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  1. Buddhaland Forum
  2. Michael Haardt

Beiträge von Michael Haardt

  • Buddhistische Werte vs. AfD

    • Michael Haardt
    • 1. Dezember 2025 um 16:54
    Anna Panna-Sati:

    Ja, das kann man wohl so sehen, aber umgekehrt "basht" die AfD ebenso permanent Andersdenkende und zieht durch populistische Äußerungen (Übertreibungen, Lügen, Unterstellungen, usw.) insbesondere Verunsicherte/Wankende auf ihre Seite.

    Habe ich nicht bestritten. :) Aber die AfD liest hier nicht mit und soweit ich weiß, interessiert sie sich nicht für Buddhas Rat, also schreibe ich hier nichts darüber, sondern nur darüber, was ich glaube, Buddhas Rat über den Umgang mit Dingen ist, die man sehr ablehnt.


    Dein Zitat, dass die Welt mit Buddha streitet, aber er nicht mit der Welt, ist sehr gut. Genau so meine ich das. Man kann das auf Politik übertragen. Wenn wieder Wahlkampf ist, und da werben die Wahlkämpfer am Supermarkt, dann regt mich im Spektrum keine Richtung mehr als die andere auf. Ich sehe da keine ideologischen Feinde. Ich sehe nur viele pauschale und unzureichende Antworten auf komplexe Sachverhalte, die sich durch Jahrzehnte schlechter Politik jeder Regierung ergaben.


    Wer die genauen Umstände nachliest, warum Adenauer die Rentenversicherung auf Basis einer Umlage einführte, der weiß, was ich meine.


    Die Altparteien wollten hier im Dorf eine zentrale Erstaufnahmeeinrichtung zusätzlich zum Containerdorf einrichten, so dass wir auf 700 Einwohner 350 Flüchtlinge zusätzlich bekommen hätten, und der Bürgermeister legte Wert auf die Tatsache, dass die Abstimmung der Gemeinde (die viel mehr Dörfer enthält) nicht bindend wäre. Zeitgleich war die Europawahl. Mit 17% AfD in der Gemeinde und 33% in unserem Dorf wurde das einhellige Nein der gesamten Gemeinde auf einmal doch relevant. Da bekam jemand Angst, wie die nächste Kommunalwahl ausgehen könnte, wenn er seinen Kopf durchsetzt. Es gab zu dem Zeitpunkt bereits Probleme mit Gewalt, von der sich alle überfordert sahen, und keiner wollte noch mehr. Es gab hier nicht mal einen Kandidaten und auch keine Wahlwerbung der AfD.


    Ich werde hier weder pro noch contra AfD oder irgendeiner anderen Partei schreiben, weil ich nicht so denke. Ich halte Diskussionen jeder Ideologie für zwecklos, und emotional intensive Ablehnung ebenso.


    Ich lege Wert auf öffentliche Sicherheit, einen für meine Belange nicht übergriffigen Staat und Redefreiheit. Ich kämpfe nicht dafür. Ich zahle dort meine Steuern, wo ich gut genug behandelt werde.


    Michael

  • Freundschaft (im Buddhismus)

    • Michael Haardt
    • 1. Dezember 2025 um 13:32

    Ich war erstaunt zu lesen, dass Buddha so ausdrücklich über das Thema spricht, doch ich stimme zu. Nicht ganz so erstaunlich ist, dass das im Hinduismus ganz ähnlich gesehen wird, weil einige Konzepte in beiden Religionen gemeinsam existieren.


    Ich arbeite gerade an einem Roman, wo eben das eine wichtige Rolle spielt, weil sich zwei Freunde aus dem Untergrund mit dem Statement "Freundschaft ist rein" gegen die indische Gesellschaftsordnung richten und aktiv gegen die Spaltung der Bevölkerung vorgehen.


    Freundschaft braucht Vertrauen und Vertrauen ist neben Aufmerksamkeit das knappeste Gut unserer Zeit. Wenn ein Freund sagt "Du bist ein Arschloch" (vielleicht nicht ganz so krass), dann ist das nicht schön, aber die Antwort ist nicht "selber!", sondern "warum?", weil man wissen will, wie er zu der Ansicht kommt, denn man vertraut ihm, dass es keinen Wunsch nach Beleidigung gibt. In diesem Vertrauensverhältnis gibt es unbelastete rechte Rede im rationalen Sinn.

  • Buddhistische Werte vs. AfD

    • Michael Haardt
    • 1. Dezember 2025 um 13:05
    KarmaHausmeister:

    Art. 5 GG schützt die Meinungs- und Pressefreiheit sehr weit. Eingriffe sind nur unter den Schranken des Abs. 2 zulässig (allgemeine Gesetze, Jugendschutz, persönliche Ehre). Diese Struktur entspricht im Grundsatz auch internationalen Standards, etwa ICCPR Art. 19.

    Das ist nicht richtig, denn es gibt da einen erheblichen Unterschied. Aus:


    International Covenant on Civil and Political Rights
    Entry into force: 23 March 1976, in accordance with Article 49 Preamble The States Parties to the present Covenant, Considering that, in accordance with the…
    www.ohchr.org


    "Everyone shall have the right to freedom of expression; this right shall include freedom to seek, receive and impart information and ideas of all kinds [...]"


    Das ist ausdrücklich allgemein (information), während GG Artikel 5 es auf Meinungen einschränkt und der deutsche Staat sich vorbehält, was er im Einzelfall als Meinung sieht und was nicht. Das wurde in mehreren Fällen ausdrücklich vom Bundesverfassungsgericht so bestätigt. Es gibt keinen rechtssicheren Weg, etwas als Meinung zu kennzeichnen.


    Kein Wissenschaftler würde jemals Wissenschaft als Wahrheit bezeichnen, sondern nur als schlüssig unter gegebenen Voraussetzungen, und bliebe stets offen für ein Gegenbeispiel. Das Bundesverfassungsgericht ist der Ansicht, die Wahrheit unwiderlegbar feststellen zu können.


    Entsprechend titelte Focus reißerisch, aber sachlich falsch:


    https://www.focus.de/politik/meinung/heimlich-still-und-leise-legen-union-und-spd-die-axt-an-die-meinungsfreiheit_35cf1aed-821d-4969-aec3-fee9e74fcaef.html


    Im Text wird dann klar: Nein, die Parteien ändern nichts an der Meinungsfreiheit. Sie setzen nur die von GG Artikel 5 nicht gegebene Redefreiheit stärker durch. Die Meinungsfreiheit bleibt unangetastet. Das ist ein erheblicher Unterschied. Und was da auf dem Parteitag angeblich neu beschlossen wurde, ist nur ein uraltes, und nicht als solches gekennzeichnetes, Zitat des Bundesverfassungsgerichts gewesen.


