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Candrakirti Madhyamakavatara

  • Helmut
  • 19. August 2020 um 16:25
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  • Helmut
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    • 30. Oktober 2020 um 16:24
    • #101

    Im Vers 3.6 des Madhyamakavatara sagt Candrakirti, dass

    "das positive Potenzial, entstanden aus Freigebigkeit und ethischer Disziplin"

    durch Wut oder Ärger zerstört werden.

    Santideva sagt hierzu im Bodhicaryavatara (Vers VI,1), dass

    "sämtliche guten Taten des Gebens, der Verehrung der Sugatas und dergleichen"

    durch Wut oder Ärger zerstört werden.

    Beide spezifizieren also nicht sehr genau, welche heilsamen Wurzeln im Geisteskontinuum durch Wut zerstört werden. So kam die Frage auf, ob Wut auch das Heilsame, das durch Erkenntnis der Selbstlosigkeit entsteht, oder oder das Heilsame, das in Verbindung mit dem Erleuchtungsgeist entsteht, zerstört.

    Tsongkapa greift zur Klärung dieser Frage einen Einwand auf, der mittels einer Aussage des Aksayamati-nirdesa-Sutras begründen will, dass derartiges Heilsame nicht durch Wut zerstört wird. In dem Sutra heißt es, dass die Wurzeln des Heilsamen, die der Erleuchtung gewidmet sind, nicht aufgezehrt werden bis die Erleuchtung erreicht ist.

    Tsongkapa sagt dazu in seinem Kommentar zum Madhyamakavatara, dass diese Aussage nur bedeutet, dass das Heilsame, das der Erleuchtung gewidmet ist, sich nicht dadurch aufbraucht, weil man seine Wirkungen erfährt. Sie bedeutet aber nicht, dass diese Wurzeln des Heilsamen nicht durch Wut zerstört werden können. Dass dies möglich ist, belegt Tsongkapa mit einem Zitat aus einem Sutra in dem der Buddha zu Upali spricht. Den Namen des Sutra weiß ich nicht mehr.

    Weiter erklärt Tsongkapa, dass das Zerstören des Heilsamen nicht bedeutet, dass dieses nicht mehr im Geisteskontinuum gegeben ist. Das Zerstören der heilsamen Wurzeln durch Wut bedeute vielmehr, dass die Wut bewirkt, dass das Heilsame seine Kraft verliert, seine Wirkungen hervorzubringen.

    Gruß Helmut

    Als Buddhisten schätzen wir das Leben als höchst kostbares Gut.

  • Helmut
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    • 31. Oktober 2020 um 15:21
    • #102

    Nachdem Candrakirti in Vers 3.6 erklärt hat, dass man durch Wut, Ärger, Ungeduld heilsame Wurzeln im eigenen Geisteskontinuum zerstört, führt er in Vers 3.7 weitere Nachteile des Ärgers auf:

    "Ungeduld bewirkt einen hässlichen Körper, führt zu einem ehrlosen Zustand,

    beraubt einem der Fähigkeit, die Angemessenes und nicht Angemessenes zu unterscheiden weiß,

    und wirft einen schnell in die niederen Daseinsbereiche."

    Er beschließt diesen Vers mit der Aussage:

    "Geduld bewirkt das Gegenteil der gerade erwähnten Eigenschaften."

    In Vers 3.8. beschreibt Candrakirti die Vorteile der Geduld und gibt dann in Vers 3.9 den Rat:

    "Wir sollten die Nachteile des Ärgers und die Vorzüge der Geduld

    in gewöhnlichen Wesen und in den Nachkommen der siegreichen Buddhas verstehen,

    die Ungeduld beseitigen und uns schnellstens und immerzu auf die

    von den Arya-Wesen gepriesenen Geduld stützen."[hr]

    --------------------------------------------------[/hr]

    Die zitierten Verse stammen aus der Übersetzung des Madhyamakavatara von Geshe Kelsang Wangmo. Vgl. Link in Beitrag 7

    Gruß Helmut

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    • 1. November 2020 um 17:07
    • #103

    In Vers 3.10 gibt Candrakirti eine Einteilung der Geduld. Dies ist der dritte Hauptpunkt dieses Kapitels,

    "Selbst wenn sie der vollkommen erleuchteten Buddhaschaft gewidmet ist,

    ist die Geduld weltlich, wenn sie auf die inhärente Existenz der drei Sphären ausgerichtet ist.

