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Praxis in anderen Religionen?

  • Anne
  • 28. November 2020 um 19:11
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1. offizieller Beitrag
  • Anne
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    • 28. November 2020 um 19:11
    • #1

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    In dem Video sagt, Thich Nhat Hanh etwas über die Wurzeln und grob, dass man Priestern, Pfarrern usw. aus seiner eigenen Kultur helfen solle.

    Wie könnte dies gemeint sein? Was würde das für euch beispielsweise bedeuten?

    "Als Floß will ich Euch die Lehre weisen, zum Entrinnen tauglich, nicht zum Festhalten."

  • dukkha
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    • 28. November 2020 um 19:28
    • #2

    Das Video habe ich auch vor kurzem geschaut, ich kann aber nicht sagen,

    wie er das meinte.

    Ich fand interessant, dass der Hungergeist auf diese Welt bezogen ist und

    nicht auf irgendeine Parallelwelt.

    denn alles, was entsteht, ist wert, dass es zugrunde geht, drum besser wär's, dass nichts entstünde.

    (Goethes Faust)

  • xiaojinlong
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    • 28. November 2020 um 19:45
    • #3

    Der Hungergeist ist etwas das alle hier zu genüge kennen dürften. Es braucht keine Parallelwelt um nach etwas zu gieren und unersättlich zu sein. Hungergeist ist letztlich das was man in dieser Welt immer wieder sieht und aus dem man aussteigen will.

    _()_

    小金龍

  • Anne
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    • 28. November 2020 um 19:49
    • #4

    In Minute 6:58: "And if you are in battle with your rabbi, with your pastor, with your priest you get disconnected with your spritual ancestors."

    8.17: "If your priest, your rabbi, your pastor cannot embody the values of your tradition, there must be causes and we have to look very deeply."

    8.50: "And going back home to help our parents, to help our rabbi, our priest, our pastor become possible"

    "you might discover that there are values in your own tradition.

    I always tell my students that the equivalent of mindfulness could be seen in the tradition of Judaism and Christianity.

    And when you have practiced mindfulness in a buddhist practice center, you may discover that these jewels are also in your tradition.

    And you are urged to help out to rediscover these values for your own nourishment."

    Das sind so die Stellen, die zu meiner Eingangsfrage führten.

    "Als Floß will ich Euch die Lehre weisen, zum Entrinnen tauglich, nicht zum Festhalten."

  • Schmu
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    • 28. November 2020 um 22:18
    • #5
    Anne:

    In dem Video sagt, Thich Nhat Hanh etwas über die Wurzeln und grob, dass man Priestern, Pfarrern usw. aus seiner eigenen Kultur helfen solle.

    Wie könnte dies gemeint sein? Was würde das für euch beispielsweise bedeuten?

    Ich habe viele Bücher von Thich Nhat Hanh gelesen, und ich denke, man kann zwei Dinge auf jeden Fall sagen.

    Erstens: Er hat extrem viel Leid in seinem Leben um sich herum gesehen. Den Vietnamkrieg hat er sehr direkt zu spüren bekommen, und das war ein extrem grausamer Krieg. Alle Kriege sind grausam, aber dieser war noch zusätzlich speziell aus meiner Sicht.

    Zweitens: Es ging in dem Krieg auch viel um Christentum und Buddhismus und um Bekämpfung zwischen diesen beiden Glaubensrichtungen, das war jedenfalls einer der Hauptaspekte. Besonders die Buddhisten in Vietnam sind schlimmstens verfolgt worden.

    Aus diesem Zusammenhang verstehe ich seine unermüdlichen Bemühungen, den Dialog zwischen den Religionen zu fördern und zu gegenseitigem Verständnis und Akzeptanz zu ermuntern. Und auch untereinander ruft er immer wieder dazu auf. Ganz allgemein spielt Mitgefühl eine überragende Rolle bei Thich Nhat Hanh.

  • xiaojinlong
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    • 28. November 2020 um 23:01
    • #6

    Ob Thich Nhat Than dabei das folgende wirklich gemeint hat, kann ich nicht sagen. Kontextuell im Bezug auf Hungergeister sind meine Gedanken dazu wie folgt:

    Anne:

    In Minute 6:58: "And if you are in battle with your rabbi, with your pastor, with your priest you get disconnected with your spritual ancestors."

