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  2. Michael Haardt

Beiträge von Michael Haardt

  • Welche Rolle spielt Glaube(n) im Buddhismus?

    • Michael Haardt
    • 21. Oktober 2025 um 22:31
    Kianga:
    Michael Haardt:

    Man muss glauben, dass er erwacht war, und dass er den Weg dahin beschreibt. Und die Sache mit der Wiedergeburt.


    Muss man? Im Grunde nicht. Es ändert sich nämlich ansonsten nichts, wenn man es nicht glaubt. Fast alles sonst beschäftigt sich mit dem Leben, nicht mit seinem Erwachen, nicht mit der Wiedergeburt. Man ist dann halt nur kein Buddhist mehr, wenn man das nicht glaubt

    Machst du das Buddhist-sein an einem Palikanonglauben fest? Der Zen Buddhismus ist ja ziemlich anders als der theravadische Buddhismus. Wer ist denn dann für dich der "richtige" Buddhist?

    Ich denke alle Schulen sind sich in den vier Wahrheiten einig, die vom achtfachen Pfad auch referenziert werden, und umgekehrt. Und dazu gehört unverrückbar, dass Buddha erwachte und dass seine Lehre der Weg dahin ist. Ich las auch noch nicht, dass eine Schule seine Aussagen zur Wiedergeburt bezweifelt.


    Dieser Glaube gehört also in jeder Schule zum Buddhismus. Ich hielte es für unpassend, sich diese Grundlagen zu verbiegen und das noch buddhistisch zu nennen, also mache ich das nicht. Andere sehen das vielleicht anders.


    Das Erstaunliche ist, dass es an Buddhas Lehre eigentlich kaum etwas ändert. Es ändert etwas daran, wie man ihn sieht, und es ändert die dritte und vierte Wahrheit, indem man das Leiden nicht mehr überwindet, sondern verringert. Es bleibt ein guter Weg. Irgendwann stirbt man. Das bedeutet für mich, die Welt so zu sehen, wie sie ist.


    Was natürlich wie alles konstruierte mentale Modelle sind. Wir kennen die Wahrheit nicht. Buddha nennt mentale Modelle eine Illusion, was strikt gesehen stimmt, aber ich finde die Bezeichnung zu stark. Gute Modelle basieren auf nicht-widerlegten Beobachtungen und widerspruchsfreien Schlussfolgerungen, weil das brauchbare Vorhersagen ergibt. Das nennen wir Wissen und diese Vorgehensweise Wissenschaft. Wenn wir etwas einen Namen geben und so tun, als ob so ein Modell dahinterstünde, ist das Glauben. Tatsächlich glaubt jeder Einzelne viel mehr, als er weiß. Ist oft nicht zu vermeiden - womit wir wieder bei Annas Frage sind. :)

  • Welche Rolle spielt Glaube(n) im Buddhismus?

    • Michael Haardt
    • 21. Oktober 2025 um 18:25

    Als ich begann, mich mit Buddha zu beschäftigen, war ich erstaunt, dass es nichts zu glauben gibt. Gibt es aber doch, wie Du korrekt feststellst: Man muss glauben, dass er erwacht war, und dass er den Weg dahin beschreibt. Und die Sache mit der Wiedergeburt.


    Muss man? Im Grunde nicht. Es ändert sich nämlich ansonsten nichts, wenn man es nicht glaubt. Fast alles sonst beschäftigt sich mit dem Leben, nicht mit seinem Erwachen, nicht mit der Wiedergeburt. Man ist dann halt nur kein Buddhist mehr, wenn man das nicht glaubt. :)


    Ich weiß nicht, ob Buddha erwacht war. Ich bin zu spät dran, ihn zu fragen. Ich weiß, dass er bewundernswert klug war. So sehr, dass der Grat mächtig dünn wird, es zu bezweifeln. Darum sage ich, kann schon sein. Ich weiß es halt nicht mit Sicherheit. Ich beschäftige mich mit seiner Lehre, weil er viele hilfreiche Einsichten zum Leben vermittelt, nicht wegen dem, was er von sich sagt.


    Führt sein Weg zum Erwachen? Vielleicht. Es ist mir ehrlich gesagt egal, weil der Weg nachprüfbar gut ist. Rein statistisch betrachtet werde ich sehr sicher nicht erwachen. Eher gewinne ich ein paar Mal im Lotto. Das mindert nichts.


