Da hast Du völlig recht Monika, auch für mich gibt nicht das Schriftwerk störrig die Regel vor, das Werk hat noch nie von mir gehört und so fühle ich mich, als Zen Buddhist dazu verpflichtet, selber Regeln zu erkennen, die für mein Leben gültig sind. Ich habe das Glück im Kloster, in der Sangah auf Menschen zu treffen, die mich darum bitten, sie aufzunehmen und die Regeln mit ihnen zu teilen. Das ist mit, wenn Du Buddha trifft, töte ihn, gemeint, gehe selbstständig den Weg, entscheide selber und brauche keine Krücken wie das Schriftwerk, an dem Du anhaftest.
Beiträge von ewald
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Ich verteidige nicht die "Kirche", aber ich respektiere den Glauben Andersdenkender.
Monika
Das tue ich auch, der Glaube eines jeden Einzelnen ist heilig sozusagen. Aber ich akzeptiere nicht, wenn einer zu mir sagt, lass Deinen Glauben weg, nimm meinen an, nur so wirst Du selig werden.
Was provozieren angeht, das ist im Zen Teil der Lehre. Wenn es heißt: 'Falls Du Buddha triffst, töte ihn.' ist das eine reine Provokation und das ist gut so.
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Du wirst lachen, mir fallen viel mehr Gründe ein. Wer provoziert muss nicht nur damit rechnen ein Feuer zu entfachen, sondern auch ignoriert zu werden. Je nachdem, wie die Stimmungslage ist. Bin davon überzeugt, dass das Thema Jesus und Christentum im Buddhaland eine Provokation ist, eine ganz kleine, aber immerhin. In der Woche Buddhist bei Buddahland und am Sonntag in die katholische Kirche zum Gottesdienst.
Beginne schon seit Jahren keinen Thread mehr, so wichtig ist das nicht, habe den Rückzug zusammen mit dem Buddhismus erfahren.
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Das ist ja ein tolles Wischiwaschi, Jesus lebt und Buddha darf auch noch etwas nebenher humpeln. Für mich sind das Glaubenssätze, die sich einander ausschließen. Der Dalai Lama kann sich zu tibetischen Buddhisten äußern, aber ansonsten hat er keine Befugnis. Ich als Zen Buddhist habe da eine ganz klare Haltung zu Jesus als christliche Religion und der Lehre Buddhas. Es ist im menschlichen Gehirn eher das Gegenteil in der Anwendung. Ich werde als Zen Buddhist das Verherrlichen von Jesus nicht akzeptieren. Wozu Buddhist sein, wenn die christliche Religion dominiert.
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Nun ist Schweigen im Walde, denn das Christentum infrage stellen ist auch in dem im Westen beheimatetes Buddhaland ungeschickt. Buddhismus schön und gut, aber nur wenn die christlichen Werte im Vordergrund bleiben. Das ist nicht nur ein um sich selbst drehen, das ist ein öffentlich Wasser predigen und heimlich Wein trinken.
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Das mag sein, dass Buddhisten im Westen, die aus einer christlichen Tradition kommen, gerne an den Vorzügen einer monotheistischen Religion festhalten, aber erstens ist der Buddhismus keine Religion und zweitens nehme ich auf ursprünglich falsche Haltungen keine Rücksicht, Buddhas Lehre ist verbindlich im Buddhismus. Die Eigenverantwortung und das nicht anhaften stehen im Vordergrund, das ist das Wesentliche, egal welcher Glaube vorher eine Rolle spielte. Wer im buddhistischen Kloster leben will und meint, ich will aber am christlichen Gott festhalten, dann geht es eben nicht. Das ist überall so und wie ich finde aus verständlichen Gründen. Die Toleranz ist da, jeder kann sich einbringen, aber es kann im buddhistischen Rahmen nicht das Christliche dominieren, da ist ein neu lernen erforderlich.
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Der Wunsch, die Welt retten zu wollen, rührt daher, dass, wenn ich die Welt gerettet habe, mich selber auch gerettet habe. Anstatt nur mich selber zu retten, das funktioniert komischerweise meistens nicht, wird die ganze Welt gerettet, nach dem Motto, anderen helfen ist super, aber sich selber nicht.
