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  1. Buddhaland Forum
  2. Joy

Beiträge von Joy

  • Satori = Erleuchtung?

    • Joy
    • 26. November 2011 um 12:09
    monikamarie:

    Denn letztlich liegt ES ja jenseits intellektueller Spekulationen


    Sehe ich auch so. Aber wenn Wacheit "hier" (bei mir) unmittelbar wahrgenommen wird gibt es eben die Tendenz in meinem menschlichen Geist, über das Gesehene zu berichten. Das es nie das ist, was Wachheit selbst ist, da sind wir uns absolut einig.

    Ich habe viele Leben lang gübt, Wachheit (Bodhi) zu realisieren. Jetzt funktioniert es, ich erfreue mich dran und meine Worte spiegeln diese Freude wieder.

    Zitat

    sorry, ich habe das mit Kensho verwechselt


    Darum habe ich die von Daisetz T. Suzuki beschriebenen Merkmale von Satori mit angefügt. Ich denke, die Lehrkompetenz von Suzuki im Bereich des Zen-Buddhismus ist hier unumstritten.

    _()_

  • Wieso an Wiedergeburt glauben ?

    • Joy
    • 26. November 2011 um 11:59
    Erdmaus:

    Was Leid ist und wie es entsteht ist definitiv noch nicht erforscht.


    Ich bezweifle das und verweise auf Bewusstseinsforscher wie Stanislav Grof oder Ken Wilber sowie der Wissenschaft der Transpersonalen Psychologie.

    Zitat

    Da hängst du die Wissenschaft wirklich ein bischen zu hoch.


    Mag sein, aber dann hängst du sie ein wenig zu tief finde ich. Vielleicht können wir uns irgendwo in der Mitte treffen. :)

    Zitat

    Es gibt Dinge, die entziehen sich einer gewissen Beschreibung.


    Das ist aber kein Grund, seinen Forschungsdrang aufzugeben und dem blinden Glauben an irgendwelche spirtuelle oder religiöse Lehren zu verfallen finde ich.

    Zitat

    Das liegt nicht daran, dass diese Dinge so mysteriös sind, sondern das liegt an der Natur subjektiver Erfahrungen.


    Damit postulierst du, dass Subjektivität sich nicht selbst erfahren kann. Das bezweifle ich. Subjektivität kann sich in der objektiven Erscheinungsform sehr wohl selbst erkennen, indem es die Leere der Objekte realisiert. Wenn sich die Subjektivität des Seins selbst nicht erfahren könnte, hätte es nie einen Buddha gegeben.

    Zitat

    Wenn ich einen Apfel esse, dann habe ich einen Geschmack im Mund, den kann keine Wissenschaft der Welt auch nur im Ansatz beschreiben.


    Aber wir sind uns dann doch einig, dass Buddhisten dazu neigen, unendlich lange Beschreibungen über das Erwachen des Apfelgeschmacks zu studieren und dabei nie den Geschmack selbst erfahren werden, solange sie nicht in den Apfel hineinbeißen, oder?

    Zitat

    Der liebe Harald Lesch ...


    Hört sich selbst gerne reden, das ist alles.

    Sorry, aber manchmal bin ich einfach mal so frech und schreibe was ich denke. :)

    _()_

  • Satori = Erleuchtung?

    • Joy
    • 26. November 2011 um 11:34

    Ich habe gerade im Forum gelesen, dass Satoris "kleine Einblicke und keine Erleuchtung sind". Dazu möchte ich einen Beitrag verfassen.

    Zunächst möchte ich sagen, dass es mich immer wieder wundert, wie erleuchtet ein Mensch doch sein muss, der so viel über Erleuchtung weiß. Solche Aussagen wie "Satori ist keine Erleuchtung" haben vielleicht Bestand im Rahmen einer gewissen Glaubensrichtung, die etwas ganz anderes unter Erleuchtung versteht als es im Zen verstanden und als Satori beschrieben wird. Aber das sollte dann auch fairerweise in diesem "offenen Rahmen" hier mit sachlichen Argumenten unterfüttert werden. Das ist eine sachliche Kritik an dieser Aussage und keine persönliche. Ich bitte, das zu unterscheiden!

    Zur Erleuchtung aus Sicht des Chan/Zen:

    Im Chan/Zen ist Satori das, was im Buddhismus Bodhi, im Hinduimus Moksha und von den Mystikern "Gottesschau" genannt wird.

