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  1. Buddhaland Forum
  2. Sudhana

Beiträge von Sudhana

  • Wenn unser Glaube verächtlich gemacht wird...

    • Sudhana
    • 10. Mai 2024 um 20:33

    Und ich dachte, ich wäre alt ...

  • Frage zum Thema Mitgefühl und Gewalt

    • Sudhana
    • 9. Mai 2024 um 20:33
    Rolf82:

    Aber wäre al-Mawasi nicht eher ein Ghetto?

    Ganz Gaza ist ein Ghetto - mit zerstörter ziviler Infrastruktur. Einrichtungen der zivilen Verwaltung, Gesundheitsversorgung (Krankenhäuser), Schulen, die Universität - gezielt zerbombt. Mindestens die Hälfte aller Gebäude durch Bomben beschädigt oder zerstört (meldet die BBC); 80% der Bevölkerung, 1.7 Millionen Menschen, aus ihren Häusern vertrieben; gut die Hälfte davon ist in den Süden Gazas geflohen, wo sie nun erneut vertrieben werden (ebenfalls BBC).

    Al-Mawasi ist ein militärisch bewachtes Zeltlager im Dünensand. Die derzeitigen Bewohner der östlichen Zone von Rafah (ca. 100.000 Menschen, ein großer Teil Flüchtlinge aus dem Norden Gazas) werden von der israelischen Armee in ihrem Leben bedroht, wenn sie nicht weiter fliehen - nach al-Mawasi. Da es praktisch keine anderen Möglichkeiten gibt, den angekündigten Kampfhandlungen auszuweichen, ist das de facto eine Zwangsumsiedlung in ein Lager mit katastrophalen humanitären Bedingungen.

  • Frage zum Thema Mitgefühl und Gewalt

    • Sudhana
    • 9. Mai 2024 um 19:59
    Rolf82:

    Mir gings bei der Frage auch nicht darum, ob KZ's oder das was dort passiert ist, verbrecherisch ist. Sondern wie man das aufarbeitet und damit umgeht.


    Übrigens war an dem Tag auch jemand mit einer Palästinenserflagge dort, was für Aufsehen sorgte: "Free Palestine" bei der Befreiungsfeier im KZ Mauthausen

    Ja - wie geht man mit so etwas um? Nach Möglichkeit so, dass es sich nicht wiederholt. Wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist, dann ist es doch das Mindeste, dass man ihn mit einem Deckel sichert. Was konkret bedeutet, dass man ethnische Säuberung und Genozid zumindest beim Namen nennt und nicht aus politischer Opportunität verschweigt - mit der Rückfalloption des Beschönigens, Relativierens und Entschuldigens, falls Ignorieren nicht ausreicht. Aber man kann natürlich auch einmal jährlich um den Brunnen tanzen und Geister beschwören.

    Übrigens war am Montag auch der "Marsch der Lebenden" von Auschwitz nach Birkenau. Da gab es auch schwerste antisemitische Ausschreitungen: die ca. 8.000 Teilnehmer wurden von 9 Aktivisten belästigt, die nicht israelische (die gab es reichlich im Zug), sondern palästinensische Flaggen schwenkten sowie per Lautsprecher Israel "einen weiteren Völkermord" vorwarfen (die Aktion war perfiderweise angemeldet und genehmigt). Man wehrte sich, indem man laut die israelische Nationalhymne skandierte, um die Mahnung zu übertönen - was ich nicht so recht verstehe. Schließlich leben Juden nirgendwo weltweit gefährdeter als in der Siedlungskolonie Israel, auch wenn sie da privilegiert sind. Keine Kolonie ohne Kolonisierte; Letzteres ist keiner gern.

  • Wenn unser Glaube verächtlich gemacht wird...

    • Sudhana
    • 9. Mai 2024 um 18:37

    Danke mukti für das treffende Zitat. Um mit einem aus 'Wilhelm Meisters Wanderjahren' zu antworten:[lz]

    Tief und ernstlich denkende Menschen haben gegen das Publikum einen bösen Stand.[/lz]

    Da ist es ratsam, beim Publikum wählerisch zu sein bzw. im Zweifelsfall besser auf Publikum zu verzichten.

