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  1. Buddhaland Forum
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Was war nochmal Dukkha?

  • Verrückter
  • 27. Februar 2014 um 23:58
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    • 27. Februar 2014 um 23:58
    • #1

    "Geburt ist dukkha, Altern ist dukkha, Krankheit ist [...]" (Wikipedia: Dukkha)

    Warum ist Geburt dukkha? Wenn dukkha im Grunde Leiden ist und es im Buddhismus um die Aufhebung des dukkha geht, ist der Buddhismus dann im Endeffekt lebensfeindlich?

  • Jikjisa
    Gast
    • 28. Februar 2014 um 00:17
    • #2
    Zitat

    lebensfeindlich?

    ja.und langweilig. und so schrecklich unbefriedigend.

  • Verrückter
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    • 28. Februar 2014 um 00:51
    • #3

    Was bewegt dich dazu einen solch sinnentleerten Beitrag zu verfassen? Ist die Frage deiner Meinung nach blöd? Und wenn ja, warum? Ich habe sie nämlich mit einer ernsthaften Intention gestellt.

  • Jikjisa
    Gast
    • 28. Februar 2014 um 01:14
    • #4
    Zitat

    Ist die Frage deiner Meinung nach blöd?


    nein, sorry.
    (vielleicht etwas lapidar für meinen geschmack-ist aber egal)

    ich finde die definition hier sehr ausreichend.
    vielleicht ist sie hilfreich für den weiteren dialog.

    Zitat

    Die weitreichende Bedeutung des Begriffs „dukkha“ (Pāḷi; in Sanskrit: duḥkha) ist wichtig zu verstehen. Der Begriff kommt sehr häufig in den Lehren des Buddha vor und es gibt keine eindeutige Übersetzung ins Deutsche oder überhaupt in eine westliche Sprache, die der Bedeutung in den verschiedenen Zusammenhängen gerecht wird. Übliche und auch je nach Kontext richtige Übersetzungen sind:
    Leiden, Unzulänglichkeit, Unvollkommenheit, unbefriedigende Natur, Kummer, Leid, Elend, Übel, Ungemacht, Plage, Pein, Unbehagen, Unangenehmes, Schmerz, Stress, Problem (Substantiv);
    Leidvoll, leidhaft, leidbehaftet, leidig, unbefriedigend, unzulänglich, unvollkommen, unangenehm, schmerzhaft, stressig (Adjektiv).
    Dass dukkha etymologisch von verschieden Pāḷi-Worten hergeleitet werden kann, macht die Sache auch nicht unbedingt einfacher.
    du, dur = schlecht, schwierig, wertlos, elend, abstoßend, abscheulich, gefahrvoll
    khamati = ertragen, dulden, erdulden
    => dukkha = schwer zu ertragen (Gefühl)
    dukkhayati = Leiden bringend, zu Leiden führend
    („Es bringt Leiden, also wird es ‚Leiden‘ genannt“.)
    kha = Leerheit (von Beständigkeit, Schönheit, Vergnügen, Selbst), leerer Raum
    => dukkha = abscheuliche Leere, wertlose Leerheit
    kha = Radnabe
    => dukkha = schlechte Radnabe (-> gehemmte, unbefriedigende Fahrt)
    dvedhā = auf zwei Arten
    khaṇati = graben, ausgraben, brennen, zerstören, ausreißen, vernichten
    khaṇa = Augenblick, Submomente (Entstehung, Existenz, Auflösung)
    Paṭisambhidāmagga (I, 19):
    „Es ist direkt zu erkennen, dass Entstehen Leiden (dukkha) ist;
    Es ist direkt zu erkennen, dass Existenz (das Vorkommen) Leiden ist.
    Es ist direkt zu erkennen, dass Nicht-Entstehen Glück (sukha) ist;
    Es ist direkt zu erkennen, dass Nicht-Existenz Glück ist.“

    Alles anzeigen

    http://www.theravadanetz.de/txt_Dukkha_Natur.pdf

    die frage auch in der art oder überhaupt zu dukkha wurde hier schon öfters gestellt un diskutiert.
    du kannst, wenn du magst, in der "suchfunktion" im " betreff der themen " suchen.

    *

  • Jikjisa
    Gast
    • 28. Februar 2014 um 01:39
    • #5

    verrückter:

    Zitat

    Warum ist Geburt dukkha?

    Zitat

    Mit dem Ursprung von Geburt ist der Ursprung von Altern und Tod.