    Im Theravada wird da noch unterschieden zwischen "Erwacht sein" und "Einblick ins Erwachtsein". Das gibt es in manchen Zen-Richtungen auch, wo der Einblick ins Erwachen Kensho und das Erwachsen selbst Satori genannt wird.

    Zitat

    Satori zu erfahren bedeutet, zum Ursprung allen Lebens zurückgekehrt zu sein und tiefe Einsicht in die wahre Natur aller Dinge erfahren zu haben. Das beinhaltet:

    Du kannst nicht sterben, weil es kein Ich gibt, das sterben kann.
    Du warst, bevor du geboren wurdest.

    Durch das Erlebnis des Satori ist dein Glaube dahin.
    Du glaubst nicht mehr, dass du unsterblich bist.
    Du glaubst nicht mehr, dass es Gott gibt.
    Du glaubst nicht mehr, dass du für immer frei bist.
    Du weißt es - weil du es erlebt hast.
    Der Glaube ist erloschen und unerschütterlicher Gewissheit gewichen.

    Die Welt ist gleich geblieben und doch ganz anders.
    Du bist nicht mehr der, der du warst.

    Nichts mehr, dem du hinterherlaufen müsstest.
    Ewige Ruhe mitten im Leben.
    Nur noch Sein.

    Du hast die Dunkelheit durchschritten.
    Du bist gestorben und hast für einen kurzen Moment Gott bei der Arbeit gesehen.

    Du wurdest zurückgeschickt und wiedergeboren.
    Nun weißt du, dass die Leere schon seit Anbeginn aller Zeiten da war.
    Sie wohnt allezeit in dir und du bist unsterblich.

    (Quelle)

    Alles anzeigen

    Daisetz T. Suzuki hat folgende Merkmale als wesentlich für die Satori-Erfahrung beschrieben:

    Zitat

    1. Irrationalität

    Damit meine ich, daß man zum Satori nicht durch Schlußfolgerungen gelangt und daß es sich aller intellektuellen Bestimmungen entzieht. Alle, die Satori erfahren haben, fanden sich außerstande, es logisch und schlüssig zu erklären. Sobald es erklärt wird, sei es in Worten oder Gesten, wird es mehr oder weniger stark entstellt. Wer es noch nicht erfahren hat, kann es nicht anhand von irgend etwas äußerlich Sichtbarem erfassen. Wer es erfahren hat, weiß das Echte vom Unechten zu unterscheiden.

    2. Intuitive Einsicht.

    Daß mystischer Erfahrung eine noetische Qualität eignet, hat William James in seinem Buch "Die Vielfalt religiöser Erfahrung" aufgezeigt, und es gilt auch für die Zen-Erfahrung, die "Satori" genannt wird. Ein anderer Ausdruck für Satori (wörtl.: "Erkennen") ist Kenshō (chin. chienhsing), "Wesensschau", und dieser Begriff scheint zu besagen, daß es im Satori ein Sehen oder Wahrnehmen gibt. Daß dieses "Sehen" jedoch von ganz anderer Art ist als das, was wir normalerweise unter "Erkennen" verstehen, muß nicht eigens hervorgehoben werden.

    3. Unabweisbarkeit

    Das im Satori verwirklichte Erkennen ist endgültig, durch keine logische Argumentation zu widerlegen. Es ist direkt und persönlich und von unabweisbarer Evidenz. Die Logik vermag hier nichts mehr zu erklären; sie kann nur versuchen, dieses Erkennen vor dem Hintergrund unserer Vernunfterkenntnis zu interpretieren. Satori ist also eine Form der Wahrnehmung, eine innere Wahrnehmung, die im innersten Bewußtsein stattfindet. Daher dieser Geschmack von Unabweisbarkeit und Endgültigkeit. Zen, so heißt es, ist wie Wassertrinken: Man weiß selbst, ob es warm oder kalt ist. Und wer die Erfahrung nicht selbst macht, kann über sie nicht urteilen.

    4. Bejahung.

    Was unabweisbar und endgültig ist, kann niemals negativ sein. Verneinung hat keinen Wert für unser Leben, führt uns nirgendwohin; sie ist keine Kraft, die vorwärtsdrängt, und sie bietet keinen Ruhepunkt. Obgleich der Satori-Erfahrung manchmal auf negative Weise Ausdruck gegeben wird, ist sie in ihrem Wesen eine bejahende Einstellung gegenüber allen existierenden Dingen; sie akzeptiert sie so, wie sie sich bieten, ganz unabhängig von ihrem moralischen Wert. Im Buddhismus nennt man dies kshānti, "Geduld" oder besser "Annehmen" - das Annehmen der Dinge in ihrem über-relativen oder transzendenten Sein, worin keinerlei Dualität besteht.

