Ein Weiser hob eine Blume hoch,
da schwiegen hundert Zungen.
„Was will er sagen?“, fragte man,
und tausend Deutungen sprangen.
Der eine sprach vom Sein an sich,
der zweite von dem Werden,
der dritte sah im welken Blatt
den Sinn von Tod und Erden.
Da lächelte ein einziger Mann.
„Er hat es wohl verstanden!“
Und sofort schrieb man sein Lächeln
auf Tafeln und Girlanden.
Da kam ein Spötter, klug und scharf,
und lachte über alle:
„Ihr Narren! Seht die Blume an,
nicht eures Denken Falle!“
Doch während er dies höhnisch sprach,
bemerkte er mitnichten,
dass er — um zu lachen über jene —
selbst begann zu dichten.
So stand die Blume, wie sie stand,
ganz ohne Lehr' und Gaben.
Und alle klugen Männer rings herum
hatten sie doch längst begraben.
Nur einer sah sie irgendwann.
Doch auch dieser blickt' nicht lange.
Er schrieb darüber ein Gedicht.
Und ward nunmehr nur selbst Gespött.