Dabei trifft auch hier der alte Satz zu, würde sich jeder selber retten, wären alle gerettet und somit auch die Welt. Man braucht als Helfer nur zum sich selber retten animieren und die Welt wäre gerettet. Ich finde, um sich selbst zu retten, ist der Buddhismus und Buddhas Lehre ideal geeignet.
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Oh Mann, wie ich diese Weltretterallüren hasse, weil sie so sehr an der Realität des Alltags vorbeigehen, diese Vorstellung kein Mensch, sondern ein Gott zu sein, der alle rettet. Natürlich kann man einem Gegenüber helfen, wenn man es richtig anpackt, aber mehr nicht. Es kann ja auch niemand den Tod aus der Welt schaffen und er kann viel Leid erzeugen, vor allem bei den Hinterbliebenen. Man kann mit Verlust umgehen, aber verhindern kann man ihn nicht. Deshalb nannte es Buddha, das Leid im Dasein.
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Ich nenne es gerne Sackgasse im Alltag, den Teufelskreis wo es kein Vorwärts mehr gibt, sondern ein Feststecken in der Situation. Da hilft nur sich bewusst zu machen, dass man einem Fehlverhalten aufsitzt, von dem man, glaubt es, wäre die Lösung. Wenn man glaubt, das Leiden zu verringern, weil man sich brav an die Regeln hält, dabei verstärkt man es, weil das persönliche Schicksal in dem Regelwerk gar nicht vorkommt.
Wenn man im Teufelskreis, in der Sackgasse festhängt, hilft ja nur das zu akzeptieren und den Rückweg anzutreten, zurück zu einem Punkt, wo das Leid abmildern wirklich noch praktisch von Erfolg gekrönt war. Das hat viel mit nicht anhaften und loslassen zu tun. Auch am Regelwerk anhaften schafft Leid, es geht der individuelle Bedarf verloren.
Ja, das ganze Dasein ist eine Ironie, wenn man sich das Abstrampeln auf der Erde zwischen Geburt und Tod vor Augen führt. Ich halte ironische Betrachtung für eine gute Lösung im Dasein.
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Es wird höchste Zeit, beim Thema 'Selbstbezogenheit' das Selbst und die Seele mit einzubeziehen. Natürlich ist der Körper als Lebewesen unabdingbar, aber was wäre der Mensch ohne seine Nerven, ohne Psyche, ohne Seele. Ein Klumpen Fleisch. Deshalb ist die Selbstbezogenheit und der Egoismus so lange wichtig, bis das eigene Leid behoben ist, zusätzliche Energien zur Verfügung stehen für die Zuwendung zu anderen. Solange jedoch ein eigenes Defizit vorliegt in der Persönlichkeit, ist es besser diese selbstbezogen und egoistisch zu beheben, bevor andere damit behelligt werden. Wer krank ist, sollte sich heilen und nicht ein Sendungsbewusstsein ausstrahlen, um andere zu beglücken. In der Geschichte gibt es so viele Beispiele von Herrschern, wo es schiefging, weil ein Teil ihrer Krankheit Machtausübung war. Da würde man sich die Selbstbezogenheit wünschen und die Öffentlichkeit bliebe verschont. Mein Selbst definiere ich mehr über Vorstellungen, Gedanken und Empfindungen als über den Körper, aber es ist eine Wechselwirkung, ist das Psychische gesund, ist auch das Physische gesund und umgekehrt,
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Dieses „unendlich Zeit haben“ würde ich schrecklich finden, aber, dass der Aufenthalt auf der Erde als lebender Mensch begrenzt ist, lässt sich beobachten und belegen, egal mit welchem Glauben. Das finde ich beruhigend, lebe nach dem Prinzip 'wohltuende Vergänglichkeit'.
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Ich weiß, was nach meinem Tod mit mir passiert. Ich möchte eine Erdbestattung und werde dort von den Würmern aufgefressen, es entsteht Humus, der dünkt die Pflanzen, sie dienen als Nahrung usw. ein ewiger Kreislauf des Lebens. Da ist ein Glaube an die Wiedergeburt, der Ewigkeit wegen nicht notwendig. Wer eine gute Moral hat, braucht das Karma nicht extra zu betonen.
