Der Erhabene hielt mehrere Jahrzehnte lang den unterschiedlichen Menschen Lehrreden. Was für den Moment ok war, aber als man dann die Lehrreden zusammenfasste, merkte man das unterschiedliche Leute das unterschiedlich verstanden und versuchte es zu systematisieren und die einzelnen Begriffe zu klären. Es handelt sich also nicht um spekulative Philosophie die zu neuen Ideen kommen will sondern um eine Hilfswissenschaft deren Ziel es ist das vom Buddha gesagte für alle klar und nachvollziehbar zu machen.
Die Frage nach dem Sinn dieser philosophischen Hilfswissenschaft wurde hier gestellt, indem das Sutta Majjhima Nikaya 2 angeführt wurde, insbesondere das Zitat zu dem "Dickicht der Ansichten".
Man kann da geteilter Meinung sein, ob so eine Hilfswissenschaft zur Erläuterung der Lehre notwendig ist. Oder ob man sich bei dem Versuch der Erläuterung ohne den richtigen Fokus früher oder später im Dickicht der Ansichten verliert. Wobei die Fragen, auf die sich das Dickicht der Ansichten in dem Sutta bezieht sich ja alle um das Selbst und dessen Existenz drehen.
Zitat7. "Auf solche Weise erwägt er unweise:
- 'Gab es mich in der Vergangenheit?
- Gab es mich nicht in der Vergangenheit?
- Was war ich in der Vergangenheit?
- Wie war ich in der Vergangenheit?
- Was war ich, und was bin ich daraufhin in der Vergangenheit geworden?
- Wird es mich in der Zukunft geben?
- Wird es mich in der Zukunft nicht geben?
- Was werde ich in der Zukunft sein?
- Wie werde ich in der Zukunft sein?
- Was werde ich sein, und
- was werde ich daraufhin in der Zukunft werden?
Oder ansonsten ist er über die Gegenwart verwirrt:
- 'Bin ich?
- Bin ich nicht?
- Was bin ich?
- Wie bin ich?
- Wo kam dieses Wesen her?
- Wo wird es hingehen?'"
Da müsste man vielleicht auch nochmal genauer hinschauen, was mit dem Dickicht der Ansichten eigentlich gemeint sein könnte.
Es liegt eher selten an "mangelnder Belesenheit", sondern an mangelnder Bereitschaft, seinen eigenen Standpunkt zu hinterfragen (Bestätigungsfehler) und deshalb das Gelesene oder Gehörte misszuverstehen. Warum sollte es nicht möglich sein, das zu korrigieren?
Ja, warum eigentlich nicht.
Wobei ich mich wieder frag, auf welche konkreten Abhidhamma-Quellen du dich eigentlich beziehst.
Ich beziehe mich vor allem auf das Abhidharmakosabashya von Vasubandhu, also eine wichtige Zusammenfassung des Sarvastivada-Abhidharma. Zu dem Thema hat auch der Buddhologe Bhikku Dhammajoti aktuelle Beiträge veröffentlicht.
Im Sarvastivada Abhidharma spielte die Theorie der Verursachung eine besondere Rolle, auch da in dieser Richtung die Existenz der Dharmas in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft mit einer charakteristischen Eigennatur (svabhava) postuliert wurde. Das entspricht natürlich weder dem buddhistischem Mainstream heutzutage noch der Madhyamika und Prajnaparamita Lehre von der Leerheit. Gerade das finde ich besonders spannend.