    Ist sie nicht darauf ausgerichtet, dann wird sie von Buddha als

    über das Weltliche hinausgegangene Vollkommenheit aufgezeigt."

    Diese Einteilung in weltlich / überweltlich gibt Candrakirti auch in Bezug auf die Freigebigkeit (Vers 1.16) und die Ethik (Vers 2.9).

    Was ist jetzt das Kriterium anhand dessen zwischen weltlich und überweltlich unterschieden wird? Es ist die unmittelbare Einsicht in die Leerheit (sunyata).

    Der Unterschied wird mittels der drei Sphären, oftmals auch mit drei Kreisen der Leerheit übersetzt, verdeutlicht. Die drei Kreise oder Sphären sind der Handelnde, seine Handlung und das Bezugsobjekt seiner Handlung.

    Fasst man diese drei Kreise oder Sphären als inhärent existent auf, dann übt man weltliche Geduld nach Candrakirti. Erkennt man dass diese drei Kreise leer von inhärenter Existenz sind, übt man sich in überweltlicher Geduld.

    Die weltliche Geduld ist also noch mit der Sichtweise inhärenter Existenz der Phänomene verbunden. Das macht diese Übung der Geduld allerdings nicht wertlos. Sie hinterlässt heilsame Prägungen im eigenen Geist, auch wenn sie noch mit bestimmten Formen der Unwissenheit verbunden ist. Bevor man die 1.Bhumi auf dem Bodhisattvapfad noch nicht erreicht hat, kann man nur diese weltliche Form der Geduld, die trotzdem sehr wertvoll ist, praktizieren.

    Die überweltliche Form der Geduld entwickelt man erst auf der 3.Bhumi. Auf dieser Stufe vervollkommnet man die Geduld in Verbindung mit der unmittelbaren Einsicht in die Leerheit von inhärenter Existenz.

    Man weiß, dass der Geduld Praktizierende frei von inhärenter Existenz ist; dass die Geduld, die er praktiziert, leer von inhärenter Existenz ist; dass die Person, der gegenüber man Geduld praktiziert, leer von inhärenter Existenz ist.

    Gruß Helmut

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    • 2. November 2020 um 16:38
    • #104
    mkha':

    Früher sah der Buddha diejenigen an, die ihm folgten, und wusste, wer die drei Kreise korrekt erkennt; heute muss man warten, bis sich im eigenen Geist klar offenbart, dass man selbst leer ist von inhärenter Existenz, dass somit auch der Geist, mit dem man dies erkannte, leer ist von inhärenter Existenz, das, was sich offenbarte, ebenfalls leer ist von inhärenter Existenz ...

    (:? ... nach dieser Offenbarung wird man wohl weiterhin absolut ruhig und gelassen seinem Tageswerk nachgehen.)

    Ich denke, auch zu Buddhas Zeiten mussten seine Schüler/Schülerinnen sich anstrengen, um aus eigener Kraft die Erkenntnis der Leerheit der drei Kreise im eigenen Geist hervorzubringen. Der Buddha konnte ihnen nur die Leerheit und deren Bedeutung lehren. Die Einsicht in die Leerheit mussten sie aber selber entwickeln. Der Buddha konnte ihnen diese Einsicht nicht wie ein Geschenk überreichen.

    Von daher, denke ich, dass sich die heutige Situation nicht grundlegend von der Situation zu Buddhas Zeiten unterscheidet. Der einzige Unterschied ist meines Erachtens, dass wir nicht zu Buddha Sakyamuni gehen können, sondern uns an unsere jetzigen Lehrer/Lehrerinnen wenden müssen.

