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Frage zu Liebesbeziehungen im Buddhismus

  • Shirin
  • 3. November 2009 um 16:40
  • Zum letzten Beitrag
  • Shirin
    Gast
    • 10. November 2009 um 13:06
    • #26

    Hallo und danke an alle die zu diesem Thema schreiben und geschrieben haben,

    ich habe natürlich alles mitverfolgt, aber noch keine Möglichkeit gefunden früher zu antworten.
    Das Problem ist tatsächlich so, das ich keine besseren Antworten bekomme. Mein Freund sagt nach wie vor das nichts war und er die Nacht alleine im Bus verbracht hat.
    Lustigerweise ist es nun so das ihn der Buddhismus auf einmal nicht mehr so interessiert, was natürlich meine Vermutung bestätigt das er mehr an der Frau als am Buddhismus interessiert war.
    Wir haben Kontakt, aber er ist ausgezogen, ich weiß nicht in wie weit ich das Vertrauen wieder aufbauen kann. Ich hatte ja auch gemeint das er mich involvieren kann, das wollte er aber nicht. Und als ich vor drei Wochen selbständig Kontakt mit ihr aufgenommen hatte, war er überaus sauer und hat mit verboten weiterhin mit ihr Kontakt zu haben, was ich nun ohnehin nicht mehr will.
    Für mich ist die Ehrlichkeit das Wichtigste, aber er hatte mich ja schon angelogen weil er sagte das er den Kontakt zu ihr abgebrochen hat und dem war aber nicht so.
    Ich denke das ich jetzt einfach mal die Zeit arbeiten lasse, seit letzter Woche habe ich es geschafft loszulassen und es geht mir viel besser. Meine Angst ist weg und ich versuche für den Moment Freundschaft mit ihm zu halten. Das ist ihm zwar zu wenig, aber ich brauche jetzt mal Zeit für mich und habe nun begonnen buddhistische Bücher zu lesen.

    Alles Liebe
    Shirin

  • monikamarie
    Gast
    • 10. November 2009 um 14:33
    • #27
    Shirin:


    ...
    Ich denke das ich jetzt einfach mal die Zeit arbeiten lasse, seit letzter Woche habe ich es geschafft loszulassen und es geht mir viel besser. Meine Angst ist weg und ich versuche für den Moment Freundschaft mit ihm zu halten. Das ist ihm zwar zu wenig, aber ich brauche jetzt mal Zeit für mich und habe nun begonnen buddhistische Bücher zu lesen.

    Hallo Shirin,
    das klingt doch wirklich mehr als gut, wenn Du über einen solchen Um-Weg Interesse für Buddha entwickelt hast und Dich erstmal um Dein Glück kümmerst.
    Ganz liebe Grüße
    Monika

  • crazy-dragon
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    • 11. November 2009 um 01:11
    • #28

    Hey, liebe Shirin,
    Vielleicht ist Dein Freund und sein Verhalten zu der " fortgeschrittenen Buddhistin " nur die Ursache, damit Du als Wirkung zum Buddhismus kommst...Klingt vielleicht bescheuert und ich will auch keine Vermutngen anstellen- war aber gerade so ein Gedanke...

    Lieber Gruß,
    crazy dragon

    Tag für Tag ein guter Tag

  • monikamarie
    Gast
    • 11. November 2009 um 10:22
    • #29

    Guten Morgen, crazy-dragon und shirin,
    ja, das ist auch mein Gedanke, weil ich nicht an Zufälle glaube und sich in meinem Leben schon die dollsten Drehungen und Windungen zu meinem Vorteil entwickelt haben, dass ich auf kein damaliges Leid-verursachtes Er-Leben verzichten möchte.
    Liebe Grüße
    Monika

  • erbreich
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    • 11. November 2009 um 10:32
    • #30
    monikamarie:

    ...weil ich nicht an Zufälle glaube und sich in meinem Leben schon die dollsten Drehungen und Windungen zu meinem Vorteil entwickelt haben, dass ich auf kein damaliges Leid-verursachtes Er-Leben verzichten möchte.


    Ein spontaner Gedanke dazu, der in der Bibel zu finden ist:

    Röm 8,28
    Wir wissen aber, daß denen, die Gott lieben, alles zum Besten mitwirkt...