    Zitat

    http://www.palikanon.com/majjhima/zumwinkel/m009z.html

  • mukti
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    • 28. Februar 2014 um 08:02
    • #6
    Verrückter:

    "Geburt ist dukkha, Altern ist dukkha, Krankheit ist [...]" (Wikipedia: Dukkha)

    Warum ist Geburt dukkha? Wenn dukkha im Grunde Leiden ist und es im Buddhismus um die Aufhebung des dukkha geht, ist der Buddhismus dann im Endeffekt lebensfeindlich?

    Nö der Buddhismus ist nicht gegen das Leben, nur gegen das Leiden hat er die Mittel. Und kann man leben ohne zu leiden wenn man an das Leben, das Werden und Dasein angehaftet ist? Leben beinhaltet Leiden, erste edle Wahrheit.

    Gruß,
    mukti

    Mit Metta, mukti.


  • fotost
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    • 28. Februar 2014 um 08:17
    • #7
    Verrückter:


    Warum ist Geburt dukkha?

    Neben den philosophischen Implikationen - frag mal Deine Mutter.....

    Verrückter:


    Wenn dukkha im Grunde Leiden ist und es im Buddhismus um die Aufhebung des dukkha geht, ist der Buddhismus dann im Endeffekt lebensfeindlich?

    Wenn Leben letztendlich mit Leiden verbunden ist, ist dann Leben lebensfeindlich? Wenn ein zentrales Ziel des Buddhismus die Überwindung des Leidens soweit wie möglich ist, ist dann nicht Buddhismus der Weg zu einem besseren Leben?

    Zitat


    Das Leben im Daseinskreislauf ist letztlich leidvoll.
    Ursachen des Leidens sind Gier, Hass und Verblendung.
    Erlöschen die Ursachen, erlischt das Leiden.
    Zum Erlöschen des Leidens führt der Edle Achtfache Pfad.

  • Verrückter
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    • 28. Februar 2014 um 13:56
    • #8

    Darauf wollte ich hinaus, es muss also unterschieden werden zwischen dem Prozess an sich, der Veränderung beinhaltet, und der Reaktion darauf bzw. der Anhaftung (am Alten?), die dukkha hervorruft. So verstehe ich es bis jetzt. Auch die Übersetzung aus dem theravadanetz.de-PDF halte ich aus dem selben Grund für falsch bzw. missverständlich: "Es ist direkt zu erkennen, dass Existenz (das Vorkommen) Leiden ist."

    Ich würde auch deine Wortwahl nehmen, mukti: Nämlich, dass das Leben dukkha beinhaltet und daher die Aufhebung von dukkha lediglich die Lebensqualität erhöht. Eine Geburt ist also nicht mit dukkha gleichzusetzen. Nur die Reaktion auf ein Ereignis ist dukkha, nicht das Ereignis selbst. Seht ihr das auch so oder anders?

  • MonikaMarie1
    Gast
    • 28. Februar 2014 um 14:59
    • #9
    Verrückter:


    Ich würde auch deine Wortwahl nehmen, mukti: Nämlich, dass das Leben dukkha beinhaltet und daher die Aufhebung von dukkha lediglich die Lebensqualität erhöht. Eine Geburt ist also nicht mit dukkha gleichzusetzen. Nur die Reaktion auf ein Ereignis ist dukkha, nicht das Ereignis selbst. Seht ihr das auch so oder anders?

    Jein, Verrückter, so sehe ich das nicht ganz. Die Geburt ist nicht mit Dukkha gleichzusetzen, solange Du diese als sinnvoll denkst. Das sah der Buddha allerdings anders. Für den Buddha war das Ziel, überhaupt nie wieder geboren zu werden und somit völlige Leid-Erlöschung.

    Aber geboren worden zu sein, bedeutet bereits Dukkha, weil es wohl niemanden geben wird, dem in seinem Leben kein Leid widerfährt, sei es nun Kinderkrankheiten, Liebeskummer, unliebsame Mitschüler ... die Liste ist ellenlang. Übrigens: Viele Menschen auf der Welt leiden allein durch Hunger und Armut.
    Allein das auf die Welt kommen beginnt mit einem gellenden Schrei und nicht mit Hurra, weil die Lunge Luft kriegen muss, sonst erstickt das Baby sofort.