  • Frage zum Thema Mitgefühl und Gewalt

    • Sudhana
    • 9. Mai 2024 um 18:10

    Google mal nach "al-Mawasi".

  • Wenn unser Glaube verächtlich gemacht wird...

    • Sudhana
    • 9. Mai 2024 um 17:50
    Hue32:

    wir im Westen

    Autsch! Wer ist "wir"? Und das zum 'Vatertag' 2024 ...

    Bei manchen Bildern von "Männlichkeit", die bei uns so herumgereicht werden - etwa der archetypische, schwer motorisierte und trinkfeste Held, gerne in der frischrasierten Variante eines Bayernkickers, dessen Pheromone auf potentielle weibliche Geschlechtsverkehrsteilnehmerinnen den berüchtigten Axe-Effekt ausüben - habe ich den Eindruck, mit fortschreitendem Alter und sinkender Hormonproduktion legt sich das. Manche werden's freilich nie los.

  • Welche Sprache sprach Bodhidharma?

    • Sudhana
    • 9. Mai 2024 um 15:09

    Ich übersetze hier mal einen mE recht instruktiven Abschnitt aus:

    Robert M. Gimello, Mārga and Culture: Learning, Letters, and Liberation in Northern Sung Ch'an, in: Robert E. Buswell, Jr. / Robert M. Gimello (eds): Paths to Liberation - The Mārga and Its Transformations in Buddhist Thought, Studies in East Asian Buddhism 7, (Honolulu: University of Hawaii Press, 1992) S. 375

    Von den drei Fußnoten habe ich lediglich eine übersetzt, die hier mE von besonderem Interesse ist.[lz]

    Als die Befürworter eines radikalen und anti-Mārga Ch'an es (merkwürdigerweise) für nötig hielten, eine theoretische Rechtfertigung für ihre Position anzubieten, griffen sie gewöhnlich auf die tiefe Resonanz der Doktrin der Leerheit zurück, die in jeder Form des Buddhismus hörbar ist, wenn man nur darauf achtet. Die ursprüngliche buddhistische Entdeckung der Leerheit aller Dinge war eine Art doktrinärer "Urknall" [im Original Deutsch], dessen kognitive "Strahlung" seit jeher und immer noch das buddhistische Universum wie ein niederfrequenter Grundimpuls durchströmt. Die radikaleren Ch'an-Buddhisten waren daher stets in der Lage, auf die anomischen Implikationen der Leerheit - die Art und Weise, wie die Leere die Welt des geordneten Fortschritts auflöst und enthüllt, dass sie "wie eine Fata Morgana" [ein Zitat aus dem Diamantsutra] ist - als zwingenden Grund zu verweisen, den Pfad in Frage zu stellen. So konnten sie zum Beispiel auf den "Urtext" [im Original Deutsch] des Ch'an zurückgreifen, das Er-ju ssu-hsing lun (Abhandlung über die zwei Eingänge und die vier Praktiken), und feststellen, dass nach dieser quasi-biblischen 'Autorität der Schrift' diejenigen, die zum höheren "Eintritt des Prinzips" (li-Ju) fähig waren, alle Dualität transzendierten, sogar die von Anstrengung und Ziel oder Ursache und Wirkung, um zu erkennen, dass es nichts zu erreichen gibt; keinen Unterschied zwischen Weltmenschen und Weisen, keinen Unterschied zwischen Fortschritt und Nicht-Fortschritt und somit keinen Grund für einen mühsamen Weg.* Ihre konservativeren Gegner wiederum konnten sich auf die verschiedenen "Nicht-Leerheit" (aśūnyatā) - Überlieferungslinien des Mahāyāna beziehen (z.B. die vielfältige Tathāgatagarbha -Tradition oder Hua-yen oder T'ien-t'ai), um ihre Position zu rechtfertigen, dass es tatsächlich einen wirksamen Pfad gibt, auf den man sich als zum Ziel der befreienden Verwirklichung führend verlassen kann und dass dieser Weg gerade deshalb wirksam ist, weil er durch die vorherige Präsenz der Buddhaschaft selbst im unvollkommenen Reich von Anstrengung und Praxis ermöglicht wird.