    Ob es Wiedergeburt gibt, ist mir auch egal. So, wie die Welt aussieht, verschwindet die Persönlichkeit, auch wenn Buddha sagte, dass er sich an seine Leben erinnerte, was bedeutet, dass die mentalen Modelle der Persönlichkeiten offenbar nicht verschwanden. Er kam nur bis zum Erwachen nicht mehr dran. Wenn man hier versucht, etwas zu begründen, unterstellt man ein lineares Zeitmodell. Eben das kann man wissenschaftlich durchaus in Frage stellen. Das ist sehr interessant, aber für mein Leben bisher nicht relevant, weil ich bisher an einen linearen Zeitverlauf gebunden bin.


    Bleibt die Sache mit dem Karma. Jede Handlung verändert die Welt, keine Frage. Die Wirkung meiner Handlungen wird mich überdauern. Glaube ich, dass gutes Handeln mir in der Zukunft tendenziell hilft? Ja, das kann ich oft beobachten. Das Gegenteil ebenso. Es ist statistisch, weil alle anderen Menschen die Welt auch verändern.


    Ganz offensichtlich kann ich mich damit insgesamt nicht als Buddhisten bezeichnen. Zum Glück ist das hier das Buddhaland, nicht das Buddhistenland. :)

  • was ist die vorherrschende Meinung zum Thema Wiedergeburt.

    • Michael Haardt
    • 5. Oktober 2025 um 00:00

    Vielleicht kannst du uns da etwas erhellen. Ich sehe bisher einerseits die Aussage, dass Buddha sich nach dem Erwachen an seine vorigen Leben erinnerte, was bedeutet, dass etwas Seelenartiges den körperlichen Tod überstand, ganz so, wie Wiedergeburt in anderen Kulturen gesehen wird.

    Andererseits die Darstellung, dass die Lebensenergie und Karma an sich bestehen bleibt, aber die Person stirbt, und ihre Gedanken sowieso immer nur aus Beobachtungen konstruiert waren, was begründet, dass die sich aus der Selbstwahrnehmung ergebende Identität im Grunde nicht existiert. Wie kann eben das dann erhalten bleiben?

  • Die Gelassenheit und die Ignoranz des Buddhismus

    • Michael Haardt
    • 31. August 2025 um 20:42

    Tim1 Keiner hat bestritten, dass Buddhismus und Alltag verbunden sind und dich als Andersdenkenden bezeichnet oder unsichtbar gemacht.

    Im 4-Seiten-Modell lieferst du fast keine Sachebene, aber eine gekränkte Selbstaussage, in der Beziehungsaussage stellst du dich als ehrliches Opfer und die Moderation als das Gegenteil hin, die ihre Ruhe will. Es gibt keinen Appell. Man kann das vielleicht auch anders einteilen, aber so sehe ich das.

    Die Ignoranz und Gelassenheit im Buddhismus: Man spricht darüber. Man rennt nicht los, die Welt "ausgleichend besser zu machen", indem man jemandem verbal mal so richtig eins verpasst. Das sehen vielleicht nicht alle Umstehenden so. Die könnten der Meinung sein, dass hier durchaus mal wer eingenordet werden könnte. Man kann sich ja nicht alles bieten lassen, richtig? Boah, diese Buddhisten! Wie ignorant gelassen kann man noch sein? Darum geht es in diesem Thread. :)

    Buddha rät, die eigene Reaktion zu verstehen. Ist man über das gekränkt, was passiert ist, oder über das, wie es empfunden wurde? Angesichts der Tatsache, dass der Zuhörer sein eigenes mentales Modell erstellt, ist die Chance ganz gut, dass er nicht das denkt, was der Sprecher dachte. Es spielt keine Rolle, was das Publikum dazu sagt.

  • Die Gelassenheit und die Ignoranz des Buddhismus

    • Michael Haardt
    • 31. August 2025 um 14:22

    Ich vermute, dass mit Anfängern Leute gemeint sind, die sich erst mit Buddha beschäftigen wollen. Dafür ist ein Thema, wo man sich differenziert fragt, was Buddhismus nicht ist und wo man Unterschiede zwischen Lehre und Kirche sieht, vielleicht nicht ideal.

    Sicher kann man über die Struktur des Forums und die Aufteilung verschieden denken. Begegnungen, Chroniken? Das ergibt bei mir auch Fragezeichen. Die Moderation muss selbst wissen, ob sie sich mit der Struktur einen Gefallen tut. Aber man kann hier ebenso wie im vorigen Bereich schreiben, also von mir aus.