    Und wenn Du davon schreibst, "... lediglich die Lebensqualität erhöht ...", so ist das schon viel, aber selbst dann gibt es noch Leid, weil wir ja da nicht stehen bleiben. Eine erhöhte Lebensquallität erschafft dann womöglich andere Leidensfaktoren - wie Überdruss, Langeweile, Sinnverlust. Es gibt nichts ohne einen Schatten. Es sei denn, diese höhere Lebensqualität wird durch heilsame geistige Nahrung und entsprechendes Handeln aufrecht erhalten bzw. genährt.
    _()_ Monika

  • Simo
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    • 28. Februar 2014 um 16:31
    • #10

    Im Thread Buddhadhamma vs Buddhismus ging es ja um ähnliche Themen. Vielleicht passt das hier auch ganz gut rein (war an Mabuttar gerichtet)

    Du hast offenbar gesehen, was das Buddhadhamma alles "erfordert" und das kann Angst machen. Das "Auslöschen jeglichen Lebensprozesses", wie du es nennst, beinhaltet auch den Gedanken des Auslöschens "meines Lebens" - und es ist eigentlich das, was Angst macht (denn der Mensch will "sein", das ist eines seiner grundlegendsten Begehren, bhavatanha) - dass es aber genau dieses "ich will sein" ist, welches zum eigentlichen Leiden führt, wird dabei übersehen und so geht das Kreisen weiter. Und so führt "sein wollen" zum Festhalten des Glaubens an ein Selbst (attavadupadana) - wir übersehen die ganze Zeit, dass ein Selbst sein vom Glauben an ein Selbst festhalten abhängt. Dass genau diese existenzielle Angst dukkha ist, wird dabei verleugnet und es werden Ausflüchte gesucht, die "das Leben mehr wertschätzen".

    ... bzw. es wird gefragt, ob Buddhadhamma "lebensfeindlich" ist. Wenn man sagt Dhamma sei lebensfeindlich, dann sieht man es von der Warte, die am Leben festhält und darin dauerhaftes Glück sucht. Für uns ist "Leben" immer mit "jemandem, der am Leben ist" verbunden und da kommen attavadupadana und asmimana mit in Spiel. Der arahat "lebt" zwar auch noch, aber nur in gewissem Sinn, denn wahrhaftig und wirklich ist kein "jemand, der ein arahat ist" zu finden.

    Liebe Grüße.

    Kein "Ich" - keine Probleme.

  • Verrückter
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    • 28. Februar 2014 um 18:15
    • #11
    MonikaMarie1:

    Die Geburt ist nicht mit Dukkha gleichzusetzen, solange Du diese als sinnvoll denkst.

    Die Sinnhaftigkeit der Dinge habe ich bei den bisherigen Beiträgen nicht berücksichtigt, z.T. weil ich auch das dukkha als sinnvoll betrachte. Mir scheint, dass Dukkha ausschließlich mit negativ bewerteten Begriffen assoziiert wird. Ich sehe in diesem Begriff aber eher die Herausforderung, die mit der Aufhebung des dukkha einhergeht. Für mich ist es daher nichts schlechtes, sondern viel mehr ein Wegweiser zum Glück: Dukkha ist daher vollkommen sinnvoll, ohne welches das Leben seinen Reiz verlieren würde und ohne welches auch das erstrebte Glück nicht möglich wäre. Da alles einer ständigen Veränderung unterliegt, ist eine Aufhebung des dukkha nicht möglich (was auch gut ist): Die Aufgabe - Aufhebung des dukkha - sehe ich nur als Mittel zum Zweck (Glück) und nicht als erstrebenswertes Ziel.

    Zitat

    Das sah der Buddha allerdings anders. Für den Buddha war das Ziel, überhaupt nie wieder geboren zu werden und somit völlige Leid-Erlöschung.

    Ich konzentriere mich daher im Moment vor allem auf die buddhistischen Ideen zwischen Geburt und Tod und kann das Konzept des Austritts aus dem Kreislauf der Wiedergeburt nicht ganz nachvollziehen.

    Zitat

    Eine erhöhte Lebensquallität erschafft dann womöglich andere Leidensfaktoren - wie Überdruss, Langeweile, Sinnverlust.

    Eine hohe Lebensqualität entsteht m.E. nicht durch Überfluss (mit einhergehendem Überdruss), sondern durch Ausgeglichenheit und Harmonie mit der Umgebung.

    Zitat

    Es gibt nichts ohne einen Schatten. Es sei denn, diese höhere Lebensqualität wird durch heilsame geistige Nahrung und entsprechendes Handeln aufrecht erhalten bzw. genährt.