    Gruß Helmut

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    • 2. November 2020 um 16:48
    • #105
    Helmut:

    In Vers 3.10 gibt Candrakirti eine Einteilung der Geduld. Dies ist der dritte Hauptpunkt dieses Kapitels,

    Diese Aussage in Beitrag 122 ist leider falsch.

    Der Vers 3.10 ist der dritte Unterpunkt vom zweiten Hauptpunkt des 3.Kapitels. Der zweite Hauptpunkt ist die ausführliche Erläuterung der Qualitäten der dritten Ebene und besitzt vier Unterpunkte:

    1. Auf dieser Ebene wird die Geduld überragend (Verse 3.2 - 3.3)
    2. Weitere Arten der Geduld (Verse 3.4 - 3.9)
    3. Einteilung der Vollkommenheit der Geduld (Vers 3.10)
    4. Weitere Qualitäten, die auf dieser Ebene entstehen (3.11)

    Gruß Helmut

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    • 7. November 2020 um 15:07
    • #106

    Nachdem Candrakirti in Vers 3.10 die Einteilung in weltliche und überweltliche Geduld dargestellt hat, nennt er in Vers 3.11 weitere Qualitäten, die der Bodhisattva auf dieser Bhumi verwirklicht:

    1. meditative Konzentrationen
    2. übersinnliches Wissen
    3. Verlangen und Wut werden vollkommen ausgelöscht.

    Dann stellt Candrakirti die besonderen Eigenschaften der ersten drei Bhumis in Vers 3.12 dar:

    "Die drei Übungen wie Freigebigkeit und dergleichen

    pries der Sugata überwiegend für Hausbesitzer an.

    Die Ansammlung dessen, was Verdienst genannt wird,

    ist die Ursache für den Körper eines Buddhas, dessen Naturell das Körperliche ist."

    (Übersetzung Geshe Kelsang Wangmo; vgl. Link in Beitrag 7)

    Die drei Übungen von denen in der ersten Zeile gesprochen wird, sind die Vollkommenheiten, die der Bodhisattva auf den ersten drei Bhumis verwirklicht:

    1. Freigebigkeit
    2. Ethik
    3. Geduld

    Die zweite Zeile verdeutlicht, dass diese Übungen besonders für Laien geeignet sind. Hausbesitzer, oft auch mit Haushälter übersetzt, sind die Laien; diejenigen, die nicht ordiniert sind. Hier bezieht sich das natürlich auf die Bodhisattva-Laien, denn Madhyamakavatara beschreibt den Bodhisattvapfad.

    "Die Ansammlung dessen, was Verdienst genannt wird": Mit Verdienst ist hier nicht der Verdienst gemeint, den man am Ende eines Monats als Gehalt für seine Arbeit ausgezahlt bekommt. Verdienst bedeutet hier das positive Potenzial, das man durch seine eigenen heilsamen Handlungen im eigenen Geisteskontinuum hinterlässt. Zu diesen Handlungen zählen eben alle Formen von Freigebigkeit, Ethik usw. Die Vollkommenheit der Weisheit zählt nicht zu dieser Ansammlung.

    Die letzte Zeile bedeutet, dass die Ansammlung der Verdienste die Ursache für den Formkörper (rupakaya) des Buddha ist.

    Im abschließenden Vers 3.13 fasst Candrakirti die Qualitäten dieser 3.Bhumi, in der die Vollkommenheit der Geduld eine überragende Rolle spielt, zusammen.

    Die beiden nachfolgenden Kapitel sind sehr kurz. Das 4.Kapitel umfasst 2 Verse und das 5.Kapitel einen Vers.

    Dann steht das Gebirge des Weisheitskapitels mit seinen 226 Versen vor uns.

    Gruß Helmut

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    • 9. November 2020 um 16:36
    • #107

    Das 4.Kapitel des Madhyamakavatara ist kurz und umfasst lediglich zwei vierzeilige Verse. In diesen beiden Versen spricht Candrakirti drei Themen an:

    1. Auf dieser Ebene wird die Tatkraft überragend.
    2. Die etymologische Bedeutung dieser Ebene.
    3. Was auf dieser Ebene aufgegeben wird.