    Die Frage des Threads ist interessant und die Antwort gar nicht einfach. Wie man sieht. :)

  • Die Gelassenheit und die Ignoranz des Buddhismus

    • Michael Haardt
    • 29. August 2025 um 20:09

    Da widerspreche ich. Dukkha betrifft nur die Psyche von Menschen, also unsere Gedanken. Nicht den Rest der Welt. Es gibt die Hypothese, dass das Gehirn nicht komplex genug ist, sich selbst zu verstehen. Ebenso, dass unsere Gedanken nicht komplex genug sind, unser Denken zu verstehen. Buddha sagte letztlich, dass er letztere Hypothese widerlegt hat, und wie man das macht.

    Die Gretchenfrage aus den Konstruktivismus ist nun: Gibt es denn mehr als unsere Gedanken? Hier wird es ein bisschen Science Fiction, aber man kann sich mit der Frage durchaus beschäftigen und sie ist nicht so absurd, wie es sich vielleicht anhört. Donald Hoffman ist damit bekannt geworden. Youtube: "is reality real" Es ist interessant, mehr aber auch nicht. Die Physik befasst sich teilweise auch damit.

    In dem Kontext klingt Buddhas Feststellung, dass unsere Identität eine Illusion sei, inkl. der Erklärung, was das bedeutet, auf einmal ganz anders.

    Aber: Bis die Physiker die Weltformel gefunden haben oder wir alle erwacht sind, und ich rechne während meines Lebens mit keins von beidem, liefern Buddha bzw. die Psychologie einen guten Weg, mit einer Identität, die nicht ist, was sie zu sein scheint, in einer Welt, die vielleicht nicht ist, was sie zu sein scheint, klarzukommen. :)

    Der Thread begann damit, warum man vielem Leid einfach zuschaut. Warum Buddha wenigstens einmal bei einem Krieg wegschaute. Warum er nicht gegen ein Staatswesen revoltierte, was Kriege führt. Er hat keinen Weg gefunden, das Leid aller Menschen zu beenden, sie alle zwangsweise zu erwecken. Das ist der Grund, warum es Leid gibt, und er hielt das für so unumstößlich, dass er es axiomatisch als erste Wahrheit bezeichnete. Er hat nur einen Weg für die gefunden, die ihn gehen wollen, und war pessimistisch, wie viele das Ende erreichen.

    Ich bin beeindruckt, wie klug da jemand vor 2500 Jahren war. Der Weg selbst hat schon viel zu bieten.

  • Die Gelassenheit und die Ignoranz des Buddhismus

    • Michael Haardt
    • 29. August 2025 um 13:52

    Das ist richtig, aber sogar bei Wissen verhält es sich so. Es könnte wahr sein. Wir können uns da aber nie sicher sein.

    Einst waren Elektronen kleine Bällchen. Wie Planeten. Dann kamen Energieniveaus und Quantenphysik. Es sind nur noch Wahrscheinlichkeitsfelder mit quantisierter Wechselwirkung. Wirklich? Vermutlich nicht.

    Es gab nur zwei Geschlechter beim Menschen. Binär. Aber dann kam die Genetik, die tiefer als Chromosomen und Geschlechtsmerkmale schaute, und auf einmal war Intersex keine obskure Anomalie mehr, sondern nur eine offensichtliche Ausprägung eines insgesamt komplexeren Modells. Hat man das nun fertig verstanden? Eher nicht.

    Aber der jeweils letzte Stand ist dennoch hilfreich, um sich in der Welt zurechtzufinden, obwohl wir wissen, dass es vermutlich nicht die Wahrheit ist.

    Das Prinzip zu prüfen, nicht zu glauben, ist der Kern jeder Wissenschaft. Man muss nicht hoffen, indische Überlieferungen einer längst vergangenen Zeit in allen Details zu verstehen. Es kann sehr lehrreich sein, aber wenn irgendwas einfach keinen Sinn ergibt, ist es nicht verloren, sondern kann neu erdacht werden. Tradition ist die Weitergabe des Feuers, nicht das Bewahren der Asche.

  • Die Gelassenheit und die Ignoranz des Buddhismus

    • Michael Haardt
    • 29. August 2025 um 09:44

    Glauben ist keine Anmaßung von Wissen. Wenn wir glauben, dann geben wir einem Konzept einen Namen, so als ob wir ein mentales Modell davon hätten. Damit können wir es im Denken verwenden. Das klingt jetzt nach einer schlechten Idee, aber faktisch glauben wir enorm viel. Anders geht es nicht.

    Wissen wird durch mentale Modelle abgebildet. Die müssen nicht richtig sein, aber sollten Beobachtungen nicht widersprechen, damit wir ihren Vorhersagen vertrauen können. Das ist der Grund, warum wir abweichende Beobachtungen etwas angleichen: Das mentale Modell bleibt dann weiter nutzbar und wir bleiben handlungsfähig.

