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Das Hara

  • crazy-dragon
  • 23. Oktober 2008 um 22:13
  • Zum letzten Beitrag
  • daodong
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    • 23. Oktober 2009 um 10:13
    • #26

    Hallo Bel,
    ja das ist richtig, dass Niederwerfungen eigentlich wie Qi-Gong prakatiziert werden können, meine Lehrerin aus China hat das mal genauer erklärt, und Niederwerfungen haben ja auch eine sehr große reinigende Wirkung. Man kann aber auch stilles Qi-Gong üben - zu dem man Übungen um das Hara zählen kann. Der Tibet. Buddhismus hat da einiges zu bieten - wird aber nur direkt von Lehrer zu Schüler weiter gegeben. Wie weiter oben Ji-un Ken schon geschrieben hat kennt man solches anscheinend auch im ZEN. :) Einen persönlichen Lehrer sollte man schon haben um jemanden bei eventuell auftauchenden Problemen fragen zu können.

    Einige sehr einfache Qi-Gong Übungen finde ich aber besonders schön - weil sie immer langsamer werden und man aus der Bewegung heraus in abolut "stille Sitz-Meditation" über geht. Es gibt ja auch im Qi-Gong Stehübungen bei denen man in besonderer Haltung absolut für längerer Zeit ganz still stehen bleibt.

    Ich finde derzeit einfach nur Sitzen auch wunderschön - es ist so unkompliziert und einfach.
    Am Beginn war aber zählen angebrachter - einfach weil der "Hintern" so unruhig war :D
    Ganz liebe Grüße an Dich, Daodong

  • daodong
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    24. November 2008
    • 23. Oktober 2009 um 10:20
    • #27
    void:
    daodong:

    [Soweit mir bekannt ist befindet sich das Hara im Unterbauch. Im Oberbauch ist wohl eher der Solar Plexus angesiedelt. Es gibt eben die unterschiedlichsten Energiesystheme. Manche arbeiten mit 5 Chakren - manche mit 7

    Das sind ja nur Metaphern und Konzepte für das was im Körper so abgeht. Nartürlich beschäftigt man sich beim Sitzen viel mit dem was im Körper passiert, aber gerade wegen der unmittelbaren Präsenz im Körper braucht es doch Konzepte wie "Chakra" nicht unbedingt. Wo man sie vielleicht braucht, ist wenn man jemand anderem etwas erklären will. Aber auch da kann man das anders ausdrücken. Ich sehe die Gefahr, dass man sich and derartigen Dingen aufhängt und da ein ganz techisches Verständnis im Bezug auf die eigne Praxis und den eigenen Körper kriegt.

    brigitte:

    In den östlichen Kampfkünsten wie Bogenschießen, Schwertkampf oder Aikido lernt man vor allem, mit seinem Hara in Kontakt zu sein und seine Kraft zu nutzen.

    Hinzuzufügen wäre hier die Kunst des Harakiri (Seppuku) bei der eine ganz unmittelbarere Kontakt zur Leibesmitte hergestellt wird. In den Kampfkünsten ist das Hara wichtig um den Körper auszubalancieren. Es heisst ja auch bei der Zazen Haltung das man da seinen Schwerpunkt haben sollte. Wenn man sich zentriert dann zentriert man sich unvermeidlich zur Mitte hin. Deswegen die Buddhanatur im Nabel zu suchen wäre dann aber schon bedenklich.

    Niemand sucht hier die Buddhanatur im Nabel (oder Chakren). Trotzdem kann die Nabelschau zum richtigen Zeitpunkt sehr hilfreich sein.

  • bel
    Gast
    • 23. Oktober 2009 um 12:01
    • #28
    daodong:

    Der Tibet. Buddhismus hat da einiges zu bieten - wird aber nur direkt von Lehrer zu Schüler weiter gegeben. Wie weiter oben Ji-un Ken schon geschrieben hat kennt man solches anscheinend auch im ZEN. :).


    Klar, mein erster Lehrer hat mir Schiffchenfalten "weitergegeben" und mein jetziger müht sich darin, mir einen schmissigen Pinselstrich "weiterzugeben" :)

    Liebe Grüße zurück.