    Zum ersten Punkt heißt es in der ersten Zeile des Verses 4.1:

    "Ausnahmslos alle Qualitäten beruhen auf der Tatkraft,"

    Auf der ersten Bhumi hat der Bodhisattva die Vollkommenheit der Freigebigkeit verwirklicht; auf der zweiten die der Ethik und auf der dritten Bhumi die der Geduld. Über diese drei Vollkommenheiten verfügt der Bodhisattva auch auf der vierten Bhumi. Auf dieser Ebene verwirklicht er nun eine weitere Vollkommenheit, nämlich die der Tatkraft.

    Was ist jetzt mit Tatkraft gemeint? Im Kompendium des Höheren Wissens erklärt Asanga die 51 Geistesfaktoren und sagt zum Geistesfaktor Tatkraft, dass

    die Tatkraft die Freude des Geistes daran ist, sich bezüglich heilsamer Handlungen zu wappnen, sie durchzuführen, nicht den Mut zu verlieren; sich vom Heilsamen nicht abzuwenden und sich nicht Teilerfolgen bei der Übung des Heilsamen zufrieden zugeben. Die Funktion der Tatkraft bestehe darin, die heilsamen Handlungen vollständig durchzuführen und zu vollenden.

    Gruß Helmut

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    • 10. November 2020 um 15:38
    • #108

    @mkha',

    die Übersetzung des Madhyamakavatara auf die ich mich beziehe ist die von Geshe Kelsang Wangmo. Diese Übersetzung ist von art in Beitrag 7 verlinkt worden. Da er so öffentlich ist, benutze ich ihn hier.

    Das Madhyamakavatara ist sowohl ein Kommentar als auch eine Ergänzung zu Nagarjunas Mulamadhyamakakarika. Madhyamakavatara und Kommentar Candrakirtis zu den Mulamadhyamakakarika ist synonym. Candrakirti hat noch einen weiteren Kommentar zu den Mulamadhyamakakarika geschrieben, nämlich Prasannapada. Das ist ein Wort-für-Wort-Kommentar. Ob er in eine westliche Sprache übersetzt ist weiß ich nicht. Der Text, den ich zur Verfügung habe, ist die verlinkte Übersetzung von Geshe Kelsang Wangmo.

    Es gibt einen großen Madhyamakavatara-Kommentar von Je Tsongkapa. Es gibt eine Übersetzung ins Deutsche, die aber bisher noch nicht veröffentlicht wurde. Ich vermute, dass dies auch nicht passieren wird, da die Übersetzerin die Übersetzung für Seminarkurse an den Zentren erstellt hat. Ich kenne ihn nur, weil das Tibethaus Frankfurt ihn uns für das Systematische Studium zur Verfügung gestellt hat. Weil er unveröffentlicht ist, zitiere ich hier aus dieser Übersetzung nicht. Weiterhin benutze ich die Ausführungen Geshe Thubten Ngawangs im Systematischen Studium, die er im Rahmen der Prasangika-Madhyamika-Philosophie im X.Semester gegeben hat.

    Gruß Helmut

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  • Helmut
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    • 16. November 2020 um 17:29
    • #109

    Dass ich hier nun einige Tage lang nichts mehr geschrieben habe, bedeutet nicht, dass ich dieses Thema nun beenden will. Die Unterbrechung ist dadurch zustande gekommen, dass ich mich zwischenzeitlich mit Unterweisungen zu Nagarjunas Ratnavali beschäftigt habe.

    Zuletzt ging es um die Definition der Tatkraft wie sie Asanga in seinem Kompendium des Höheren Wissens gibt.

    Candrakirti sagt in der ersten Zeile des Verses 4.1:

    "Ausnahmslos alle Qualitäten beruhen auf der Tatkraft, ..."

    Thubten Jinpa übersetzt diese Zeile in Entering the Middle Way mit:
    "All higher qualities follow after deligence, ..."