    :idea:

    Gruss, erbreich

    unvollkommenheit (dukkha), du nimmst sie nicht persönlich (anatta), sie ist was sie ist (anicca)

  • monikamarie
    Gast
    • 11. November 2009 um 10:38
    • #31

    Guten Morgen, erbreich,
    ja, und nur am eigenen Er-Leben und dem IST-Zustand kann ich ablesen, wie sich mein Karma ausgewirkt hat. Und noch weiter auswirken wird. So wie ich nicht auf Damaliges verzichten möchte, weil es mich zu Heutigem geführt hat, so möchte ich heute nicht versäumen, so zu denken, sprechen, schreiben, handeln, weil mich das zu Morgigem führt. Nur, weil ich diese Erfahrungen gemacht habe, konnte ich für mich feststellen, ich führe ein "geführtes Leben" - und habe dadurch großes Vertrauen. Selbst wenn ich in einigen (wenigen ;) ?) Punkten noch Handlungsbedarf habe.
    Mit ganz besonders lieben Grüßen
    Monika

  • erbreich
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    • 11. November 2009 um 16:55
    • #32

    Guten Abend Monika

    Deine Worte strahlen Gleichmut aus und sie erinnern mich an eine Betrachtung über den Gleichmut von Nyanaponika in "Im Lichte des Dhamma". Ein paar Streiflichter daraus:

    Die Leidenswelt braucht Gleichmut.
    Einen Gleichmut, der in bewusster Pflege stark geworden ist.
    Nur ein Gleichmut, der in Erkenntnis wurzelt, hat diese Kraft.
    Alles, was uns widerfährt, stammt aus dem Mutterschoss unseres Wirkens in Taten, Worten und Gedanken.
    Befällt uns doch einmal die Furcht vor dem Ungewissen, so kennen wir die sichere Zuflucht: nämlich unser Wirken, unser gutes Wirken.
    Vertrauen erfüllt uns zur schützenden Kraft jenes Guten, das wir in der Vergangenheit taten.
    Und Mut erfüllt uns, eben in dieser Gegenwart Gutes zu wirken, selbst dann, wenn gerade die Last schweren Geschickes auf uns ruht.
    Je länger wir uns bewusst üben, Gutes zu tun und Schlechtes zu meiden, desto stärker wird in uns die Gewissheit:
    Mehr und mehr schwindet Übles, nur noch Gutes kann die Zukunft bringen!
    Und durch solche Gewissheit entstehen in uns Freude und Vertrauen, Geduld und Gleichmut.
    Dann wird das Wirken zum Freund und mit ihm auch jene Wechselfälle des Lebens, die das Ergebnis unseres Wirkens sind.
    Auch sie werden zu Freunden, selbst wenn sie Leiden bringen.
    Gleichmut ist vollkommenes, unerschütterliches Ebenmass des Gemütes, wurzelnd in Erkenntnis.
    Heiliger Gleichmut - oder wie wir auch sagen mögen: der gleichmütige Heilige - ist die Innere Mitte der Dinge.
    Die Innere Mitte des heiligen Gleichmutes ist unerschütterlich, denn sie ist unverstörbar von aussen.
    Sie ist unverstörbar von aussen, weil sie ohne Hangen ist.

    "Für das, was abhängig ist, gibt es auch Bewegung;
    für das, was nicht abhängig ist, gibt es keine Bewegung;
    wo keine Bewegung ist, ist Ruhe;
    wo Ruhe ist, da ist kein Verlangen;
    wo kein Verlangen ist, da ist kein Kommen und Gehen;
    wo kein Kommen und Gehen ist, ist kein Vergehen und Neu-Entstehen;
    wo kein Vergehen und Neu-Entstehen ist, ist weder ein Hienieden noch ein Jenseits, noch ein Etwas zwischen beiden.
    Eben dies ist das Ende des Leidens."

    Ende Zitat.

    Nyanaponika im hohen Alter von 92 Jahren (ein Jahr vor seinem Tode) in der Forest Hermitage in Kandy, Sri Lanka, wo er den grössten Teil seines Lebens verbracht hat. Für mich persönlich stellt er eine Personifizierung solchen Heiligen Gleichmuts dar.