    5. Das Ganz-Andere.

    Die Terminologie mag in den verschiedenen Religionen unterschiedlich sein, doch in einer Erleuchtungserfahrung ist immer das, was wir - so wertfrei wie möglich - als "Empfinden des Ganz-Anderen" bezeichnen könnten. Die Erfahrung ist gewiß meine eigene, doch ich empfinde, daß sie in etwas anderem wurzelt. Die individuelle Schale, in die ich so fest verkapselt bin, zerbirst im Augenblick des Satori. Es muß nicht unbedingt so sein, daß ich mich mit einem höheren Wesen vereinige oder in ihm aufgehe; aber meine Individualität, die sich strikt gegen alle anderen Einzelexistenzen abgegrenzt hatte, lockert irgendwie ihr verkrampftes Festhalten an sich selbst und schmilzt in etwas Unbeschreibliches ein, das von ganz anderer Art ist als alles, was ich gewohnt bin. Dem folgt ein Gefühl von Erlösung, von vollkommener Ruhe - das Gefühl, man sei endlich am Ziel angekommen. "Heimkommen und still ruhen" lautet der Ausdruck, der im Zen dafür gebraucht wird.

    6. Unpersönlichkeit.

    Das Bemerkenswerteste an der Zen-Erfahrung ist vielleicht, daß sie keine persönliche Färbung aufweist, wie wir sie etwa bei der mystischen Erfahrung im Christentum antreffen. Im buddhistischen Satori deutet nichts auf solche persönlichen und häufig erotischen Gefühle hin, wie sie uns aus den folgenden Ausdrücken entgegenschlagen: Flamme der Liebe, Umarmung, Geliebter, Braut, Bräutigam, geistige Ehe, Gottvater, Gottes Sohn und so weiter. Man kann natürlich sagen, daß all diese Ausdrücke Interpretationen aufgrund eines bestimmten Denksystems sind und nichts mit der Erfahrung selbst zu tun haben. Jedenfalls aber ist Satori in Indien, China und Japan vollkommen unpersönlich geblieben, etwas, das eher dem Bereich des reinen Intellekts zugehört als dem der Person.

    7. Gefühl der Erhobenheit

    Kein Satori, das nicht von diesem Gefühl begleitet wäre, denn schließlich wird hier alles Beengende aufgesprengt, das uns durch den Glauben an unsere Individualität auferlegt war; und dieses Aufbrechen ist kein negatives Geschehen, sondern ein sehr positives, denn es bedeutet eine unendliche Weitung des Individuellen. Die nicht immer bewußte Unterströmung aller unserer Bewußtseinsfunktionen besteht in einem Gefühl von Beschränkung und Abhängigkeit, denn das Bewußtsein selbst ist das Produkt zweier Kräfte, die einander bedingen und beschränken. Satori besteht dem gegenüber wesenhaft darin, daß alle Gegensätze ausgeräumt werden, welcher Art sie auch sein mögen - und diese Gegensätzlichkeit, wie gesagt, ist das Prinzip des Bewußtseins, während Satori das Unbewußte realisiert, das über allen Gegensätzen steht.

    8. Augenblickscharakter

    Satori kommt jäh über uns und ist eine Augenblickserfahrung. Wenn es sich nicht plötzlich und in einem Augenblick ereignet, ist es nicht Satori. Diese Plötzlichkeit ist charakteristisch für Hui-nengs "südliche Schule" des Zen, während sein Gegenspieler, Shen-hsiu, auf der allmählichen Entfaltung des Zen-Bewußtseins beharrte. Die plötzliche Satori-Erfahrung eröffnet in einem Augenblick einen vollkommen neuen Ausblick, und das gesamte Dasein stellt sich unter einer ganz neuen Perspektive dar.

    (Quelle)

    Alles anzeigen

    Palikanon schön und gut, aber die alten Palmblätter stauben schon über 2000 Jahre vor sich hin. Eine wirkliche Lehre des Erwachens lebt. Die gelebte Lehre ist meiner Ansicht nach die Entwicklung des Dharma von Theravada (Mönch) zu Mahayana (Bodhisattva bzw. Wandermöch), zu Chan (Bodhi-dharma ["erwachte Lehre"]), zu Zen (Zen und die Kunst des Spülens oder Autowaschens).

