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Beiträge von Dharma Buddy

  • Buddhismus und Homosexualität und Transsexualität

    • Dharma Buddy
    • 27. April 2023 um 23:24
    SpektrumRot:

    Dharma Buddy Jetzt drängst Du mich in eine Position, deren umstandshalber mich nur unglaubwürdig machen kann ;)

    Aber das ist doch Blödsinn, das nur ein Buddha das Karma verstehen kann.

    Egal was ich sage, es ist falsch….

    Vll das ich manche Dinge verstanden habe, aus einer anderen Perspektive

    Wieso unglaubwürdig? Natürlich können wir unser Karma sehen: Gewohnheiten, Saṅkhāra, die endlosen Ketten von Ursache und Wirkung in unserem Geist usw. In jeder Meditation lernen wir mehr über uns selbst.

    Aber in diesem Thread hast Du ja eine andere Frage gestellt und ich habe Dir einige "klassische" Erklärungen geliefert, die karmische Wirkungen über mehrere Leben zum Thema hatten. Und selbst nach traditioneller Lehre sind diese Einsichten völlig außerhalb unserer Reichweite. Wir können sie glauben, sie ablehnen oder uns agnostisch verhalten. Aber wissen können wir es nicht, oder?

  • Buddhismus und Homosexualität und Transsexualität

    • Dharma Buddy
    • 27. April 2023 um 22:19
    SpektrumRot:

    Also wirklich Fantasie, ich hoffe die rechte Rede oder den guten Ton zu bewahren.

    Erstmal

    Buddha wusste nichts von Genetik in der Zeit.

    Du bist alles, und um es ganze kompliziert zu machen, Du dein Geist und Körper ist eine Illusion, Du existierst aber nicht als eigenständig sondern als alles bzw in alles.

    Ob deine GENTEIK dein Geist (Gehirn)es ist ein „Produkt“ von deinem Karma.

    Da gibt es keinen Unterschied in der Hinsicht.

    Ich sage beides ist gleich, andere sagen es ist untrennbar oderso.

    Und um es super kompliziert zumachen, wenn man es doch abtrennen will, dein Verhalten kann deine Genetik beeinflussen usw…

    Alles anzeigen

    Woher stammt Dein Wissen über Karma?

    Ich meine, dass es selbst im Buddhismus zum Thema unterschiedliche Positionen gibt. Im chinesischen Buddhismus gibt es Vorstellungen von "karmischer Vergeltung". In der letzten U&W gibt es einen schönen Artikel, wo beschrieben wird, wie ein Lehrer aus Taiwan erklärte, er habe Asthma, weil er einen Fisch ersticken ließ (ich weiß nicht mehr in welchem Leben). Die chinesische Vorstellung von Karma ist nicht so abstrakt wie die indische. Welche von beiden Vorstellungen ist nun richtig?

    Seine S.H. der Dalai Lama sage mal: „Die Lehre von der Leerheit – das ist eine der höchsten philosophischen Schulungen – das sei relativ zugänglich, aber Karma, das sei eine verborgene Wahrheit, die sei nur dem Buddha zugänglich.“

    Ich will hier einmal Werbung machen für eine Veranstaltung, wo das diskutiert wird: https://buddhismus-deutschland.de/?termin=mia-fr…arma-ist-das-so

  • Buddhismus und Homosexualität und Transsexualität

    • Dharma Buddy
    • 26. April 2023 um 12:03
    lubob:
    Dharma Buddy:

    Aber noch wichtiger ist die Frage, wie wir queere Menschen das Bodhisattva-Ideal leben können. Aber ich glaube, dass das den Rahmen des Themas hier sprengt.

    Mich würde durchaus interessieren, was du dazu meinst. Mir fällt jetzt im Zusammenhang mit dem Bodhisattva-Ideal nichts spezifisch queeres ein.

    Ich kenne keine Figur wie die Tara, die gelob, immer als Frau wiedergeboren zu werden, bis das Leid beendet ist.

    Viele queere Menschen lassen sich inspirieren durch Guan Yin, die ja in Indien männlich war und in China als weiblich dargestellt wurde.

    Aber natürlich gibt es queere Bodhisattvas. Issan Dorsey hat zum Höhepunkt der AIDS Krise an AIDS erkrankten Menschen geholfen und war maßgeblich für die Entstehung der Hospiz-Bewegung in den USA. Und wenn ich mir seine Biographie durchlese, konnte nur er so etwas machen, denn er kannte die Lebenssituation der Marginalisierten (Sexarbeiter:innen, Crossdresser...) sehr gut und verstand deren Probleme. Und da wirst Du viele andere finden, die Ähnliches geschaffen haben.

  • Buddhismus und Homosexualität und Transsexualität

    • Dharma Buddy
    • 26. April 2023 um 11:13
    Bernhard_Shaolin:

    Ich muss euch beiden danken. Ich habe hier die Beiträge gestern nur überflogen und über diesen Teil etwas länger nachgedacht bis ich draufkam, dass ich selbst mal an eine Kirche gepinkelt hatte. Mit meinem jetzigen Respektsempfinden ist das aber nicht mehr vereinbar und ich habe vergeben, mir selbst und um Vergebung im Geiste gebeten. Damit konnte ich Teile des schlechten Karmas reinigen. Muss aber auch sagen ich hatte bisher trotzdem noch wegen irgendetwas Schuldgefühle. Ich kam aber bisher nicht drauf wegen was. Auch wenn es im Buddhismus keine Heiligkeit gibt fühlte ich mich gestern dann trotzdem heiliger, entspannter, geerdeter und selbstsicherer. Vielleicht ist an der Passage schon was dran weil ich war öfters im unreinen mit meiner Sexualität. Aber vielleicht lags auch nur am Mobbing dem ich ausgesetzt war. Jedenfalls fand ich Sexualität immer wieder seltsam obwohl ich schon großteils hetero bin. Manchmal stell ich das aber in frage.

    Ich finde es gut, nicht nur Unterschiede zu betrachten sondern immer das, was wir gemeinsam haben. Wir haben alle in unserer Jugend (und auch danach) Dinge gemacht, derer wir uns im Nachhinein schämen. Und ich glaube auch, dass Sexualität immer verwirrend ist. Deswegen bestehen große Teile der Kultur aus Geschichten von Liebe und Liebesdramen.

    Ich glaube aber auch, dass die Praxis uns hilft, mehr Klarheit zu finden. Und dann werden wir erkennen, dass wir viel mehr Gemeinsamkeiten haben, als wir dachten.

  • Buddhismus und Homosexualität und Transsexualität

    • Dharma Buddy
    • 26. April 2023 um 10:26
    lubob:

    Sorry, aber für mich gehören Zitate von homophoben Äbten, Erklärungsnöten von Mönchen und Nonnen und pinkelnden Sündern zur dunklen Seite unserer Bewegung. Über diese dunkle Seite könnte man diskutieren, aber eine Diskussion, ob an deren Sicht etwas dran sein könnte, halte ich für aus der Zeit gefallen.

    Danke, dass Du das auf den Punkt gebracht hast. _()_

    Und ehrlich gesagt, die Diskussion finde ich schon immer schlecht. Im Mahayana-Buddhismus wissen alle, dass wir ständig Himmel und Hölle erzeugen. Und immer, wenn eine Gruppe von Menschen als gesellschaftlich und spirituell minderwertig definiert wird, werden Himmel und Hölle erschaffen. Und das meine ich nicht nur im übertragenen Sinn. Es wird Buddhist:innen eingeredet, sie bzw. ihre Familienangehörigen würden gegen Silas verstoßen. So etwas erzeugt Zerwürfnisse in Familien - in der Vergangenheit und leider teilweise auch noch heute.

    Ich finde auch, dass das die Fragen sind, die wir stellen sollten - und eben keine Fragen nach Ursachen von "Abweichungen von der Normalität". Die wichtigen Fragen sind meiner Ansicht: Wieso hat niemand erkannt, welches Leid erzeugt wird, wenn Gruppen von Menschen als minderwertig definiert werden? Wieso ist niemand auf den Gedanken gekommen, dass auch queere Menschen Bodhisattvas sind? Wieso werden stattdessen irgendwelche Absurditäten erfunden mit Wildpinkelei usw.?

    Aber noch wichtiger ist die Frage, wie wir queere Menschen das Bodhisattva-Ideal leben können. Aber ich glaube, dass das den Rahmen des Themas hier sprengt.