    So oder so ähnlich sehe ich es auch.

    Simo:

    Das "Auslöschen jeglichen Lebensprozesses", wie du es nennst, beinhaltet auch den Gedanken des Auslöschens "meines Lebens" - und es ist eigentlich das, was Angst macht (denn der Mensch will "sein", das ist eines seiner grundlegendsten Begehren, bhavatanha) - dass es aber genau dieses "ich will sein" ist, welches zum eigentlichen Leiden führt, wird dabei übersehen und so geht das Kreisen weiter. [...] bzw. es wird gefragt, ob Buddhadhamma "lebensfeindlich" ist. Wenn man sagt Dhamma sei lebensfeindlich, dann sieht man es von der Warte, die am Leben festhält und darin dauerhaftes Glück sucht.

    Bei der Aversion gegen den Austritt aus dem Kreislauf des Lebens muss es nicht um Angst gehen sondern kann auch (scheinbar) gegensätzliche Weltanschauungen als Grund haben. Es geht ja nicht nur um (m)ein Leben, sondern um das Leben allgemein. Die Identität (Ich), die du ansprichst, muss sich nicht auf die eigene Person beziehen. Es scheint so als würden Mutter Erde und ihre Früchte als riesiges Ghetto angesehen, in welchem der einzige Ausweg eine Wildcard in eine andere Dimension oder Daseinsebene ist, wo keine negative Erfahrung mehr gemacht wird oder gemacht werden kann. Sogar positive Empfindungen (sukha) werden im Endeffekt als dukkha angesehen. Es geht um Glück im Leben, richtig. Aber es geht nicht darum, am Leben krampfhaft bis zum Verzweifeln fest zu halten, sondern seine Fülle zu genießen, ohne wiederum "anzuhaften", unnötiges Leid zu erfahren oder es in der Umgebung entstehen zu lassen. Es geht um das, was m.E. die buddhistische Lehre im Kern eben ausmacht: Einen gemäßigten Weg, die Meidung von Extremen und - soweit ich sie begreife - der Berücksichtigung des achtfachen Pfades. Damit kann man sich leicht anfreunden. Aber Leben mit Leid gleichzusetzen... das erscheint mir nach einer fragwürdigen Randbedingung für die sonst schlüssige buddhistische Denkweise über leidvolle Erfahrungen und ihre Linderung.

  • accinca
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    • 28. Februar 2014 um 18:44
    • #12
    Verrückter:
    MonikaMarie1:

    Die Geburt ist nicht mit Dukkha gleichzusetzen, solange Du diese als sinnvoll denkst.

    Die Sinnhaftigkeit der Dinge habe ich bei den bisherigen Beiträgen nicht berücksichtigt, z.T. weil ich auch das dukkha als sinnvoll betrachte. Mir scheint, dass Dukkha ausschließlich mit negativ bewerteten Begriffen assoziiert wird. Ich sehe in diesem Begriff aber eher die Herausforderung, die mit der Aufhebung des dukkha einhergeht. Für mich ist es daher nichts schlechtes, sondern viel mehr ein Wegweiser zum Glück: Dukkha ist daher vollkommen sinnvoll, ohne welches das Leben seinen Reiz verlieren würde und ohne welches auch das erstrebte Glück nicht möglich wäre. Da alles einer ständigen Veränderung unterliegt, ist eine Aufhebung des dukkha nicht möglich (was auch gut ist): Die Aufgabe - Aufhebung des dukkha - sehe ich nur als Mittel zum Zweck (Glück) und nicht als erstrebenswertes Ziel.

    Eine alte Geschichte: Natürlich kann man von Glück reden das es Leiden
    gibt, denn nur so kann man das Glück der Auflösung des Leidens erfahren.
    Was haben wir nur wieder für ein Glück Leiden zu können. Das würde uns
    ja ganz traurig machen wenn wir kein Leiden mehr hätten das wir auflösen
    könnten. Und was haben wir doch ein Glück, das alles Vergänglich ist und
    so das Leiden nicht aufhören kann. - Ja gerade noch mal Glück gehabt.
    Mehr fällt einem dazu sicher nicht ein. Also "Verrückter" passt irgendwie :roll:

  • Verrückter
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    • 28. Februar 2014 um 19:12
    • #13

    accinca: Deine Antwort erscheint mir sehr ignorant, vor allem weil du mir Aussagen in den Mund legst. Deine oberflächliche Fortführung meiner scheinbar gegensätzlichen Ansicht bestätigt, dass du den Kern meiner Aussage überhaupt nicht verstanden hast.