    Ich will hier keine Diskussion anfangen, warum Deutschland einen Sonderweg geht und warum andere Länder das nicht tun, sondern nur belegen, dass es so ist. So sieht es in der portugiesischen Verfassung in Artikel 16.2 aus:


    "The constitutional and legal precepts concerning fundamental rights must be interpreted and completed in harmony with the Universal Declaration of Human Rights."


    Die an der entsprechenden Stelle sehr ähnlich wie ICCPR Art. 19 aussehen und den Bürgern damit erheblich mehr Rechte geben. So einfach kann man es sich machen. Andere Länder haben die Passagen der Menschenrechte mehr oder weniger wortgleich in ihren Verfassungen, Portugal referenziert die Menschenrechte halt. Da die Menschenrechte auch die Würde schützen, erlaubt die Redefreiheit nicht, andere persönlich zu beleidigen. Dafür braucht man keine extra Einschränkungen.


    Und darum müssen sich die deutschen Altparteien internationale Kritik zu ihrem Weltbild anhören, was ihnen nicht gefällt:


    Deutschland: Wieder Hausdurchsuchung wegen kritischen Polit-Postings
    Die deutsche Polizei hat die Wohnung eines Mannes im Süden des Landes durchsucht, nachdem dieser in einem Beitrag auf X Beamte als „Parasiten“ bezeichnet [...]
    tkp.at


    Die Ermittelung ist hier die vorweggenommene Strafe. Ein Handy ist ein erheblicher Wertgegenstand und bei Beschlagnahme normalerweise für eine sehr lange Zeit weg. Die Anwaltskosten fallen an und müssen bezahlt werden. Der Hinweis, in Zukunft vorsichtiger zu sein, sagt deutlich, worum es geht, und widerspricht klar der Unschuldsvermutung. Warum eine Ermittelung? Die Gleichstellung von Beamten mit Parasiten ist offenbar rechtlich anders zu bewerten als die Gleichstellung von Soldaten und Mördern. Ich kann daraus nicht rechtssicher ableiten, welche Meinung ich in Deutschland gefahrlos äußern darf.


    Ich halte mich daran, denn ich habe nichts davon, mir Leid zu bereiten. Gleichzeitig plane ich meinen Abschied aus Deutschland, wenn auch primär aus anderen Gründen, aber der Gedanke von Redefreiheit gefällt mir gut.

  • Buddhistische Werte vs. AfD

    • Michael Haardt
    • 1. Dezember 2025 um 09:32

    Ich wundere mich, abgesehen vom letzten Artikel, doch sehr über die einseitige Betrachtung der Parteienwelt.


    Welches Weltbild haben denn die anderen Parteien? Deutschland hat die allgemeinen Menschenrechte mit wenigen Ausnahmen ratifiziert, verweigert aber, sie in nationales Recht umzusetzen. Warum? GG Artikel 5 müsste geändert werden und damit könnte man missliebige oppositionelle Äußerungen nicht mehr so einfach aus dem Weg schaffen, indem man sie nicht als Meinung, sondern als Tatsachenbehauptung einstuft. Das wird von allen anderen Parteien abgelehnt.


    Deutschland ist eins der wenigen Länder ohne Redefreiheit und wenn ich das kritisiere, ist das streng genommen verfassungsfeindlich. Also sage ich nur: Interessante Sache, dass das so ist. Portugal hat die Menschenrechte einfach in die Verfassung mit aufgenommen.


    Spaltung, d.h. "Teile und herrsche", ist ein uraltes Instrument der Macht und wird von allen Parteien benutzt. Ebenso wie https://de.wikipedia.org/wiki/Hundepfeifen-Politik


    Die AfD ist kein Problem, sondern ein Symptom. Ebenso wie Donald Trump. Das Problem ist eine Ideologie, die für die heutige Zeit die falschen Antworten gibt, und konsequent scheitert. Die wirtschaftliche Not bleibt den Menschen nicht verborgen, also verteidigen sie sich und suchen nach Schuldigen. Jahrzehnte unfassbar schlechter Bildungspolitik wirken sich nun aus, wenn man sieht, wie gut billigste PR funktioniert.


    Ich nehme vielerorts AfD-Bashing als gemeinschaftsbildenden Groll wahr, der es auf einfachste Weise ermöglicht, sich als moralisch fortschrittlich zu erheben und von AfD-Wählern zu separieren, ohne sich mit den realen Problemen als Ergebnis der vergangenen Politik befassen zu müssen. Das läuft diversen Ratschlägen Buddhas zuwider.

  • Die Gelassenheit und die Ignoranz des Buddhismus

    • Michael Haardt
    • 25. November 2025 um 17:45

    "Die Menschen" sind nur die, die du kennst und von denen du liest, also primär die deiner Kultur. Es fühlt sich wie die ganze Welt an, aber in Wahrheit ist es das nicht.


    Man kann es an vielen Daten festmachen, dass die alten Industrieländer im Abschwung sind. Es ist unklar, wie lange das dauern wird, aber wenn man in die Geschichte schaut, lange. Erst dann wird's ungemütlich. Danach wird etwas Neues kommen. Das war schon oft der Fall. Es ist schon eine Weile her, dass Aristoteles Geschichte studierte und wenn seine Aussagen sich heute aktuell anfühlen, dann scheint sich wohl wenig verändert zu haben.


    Eine wirtschaftliche und politische Krise ist auch eine Gesellschaftskrise, und dafür typisch ist ein Entfremdungsgefühl. Das findet man in der Geschichte auch. Es unterstützt größere Volkswanderungen, und auch das sehen wir inzwischen. Es ist auch typisch, dass die Regierungen die Bürgerrechte stärker einschränken, um ihre Machtposition nicht zu verlieren, was die Krise natürlich befeuert.


    Das ist im Laufe der Geschichte schon endlos oft passiert. Man kann es an den Leitwährungen ablesen:


    PORTUGUESE REAL (1450-1530)

    SPANISH DOLLAR (1530-1640)

    DUTCH GUILDER (1640-1720)

    BRITISH POUND STERLING (1720-1944)

    US DOLLAR (1944-)


    Da standen Weltmächte dahinter, die nie dachten, dass sie ihre Stellung je verlieren würden. Da wird es in ihrer letzten Krise auch viel Entfremdung gegeben haben und jemand sagte: Boah. Die ganze Welt wird verrückt. Ich halt's im Kopf nicht aus.