    Gleichmut hilft uns aber nicht nur auf dem konkreten Weg der spirituellen Praxis, sondern ebensosehr in Belangen wie der hier besprochenen Liebesbeziehungen. Er darf allerdings nicht mit weltlicher Gleichgültigkeit verwechselt werden. Dazu noch einmal Nyanaponika:

    "Doch es muss ein Gleichmut sein, der wache Kraft ist, nicht stumpfe Gleichgültigkeit; der, in bewusster Pflege stark geworden, nicht abhängig ist vom Zufall einer Stimmung... Will man nun den Gleichmut sicher gründen, so hat man sich allmählich zu üben im Aufgeben des Mein-Gedankens, beginnend mit Dingen, von denen man sich ohne grosse Schwierigkeiten trennt, bis zu Besitztümern und Zielen, an denen man mit seinem ganzen Herzen hängt. Stufenweise hat man sich zu üben im Aufgeben des Ich-Gedankens, beginnend mit einem kleinen Ausschnitt seines sogenannten Ich, mit Eigenschaften geringerer Wichtigkeit, kleinen Gewohnheiten und Schwächen, bis man schliesslich zu jenen Gefühlen und Gedanken, Zuneigungen und Abneigungen kommt, mit denen man sich völlig identifiziert, völlig verwachsen fühlt, die man für das Zentrum seines Ich hält. Je mehr man sich vom Ich- und Mein-Gedanken löst, desto stärker wird der Gleichmut. Denn wie sollte das, was man als fremd und wesenlos erkennt, Beunruhigung bringen, sei es durch Lust oder durch Leid? So führt die Lehre vom Nicht-Ich direkt auf den Weg zur Erlösung, zum heiligen Gleichmut."
    (Ende Zitat)

    Liebe Shirin

    Es soll Dir nicht gleichgültig sein, wie andere Menschen mit Dir umgehen und Du brauchst Dich nicht zum Opfer ihrer Leidenschaften zu machen oder machen zu lassen. Übe Dich in Dhamma, und Du wirst Kraft, Mut, Vertrauen und Weisheit entwickeln, die Dir ermöglichen in den von Nyanaponika angesprochenen "Wechselfällen des Lebens" mit gleichem Mut - eben: gleichmütig - das von Dir in der jeweiligen Situation als heilsam Erkannte zu tun.

    Liebe Grüsse, erbreich

    unvollkommenheit (dukkha), du nimmst sie nicht persönlich (anatta), sie ist was sie ist (anicca)

  • crazy-dragon
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    • 11. November 2009 um 19:30
    • #33

    Öhm...War also gar nicht so abwegig, mein Gedanke. Wer glaubt schon an Glück oder " Zufälle " ??? Ich nicht.
    Danke fürs feedback, werte Monikamarie.
    Lieber Gruß,
    crazy dragon

    Tag für Tag ein guter Tag

  • Lirum Larum
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    Buddh. Richtung
    Ich protestiere gegen den mangelnden Respekt vor den unterschiedlichen Traditionen.
    • 12. November 2009 um 11:41
    • #34
    Shirin:

    ...
    Ich denke das ich jetzt einfach mal die Zeit arbeiten lasse, seit letzter Woche habe ich es geschafft loszulassen und es geht mir viel besser. Meine Angst ist weg und ich versuche für den Moment Freundschaft mit ihm zu halten. Das ist ihm zwar zu wenig, aber ich brauche jetzt mal Zeit für mich und habe nun begonnen buddhistische Bücher zu lesen.

    Alles Liebe
    Shirin

    Liebe Shirin,

    wie buddhistisch und fortgeschritten von Dir! ;)

    Ich freue mich ehrlich über den Ausweg, den du so schnell für Deine Emotionen finden konntest! Herzlichen, herzlichen Glückwunsch.

    Man kann mit diesem Gesülze ("Er will mit mir zusammensein - aber dann vielleicht eher doch lieber nicht richtig... usw. etc. pp...") nämlich Jahr und Tag verbringen, sogar ohne zu merken, wie man sich im Kreise dreht.

    Ich wünsche Dir alles Gute weiterhin!