    Glück und Leiden sind für mich zwei verschiedene Dinge. Ich habe Leid als Wegweiser und die Aufhebung dessen als Herausforderung bezeichnet, um mal eine Gegendarstellung dieser pessimistischen Ansicht zu liefern und etwas mehr Objektivität in die negative Bewertung des dukkha in diesem Thread zu bringen. Man könnte diesen Begriff auch mal auf naturwissenschaftlicher Ebene beleuchten und würde schnell erkennen, dass die negativen Empfindungen physiologisch immer einem natürlichen und entwicklungsgeschischtlich verstehbaren Prozess zugrundeliegen, die dem Überleben und der Arterhaltung dienen. In der Natur gibt es ursprünglich kein übermäßiges Leid. Unerträglich leidvolle Erfahrungen entstehen durch Entfremdung von der Natur, was wiederum Teil des Anpassungsprozesses ist, bei dem der Mensch sich seine eigene Natur schafft bzw. zu schaffen versucht. In diesem Sinne basiert das Leid auch - wie im Buddhismus - auf Unwissenheit, Hass und Gier. Es ist aber weiterhin nicht mit dem Leben an sich gleichzusetzen. Und ich halte es für nicht unwahrscheinlich, dass hier die ursprüngliche buddhistische Lehre einfach nur falsch interpretiert wird. Ich kann das nicht beurteilen, aber bei Jesus und den Christen ist es ja nicht anders. Unabhängig davon ob Buddha das dukkha als etwas gänzlich Negatives ansah oder nicht sehe ich hier Gutes im Schlechten, so wie manch pessimistischer Buddhist stets Schlechtes im Guten (dukkha im sukha?) zu sehen scheint.

  • accinca
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    • 28. Februar 2014 um 19:41
    • #14
    Verrückter:

    accinca: Deine Antwort erscheint mir sehr ignorant, vor allem weil du mir Aussagen in den Mund legst. Deine oberflächliche Fortführung meiner scheinbar gegensätzlichen Ansicht bestätigt, dass du den Kern meiner Aussage überhaupt nicht verstanden hast.

    Wenn das so ist, das ich deine Aussage überhaupt
    nicht verstanden haben, um so besser. Das sollte
    mich freuen.

    Zitat

    Glück und Leiden sind für mich zwei verschiedene Dinge.
    Ich habe Leid als Wegweiser und die Aufhebung dessen als
    Herausforderung bezeichnet, um mal eine Gegendarstellung
    dieser pessimistischen Ansicht zu liefern und etwas mehr
    Objektivität in die negative Bewertung des dukkha in diesem
    Thread zu bringen.
    Man könnte diesen Begriff auch mal auf naturwissenschaftlicher
    Ebene beleuchten und würde schnell erkennen, dass die negativen
    Empfindungen physiologisch immer einem natürlichen und
    entwicklungsgeschischtlich verstehbaren Prozess zugrundeliegen,
    die dem Überleben und der Arterhaltung dienen.
    In der Natur gibt es ursprünglich kein übermäßiges Leid.
    Unerträglich leidvolle Erfahrungen entstehen durch Entfremdung
    von der Natur, was wiederum Teil des Anpassungsprozesses ist,
    bei dem der Mensch sich seine eigene Natur schafft bzw. zu schaffen
    versucht.
    In diesem Sinne basiert das Leid auch - wie im Buddhismus - auf
    Unwissenheit, Hass und Gier. Es ist aber weiterhin nicht mit dem
    Leben an sich gleichzusetzen. Und ich halte es für nicht unwahrscheinlich,
    dass hier die ursprüngliche buddhistische Lehre einfach nur falsch
    interpretiert wird. Ich kann das nicht beurteilen, aber bei Jesus und
    den Christen ist es ja nicht anders. Unabhängig davon ob Buddha das
    dukkha als etwas gänzlich Negatives ansah oder nicht sehe ich hier
    Gutes im Schlechten, so wie manch pessimistischer Buddhist stets
    Schlechtes im Guten (dukkha im sukha?) zu sehen scheint.

    Alles anzeigen

    Jetzt habe ich mir deinen Text hier ganz durchgelesen aber nichts
    entdecken können worin ich deine Aussage nicht verstanden hätte bzw.
    falsch verstanden hätte. Denn genau so hatte ich dich auch verstanden.
    Nur teile ich deine Ansicht natürlich nicht und halte sie für vielfach falsch
    und undurchdacht.