    Die Welt so sehen, wie sie ist: Das ist uns streng genommen nicht möglich. Wir bauen aus allen Wahrnehmungen mentale Modelle. Aber eben diese Einsicht hilft sehr, durch Selbstreflexion bessere Modelle zu bekommen. Dafür empfiehlt Buddha Meditation. Die Welt findet nur in unseren Gedanken statt: Das ist Konstruktivismus pur.

    In dem Kontext muss man sehen, dass Buddha aufruft, alles zu prüfen. Wir sollen nicht glauben, sondern wissen. Das ist natürlich immer besser, denn man kann leicht etwas falsch glauben, aber viel schwerer etwas Falsches wissen. Gute Theorien halten dem Experiment stand und das Experiment schafft Vertrauen, dass sie gut sind. Wir sollen Buddha nicht glauben und vertrauen, sondern wir sollen Wissen erlangen, dem wir vertrauen.

    Psychologie und Buddhismus sagen oft das Gleiche.

  • Die Gelassenheit und die Ignoranz des Buddhismus

    • Michael Haardt
    • 25. August 2025 um 20:12

    Es gibt Leid. Man kann sehr viel zu Deutschland sagen, vorschlagen, jammern, klagen, besorgt sein oder sonst was tun. Aber dieser eine Satz fasst all das zusammen. Und da Buddha das schon feststellte, scheint sich in der Welt seitdem nicht umwerfend viel verbessert zu haben.

    Laufen die Dinge in Bhutan besser? Überraschung. Buddhisten sind keine besseren Menschen als Andere:

    https://www.fluchtgrund.de/2017/06/bhutan-ethnische-saeuberung-im-land-des-gluecks/

    Buddha hat einen Weg für Einzelne gefunden, die fast nie klappt. Er verringert nicht das Leid in der Welt. Global gesehen könnte man nun sagen, wow, das ist alles? Das ist nicht viel. Ist das nicht egoistisch? Ganz schön ignorant.

    Oder man sieht es vom Standpunkt eines Einzelnen aus. Im Christentum wird versprochen, am Ende eines leidensvollen Lebens bei Beachtung aller Regeln belohnt zu werden. Ob's so kommt? Maximales Risiko, das muss man schon glauben. Buddha liefert ein Vorgehensmodell, ein besseres Leben zu bekommen. Hier und jetzt, überprüfbar. Besser. Nicht superhimmlischständigglücklich. Im Buddhismus wird Freundschaft hoch angesehen und Freunde haben manchmal etwas davon. Der Rest der Welt nicht. Angenommen, Du erwachst, dann könnten Freunde sogar darunter leiden, dass du dich von ihnen entfernt hast. Das ist die Messlatte.

    Gut, machen wir es besser. Knien wir uns rein! Globaler Anspruch, keine egoistische Ignoranz! Und siehe da, kaum wirft man alle Regeln über Bord, wird es schlechter.

    Das ist die Situation. Man kann das verschieden sehen, aber wenn man daran verzweifelt, tut man sich Leid an und davon wird nichts besser.

    Zurück zu Deutschland. Wenn man für sich feststellt, dass man nirgendwo sonst leben könnte, es überall schlechter ist, man ausschließlich hier die nötige Medizin bekommt und überhaupt - dann ist man am allerbesten Ort der Welt. Dieser allerbeste Ort ist auf dem Weg, das Opfer seiner Ideologie zu werden. Viele Menschen wollen davon nichts wissen. Sie sind auch nicht nett. [hier weitere berechtigte Klagen einfügen] Da waren wir am Anfang schon. Es gibt Leid.

    Entweder macht man den Zyklus mit, wieder oben anzufangen. Oder man entscheidet sich für das bessere Leben. Natürlich hält man die Augen offen. Buddha rät deutlich dazu. Hier und da klingen die Dinge schon irgendwie vielversprechend, und wenn man genau hinschaut, sieht man die Äquivalenzen zu Buddha.

    Michael

  • Ich bin aus der Deutschen Buddhistischen Union ausgetreten

    • Michael Haardt
    • 17. August 2025 um 20:16

    Ich mache einen Unterschied zwischen Religion und Kirche. Die Bibel sagt nichts von Kreuzzügen und der Vergewaltigung von Kindern und Buddha sagt nichts davon, dass Kloster Unsummen an Geld einsammeln oder Menschen Vereine gründen sollen, um in seinem Namen was auch immer zu tun.

