem selbsternannten ›Wissenschaftsjournalisten‹ und ›Dalai Lama Biografen‹ blenden, der sich nicht scheut Fakten zu erfinden (z.B. Frauen könnten gemäß Tibetischen Buddhismus keine Erleuchtung erlangen; gemäß Tantra [Vajrayana] wäre es rechtens Frauen zu sexueller Vereinigung zu zwingen, selbst Achtjährige würden dazu herangezogen⁸ etc.) oder wissenschaftliche Quellen zu verfälschen und das Gegenteil der tatsächlichen Fakten zu behaupten (z.B. Grunfeld würde bestätigen, dass »derlei Tötungspraktiken [Menschenopfer d.A.] (…) bis weit in die Ägide des aktuellen Dalai Lama hinein weit verbreitet gewesen«⁹ wären).

    Im Wesentlichen ist die Methode Goldners: er behauptet zuerst ein paar Tatsachen, dann stattet er diese mit Halbwahrheiten und Unwahrheiten aus. Er reißt Dinge aus dem Zusammenhang und verschweigt die Tatsachen, die dem Bild, das er zu zeichnen wünscht, entgegenstehen. Dann verdreht er dies alles noch weiter, indem er z.B. Informationen einfügt, die aus einem ganz anderen Zusammenhang oder fragwürdigen Quellen stammen, bis alles trübe ist und sich keine klaren Fakten und Zusammenhänge mehr erkennen lassen.

    Alles anzeigen
  • Phoenix
    Gast
    • 30. März 2019 um 17:43
    • #8

    Ich finde dieses ganze Thema ziemlich schwierig.

    Denn auf der einen Seite ist es sicherlich wichtig, sich kritisch mit der buddhistischen Geschichte auseinanderzusetzen, und da gibt es aus Tibet oder auch aus den anderen buddhstischen Regieionen genung Gruselgeschichten die zeigen,das es auch im Buddhismus Schwachpunkte gibt.

    Den Versuch den tantischen Buddhismus an den Maßstäben einer emantizipatorischen westlichen Logik messen zu wollen, halte ich aber für keinen guten Ansatz, da das buddhitische Tantra nun mal nicht nach dieser Logik funktioniert.

    Das tibetische Lamas in ihrer Ausbildung Menschenfleisch essen macht sie noch lange nicht zu Kaniblalen.

    Ich denke wir tun gut daran die Tantrische Tradition weder völlig unreflektiert zu übernehmen, noch sie von außen nach unseren "hunanistischen" Maßstäben zu verurteilen.

    Und völlig verkehrt ist es wenn nach westlich dualitischer Art versucht wird, einen moralisch guten und einen tantrisch schlechten Buddhismus zu konstruieren.

  • Grashuepfer
    Gast
    • 30. März 2019 um 18:00
    • #9
    Sungi:

    was bei solchen Ritualen geschieht und welche Denkweise dahinter steht wirft das ja ein sehr schlechtes Licht auf alles buddhistische.

    Nein, nicht auf alles buddhistische. Es ist wichtig, sich gegen einzelne Exzesse zu wehren, und da gibt es natürlich welche, Buddhisten sind auch nur Menschen, und Menschen bauen eine ganze Menge Mist, besonders wenn sich Macht ansammelt.

    Man muss eben schauen, wo Mißstände sind, und diese auch benennen. Aber man muss auch sehen, dass solche Geschehnisse meistens nicht die gesamte Gruppe repräsentieren.

    Im Zen gibts auch genug Beispiele, sowohl in Japan als auch bei westlichen Lehrern. Aber die meisten Zen-Buddhisten sind ernsthaft Praktizierende, und der Großteil der Zen-Lehre ist eine gute lehre. So sehe ich es auch in Hinsicht auf den Diamantweg.

    Phoenix:

    Und völlig verkehrt ist es wenn nach westlich dualitischer Art versucht wird, einen moralisch guten und einen tantrisch schlechten Buddhismus zu konstruieren.