  • xxx
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    • 28. Februar 2014 um 19:48
    • #15

    Hallo Verrückter

    Verrückter:

    Aber Leben mit Leid gleichzusetzen... das erscheint mir nach einer fragwürdigen Randbedingung für die sonst schlüssige buddhistische Denkweise über leidvolle Erfahrungen und ihre Linderung.


    Leben soll nicht mit Dukkha gleichgesetzt werden. Dukkha ist lediglich eines der drei Daseinsmerkale. (neben anicca und anatta)
    Im buddhistischen Wörterbuch wird Dukkha so beschrieben (wobei ich als Übersetzung Unzulänglichkeit oder noch lieber meine eigene Interpretation Ohnmacht bevorzuge):

    Zitat

    Leiden, Leidunterworfensein, Unzulänglichkeit, Elend, Übel, Schmerz, Verletzung, Unbefriedigtheit: Wörtlich "schwer zu ertragen"; die spannungsreiche Qualität aller Erfahrungen, die von Verlangen, Anhaften und Ego begleitet werden.


    (OT: Zur Zeit versuchen die Menschen ihre Ohnmacht (dhukka) durch Aktivismus in Macht umzuwandeln. Hoffentlich hält dies unser Planet auf Dauer aus)

    Verrückter:

    Bei der Aversion gegen den Austritt aus dem Kreislauf des Lebens


    Mit Samsara ist laut budd Wörterbuch (s.o.) nicht nur der Kreislauf des Lebens gemeint sondern:

    Zitat

    der samsāra ist die ununterbrochene Kette der von Augenblick zu Augenblick beständig wechselnden, durch unabsehbare Zeiten hindurch sich aneinander reihenden geistigen und körperlichen Daseinserscheinungen.

    Bakram

  • mukti
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    • 28. Februar 2014 um 20:04
    • #16
    Verrückter:


    Ich würde auch deine Wortwahl nehmen, mukti: Nämlich, dass das Leben dukkha beinhaltet und daher die Aufhebung von dukkha lediglich die Lebensqualität erhöht. Eine Geburt ist also nicht mit dukkha gleichzusetzen. Nur die Reaktion auf ein Ereignis ist dukkha, nicht das Ereignis selbst. Seht ihr das auch so oder anders?

    Dukkha bedeutet eigentlich schwer - das was schwer zu ertragen ist. Durch Anhaftung können wir nur schwer akzeptieren dass die Dinge sich ständig ändern. Wir wollen uns das Leben richten wie es uns am Besten passt, aber das geht nicht, ständig gibt es Unannehmlichkeiten, und daher leidet man. Die Ursache des Leidens ist also das Begehren und Anhaften. Je weniger Begehren, desto weniger Dukkha. Gar kein Begehren, gar kein Dukkha. Wenn aber keinerlei Begehren da ist, dann ist jegliches Werden und Dasein hinfällig. Das ist allerdings das höchste Ziel im Buddhismus, das nur wenige erreichen.

    Schöne Grüße,
    mukti

    Mit Metta, mukti.


  • accinca
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    • 28. Februar 2014 um 21:15
    • #17
    Bakram:


    Leben soll nicht mit Dukkha gleichgesetzt werden.
    Dukkha ist lediglich eines der drei Daseinsmerkale.
    (neben anicca und anatta)


    Wenn es nicht anicca und anatta wäre wäre es auch nicht Leidhaft.-

    Zitat

    Gleichwie, ihr Mönche, selbst schon ein wenig Kot, Urin, Schleim,
    Eiter oder Blut übel riecht, so auch preise ich nicht einmal ein
    kurzes Dasein, auch nicht für einen Augenblick. A.1.32

  • Verrückter
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    • 28. Februar 2014 um 21:19
    • #18

    Danke für die Ergänzungen, Bakram. Das dukkha macht also nur einen Teil des sog. Sanskrit aus. Verglichen mit dukkha finde ich die anderen beiden Begriffe viel verständlicher.

    Zitat

    Mit Samsara ist laut budd Wörterbuch (s.o.) nicht nur der Kreislauf des Lebens gemeint sondern: [...]