    _()_

  • Ji'un Ken
    Gast
    • 23. Oktober 2009 um 14:10
    • #29

    Moin Daodong,
    du siehst ja schon an den Antworten, dass Zen sehr vielfältig ist.
    Je nach Schule gibt es die unterschiedlichsten Herangehensweisen. Am offensichtlichsten wird bei Soto und Rinzai immer gesagt, die einen sitzen mit dem Gesicht zur Wand, die anderen zur Raummitte, die einen arbeiten nur mit Sitzen (Shikantaza), die anderen mit Koan.
    Ich denke, so einfach ist das nicht. Nehmen wir Shikantaza als Beispiel; es ist, was es ist, einfach nur sitzen und nichts anderes. Damit wird es aber, in meinen Augen, zum grössten Koan, das die Sotoschule zu bieten hat und seine wahre Bedeutung erschließt sich meist erst nach langer Zeit. Auch im Soto gibt es Koan, aber so weit ich mitbekommen habe, wird dort anders mit ihnen gearbeitet, als ich es kenne.
    Im Rinzai Zen meiner Traditionslinie, gibt es an die tausend Koans, die es nach und nach zu durchlaufen gilt. Nur sitzen ist auch bei uns bekannt, hat aber einen völlig anderen Stellenwert, als im Soto. Es ist nicht nur Ausdruck von sondern auch Werkzeug für etwas.

    Kinhin, die Meditation in der Bewegung unterscheidet sich z.B. deutlich voneinander.
    Wie es bei der Rezitation von Texten aussieht weiß ich nicht. Bei uns ist es genauso wichtig, wie Meditation.
    Die 108 Niederwerfungen, wie Bel sie schildert, sind bei uns völlig unbekannt. Trotzdem ist auch das natürlich Zen, gehört auch das dazu.

    Ein anderer Schwerpunkt, Samu, das Arbeiten, wird in beiden Richtungen gleich gewichtet.

    Ja und dann kommt noch der Lehrer. Je nach seiner Erfahrung, wird er noch das eine oder andere in die Übung mit einfließen lassen. Da ist der Lehrer völlig frei und eigenverantwortlich.

    Auch die sogenannten Zenkünste gehören dazu. Es gibt den Teeweg, die Kalligraphie, Bogenschießen, usw....

    All das sind Fazetten des Zen.
    Das Hara brauchst du immer. Aber auch hier mit einer je nach Übung unterschiedlichen Gewichtung.


    Alles Liebe,
    Ji'un Ken

  • brigitte
    Gast
    • 24. Oktober 2009 um 12:44
    • #30

    Hinzuzufügen wäre hier die Kunst des Harakiri (Seppuku) bei der eine ganz unmittelbarere Kontakt zur Leibesmitte hergestellt wird. In den Kampfkünsten ist das Hara wichtig um den Körper auszubalancieren. Es heisst ja auch bei der Zazen Haltung das man da seinen Schwerpunkt haben sollte. Wenn man sich zentriert dann zentriert man sich unvermeidlich zur Mitte hin. Deswegen die Buddhanatur im Nabel zu suchen wäre dann aber schon bedenklich.
    void

    tu ich auch nicht, lieber Gruß

  • bel
    Gast
    • 24. Oktober 2009 um 15:52
    • #31
    void:

    Hinzuzufügen wäre hier die Kunst des Harakiri (Seppuku) bei der eine ganz unmittelbarere Kontakt zur Leibesmitte hergestellt wird.


    Das sehe ich ja erst jetzt, also ne, sowas, tszz.

    void:

    In den Kampfkünsten ist das Hara wichtig um den Körper auszubalancieren. Es heisst ja auch bei der Zazen Haltung das man da seinen Schwerpunkt haben sollte. Wenn man sich zentriert dann zentriert man sich unvermeidlich zur Mitte hin.


    Und die "Mitte" ist je nach Körperhaltung immer ne andere und nicht "das Hara". Beim Zazen ist der Schwerpunkt nicht im Hara, sondern ungefähr da, wo sich die Fingerspitzen treffen - also kurz vor dem (außerhalb des) Körper(s).