    Liebe Grüße von
    Losang Lamo

    :rainbow: Gute Wünsche für jede und jeden. :tee:


  • Shirin
    Gast
    • 16. November 2009 um 08:55
    • #35

    Hallo,

    ja natürlich ist es nicht immer leicht die Dinge so zu akzeptieren wie sie kommen. Es spielen Gefühle mit, man hat sich etwas anderes vorgestellt und wir hatten ja auch Pläne für die Zukunft,.....
    Mittlerweile denke ich das er ganz viel an sich arbeiten muss und ich ihm einiges abnehmen wollte. Das im Kreis drehen hatte ich in meiner vorigen Beziehung und daher bin ich da sehr sensibel und aufmerksam wenn es in diese Richtung geht. Leider gehe ich viel zu oft von meinen Gefühlen und Verhaltensweisen aus und erwarte diese Ehrlichkeit und Offenheit auch von anderen Menschen. Aber das mit dem erwarten ist ja so eine Sache.
    Die Gefahr die im Moment einfach da ist, ist das ich die Mittlemäßigkeit akzeptiere. Den letztendlich müsste ich wirklich einen Schlussstrich ziehen. So wie sich jetzt alles im nachhinein darstellt ist sein Interesse ganz eindeutig an der Frau gewesen und nicht am Buddhismus. Ich darf da meinen Gefühlen mehr vertrauen, den die hatten mir schon signalisiert das etwas nicht so ganz stimmt.
    Ich glaube auch das solche Erlebnisse nicht zufällig sind und das sie mir einfach die Gelegenheit geben daran zu wachsen und davon zu lernen.Wenn man gerade mittendrinnen steckt ist es manchmal schwer das zu erkennen und es verletzt in diesem Moment halt auch.
    Ich wünsche euch einen schönen Tag!
    Shirin

  • Dorje Sema
    Gast
    • 20. November 2009 um 01:32
    • #36

    Liebe Werte Shirin ,

    womöglich hilft Dir das ein wenig weiter ?

    von Khenpo Tsultrim Gyamtso aus der Stufenweg zur Leerheit;