    Das bedeutet aber etwas anderes als ausnahmslos alle Qualitäten beruhen auf Tatkraft. Er schließt mit dem Wort higher Qualitäten aus. Das ist meines Erachtens nicht angemessen.

    Der Sakya-Meister Jetsün Rendava trifft eine Unterscheidung zwischen weltlichen und überweltlichen Tugenden. Die weltlichen Tugenden sind die Tugenden im Geist eines Übenden, der noch kein Heiliger (arya) ist. Die überweltlichen Tugenden sind die Tugenden im Geist eines Heiligen. Beide Arten von Tugenden entstehen durch Tatkraft.

    Folgt man Thubten Jinpas Übersetzung, dann könnten die weltlichen Tugenden nicht durch Tatkraft entstanden sein

    Gruß Helmut

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    • 17. November 2020 um 18:25
    • #110

    Candrakirti sagt in der ersten Zeile von Vers 4.1, dass ausnahmslos alle Qualitäten auf der Tatkraft, der Freude an heilsamen Handlungen, beruhen.

    Dies hat für mich zwei Aspekte:

    1. Durch Tatkraft entstehen die Tugenden, die Qualitäten, die man bisher noch nicht entwickelt hat, im eigenen Geisteskontinuum.
    2. Die Tugenden, die man bereits entwickelt hat im eigenen Geisteskontinuum, werden durch die Tatkraft verstärkt und umfassender verwirklicht.

    Gruß Helmut

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    • 18. November 2020 um 16:05
    • #111

    Dann schreibt Candrakirti in der zweiten Zeile von Vers 4.1:

    "sie ist die Ursache der zwei Ansammlungen von Verdienst und Intelligenz."

    Indem jemand mittels der Tatkraft heilsame Eigenschaften entwickelt, sie vermehrt und verstärkt, so sammelt eine derartige Person einerseits Verdienst und andererseits Weisheit an.

    Die Tatkraft besteht in der inneren Bereitschaft, die verschiedenen Arten heilsamen Handelns mit Freude durchzuführen. Fehlt diese innere Bereitschaft, wird man auch nicht die Bodhisattva-Handlungen durchführen.

    Was sind nun die Ansammlungen von Verdienst und Weisheit? Verdienst ist ja das positive Potenzial, das durch die eigenen heilsamen Handlungen im eigenen Geisteskontinuum hinterlassen wird. Man sammelt diese positiven Potenziale sowohl durch das bewusste Unterlassen der zehn unheilsamen Handlungen als auch durch Freigebigkeit, Ethik, Geduld, Tatkraft und konzentrative Meditation an.

    Gruß Helmut

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    • 18. November 2020 um 16:48
    • #112
    Helmut:

    Dann schreibt Candrakirti in der zweiten Zeile von Vers 4.1:

    "sie ist die Ursache der zwei Ansammlungen von Verdienst und Intelligenz."

    Indem jemand mittels der Tatkraft heilsame Eigenschaften entwickelt, sie vermehrt und verstärkt, so sammelt eine derartige Person einerseits Verdienst und andererseits Weisheit an.

    Die Tatkraft besteht in der inneren Bereitschaft, die verschiedenen Arten heilsamen Handelns mit Freude durchzuführen. Fehlt diese innere Bereitschaft, wird man auch nicht die Bodhisattva-Handlungen durchführen.

    Was sind nun die Ansammlungen von Verdienst und Weisheit? Verdienst ist ja das positive Potenzial, das durch die eigenen heilsamen Handlungen im eigenen Geisteskontinuum hinterlassen wird. Man sammelt diese positiven Potenziale sowohl durch das bewusste Unterlassen der zehn unheilsamen Handlungen als auch durch Freigebigkeit, Ethik, Geduld, Tatkraft und konzentrative Meditation an.

    Ich nehme an, dass mit "Intelligenz" Weisheit gemeint ist, richtig?

  • Helmut
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    • 18. November 2020 um 16:55
    • #113
    Sherab:

    Ich nehme an, dass mit "Intelligenz" Weisheit gemeint ist, richtig?