    _()_

  • daodong
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    • 27. Oktober 2009 um 00:37
    • #32

    Hallo Ji'un Ken,
    es ist sehr schön wenn man so viele unterschiedliche Antworten erhält und sehr informativ. Ich hatte im Soto-Stil mediiert mit Kinhin - das ich sehr liebte - sowie Teezeremonie gübt. Ich wollte damals nur ein wenig sitzen ohne allzuviel Buddhismus. Als man mir dann anbot ein Rakusu zu nähen habe ich kathegorisch ablehnt, alles andere mußte man mir schenken habe es dann aber in der Gruppe benützt - eine Teeschalte und so ein Tuch dazu - ja so schlimm war ich :D

    Bei den Tibetern gehören 100.000 Niederwerfungen zu den vorbereitenden Übungen.

    In ein Koan hätte ich mich vielleicht früher "verbeissen" können heute hätte ich keine große Lust dazu - na ja vielleicht gäbe es eines das mich so fesseln könnte ?!

    Und sitzen - einfach so und nichts anderes - glaub ich macht man auch bei den Tibetern aber etwas später wenn das einfache Sitzen nicht mehr so viel Mühe macht - wenn man bereits gerne sitzt und ausdauernd sitzen kann, und ich bin überzeugt dass sich dadurch wesentliche Erkenntnisse erschließen.

    Ich denke wenn man zu früh zu lange sitzt, man sich dabei nur verkrampft was kontraproduktiv ist.

    Liebe Grüße
    ()
    daodong

  • BigR
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    • 3. Januar 2010 um 13:46
    • #33

    Hallo Forum,

    ich habe diesen Beitrag gelesen als ich noch nicht registriert war und ich finde es irgendwie schade, dass man so wenig über dieses Thema auch in anderen Foren liest denn für mich war die Hara Meditation vor ca. 20 Jahren ein Einstieg und eine tolle Erfahrung die ich auch heute noch anwende. Dazu gekommen bin ich über den Kampfsport.

    Ich habe die Methode wie sie Karlfried Graf Dürckheim in seinem Buch „Hara- die Erdmitte des Menschen“ beschrieb geübt. Sie bietet aus meiner Sicht einen vorzüglichen Einstieg um sich dem zu öffnen was man als Leere bezeichnet. Grund hierfür ist eben die Ganzheit dieser Methode, welche darauf fußt das „Ich“ loszulassen und einem höheren Sein zu öffnen.

    Leider sind viele Methoden die man heute vorfindet kastriert und dem Westlichen denken angepasst. Viele wollen Ki, Qi oder Chi erfahren und jagen solchen Gefühlen hinterher wie der Teufel hinter der armen Seele. Das versenken im Tanden (Das ist der Punkt ein paar Finger breit unter dem Bauchnabel) und das damit verbundene loslassen des „Ich’s“ in Kombination mit dem Atem bewirkt vielmehr als nur Ki fließen zu lassen.

    Man erfährt hierbei „Die Leere“ und das was dort aus dem Tanden dann „aufsteigt“ ist nur mit dieser Leere erfahrbar. „Ich“ mache das Ki nicht, ich lasse es zu und es ist dann nichts weiter als ein Nebenprodukt des Wandels, welcher im Menschen vorgeht wenn er sich im Tanden loslässt.

    Sitzend im Seiza, den Einatem kurz halten und das Ausatmen so lang wie möglich halten man atmet durch die Nase und lässt sich im jeden Augenblick des Ausatmens im Tanden los. Zuerst am Kopf dann an den Schultern und irgendwann bemerkt man ein Vitales Gefühl aus welches vom Tanden ausgeht. An nichts denken und nicht versuchen einen Klaren Geist zu erzeugen denn der kommt von selbst wenn man sich dann dem Gefühl das vom Tanden ausgeht voll uns ganz hingibt. Ihr werdet feststellen, dass der Körper sich irgendwann automatisch so ausrichtet und das fasst ganz ohne Anspannung der Muskeln.