    Viel interessanter ist eigentlich, was in der Situation historisch gute Lebensentscheidungen der Bürger waren.

  • Selbstbezogenheit - Die "Lust- und Qual-Spirale" des Um-sich-selbst-Drehens...

    • Michael Haardt
    • 11. November 2025 um 08:47
    Igor07:

    Ich stelle mir aber immer die Frage: Kann überhaupt die reine Wahrnehmung sein?
    Wenn ich müde oder niedergeschlagen bin, nehme ich die Welt und mich selbst anders wahr als wenn ich Energie aufgeladen habe oder jung bin. Unter sehr starken Schmerzen sehe ich das Ganze wieder anders.

    Korrekt. Aber vor allem bestimmen die vorhandenen mentalen Modelle, wie eine Beobachtung oder ein Reiz empfunden wird. Die Gesamtheit aller Modelle ist die Integration aller äußeren Einflüsse zum jeweiligen Zeitpunkt.


    Daraus ergeben sich ein paar interessante Schlussfolgerungen:


    Durch den Selbstbezug ist es fraktal und man kann im Allgemeinen nicht vorhersagen, was dabei herauskommt. Schicksal? Eher nicht.


    Wir brauchen diese mentalen Modelle zum Leben. Geht eins kaputt, fehlt die Basis, über etwas nachzudenken und sich zu einer Handlung zu entscheiden, also versuchen wir das zu vermeiden. Informationen, die nicht passen, werden verändert, um das Modell nicht revisionieren oder gar verwerfen zu müssen. Das hält uns handlungsfähig, kann aber sehr nachteilig für die Qualität der Entscheidungen sein.


    Wir sehen nie die Wahrheit. "Das hatte ich mir anders vorgestellt" trifft absolut den Punkt, wenn man bekommt, was man sich wünschte, aber es ist nicht so ist, wie gedacht. "Wie konnte ich mir das nur wünschen?" ist eine gute Frage, wenn man sie ehrlich beantwortet.


    Buddha muss das alles verstanden haben, denn es geht oft um diese Themen, und guten Rat dazu.

  • Selbstbezogenheit - Die "Lust- und Qual-Spirale" des Um-sich-selbst-Drehens...

    • Michael Haardt
    • 9. November 2025 um 23:11
    Anna Panna-Sati:

    In der relativen (konventionellen) Realität leben aber alle (Unerleuchteten, Nicht-Erwachten) mit dem

    "Ich-Gefühl" (das unser Gehirn, sicherlich aus guten Gründen, erzeugt) als Personen


    Genau das ist der Schlüssel, finde ich. Warum tun wir das? Was genau wird da erzeugt?


    Es gibt die Theorie des Konstruktivismus: Wir denken nicht über das nach, was wir wahrnehmen, sondern wir bauen aus allen Wahrnehmungen mentale Modelle und das sind die Objekte unseres Denkens. Wir nehmen uns auch selbst wahr, also bauen wir ein Modell daraus. Das ist unsere Identität. In dieser Theorie kann man viele psychische Beobachtungen schlüssig erklären.


    Buddha nennt die Identität eine Illusion. Finde ich zu stark, ist aber strikt gesehen korrekt. Er fordert uns auf, die Welt zu sehen, wie sie ist. Das können wir laut der Theorie nicht, aber wir können versuchen, unsere mentalen Modelle zu erkennen, anstatt sie einfach laufen zu lassen. Tiefgehend reflektives Denken verändert die Wahrnehmung, die Modelle, die Art, wie wir uns und andere sehen. Die Terminologie im Buddhismus ist schwierig, aber viele Aussagen sind im Grunde moderne Psychologie, nur dass er schon vor langer Zeit drauf kam.


    "Ich denke, also bin ich." Das ist die erste Stufe, nämlich Selbstbewusstsein. Danach kommt "Wie denke ich, und warum glaube ich, wer ich bin?" Das ist eine Meta-Ebene, nämlich die Wahrnehmung der Modelle und ihrer Struktur. Man erkennt viel der Identität als individuell mental konstruiert. Es bleibt etwas übrig, aber ich kann's nicht benennen, und gefühlt ist es nicht viel. Manchmal hilft die Erkenntnis. Manchmal nicht. ;)

  • Die Gelassenheit und die Ignoranz des Buddhismus

    • Michael Haardt
    • 8. November 2025 um 13:50

    Mir fällt auf, dass zwei Begriffe oft verwechselt werden: Meinungsfreiheit und Redefreiheit. Das kann einem jetzt gefallen oder nicht, aber Deutschland garantiert in GG 5 nur die Meinungsfreiheit, und das ist keine unglückliche Formulierung, sondern inzwischen mehrfach gerichtlich bestätigt. Es gibt keine Redefreiheit! Die Regierung behält sich vor, zu entscheiden, was Meinungen sind, und was nicht. Das ist bemerkenswert, weil die allgemeinen Menschenrechte Redefreiheit garantieren und Deutschland sie ratifiziert hat. Diese Ratifikation bedeutet jedoch juristisch nichts. Es gibt Länder, die die Menschenrechte in ihre Verfassung aufgenommen haben. Deutschland hat das nicht getan.


    Eine Verfassung reflektiert die Grundwerte einer Kultur. Inzwischen ist der Zeitgeist, öffentliche Äußerungen etwas enger zu verfolgen, aber grundsätzlich begab man sich damit in Deutschland schon immer auf dünnes Eis. Heute halt etwas mehr als vor ein paar Jahrzehnten. Das bedeutet nicht, dass andere Länder mit einer freiheitlicheren Verfassung real mehr böten, aber es zeigt, dass die gelebte Einschränkung öffentlicher Rede bei uns legitim ist.


    Der achtfache Pfad ist als Vereinigung gemeint, nicht einzeln. Wenn "Rechte Rede" Leid erzeugt, und sei es nur einem selbst, dann ist es keine rechte Rede mehr.


    "Man wird doch wohl noch seine Meinung sagen dürfen!"