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Buddha hatte nicht nur vor, die Welt zu verbessern, er hatte auch nicht vor, der Herrscher der Welt zu sein, wie es Jesus als Sohn Gottes geworden ist. Mir ist nicht bekannt, dass sich Buddha über frühere Leben geäußert hat, im Dharma kommt es nicht vor. So mag ja sein, wer an Himmel und Hölle glaubt, Angst vor der Hölle hat und deshalb brav ist, aber wer glaubt in unserem Kulturkreis noch an die Hölle? Wer glaubt an die Wiedergeburt?
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In der Gemeinschaft im Hier und Jetzt, zu Lebzeiten, spielt es kaum eine Rolle für die Umsetzung der buddhistischen Lehre, ob der Einzelne an die Wiedergeburt glaubt oder nicht. Der Tod am Ende des Lebens wird kommen, so oder so. Die Verantwortung gilt für den Zeitraum des aktuellen Aufenthaltes auf der Erde, das ist Verantwortung genug und nicht darüber hinaus. Wer gutes Karma sammeln möchte, kann es tun, es schadet nicht. Aber wer nicht daran glaubt, lebt hier in der Gemeinschaft in Mitteleuropa genauso gut. Wichtig ist die buddhistische Moral
basiert auf dem achtfachen Pfad und den fünf Geboten, um Leiden zu beenden und in der Gemeinschaft ein ethisches Leben zu führen.
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Spielfilme oder Fernsehdokumentationen verwende ich kaum, um die Lehre Buddhas zu verstehen, um das Wesen des Buddhismus zu erfahren, das Meiste geht aus der Sangha hervor. So auch die Haltung zur Wiedergeburt, in meinen Augen ist das ein individueller Aspekt. Es hat auf die Gruppendynamik keinen größeren Einfluss.
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Es nutzt ja nichts, die Vorstellung der Wiedergeburt ist im lebenden Organismus möglich und wer sich das vorstellen möchte, kann das tun. Ob es dafür rationale Beweise gibt, danach fragt der Buddhismus nicht, braucht er auch nicht, wer glauben möchte glaubt, so oder so. Ich glaube an die Lehre Buddhas, meine Erfahrung hat mir gezeigt, sie hat mir oft geholfen. Vielleicht kann sie anderen auch helfen. Ja, auch das hat meine Erfahrung gezeigt, sie hilft auch anderen Menschen. Mit dem Detail der Wiedergeburt kann jeder umgehen wie er möchte, es gibt kein Dogma.
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Ja alles stirbt jeden Augenblick und alles entsteht jeden Augenblick wieder neu.
Damit kann man alles und jedes beschreiben in einem fort, aber mein Dasein drückt sich durch Gefühle aus und die wechseln. Auf den Glauben an die Wiedergeburt hat das keinen Einfluss. Mit diesem Glauben ist das wiedergeboren werden je nach Karma nach dem Ende des Lebens gemeint und weniger der Untergang und Neuentstehens des Moments in einem fort.
Da muss sich der Mensch schon entscheiden, glaube ich nicht an die Wiedergeburt, dann ist mit dem Tod Ende, oder glaube ich an die Wiedergeburt und bin an die Gesetze das Karma gebunden. Natürlich kann man auch die Haltung einnehmen, ich lasse es auf mich zukommen und werde es im Falle des Todes, sollte es eine Wiedergeburt geben, erleben.
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Der Dalai Lama ist in besonderer Position, für ihn findet sich ein Nachfolger in Form der Wiedergeburt, mit dieser Erfüllung sind ganz viele Menschen beschäftigt.
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Wenn ich die vier edlen Wahrheiten überprüfe, mit meinem eigenen Lebenswandel jetzt und hier, werde ich feststellen, da ist etwas dran. Dasselbe kann ich mit der Wiedergeburt nicht machen, ich kann sie jetzt und hier nicht überprüfen. Selbst wenn ich in dem Moment tot umfalle, bin ich nicht schlauer. Ich müsste also die Fähigkeit haben, mir meine früheren Leben bewusst machen zu können, das jedoch gehört in den Bereich der Fabelmärchen. Die Wiedergeburt bleibt eine Glaubensfrage, wohingegen ich die vier edlen Wahrheiten überprüfen kann.