    Es ist noch heute für mich eine tolle Erfahrung aber nicht die einzige und auch sicher nicht der Weisheit letzter Schluss. Es ist aber eine sehr effektive Methode um sich einem höheren Sein zu öffnen. ;)

    mfg
    Rainer

    "Wir sind, was wir denken. Alles was wir sind, entsteht mit unseren Gedanken. Mit unseren Gedanken machen wir die Welt. "

  • crazy-dragon
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    • 3. Januar 2010 um 19:49
    • #34

    Was denn für eine tolle Erfahrung? :oops: Kannst Du das " tolle " etwas genauer ausführen? :P

    Lieber gruß,
    crazy dragon

    Tag für Tag ein guter Tag

  • BigR
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    • 4. Januar 2010 um 05:18
    • #35

    Na, ja, der Begriff „Toll“ ist eben eine von mir gewählte oberflächliche Beschreibung! ;)

    Das „Tolle“ ist, dass man eben sein „Ich“ und die damit verbundene Eigenschaften im Tanden loslässt und auflöst und sich eben dann einem höheren Sein öffnet.

    Man ist geistig aber auch körperlich in seiner rechten Mitte. Erreicht man den Punkt an dem alles Denken und handeln und auch jede Bewegung vom Tanden ausgeht dann „verteilt“ sich das Ki in jede Körperregion.

    Dies funktioniert wie schon beschrieben während man ausatmet und dieses lange hält.

    Kurz beschrieben- Für mich ist es eine körperliche Methode die Leere und das Sein zu erfahren und Ki fließt dann automatisch.

    mfg
    Rainer

    "Wir sind, was wir denken. Alles was wir sind, entsteht mit unseren Gedanken. Mit unseren Gedanken machen wir die Welt. "

  • crazy-dragon
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    • 5. Januar 2010 um 00:03
    • #36
    BigR:


    Das „Tolle“ ist, dass man eben sein „Ich“ und die damit verbundene Eigenschaften im Tanden loslässt und auflöst und sich eben dann einem höheren Sein öffnet.

    " Den Weg studieren bedeutet sich selbst studieren,
    sich selbst studieren bedeutet sich selbst zu vergessen,
    sich selbst vergessen bedeutet, in Harmonie zu sein mit allem, was uns umgibt..."

    Meister Dogen, 1200-1253 Shobogenzo

    Und was ist das " höhere Sein? " :oops:

    Lieber Gruß,
    crazy dragon

    Tag für Tag ein guter Tag

  • monikamarie
    Gast
    • 5. Januar 2010 um 00:18
    • #37
    crazy-dragon:


    ...
    sich selbst vergessen bedeutet, in Harmonie zu sein mit allem, was uns umgibt..."
    Und was ist das " höhere Sein? " :oops:

    Moin, moin, crazy-dragon,
    entschuldige wenn ich antworte.

    Das höhere Sein, darunter verstehe ich
    "sich selbst vergessen bedeutet, in Harmonie zu sein mit allem, was uns umgibt..."

    Liebe Grüße
    Monika

  • BigR
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    • 5. Januar 2010 um 15:12
    • #38
    Zitat

    Das höhere Sein, darunter verstehe ich
    "sich selbst vergessen bedeutet, in Harmonie zu sein mit allem, was uns umgibt..."

    Ja, oder sein wahres Wesen zu entdecken... Nichts mehr wollen, nichts mehr werden wollen, nichts mehr sein müssen, einfach zu sein!

    Aber wohin führt dieser Weg? Vielleicht zu dem was viele Erleuchtung nennen. So einfach ist es aber dann auch nicht denn das Ich und seine weltlichen Begierden lässt sich nicht so einfach auflösen. ;)

    mfg
    Rainer

    "Wir sind, was wir denken. Alles was wir sind, entsteht mit unseren Gedanken. Mit unseren Gedanken machen wir die Welt. "

  • monikamarie
    Gast
    • 5. Januar 2010 um 16:19
    • #39
    BigR:


    ...
    Ja, oder sein wahres Wesen zu entdecken... Nichts mehr wollen, nichts mehr werden wollen, nichts mehr sein müssen, einfach zu sein!
    Aber wohin führt dieser Weg? Vielleicht zu dem was viele Erleuchtung nennen. So einfach ist es aber dann auch nicht denn das Ich und seine weltlichen Begierden lässt sich nicht so einfach auflösen. ;)

    Hallo BigR,
    nein, das lässt sich sicher nicht so einfach "auflösen", das muss jedem klar sein. Und dennoch beginnt jede Reise mit dem ersten Schritt, und hat man erstmal den "einen Geschmack" gefunden, dann ist es auch egal, wo man steht und geht. Man geht einfach weiter.