    Ich finde es gar nicht so schwierig. Wenn da wirklich gegen die Menschenwürde verstoßen wird, wenn da junge Frauen sexuell ausgebeutet werden, dann kann ich sagen, ich finde das schlecht, und das soll weg. Wobei das Argument, dass es problematisch ist, unsere Werten anderen überzustülpen, nicht ganz von der Hand zu weisen ist - insofern stimme ich dir eingeschränkt zu.

    Mal eine andere Frage: wieviel von diesen Mißständen im Vajrajana sind denn historisch, und wieviel davon findet noch statt? Wie viel lassen die chinesischen Besatzer da überhaupt noch geschehen an buddhstischer Praxis?

    Insgesamt gesehen, ist die Herkunft zwar durchaus interessant, aber wichtiger ist, was im Westen gelebt und gelehrt wird. Und da hat man auch diese Wertekonflikte nicht: Meine Lehrer, und deren Lehrer, haben westlichen Moralmaßstäben zu genügen, ganz einfach.

  • Online
    Helmut
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    • 30. März 2019 um 18:22
    • #10
    Grashuepfer:

    Insgesamt gesehen, ist die Herkunft zwar durchaus interessant, aber wichtiger ist, was im Westen gelebt und gelehrt wird. Und da hat man auch diese Wertekonflikte nicht: Meine Lehrer, und deren Lehrer, haben westlichen Moralmaßstäben zu genügen, ganz einfach.

    Das hat ja zur Konsequenz, dass buddhistische Lehrer/Lehrerinnen hier im Westen unhinterfragt unsere gängiges Konsumverhalten zu vertreten haben und es kann nicht sein, dass sie diese kritisieren aus buddhistischer Perspektive. Westliche Moralvorstellungen haben sie also nicht zu hinterfragen. Das bedeutet aber auch, wir westlichen Buddhisten dürfen die angeblich selbstverständlichen westlichen Moralvorstellungen nicht in Frage stellen.

    Gruß Helmut

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  • Festus
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    • 30. März 2019 um 18:26
    • #11

    Schau dir mal diese Seite an @Sungi.

    Hier ein Auszug zum Thema "Symbolsprache"[lz]

    .....Sandhabhasa, die verborgene Sprache

    Wer als Uneingeweihter einen ursprünglichen Tantra-Text in die Hand bekommt, wird, wenn überhaupt, nur wenig verstehen. Die Texte sind esoterisch, symbolisch, mehrdeutig, voller Anspielungen und setzen ein Vorwissen voraus.
    So kann es zu solchen Anweisungen (aus einem Kommentar zum Mahanirvana-Tantra) kommen: „Wer sein Glied in den Schoß der Mutter einführt, die Brüste seiner Schwester presst, seinen Fuß auf den Kopf seines Gurus setzt, der wird nicht mehr wiedergeboren“, was bedeutet: wer sein betrachtendes Denken auf das Muladhara-Chakra richtet und die Energie zu Herz- und Kehl-Chakra leitet und schließlich das Gehirnzentrum erreicht, der hat den höchsten Geisteszustand verwirklicht.
    Daraus wird verständlich, was schon an mehreren Stellen angedeutet wurde: Tantra soll nicht aus Schriften gelernt werden. Um traditionelles Tantra zu praktizieren, braucht es die Einweihung durch Guru, der aufgrund seiner Ausbildung in der Lage ist, die Schriften zu deuten und zu erklären. Er ergänzt das Wissen des Schülers durch die so genannten Mund-zu-Ohr-Unterweisungen, die einfache und klare Instruktionen sind, welche Praxis nun auf welche Weise auszuüben ist. [/lz]

    Ohne eine lange Zeit grimmiger Kälte,
    die Dir in die Knochen fährt –

    wie könnten die Pflaumenblüten

    dich erfüllen mit ihrem durchdringenden Duft?
    (Obaku)

  • Grashuepfer
    Gast
    • 30. März 2019 um 18:52
    • #12
    Helmut:
    Grashuepfer:

    Insgesamt gesehen, ist die Herkunft zwar durchaus interessant, aber wichtiger ist, was im Westen gelebt und gelehrt wird. Und da hat man auch diese Wertekonflikte nicht: Meine Lehrer, und deren Lehrer, haben westlichen Moralmaßstäben zu genügen, ganz einfach.