    Ja, so verstehe ich es auch. Deshalb habe ich anschließend auch immer von den Ansammlungen von Verdienst und Weisheit gesprochen. Intelligenz statt Weisheit findet sich auch in einer anderen Übersetzung des Madhyamakavatara.

    Bei uns am Zentrum verwenden wir die Formulierung Verdienst und Weisheit. Ich finde sie auch angemessener.

    Gruß Helmut

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  • Helmut
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    • 19. November 2020 um 16:48
    • #114

    Durch die Tatkraft werden die beiden Ansammlungen von Verdienst und Weisheit im eigenen Geisteskontinuum verwirklicht wie Candrakirti in Vers 4.1b sagt.

    Die Ansammlung von Weisheit ist das Gegenmittel gegen unsere Unwissenheit, die die Wurzel Samsaras ist. Damit geht es um bestimmte Formen der Unwissenheit, die aufzugeben sind:

    1. Die Unwissenheit bezüglich des Gesetzes von Handlung und Wirkung.
    2. Die Unwissenheit, die die vergänglichen Skandhas für ein wahres Ich und Mein hält.
    3. Die Unwissenheit, die an einem wahrhaften Selbst der Person festhält.
    4. Die Unwissenheit, die an einer wahrhaften Existenz der Phänomene festhält.

    Nach Auffassung der Prasangika-Madhyamikas, deren Sichtweise Candrakirti vertritt, ist das direkte Gegenmittel gegen unsere Unwissenheit die Erkenntnis, dass alle Phänomene leer von inhärenter Existenz sind.

    Gruß Helmut

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  • Lucky Luke
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    • 19. November 2020 um 17:03
    • #115

    Dass das Gegenmittel von Unwissenheit Weisheit (Leerheit) ist, ist aber nicht nur exklusive Prasangika Auffassung.

  • Helmut
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    • 19. November 2020 um 17:11
    • #116

    Natürlich lehren auch die anderen Mahayanaschulen wie die Cittamatrins und die Svatrantika-Madhyamikas die Leerheit als Gegenmittel; auch wenn sie sie anders definieren als die Prasangikas. Aber nur die Prasangikas sagen, dass man die Leerheit von inhärenter Existenz verwirklichen muss, um die Befreiung zu erlangen.

    Gruß Helmut

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  • Helmut
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    • 21. November 2020 um 15:37
    • #117

    Die beiden Ansammlungen von Verdienst und Weisheit werden auch Methodenaspekt des Pfades und Weisheitsaspekt des Pfades genannt; auch als Methode und Weisheit bezeichnet und stellt eine grundlegende Gliederung des Dharma dar.

    Die beiden Ansammlungen von Verdienst und Weisheit hängen auch mit dem Resultat des Bodhisattvapfades, der Buddhaschaft, zusammen.

    Der Buddha ist gekennzeichnet durch den Formkörper (rupakaya) und den Weisheitskörper (dharmakaya).

    Durch den Formkörper ist er in der Lage, das Dharma den Wesen zu lehren. Deshalb wird der Formkörper des Buddha auch als höchstes Wohl für die Anderen bezeichnet.

    Der Weisheitskörper ist der Geist des Buddhas, der unter anderem durch allumfassende Erkenntnis aller Phänomene gekennzeichnet ist. Diesen Geist erlebt der Buddha für sich selbst. Deshalb wird er auch als höchstes eigenes Wohl des Buddhas bezeichnet.

    Durch die Tatkraft entstehen die Ansammlungen von Verdienst und Weisheit. Die Ansammlung von Verdienst bewirkt den Formkörper und die Ansammlung von Weisheit den Weisheitskörper des Buddha.

    Gruß Helmut

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  • Helmut
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    • 22. November 2020 um 13:56
    • #118

    Wenn Candrakirti in Vers 4.2.c von den "mit der vollkommenen Erleuchtung übereinstimmenden Faktoren" spricht, dann bezieht sich dies auf die 37 für die Erleuchtung förderlichen Eigenschaften.