    Erleuchtung ist für mich nicht das Ende, Erleuchtung ist ein Eintritt. In meinen Augen ist jeder erwacht, der samsara und nirvana unterscheiden kann, für den aber samsara zu nirvana geworden ist, der dieser Welt nicht mehr entfliehen muss, um sich gut zu fühlen, der inmitten dieses Lebens "einfach sein kann" und auf die Fallstricke von samsara nicht mehr reinfällt, der sich nicht mehr nach Veränderung seiner Lebensumstände sehnt, nach Größerem, Besserem, Schönerem - so wie du oben auch beschrieben hast. So wie eine Frau auch nicht erst schwanger ist, wenn andere es sehen können, sondern schon im ersten Moment der Befruchtung.

    Für mich ist jeder erwacht, der die Werkzeuge zur Beendigung des Leids kennt und benutzt. Alle anderen, die das Glück noch in dieser Welt suchen, schlafen noch.
    Liebe Grüße
    Monika

  • kongjiazhong
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    21. August 2009
    • 5. Januar 2010 um 16:40
    • #40
    monikamarie:

    Das höhere Sein, darunter verstehe ich "sich selbst vergessen bedeutet, in Harmonie zu sein mit allem, was uns umgibt..."


    Dem Dürckheim - der hier zusammen mit Hara eingeführt wurde - war dies aber nicht vergönnt (aber vielleicht fantasierte er sich das für sich herbei, wer weiß).

    Im Alter von 23 Jahren bekämpfte Dürckheim (1919) als Angehöriger eines protofaschistischen Freikors die Münchner Räterepublik. 14 Jahre später, der Herr Graf war inzwischen Professor und 37 Jahre alt, unterzeichnete er das „Bekenntnis der Professoren zu Adof Hitler“. Ab 1935 unterstützte er die nazistische Politik als Mitarbeiter des Außenmministeriums und hatte in dieser Funktion 1938 Gegenheit, das imperiale Japan zu besuchen, das gerade einen Eroberungs- und Vernichtungskrieg gegen China führte. Dort lernte er Zen kennen, oder das, was er dafür hielt und was ihm in Japan als Zen präsentiert wurde - davon war er jedenfalls begeistert. Die Nazis verliehen ihm für seine guten Leistungen ein Kriegsverdienstkreuz.

    Als Deutschland und Japan endlich besiegt wurden (1945) war Dürckheim 49 Jahre alt. Er starb im Alter von 92 Jahren, d.h. er hätte immerhin 43 Jahre lang Zeit gehabt seine Beteiligung an der Verbrechen der Nazis (und Japans) öffentlich einzugestehen und sie öffentlich zu bedauern (schließlich war er öffentlich als „spiriueller“ Lehrer aktiv).

    Mir ist jedoch nicht bekannt, dass er jemals von sich aus seine üble Vergangenheit aufgedeckt oder gar Reue darüber gezeigt hätte - falls mich jemand eines anderen belehren kann, umso besser.

    Kongjiazhong

  • monikamarie
    Gast
    • 5. Januar 2010 um 16:49
    • #41

    Hallo kongjiazhong,
    ich zitiere hier crazy-dragon, weil ich ihm auf seine Frage antworte.

    Dürckheim habe ich auch gelesen und die "Personale Leibarbeit" erlernt. Was immer dieser Mann auch erfahren, erlebt oder falsch gemacht hat, ist mir insofern nicht so wichtig, weil wir ja alle unser Karma zu bearbeiten haben. Das kann uns ja niemand abnehmen, was soll's also, die "ollen Kamellen" zu untersuchen. Wenn ihm also das, was er verkündete, nicht selbst vergönnt war, so ist das bzw. war das doch seine Sache, oder. ;) Deshalb ist das, was er lehrte, dennoch wahr.
    Liebe Grüße
    Monika

  • bel
    Gast
    • 5. Januar 2010 um 18:22
    • #42
    monikamarie:

    Deshalb ist das, was er lehrte, dennoch wahr.

    Nein und nochmal nein, das ist nur Gequatsche. Ich sage das, weil ich auch in einer Traditionslinie stehe, die mit ihrer Geschichte auseinandersetzen muß, und für mich selbst trifft das selbstverständlich auch zu.