    Ich möchte Dir nochmal danken, dass Du es so gut auf den Punkt gebracht hast. _()_

  • Buddhismus und Homosexualität und Transsexualität

    • Dharma Buddy
    • 26. April 2023 um 07:52
    SpektrumRot:

    Aber dieser „halben-Ebene“ so eine halb festen Ebene, wo Bedürfnisse, Karma, Interessen, Evolution usw. fließt. Und wie ich beschrieb, alles vermischt, kollidiert mit vielem Zusammen.

    Ich bin nicht kompetent genug um über Ebenen zu sprechen. Aber ich habe es immer so verstanden, dass absolute und konventionelle Ebene identisch sind -- nur kann unser verblendeter Geist es nicht erkennen. Ich meine damit, dass es eine Lehre der Befreiung ist, dass wir uns von polaren Konzepten entfernen und langsam anfangen die "Zwischentöne" erkennen. Damit sind wir von einer Befreiung wahrscheinlich immer noch entfernt, aber die Richtung stimmt. Oder?

    SpektrumRot:
    Frage ich mich ob vermehrte Transsexualität usw. eine Folge davon sein könnte weil, mehr „weibliche“ blödes Wort „Energie“ Einzug erhält als es je zuvor passierte.

    In taoistisch beeinflussten Asien glauben manche, wir seien im Yin-Zeitalter: Frauen sind in der Politik sichtbar und erfolgreich, K-Pop-Bands sind androgyn usw. Wissenschaftlich gesehen stellen wir fest, dass Testosteronlevel in den letzten Jahrzehnten fallen. Nur niemand weiß, warum. Es gibt viele Erklärungsansätze, aber kein Ansatz kann alles erklären. Ebenso glaube ich auch nicht, dass dies eine Erklärung für männliche Homosexualität ist. Es ist alles komplizierter als Hormonlevel.

    Die Frage ist doch, ob dies überhaupt mehr passiert oder ob die Phänomene jetzt das erste Mal seit vielen Jahren einfach sichtbar werden. Vorher war es nur eine Abweichung, die im jüdisch-christlichen Kulturkreis unterdrückt und später pathologisiert wurde. Seit 1969 ist Homosexualität in Deutschland nicht mehr strafbar nach einer beispiellosen staatlichen Verfolgung nach dem zweiten Weltkrieg. Zum ersten Mal erkennen jetzt Menschen, dass sie z.B. nicht-binär sind - vorher hätte man sie in die irgendwo in die Kategorie homosexuell verortet und verächtlich gemacht: "tuntig", "Mann-Weib" usw. Kann es nicht sein, dass die Welt schon immer sehr vielfältig war und die Menschen das einfach nicht begriffen, weil sie sie in einfach Kategorien pressen wollten wie polare Identitäten: "Sünde" vs. "Gottergebenheit "oder eben "Pandaka" vs. "Geschlechts-konform"?

  • Buddhismus und Homosexualität und Transsexualität

    • Dharma Buddy
    • 25. April 2023 um 23:55
    SpektrumRot:
    Dharma Buddy:

    Im tibetischen Buddhismus gibt es eine Passage, die besagt, dass Menschen, die an eine Tempelwand pinkeln, als Homosexuelle wiedergeboren werden.

    :lol: :lol: :lol: das ist wohl die beste Erklärung

    Ich glaube, dass man dies nicht überbewerten sollte - es ist mit Sicherheit keine zentrale Aussage.

    Aber ich frage mich, wieso Du nach buddhistischen Erklärungen für Homo- und Transsexualität suchst? Darf ich Dich fragen, wieso?

    Ich persönlich interessiere mich nur für Erklärungen, die ich nachvollziehen kann und die mir helfen. Und ich glaube, das erste konnten buddhistische Traditionen nicht leisten. Der Grund ist: Es gibt keine Auseinandersetzung mit Homosexualität, sondern nur mit "Pandaka". Die Traditionen haben in der der Vergangenheit den Fehler gemacht, dass sie "Pandaka" und "Homosexualität" gleichsetzen. Und das ist ein Problem: Die Tradition nimmt also weder einen konkreten Menschen wahr noch sexuelle Orientierung auch auch nicht die moderne homosexuelle Identität, die Gleichberechtigung einfordert. All das wurde ignoriert und durch ein doktrinäre Brille gesehen. Nur wie soll eine Doktrin helfen, wenn sie Realität ignoriert?

    Und damit sind wir beim letzten Problem. Dadurch, dass die Tradition in der Vergangenheit queere Menschen ausgeschlossen hat, gab es auch niemanden, der ihnen erklären konnte, wie sehr sie auf dem Holzweg sind. Damit kann Doktrin gar nicht wahr sein - es ist (mit Verlaub) Papañca.

  • Buddhismus und Homosexualität und Transsexualität

    • Dharma Buddy
    • 25. April 2023 um 22:41

    Es wurde sehr viel geschrieben, aber vielleicht kann ich ein paar Aspekte hinzufügen.

    SpektrumRot:

    Wie geht der Buddhismus mit Homosexualität und Transsexualität um?

    Zuerst muss man sagen, dass in praktisch allen monastischen Traditionen queere Menschen ausgeschlossen wurden. Klar, es gibt immer Einzelfallentscheidungen und queere Menschen haben sich davon auch nicht abhalten zu lassen. Aber die Konsequenz, dass die Sichtweise und Erfahrungen queerer Menschen nicht einflossen. Was für Konsequenzen hat das?

    • Kommentatoren (Tsongkhapa, Vasubandhu, Buddhaghosa...) definierten jede Form von Abweichung gegen sexuelle und geschlechtliche Normen als Verstoß gegen das 3. Sila.
    • In den asiatischen Ländern hat Buddhismus die Funktion der Seelsorge. Das heißt, dass Laien mit allen Nöten und Sorgen zu Monastics kommen. Was soll denn nun ein Mönch oder eine Nonne der Mutter eines schwulen Sohns oder einem Transmann für Ratschläge geben? Woher soll die Kompetenz in solchen Dingen kommen? Wenn die Monastics streng nach der Doktrin antworten würden, dann würden sie sich diskriminierend äußern.
    • Es gibt für queere Buddhist:innen auch keine "Vorbilder", wenn man mal von einigen wenigen queeren Monastics wie z.B. Ven. Kodo Nishimura (Jodo Shu) absieht. Ich finde seine Sichtweise aber extrem wichtig.

    Sprich: Erst seit einiger Zeit (und wahrscheinlich durch gesellschaftliche Diskussionen) beschäftigen sich Buddhist:innen mit dem Thema sexuelle und geschlechtliche Minderheiten:

    • In Taiwan, dem ersten Land Asiens, das die gleichgeschlechtliche Ehe erlaubte, hat Ven. Shih Chao-hwei zwei Frauen gesegnet. Sie gilt deswegen aber als "radikal", der buddhistische Mainstream hat sich aus der gesellschaftlichen Diskussion um die Öffnung der Ehe rausgehalten.
    • Mal ein drastisches Beispiel: Ven. Akāliko Bhikkhu bekommt Todesdrohungen, da er sich für queere Menschen einsetzt. Er lässt sich davon aber nicht abschrecken.
    • Westliche Gesellschaften sind nicht so konservativ wie asiatische - und so ist der Buddhismus auch inklusiver. Und es gibt auch Retreats und Bücher speziell für queere Buddhist:innen.
    • Ein schönes Beispiel ist der Shin-Buddhismus - besonders im Westen. Shin-Buddhist:innen haben seit dem 2. Weltkrieg in Nordamerika ihre Tempel für Hochzeiten queerer Menschen geöffnet, auch wenn die Menschen gar nicht Mitglied der Gemeinde waren. Aber das ist die Doktrin der Jodo Shinshu (und auch der Jodo Shu): Buddha Amida hilft allen, die sich ernsthaft an ihn wenden - also wird niemand abgewiesen.

    Was will ich damit sagen? Buddhismus ist immer ein Spiegel der Gesellschaft.

    SpektrumRot:

    Ich würde lieber wissen, was die buddhistische Erklärung ist woher sowas kommt?

    Ich könnte sehr viele Erklärungsansätze zitieren, aber ich beschränke mich auf drei:

    • Seung Sahn sagte einmal, Homosexualität würde daher kommen, dass zwei heterosexuelle Menschen eine starke (karmische) Bindung haben und einer im einem anderen Körper wiedergeboren wurde und ihre Beziehung fortsetzen.
    • Im tibetischen Buddhismus gibt es eine Passage, die besagt, dass Menschen, die an eine Tempelwand pinkeln, als Homosexuelle wiedergeboren werden.
    • Die modernen Reformer des Theravada haben sich in den 70er und 80er Jahren sehr auf das Abidhamma bezogen inkl. Kommentaren, die jede Form von Abweichungen mit "schlechten Karma" erklären. Das muss man auch vor dem historischen Situation (AIDS Krise) sehen: Im Westen wuchs zu der Zeit auch die Diskriminierung schwuler Männer.