    Insbesondere hier im Westen wenden sich die Leute ja deshalb dem Buddhismus zu, weil sie nach etwas suchen. Die Kirche "fühlt sich falsch an". Viele, so ist mein Eindruck, stehen bisschen auf Kriegsfuß mit der Kirche und damit auch mit den Ansichten ihrer "Vorfahren".

    Anne:

    8.17: "If your priest, your rabbi, your pastor cannot embody the values of your tradition, there must be causes and we have to look very deeply."

    Statt sich damit zubeschäftigen wieso sich die Kirche "falsch anfühlt", wird schnell nach etwas passenderem geschaut. Besteht die Oma dann darauf, dass man an Weihnachten in die Kirche geht entsteht nicht selten ein Konflikt. Um das zu lösen wäre eine Betrachtung der eigenen Hintergründe ("Wieso finde ich die Kirche falsch?"), aber die der Oma notwendig ("Wieso ist ihr Kirche so wichtig?"). Dazu kommt, dass wir (bzw. die meisten hier) - ob wir es wollen oder nicht - durch eine christliche Kultur geprägt wurden. Viele wollen tief in fremde Kulturen (Japanischer Zen, Tibetischer Buddhismus) einsteigen, ohne überhaupt zu verstehen worin die eigene Kultur liegt (und dessen Ursprung).

    Anne:

    8.50: "And going back home to help our parents, to help our rabbi, our priest, our pastor become possible"

    Versteht man diese Hintergründe, dann können sich auch Konflikte (z.B. die Frage ob man mit Oma in die Kirche geht) klären. Es ist die Grundlage um von einem "Wir Buddhisten" und "Die Katholiken" zu einem "wir Gemeinsam" / "wir Menschen" zu kommen.

    _()_

    小金龍

  • TinyNight13076
    Gast
    • 29. November 2020 um 07:07
    • #7
    Anne:

    In Minute 6:58: "And if you are in battle with your rabbi, with your pastor, with your priest you get disconnected with your spritual ancestors."

    8.17: "If your priest, your rabbi, your pastor cannot embody the values of your tradition, there must be causes and we have to look very deeply."

    8.50: "And going back home to help our parents, to help our rabbi, our priest, our pastor become possible"

    "you might discover that there are values in your own tradition.

    I always tell my students that the equivalent of mindfulness could be seen in the tradition of Judaism and Christianity.

    And when you have practiced mindfulness in a buddhist practice center, you may discover that these jewels are also in your tradition.

    And you are urged to help out to rediscover these values for your own nourishment."

    Das sind so die Stellen, die zu meiner Eingangsfrage führten.

    Alles anzeigen

    Die buddhistische Praxis hat mich näher zu meinen christlichen Wurzeln gebracht. Ich schäme mich nicht dafür, dass ich ein gläubiger Mensch war. Ich schaue nicht auf das schlechte und trennende, sondern auf das heilsame und die Gemeinsamkeiten.

    Buddhismus bedeutet für mich, Frieden und Freiheit (vereinfacht ausgedrückt).

    Hätte ich jetzt Probleme mit meinen Wurzeln, mit den Priestern und den Christen, dann wäre ich in meiner Praxis gescheitert.

    Viele Menschen wollen ihre schmerzhafte Vergangenheit hinter sich lassen. Sie wollen nichts mehr davon wissen.

    In Asien zum Beispiel, gibt es viele junge Menschen, die sich dem Christentum oder Islam zuwenden, bedingt durch die Skandale und Enttäuschungen die Sie erlebt hatten.

    Teilweise radikalisieren sie sich.

    Die konvertierten Buddhisten, Muslime, Christen sind oft viel Radikaler, Genauer, in ihrer Religionsausübung, als jene, die mit dieser Religion aufgewachsen sind.

    Ich habe es oft erlebt, wie die Westlichen Besucher, während der Retreats abfällig über ihre alte Religion gesprochen haben.

    Während der Lehrer die guten Sachen und Gemeinsamkeiten hervorgehoben hat, hat der Westler nur über die negativen Seiten gesprochen.

    Ich schreibe schon wieder zuviel, aber zusammengefasst möchte ich sagen, dass ich sehr vom meinen christlichen Wurzeln "profitiert" habe, und dank der buddhistischen Lehre, diese auch besser verstehe.