    Das ist Empörung, eine spezielle Form von Wut, und damit beharrt man auf der Trennung von Identität und Leben, und auf der Überlegenheit durch Rechtschaffenheit. Vielleicht ist es noch mehr, aber das reicht, um zu sehen, dass es keine rechte Rede ist. Man kann das natürlich sagen und auch darauf beharren. Buddha schaut einen dann nicht überlegen an und sagt "Hab ich dir vorher gesagt", wenn es Verdruss gibt. Er hat's aber vorher gesagt. :)


    Jenseits von landesspezifischer Kultur und Zeitgeist kann man rechte Rede vielleicht so verstehen, wie die Unterhaltungen der griechischen Philosophen, in denen sie versuchten, die Wahrheit zu einem Thema zu ergründen. Verschiedener Meinung, aber mit offenem Ohr und Verstand. Und dort findet man bei Aristoteles Erklärungen, was gesellschaftlich gerade passiert. Er sah Demokratie als die schlechteste der guten Regierungsformen an, weil regiert, wer am sich am beliebtesten macht, nicht, wer es am besten könnte. Eine Demokratie wird sich in die Oligarchie verwandeln. Der erbitterte Streit, welche Wahlkampfspenden legal sind, drückt klar aus: Wahlen werden mit Geld gewonnen.


    Die einzige Angst in einer Oligarchie ist, dass das Volk sich erhebt. Dazu muss man die öffentliche Meinung eng führen und eben das passiert in vielen westlichen Kulturen. Ein beliebtes Mittel ist, durch rigide Ermittelungen zu bestrafen, weil man dafür kein Gerichtsverfahren braucht. Eine Hausdurchsuchung mit Beschlagnahme vieler Gegenstände, die es dann in 5 Jahren nach Einstellung des Verfahrens zurückgibt, ist eine effektive Drohung. Wer GG 5 mal selbst gelesen hat, weiß das aber vorher.


    Aristoteles kam durch sein Studium der Geschichte zu seinen Ansichten, welche politischen Strukturen und welche Zyklen es gibt. Mir scheint, dass sich seitdem nichts geändert hat. Insbesondere postuliert er eine beständige Veränderung jeder Kultur im Rahmen dieser Zyklen. Buddha sprach ebenfalls über die beständige Veränderung der Welt. Das ist alles schon lange her, aber die Probleme sind noch aktuell und der Rat von beiden ist damit auch heute noch anwendbar.

  • was ist die vorherrschende Meinung zum Thema Wiedergeburt.

    • Michael Haardt
    • 4. November 2025 um 18:37

    Ich sagte, er soll es gesagt haben. Nicht, er hat. Kein Mensch weiß mehr, ob er es sagte. Man kann nur Indizien deuten - oder selbst nachdenken.


    Die Drohung mit einer Hölle und Lockung mit einem Himmel ist im Buddhismus kein Prinzip, mit dem moralisches Verhalten mit Wirkung über den Tod hinaus motiviert wird.


    Karma wirkt natürlich über den Tod hinaus und Mitgefühl wird nicht nur auf das persönliche Leben bezogen gelehrt und beides gehört zum Kern. Wer das annimmt, kann auch ohne Wiedergeburt nicht mehr sagen "nach mir die Sintflut".


    Die Idee der Wiedergeburt geht für mich nicht schlüssig aus dem Rest des Buddhismus hervor.


    Identität als mentales Modell basierend auf der Selbstwahrnehmung wurde von Buddha als Illusion bezeichnet, und auch wenn ich dem Wort widerspreche, ist es technisch gesehen wahr. Wir sind nicht die, die wir meinen zu sein. Das Modell ist lausig.


    Und doch sind wir, wie Descartes feststellte. Identität ist Information und nicht-stoffliche Realität. Man kann argumentieren, dass Leben an sich eine bemerkenswerte Form von Information ist, weil sie das natürliche Chaos strukturiert. Für jeden einzelnen ist der Tod das finale Ende dieses Unterfangens, und die Illusion, etwas Ewiges und Beständiges schaffen zu können, Ausdruck der Hoffnung des Lebens an sich. Rational gesehen, eine grundlose Hoffnung, wie Buddha feststellte, und ich kann ihm nicht widersprechen. Was bleibt mir? Ein gutes Leben zu führen, solange es dauert, und das ist eine Menge. Das Leben an sich endet nicht, nur einzelne Menschen vergehen.


    OK, also für mich ist Buddhas Lehre auch ohne Wiedergeburt schlüssig. Gibt es Wiedergeburt jetzt oder nicht? Als wissenschaftlich orientierter Mensch sage ich: Weiß ich nicht. Möglich. Intellektuell interessante Frage. Unsere Wahrnehmung der Realität basiert u.a. auf einer konstanten und linearen Wahrnehmung von Zeit, und die Physik sagt klar, dass das nur unsere Wahrnehmung ist, aber es ist komplizierter. Ist unsere wahrgenommene Realität real? Vielleicht nicht. Auch das ist intellektuell interessant, aber solange ich an diese Wahrnehmung gebunden bin, richte ich mein Leben danach aus.

  • was ist die vorherrschende Meinung zum Thema Wiedergeburt.

    • Michael Haardt
    • 4. November 2025 um 09:11

    Der Gedanke liegt nahe, aber zum einen soll Buddha gesagt haben, dass er sich an die früheren Leben erinnerte, wie ich jüngst lernte und zum anderen wirkt Karma schon das ganze Leben lang. Der achtfache Pfad sorgt also vor allem für ein besseres Leben. Ich sehe nicht, warum man dann mit der Wiedergeburt drohen müsste. Buddha hatte ja nicht vor, die Welt zu verbessern.


    Michael

  • Welche Rolle spielt Glaube(n) im Buddhismus?

    • Michael Haardt
    • 21. Oktober 2025 um 22:31
    Kianga:
    Michael Haardt:

    Man muss glauben, dass er erwacht war, und dass er den Weg dahin beschreibt. Und die Sache mit der Wiedergeburt.


    Muss man? Im Grunde nicht. Es ändert sich nämlich ansonsten nichts, wenn man es nicht glaubt. Fast alles sonst beschäftigt sich mit dem Leben, nicht mit seinem Erwachen, nicht mit der Wiedergeburt. Man ist dann halt nur kein Buddhist mehr, wenn man das nicht glaubt

    Machst du das Buddhist-sein an einem Palikanonglauben fest? Der Zen Buddhismus ist ja ziemlich anders als der theravadische Buddhismus. Wer ist denn dann für dich der "richtige" Buddhist?