    Laut Vinaya wurde der Buddha mit Mönchen und Nonnen konfrontiert, die wir heute transgender nennen würden. Er hörte ihnen zu, urteilte nicht, hielt keinen Vortrag über Anatta, sondern entschied einfach, dass sie in die Sangha des Geschlechts wechseln können, dem sie sich zugehörig sehen. Übrigens: Deswegen können tibetische Monastics laut Vinaya bis zu 3x das Geschlecht wechseln.

    Ich finde das, was der Buddha gemacht hat, am Besten. Ich überlasse es den Wissenschaften, Sexualität und Geschlechtlichkeit zu erklären - und frage mich eher, was ich tun kann, um Leid zu minimieren.


    _()_

  • Negative / unangenehme Gedanken

    • Dharma Buddy
    • 13. Februar 2022 um 12:32
    draiboli:

    Nach wenigen Sekunden verschwinden die Gedanken und Emotionen wieder da ich Sie ohne Gegenwehr angenommen bzw. zugelassen habe.

    Das funktioniert soweit erstaunlich gut.

    Gibt es im Zen noch andere Techniken mit diesen Gedanken umzugehen? Oder ist das der richtige Weg? (falls es überhaupt einen falschen Weg gibt).


    Die Gedanken ziehen zu lassen, ist eine sehr effektive Strategie. Du kannst sie dann beobachten und Dich fragen, woher sie kommen.

    Solange das geht, würde ich das genauso machen. Aber was passiert, wenn negative Gedanken sich wie dunkle Wolken auf die Stimmung legen? Dann ist das oftmals nicht so einfach möglich. In manchen Mahayana-Richtungen wie im koreanischen Zen reguliert man diese Gefühle durch Chanten. Eine Praxis wäre, dass Du für Menschen, die sich in einer ähnlichen Situation befinden, ein Räucherstäbchen anzündest. Denk an Freunde, Bekannte, Familienmitglieder, die z.B. an einer Krankheit leiden und zünde für jeden ein Räucherstäbchen an. Mach das wegen der Feinstaubbelastung lieber auf dem Balkon und hole Dir preiswerte Räucherstäbchen aus dem Asialaden um die Ecke. Beziehe alle Menschen mit ein. Dadurch vergeht z.B. bei Schmerz und Kummer der Ich-Bezug etwas und Du ersetzt Leid durch MItgefühl.

    Und wenn es immer noch negative Gedanken gibt, dann kannst Du auch Chanten. In Korea chanten die Mönche jeden Tag das große Dharani. Leg einfach Deine Wünsche für alle leidendenden Menschen in den Gesang. Hier ist eine sehr schöne Version dieses Dharanis (zweimal gesungen):

    Externer Inhalt www.youtube.com
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    Durch die Aktivierung der externen Inhalte erklärst du dich damit einverstanden, dass personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr Informationen dazu haben wir in unserer Datenschutzerklärung zur Verfügung gestellt.


    Wenn Du das tust, baust Du Konzentration auf. Im koreanischen Zen (Seon) wird gesagt, dass Du es ohne Erwartung tun sollst. Werde nur eins mit dem Gesang und erlange Klarheit. Es ist kein Zauberspruch sondern eine Technik, negative kreisende Gedanken zu durchschneiden und Klarheit zu gewinnen.

    _()_

  • Zeitungsartikel nennt erschreckende Passage aus dem Mahaparinirvana-Sutra (T12;562b)

    • Dharma Buddy
    • 27. Januar 2022 um 15:47
    kilaya:

    Ich finde diesen Satz von Wikipedia sehr bezeichnend:

    [lz]

    "With the prominent exception of the Faxian-School [...], East Asian Buddhists rejected the icchantica-doctrine in favor of the notion that all beings, even the denizens of hell, retained the capacity to attain enlightenment."[3]

    [/lz]

    Man müsste daher überprüfen, wie viele der heutigen Mahayana-Buddhisten überhaupt dieser Interpretation folgen.

    Ansonsten kann ich zu dem Satire-Artikel nur sagen:
    1. WELT
    2. als Satire getarntes Buddhismus-bashing übelster Machart.

    3. WELT

    4. - 10. WELT

    und nicht zu vergessen: das erschien in der WELT - vermutlich auch nur online....

    (Die Welt ist neben der Bild die Zeitung mit dem nachweislich höchsten Anteil an Fake News in der deutschen Zeitungslandschaft. Moment, könnte das vielleicht daran liegen, dass sie aus dem gleichen Verlag stammen? Welt ist also sowas wie die Bild für Menschen, die gerne glauben möchten, sie wären intellektueller als Bild-Leser....)

    Alles anzeigen

    Wieso Bashing? Das ist reinste Satire - ich habe wirklich herzhaft gelacht. :rofl: "Pfarrer Hirnsang" :lol: Sie haben einen Namen gefunden, den es praktisch nicht auf Google gibt. Das ist eine Kunst. Und das Ende: Mönche haben Glatzen wie Skinheads: "Wir sind bedroht wie nie." :lol: 

    :lol::lol::lol:

  • Zeitungsartikel nennt erschreckende Passage aus dem Mahaparinirvana-Sutra (T12;562b)

    • Dharma Buddy
    • 27. Januar 2022 um 09:57
    Leuchtende Birke:

    Vielleicht täuscht mein Eindruck, aber Buddhisten scheinen das Problematische im Buddhismus gerne unter den Teppich zu kehren, während das Problematische der Anderen unter einem Mikroskop betrachtet wird.

    Die Icchantika-Diskussion ist schon interessant und viele Dinge wurden hier gesagt. Und das lässt sich zusammenfassen

    • Es gibt mehrere Übersetzungen des Mahaparinirvana-Sutras und die entsprechende Passage steht meines Wissen nur in einer Übersetzung.
    • Es ist wichtig, dass man die Icchantika-Diskussion versteht. Meines Wissens gab es auch in der entsprechenden Sutra-Übersetzung keinen Gewaltaufruf: Man soll Icchantika immer mit Mitgefühl gegenübertreten und auch sie werden Buddha. Das steht dann aber in den hinteren Teilen des Sutras - es nimmt also eine Wendung. Man muss das also zu Ende lesen und darf keinesfalls Sätze aus dem Zusammenhang reißen.
    • Die Übersetzung "Ungläubige" ist, wie gesagt wurde hoch problematisch. Es ging in der Diskussion um Menschen, die Kinder oder die eigenen Eltern umgebracht haben. Das Letztere ist in einer Gesellschaft, die die Pflichten der Kinder betont, natürlich ein absolutes Tabu.
    • Mir sind wenige Gewaltaufrufe bekannt, in denen der "Icchantika"-Vorwurf benutzt wurde. Ich habe im Buch vom Hans-Günther Wagner Buddhismus in China nur eine Stelle gelesen, wo damit militärische Verteidigung gerechtfertig wurde. Meine Frage ist; Kennt jemand mehr Beispiele? Das letzte Mal, dass ich das Schimpfwort "Icchantika" gehört habe, war in der Auseinandersetzung zwischen zwei buddhistischen Orden in Korea, die über Vorherrschaft über Tempel stritten und sich auch mal prügelten.

    Ich persönlich finde es gar nicht erstaunlich, dass es in einer Übersetzung eines einzelnen Sutras auch mal eine problematische Stelle gibt. Diese Schriften wurden über mehr als 2000 Jahre von verschiedenen Menschen geschrieben und es ist schwierig, die Diskussionen nachzuvollziehen, die sich darin widerspiegelt Die Schriften füllen ganze Bibliotheken und vieles ist noch nicht mal übersetzt. Teilweise ist nicht nicht mal klar, was wir als "richtige" Version ansehen müssen usw. Ja, es gibt im Ozean des Mahayana einen oder meinetwegen ein paar bittere oder vergiftete Tropfen. Aber kann man etwas anderes erwarten?

    Zudem sind die Mahayana-Sutren weder die Bibel der Koran. Sie sind nicht göttlich inspiriert. Sie sind auch keine volkstümlichen Schriften. Sutren wie das Sumati-Sutra oder das Ullambana-Sutra haben und hatten eine viel stärkeren Einfluss auf die Menschen, da sie Themen wie Wege zum Glück thematisieren. Dagegen ist die Frage, wer nun Buddhanatur besitzt oder nicht, eine reine scholastische Diskussion. Und solange sie dort bleibt, ist es gut.