    Irgendwo las ich, dass der Skandal in Thailand den Glauben erschüttert. Ich hoffe nicht, denn ich sehe keinen Grund dazu.

  • Die Wahrheit ist ein pfadloses Land

    • Michael Haardt
    • 25. Juni 2025 um 23:26
    Anna Panna-Sati:

    Die Wahrheit erweist sich für manche Menschen aus verschiedenen Gründen unter Umständen als schwer- bis unerträglich, dann schützt sich die Psyche ggf. davor und kreiert "barmherzige Lügen" als Überlebensstrategie.

    ("Kognitive Verzerrungen" gibt es sicherlich nicht nur in Bezug auf Wahrnehmungen in der Umwelt - sie sind auch bei der Bewertung einer "Innenschau" und spiritueller Erlebnisse denkbar.)

    Das ist definitiv so. Wir mögen widerspruchsfreie mentale Modelle, weil nur die vertrauenswürdige Vorhersagen erlauben. Kognitive Verzerrungen entstehen, weil neue Beobachtungen oder Gedanken hinzugefügt werden, die, obwohl oder weil bereits vereinfacht, unverändert Widersprüche ergeben würden. In kleinem Ausmaß kein Problem und sogar hilfreich, aber wenn das Feedback des Modells auf die Integration von Neuem so stark wird, dass das Modell konvergiert, ist das eine ernste Störung.

    Es ist kein Schutzmechanismus, sondern einfach die Art, wie wir lernen. Man kann nur versuchen, darauf zu achten und sich damit zu arrangieren. Vermeiden kann man es nicht.

  • Die Gelassenheit und die Ignoranz des Buddhismus

    • Michael Haardt
    • 20. April 2025 um 17:50

    Wenn Du damit ausdrückst, dass man sich im Berufsleben maskieren muss: Ja, das ist so. Vermehrt bestimmt die Konformität und nicht die Arbeit selbst den beruflichen Erfolg. Dazu passt dieser Artikel sehr gut:

    Compliance is the New American Dream
    How risk aversion has shaped our schools, our government, and our global standing
    kyla.substack.com

    Natürlich kann man einfach hingehen und sagen: "Meine Güte, wieso sind die alle so dämlich. Ich halt's im Kopf nicht aus." Allerdings ist dieses mentale Modell derartig schwarz-weiß und allquantifiziert, dass es sieben Meilen gegen den Wind nach etwas riecht, was auf einer verzerrten Wahrnehmung der Realität beruht. Es ist also mehr als berechtigt, sich zu fragen, wie man zu diesem Gedanken kommt, und genauer hinzusehen. Und dann offenbart sich, dass die Realität erheblich komplexer ist. Ich vermute, man könnte diese Bemühung unter rechte Gesinnung oder rechtes Streben einsortieren. Die Psychologie liefert an der Stelle praktische Kriterien, schlechte und nicht hilfreiche mentale Modelle (Glaubenssätze) zu identifizieren.

  • „Nichts ist so wie es scheint“

    • Michael Haardt
    • 23. Februar 2025 um 22:44

    Mit Wahrheit meine ich den aktuellen Stand der Erkenntnis. Mir ist klar, dass die Wahrheit anders aussehen kann und das vermutlich auch tut.

    Man kann die makroskopische Welt eben nicht ohne QM beschreiben, wenn man in den Keller geht und das Doppelspaltexperiment mit einzelnen Photonen macht. Die Quantisierung sieht man auch woanders, aber dieses Experiment zeigt die Natur des Wahrscheinlichkeitsfelds in Wellenform und das Photon als die Wechselwirkung. Wenn ich aus dem Keller raus zurück in die Sonne komme, kann ich das Ergebnis nicht als "was im Keller passiert, bleibt im Keller" abtun. ;)

    Wenn ich mir bewusst bin, wie ich lerne und wie mentale Modelle entstehen, ist das eine ähnliche Erfahrung. Das war der Punkt, wo ich beim Buddhismus erstaunt feststellte, dass die Aussage, die Identität sei eine Illusion, schon begründbar ist.

    Man beweist gar nichts außerhalb der Physik mit QM. Aber es gibt interessante Analogien.

  • „Nichts ist so wie es scheint“

    • Michael Haardt
    • 23. Februar 2025 um 15:01

    Volle Zustimmung. Ein schlüssiges Gedankenexperiment müsste schon mathematisch formuliert werden.