    Zitat

    Sowohl Tiere als auch Menschen handeln auf eine Weise, als ob sie ein Selbst hätten,
    das es zu beschützen und zu bewahren gelte; dieses Verhalten betrachtet man sowohl als automatisch und instinktiv als auch als normal. Sobald Schmerz oder Unbehagen entstehen, reagiert man automatisch mit dem Versuch, sie zu beseitigen. Sie gehören nicht zum Selbst, und die stillschweigende Folgerung daraus ist, dass das Selbst auf ganz natürliche Weise glücklich wäre, wenn aller Schmerz und alles Leid beseitigt wären.
    Wenn wir jedoch versuchen, unser Verhalten in Bezug auf dieses "Selbst" zu analysieren, entdecken wir seltsamerweise, wie sehr wir uns im Unklaren darüber befinden, um was es sich bei diesem "Selbst" nun wirklich handelt. Von nicht-buddhistischen Denkern wurde das Selbst verschiedentlich definiert als etwas, das sich im Gehirn, Blut oder Herzen befindet, das Eigenschaften wie eine wahre oder transzendentale Existenz innerhalb oder ausserhalb des Geistes oder des Körpers besitzt. Ein derartiges Selbst muss, um überhaupt irgendeinen Sinn zu haben, dauerhaft sein, denn wenn es in jedem Augenblick zugrunde gehen würde, so würde man sich nicht darum kümmern, was ihm im nächsten Augenblick zustossen könnte; es wäre dann nicht mehr das eigene Selbst. Weiterhin muss es sich um etwas Einzelnes handeln, denn warum sollte man sich mehr Sorgen über das eigene Selbst als über das von irgendjemand anderem machen, wenn man keine separate Identität hätte? Ausserdem muss es unabhängig sein, denn sonst würde kein Sinn in der Aussage liegen wie: »Ich habe dies getan« oder »Ich besitze jenes«. Ohne eine unabhängige Existenz gäbe es niemanden, der die Handlungen und Erfahrungen als seine eigenen beanspruchen würde.
    Wir alle reagieren so, als ob wir ein dauerhaftes, separates und unabhängiges Selbst hätten und es unsere Hauptbeschäftigung wäre, es zu beschützen und zu pflegen. Es handelt sich hierbei um eine gedankenlose Gewohnheit, die die meisten Menschen höchstwahrscheinlich nicht in Frage stellen oder zu erklären suchen. So ist all unser Leid mit dieser Hauptbeschäftigung verbunden. Unser gesamter Gewinn und Verlust, unsere Freude und unser Schmerz entstehen aufgrund unserer derart engen Identifikation mit diesem vagen Gefühl von Selbstheit, das wir haben. Wir sind so sehr gefühlsmässig dann verwickelt und mit diesem Selbst verbunden, dass wir es als selbstverständlich vorhanden annehmen.
    Der Meditierende spekuliert nicht über dieses "Selbst". Er hat keine Theorien darüber, ob es existiert oder nicht. Er übt sich stattdessen leidenschaftslos darin zu beobachten, wie sich sein Geist an die Idee von "Selbst" und "mein" klammert und wie sich all sein Leid aus dieser Anhaftung heraus entwickelt. Gleichzeitig forscht er sorgfältig nach diesem "Selbst". Er versucht, es von all seinen anderen Erfahrungen zu isolieren. Er will es finden und identifizieren, da es das Schuldige an all seinem Leid ist. Die Ironie ist, dass er nichts vorfindet, das dem "Selbst" entspricht, wie intensiv auch immer er danach sucht.
    Westliche Menschen verwechseln oft "Selbst" in diesem Zusammenhang mit Person, Ego oder Persönlichkeit. Sie argumentieren, die Person, Persönlichkeit oder das Ego hielten sie nicht für eine dauerhafte, separate und unabhängige Wesenheit. Dieses Argument geht am wesentlichen Punkt vorbei. Die Person, Persönlichkeit oder das Ego als solches stellt nicht das Problem dar. Man kann sie durchaus rational auf ihre
    einzelnen Bestandteile hin untersuchen. Hierzu gibt es in der westlichen Tradition alle möglichen Verfahren. Die buddhistische Methode bedient sich der fünf skandhas (skr., Aggregate), der achtzehn dhatus (skr., Bestandteile) oder der zwölf ayatanas (skr., Tore oder Erlebnisgrundlagen der Wahrnehmung). Es geht nicht darum, ob die Person, Persönlichkeit oder das Ego eine wandelbare, zusammengesetzte Kette von Vorkommnissen ist, die durch zahlreiche, komplexe Faktoren bedingt wird, oder nicht. Jegliche verstandesmässige Analyse zeigt uns, dass dem so ist. Die Frage ist eher die, warum wir uns gefühlsmässig so verhalten, als sei unser Selbst dauerhaft, separat und unabhängig. Wenn wir folglich nach dem Selbst Ausschau halten, so ist es sehr wichtig, sich daran zu erinnern, dass es sich hier um eine emotionale Reaktion handelt, die wir untersuchen. Wenn man auf Ereignisse reagiert, als hätte man ein Selbst, sich z.B. verletzt oder angegriffen fühlt, dann sollte man sich fragen, wer und was sich verletzt oder angegriffen fühlt.