    Ich denke alle Schulen sind sich in den vier Wahrheiten einig, die vom achtfachen Pfad auch referenziert werden, und umgekehrt. Und dazu gehört unverrückbar, dass Buddha erwachte und dass seine Lehre der Weg dahin ist. Ich las auch noch nicht, dass eine Schule seine Aussagen zur Wiedergeburt bezweifelt.


    Dieser Glaube gehört also in jeder Schule zum Buddhismus. Ich hielte es für unpassend, sich diese Grundlagen zu verbiegen und das noch buddhistisch zu nennen, also mache ich das nicht. Andere sehen das vielleicht anders.


    Das Erstaunliche ist, dass es an Buddhas Lehre eigentlich kaum etwas ändert. Es ändert etwas daran, wie man ihn sieht, und es ändert die dritte und vierte Wahrheit, indem man das Leiden nicht mehr überwindet, sondern verringert. Es bleibt ein guter Weg. Irgendwann stirbt man. Das bedeutet für mich, die Welt so zu sehen, wie sie ist.


    Was natürlich wie alles konstruierte mentale Modelle sind. Wir kennen die Wahrheit nicht. Buddha nennt mentale Modelle eine Illusion, was strikt gesehen stimmt, aber ich finde die Bezeichnung zu stark. Gute Modelle basieren auf nicht-widerlegten Beobachtungen und widerspruchsfreien Schlussfolgerungen, weil das brauchbare Vorhersagen ergibt. Das nennen wir Wissen und diese Vorgehensweise Wissenschaft. Wenn wir etwas einen Namen geben und so tun, als ob so ein Modell dahinterstünde, ist das Glauben. Tatsächlich glaubt jeder Einzelne viel mehr, als er weiß. Ist oft nicht zu vermeiden - womit wir wieder bei Annas Frage sind. :)

  • Welche Rolle spielt Glaube(n) im Buddhismus?

    • Michael Haardt
    • 21. Oktober 2025 um 18:25

    Als ich begann, mich mit Buddha zu beschäftigen, war ich erstaunt, dass es nichts zu glauben gibt. Gibt es aber doch, wie Du korrekt feststellst: Man muss glauben, dass er erwacht war, und dass er den Weg dahin beschreibt. Und die Sache mit der Wiedergeburt.


    Muss man? Im Grunde nicht. Es ändert sich nämlich ansonsten nichts, wenn man es nicht glaubt. Fast alles sonst beschäftigt sich mit dem Leben, nicht mit seinem Erwachen, nicht mit der Wiedergeburt. Man ist dann halt nur kein Buddhist mehr, wenn man das nicht glaubt. :)


    Ich weiß nicht, ob Buddha erwacht war. Ich bin zu spät dran, ihn zu fragen. Ich weiß, dass er bewundernswert klug war. So sehr, dass der Grat mächtig dünn wird, es zu bezweifeln. Darum sage ich, kann schon sein. Ich weiß es halt nicht mit Sicherheit. Ich beschäftige mich mit seiner Lehre, weil er viele hilfreiche Einsichten zum Leben vermittelt, nicht wegen dem, was er von sich sagt.


    Führt sein Weg zum Erwachen? Vielleicht. Es ist mir ehrlich gesagt egal, weil der Weg nachprüfbar gut ist. Rein statistisch betrachtet werde ich sehr sicher nicht erwachen. Eher gewinne ich ein paar Mal im Lotto. Das mindert nichts.


    Ob es Wiedergeburt gibt, ist mir auch egal. So, wie die Welt aussieht, verschwindet die Persönlichkeit, auch wenn Buddha sagte, dass er sich an seine Leben erinnerte, was bedeutet, dass die mentalen Modelle der Persönlichkeiten offenbar nicht verschwanden. Er kam nur bis zum Erwachen nicht mehr dran. Wenn man hier versucht, etwas zu begründen, unterstellt man ein lineares Zeitmodell. Eben das kann man wissenschaftlich durchaus in Frage stellen. Das ist sehr interessant, aber für mein Leben bisher nicht relevant, weil ich bisher an einen linearen Zeitverlauf gebunden bin.


    Bleibt die Sache mit dem Karma. Jede Handlung verändert die Welt, keine Frage. Die Wirkung meiner Handlungen wird mich überdauern. Glaube ich, dass gutes Handeln mir in der Zukunft tendenziell hilft? Ja, das kann ich oft beobachten. Das Gegenteil ebenso. Es ist statistisch, weil alle anderen Menschen die Welt auch verändern.


    Ganz offensichtlich kann ich mich damit insgesamt nicht als Buddhisten bezeichnen. Zum Glück ist das hier das Buddhaland, nicht das Buddhistenland. :)

  • was ist die vorherrschende Meinung zum Thema Wiedergeburt.

    • Michael Haardt
    • 5. Oktober 2025 um 00:00

    Vielleicht kannst du uns da etwas erhellen. Ich sehe bisher einerseits die Aussage, dass Buddha sich nach dem Erwachen an seine vorigen Leben erinnerte, was bedeutet, dass etwas Seelenartiges den körperlichen Tod überstand, ganz so, wie Wiedergeburt in anderen Kulturen gesehen wird.

    Andererseits die Darstellung, dass die Lebensenergie und Karma an sich bestehen bleibt, aber die Person stirbt, und ihre Gedanken sowieso immer nur aus Beobachtungen konstruiert waren, was begründet, dass die sich aus der Selbstwahrnehmung ergebende Identität im Grunde nicht existiert. Wie kann eben das dann erhalten bleiben?

  • Die Gelassenheit und die Ignoranz des Buddhismus

    • Michael Haardt
    • 31. August 2025 um 20:42

    Tim1 Keiner hat bestritten, dass Buddhismus und Alltag verbunden sind und dich als Andersdenkenden bezeichnet oder unsichtbar gemacht.

    Im 4-Seiten-Modell lieferst du fast keine Sachebene, aber eine gekränkte Selbstaussage, in der Beziehungsaussage stellst du dich als ehrliches Opfer und die Moderation als das Gegenteil hin, die ihre Ruhe will. Es gibt keinen Appell. Man kann das vielleicht auch anders einteilen, aber so sehe ich das.