    Diese 37 Faktoren werden in sieben Gruppen eingeteilt:

    1. Vier Ausrichtungen der Vergegenwärtigung
    2. Vier Arten rechten Aufgebens
    3. Vier Stützen
    4. Fünf Kräfte
    5. Fünf Stärken
    6. Sieben Erleuchtungsglieder
    7. Acht Glieder des Pfades der Heiligen

    Indem der Bodhisattva-Heilige diese 37 Faktoren in seinem Geist entwickelt und kultiviert, strahlt in seinem Geist eine Erscheinung auf, die den Glanz der dritten Ebene übertrifft. Deshalb heißt die vierte Ebene "die Strahlende" oder "die Flammende".

    Nagarjuna schreibt in der Ratnavali: "Die vierte Ebene wird die Flammende genannt, weil sich dort das Licht wahrer Weisheit entzündet". (Vers 447 a/b)

    Gruß Helmut

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    • 26. November 2020 um 16:50
    • #119

    Das fünfte Kapitel des Madhyamakavatara ist eines der kürzesten. Es besteht nur aus einem vierzeiligen Vers:

    "Auf der schwer zu überwindenden Ebene können diese

    großartigen Wesen selbst von einem der Maras nicht überwältigt werden.

    Ihre gefestigte Konzentration ist überragend und sie erlangen große Festigkeit in der eingehenden

    Erkenntnis der Natur der Wahrheit derer mit feinem Verstand."

    Candrakirti spricht also drei Themen in diesem Vers an:

    1. Warum diese Ebene den Namen der schwer zu überwindenden hat;
    2. Auf dieser Ebene wird die Sammlung oder Konzentration vervollkommnet;
    3. Der Bodhisattva-Arya erlangt eine tiefgründige Einsicht in die subtilen Aspekte der vier Wahrheiten.

    Gruß Helmut

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    • 28. November 2020 um 15:56
    • #120

    Auf der fünften Ebene hat der Bodhisattva-Arya bereits vier Vollkommenheiten vollendet und verwirklicht nun die Vollkommenheit der Konzentration.

    Nun kann der Bodhisattva-Arya durch kein Übel (Mara) am weiteren Fortschreiten auf dem Pfad zur Buddhaschaft gehindert werden. Weil die geistige Kraft des Bodhisattvas so groß geworden ist, wird diese Ebene die schwer zu Überwindende genannt. Diese Ebene kann auch als die schwer zu Übende bezeichnet werden. Das sind zwei unterschiedliche Perspektiven auf diese Ebene.

    Die Maras oder Übel sind Faktoren, die die Praktizierenden daran hindern die Befreiung zu verwirklichen. Man unterscheidet vier Maras:

    1. Mara in Form der Leidenschaften. Das bezieht sich auf die sechs Wurzelleidenschaften und die zwanzig Nebenleidenschaften.
    2. Mara in Form der durch Karma und Klesas erzeugten Skandhas.
    3. Mara in Form des Todes
    4. Mara in Form von Göttersöhnen. Göttersöhne bezeichnet Wesen, die das Gute behindern.

    Die ersten drei Formen von Mara bestehen im eigenen Kontinuum während die vierte Form ein äußerer Faktor ist.

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    • 29. November 2020 um 16:18
    • #121

    Am Ende des Verses 5.1 heißt es bei Candrakirti:

    "... und sie erlangen große Fertigkeit in der eingehenden Erkenntnis der Natur der Wahrheit ..."

    In der Ratnavali von Nagarjuna heißt es hierzu im Vers 449:

    "Sie erlangen Geschicklichkeit im Erfassen der subtilen Nuancen der vier edlen Wahrheiten ..."

    Das bedeutet ja, dass die Bodhisattva-Aryas auf dieser fünften Ebene eine Einsicht in die vier edlen Wahrheiten erlangen, die sie vorher noch nicht hatten.

    Ich habe bisher allerdings noch keine genaueren Erklärungen hierzu gefunden. Ich hoffe, ich werde noch fündig, um dann das fünfte Kapitel abzuschließen.