    Jedoch, kann das was er sagte - obgleich es nur Gequatsche war - für Dich vollkommen wahr werden.
    Beides steht sich nicht im Wege.

    _()_

  • monikamarie
    Gast
    • 5. Januar 2010 um 18:48
    • #43

    Huch, Bel, so heftig?

  • bel
    Gast
    • 5. Januar 2010 um 19:12
    • #44
    monikamarie:

    Huch, Bel, so heftig?


    Nö, nur ne Klarstellung. Es hat keinen Sinn drumrumzureden, weil es jeden von uns betrifft.

    _()_

  • crazy-dragon
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    • 5. Januar 2010 um 20:01
    • #45

    Ich habe Herrn Dürckheim gelesen, wollte schon mal zu ihm fahren, um Unterweisung zu bekommen- bis ich seine Vergangenheit erfuhr. Da hab ich es bleiben lassen.
    Und zwar, werte Monikamarie, ist es schon ein Unterschied, ob jemand seine Fehler eingesteht oder nicht. Zwar konnte niemand in dieser Zeit seinen karmischen Verstrickungen entkommen, aber manche haben eben diese Epoche aus Karrieresucht ausgenützt und sind dadurch suspekt für mich, vor allem wenn sie dann wie der Graf zu spirituellen Lehrern mutieren...Ein anderer dieser Spezies war Wernher von Braun, der den Amis später die Rakten baute. Oder Minister Speer...Andere wie von Weizsäcker wurde als Bundespräsident und ehemaliger Frontsoldat selbst von den Russen geschätzt und entsprechend behandelt.

    Ich habe mich bewußt zurückgehalten bei Graf Dürckheim- aber anscheinend sehen das andere auch so...

    Lieber Gruß,
    crazy dragon

    Tag für Tag ein guter Tag

  • monikamarie
    Gast
    • 5. Januar 2010 um 20:24
    • #46

    Na, da habe ich wohl dummerhaftigerweise Zitate zitiert, nur um auch meinen Senf dazuzugeben.
    Das tut mir leid.

  • BigR
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    • 6. Januar 2010 um 04:33
    • #47

    Mir persönlich ist es eigentlich gleich was Dürckheim in seiner Vergangenheit und den Nazis gemacht hat. Ich denke wir sollten froh sein, dass wir nicht in dieser Zeit gelebt haben und nicht vor der Wahl gestanden haben uns dem Grauen anzuschließen oder nicht. ;)

    Dennoch finde ich es interessant hier einige Infos und Ansichten die mir nicht bekannt waren zu lesen. Danke!

    Ich messe dem aber persönlich keine allzu große Bedeutung zu, da ich weder ein Anhänger eines Meisters oder Spirituellen Lehrers bin. Ich habe Dürckheim einmal in einem TV Interview „Aspekte“ in den 80igern gesehen und sein Buch „Hara- Die Erdmitte des Menschen gelesen. Dürckheim beschreibt ja auch in diesem Buch die Wandlung bis hin zum Göttlichen in uns. Damit muss man nicht unbedingt konform gehen und das ist wohl eine subjektive Beurteilung.

    Mir ging es eher um das praktische und die Hara Meditation wie sie Dürckheim beschreibt ist eine Erfahrung die schon einen Wandel in der Persönlichkeit eines Menschen auslöst.

    Das Hara ist beispielsweise im Karate ein Thema und ich bin über den Kampfsport quasi zu Dürckheim gekommen. Ich habe vorher (Vor 20 Jahren *lach *) Ninja Bücher gelesen und somit meine ersten meditativen Erfahrungen gesammelt. Ich finde es lustig wie das mein Leben verändert hat und somit interessiere ich mich auch seit langem für den Buddhismus.

    Zumindest scheint mir der Buddhismus etwas zu sein was mit meinen Erfahrungen sehr konform geht. Ich habe mich noch nicht mal einer bestimmten Glaubensrichtung oder gar Religion verschrieben und fahre bislang sehr gut damit denn so bleibt man offen...

    Ich kann und will also nicht darüber werten was Dürckheim für ein Mensch war aber ich bin ihm sehr dankbar für diese Erfahrung!

    mfg
    Rainer

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Ausgabe №. 135: „Achtsamkeit und Aktivismus"

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