    Die Lehre des Buddha manifestiert sich z.Z. als "das Zen des 21. Jahrhunderts" in den USA und schwappt mehr und mehr zu uns rüber. Der Kreis der Lehre schließt sich.

    Eines von vielen Beispielen der erblühenden Lehre des Buddha ist Genpo Merzel, siehe http://bigmind.org/teachings

    Buddha lebt!
    In uns und ich bin sicher, dass er sich freut, wenn er dort nach so vielen Jahren mal wieder erwachen darf.

    Einer der größten Hindernisse auf dem Weg zum Erwachen ist der Glaube "nur ein Buddha kann erwachen". Jeder von uns kann zu einem Buddha erwachen und das ist der einzige Grund, warum Buddha 40 Jahre lang Erwachen gepredigt hat. Buddhismus ist der Glaube daran, noch in diesem Leben erwachen zu können und es nicht weiter aufzuschieben. Die Zeit dazu ist "reif", nutze sie! Die Welt wird es uns danken und das gesamte Universum wird vor Freude in den hellsten Farben strahlen.

    _()_

  • Wieso an Wiedergeburt glauben ?

    • Joy
    • 25. November 2011 um 22:49
    crazy-dragon:

    bevor ich den Wissenschaftlern vertraue, halte ich mich lieber an den Dharma...


    Ich glaube nicht, dass Wissenschaft die Ursache von Leid nicht kennt. Sie wir es nur verschweigen, damit das etablierte ausbeuterische System nicht ins Wanken gerät. Aber Gott (entschuldige ... Buddha) sei Dank gibt es da noch eine Kraft jenseits des menschlichen Verstandes, die sich um solche Angelegenheiten kümmert.

    _()_

  • buddhas Motivation

    • Joy
    • 25. November 2011 um 22:29
    sumedhâ:

    danke dir für die antwort.... debattieren.... nö.... warum und wozu :O)


    Danke dir auch sumedhá!

    _()_

  • Wieso an Wiedergeburt glauben ?

    • Joy
    • 25. November 2011 um 22:27

    Aus meiner Sicht sind Karma und Reinkarnation auch gefährliche Konzepte. Alles Leid auf der Welt kann damit entschuldigt werden, dass die Leidenden dann eben in einem vorherigen Leben Schuld (schlechtes Karma) auf sich geladen haben, für die sie in diesem Leben büßen müssen. Reinkarnation als mentales Glaubenskonzept, um das Leid auf der Welt erklärbar und vor allem akzeptabel zu machen.

    Für mich ist es nach wie vor unerklärlich und auch mit religiösen Konzepten unentschuldbar, dass Menschen bei der Erlangung ihrer materialistischen Ziele Leid in Kauf nehmen. Solange das geschieht, sollte unaufhörlich danach geforscht werden, warum es geschieht. So wie Buddha es seinerzeit erforscht hat.

    Jeder Mensch, der leidet ist ein Mensch zu viel. Keine Entschuldigung mehr. Statt zum Mars zu fliegen sollten wir Menschen unermütlich die Ursachen für Leid erforschen und das nicht irgenwelchen Mönchen überlassen, die man in Klöster zum Meditieren abschiebt.

    _()_

  • buddhas Motivation

    • Joy
    • 25. November 2011 um 21:54

    Hallo sumedhâ,

    sumedhâ:

    ich verstehe nicht wie das gemeint ist....Laozi ist der Buddha der chinesen ... das selbige gilt für Christen-Buddha.....

    Zitat

    Buddha bezeichnet im Buddhismus einen Menschen, der Bodhi (wörtlich „Erwachen“) erfahren hat.

    http://de.wikipedia.org/wiki/Buddha

    Da ich keiner Lehrmeinung gegenüber verpflichtet und sowas wie ein "freier Buddhist mit christlichem Unterbau" bin, nehme ich es mir heraus, auch Laozi oder Jesus einen Buddha zu nennen. Ich kenne noch viel mehr. Aber das ist konträr zu den etablierten buddhistischen Lehren, die sich dem Buddha Shakyamuni verpflichtet haben und da will ich jetzt gar nicht drüber debattieren. Das buche ich mal unter Glaubens- und Meinungsfreiheit. :)

    _()_

  • Lamas und Lehrer, weiblich

    • Joy
    • 25. November 2011 um 08:00

    Ayya Khema

    Ayya Khema (eigentlich Ilse Kussel, * 25. August 1923 in Berlin; † 2. November 1997 in Uttenbühl im Allgäu) war eine buddhistische Nonne (Bhikkhuni) in der Theravada-Tradition.