    Bis dahin bleibt es Philosophie. Kann man es wissenschaftlich beweisen, wandert ein Konzept in den Bereich der Wissenschaft. Dennoch gab es das Konzept schon vorher und die QM zeigt, dass unsere mit den Augen sichtbare Vorstellung der Welt zu naiv ist, und ich halte es für wichtig, dass man einige Effekte der QM mit den Augen sehen kann, denn damit kann man nicht so tun, als sei das nur irgendwelche in unserer Realität irrelevante Forschung. Wenn einem in der Sonne warm wird, erlebt man quantisierte Wechselwirkungen von Wahrscheinlichkeitsfeldern, oder von etwas, was sich so verhält, und Materie ist keine Ausnahme. Das ist nicht der Realitätsbegriff, mit dem man aufwächst.

    Wo ist nun die Korrelation zum Buddhismus? Es dreht sich dort sehr viel um das, was man in der Lerntheorie Konstruktivismus nennt. Wir sehen die Welt nicht, wie sie ist. Unsere mentalen Modelle der Welt sind nur das, Modelle. Buddha nannte sie eine Illusion. So weit würde ich nicht gehen, aber ich kann es nachvollziehen. Die Wahrheit sind sie jedenfalls nicht. In dem Zusammenhang sagt die QM, dass unsere Wahrnehmung der Welt überwiegend als makroskopisches Modell taugt, aber nicht die Wahrheit ist.

    Damit beweist man nichts, aber es ist interessant.

  • Die Gelassenheit und die Ignoranz des Buddhismus

    • Michael Haardt
    • 23. Februar 2025 um 14:41

    Deine ganzen Fragen sind eigentlich die eine Frage danach, in welcher Situation Du Dich befindest, und warum, und Letzteres erklärt Ersteres.

    Es gibt sehr viele Prozesse, die eine fraktale Struktur haben. Wenn die Richtung kurzer Zeiteinheiten mit der langer Zeiteinheiten korreliert, wird es hektisch. Meistens tun sie das nicht, und mit etwas längerem Blick betrachtet ist es die meiste Zeit ruhig. Katastrophenpropheten liegen darum fast immer falsch, aber hin und wieder passieren auf lange Sicht gesehen unwahrscheinliche Dinge und das in schneller Folge. Das harmoniert mit der Normalverteilung, die in der Natur oft vorzufinden ist.

    Aus meiner Sicht sind wir kurz vor so einem Punkt, wo sich die Trends diverser Zeiteinheiten gerade treffen und es turbulent wird. In vielen Ländern wurde z.B. der demografische Wandel ignoriert, obwohl man wusste, was es bedeutet und was dann passiert. Der demografische Wandel fällt mit einer wachsenden Ungleichverteilung von Vermögen zusammen. Dann gibt es sehr vielfältige Gründe, die die Produktivität einer Wirtschaft hemmen: Stagniert diese dauerhaft, scheitert eine grundlegend auf Wachstum basierte Gesellschaft. Und vieles mehr.

    Die treibende Kraft von all dem ist die Ideologie der Kultur, deren Antworten vor langer Zeit richtig waren und den Erfolg begründeten, der die Welt änderte, so dass die Antworten nun falsch sind.

    Es gibt auf YouTube diverse Videos, die sich mit dem Nobelpreis für Wirtschaft 2024 befassen: Why nations fail. Man sollte meinen, jede politische Führung wäre nun glücklich, weil sie endlich die Antwort hat, wie man erfolgreich wird. Nein, es wird ignoriert. Weil Ideologie allgemeingültige Antworten liefert. Ideologie ist im Grunde ein Symptom kognitiver Verzerrungen.

    Das gab es in der Geschichte schon immer und aus jeder Unruhephase gingen dann neue Kulturen hervor. Jede dachte immer, die Beste und Letzte zu sein. Hat nie gestimmt.

    Du kannst verzweifeln, den Lauf der Geschichte nicht ändern zu können. Buddha sagt, "Ist halt so. Mach's nicht schlimmer. Verstehe Deine Situation." Man kann sich an der Vergangenheit nicht festhalten, also tust Du am Besten das, was für Dich am Besten ist, aber nicht auf Kosten Anderer.

  • „Nichts ist so wie es scheint“

    • Michael Haardt
    • 21. Februar 2025 um 21:56
    Hendrik:

    Nun, was die Quantenphysik beobachtet, befindet sich im Microbereich. Es gibt überhaupt keine Hinweise darauf, dass dies auf Bereiche übertragbar wäre, die sich auf der Grössenskala woanders befinden.

    Das sehe ich anders. Man kann sich z.B. fragen, wie groß ein Photon ist, bzw. wie groß die Wellenfunktion vor der Wechselwirkung ist. Eine Lichtquelle im Bereich einzelner Photonen, deren lange Integration am Doppelspalt dann ein statistisches Interferenzmuster zeigt, ist definitiv in unserer makroskopischen Welt zu sehen. Materiewellen sind in der makroskopischen Welt zu sehen.