    Mögen wir alle Frieden finden!

  • Auf dem Wege
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    • 29. November 2020 um 09:34
    • #8

    Guten Morgen,

    lieber Martin, vielleicht war es Dein Weg denke ich mir beim Lesen deiner Zeilen, übrigens nicht nur hier, sondern auch, wenn Du in anderen Threads geschrieben hast, ich lese dich sehr gern, weil ich in Deinen Beiträgen eine für mich ausgesprochen angenehme Ehrlichkeit empfinde, anders kann ich es nicht ausdrücken.

    Du und einige andere hier sind mit dem Christentum groß geworden, ich bin atheistisch (!!!) erzogen und habe es mein Leben lang so gelebt. Ich spürte wohl, dass da WAS ist, aber der Zugang blieb mir verborgen und ich war zu sehr mit anderen Dingen beschäftigt als dass ich diesen gesucht habe.

    Seit einiger Zeit beschäftige ich mich intensiver damit und auch wenn ich durchaus Menschen in meinem Umfeld kenne, die ich als ausgesprochen angenehm empfinde und ich weiß, dass diese Christen sind, sehe ich mich auf dem Weg, dem Buddha zu folgen. Ich gehe diesen ganz langsam, nicht der Zweifel wegen, sondern des Verstehens. Jetzt denke ich darüber nach, würde mir vieles leichter fallen, in meinem Geist aufzunehmen, wenn ich schon in einer anderen Religion zu Hause gewesen wäre.

    _()_

    Falls Du glaubst, dass Du zu klein bist, um etwas zu bewirken, dann versuche mal zu schlafen, wenn eine Mücke im Raum ist.

    Dalai Lama

  • Sudhana
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    • 29. November 2020 um 13:26
    • #9

    Der gute Thich verallgemeinert da reichlich. Ich für meinen Teil habe keine "Wurzeln" im Christentum, schon gar keine "spirituellen", was auch immer "spirituelle Wurzeln" sein sollen. Nein, das ist nicht "meine" Tradition, ist es nie gewesen.

    Bei solchen Sprüchen frage ich mich schon, warum sein Orden Tiếp Hiện eigentlich überhaupt Amerikaner oder Europäer aufnimmt (was man reichlich tut) und sie nicht postwendend zu ihrem Priester oder Rabbi zurückschickt. Oder ihnen empfiehlt, stattdessen in die Kirche einzutreten, falls sie der nicht (mehr) angehören.

    Sicher - laut Selbstdefinition ist Tiếp Hiện ('Order of Interbeing') eine Ordensgründung innerhalb der Linji-Schule des Dhyana-Buddhismus und gründet auf einen "vierfachen Geist" - wobei dabei der erste Geist der des Nicht-Anhaftens an Ansichten ist (Kapitel 1 des Statuts des Tiếp Hiện - Ordens). Aber wie passt das dann mit solchen Sprüchen zusammen?

    _()_

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  • Sudhana
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    • 29. November 2020 um 13:40
    • #10
    Lucy:

    Aber gut, Menschen werden geboren, älter, krank und sterben und wir benötigen „Seelsorge“, die gut zugänglich ist, vor Ort. Ich komme aus einem Dorf, die Kirche mit ihren Strukturen war und ist da sehr wichtig, wenn es ums menschliche miteinander geht.

    Ich kenne das auch - und gerade das ganz konkrete Sich-Kümmern um seine Mitmenschen ist der Grund, sich ehrenamtlich um einen Chor hier im Dorf zu kümmern (Durchschnittsalter deutlich über 70). Und natürlich bin ich mit dabei, wenn in der Kirche gesungen wird - bei Trauerfeiern, Goldenen Hochzeiten und natürlich bei Kirchenfesten wie Ostern, Allerheiligen, Weihnachten ... Jedenfalls war das vor Corona so. Dass ich da nicht mitbete (Vaterunser z.B.) und nicht an der Eucharistie teilnehme, stört zumindest meine Mitsänger und den Pfarrer nicht - ich mache mit und für meinen 'Buddhismus' keine Reklame, aber auch kein Geheimnis daraus.