    _()_

  • buddhas Motivation

    • Joy
    • 25. November 2011 um 07:47

    Hallo Marc,

    deine Fragen haben mich tief berührt und ich habe nur ein Wort als Antwort auf deine Fragen:

    Mitgefühl (Karuna)


    Zitat

    Pflichtbewusstsein ohne Mitgefühl macht verdrießlich
    Verantwortung ohne Mitgefühl macht rücksichtslos
    Gerechtigkeit ohne Mitgefühl macht hart
    Wahrhaftigkeit ohne Mitgefühl macht kritiksüchtig
    Klugheit ohne Mitgefühl macht betrügerisch
    Freundlichkeit ohne Mitgefühl macht heuchlerisch
    Ordnung ohne Mitgefühl macht kleinlich
    Sachkenntnis ohne Mitgefühl macht rechthaberisch
    Macht ohne Mitgefühl macht grausam
    Ehre ohne Mitgefühl macht hochmütig
    Besitz ohne Mitgefühl macht geizig
    Glaube ohne Mitgefühl macht fanatisch

    (Laozi, China-Buddha, 6. Jh. vor dem Christen-Buddha)

    Alles anzeigen


    _()_

  • Wieso an Wiedergeburt glauben ?

    • Joy
    • 24. November 2011 um 17:39

    Ich glaube nicht an die persönliche Wiedergeburt, sondern dass damit etwas ganz anderes gemeint ist.

    Der indische Heilige Ramana Maharshi sagte dazu:

    Zitat

    "Solange die Identifizierung mit dem Körper andauert, wird immer ein Körper vorhanden sein, entweder dieser oder ein anderer, bis die Körpervorstellung sich in ihrer Quelle, dem Selbst, dem absoluten Bewußtsein, auflöst."

    Was stirbt ist die Vorstellung "ich bin dieser Körper". Diese stirbt zwangsläufig mit dem Körper oder unkörperlich direkt ins absolute Bewusstsein (Hishiryō) "hinein", während der Körper dann als "Buddha" weiterlebt. Weder gibt es ein Paradies noch eine "Zwischenwelt", in der Tote leben noch gibt es Geburt und Tod wirklich. Alles was ist, ist ein Realisierungsprozess des absoluten Bewusstseins in sich selbst. Der Schöpfer erschafft die Schöpfung, ergießt sich darin selbst und erwacht darin zu sich selbst, wenn dieses Erwachen geschieht. Es fällt in sich selbst zurück, wenn es nicht geschieht. Dieses Bewusstsein ist alles was ist und das ist entweder bewusst verkörpert, unbewusst verkörpert oder es ruht in sich selbst.

    Ich schließe mich dem Buddha an und plädiere dafür, nichts zu glauben, sondern das in Dankbarkeit und Demut zu leben, was jetzt-hier ist. Hinsetzen und Staunen. Denn es ist eigentlich ein Wunder, dass überhaupt etwas ist.

    Dieses "innere Staunen" habe ich vom vietnamesichen Zen-Meister Thich Nhat Hanh gelernt, der in einer Interpretation des Diamant-Sutras (Schrift aus dem Mahayana) sagt:

    Zitat

    "Betrachten wir A ganz sorgfältig und genau und erkennen wir, dass A nicht A ist, dann sehen wir A in seiner höchsten Blüte"

    (Das Diamant-Sutra, S. 59)

    "A" ist hier aus meiner Einsicht das individuelle (mit dem Körper identifizierte) Menschsein, was in der Erkenntnis der Natürlichkeit des Einsseins aller Wesen (einschließlich des Selbst) als "Nicht-A" erkannt wird, was A aber nicht negiert, sondern zum "erblühen" bringt. Ein neuer Buddha ist geboren, eine neue Verkörperung des Lebens selbst, was ganz ohne die Krücke des relativen Ich-Bewusstseins lebt. Das heißt, die Person wird nicht negiert, sondern transzendiert. Das menschliche (Ich-fokusierte) Bewusstsein geht über sich selbst hinaus ins Buddha-Bewusstsein über. Gelingt das nicht, gibt es unzählige neue Gelegenheiten, dass Buddhas geboren werden. In jedem Körper und das sind mittlerweile 7 Milliarden. Und der, der es geschafft hat ist immer der Buddha selbst, weil er sich in seinem Buddha-Sein nicht mehr von einem Nicht-Buddhasein unterscheidet, was es nicht wirklich (mehr) gibt.