    Das hat ja zur Konsequenz, dass buddhistische Lehrer/Lehrerinnen hier im Westen unhinterfragt unsere gängiges Konsumverhalten zu vertreten haben und es kann nicht sein, dass sie diese kritisieren aus buddhistischer Perspektive. Westliche Moralvorstellungen haben sie also nicht zu hinterfragen. Das bedeutet aber auch, wir westlichen Buddhisten dürfen die angeblich selbstverständlichen westlichen Moralvorstellungen nicht in Frage stellen.

    Gruß Helmut

    Das hab ich nicht gesagt und auch nichtmal im Ansatz gemeint. Ich dachte an unsere Errungenschaften im Sinne einer freiheitlichen, demokratischen Gesellschaft.

    Das heißt, dass die Menschenwürde zu achten ist, dass Grundrechte zu achten sind. Machtmißbrauch ist nicht akzeptabel, auch nicht, wenn er von einem großen Meister ausgeht, dem man Unkorrumpierbarkeit und Perfektion zuschreibt. Die Unterordnung von Frauen unter Männer ist inakzeptabel, auch wenn man sich vermeintlich auf alte Texte beruft. Sexuelle Ausbeutung ist verwerflich, auch wenn der große Guru damit angeblich die spirituelle Entwicklung seiner Schäfchen befördert. Und so weiter

    In sehr vielen Hinsichten ist unser Konsumverhalten auch laut westlichen Moralvorschriften unethisch, das ist doch klar! Ich weiß nicht, wer meint, dass es moralisch, ja geboten sei, auf eine Art zu konsumieren, die den Planeten zerstört und massenhaft arme Länder ausbeutet. Das hat sicherlich nichts damit zu tun, was ich als "moralisch im westlichen Sinne eines demokratischen Landes" sehe.

    Das, was ich mit westlichen Moralmaßstäben meine, setzt kritisches Denken voraus und das erlaubt natürlich, jede Vorschrift in Frage zu stellen. Ob dieses in-Frage-stellen dann auch gut begründet ist, zeigt sich dann im Gespräch.

  • U123N
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    • 30. März 2019 um 18:53
    • #13

    In den alten tibetischen Religionen gab es noch Opfer.

    Bön – Wikipedia

    Vielleicht rühren diese "Informationen" daher?

    Vom Kannibalismus im Buddhismus habe ich vorher noch nie gehört. Bis jetzt:

    Phoenix:

    Das tibetische Lamas in ihrer Ausbildung Menschenfleisch essen...

    Gruss! minestrone

  • Phoenix
    Gast
    • 31. März 2019 um 10:10
    • #14

    Nachtrag:

    In Tibet war es Teil der Lamaausbildung, das Ordinierte im Laufe des 3 Jahresretreats symbolische Menge an Menschenfleisch zu sich genommen haben.

    Ein Mangel an diesem Fleische bestand nicht, da die allermeisten Klöster Bestattungsstellen betrieben, wo die Toten oft zerstückelt und an Geier verfüttert wurden.

    Hier im Westen werden aber beide Praktiken nicht mehr 1 und 1 weitergeführt.


    Um den buddhistischen Tantraweg gehen zu können, ist nicht nur fundiertes Grundwissen notwendig, sondern auch jede Menge Vertrauen, das heißt ein sehr gutes Gespür für Situationen und Beziehungen. Oder wie Kalu Rinpoche gesagt hat: man braucht dazu riesige Mengen an gutem Karma.

    :rainbow:

  • Festus
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    • 31. März 2019 um 12:03
    • #15
    mkha':

    Lieber Festus, ich habe gerade erst gesehen, mit welcher Quelle der von Dir zitierte Schreiber in Deiner Zuschrift in Verbindung steht. Poller ist (m. E.!) zumindest ... suspekt.

    Das macht nichts. Damit kann ich um.