    Gruß Helmut

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    • 29. November 2020 um 16:29
    • #122

    Ich habe jetzt zufällig etwas zu dieser Aussage Candrakirtis gefunden:

    Durch die Vervollkommnung der Konzentration oder Sammlung erreicht der Bodhisattva-Arya eine außergewöhnliche Intelligenz, die es ihm nun ermöglicht sehr subtile Aspekte der vier Wahrheiten zu erkennen, die vorher noch nicht erkennen konnte.

    Subtil bedeutet in diesem Zusammenhang schwer zu erkennen,

    Damit ist natürlich erst einmal nur die Voraussetzung dafür benannt, warum der Bodhisattva-Arya diese subtilen Aspekte nun erkennen kann. Die eigentliche Frage ist ja, worin bestehen diese subtilen Aspekte der vier Wahrheiten, die er nun erkennen kann. Dazu habe ich noch nichts gefunden.

    Gruß Helmut

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    Einmal editiert, zuletzt von Helmut (29. November 2020 um 16:35)

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    • 29. November 2020 um 17:34
    • #123

    Ich denke schon, dass es um sehr subtile, also sehr schwer erkennbare Faktoren der sechzehn Aspekte der vier edlen Wahrheiten geht. Der Zusammenhang mit den fünf Pfaden des Bodhisattvas besteht sicherlich auch; nämlich darin, dass erst auf dem Pfad der Meditation und hier erst auf der fünften Bhumi der Bodhisattva-Arya die intellektuelle Kraft besitzt, diese subtilen Aspekte der vier Wahrheiten zu erkennen.

    Gruß Helmut

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    • 30. November 2020 um 16:48
    • #124

    Was die subtile Erkenntnis der Vier Edlen Wahrheiten, die der Bodhisattva aufgrund der Vervollkommnung der Konzentration oder Sammlung auf der fünften Ebene erreicht, angeht, finden sich in den drei deutschsprachigen Kommentaren, die mir zur Verfügung stehen, nur Verweise auf den Zusammenhang der Zwei Wahrheiten und der Vier Wahrheiten.

    So schreibt Dzongsar Jamyang Khentse Rinpoche in Einführung in den Mittleren Weg:

    "Er [der Bodhisattva] wird ein größeres Verständnis der subtilen Bedeutung der Vier Edlen Wahrheiten erlangen. Beispielsweise kann man die Vier Edlen Wahrheiten zu zwei zusammenfassen, aber die zwei Wahrheiten können nicht von den Vier Edlen Wahrheiten umschlossen sein."

    Was letzteres bedeutet wird im Kommentar nicht erläutert.

    Im Zusammenhang mit Amitabhas reinem Land Sukhavati stellt er dann die These auf, dass die reinen Bereiche relative Wahrheiten sein müssen. Der Bodhisattva auf der fünften Ebene versteht solche Dinge.

    Das würde ja bedeuten, so lange man die fünfte Bhumi noch nicht verwirklicht hat, kann man nicht erkennen, dass reine Länder relative Wahrheiten sind.

    Gruß Helmut

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    • 30. November 2020 um 17:16
    • #125

    Hallo @mkha' ,

    das erstere kenne ich sowohl aus dem Systematischem Studium als auch aus Unterweisungen von Khen Rinpoche Geshe Pema Samten. Für mich brauchst du dies nicht heraussuchen. die entsprechenden Textstellen finden sich in den Unterlagen des 10.Semesters des SSdB.

    Die zweite Aussage von Dzongsar Jamyang Khentse Rinpoche kann ich noch nicht nachvollziehen. Er gibt hierzu auch keine Erklärungen im Zusammenhang mit der 5.Bhumi.

    Ich selbst bin der Auffassung, dass sowohl die zwei Wahrheiten als auch die vier Wahrheiten vollständige Einteilungen der Phänomene sind, dass ihnen aber unterschiedliche Perspektiven zugrunde liegen. Beide Wahrheiten sind gleich umfassend; eine ist nicht umfassender als die andere.

    Gruß Helmut

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Ausgabe №. 136: „Liebe & Loslassen"

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