Im Vers 3.6 des Madhyamakavatara sagt Candrakirti, dass
"das positive Potenzial, entstanden aus Freigebigkeit und ethischer Disziplin"
durch Wut oder Ärger zerstört werden.
Santideva sagt hierzu im Bodhicaryavatara (Vers VI,1), dass
"sämtliche guten Taten des Gebens, der Verehrung der Sugatas und dergleichen"
durch Wut oder Ärger zerstört werden.
Beide spezifizieren also nicht sehr genau, welche heilsamen Wurzeln im Geisteskontinuum durch Wut zerstört werden. So kam die Frage auf, ob Wut auch das Heilsame, das durch Erkenntnis der Selbstlosigkeit entsteht, oder oder das Heilsame, das in Verbindung mit dem Erleuchtungsgeist entsteht, zerstört.
Tsongkapa greift zur Klärung dieser Frage einen Einwand auf, der mittels einer Aussage des Aksayamati-nirdesa-Sutras begründen will, dass derartiges Heilsame nicht durch Wut zerstört wird. In dem Sutra heißt es, dass die Wurzeln des Heilsamen, die der Erleuchtung gewidmet sind, nicht aufgezehrt werden bis die Erleuchtung erreicht ist.
Tsongkapa sagt dazu in seinem Kommentar zum Madhyamakavatara, dass diese Aussage nur bedeutet, dass das Heilsame, das der Erleuchtung gewidmet ist, sich nicht dadurch aufbraucht, weil man seine Wirkungen erfährt. Sie bedeutet aber nicht, dass diese Wurzeln des Heilsamen nicht durch Wut zerstört werden können. Dass dies möglich ist, belegt Tsongkapa mit einem Zitat aus einem Sutra in dem der Buddha zu Upali spricht. Den Namen des Sutra weiß ich nicht mehr.
Weiter erklärt Tsongkapa, dass das Zerstören des Heilsamen nicht bedeutet, dass dieses nicht mehr im Geisteskontinuum gegeben ist. Das Zerstören der heilsamen Wurzeln durch Wut bedeute vielmehr, dass die Wut bewirkt, dass das Heilsame seine Kraft verliert, seine Wirkungen hervorzubringen.