  • Soto-Zen: Kontemplation/analytische Vorgehensweisen beim Zazen?

    • Dharma Buddy
    • 2. Dezember 2021 um 23:20
    Schmu:

    Vielleicht kommt spontan eine Körperbewegung, eine Geste, eine Handlung, ein Laut. Gut, aber woher weiß der Meister, dass ich es nun so "durchdrungen" habe, dass er "zufrieden" sein kann und mir ein nächtes Koan gibt, weil dieses nun "abgeschlossen" ist? Das ist mir alles sehr rätselhaft...


    Genau diese Frage vielen wird in einigen Koans thematisiert, z.B. im Mumonkan, wo Joshu zwei Einsiedler prüft. Der eine "hat es", der andere nicht:[lz]

    Joshu ging zur Hütte eines Einsiedlers und fragte: "Hallo da? Hallo da?" Der Einsiedler stieß die Faust nach oben. Joshu sagte: "Zu flach ist das Wasser für ein Schiff zum ankern." Dann verließ er den Ort.

    Wiederum ging er zur Hütte eines Einsiedlers und fragte: "Hallo da? Hallo da?" Der Einsiedler stieß die Faust nach oben. Joshu sagte: "In Freiheit gibst du, in Freiheit nimmst du weg. In Freiheit tötest du, in Freiheit gibst du Leben." Und er machte eine tiefe Verbeugung.[/lz]



    Lies Dir mal die Antwort von Joshu durch. Er sagte nicht "eine schöne Faust", sondern es geht um die große Sache von Leben und Tod. Und so ist bei einem Koan die "richtige Antwort" nicht wichtig, sondern ob Du eine Einsicht hattest, ob es Dich transformiert und sich vielleicht etwas in Deinem Leben ändert. Und wenn der Lehrende den Eindruck hat, dass Du die Lektion nicht gelernt hat sondern nur geknobelt hast, dann wird er oder sie die Antwort nicht akzeptieren. Und dann sitzt Du weiter dran, vielleicht 2 oder mehr Jahre. Aber irgendwann hast Du die Lösung - und Dein Geist und der des Lehrerenden verstehen dasselbe. Aber geht es nicht darum im Zen? Eine Übertragung ohne Worte. Buddha hebt eine Blume hoch und Mahakashyapa lächelt - das war die Transmission.

    Das ist natürlich sehr immer sehr individuell. Wenn der Lehrende kennt die Schülerin oder den Schüler - und wenn dieser Erfahrung hat und Fortschritte machte, kann der Lehrende eine "bessere" Antwort einfordern, also wie ein Trainer die Latte höher hängen. Das passiert schon: Du gehst auf ein Retreat, hast einen kleinen Durchbruch und Deine Antwort wird von einem anderen Lehrenden anerkannt. Aber Dein Hauptlehrer ist von derselben Antwort nicht überzeugt aus welchem Grund auch immer. Ein Interview ist ja nichts Statisches. Ein Lehrender kann und wird auch Deine Antwort in Frage stellen. Wie wirst Du dann in einer solchen Situation reagieren? Bist Du überzeugt? Was gibt Dir Sicherheit? Oder hast Du sie nicht? Zudem gibt es ja auch Kontrollfragen zu einem Koan. Und wenn der Lehrende meint, dass Du den Koan nicht durchdrungen hast, wird der Lehrende vielleicht weitere Kontrollfragen stellen.
    Es ist also wirklich nicht wie ein Test in der Schule - sondern es ist ein sehr intimes Verhältnis zwischen Lehrendem und Schülerin/Schüler.

    _()_

  • Meditationsanleitung Zazen (Entwurf)

    • Dharma Buddy
    • 2. Dezember 2021 um 22:54
    Schmu:

    Zazen – die Meditation im Zen-Buddhismus


    [Versuch einer Meditationsanleitung (Entwurf)]

    Die Idee geht auf nuk zurück, siehe den entsprechenden Thread hier: Vorschlag zu Anleitugsthread(s) für Meditationspraxis

    void hatte dort die Idee, es könne vielleicht eine Anleitung entstehen, die dann später als geschlossener, angepinnter Thread verwendet werden könnte.


    Wie geht es denn jetzt weiter? Du hast ja eine wirklich gute Vorlage gemacht - und dann gab es ja eine wirklich umfangreiche Diskussion. Gibt es eine Zusammenfassung der Ergänzungen? Und wird der Thread nun angepinnt?

    _()_

  • Soto-Zen: Kontemplation/analytische Vorgehensweisen beim Zazen?

    • Dharma Buddy
    • 30. November 2021 um 23:50
    Zrebna:

    Scheint mir, dass die Kwan Um Schule auch recht interessant ist - werde mir das mal gerne ansehen )

    Hyon Gak Sunim ist nicht mehr bei Kwan Um. Es ist sein eigenes Zentrum, da er eigene Vorstellungen wie er unterrichten will.

    Zitat

    Hier nochmal zu den Koan-Fragen:

    Man kann sie also auch während dem Zazen gem. dieser Schule stellen oder lieber in eigens, von der Zazen-Praxis, getrennten formalen Sitzungen?

    Falls Ersteres zutrifft, dann am besten vokal, subvokal oder non-vokal 'im Kopf' oder spielt das keine Rolle und nan kann es machen, wie es einem beliebt?

    Martine Batchelor, die 10 Jahre als Nonne in Korea gelebt hat und unter Kusan Sunim gelernt hat, meinte, das wichtigste an der Frage "Was ist das?" oder "Wer bin ich?" ist das Fragezeichen. Die Wahrheit im Zen ist jenseits der Worte, aber Du kannst auf Worte auch nicht ganz verzichten. Wohin führen Dich diese Worte? Was spürst Du, wenn Du Dir die Frage im Geist stellst? Stell sie im Geiste aber nicht in Deinem Kopf. Mach es vielleicht beim Ausatmen - sei Dir dem Atem bewusst. Das lenkt das Gewahrsein etwas weg vom Kopf. Auch das Hand-Mudra ist ja vor dem Bauch und bringt die Aufmerksamkeit in den Bereich. Die ganze Praxis, auch das Fragen, hat einen Bezug im ganzen Körper. Spüre den. Und auch das Gefühl des Nicht-Wissens wirst Du irgendwann im ganzen Körper spüren.

    Das mag sich jetzt sehr esoterisch anhören. Gerade deswegen ist ja ein Lehrer wie Hyon Gak Sunim so hilfreich - das macht Vieles einfacher.

    Zitat

    Ansonsten gibt es bei mir in der Stadt noch folgende Schule:

    Sanbo-Kyodan-Schule.

    Das ist wohl ein Mix zwischen Soto und Rinzai. Kennt diese Richtung zufällig Jemand von euch?

    Ich wohne nicht in Regenburg, aber ich habe beide Zentren besucht. Mach es doch auch so und gehe dahin, was Dir besser zusagt.

    Das Schöne am Zen Center in Regensburg ist, dass Du tägliche Praxis hast aber auch Retreats. Da lebst Du für eine Zeit mit anderen zusammen. Gemeinsam zu praktizieren ist sehr wichtig. Du hast ein ähnliches Programm wie in einem koreanischen Tempel. Du kannst nur selber wissen, ob Dur das zusagt und ob es Dich weiterbringt.

    _()_

  • Soto-Zen: Kontemplation/analytische Vorgehensweisen beim Zazen?

    • Dharma Buddy
    • 30. November 2021 um 22:15
    void:

    Aus einem Gespräch mit jemand von der Kwan Um Schule, habe ich den Eindruck gewonnen, dass es da einen offeneren, spielerischen Umgang mit Koans gibt. Während es mir im Rinzai eher als eine persönliche Sache ( bzw. Eine zwischen Schüler und Lehrer) - etwas auf dem man herumkaut und herumbrütet - gibt es da glaube ich die Instanz des Dharma-Gefechts ( Dharma Battle) wo man ( wie in den Situation im Koan selbst) aufeinander antwortet.

    Also viel dialogischer und extrovertierte. Ich weiß aber nicht, ob ich das richtig verstanden habe oder ob ich mich da irre.