    Ohne eine lange Zeit grimmiger Kälte,
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  • Arthur1788
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    • 31. März 2019 um 13:51
    • #16
    Phoenix:

    Das tibetische Lamas in ihrer Ausbildung Menschenfleisch essen macht sie noch lange nicht zu Kaniblalen.

    Ääääähm....DOCH???!!! (Mir fehlt grad der passende Smiley für meinen Gefühlszustand.)

  • Phoenix
    Gast
    • 31. März 2019 um 18:46
    • #17
    mkha':
    Phoenix:

    In Tibet war es Teil der Lamaausbildung, das Ordinierte im Laufe des 3 Jahresretreats symbolische Menge an Menschenfleisch zu sich genommen haben.

    Bist Du bitte so nett, mir die dazu gehörige Quelle zu nennen?


    LG mkha'

    Eine Lama aus Le Bost. ( Zentrale Stelle für die drei Jahresretreats der Karma Kagyu Schule in Europa)

  • Phoenix
    Gast
    • 31. März 2019 um 19:37
    • #18

    Lieber mkha',

    die Lehrerin ist zwar nicht Namenlos , aber ihr Name tut hier nichts zur Sache.

    Denn du könntest wohl jeden Absolventen eines 3 Jahresretreats dort dazu befragen.

    Du kannst auch Nachforschungen anstellen welche schriftlichen Belege es dazu gibt.Ich bleibe aber bei der mündlichen Übertragung.

    _()_ Phönix

  • Lirum Larum
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    Buddh. Richtung
    Ich protestiere gegen den mangelnden Respekt vor den unterschiedlichen Traditionen.
    • 31. März 2019 um 20:46
    • #19
    Sungi:
    Turmalin:

    ansonsten schien mir alles recht abgefahren aber nichts schlimmes wie das Essen von Menschenfleisch.

    Woher haben die Leute dann diese Informationen?

    Ausgedacht? Projiziert und daher grob missverstanden?

    Jedenfalls kann man einfach feststellen, dass solche Schauermärchen Quatsch sind.

    Es gibt natürlich schlechte Lehrer, wie z.B. Lama Michael Roach, um einen berühmten zu nennen, die ihren Schülern so verquastetes Zeug lehren, dass es abstruse Blüten schlagen kann. Ich denke, das kann überall vorkommen, wo sektiert wird - nicht nur im Vajrayana.

    Deshalb ist es so wichtig, den Dharma zu lernen, die wirklichen Schriften - oder wenn man das nicht kann, dann wenigstens viele Quellen, viele Lehrer ernst nehmen, anstatt sich auf einen Lehrer allein und seine selbstgebastelte Philosophie zu verlassen.

    Dann wird man im Konsens der verschiedenen Lehrer schon herausfinden, dass es um Buddhadharma geht, welcher eine überaus vernünftige Sache ist.

    :rainbow: Gute Wünsche für jede und jeden. :tee:


  • kilaya
    Gast
    • 1. April 2019 um 17:35
    • #20

    Es gibt Sachen, die in erster Linie symbolischen Charakter haben, aber an Kraft gewinnen, wenn man sie ansatzweise konkret werden lässt. Nehmen wir das Beispiel "Menschenfleisch". Sowas wird sicherlich nicht offen gelehrt, weil es eben völlig missverständlich ist. Eigentlich sollte es ausreichen, nicht nur eine "symbolische Menge" sondern ein "Symbol" herzunehmen, also es sich vorzustellen, oder wie es die Christen machen, Brot oder Hostien o.ä. verwenden. Eine "symbolische Menge Menschenfleisch" isst jeder von uns fast jeden Tag, wenn man sich z.B. mal auf die Zunge oder Lippe beisst. Wir reden hier ja nicht von einem Oberschenkel-Schnitzel mit Pilzen und Yak-Sahnesauce.