    _()_

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  • xiaojinlong
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    • 29. November 2020 um 13:48
    • #11
    Sudhana:

    ich mache mit und für meinen 'Buddhismus' keine Reklame, aber auch kein Geheimnis daraus.

    Damit bist du ja schon in die Hilfe der "lokalen spirituellen Kultur" integriert. Polarisierung in der Gesellschaft macht ja auch vor der Kirche nicht halt. Bei Kirchenfesten mithelfen, auch wenn man nicht der Religion angehört ist für viele (so mein Eindruck) etwas Widersprüchliches.

    _()_

    小金龍

  • Sudhana
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    • 29. November 2020 um 14:07
    • #12
    xiaojinlong:

    Bei Kirchenfesten mithelfen, auch wenn man nicht der Religion angehört ist für viele (so mein Eindruck) etwas Widersprüchliches.

    Wenn man damit nicht "der Kirche", sondern seinen Mitwesen hilft ohne nach ihrer Religion zu fragen, dann löst sich auch der Widerspruch auf:).

    _()_

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  • xiaojinlong
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    • 29. November 2020 um 15:17
    • #13

    Jap, diesen Schritt muss man aber auch erstmal gehen und da happert es öfter mal.

    _()_

    小金龍

  • TinyNight13076
    Gast
    • 29. November 2020 um 16:19
    • #14
    Wegsuchend:

    Guten Morgen,

    lieber Martin, vielleicht war es Dein Weg denke ich mir beim Lesen deiner Zeilen, übrigens nicht nur hier, sondern auch, wenn Du in anderen Threads geschrieben hast, ich lese dich sehr gern, weil ich in Deinen Beiträgen eine für mich ausgesprochen angenehme Ehrlichkeit empfinde, anders kann ich es nicht ausdrücken.

    Du und einige andere hier sind mit dem Christentum groß geworden, ich bin atheistisch (!!!) erzogen und habe es mein Leben lang so gelebt. Ich spürte wohl, dass da WAS ist, aber der Zugang blieb mir verborgen und ich war zu sehr mit anderen Dingen beschäftigt als dass ich diesen gesucht habe.

    Seit einiger Zeit beschäftige ich mich intensiver damit und auch wenn ich durchaus Menschen in meinem Umfeld kenne, die ich als ausgesprochen angenehm empfinde und ich weiß, dass diese Christen sind, sehe ich mich auf dem Weg, dem Buddha zu folgen. Ich gehe diesen ganz langsam, nicht der Zweifel wegen, sondern des Verstehens. Jetzt denke ich darüber nach, würde mir vieles leichter fallen, in meinem Geist aufzunehmen, wenn ich schon in einer anderen Religion zu Hause gewesen wäre.

    _()_

    Danke für deine lieben Worte!

    Ich wünsche Dir alles Gute!

    Mögen wir alle Frieden finden.

  • CCC
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    • 30. November 2020 um 05:03
    • #15
    Sudhana:

    Der gute Thich verallgemeinert da reichlich. Ich für meinen Teil habe keine "Wurzeln" im Christentum, schon gar keine "spirituellen", was auch immer "spirituelle Wurzeln" sein sollen. Nein, das ist nicht "meine" Tradition, ist es nie gewesen.

    Ist bei mir genauso!

  • Xyz
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    • 30. November 2020 um 06:49
    • #16

    Meine Lehrer sehen Spiritualität,

    ‚Spirituelle Wurzeln’,

    den spirituellen Weg als Ideal,

    Idealzustand.

    Rein, Klar, Friedlich und Heil, egal ob und in welcher Religion.

    Unterstützen durch Vorleben❤️

    Könnte mir vorstellen das Thich es ebenso meinte.

    Aus vollem Mitgefühl..🌹🙏

  • Sudhana
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    • 30. November 2020 um 13:32
    • #17
    Lucy:

    es ging ja darum, wie hungergeister entstehen - nämlich ohne Wurzeln in der „Religion“ und im Elternhaus.