    Zitat

    "Können wir bei der Betrachtung einer Rose die Nicht-Rose-Elemente sehen, dann ist es für uns ungefährlich, das Wort Rose zu benutzen."

    (Thich Nhat Hanh, Das Diamant-Sutra, S. 59)

    Meine Meinung: Menschen können Menschen bleiben, wenn sie Buddhas werden.

    Zitat

    "Offene Weite - nichts von heilig."

    (Bodhidharma)

    Wer an Wiedergeburt glaubt, der sollte vielleicht mal nachschauen, wer das ist, der wiedergeboren werden soll. Es könnte ein Buddha sein.

    _()_

  • "Wenn du Buddha triffst, töte ihn."

    • Joy
    • 24. November 2011 um 14:25
    Zitat

    "Ein Buddha ist ein Mensch, der Nirodha Samāpatti (Erlöschungszustand) verwirklicht hat."

    (Dogen, 1200-1253, jap. Zen-Buddhist und Lehrer)

    "Wenn du Buddha triffst, töte ihn."
    Was erloschen ist, kann nicht getötet werden.

    Bezüglich des Unterschiedes zwischen dem in den Erlöschungszustand Eingetretenen und einem Toten heißt es in M. 44:

    Zitat

    Wer tot ist, o Bruder, seine Lebenszeit beendet hat, in dem sind die körperlichen (Ein- und Ausatmung) sprachlichen (Gedankenfassung und Diskursives Denken) und geistigen Funktionen (siehe sankhāra, 2) erloschen und gestillt, das Leben versiegt, die Lebenswärme erloschen, die Fähigkeiten zerstört. Auch bei dem Mönche, der in die Erlöschung von Wahrnehmung und Gefühl eingetreten ist, sind die körperlichen, sprachlichen und geistigen Funktionen erloschen und gestillt; aber sein Leben ist nicht geschwunden, die Lebenswärme (usmā) nicht erloschen, die Fähigkeiten (Sinnenorgane etc.) nicht zerstört.

    http://www.palikanon.com/wtb/nirodha_sam.html

    Mit meinen bescheidenen Worten:

    Ein Buddha ist "ein Toter, der nicht tot ist".
    Leben ohne Lebenden.
    Das Leben selbst, was in seinem Selbstgewahrsein ruht.
    Leben pur.

    _()_

  • "Wenn du Buddha triffst, töte ihn."

    • Joy
    • 23. November 2011 um 23:15
    Benkei:

    Ich deute den Ausspruch als Aufforderung, jedes Bild oder Konzept, jede Vorstellung oder Wertung, die wir von Buddha haben - sei es in Gestalt von Person(en), Ideal oder Zustand, über Bord zu werfen - abzutöten - und ES stattdessen selbst zu ergründen und zu erfahren.


    Diese Deutung gefällt mir.

    Ich kenne noch einen ähnlichen Spruch: "Es gibt nur einen Buddha, der erwachen kann und das bist du".

    Das bezieht sich auch auf das "selbst" in deiner Deutung.

    _()_

  • "Form ist Leere, und Leere ist Form" = viññāṇa ?

    • Joy
    • 23. November 2011 um 23:11
    Onda:

    ich würde für die erwachte Sicht auf die Welt nicht den Begriff "Bewusstsein" (vinnana) verwenden.


    Hast recht, vinnana ist entsprechend der Theravada-Lehre etwas anderes.

    Bin ich froh, dass ich kein Lehrer bin, denn dann wäre ich jetzt ganz schön blamiert. :)

    _()_

  • "Wenn du Buddha triffst, töte ihn."

    • Joy
    • 23. November 2011 um 12:40
    Onda:

    "Wenn du Buddha triffst, töte ihn."

    Wie deutet ihr das?


    Das ist ein Ausschnitt aus einem Mondo. Ein Mondo ist ein Zwiegespräch zwischen Zen-Meister und -Schüler. Diese "Pointen" der Mondos lösten damals beim Schüler sowas aus wie die Pointe in einem guten Witz, aber es ging viel tiefer.

    Sowas zu deuten ist sowas, wie jemanden einen Witz zu erklären, wo der Lacher ausgeblieben ist, weil er es nicht "geschnallt" hat. Der Lacher wird nie so sein, wie er beim spontanen Wirken der Pointe gewesen wäre. Es ist dann mehr ein "ach soooooo *lach*". Kein echtes Lachen, eher ein gekünsteltes.