    Auch einen christlichen Text könnte man aus Unwissenheit sehr falsch verstehen. "Wir essen den Leib Christi und trinken sein Blut". Guten Apetit. Aber nein, einfach mal das Hirn einschalten und sich klar machen, worum es geht. Dann kann man da auch ganz entspannt bleiben. ;)

    Ach ja ich wurde mal direkt von einer Gottheit in einem Ritual angeleitet, wo es auch um die Umwandlung von unreinen Substanzen des eigenen Körpers ging, das hat gesundheitlichen Wert. Nach dem Ritual erlebt man sie nicht mehr als unrein, der Ekel verschwindet. Aber die Anleitung durch die Gottheit war so, dass ich an jeder Stelle selbst entscheiden konnte: mache ich es konkret, wie konkret mache ich es, oder stelle ich es mir lediglich vor? (u.a. das hat mir auch das Vertrauen gegeben, dass ich es nicht mit sonst irgendeinem Wesen zu tun hatte, das sich einen Spass mit mir machen wollte...) In der Tat übrigens, der Ekel war danach komplett weg. Das hat mich etwas später mehr oder weniger gerettet, weswegen es wohl auch so dringlich war, dass ich diese Einweihung hatte, dass die Gottheit höchstselbst aktiv wurde.

    Sowas passiert mir jetzt nicht alle Tage, aber wenn man es mal erlebt hat, weiss man wenigstens worum es in den Texten wirklich geht und wie man damit richtig umgeht.

  • verrückter-narr
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    • 1. April 2019 um 21:44
    • #21

    Im Hinduistischen Tantra "Weg der linken Hand" (vāmācāra) gehört die Praxis des Pancha Marga (Sanskrit: पञ्चमकार pañca-makāra .) wörtl.: die fünf (Pancha) M's (Makara); die fünf mit "M" beginnenden Bestandteile eines tantrischen Rituals zur Übung. Dies beinhaltet die Benutzung von 5 ansonsten als negativ betrachteten Substanzen: Madya (Wein), Mamsa (Fleisch), Matsy (Fisch), Mudra (Getreidespeise aus gerösteten Körnern) und Maithuna (sexuelle Vereinigung).

    In einigen buddhistischen Tantra-Texten wird u.a. auch die Nutzung und Verzehr von Fünf Arten von Fleisch (von Hund, Pferd, Rind, Elefant und Mensch) und von Fünf Arten von Nektar (Samenflüssigkeit, Menstruationsblut, Gehirnsubstanz, Urin und Fäkalien) in den Ritualen des tantrischen Festes (Ganachakra) vorgeschrieben, aber den "meisten" Praktizierenden ist eigentlich klar, dass es sich dabei nicht um den tatsächlischen Verzehr dieser Substanzen geht, sondern dass hier eine Symbolsprache verwendet wurde, die tatsächlich etwas anderes ausdrücken sollte. Natürlich leben wir aber auch im Zeitalter der Degeneration und Niedergang der Ethik (Kali-Yuga) und so kommt es tatsächlich immer wieder vor, dass etliche "Lamas" diese Texte völlig falsch verstehen und dann tatsächlich anfangen, solche Substanzen zu verzehren, wobei die meisten beim Verzehr des eigenen Kotes in der Regel doch ins Nachdenken kommen, aber selbst dies kommt auch immer mal wieder in einigen anderen Bevölkerungsgruppen vor (siehe Koprophagie). Anzumerken ist auch immer, dass zur Praxis eines authentischen buddhistischen Tantra immer entsprechende Regeln und Gelübde gehören, von denen die meisten Scharlatane nie etwas gehört haben.
    404 Fehler – Seite nicht gefunden!

  • verrückter-narr
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    • 1. April 2019 um 21:54
    • #22

    Ergänzung:

    Im Vinaya, den Ordensregeln (Mahavagga VI.23, Manussamaṃsapaṭikkhepakathā) sind zehn Fleischarten aufgezählt, deren Genuss den Mönchen (und Laien) untersagt ist, und zwar das Fleisch von Menschen, Elefanten, Pferden, Hunden, Leoparden, Löwen, Tigern, Hyänen, Bären und Schlangen. Wie es zu dem Verbot mit dem Menschenfleisch kam, ist bei Supiya nachzulesen.
    Nachdem der Erhabene in Sāvatthi

    Im Alten Testamant im 3. Buch Mose 11und 5. Buch Moses 14 finden sich teilweise ähnliche Regeln, die eigentlich auch von den Juden und Christen beachtet werden sollten
    https://de.wikipedia.org/wiki/biblische_speisegebote