    Das ändert nichts an der makroskopischen Physik, aber es zeigt, dass unsere Vorstellung von Realität im Alltag oberflächlich ist.

  • Buddhismus und Religion

    • Michael Haardt
    • 29. Januar 2025 um 22:56

    Elliot Wenn man den Glauben an den Weg zur Beendigung oder das Auslöschen von Dukkha herausnimmt, bleibt meiner Meinung nach nichts Religiöses mehr in MN 141 übrig. Die Terminologie ist wirklich schwierig, aber ich denke, dass alles sonst im Einklang mit moderner Psychologie steht. Es ist schlüssig und passt zu meiner Lebenserfahrung.

  • Buddhismus und Religion

    • Michael Haardt
    • 29. Januar 2025 um 19:29

    Elliot Ich denke, damit würde man die vierte Wahrheit so abändern, dass der Weg zur Verringerung der Leiden führt, aber nicht zur Auslöschung. Mehr nicht. Aber das ist so elementar, dass ich es nicht mehr Buddhismus nennen würde, auch wenn sich im Grunde im Leben sonst nichts ändert. Finde ich wenigstens. Es wird ja ziemlich klar benannt, wie selten das Erwachen ist (ein Mensch pro Jahrhundert?). Umgedreht ist der Weg nicht weniger lohnend.

    Was die Gruppen angeht, so ist das für mich die Unterscheidung zwischen Religion und Kirche. Kirchen, also organisierte Glaubensgemeinschaften, werden in den besten Absichten gegründet, aber oft nimmt dann doch die Politik oberhand, genau wie bei organisierten Gemeinschaften für weltliche Zwecke. Das hat nichts mit der Religion zu tun.

  • Buddhismus und Religion

    • Michael Haardt
    • 28. Januar 2025 um 19:20

    Mir ist der Zusammenhang zwischen dem, was ich schrieb, und Deinem Artikel nicht klar, aber ich denke nicht, dass es wissenschaftlicher Konsens ist, dass die Karmaformation das Entstehen des Bewusstseins bedingt, was Teil der Abhängigkeitskette ist.

    Was Karl Marx da sagt, ist seine Ansicht, der man wissenschaftlich durchaus widersprechen kann. Es ist eine sehr offene Frage, warum es Religiosität gibt und die Versuche von Antworten sind erheblich komplexer und weit weg von Marx' Theorien über das Volk.

    Religion und, damit eng verbunden, Glauben, halte ich nicht für problematisch. Gruppendynamik und daraus entstehende Subkulturen sind es hingegen oft. Ohne dass es uns klar ist, glauben wir eine ganze Menge. Wenn Du die Wissenschaft hochhältst, dann glaubst Du, dass das Licht der Sonne wellenförmige Wahrscheinlichkeitsfelder quantisierter Interaktion sind. Wenn Dir davon warm wird, dann weil Du in Mathematik stehst - und diese Felder sind Teil unserer makroskopischen Welt und verschwinden bei einer Interaktion sofort, d.h. nicht nur mit Lichtgeschwindigkeit. Das nagt sehr am makroskopischen Realitätsbegriff. Wir glauben das, weil Physiker es sagen und sie einen Haufen guter Gründe dafür haben, und uns ähnlich wie Buddha nahelegen, Physik selbst zu verstehen, statt sie als Magier anzusehen.

    Buddhismus ist eine Religion. Zugegeben eine, in der man sehr wenig glauben muss, und in der sehr viel Logik und Wissenschaft steckt, aber eben nicht nur.

  • Buddhismus und Religion

    • Michael Haardt
    • 26. Januar 2025 um 22:21

    Religion ist ein sozialer Ausdruck von Gefühlen und Gedanken, in dem die Erklärung von Übernatürlichem eine wichtige Rolle spielt, und da Letzteres halt jenseits der Wissenschaft liegt, ist es Glauben und nicht Wissen. Im Buddhismus sind das Karma, die Wiedergeburt und der Glauben an die Existenz des Erwachens. Lässt man das weg, wäre es meiner Meinung nach keine Religion mehr, aber auch kein Buddhismus.

  • Was macht ein Erleuchteter in der Freizeit ?

    • Michael Haardt
    • 18. Januar 2025 um 13:19

    Das zusammenfallende Bild, oder sagen wir mal Trugbild, sehe ich nicht als Begleiterscheinung auf dem Weg, sondern als Teil des Wegs. Es ist ein Ziel in sich selbst.