    Ja, Seung Sahn machte öffentliche Dharma-Gefechte - es gibt ganze Bücher davon. Aber Koans sind bei Kwan Um immer eine persönliche Sache zwischen Dir und dem Lehrendem. Dharma-Gefechte sind jederzeit möglich. Zu Beginn des Koan-Interviews fragt der Lehrende immer, ob man eine Frage hat. Da kannst Du natürlich den Lehrenden testen: "Das Herz-Sutra sagt 'Form ist Lehrheit und Lehrheit Form' - was heißt das?" oder "Ist die Natur der Buddhas und die der fühlenden Wesen gleich oder verschieden?" Und dann muss der Lehrende eine Antwort geben. Ist das auch bei den Rinzai-Interviews möglich, den Lehrenden zu Beginn des Interviews herauszufordern? Wie ist die Form?


    Aber um auf den Ursprung des Threads zurückzukommen: Hyon Gak im Zen Zentrum Regensburg unterrichtet meines Wissens keine Koans. Aber reine Meditationsretreats sind auch eine schöne Sache. Und wie gesagt braucht man ja auch keine Koans, um "die große Frage" zu kultivieren. Koans helfen dabei, wenn man keine Antwort im Interview hat. Man weiß es eben nicht und ist perplex - und gerade dieses Gefühl ist kann hilfreich sein, die große Frage wieder zu finden. Und das ist viel wichtiger als die "richtige" Antwort eines Koans.


    _()_

  • Soto-Zen: Kontemplation/analytische Vorgehensweisen beim Zazen?

    • Dharma Buddy
    • 30. November 2021 um 21:34
    void:

    Es ist doch einfach so, dass die Jogye Schule aus der Seung Sahn stammt eben kein Soto-Zen ist. Schon die Jogye Schule ist ja wie gesagt ein Alamgam und Seung Sahn hat sich in seiner Kwan Um Schule noch davon wegbewegt und Elemente aus dem japanischen Rinzai aufgeonommen, die sich auch von der in Korea verbreiteten Koan Praxis entfernen.

    Verschiedene Ansätze zur Kôan-Übung im koreanischen Zen (Seon):
    Der im Westen wohl bekannteste Lehrer des koreanischen Zen (Seon), Seung Sahn, adaptierte eine japanische Methode des Kôan(gong’an)-Studiums mit dokusan, privaten Einzelgesprächen, und dem Abarbeiten zahlreicher Kôan.

    Im koreanischen Zen gibt es meines Wissens die Unterscheidung zwischen "Soto" und "Rinzai" nicht. Das liegt daran, dass die Linien (zumindest nach Sicht des Chogye-Ordens) früher nach Korea kam als älter sind als Caodong / Linji - Linien. Ebenso ist wichtig, dass das koreanische Zen sehr früh einen Kompromiss gefunden hat. Man bezieht sich hier auf Chinul, der von "plötzlichem Erwachen und gradueller Kultivierung" gesprochen hat. Sprich: Man/frau braucht Beides. Chinul wollte aber auch etwas anderes und das war die Kultivierung von ethischen Werten. Chinul hat nie geglaubt (bzw. er wird immer heute so zitiert), dass ein Kensho nicht ausreicht, um Weisheit und Mitgefühl zu kultivieren. Es wird ein Weg benötigt, um Ethik zu kultivieren.

    Es wird gesagt, dass Seung Sahn keine Hwadu-Meditation unterrichtet. Das stimmt so nicht ganz. Es gibt Kwan Um-Praktizierende, die mit einem Hwadu arbeiten. Er selber praktizierte von dem, was ich gehört habe, mit einem Mantra und zwar dem großen Dharani. Er selber hatte seinen Durchbruch nach einem 100-Tage Retreat eben mit diesem Mantra. Mantras sind nach Ansicht vieler koreanischen Mönche und Nonnen etwas für Laien, da Hwadu-Meditation schon anspruchsvoll ist für Leute im Stress des Lebens. Wenn mit einem Mantra gearbeitet wird, ist die "große Frage" immer dabei - sie ist quasi der Motor. Beides gehört zusammen.

    Ich will aber noch etwas zu den Koans in der Linie von Seung Sahn sagen. Zuerst glaube ich, dass Koans im Chan/Son nicht so unüblich sind. Klar steht das Hwadu im Vordergrund und es gibt keine Rinzai-ähnlichen Curricula, aber sie kommen im monastischen Kontext vor. Immerhin gibt es ca. 1800 Koans und der Chogye-Orden veröffentlichte sie z.B. hier und hier. Seung Sahn das revolutioniert auf (mindestens) zwei Weisen: Erstens hat er Koans Laiinnen und Laien zugänglich gemacht und er hat die klassischen Antworten in einigen Fällen verworfen. Er fand es wichtig, dass sich seine Schülerinnen und Schüler mit Ethik auseinandersetzen - und so gab er andere Antworten. Das ist ja nicht so ungewöhnlich, da meines Wissens unterschiedliche Rinzai-Richtungen auch variieren, aber es gibt nach Aussagen der Dharmalehrenden schon Unterschiede zum Rinzai, das er ja in Japan kennenlernte.

    Und auch die Koans sind bei Seung Sahn nicht so im Zentrum wie im Rinzai-Zen. Klar kann man mit ihnen sitzen, oft tut man es aber nicht, sondern vertraut, dass die Lösung irgendwann erscheint, wenn der Geist klar ist und man den Koan "auspackt" wie ein Geschenk. Du hast ja vom Amalgam geschrieben - und das ist richtig - und nicht unüblich für koreanisches Zen. Seung Sahn wählte sich eine Vielzahl von Techniken z.B. Niederwerfungen aber auch Chanting. Die "große Frage" ist aber immer dabei.

    Ich persönlich meine, dass die Frage nach der "Ferne" oder "Nähe" etwas typisches Japanisches ist. Ein Mahayana-Forscher hat mir mal erzählt, dass im Chan das nie derart dominant war. Klar waren Übertragungslinie wichtig - was typisch in einer konfuzianistischen Gesellschaft ist - aber im Endeffekt haben die Mönche und Nonnen immer das gemacht, was sie selber für hilfreich fanden. Und diesen undogmatischen Zugang findest Du heute auch noch z.B. bei taiwanischen Dharma Drum. Da gibt es Caodong aber auch Hua Tou-Meditation ebenso wie engagierten Buddhismus und Pure Land. Ich will damit sagen, dass ein Nebeneinander zwischen Tradition und Innovation immer Chancen bietet.

    _()_

  • Soto-Zen: Kontemplation/analytische Vorgehensweisen beim Zazen?

    • Dharma Buddy
    • 30. November 2021 um 20:28
    Zrebna:

    Und hier die Passage die mich überrascht:

    " Behalte die Frage bei dir

    Warum wurde ich geboren? Warum muss ich sterben? Warum gibt es Leid in der Welt? Was ist mein Leben? Was bin ich?“ Der Mensch hat eine Suche nach seiner Existenz. Aber die meisten gehen der Frage nicht nach und überdecken sie stattdessen mit Ablenkungen und einem endlosen Fluss an geistlosen Sinnestäuschungen, die dann zu Anhaftung werden: Leiden.

    Durch die Zen-Praxis beschäftigen wir uns mit der natürlich aufkommenden Frage unserer Existenz, durch die natürliche Bewegung des Atems: „Was/wer sitzt hier? Was/wer sieht meinen Atem… geschehen? Was/wer sieht diese Gedanken, die auftauchen und verschwinden? Woher kommt dieses Denken?“ „Was ist der Zeuge?“

    Wir „fragen“ dies nicht begrifflich oder mit unserem denkenden Verstand: es ist das natürliche Fragen/Beobachten, das wir über Leben und Tod haben. „Was bin ich?“

    Wenn wir uns wirklich mit dieser Frage befassen, wird alles Denken auf natürliche Weise abgeschnitten: Wir kehren zu unserem Geist zurück bevor das Denken entsteht. Das Denken kann nicht dorthin gehen. Es gibt nur weiß nicht…"

    Wie ist es nun? Ist es bzgl. Zazen üblich, dass es anteilig auch so komplentative nicht-diskursive "eigene" Fragestellungen gibt?
    Ich wundere mich ein wenig, weil ich das bisher noch nirgends gelesen haben, aber der Lehrer in dem Center doch bereits auf viel Erfahrung zurückblicken kann.

    Evtl. können mich hier ja paar Leute aufklären :)


    Alles anzeigen

    Hallo Zrebna,

    im koreanischen Zen kultiviert man die Meditation zu einem Hwadu (jap. Wato oder chinesischen Hua Tou). Ein Hawdu ist in der Regel ein Teil eines Koans, z.B. "Mu" oder "Was ist das?" aber auch "Was bin ich?" Das Hua Tou hat eine sehr alte Geschichte im Chan und auch im koreanischen Son.