    Einmal editiert, zuletzt von verrückter-narr (1. April 2019 um 22:01)

  • kilaya 1. April 2019 um 21:56

    Hat das Thema aus dem Forum Filme im Kino, Stream oder im Web nach Tibetischer Buddhismus verschoben.
  • kilaya 1. April 2019 um 21:57

    Hat den Titel des Themas von „Kritiken von progressiver (?) Seite“ zu „Video; Colin Goldner - Kritik ritualistischer Praktik im alten Tibet“ geändert.
  • Sungi
    Gast
    • 1. April 2019 um 22:05
    • #23

    Es ist nur verwunderlich, dass in manchen Fällen offensichtlich nicht wirklich rüber kommt, dass es nicht wirklich zu dem Akt des Kannibalismus oder der sexuellen Vereinigung kommen sollte.

    Was die Speisegebote betrifft ist es wohl am sichersten, dass man sich, wenn man die Möglichkeit dazu hat am besten an den Rat aus dem Nirwana-Sutra hält.

    mahaparinirvana_sutra_yamamoto_page_2007.pdf

  • hedin02
    Gast
    • 2. April 2019 um 09:30
    • #24
    Losang Lamo:

    Ausgedacht? Projiziert und daher grob missverstanden?
    Jedenfalls kann man einfach feststellen, dass solche Schauermärchen Quatsch sind.

    …und die Schauermärchen werden unter den Vorwand, das seien Geheimnisse, die man unter Verschluss halten und dem breiteren Publikum vorenthalten müsse. Sogar ein Teil der Tantriker selbst wären auch davon betroffen.

    Als Argumentation für die Geheimhaltung wird angegeben, dass die dort gelehrten Praktiken nur einen erlesenen Kreis von erfahrenen Tatristen vorbehalten werden, da nur die den Sinn dieser Art von Geistesschulung verstehen könnten.. Wird die Kritik an den skurrilen Praktiken lauter, dann verweist man auf deren Symbolcharakter, der wenn ich Symbolik richtig verstanden habe, nur dann einen Sinn macht, wenn z.B. im Fall des Kannibalismus, das Essen von Menschenfleisch gar nicht stattfindet, d.h.: es würde z.B. ein Apfel verspeist und dieser Vorgang dann als das Essen von Menschenfleisch visualisiert; eine Vorstellung eben. Mit den anderen absonderlichen Essgewohnheiten (Kot, Urin usw.), aber auch den Sexpraktiken würde es sich ebenso oder so ähnlich verhalten.

    Das spirituelle Ergebnis solcher esoterischen Praxen wird ebenfalls geheim gehalten, oder es ist alles nur esoterisches Beiwerk ohne irgendwelche Ergebnisse.

    Ein paradoxes Beispiel von Geheimniskrämerei hat in jüngster Zeit ein deutscher Minister abgegeben, indem er nach einem Terroranschlag vor laufender Kamera und vor einem millionenfachen Publikum darauf verwies, er könne die Sachverhalte, die ja pikannterweise bereit offen gelegen waren, nicht preisgeben, denn das würde die Bevölkerung in Panik versetzen.


    PS: meine Anmerkungen zu diesem Thema mögen vielleicht etwas überspitzt und sachlich nicht ganz korrekt sein; dies wäre aber der Geheimniskrämerei zuzurechnen.

  • Festus
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    • 2. April 2019 um 11:20
    • #25

    Wer sich genauer mit dem Thema Tantra auseinander setzen will, dem empfehle ich dieses Buch hier. Leider wieder mal nur auf englisch.

    Yoga Tantra: Theory and Praxis In The Light of The Hevajra Tantra A Metaphysical Perspective

    Ohne eine lange Zeit grimmiger Kälte,
    die Dir in die Knochen fährt –

    wie könnten die Pflaumenblüten

    dich erfüllen mit ihrem durchdringenden Duft?
    (Obaku)

Ausgabe №. 135: „Achtsamkeit und Aktivismus"

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