    Offenbar gibt es eine große Palette an unterschiedlichen Interpretationen, in der die Wiedergeburt nur einen Teil der Kernaussage ausmacht. Ich sehe darin meine Vermutung bestätigt, dass Siddhartha Gautama es möglicherweise nicht so meinte, wie es heutzutage z.T. interpretiert wird. Wenn ich es richtig verstehe: Alles ist vergänglich bzw. einer gesetzesmäßigen Veränderung unterworfen (Anicca), sogar die eigene Identität (Anatta) und wenn man eine Veränderung nicht akzeptieren bzw. nicht loslassen kann, leidet man (dukkha).

    mukti: Anhaftung als Ursache des Leidens kann ich nachvollziehen... was verstehst du unter Begierde bzw. wo siehst du die Grenze zur Gier?

  • Jikjisa
    Gast
    • 28. Februar 2014 um 22:26
    • #19
    Zitat

    Anhaftung als Ursache des Leidens kann ich nachvollziehen... was verstehst du unter Begierde bzw. wo siehst du die Grenze zur Gier?

    die frage ist nicht an mich gerichtet, aber hier gehts schon los. wo ist die grenzscheide, bis dahin sich das bemühen um loslassen und nichtanhaften lohnt um mehr weltliches glück zu erfahren und weniger dhukka ?
    meinst du da gibt es eine art weltlichen mittleren pfad ? ich meine : nein.
    gier ist sämtliche variation von zuneigung oder bevorzugung , hass sämtliche variation von aversion und zurückweisung. unwissenheit alle ignoranz, gleichgültigkeit, abgestumpftheit, nicht-kenntnis der daseinsmerkmale.

    zwar ist anhaftung die ursache von unbefriedigtsein, aber sie ist willkürlich, oft unbewusst gesteuert und deswegen unbefriedigend weil sämtliche phänomene vergänglich sind, also leer.
    es gibt nicht nur grobe anhaftungen, wie z.b. mein haus, mein auto, mein geld, sondern sehr viel mehr subtile bis subtilste. die subtilste ist und werdenslust und dünkel: ich habe die macht anhaften so weit zu reduzieren, daß ich dauerhaft zufriedener bin.
    ja das geht, aber auch immer nur temporär.

    das begehren sucht sich immer einen weg, weil es unmittelbar mit unwissenheit zusammenhängt. deswegen kann man nicht von kontrolle sprechen . buddha wusste, daß man die ursache ganz aufheben muss, damit begehren erlischt, aber er pflegte auch die rechte ansicht. er wusste, daß man samsara nicht entkommen kann, wenn man die wurzel nicht ausreißt, die ursache.

    wenn man aber samsara nicht entkommen will, dann genügt "ein bischen" buddhismus, das stimmt. und ein bischen nicht-anhaften hier und dort, um zufriedener zu leben. zumindest eine zeitlang. bis man krank wird oder so. oder jemand stirbt. ein kind. jemand den man liebt. aber vielleicht gelingt es ja, nicht am schmerz anzuhaften, nicht an er angst, der trauer oder an der todesgewissheit - und so kann diese episode auch noch erträglich behaglich genug sein . wer weiß .


    *

  • Verrückter
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    14. November 2012
    • 28. Februar 2014 um 23:27
    • #20

    Es ging mir bei meiner letzten Frage ausschließlich um den Begriff der Begierde.

    Jikjisa:

    gier ist sämtliche variation von zuneigung oder bevorzugung , hass sämtliche variation von aversion und zurückweisung.

    Ich habe nach der Grenze zur Begierde gefragt. Unter Begierde verstehe ich eine Befriedigung natürlicher Bedürfnisse. Sie hängt m.E. nicht Unwissenheit zusammen. Darf man keinen Hunger haben oder den Hunger durch Nahrung befriedigen? Darf man sich nicht wehren, wenn man bedroht oder angegriffen wird? Darf man sich nicht durchsetzen, wenn man eine zu anderen Menschen gegensätzliche Meinung vertritt? Diese Bedürfnisse asketisch zu befriedigen wäre aus meiner Sicht ein Extrem, was es ja lt. mittlerem Pfad zu vermeiden gilt. Gier, Hass o.ä. und eine übergroße Befriedigung wäre das andere Extrem. Deshalb sehe ich die Begierde nicht als Teil des dukkha und ihre Aufhebung (reine Abstinenz) nicht als erstrebenswert.