    Ich habe nicht so viel Erfahrung mit Kontemplation, aber ich glaube, dass die Meditation zu einem Hwadu etwas anders ist. Wenn Dir Dein Geist eine Antwort auf diese Frage gibt, dann verwirfst Du sie. Sie sag mag geistreich sein, weise - aber es nicht, was Du suchst. Das, was Du suchst, hat keinen Namen, keine Farbe, keine Form - aber es ist immer da und und uns so nahe, dass wir es ständig übersehen. Die Frage ist: Was ist das?

    Ein Hwadu ist ein ganz einfacher Meditationsgegenstand, wie auch der Atem oder ein Mantra. Der Meditationsgegenstand ist wie ein Anker, der verhindert, dass Du von Gedanken weggetrieben wirst. Der Unterschied ist, dass dieser Anker im Gegensatz zum Atem nicht-gegenständlich ist.

    Wenn Du mit einem Hwadu meditierst, wirst Du vieles erfahren. Du Beginn wird Dein Geist Dir Antworten geben, aber darauf kommt es nicht an. Höre tief in Dich rein, suche keine Antworten. Das Hwadu ist immer da, manchmal wirst Du es leichter entdecken. Manchmal ist ein Staunen vor dem Wunder der Welt. Wenn es nach draußen "richtest", ist die ganze Welt ein großes Wunder. Wenn Du z.B. ein Bild an der Wand siehst, fragst Du, was sich dahinter verbirgt, was da versteckt ist. Es ist wie als Du jung warst und alles geheimnisvoll und abenteuerlich war. Wenn Du das merkst, richte Dich Aufmerksamkeit auf Dich, dreh es einfach um. Und dann spürst Du ein ein großes Gefühl des Nicht-Wissens - so als ob Du etwas verloren hast und Du kannst es einfach nicht finden. Je stärker Deine Konzentration ist, desto tiefer wird dieses Gefühl. Wenn ein Gedanke kommt, dann wird der uninteressant. Es ist nicht was Du suchst. Aber was ist es? Es ist dann so, als ob alle Gedanken, Wahrnehmungen usw. wieder zu Dir zurückkommen. Das ist manchmal ein sehr "ungemütlicher" Zustand - eben verwirrend. Und in diesem Gefühl -Neugier, Staunen, nicht-Wissen, "Zweifel"- verweilst Du. Wenn die Konzentration tiefer wird, kannst Du auch in Samadhi fallen. Aber das ist nicht das Ziel - eher ein ausgeglichenes Verhältnis von Sati und Samadhi. Wenn der Lehrer oder die Lehrerin mitbekommt, dass Du ins Samadhi fällst, wird er das Fenster öffnen, denn Du sollst den Kontakt zur Welt nicht verlieren.

    Ich hoffe, ich habe die Grundzüge der Hwadu-Meditation einigermaßen erklärt - jedenfalls so, wie ich sie empfinde. Und jetzt würde mich interessieren, ob Kontemplation so ähnlich ist.

    _()_

  • Zen-Zitate die mich berühren

    • Dharma Buddy
    • 30. Oktober 2021 um 10:14

    Im koreanischen Zen singen viele den Morgengesang: Morning Bell Chant - YouTube Wenn man sich mit der Übersetzung beschäftigt, wird man feststellen, dass der Text eine Mischung aus verschiedenen Lehren ist. Es gibt Passagen aus dem Avatamsaka-Sutra (Huayan-Buddhismus), dem Amitabha-Buddhismus und dem Taoismus, wie der folgende Vers:[lz]

    In ruhiger Nacht, still sitzend in einem Bergtempel, äußerste Ruhe und Stille sind die ursprüngliche Natur. Warum schüttelt der westliche Wind die Waldbäume? Ein einziger Schrei der Wintergänse füllt den Himmel.[/lz]


    Diese Passage ist auch ein Koan und die Fragen sind:

    1. In ruhiger Nacht, still sitzend in einem Bergtempel, äußerste Ruhe und Stille sind die ursprüngliche Natur - was bedeutet das?
    2. Warum schüttelt der westliche Wind die Waldbäume?
    3. Ein einziger Schrei der Wintergänse füllt den Himmel - was bedeutet das ?

    Das Nachdenken wird Dir hier nicht helfen. Wenn Du in der Natur wanderst, Dein Handy ausschaltest, der Natur zuhörst und Dich auf einen Stein setzt und meditierst, wirst Du es erfahren. Mir haben Spaziergänge in der Natur während der Pandemie sehr geholfen.

  • Zen-Zitate die mich berühren

    • Dharma Buddy
    • 30. Oktober 2021 um 09:57

    Ich finde eine Gedicht von Seung Sahn sehr schön:

    "Good and evil have no self nature

    Holy and unholy are empty names

    In front of the door is the land of stillness and quiet
    Spring comes, grass grows by itself."


    Also: Gut und Böse haben keine eigene Natur, heilig und unheilig sind leere Wörter. Vor der Tür ist das Land der Stille und Ruhe. Der Frühling kommt, das Gras wächst von selbst.

    Der Hintergrund, dass die Precepts-Zeremonie im koreanischen Zen sehr religiös ist. Es gibt viele Mantren und Gebete, in denen man bereut usw. usf. Und darin liegt die Gefahr, dass viele Denken, durch heilige Handlungen könnte man frei vom Karma werden und Verdienste anhäufen. Und deswegen wird dann dieses Gedicht daneben gestellt. Und dann erscheint die ganze Zeremonie in einem ganz anderen Licht. In welchem? Ich glaube, das muss jede und jeder selbst herausfinden. Aber ist auch keine Mühe erforderlich, denn in einem Retreat wird man mit allen diesen Dingen (Scham, Schuld, Selbstvorwürfen...) konfrontiert werden. Und jeder dieser Gedanken und Gefühle ist eine Chance, Einsicht zu erlangen.

  • LGTB+ und Buddhismus

    • Dharma Buddy
    • 15. August 2021 um 10:55
    Thorsten Hallscheidt:

    Problematisch wird es nur, wenn vor lauter special interests der Sangha zersplittert. In manchen Dojos treffen sich regelmäßig zwischen 10 und 20 Personen. Wenn man diese vergleichsweise kleinen Gruppen noch in unterschiedliche Untergruppen teilen würde, würden manche wahrscheinlich an manchen Tagen alleine sitzen. Insofern ist es eine Frage der Praktikabilität und des Gesamteffekts auf den Sangha, ob derartige Ansätze Sinn machen. Im Zenkloster in Weiterswiller, bei dem ich regelmäßig an Retreats teilnehme, gibt es auch verschiedene Angebote, die unterschiedliche Interessengruppen ansprechen. Die Sesshins aber sind nicht nach solchen Gruppen geteilt. Im gemeinsamen Praktizieren, sofern es sich um Meditation handelt, sollte es vielleicht keine Aufteilung geben, oder?

    Ich finde es sehr gut, dass Du den Aspekt des Pragmatismus reinbringst. Wir müssen uns überlegen, was zeitlich und räumlich möglich ist. Und ich würde es auch schade, finden, wenn es zwischen all diesen Gruppen keinen Austausch geben würde.

    Der Aspekt mit den Meditationsgruppen ist schwierig. Ich gebe Dir Recht, ich will aber neben den Aspekt des Pragmatismus noch hinzufügen, dass es sich um Angebote handelt, die ja nie verpflichtend sind, sondern für bestimmte Menschen hilfreich sein können:

    • Es gibt queere Menschen, die brauchen z.B. keine queere Meditationsgruppe. Sie praktizieren vielleicht in einer Sangha, die sehr inklusiv ist. Sie fühlen sich wohl. Vielleicht haben sie mal Interesse an einem queeren Retreat, vielleicht auch nicht. Es kommt vielleicht vor, dass sie in ihrer Sangha mal ein Treffen für queere Menschen anbieten. Das findest Du z.B. in Berlin, wo eine Sangha alle queere Buddhisten am Abend eines CSD zu einer gemeinsamen Meditation eingeladen hat, weil viele aus anderen Städten nach Berlin kommen, sich die Parade ansahen, und nun gibt es eine gemeinsame Abendmedition für diejenigen, die nach einem stressigen Tag mit lauter Musik meditieren wollen.
    • Dann gibt es queere Menschen, die finden hin und wieder eine queere Gruppe gut. Es gibt Menschen, die seit Jahrzehnten meditieren und überrascht waren, dass sie die Meditation in queeren Retreats als Vertiefung der Praxis empfanden.
    • Es gibt wiederum Menschen, die mir erzählt haben, dass sie klassische Meditationstechniken als problematisch empfinden. Manche Menschen mit Gender-Dysphorie haben Probleme mit Körper-betonten Meditationen, weil sie Körperlichkeit als problematisch empfinden. Das können Menschen ohne diese Kondition schwer verstehen, denn das geht hin und wieder viel tiefer als die übliche Unzufriedenheit mit unseren Körpern, die ja sehr oberflächlich ist (hier Muskeln zu wenig, da Fett zu viel...) Und manche finden es praktisch mit anderen zu reden, die diese Probleme kennen und wissen, wie mit speziellen Hindernissen in der Meditation umzugehen ist. Da kann ein spezieller Retreat neue Ansätze liefern.