    Die Ignoranz und Gelassenheit im Buddhismus: Man spricht darüber. Man rennt nicht los, die Welt "ausgleichend besser zu machen", indem man jemandem verbal mal so richtig eins verpasst. Das sehen vielleicht nicht alle Umstehenden so. Die könnten der Meinung sein, dass hier durchaus mal wer eingenordet werden könnte. Man kann sich ja nicht alles bieten lassen, richtig? Boah, diese Buddhisten! Wie ignorant gelassen kann man noch sein? Darum geht es in diesem Thread. :)

    Buddha rät, die eigene Reaktion zu verstehen. Ist man über das gekränkt, was passiert ist, oder über das, wie es empfunden wurde? Angesichts der Tatsache, dass der Zuhörer sein eigenes mentales Modell erstellt, ist die Chance ganz gut, dass er nicht das denkt, was der Sprecher dachte. Es spielt keine Rolle, was das Publikum dazu sagt.

  • Die Gelassenheit und die Ignoranz des Buddhismus

    • Michael Haardt
    • 31. August 2025 um 14:22

    Ich vermute, dass mit Anfängern Leute gemeint sind, die sich erst mit Buddha beschäftigen wollen. Dafür ist ein Thema, wo man sich differenziert fragt, was Buddhismus nicht ist und wo man Unterschiede zwischen Lehre und Kirche sieht, vielleicht nicht ideal.

    Sicher kann man über die Struktur des Forums und die Aufteilung verschieden denken. Begegnungen, Chroniken? Das ergibt bei mir auch Fragezeichen. Die Moderation muss selbst wissen, ob sie sich mit der Struktur einen Gefallen tut. Aber man kann hier ebenso wie im vorigen Bereich schreiben, also von mir aus.

    Die Frage des Threads ist interessant und die Antwort gar nicht einfach. Wie man sieht. :)

  • Die Gelassenheit und die Ignoranz des Buddhismus

    • Michael Haardt
    • 29. August 2025 um 20:09

    Da widerspreche ich. Dukkha betrifft nur die Psyche von Menschen, also unsere Gedanken. Nicht den Rest der Welt. Es gibt die Hypothese, dass das Gehirn nicht komplex genug ist, sich selbst zu verstehen. Ebenso, dass unsere Gedanken nicht komplex genug sind, unser Denken zu verstehen. Buddha sagte letztlich, dass er letztere Hypothese widerlegt hat, und wie man das macht.

    Die Gretchenfrage aus den Konstruktivismus ist nun: Gibt es denn mehr als unsere Gedanken? Hier wird es ein bisschen Science Fiction, aber man kann sich mit der Frage durchaus beschäftigen und sie ist nicht so absurd, wie es sich vielleicht anhört. Donald Hoffman ist damit bekannt geworden. Youtube: "is reality real" Es ist interessant, mehr aber auch nicht. Die Physik befasst sich teilweise auch damit.

    In dem Kontext klingt Buddhas Feststellung, dass unsere Identität eine Illusion sei, inkl. der Erklärung, was das bedeutet, auf einmal ganz anders.

    Aber: Bis die Physiker die Weltformel gefunden haben oder wir alle erwacht sind, und ich rechne während meines Lebens mit keins von beidem, liefern Buddha bzw. die Psychologie einen guten Weg, mit einer Identität, die nicht ist, was sie zu sein scheint, in einer Welt, die vielleicht nicht ist, was sie zu sein scheint, klarzukommen. :)

    Der Thread begann damit, warum man vielem Leid einfach zuschaut. Warum Buddha wenigstens einmal bei einem Krieg wegschaute. Warum er nicht gegen ein Staatswesen revoltierte, was Kriege führt. Er hat keinen Weg gefunden, das Leid aller Menschen zu beenden, sie alle zwangsweise zu erwecken. Das ist der Grund, warum es Leid gibt, und er hielt das für so unumstößlich, dass er es axiomatisch als erste Wahrheit bezeichnete. Er hat nur einen Weg für die gefunden, die ihn gehen wollen, und war pessimistisch, wie viele das Ende erreichen.

    Ich bin beeindruckt, wie klug da jemand vor 2500 Jahren war. Der Weg selbst hat schon viel zu bieten.

  • Die Gelassenheit und die Ignoranz des Buddhismus

    • Michael Haardt
    • 29. August 2025 um 13:52

    Das ist richtig, aber sogar bei Wissen verhält es sich so. Es könnte wahr sein. Wir können uns da aber nie sicher sein.

    Einst waren Elektronen kleine Bällchen. Wie Planeten. Dann kamen Energieniveaus und Quantenphysik. Es sind nur noch Wahrscheinlichkeitsfelder mit quantisierter Wechselwirkung. Wirklich? Vermutlich nicht.

    Es gab nur zwei Geschlechter beim Menschen. Binär. Aber dann kam die Genetik, die tiefer als Chromosomen und Geschlechtsmerkmale schaute, und auf einmal war Intersex keine obskure Anomalie mehr, sondern nur eine offensichtliche Ausprägung eines insgesamt komplexeren Modells. Hat man das nun fertig verstanden? Eher nicht.

    Aber der jeweils letzte Stand ist dennoch hilfreich, um sich in der Welt zurechtzufinden, obwohl wir wissen, dass es vermutlich nicht die Wahrheit ist.

    Das Prinzip zu prüfen, nicht zu glauben, ist der Kern jeder Wissenschaft. Man muss nicht hoffen, indische Überlieferungen einer längst vergangenen Zeit in allen Details zu verstehen. Es kann sehr lehrreich sein, aber wenn irgendwas einfach keinen Sinn ergibt, ist es nicht verloren, sondern kann neu erdacht werden. Tradition ist die Weitergabe des Feuers, nicht das Bewahren der Asche.

  • Die Gelassenheit und die Ignoranz des Buddhismus

    • Michael Haardt
    • 29. August 2025 um 09:44

    Glauben ist keine Anmaßung von Wissen. Wenn wir glauben, dann geben wir einem Konzept einen Namen, so als ob wir ein mentales Modell davon hätten. Damit können wir es im Denken verwenden. Das klingt jetzt nach einer schlechten Idee, aber faktisch glauben wir enorm viel. Anders geht es nicht.

    Wissen wird durch mentale Modelle abgebildet. Die müssen nicht richtig sein, aber sollten Beobachtungen nicht widersprechen, damit wir ihren Vorhersagen vertrauen können. Das ist der Grund, warum wir abweichende Beobachtungen etwas angleichen: Das mentale Modell bleibt dann weiter nutzbar und wir bleiben handlungsfähig.