    Ja - und das Entstehen von Hungergeistern lässt sich wunderbar mit religiösen Wurzeln vereinbaren. Der aktuelle pretaloka, nach seiner typischen ökonomischen Form als 'Kaptalismus' bezeichnet, verträgt sich insbesondere mit den "spirituellen" Modifikationen, die zu Beginn der Neuzeit entstanden - nicht nur als Reaktion auf die Korrumpiertheit der traditionellen Spiritualität, sondern auch als Mittel, die spirituelle Infrastruktur staatlicherseits (d.h. seitens eines Teils der herrschenden Elite) zu übernehmen. Standardwerk dazu ist Max Webers 'Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus'. Okay - das hat TNH vermutlich nicht gelesen. Macht ja nix, ich kenne auch nicht alles, was er gelesen hat.

    Was die Konkurrenz angeht - die sind nach meiner Meinung trotz Tridentinum samt Gegenreformation und 2. Vaticanum nie aus dem Sumpf herausgekommen. Die haben wohlweislich nur an ihrem öffentlichen Image gearbeitet und tun es noch.

    Jedenfalls - was "westliche Spiritualität" eigentlich ist, verdeutlicht sehr anschaulich das Extrem. Nicht nur der oben verlinkte Marcinkus; mein derzeitiger Favorit ist da Paula White (hier der deutsche Wikipedia-Eintrag). Ich finde, als Bodhisattva sollte man vor solchen Sekten eher warnen statt Leute aufzufordern, da Wurzeln zu schlagen. Nix für ungut, ehrwürdiger TNH. Nur mal so unter uns alten Linji-Schülern Tacheles geredet ...

    _()_

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  • Schmu
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    • 30. November 2020 um 13:55
    • #18
    Sudhana:

    Ich finde, als Bodhisattva sollte man vor solchen Sekten eher warnen statt Leute aufzufordern, da Wurzeln zu schlagen. Nix für ungut, ehrwürdiger TNH. Nur mal so unter uns alten Linji-Schülern Tacheles geredet ...

    Ich vermute, dass wir Thich Nhat Hanhs Beweggründe, es so auszudrücken, wie er es in dem Video tut, vielleicht nicht richtig verstehen / deuten können bzw. es Fragezeichen hinterlassen kann.

    Ich denke, er weiß sehr wohl, was eine Sekte ist, und er weiß auch um die teils haarsträubenden Irrwege von Sekten.

    Ich denke, wir müssen uns dem Begriff "Hungergeist" noch weiter annähern, um Thich Nhat Hanh hier besser verstehen zu können. Ich meine mich daran zu erinnern, in seinem Buch Aus Angst wird Mut - Grundlagen buddhistischer Psychologie etwas über Hungergeister gelesen zu haben.

    Wenn ich mein Verständnis von Hungergeist zusammenfassen sollte, würde ich das am ehesten mit xiaojinlong tun:

    xiaojinlong:

    Der Hungergeist ist etwas das alle hier zu genüge kennen dürften. Es braucht keine Parallelwelt um nach etwas zu gieren und unersättlich zu sein. Hungergeist ist letztlich das was man in dieser Welt immer wieder sieht und aus dem man aussteigen will.

    Hungergeister werden oft als besonders bedauernswerte Menschen / Wesen beschrieben – herumirrend, ruhelos, aufgewühlt. Doch sind wir alle Hungergeister, wenn auch vielleicht nicht immer so augenscheinlich, wie "starke, schwere Hungergeister".

  • Sudhana
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    • 30. November 2020 um 14:11
    • #19
    Schmu:

    Ich denke, er weiß sehr wohl, was eine Sekte ist, und er weiß auch um die teils haarsträubenden Irrwege von Sekten.

    Nur, um kein Missverständnis aufkommen zu lassen: ich meinte damit auch und gerade die Großsekten, die die kleinere Konkurrenz gerne mit diesem Namen schmücken, den sie für sich selbst natürlich ablehnen.

    _()_

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  • Schmu
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    • 30. November 2020 um 15:38
    • #20
    Sudhana:

    Nur, um kein Missverständnis aufkommen zu lassen: ich meinte damit auch und gerade die Großsekten, die die kleinere Konkurrenz gerne mit diesem Namen schmücken, den sie für sich selbst natürlich ablehnen.