    Ich könnte die Liste beliebig fortsetzen, aber ich höre mal auf, denn es ist klar, was ich meine. Es geht um Angebote, die manche nützlich finden, manche hin und wieder und manche nicht. Deswegen kann ich mit einem Vorwurf von "Separierung" auch nichts anfangen. Diese Angebote sollen ja nicht dazu führen, dass sich die buddhistische Gemeinschaften mit dem Thema Queerness nicht beschäftigt und das an queere Gruppen "auslagert" - ganz im Gegenteil. Ich meine, dass wir alle das Thema Inklusivität Wert legen sollten und man sich Fragen stellen sollte, wo es vielleicht Hindernisse gibt.

    🙏

  • LGTB+ und Buddhismus

    • Dharma Buddy
    • 15. August 2021 um 10:24
    MrKhaCt:

    Die erste Frage war "Are you homosexual?" Yes/No...

    Well...ich oute mich mal... ja... Als ich dann weitergelesen habe, stand dort "Ausschließlich heterosexuelle Männer mit ethisch reinem Lebenswandel können in unserer Sekte ordiniert werden". Also, das hatte sich erledigt. Nun, heute weiß ich mehr und auch dass die Dhammakaya-Schule nicht nur auf diesem Gebiet nicht so ganz sauber ist. Sie wird ja deswegen sowohl in Thailand, als auch im Ausland stark kritisiert.

    Danke für dieses Bericht. Du sprichst hier ein Thema an, das sehr wichtig ist und bisher ausgespart wurde, und das sind Ordinationsverbote. Diese gibt es vor allem im Theravada aber auch in einigen chinesischen Richtungen. Das läuft dann so ab: Bei der Ordination wird gefragt: "Bist Du ein Pandaka?" und es wird erwartet, dass alle gemeinsam wie aus der Pistole geschossen "Nein!" antworten.

    Es ist aber nicht immer so, dass die Richtungen das offen gesagt. Ich habe mal mit einen Forscher gesprochen, der ein Experiment machte. Er schrieb einen Brief an eine Organisation und stellte u.a. diese Frage. Der Briefkopf war der einer westlichen Universität - und er bekam als Antwort, dass sie selbstverständlich nichts gegen queere Menschen haben und diese ordinieren dürfen. Dann gab er den Brief einer asiatischen Forschungsassistentin, die diesen Brief unter ihrem Namen verschickte - und da war die Antwort das komplette Gegenteil: "Natürlich dürfen Pandakas nicht ordinieren."

    Ich war perplex und fragte, wie sich das mit "rechter Rede" verträgt. Seine Antwort war, dass es in Asien kulturell bedingt hin und wieder ein anderes Verständnis von rechter Rede gebe. Diese finde nämlich immer in einem sozialen Kontext statt und unterliegt vielen Regeln z.B. gesellschaftlichen Positionen von Fragendem und Antwortendem und ebenso dem Bedürfnis, andere nicht vor dem Kopf zu stoßen. So wolle man Menschen aus einer anderen Kultur nicht vor den Kopf stoßen sondern will verbindende Elemente betonen. Als er dann mein völlig ratloses Gesicht sah, war die Antwort, dass in Asien Kommunikation ein hochkomplexes Thema sei und Aspekte enthalte, die uns oft fremd seien.

    🙏

  • LGTB+ und Buddhismus

    • Dharma Buddy
    • 15. August 2021 um 10:09
    Thorsten Hallscheidt:

    Wenn es eine queere Gruppe geben sollte, warum dann nicht auch eine für Farbige, für alleinerziehende Mütter oder Väter, für Hochbegabte, für Rentner, für Studierende, für Arbeitslose, für ehemalige (und aktive) Alkoholiker, Drogenabhängige, Rollstuhlfahrer, Professoren, Künstler, reiche Menschen, arme Menschen u.s.w. ? Jede dieser Gruppen hat ein spezielles Dukkha-Profil und könnte so auf die jeweiligen milieuspezifischen Probleme und Herausforderungen zugeschnitten den Dharma praktizieren. Wäre das ein Ziel?

    ...im Grunde, warum nicht?

    Ich fände es schade, weil gerade durch die Vielfalt an Menschen in Dojos und Tempeln sehr viele unterschiedliche Blickwinkel auf den Dharma und die Wirklichkeit zusammenkommen. Austausch und Erfahrung des Anderen finde ich besser als Separierung.


    Du sprichst zwei unterschiedliche Themen, die man meiner Ansicht trennen muss.

    Das erste ist ein Sangha-Leben. Wenn Du Dir asiatische Gruppen z.B. aus dem chinesischen Raum anguckst, wirst Du feststellen, dass es dort immense soziale Aktivitäten gibt: Es gibt Jugendgruppen, Kalligraphie-Gruppen, Frauengruppen usw. Und in der Women's Dharma Talk Gruppe wollen sich eben nur Frauen austauschen. Und ja, es gibt tatsächlich auch Gruppen für Studierende. Warum nicht? Wenn jemand eine Gruppe gründen will, wird das als Bereicherung angesehen. Im chinesischen Buddhismus spricht man von den 84.000 Dharma-Toren. Das ist ein sehr synkretistischer Ansatz. Für viele reicht es, die Precepts zu nehmen, sich vegetarisch zu ernähren, einen Tempel zu unterstützen und sie haben eine (oft an Guan Yin) angelehnte Praxis. Die anderen besuchen Chan-Retreats und wieder andere engagieren sich und leisten einen Beitrag zum Tempel-Leben, empfangen Besucher:innen oder kochen, andere schließen sich den vielen Gruppen an oder gründen selbst eine usw.

    Das zweite Thema ist das Thema "Special Interest Sanghas". Hast Du Dich mal damit beschäftigt? In den USA gründete sich mit den Dharma Punx als Gruppe für Menschen mit schwerem Karma: Drogenerfahrungen und all den verbundenen Problemen wie z.B. Beschaffungskriminalität, Straßengangs usw. Sie orientieren am Theravada, bieten aber auch sehr effektive Programme für Süchtige an. Sie sind auch authentisch, da viele genau dieselben Erfahrungen gemacht haben.

    Das zugrundeliegende Konzept ist etwas, was ich "Einigkeit in Vielfalt" nennen würde und ja auch dem entspricht, was es im westlichen sowieso gibt.

    Es gibt aber noch einen anderen Aspekt und das ist tatsächlich das Bedürfnis des Austausch. Special Interest Sanghas sind oft auch Richtungs- und Traditionsübergreifend. Ich kenne sehr viele, die das gerade schätzen und es spannend finden, sich mit Menschen, die ganz andere buddhistische Praxis haben, auszutauschen. Dabei stellen viele fest, dass es bei allen Unterschieden der Buddhismen auch viele Gemeinsamkeiten gibt, aber eben nur die Schwerpunkte und Sichtweisen anders gesetzt werden.

    🙏

  • LGTB+ und Buddhismus

    • Dharma Buddy
    • 14. August 2021 um 11:38
    Thorsten Hallscheidt:

    So, so. Weil die beiden Label "Mann" und "Frau" also zu eingrenzend sind, ist es sinnvoll, einfach noch ein paar neue zu erfinden? Gerade die Label, die Vorstellungen und Kategorien sind es doch, die uns eingrenzen, unfrei machen und determinieren. Lies mal "Sexualität und Wahrheit" von Michel Foucault.

    Es geht nicht um "Erfindung" sondern es geht um die Realität. In dem Heft schreiben 4 Menschen, die sich als nicht-binär identifizieren. Das sind Menschen mit Jahrzehnte-langer Meditationserfahrung und ich gehe davon aus, dass sie Aspekte von Geschlechtlichkeit und Körper sehr gründlich reflektieren.