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Doch, wenn ich glaube, dass die Schriften die Regeln für mein Leben vorgeben und ich halte mich daran, dann ist es ein blindes Übernehmen von Dogmen. Die Schriften haben keine Ahnung von meinem individuellen Leben, wenn ich sie als Regeln anerkenne, ist es pure Feigheit vor der eigenen Kreativität und Schöpferkraft. Die Schriften sind meist ein Dogma, aber Buddhas Lehre nicht, sie ist individuell anwendbar. Das zeichnet den Buddhisten aus, nicht das Befolgen der dogmatischen Regeln in den Schriften.
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Im höchsten Sinne (paramattha) nämlich, so lehrt der Buddhismus, ist das sog. Dasein ein bloßer Prozess von beständig wechselnden körperlichen und geistigen Phänomenen, und weder innerhalb noch außerhalb dieses Werdeprozesses ist irgend eine beharrende Ich-Einheit oder Persönlichkeit anzutreffen.
Dann dürfte es die online Kommunikation nicht geben, denn der Text der hier gesendet wird als ausschließlicher Ausdruck eines Wesens stammt von einer Ich-Einheit, anders geht es nicht.
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Daran ist gar nichts müßig. Der eine "Glaube" ist durch die Schriften (fast) aller buddhistischen Konfessionen belegt und der andere Glaube nicht. Warum kann man nicht einfach akzeptieren: dies ist buddhistische Lehrmeinung, dies ist Privatmeinung?
Mir ist die Lehrmeinung absolut vertraut, sonst könne ich die Privatmeinung daraus nicht ableiten. Die Lehre (Dharma) ist ja schön und gut, aber die Autoren kannten mich nicht und so ist es meine Pflicht diese Lehre für meine Persönlichkeit zu wandeln. Allgemein gilt die Lehrmeinung, aber individuell für den Erwachten gilt die Privatmeinung. Ich lebe nicht nach den Schriften, ich lebe nach eigenem Geist, mit Kreativität und Gelassenheit. Wer die schriftlichen Vorgaben als Lehre braucht für die Struktur seines Lebens, ist ja völlig o.k., ich nicht. Ich lebe nicht aufgrund Buddhas Biografie, sondern aufgrund meiner eigenen. Willst Du sie lesen, ich habe sie schriftlich da?
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Es ging ja am Anfang des Threads um den Glauben an die Wiedergeburt oder nicht. Diese Versuche den Glauben von der einen oder anderen Seite zu beweisen anhand von Schriften aus den überlieferten Lehrsätzen ist doch müßig. Entweder man glaubt daran oder nicht, das kann man doch akzeptieren. Natürlich konnte auch Buddha die Wiedergeburt nicht beweisen, oder das Gegenteil, wie denn auch? Wer ins Nirvana eintaucht, wird nicht wiedergeboren, alle andern schon, so die Lehrmeinung.
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Jedoch hier geht es um den buddhistischen Glauben der Wiedergeburt, der tief verwurzelt ist.
Es geht um den Übergang eines geistigen Kontinuums (ohne feste Seele) in einen neuen Körper, bestimmt durch das Karma, also Taten, Gedanken und Absichten aus vorherigen Leben. Dieser ewige Kreislauf der Wiedergeburten wird Samsara genannt und gilt als leidvoll, da er von Gier, Hass und Wahn geprägt ist. Ziel der buddhistischen Praxis ist das Erreichen des Nirwana, eines Zustands des höchsten Glücks und der Befreiung vom Kreislauf des Samsara.
Meine persönliche Haltung dazu habe Samsara überwunden.
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Meditation, Versenkung, Loslassen des Egos üben, im Hier und Jetzt üben, ändert an der Psyche an sich recht wenig. Wenn man aufhört zu üben, zeigen sich wieder verstärkt alte Denk und Verhaltensweisen.
Würde ich jetzt nicht unterstreichen, es gibt ja psychische Störungen, auch unter Buddhisten und da kann die Meditation, die Versenkung, das Loslassen von Illusionen und das Üben im Hier und Jetzt, die Achtsamkeitsübungen sehr wohl eine heilsame Therapie für die Psyche sein. Es geht um einen förderlichen Prozess in der Übung und der ist heilsam.
Ansonsten stimme ich zu, man muss erst einmal ein psychisches Gefühl für das 'Ich' haben, um es zu begreifen und dann loslassen zu können. Hier in der westlichen Welt steht das Ego im Vordergrund, da hat man im Alltag nur eine Chance es loszulassen, wenn man unter Betreuung ist.