    Ok. Also, ich sag' mal so:

    Wenn mir außer meine eigene Entwicklung auch das Anheben der Entwicklungsstufe der Menschheit insgesamt am Herzen liegt (und so verstehe ich Thich Nhat Hanh grundsätzlich immer auch), dann muss ich auch den Dialog der großen Religionen im Auge haben. Dafür werde ich dann nicht so sehr das Augenmerk auf die Fragwürdigkeiten hier und da legen, oder gar "Abstufungen der Blödheit" der einzelnen Religionen vornehmen wollen (das würde das Ende des Dialogs bedeuten), sondern ich werde die Gemeinsamkeiten suchen. Und ich werde sie vornehmlich mit den Vertretern der jeweiligen Religion suchen, die überhaupt zumindest eine solche Offenheit mitbringen, dass es dann auch als eine wohlwollende Verständigung bezeichnet werden kann.

    Thich Nhat Hanh ist Praktiker durch und durch und geht da auch, wenn man das so nennen will, bis an die Schmerzgrenze. Ich versuche das gelegentlich mit Hilfe seines Lebensgangs zu erklären und zu verdeutlichen. Inwieweit man mir da folgen mag, bleibt jedem selbst überlassen.

    Weißt du, worauf ich hinaus will, Sudhana ? Ist das einigermaßen nachvollziehbar?

  • void
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    • 30. November 2020 um 15:48
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    • #21
    Sudhana:
    Lucy:

    es ging ja darum, wie hungergeister entstehen - nämlich ohne Wurzeln in der „Religion“ und im Elternhaus.

    Ja - und das Entstehen von Hungergeistern lässt sich wunderbar mit religiösen Wurzeln vereinbaren. Der aktuelle pretaloka, nach seiner typischen ökonomischen Form als 'Kaptalismus' bezeichnet, verträgt sich insbesondere mit den "spirituellen" Modifikationen, die zu Beginn der Neuzeit entstanden - nicht nur als Reaktion auf die Korrumpiertheit der traditionellen Spiritualität, sondern auch als Mittel, die spirituelle Infrastruktur staatlicherseits (d.h. seitens eines Teils der herrschenden Elite) zu übernehmen. Standardwerk dazu ist Max Webers 'Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus'. Okay - das hat TNH vermutlich nicht gelesen. Macht ja nix, ich kenne auch nicht alles, was er gelesen hat.

    Thich Nhat Hanh denkt wohl an eine Anbindung des einzelnen an Familie und Dorfgemeinschaft. Je mehr jemand gesellschaftlch eingebunden ist, desto weniger entfremdet ist er. Wohl weil er inzwischen an die hundert Jahre alt ist und wohl in traditionellen Strukturen aufgewachsen ist, verortet er dieses "Soziale" nahe am "Spirituellen".

    Diese Gleichsetzung ist problematisch. Weil ja eben "das Sprituelle" - wie du richtig sagst - sehr wohl mit entfremdenden Strukturen kompatibel ist. Und weil "das Soziale" inzwischen auch im zivilgesellschaftlichen Bereich zu finden ist. In dem Buch Bowling Alone wird dies als "sozialen Kapital" bezeichnet und mit Sorge beobachtet, dass Organisationen, die sich dem zivilgesellschaftlichen Engegement widmen (Gewerkschaften, Veteranen, rotes, Kreuz, Pfadfinder, Freimaueren , Rotary Club) in der USA einen Mitgliederschwund haben.

    In Deutschland haben wir zudem ja unsere Geschichte. Dass die "Volksgemeineschaft" sich nach innen mal warm und kuschelig geben konnte, hinderte sie nicht nach Außen umso möderischer zu agieren. Sozial eingebunden zu sein, tut einem sicher gut, aber warum suchte dann Buddha sattt dem Heimeligen das Hauslose?

    • Nächster offizieller Beitrag
  • Schmu
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    • 30. November 2020 um 16:05
    • #22
    void:

    Wohl weil er inzwischen an die hundert Jahre alt ist und wohl in traditionellen Strukturen aufgewachsen ist, verortet er dieses "Soziale" nahe am "Spirituellen".

    Diese Gleichsetzung ist problematisch. Weil ja eben "das Sprituelle" - wie du richtig sagst - sehr wohl mit entfremdenden Strukturen kompatibel ist.

    Das Soziale und das Spirituelle (wenn ich da mal eine Prognose wagen darf), werden in den nächsten Jahrzehnten sowieso enger verbunden werden. Wie das zu bewerten ist, ist eine andere Frage, aber ich denke, es wird passieren. Dann doch lieber die Weichen dafür stellen, dass es auf die bestmögliche Weise vonstatten geht. Hakelich und problematisch wird es ohnehin, da braucht man sich keine Illusionen zu machen.