    In der heutigen Informationsgesellschaft wird dermaßen inflationär mit den alten Zen-Sprüchen umgegangen, dass unser Geist eher gelangweilt reagiert. "Der Witz ist doch alt".

    Nein, ich erkläre dir den Witz jetzt nicht. :)

    _()_

  • Akzeptanz

    • Joy
    • 22. November 2011 um 19:37

    Hallo Latino und willkommen hier,

    Ich hatte das gleiche Problem. Eine Lösung habe ich nicht gefunden. Ich habe irgendwann gekündigt.

    :lol:

    Ich kriege das nicht mehr hin, diese anstrengende Wühlerei im Samsara und habe mich ausmustern lassen. Bin froh, dass ich wenigstens in der Familie noch einigermaßen funktioniere. Aber ich habe eine sehr liebe Frau, liebe Kinder und my home is my monastery.

    Vielleicht kommt die Kraft ja mal zurück, mit der ich mich früher dort durchgekämpft habe. Aber im Moment genieße ich noch die Auszeit bzw. den Rückzug. Das hat zwar finanziell heftige Konsequenzen, aber es gibt etwas, was mir wichtiger ist als das. Außerdem ist Finanzkrise ja gerade voll das Thema. ;)

    _()_

  • Hishiryō... was dann ?

    • Joy
    • 22. November 2011 um 19:31
    Bakram:

    Aus buddhisitscher(Mahayana) Sicht muss ich Dir aber raten auf dem Boden zu bleiben um nicht vor lauter Freude in den Deva Realm zu gleiten.


    Da kümmert das Leben sich schon drum. Ist hier schon oft geschehen. Man lernt eben am besten, wenn man die Lehre durchlebt. Ich bin wohl ein Schmerzlerner. :?

    Aber ich arbeite dran und bin wirklich offen für solche Tips.

    Danke dir.

    _()_

  • Hishiryō... was dann ?

    • Joy
    • 22. November 2011 um 17:53

    Hallo Bakram,

    ich mag Back-Kram :lol:

    Bakram:

    Willkommen im Club Joy !


    Danke.

    Zitat

    Du sprichst mir mit deinen Posts aus dem 'Herzen' ;)


    Das freut mich. ;)

    Zitat

    nur kann man damit leider nicht viel anfangen. :)


    Gott sei Dank. Gesegnet seien die, die die Leichtigkeit darin erkennen. :)

    Zitat

    Bei mir geht die 'Suche' deshalb weiter ( z.B. wie man teilen kann) ..... und wahrscheinlich auch bei Dir (sonst wärst Du nicht hier gelandet :D )


    Ich entdecke immer mehr, dass der Sinn des Lebens das Leben selbst ist. Und so macht es mir zunehmend Spaß, all die Aspekte des Lebens zu genießen, auch die virtuelle Kommunikation hier im Indernet ähhhh Internet.


    _()_

  • "Form ist Leere, und Leere ist Form" = viññāṇa ?

    • Joy
    • 22. November 2011 um 17:43
    accinca:

    ich dachte eher an jemand er das auch weiß und nicht nur rumträumt


    Tut mir leid, dich zu enttäuschen.

    Ich bin nur ein Träumer. Realität hat mich eigentlich noch nie richtig interessiert.

  • Wege zum Buddhismus

    • Joy
    • 22. November 2011 um 17:42
    monikamarie:

    Mitgefühl ist eines der Gründe, um hier zu lesen und zu schreiben :)


    Eitelkeit ist ein vergängliches Vergnügen, Mitgefühl bleibt. :)

  • Erschöpfung des Karma

    • Joy
    • 22. November 2011 um 15:51
    monikamarie:

    Der Buddha hatte durchaus noch unter den Folgen von Ursache und Wirkung aus früheren Zeiten zu leiden (Rückenschmerzen ...), aber diese waren erledigt, als es keinen Rücken mehr gab. :D


    Selbst Buddha hatte Rücken und mir ist auch schon ganz schlecht.

    :lol:

    _()_

  • Wege zum Buddhismus

    • Joy
    • 22. November 2011 um 15:35

    Persönliche Ziele hatte ich eigentlich nicht. Etwas in mir sagte, dass etwas fehlt. Ich fühlte mich nicht "komplett". Das war nie so richtig greifbar, was das wirklich ist.