    Wir verstehen das Phänomen der sog. Gender-Dysphorie nicht gut. Die Wissenschaft dachte, alle Menschen, die dieses erfahren seien transgender und so wurde die Transition empfohlen, die rechtlich nur als "große Lösung" möglich war: Totaloperation, Zwangsscheidung, Zwangssterilisierung. Das ist zwar verfassungswidrig aber das Gesetz gibt es immer noch, auch wenn seit 2011 nicht mehr so verfahren wird. Ich kenne mich mit Foucault nicht gut aus, aber ich glaube, er würde das so interpretieren: "Die Gesellschaft hat ein binären Bild von Mann und Frau und zur Wiederherstellung der gesellschaftlichen Normalität werden die Betroffenen vor eine unmenschliche Wahl gestellt. Entweder sie müssen ihren Zustand weiter ertragen oder sie müssen die Autonomie über ihren Körper aufgeben und sich einem Kontrollregime unterziehen. Die Sterilisierung ist eine der radikalsten Maßnahme, aber nur eine. Sie dürfen nicht entscheiden, welche Operationen sie vornehmen und welche nicht. Und die Änderung des Personenstandsregisters erfolgt nach gesetzlich vorgeschrieben Operationen - nicht davor und nicht auf Probe und nur zur Wiederherstellung der binären Kategorie."

    Das ist wirklich ein Problem. Wieso lässt man nicht Änderung des Personenstandsregisters zu und die Menschen selbst entscheiden, welche Operationen sie angehen. Und die binäre Sichtweise und die Sicht auf "transgender" als "Korrektur" in die binäre Normalität ist auch deswegen schlimm, weil es Menschen gibt, die Gender Dysphorie erfahren und für die die Transition der falsche Weg wäre. Das Label "nicht-binär" ist für sie entscheident. Es ist ihre Kondition mit der sie leben müssen. Es geht hier nicht um Erfindungen sondern menschliche Konditionen, die ihr Dukkha und eine Gesellschaft, die teilweise unmenschlich damit umgeht. Für diese Betroffenen ist die Selbsterkenntnis kein "Label", sondern extrem wichtig, zumal sie teilweise von Psychologen zur fragwürdigen Entscheidungen gedrängt werden, was mit dem falschen Verständnis von Gender-Dysphorie zusammenhängt.

    Das war übrigens mit den Intersexuellen genauso. Die wurden bei der Geburt zwangsoperiert und nicht wenige verstarben - was eine der dunkelsten Geschichten der Medizin ist.

    Deswegen würde ich Dich bitten, nicht von "Erfindungen" zu sprechen. Es geht um Menschen, besondere menschliche Konditionen und Dukkha und den Wert er Erkenntnis. Und sie erzählen ihre Geschichten in dem Heft.

    🙏

  • LGTB+ und Buddhismus

    • Dharma Buddy
    • 14. August 2021 um 10:47

    Vielen Dank für das, was Du schreibst. Und ich sehe die Punkte genau wie Du. Und genauso wie Du ist die kritische Auseinandersetzung mit Identitäten teil meiner Praxis - auch einiger schwuler Identitätskonstruktionen, die ich unheilsam für mich finde.

    Thorsten Hallscheidt:

    Das hat mit dem Label "Ehemann" nichts zu tun, sondern damit, mit einem anderen Menschen in eine Beziehung zu treten, bei der die sogenannte "Identität" vor dem In-Beziehung-Sein in den Hintergrund tritt. Sich also immer wieder wieder neu in der Beziehung mit dem anderen verändern lassen.

    Das ist richtig. Es setzt aber voraus, dass man bereit ist, sich auf eine Beziehung erst einmal einzulassen und das sich für sich als wichtig und relevant betrachtet. Und ich muss feststellen, dass viele meiner Bekannten das nicht sind, was sie selber beklagen. Das hat viele Gründe und ein Grund der etwas älteren Generation ist, dass sie in Zeiten aufwuchsen, in denen die Gesellschaft ihnen einredete, Schwule dürfen so etwas wie eine rechtlich abgesicherte Partnerschaft nicht besitzen und sie wollen und können es auch nicht, da sie "von Natur aus" ja ziemlich wahllos in der Wahl ihrer Sexualpartner sind. Bei vielen erwuchs ein Trotz gegen die Normen der Gesellschaft und viele versuchen auszubrechen aus den starren Normen. Es gibt z.B. sog. aromantische Menschen, für die die klassischen Modelle mit all ihrer Idealisierung von Liebe und Verbundenheit tatsächlich nichts taugen. Aber es gibt auch andere, die in stabilen Beziehungen ihren Weg gefunden haben - ihn aber erst finden mussten. Diese werden erzählen, dass der Akt der Vermählung, dieses seltsame Ritual, das wir eingehen wohlwissend, dass das, was wir anstreben, vergänglich ist, für sie eine immense Bedeutung hatte. Ich kenne sogar Menschen, wo die buddhistische Segnung sehr wichtig war und auch für den Partner, der nicht buddhistisch ist, und einen wichtigen Punkt im Leben darstellte, der neue Perspektiven eröffnete. Wie das genau funktionierte, verstehe ich auch nicht. Ich glaube aber, dass buddhistische Sichtweisen auf solche Dinge sehr wichtig ist, weil sie neue Perspektiven eröffnen weil sie realistisch sind und die Verbindung nicht zum Sakrament überhöhen. Von dem, was ich gehört habe, steckt in den Segnungen und damit verbundenen Ritualen z.B. in Korea, Taiwan oder Japan viel Weisheit. Und ich habe noch nie mitbekommen, dass der Sunim dann dem Ehemann zuwinkert: "Bloss nicht anhaften - auch die Identität als Ehemann ist eine Illusion". Nein, das ist es nicht. Es die konventionelle Realität mit all ihren Problemen und Kompromissen, in der wir tief mit unserem Karma stecken.

    Dieser seltsame Ring war und ist für viele ein Zeichen eines Gelübdes und einer neue Lebensphase, von der man zuerst nicht weiss, was sie nun bringt - aber es ist ein sichtbares Zeichen, dass man nun zu den "Verheirateten" gehört - auch eine Form von Identität. Unverständnis kam in den wenigen Fällen eher aus heterosexueller Seite, die scherzhaft Tolkien: "Ein Ring ihn zu knechten, ins Dunkel zu werfen und ewig zu binden." Aber ihnen war auch klar, dass die Schwulen nicht vorhaben, spießige Rollenmodelle der 50er Jahre zu konservieren.

    🙏

  • LGTB+ und Buddhismus

    • Dharma Buddy
    • 14. August 2021 um 08:48

    Ich habe mir nun alle Beiträge durchgelesen und ich möchte eine Frage in die Runde stellen, die mich wirklich interessiert: Wieso werden queere buddhistische Gruppen beurteilt (und sogar kritisiert), während niemand das bei einer Frauengruppe machen würde?

    Und mich interessieren jetzt nicht die Argumente und Urteile, die hier in diesem oder auch anderen Threads zu dem Thema stehen, sondern die Intention dahinter. Das können auch Befürchtungen und Ängste sein. Ich weiß, dass dieses Forum kein geschützter Raum ist. Ich weiß auch, dass dies kein geschützter Raum ist sondern dass es in diesem Forum hin und wieder Diskussionen gibt, wo ideologische Positionen polemisch aufeinandertreffen. Ich hoffe, dass dies nicht der Fall sein wird, sondern dass wir uns auf unsere Praxis besinnen und sie nutzen, tief in uns zu schauen. Und ich möchte diese Intentionen auch nicht kommentieren. Und mir geht es nicht um rationale Argumente, es ist mir klar, dass Gruppen von Frauen haben im Buddhismus eine Tradition haben, aber auch wenn in den letzten Jahren Frauen z.B. einen rein weiblichen Retreat machen, sich in Organisationen wie BuddhistWomen oder Sakyadhita organisieren, wird das selbstverständlich akzeptiert. Wo ist der Unterschied? Wieso wird das eine gelassen in Kauf genommen und dem anderen teilweise abgesprochen, etwas mit Buddhismus zu tun zu haben?

    Und um die Spannung zu erhöhen, will ich sagen, dass diese Frage zwei Vorgeschichten hat, die teilweise etliche Jahre zurückliegen. Diese sind sehr interessant und ich in meiner Naivität nie ernst genommen habe. Wenn es interessiert, werde ich diese im Anschluss posten, denn sie sind sehr erstaunlich.

    🙏

Ausgabe №. 135: „Achtsamkeit und Aktivismus"

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