  • void
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    • 30. November 2020 um 17:41
    • Offizieller Beitrag
    • #23
    Schmu:

    Das Soziale und das Spirituelle (wenn ich da mal eine Prognose wagen darf), werden in den nächsten Jahrzehnten sowieso enger verbunden werden. Wie das zu bewerten ist, ist eine andere Frage, aber ich denke, es wird passieren. Dann doch lieber die Weichen dafür stellen, dass es auf die bestmögliche Weise vonstatten geht. Hakelich und problematisch wird es ohnehin, da braucht man sich keine Illusionen zu machen.

    "Spirituell" bedeutet doch nur, dass man Zugang zu etwas gewinnt, was "tranzendent" ist. Und um unsere allltägliche Wirklichkeit zu transzendieren braucht es nicht viel. Da reicht doch eine Schamentrommel, Schlafentzug, LSD oder ein Derwisch-Tanz und schwupps hast du Kontakt zu irgendwas. Du lässt deine Angelrute in die trübe Suppe des kollektiven Unterbewußtsein gleiten und irgendwas beißt schon an.

    Es gab viele Religionen, die alle innige, verehrende Aspekte haben, aber wenn man buddhitisch daraufblickt, war das, was da veehrt wurde, meist etwas Weltliches. Der Klangott, der den Klan und seinen Ehrekodex repräsentiert. Der Maisgott, der gemäß dem ewigen Zyklus von der Widergeburt des Korns Menschenopfer fordert, die Liebesgöttin - Herrn des Begehrens, der Kriegsgott der das Massaker liebt, der Vulkangott vor dem man sich fürchtet, der Schöpfergott der die Ordnung der Welt repäsentiert. Nur weil diese Götter impressive kolleketive Gebilde sind, die wir Menschenwümer über uns errichtet haben, bedeutet nicht, dass sie nicht aus der Warte eines Buddhas zu bodenbrütenden Arten gehören. Und von daher ist auch die Nähe - die Nestwäme - die wir uns zu ihnen erkaufen suchen, nur bedingt wertvoll.

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  • xiaojinlong
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    • 30. November 2020 um 18:14
    • #24

    Vielleicht bin ich da etwas stärker aus der pragmatischen Richtung. Das "Spirituelle", so wie es bei uns verbreitet ist, ist ja eher etwas Kulturelles als etwas Spirituelles. Gerade die Kirche wird hingenommen, aber immer seltener wird Christentum (im kirchlichen Sinne) praktiziert. Gleichzeitig stellt sich durch die Säkularisierung die Frage ob und wie die Kirche in die Gesellschaft integriert werden sollte. Kirchenbeiträge in "Steuerform"? Kindergarten, Altenheim und co der Kirchengemeinde? Das sind ja alles Punkte an welchen man letztlich doch wieder mit der Kirche (und anderen eigentlich spirituellen Institutionen) in Berührung kommt. Hier dann auf Konfrontation oder Ablehnung zu gehen dürfte nicht gerade Hilfreich sein.

    Die Spiritualitätsfrage allgemein ist, finde ich, noch einmal was anderes. "LSD-Spiritualität" und eine Spiritualität mit kulturellen Charakter haben ja etwas unterschiedliche Zielsetzungen und Hintergründe. Während das eine häufig sehr Individuell und meist mit einem persönlichem Austesten verbunden ist, ist das andere etwas das die Gesellschaft formt und eher auf das Miteinander abzielt. Wie diese Formung und das angepeilte Miteinander aussieht ist dann wieder unterschiedlich.

    _()_

    小金龍

  • mukti
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    • 30. November 2020 um 19:20
    • #25

    Im Idealfall hat der Zusammenschluss von spirituell strebenden Menschen den Zweck einander zu inspirieren um auf dem Weg voranzuschreiten finde ich. Obwohl damit auch ein menschliches Bedürfnis nach Gemeinsamkeit abgedeckt ist, ist das Soziale dann letztlich nicht Selbstzweck.

    Mit Metta, mukti.


Ausgabe №. 136: „Liebe & Loslassen"

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