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Buddhismus in Beruf und Arbeitswelt

  • Hans-Günter Wagner
  • 22. März 2026 um 18:28
  • Zum letzten Beitrag
  • Hans-Günter Wagner
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    2. August 2022
    • 22. März 2026 um 18:28
    • #1

    „Rechter Lebenserwerb“ ist eine der Säulen des achtfachen Pfades eines buddhistischen Lebenswandels. Was heißt das für das Berufs- und Arbeitsleben in unserer Zeit? Anders als zu Lebzeiten Buddhas sind die Strukturen in der globalen Lebenswelt sehr komplex und damit auch die Zurechnung von Handlung und Verantwortung. Die erste grundlegende Arbeit zur buddhistischen Ökonomie im Westen stammt von Eugen F. Schumacher aus dem Jahr 1966, die später zu einem Kapitel seines Buches „Small is Beautiful“ wurde. Der Artikel von Hans-Günter Wagner erweitert diese Diskussion um weitere Aspekte.

    An dieser Stelle soll eine Diskussion über ausgewählte Aspekte der buddhistischen Wirtschaftslehre stattfinden. Erwünscht sind Beiträge unter Klarnamen, die sich auf die beiden Ausgangsartikel in irgendeiner Weise beziehen oder daran anknüpfen. Auch kritische Rückmeldungen sind willkommen. Gerne auch mit Quellenangaben und Literaturhinweisen zur weiteren Vertiefung des Themas. Eugen F. Schumacher: Buddhistische Wirtschaftslehre Hans-Günter Wagner: Geld, Arbeit und Natur in der buddhistischen Ökonomie

  • Aravind
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    • 23. März 2026 um 10:51
    • #2

    Bei Schumacher habe ich nach drei Seiten aufgehört zu lesen. Der Text ist einfach alt, und das, was er aus seiner Zeit als Wirtschaftswissenschaften beschreibt, hat mit der Volkswirtschaftslehre von heute nichts mehr zu tun. Das ist ja nicht seine "Schuld", aber Dinge entwickeln sich halt weiter.


    Den Text von Wagner finde ich aus ökonomischer Sicht des Titels argumentativ richtig schlecht. Am Ende bechreibt er buddhistische Ethik. Warum man das dann hochtrabend "Buddhistische Ökonomie" nennen muss, keine Ahnung.


    Warum ich den Text darüber hinaus schlecht finde, dazu später mehr. Ein Beispiel, auch wenn es ein weitverbreitetes Missverständnis ist: Nur weil etwas zu recht als "leer" beschrieben wird, also als "ohne inhärentem Kern", bedeutet das nicht, dass es nicht exterm wirkmächtig sein kann und großen praktischen Nutzen tragen kann (hier: Geld). Das ist das gleiche Missverständnis, wie zu behaupten, es gäbe kein Ich im Menschen.


    Liebe Grüße,

    Aravind.

  • Hans-Günter Wagner
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    2. August 2022
    • 27. März 2026 um 15:17
    • #3

    Als Verfasser des Textes an dieser Stelle eine kurze Antwort auf die Frage, warum ich von „buddhistischer Ökonomie“ spreche. Anders als im Englischen gibt es im Deutschen keine Unterscheidung zwischen economics und economy, also von Wirtschaft als akademischer Disziplin und Wirtschaft als gesellschaftlicher Sphäre. Der Begriff Ökonomie kann je nach Kontext das eine oder andere bedeuten. Schumachers „Buddhist Economics“ findet sich in deutschen Übersetzungen auch als „buddhistische Wirtschaftslehre“, ein mit „buddhistische Ökonomie“ bedeutungsgleicher Begriff.

    Meine Darstellung derselben folgt in diesem Beitrag streng den zentralen Kategorien der klassischen Nationalökonomie, nämlich Arbeit, Natur und Kapital und sucht nach Unterschieden und Entsprechungen im buddhistischen Denken. Anders als klassische Denker wie Smith und Ricardo oder die heutige neoliberale Ökonomie betrachtet die buddhistische Wirtschaftslehre die Ökonomie nicht als moralfreie Zone mit eigenen, allein der Zweckrationalität unterworfenen Gesetzmäßigkeit. Dieser reduktionistische Blick ist ein Produkt neuzeitlichen Denkens. So sah Aristoteles die Ökonomie allein im engen Verbund seiner Tugend- und Ethiklehren und auch in der alten englischen Moralökonomie wird dieser Ansatz gepflegt. Der griechische Ursprung des Wortes Ökonomie ist oikos (das Haus), und die ursprüngliche Bedeutung von wirtschaftlichem Handeln war ein haushälterischer Umgang mit den Dingen. Verschwendung und übermäßiger Konsum galten als schlecht und schädlich. Es gibt also viele Verbindungslinien zwischen dem buddhistischen, dem griechischen und alteuropäischen Denken über das „rechte Wirtschaften“. In den gegenwärtigen wissenschaftlichen Diskursen über Wirtschaftsethik tauchen diese Themen als Reflexe auf die kontraproduktiven Wirkungen wirtschaftlicher Aktivitäten immer wieder auf. Tatsächlich ist die heutige Ökonomie keine ausschließlich deskriptiv-analytische Wissenschaft, sondern insofern sie Handlungsvorschläge unterbreitet - was Ökonomen beständig tun - auch normativ.

    Dass illusionäre Gebilde dennoch faktische Wirkungen entfalten können, habe ich gar nicht bestritten. Das ist ein Allgemeinplatz. Vom Ich und der Anatta-Lehre ist im ganzen Text überhaupt nicht die Rede.

    Ich würde raten, Schumachers Text bis zu Ende zu lesen. Seine Vorstellungen vom „menschlichen Maß“ und der Effizienz dezentraler Systeme haben über die Jahrzehnte in vielen Bereichen die Politik beeinflusst und auch auf die Ausformulierung neuer wirtschaftswissenschaftlicher Paradigmen gewirkt. Leider noch nicht umfassend genug. Seine Ausführungen betreffen grundlegende Axiome wirtschaftlichen Denkens und Handeln und sind m.E. auch nach 60 Jahren noch so aktuell wie damals.

Ausgabe №. 135: „Achtsamkeit und Aktivismus"

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