Hallo Kaiman,
da ich das Buch des Dalai Lama nicht habe und auch nicht in tibetischer Tradition praktiziere kann ich nicht viel kommentieren, aber ein paar Gedanken dazu wie Ayya Khema sich dazu positionieren könnte.
- Nachdenken über die Einmaligkeit als menschliches wesen geboren zu sein.
--> "Die ewigkeit ist jetzt" - Reflektieren über Tod und Unbeständigkeit.
--> Einsicht in die 3 Daseinsmerkmale, klar in der Satipatthana Sutta enthalten z.B. - Nachdenken über Handlungen und deren Wirkung.
Entspricht A.K.'s Sicht von Kamma - Reflektieren über die Fehlerhaftigkeit im Daseinskreislauf.
A.K. erinnert eigentlich ständig daran dass man im weltlichen Leben getäuscht wird. Sich selbst täuscht, etc. Ein Audiobook ist mir da in Erinnerung (also sicher eine ihrer zahlreichen Dharma Talks, müsste auf Dharmaseed zu finden sein), in dem sie ziemlich brutal den Begriff der Liebe zerpflückt und am Ende glaubt bleibe ich nur die bedingungslose Liebe übrig
Ayya Khema betont jedoch auch immer wieder dass man gerade in der meditativen Übung nicht zu sehr grübeln sollte. Kommt ein Gedanke auf, betrachtet man ihn kurz, sucht das erstbeste Etikett, und lässt ihn ziehen ohne ihm nachzuhängen.
Bzgl. der Achtsamkeit glaube ich dass der Begriff etwas inflationär heutzutage gebraucht wird auch im Pali-Buddhismus. Es geht nicht nur um Achtsamkeit sondern oft steht im Pali Kanon Sati-Sampajañña (etwa im DN2, siehe auch Ayya Khemas Buch von den Früchten des Spirituellen Lebens). Ich glaube Achtsamkeit ist im Pali Kanon immer ein dehnbarer Begriff, eher eine Erinnerung daran sich der Praxis zu "widmen" als die Beschreibung der eigentlichen Praxis selbst (praxis wäre dann z.B. Samatha-Vipassana). Sati ist der Dirigent sozusagen, sehr wichtig, aber einfach abstrakter, nicht der eigentliche Musiker. Versuche dann konkrete Eigenschaften mit Sati zu identifizieren scheitern oder verkürzen, weil Sati ein etwas abstrakteres Konzept ist.
Ein Buch des Dalai Lamas was ich empfehlen kann ist seine Diskussion über Kamalaśilas Bhavanakrama. Gibts antiquarisch auch auf deutsch. Da schreibt er im Prinzip über Śamatha-Vipaśyana Praxis, also über die konsequente Fortsetzung der Samatha-Vipassana Praxis aus der Perspektive des indischen Mahayana.