    „Bedenke,“, sagt Morpheus, „alles, was ich dir anbiete, ist die Wahrheit, nicht mehr.“

    So in der Art. Wie oft passierte das Erwachen schon? Es spielt keine Rolle, ob es doppelt so viele waren, oder zehnmal so viele - mir wird's rein statistisch gesehen nicht passieren. Ich könnte mir die Frage stellen, ob es real ist, ob es Buddha wirklich passierte. Ich kann es nicht nachprüfen, sondern muss es glauben. Das ist ein Grund, warum es eine Religion ist.

    Aber ich verstehe Buddha nicht so, dass er den Weg nur lehrt, um zum Ziel zu kommen. Der Weg führt dahin, irgendwann, wenn nicht vorher die Sonne ausbrennt. Aber der Weg selbst ist der eigentliche Wert, und den muss ich nicht glauben und den kann ich nachprüfen, und davon habe ich hier und jetzt etwas. Das ist nicht so, dass man sagt "Oh Mist, erst 1% geschafft, das dauert ja ewig und wird nie was." Je mehr man auf das Ziel schaut, desto weniger sieht man auf den Weg. Ich glaube, sich vom Ziel ablenken zu lassen, ist hinderlich. Es gibt sowieso keine Abkürzung und die Richtung ist auch klar. Das Erwachen ist nicht der Hauptgewinn, sondern nur das allerletzte Stück. Damit kann man sich befassen, wenn es so weit ist.

    Das ist nur meine Meinung. Vielleicht hat Buddha das ganz anders gemeint.

  • Was macht ein Erleuchteter in der Freizeit ?

    • Michael Haardt
    • 17. Januar 2025 um 18:00
    Anna Panna-Sati:

    Wenn "Erleuchtung"/Erwachen quasi banalisiert würde, wären wohl kaum noch Menschen bereit, irgendwelche Anstrengungen ("Edler Achtfacher Pfad"...) dafür auf sich zu nehmen, sondern würden sich mutmaßlich eher dem Hedonismus verschreiben, maximalen Lebensgenuss anstreben (zumindest, bis Alter, Krankheit und Sterben sich in den Vordergrund schieben...).

    Warum denkst Du das? Ich sehe das genau anders herum. Wer nach dem Erwachen strebt, wird vermutlich enttäuscht, es nicht zu erreichen. Aber der achtfache Pfad ist ein Weg zu einem guten Leben. Hier und jetzt.

  • Was macht ein Erleuchteter in der Freizeit ?

    • Michael Haardt
    • 14. Januar 2025 um 22:00

    Auch wenn ein Mensch erwacht, sieht der Rest der Welt immer noch so wie vorher aus. Wie könnte es nicht glücklich machen, zu vermitteln, wie man die löst? Ein paar Menschen interessiert das ja.

  • Wenn unser Glaube verächtlich gemacht wird...

    • Michael Haardt
    • 18. Dezember 2024 um 12:50
    JoJu91:

    Ich habe gehört:

    "Buddhisten sind Menschen, die versuchen, der Hölle zu entgehen, indem sie sich selber eine Hölle machen."

    Die Ansicht kann ich nachvollziehen, auch wenn ich sie nicht teile. Das ist kein Klischee.

    Die vier Wahrheiten und der achtfache Pfad klingen erstmal gut. Klar und einfach. Aber es ist nicht einfach, kein bisschen. Es wird erwartet, dass man sich damit beschäftigt, es selbst versteht, und das führt sehr in die Tiefe. Das ist nichts für jeden. Reflexives Denken ist für manche Leute die reinste Hölle. Es gibt Leid. Realistisch betrachtet hat der Pfad kein Ende. "Die Hölle, das sind wir selbst" ist ein gruselig realistisches Theaterstück und es klingt genau so.

    Ich finde die Frage "Wer bin ich" sehr interessant. Buddha erklärt viel dazu und fragt "Wer bist Du nicht?" Wenn man sich darauf einlässt, versteht man sein Leben und die Welt besser, finde ich. Andere Menschen sehen das anders. Die menschliche Erfahrung ist breiter, als ein einzelner Mensch nachvollziehen kann. Das muss man so hinnehmen.

  • Wenn unser Glaube verächtlich gemacht wird...

    • Michael Haardt
    • 17. Dezember 2024 um 19:24

    Wow. Damit hatte ich nicht gerechnet. Also ganz klar kein Klischee, sondern ein Missverständnis.

Ausgabe №. 135: „Achtsamkeit und Aktivismus"

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