  • Jikjisa
    Gast
    • 1. März 2014 um 02:24
    • #21

    bedürfniss ist halt was anderes. zwar ist es gekoppelt an begierde, aber bedürfnisse sollten gestillt werden ( mittlerer pfad )
    nun kannst du überlegen welche bedürfnisse wohl nun gestillt werden sollten auf dem pfad,
    wenn es denn die bedingungen für gibt. ich schenk dir die antwort:

    Zitat

    Almose von Kleidung, Speise, Obdach und Arznei

    das wars.

  • hedin
    Gast
    • 1. März 2014 um 10:33
    • #22

    Begehren bedeutet, mit dem was "Ist" nicht zufrieden zu sein.

    Bei den natürlichen Bedürfnissen wie Hunger oder Durst verhält es sich etwas anders.
    Betrachtet man das Essen oder das Trinken als eine Handlung (Karma) dann ist die Stillung von Hunger oder Durst neutral bis heilsam und alles Essen und Trinken darüber hinaus entsprechend unheilsam.

    hedin

  • mukti
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    • 1. März 2014 um 10:43
    • #23
    Verrückter:


    mukti: Anhaftung als Ursache des Leidens kann ich nachvollziehen... was verstehst du unter Begierde bzw. wo siehst du die Grenze zur Gier?

    Begehren, Gier, Begierde, das kann je nach Kontext entweder synonym verstanden werden (wie etwa bei Gier, Hass und Verblendung) als der grundsätzliche Wille etwas haben und festhalten zu wollen, oder als gradueller Unterschied, je nachdem was oder wiesehr etwas begehrt wird.
    Z.B. ist es natürlich dass Nahrung zur Erhaltung des Körpers begehrt wird, wenn es aber besonders schmackhaft und übermäßig sein soll, dann ist es Gier. Alles was über das natürliche und not-wendige Maß hinausgeht wäre demnach Gier.

    _()_

    Mit Metta, mukti.


  • Tso Wang
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    • 1. März 2014 um 12:13
    • #24
    Verrückter:
    MonikaMarie1:

    Die Geburt ist nicht mit Dukkha gleichzusetzen, solange Du diese als sinnvoll denkst.

    Die Sinnhaftigkeit der Dinge habe ich bei den bisherigen Beiträgen nicht berücksichtigt, z.T. weil ich auch das dukkha als sinnvoll betrachte. Mir scheint, dass Dukkha ausschließlich mit negativ bewerteten Begriffen assoziiert wird. Ich sehe in diesem Begriff aber eher die Herausforderung, die mit der Aufhebung des dukkha einhergeht. Für mich ist es daher nichts schlechtes, sondern viel mehr ein Wegweiser zum Glück: Dukkha ist daher vollkommen sinnvoll, ohne welches das Leben seinen Reiz verlieren würde und ohne welches auch das erstrebte Glück nicht möglich wäre. ....


    .


    "Der Hauptgrund, warum viele Menschen leiden, liegt darin, daß sie eine Befriedigung aus ihrem Leiden ziehen", sagte der Meister und machte dies an einem Beispiel deutlich: Neulich fuhr ich im Schlafwagen. Unter mir lag ein Mann, der die ganze Zeit stöhnte: "Mein Gott, bin ich durstig; ich bin ja so durstig..." So ging das die ganze Zeit. Schließlich stand ich auf, holte im Speisewagen ein Glas Wasser und brachte es dem Mann, der es dankbar nahm und in einem Zug leerte. Kaum lag ich wieder in meinem Bett, da hörte ich wieder seine Stimme: "Mein Gott, war ich durstig, ach, wie war ich durstig..."


    http://www.youtube.com/watch?v=BHUOZWu7soY


    ()

    坐忘

  • Tso Wang
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    • 1. März 2014 um 16:07
    • #25
    Verrückter:

    "Geburt ist dukkha, Altern ist dukkha, Krankheit ist [...]" (Wikipedia: Dukkha)

    Warum ist Geburt dukkha? Wenn dukkha im Grunde Leiden ist und es im Buddhismus um die Aufhebung des dukkha geht, ist der Buddhismus dann im Endeffekt lebensfeindlich?


    .


    Nebenbei angemerkt: Du kannst auch im jüdisch-christlichen dazu etwas "Im Ansatz Ähnliches" (!) finden:

    "Es ist alles ganz eitel/nichtig/leid"


    http://www.die-bibel.de/online-bibeln/…stelle/Kohelet/


    (Kohelet)


    http://www.youtube.com/watch?v=ZbAhr0R-EkU


    ()

    坐忘

Ausgabe №. 135: „Achtsamkeit und Aktivismus"

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