    Ich dachte immer Geld, Sicherheit, Liebe, Familie, solche Äußeren Dinge, da liegt die Erfüllung meiner inneren Sehnsüchte. Aber in all dem habe ich das nicht gefunden, was diese innere Sehnsucht in mir befriedigen konnte. So habe ich dann irgendwann zu den buddhistischen Lehren gefunden und meine Suche nach innen ausgerichtet.

    Irgendwann vor ein paar Jahren hat dann das, was ich gesucht habe mich gefunden bzw. irgendwie sind wir uns auf halben Wege entgegengekommen. :lol:

    Seit dem ist hier "Sucherfrieden" eingekehrt, ich such nicht mehr und ich habe nicht mehr das Gefühl, dass etwas fehlt. Mir tun nur die vielen Menschen leid, die ihr Glück immer noch im Außen suchen. Ich wünschte mir, mehr Menschen würden sich nach innen wenden und dem Weg des Buddha folgen. Darum bin ich hier in diesem Forum gelandet. Ich glaube, dass dieser Wunsch (Karuna) hier ziemlich präsent ist.

    _()_

  • "Form ist Leere, und Leere ist Form" = viññāṇa ?

    • Joy
    • 22. November 2011 um 15:22
    accinca:

    wer hat das sog. "Herz-Sutra" wann erfunden?


    Das war wahrscheinlich ein Mensch, der dem Buddha in seiner Lehre gefolgt ist, irgendwann Erwachen erfahren hat und dann aus dem "Buddha-Bewusstsein" (viññāṇa, hishiryō, nonduales Bewusstsein, ...) heraus den Buddha nochmal sprechen lassen hat. Es gibt ja (eigentlich) nur einen Buddha.

    Freut mich, dass mein Text so inspirierend ist.

    Dank an wushen
    _()_

  • Hishiryō... was dann ?

    • Joy
    • 22. November 2011 um 15:14
    Bakram:

    Hishiryō... was dann ??

    Vor der Erleuchtung: Holz hacken, Wasser tragen.
    Nach der Erleuchtung: Holz hacken, Wasser tragen
    .

    Das einzige, was sich ändert ist das Bewusstsein, in dem es geschieht und wahrgenommen wird.

    Noch nie hat Holz hacken so viel Spaß gemacht.

    :lol:


    Der alte Weiher:
    Ein Frosch springt hinein.
    Oh! Das Geräusch des Wassers.

    (Haiku von Basho)

    Das "Oh!", das ist der einzige Unterschied.

  • "Form ist Leere, und Leere ist Form" = viññāṇa ?

    • Joy
    • 21. November 2011 um 14:29
    mirco:

    Was ist Bewußtsein (viññāṇa) ?

    bitte leicht verständlich, ohne "meditiere, dann siehst du es schon".


    Ich mag es auch nicht mehr kompliziert. :D

    Bewusstsein ist das, was im Moment der Erkentnis der Leere der Form auf sich selbst schaut (siehe Herz-Sutra). Die Form wird dabei als das erkannt, was innerhalb von Bewusstsein erscheint, ohne selbst nicht das zu sein, was Bewusstswein selbst ist. Dieser Moment ist ein "meditativer", weil "transzendenter" Moment. Die Erkenntnis geschieht auf einer nichtrationalen Ebene.

    Transzendent bedeutet, dass das, was vor Zeit und Raum bzw. "vor dem Urknall" des rationalen Bewusstsein ist, nie woanders war und immer dort sein wird, weil es das ist, was Sein selbst ist.

    Diese stillste Stille aller Stillen schafft sich manchmal Gehört. Wie das geschieht, ist ein Mysterium. Das liegt u.a. daran, dass das, vor VOR dem Urknall ist nicht wirklich nicht das ist, was im Urknall selbst erscheint und sich manifestiert.

    Es ist immer Bewusstsein, was auf sich selbst schaut, selbst wenn eine Form auf eine Form schaut, was aber erst dann bewusst geschieht, wenn Form in dieser "formhaften" Schau die Leere der Form erkennt. Eine kurze Schau der Leere (Shunyata) bereichert in diesem Sinn die Manifestation, weil die Leere nicht wirkliche Leere ist, sondern eine der Erscheinungs"formen" von Bewusstsein.

    So wird "Bewusstsein" hier zur Zeit gesehen bei mir.

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    Joy

Ausgabe №. 136: „Liebe & Loslassen"

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