    Sollten Sie nicht davon überzeugt sein, dass Sie sich emotional so verhalten, als ob Sie ein dauerhaftes, eigenständiges und unabhängiges Selbst hätten, dann ist es wichtig, sich mit dieser Frage erst einmal auseinanderzusetzen, bevor Sie dazu übergehen, sich mit der Doktrin des Nicht-Selbst zu befassen. Denken Sie gründlich über Schmerz und Leid nach und fragen Sie sich selbst, wer oder was es ist, das da leidet. Wer hat Angst vor dem, was geschehen wird; wer fühlt sich schlecht wegen dem, was geschah; warum erscheint uns der Tod als eine derartige Drohung, wenn die Gegenwart mit jedem Moment entschwindet und kaum die Möglichkeit hatte, in Erscheinung zu treten? Sie werden feststellen müssen, dass Ihr Denken voller Widersprüche, Unbeständigkeiten und unlösbarer Paradoxa ist. Das ist normal. Jeder (ausgenommen vielleicht der Geistesgestörte) hat im Sinne des gesunden Menschenverstandes einen Begriff davon, was oder wer er ist. Dies befähigt einen (mehr oder weniger), wie ein normales menschliches Wesen zu funktionieren.
    Trotzdem kann der Meditierende, wenn er seine Konzentration auf dieses "Selbst" richtet, es nicht finden. Nach und nach, ganz allmählich dämmert es ihm, dass er es aus dem Grunde nicht vorfinden kann, weil es nicht existiert und niemals existierte. Es gibt einen gewaltigen emotionalen Widerstand gegen diese Erkenntnis. Deshalb dauert es lange Zeit, bis man ihn überwunden hat, aber wenn es einmal dazu gekommen ist, dann tritt unmittelbar ein Befreitsein von Verkrampfung und Leiden ein. Die Ursache dafür ist verschwunden. Sie wurde durch geistiges Haften an etwas hervorgerufen, das nicht existiert.
    Der Widerstand gegen diese Erkenntnis nimmt manchmal die Form von Irritation an. Man hat sich daran gewöhnt, die Dinge vernunftgemäss erklären zu können. Da das Erlebnis vom "Selbst" so direkt und in gewisser Hinsicht so offensichtlich ist, scheint es keinen Grund zu geben, es in das eigene rationale Erklären der Dinge mit einzuschliessen. Wenn man jedoch den Versuch unternimmt, sich darüber Klarheit zu verschaffen, wird die ganze Sache so irritierend subjektiv, dass es den Anschein hat, als ob man zu keinem zufriedenstellenden Ergebnis vorstossen könnte.
    Statt den Geist im tatsächlichen Erleben dieses Paradoxons ruhen zu lassen, wird man über die Unfähigkeit, keine stichhaltige Erklärung zu finden für das, was das "Selbst" ist, frustriert und irritiert. Es ist wichtig, davon Kenntnis zu nehmen und sich dessen bewusst zu sein. Sollte man jedoch versuchen, diese Irritation einfach aus dem eigenen Geist zu verdrängen, wird man niemals eine tiefe Erkenntnis vom Nichtvorhandensein des "Selbst" haben.
    Das Festhalten an der Vorstellung von einem "Selbst" ist vergleichbar damit, dass man sich der Vorstellung hingibt, ein Stück Seil im Dunkeln sei eine wirklich vorhandene Schlange. Sobald das Licht angeschaltet wird und man sieht, dass dort keine Schlange ist, verschwinden Furcht und Leiden, die dadurch entstanden, dass man die Schlange für wirklich hielt. Sie existierte von Anfang an nicht, und somit war es ganz einfach das Haften an dieser Vorstellung, die Leid hervorrief, und nichts anderes. Die Weisheit, die das Nicht-Selbst erkennt, gleicht dem enthüllenden Licht, durch das die Schlange als ein Stück Tau identifiziert werden kann.
    Um dem eigenen Leid endlich ein Ende zu setzen, gilt es nichts Wichtigeres zu erkennen als die Tatsache, dass man Körper und Geist gedankenlos Attribute zumisst, die sie einfach nicht haben, wenn man sich so herhält, als ob Körper und Geist ein dauerhaftes, separates und unabhängiges Selbst darstellten. Im gesamten Strom psychischer und physischer Erscheinungen, die unsere Erfahrung von Körper und Geist ausmachen, gibt es nichts, das die Eigenschaft einer getrennten, unabhängigen, dauerhaften Existenz hat. Alles befindet sich im Wandel, ist Son einem Augenblick zum anderen vergänglich, und insofern kann nichts davon "Selbst" sein. Es ist unser eigenes, zähes Bemühen, das die Veränderlichkeit der körperlichen und geistigen Aggregate so behandelt, als ob es anders wäre, und nur aus diesem Grund werden sie zu einem unaufhörlichen Strom von Leid (skr.: duhkha).
    Die Erkenntnis, dass das " Selbst" nicht existiert, ist der erste Schritt, die leere Natur aller Erscheinungen zu verstehen. Aus diesem Grunde behandelt die erste Lehrrede Buddhas die "Drei Kennzeichen des Daseins", nämlich Leid, Vergänglichkeit und Nicht-Selbst. Keine der ; physischen oder psychischen Komponenten eines Individuums ist das "Selbst", da sie vergänglich sind, und was vergänglich ist, bedingt Leid.

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    Ich wünsche Dir liebe Shirin ganz viel Kraft, Ausdauer und Geduld, ich wünsche Dir Mut und Geradlinigkeit , Shirin!

    Mit ganz lieben und herzlichen Grüßen
    Dorje Sema

Ausgabe №. 135: „Achtsamkeit und Aktivismus"

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