    Die Welt so sehen, wie sie ist: Das ist uns streng genommen nicht möglich. Wir bauen aus allen Wahrnehmungen mentale Modelle. Aber eben diese Einsicht hilft sehr, durch Selbstreflexion bessere Modelle zu bekommen. Dafür empfiehlt Buddha Meditation. Die Welt findet nur in unseren Gedanken statt: Das ist Konstruktivismus pur.

    In dem Kontext muss man sehen, dass Buddha aufruft, alles zu prüfen. Wir sollen nicht glauben, sondern wissen. Das ist natürlich immer besser, denn man kann leicht etwas falsch glauben, aber viel schwerer etwas Falsches wissen. Gute Theorien halten dem Experiment stand und das Experiment schafft Vertrauen, dass sie gut sind. Wir sollen Buddha nicht glauben und vertrauen, sondern wir sollen Wissen erlangen, dem wir vertrauen.

    Psychologie und Buddhismus sagen oft das Gleiche.

  • Die Gelassenheit und die Ignoranz des Buddhismus

    • Michael Haardt
    • 25. August 2025 um 20:12

    Es gibt Leid. Man kann sehr viel zu Deutschland sagen, vorschlagen, jammern, klagen, besorgt sein oder sonst was tun. Aber dieser eine Satz fasst all das zusammen. Und da Buddha das schon feststellte, scheint sich in der Welt seitdem nicht umwerfend viel verbessert zu haben.

    Laufen die Dinge in Bhutan besser? Überraschung. Buddhisten sind keine besseren Menschen als Andere:

    https://www.fluchtgrund.de/2017/06/bhutan-ethnische-saeuberung-im-land-des-gluecks/

    Buddha hat einen Weg für Einzelne gefunden, die fast nie klappt. Er verringert nicht das Leid in der Welt. Global gesehen könnte man nun sagen, wow, das ist alles? Das ist nicht viel. Ist das nicht egoistisch? Ganz schön ignorant.

    Oder man sieht es vom Standpunkt eines Einzelnen aus. Im Christentum wird versprochen, am Ende eines leidensvollen Lebens bei Beachtung aller Regeln belohnt zu werden. Ob's so kommt? Maximales Risiko, das muss man schon glauben. Buddha liefert ein Vorgehensmodell, ein besseres Leben zu bekommen. Hier und jetzt, überprüfbar. Besser. Nicht superhimmlischständigglücklich. Im Buddhismus wird Freundschaft hoch angesehen und Freunde haben manchmal etwas davon. Der Rest der Welt nicht. Angenommen, Du erwachst, dann könnten Freunde sogar darunter leiden, dass du dich von ihnen entfernt hast. Das ist die Messlatte.

    Gut, machen wir es besser. Knien wir uns rein! Globaler Anspruch, keine egoistische Ignoranz! Und siehe da, kaum wirft man alle Regeln über Bord, wird es schlechter.

    Das ist die Situation. Man kann das verschieden sehen, aber wenn man daran verzweifelt, tut man sich Leid an und davon wird nichts besser.

    Zurück zu Deutschland. Wenn man für sich feststellt, dass man nirgendwo sonst leben könnte, es überall schlechter ist, man ausschließlich hier die nötige Medizin bekommt und überhaupt - dann ist man am allerbesten Ort der Welt. Dieser allerbeste Ort ist auf dem Weg, das Opfer seiner Ideologie zu werden. Viele Menschen wollen davon nichts wissen. Sie sind auch nicht nett. [hier weitere berechtigte Klagen einfügen] Da waren wir am Anfang schon. Es gibt Leid.

    Entweder macht man den Zyklus mit, wieder oben anzufangen. Oder man entscheidet sich für das bessere Leben. Natürlich hält man die Augen offen. Buddha rät deutlich dazu. Hier und da klingen die Dinge schon irgendwie vielversprechend, und wenn man genau hinschaut, sieht man die Äquivalenzen zu Buddha.

    Michael

  • Ich bin aus der Deutschen Buddhistischen Union ausgetreten

    • Michael Haardt
    • 17. August 2025 um 20:16

    Ich mache einen Unterschied zwischen Religion und Kirche. Die Bibel sagt nichts von Kreuzzügen und der Vergewaltigung von Kindern und Buddha sagt nichts davon, dass Kloster Unsummen an Geld einsammeln oder Menschen Vereine gründen sollen, um in seinem Namen was auch immer zu tun.

    Irgendwo las ich, dass der Skandal in Thailand den Glauben erschüttert. Ich hoffe nicht, denn ich sehe keinen Grund dazu.

  • Die Wahrheit ist ein pfadloses Land

    • Michael Haardt
    • 25. Juni 2025 um 23:26
    Anna Panna-Sati:

    Die Wahrheit erweist sich für manche Menschen aus verschiedenen Gründen unter Umständen als schwer- bis unerträglich, dann schützt sich die Psyche ggf. davor und kreiert "barmherzige Lügen" als Überlebensstrategie.

    ("Kognitive Verzerrungen" gibt es sicherlich nicht nur in Bezug auf Wahrnehmungen in der Umwelt - sie sind auch bei der Bewertung einer "Innenschau" und spiritueller Erlebnisse denkbar.)

    Das ist definitiv so. Wir mögen widerspruchsfreie mentale Modelle, weil nur die vertrauenswürdige Vorhersagen erlauben. Kognitive Verzerrungen entstehen, weil neue Beobachtungen oder Gedanken hinzugefügt werden, die, obwohl oder weil bereits vereinfacht, unverändert Widersprüche ergeben würden. In kleinem Ausmaß kein Problem und sogar hilfreich, aber wenn das Feedback des Modells auf die Integration von Neuem so stark wird, dass das Modell konvergiert, ist das eine ernste Störung.

    Es ist kein Schutzmechanismus, sondern einfach die Art, wie wir lernen. Man kann nur versuchen, darauf zu achten und sich damit zu arrangieren. Vermeiden kann man es nicht.

  • Die Gelassenheit und die Ignoranz des Buddhismus

    • Michael Haardt
    • 20. April 2025 um 17:50

    Wenn Du damit ausdrückst, dass man sich im Berufsleben maskieren muss: Ja, das ist so. Vermehrt bestimmt die Konformität und nicht die Arbeit selbst den beruflichen Erfolg. Dazu passt dieser Artikel sehr gut:

    Compliance is the New American Dream
    How risk aversion has shaped our schools, our government, and our global standing
    kyla.substack.com

    Natürlich kann man einfach hingehen und sagen: "Meine Güte, wieso sind die alle so dämlich. Ich halt's im Kopf nicht aus." Allerdings ist dieses mentale Modell derartig schwarz-weiß und allquantifiziert, dass es sieben Meilen gegen den Wind nach etwas riecht, was auf einer verzerrten Wahrnehmung der Realität beruht. Es ist also mehr als berechtigt, sich zu fragen, wie man zu diesem Gedanken kommt, und genauer hinzusehen. Und dann offenbart sich, dass die Realität erheblich komplexer ist. Ich vermute, man könnte diese Bemühung unter rechte Gesinnung oder rechtes Streben einsortieren. Die Psychologie liefert an der Stelle praktische Kriterien, schlechte und nicht hilfreiche mentale Modelle (Glaubenssätze) zu identifizieren.

  • „Nichts ist so wie es scheint“

    • Michael Haardt
    • 23. Februar 2025 um 22:44

    Mit Wahrheit meine ich den aktuellen Stand der Erkenntnis. Mir ist klar, dass die Wahrheit anders aussehen kann und das vermutlich auch tut.

    Man kann die makroskopische Welt eben nicht ohne QM beschreiben, wenn man in den Keller geht und das Doppelspaltexperiment mit einzelnen Photonen macht. Die Quantisierung sieht man auch woanders, aber dieses Experiment zeigt die Natur des Wahrscheinlichkeitsfelds in Wellenform und das Photon als die Wechselwirkung. Wenn ich aus dem Keller raus zurück in die Sonne komme, kann ich das Ergebnis nicht als "was im Keller passiert, bleibt im Keller" abtun. ;)

    Wenn ich mir bewusst bin, wie ich lerne und wie mentale Modelle entstehen, ist das eine ähnliche Erfahrung. Das war der Punkt, wo ich beim Buddhismus erstaunt feststellte, dass die Aussage, die Identität sei eine Illusion, schon begründbar ist.

    Man beweist gar nichts außerhalb der Physik mit QM. Aber es gibt interessante Analogien.

  • „Nichts ist so wie es scheint“

    • Michael Haardt
    • 23. Februar 2025 um 15:01

    Volle Zustimmung. Ein schlüssiges Gedankenexperiment müsste schon mathematisch formuliert werden.

    Bis dahin bleibt es Philosophie. Kann man es wissenschaftlich beweisen, wandert ein Konzept in den Bereich der Wissenschaft. Dennoch gab es das Konzept schon vorher und die QM zeigt, dass unsere mit den Augen sichtbare Vorstellung der Welt zu naiv ist, und ich halte es für wichtig, dass man einige Effekte der QM mit den Augen sehen kann, denn damit kann man nicht so tun, als sei das nur irgendwelche in unserer Realität irrelevante Forschung. Wenn einem in der Sonne warm wird, erlebt man quantisierte Wechselwirkungen von Wahrscheinlichkeitsfeldern, oder von etwas, was sich so verhält, und Materie ist keine Ausnahme. Das ist nicht der Realitätsbegriff, mit dem man aufwächst.

    Wo ist nun die Korrelation zum Buddhismus? Es dreht sich dort sehr viel um das, was man in der Lerntheorie Konstruktivismus nennt. Wir sehen die Welt nicht, wie sie ist. Unsere mentalen Modelle der Welt sind nur das, Modelle. Buddha nannte sie eine Illusion. So weit würde ich nicht gehen, aber ich kann es nachvollziehen. Die Wahrheit sind sie jedenfalls nicht. In dem Zusammenhang sagt die QM, dass unsere Wahrnehmung der Welt überwiegend als makroskopisches Modell taugt, aber nicht die Wahrheit ist.

    Damit beweist man nichts, aber es ist interessant.

  • Die Gelassenheit und die Ignoranz des Buddhismus

    • Michael Haardt
    • 23. Februar 2025 um 14:41

    Deine ganzen Fragen sind eigentlich die eine Frage danach, in welcher Situation Du Dich befindest, und warum, und Letzteres erklärt Ersteres.

    Es gibt sehr viele Prozesse, die eine fraktale Struktur haben. Wenn die Richtung kurzer Zeiteinheiten mit der langer Zeiteinheiten korreliert, wird es hektisch. Meistens tun sie das nicht, und mit etwas längerem Blick betrachtet ist es die meiste Zeit ruhig. Katastrophenpropheten liegen darum fast immer falsch, aber hin und wieder passieren auf lange Sicht gesehen unwahrscheinliche Dinge und das in schneller Folge. Das harmoniert mit der Normalverteilung, die in der Natur oft vorzufinden ist.

    Aus meiner Sicht sind wir kurz vor so einem Punkt, wo sich die Trends diverser Zeiteinheiten gerade treffen und es turbulent wird. In vielen Ländern wurde z.B. der demografische Wandel ignoriert, obwohl man wusste, was es bedeutet und was dann passiert. Der demografische Wandel fällt mit einer wachsenden Ungleichverteilung von Vermögen zusammen. Dann gibt es sehr vielfältige Gründe, die die Produktivität einer Wirtschaft hemmen: Stagniert diese dauerhaft, scheitert eine grundlegend auf Wachstum basierte Gesellschaft. Und vieles mehr.

    Die treibende Kraft von all dem ist die Ideologie der Kultur, deren Antworten vor langer Zeit richtig waren und den Erfolg begründeten, der die Welt änderte, so dass die Antworten nun falsch sind.

    Es gibt auf YouTube diverse Videos, die sich mit dem Nobelpreis für Wirtschaft 2024 befassen: Why nations fail. Man sollte meinen, jede politische Führung wäre nun glücklich, weil sie endlich die Antwort hat, wie man erfolgreich wird. Nein, es wird ignoriert. Weil Ideologie allgemeingültige Antworten liefert. Ideologie ist im Grunde ein Symptom kognitiver Verzerrungen.

    Das gab es in der Geschichte schon immer und aus jeder Unruhephase gingen dann neue Kulturen hervor. Jede dachte immer, die Beste und Letzte zu sein. Hat nie gestimmt.

    Du kannst verzweifeln, den Lauf der Geschichte nicht ändern zu können. Buddha sagt, "Ist halt so. Mach's nicht schlimmer. Verstehe Deine Situation." Man kann sich an der Vergangenheit nicht festhalten, also tust Du am Besten das, was für Dich am Besten ist, aber nicht auf Kosten Anderer.

Ausgabe №. 135: „Achtsamkeit und Aktivismus"

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