    * Dieser Text wird traditionell Bodhidharma selbst zugeschrieben und obwohl einige zeitgenössische Gelehrte bereit sind, diese Zuschreibung zu akzeptieren, begnügen sich die meisten mit der vorsichtigeren Ansicht, dass es sich um ein zusammengesetztes Werk handelt, das in der Zeit vom späten sechsten bis ins frühe achte Jahrhundert seine Form erhielt. In jedem Fall könnten die entscheidenden ersten Abschnitte auf Bodhidharma und seine unmittelbaren Anhänger zurückgehen und es gibt bei diesem Text zwei wichtige Punkte, die unbestritten sind - dass er einer der frühesten, wenn nicht sogar der früheste aller Ch'an-Texte ist und dass er in der gesamten Ch'an-Geschichte großen Einfluss ausgeübt hat. Für eine sachkundige Behandlung des Textes und seines Inhalts sowie für eine präzise und vollständige englische Übersetzung siehe John R. McRae, The Northern School and the Formation of Early Ch'an Buddhism, Studies in East Asian Buddhism 3 (Honolulu: University of Hawaii Press, 1986), 101-117. Siehe auch Bernard Faures eher populär orientierte, aber sachkundige und durchdachte französische Übersetzung mit Kommentar, Le traité de Bodhidharma (Paris: Le Mail, 1986). Beachten Sie, dass in diesem frühen Ch'an-Text der "Eingang der Praxis", den man als Gegengewicht zum den "Eingang des Prinzips" verstehen könnte, nicht so verstanden wird. Vielmehr ist er, in McRaes Worten, wenig mehr als "ein didaktisches Konzept, nützlich für die korrekte Orientierung von neuen Studenten" (Northern School, S. 109). Man beachte auch die Beobachtung von Faure, dass die Spannung zwischen extremistischem und gemäßigtem Ch'an schon in den frühesten Phasen der Ch'an-Geschichte zu finden ist (Bodhidharma, S. 48-49).[/lz]

    Eine deutsche Übersetzung des Textes findet man hier- wobei "Eintritt des Prinzips" (li-ju) weniger korrekt aber vielleicht verständlicher mit "Zugang durch Erkenntnis" interpretiert wird. Wobei es da selbstredend nicht um rationale Erkenntnis geht sondern eben die, die sich durch pi-kuan / biguan ("Wandbeobachtung") einstellt. Oder auch nicht ... (dann war man zu ungeduldig) ;)

  • Bauchatmung

    • Sudhana
    • 8. Mai 2024 um 21:43

    Okay, ich sollte vielleicht zuerst sagen, dass ich, was Atmungstechniken angeht, vom Qigong/Neigong herkomme - wobei mich allerdings manche Parallelen zum Yoga immer wieder überrascht haben.

    Unter 'Bauchatmung' verstehe ich das, was im Qigong der 'kleine himmlische Kreislauf' genannt wird. Mal von der (imaginativen) Lenkung des Qi abgesehen - vereinfacht: die Bauchlinie abwärts, die Rückenlinie aufwärts - wird da vor allem mithilfe von Zwerchfell und Bauchwandmuskulatur ein- und ausgeatmet, letzteres mit Unterstützung (Kontraktion) der Zwischenrippenmuskeln sowie Kontraktion des Beckenbodens (im Yoga: mula bandha). Hört sich komplizierter an, als es ist. Eine der bekanntesten Qigong-Übungen, auch als 'daoistisches Atmen' bekannt. Im Gegensatz zu 'buddhistischem Atmen', also (betonter) Brustatmung.

    Dessen ungeachtet halte ich den 'kleinen himmlischen Kreislauf' für eine gute Hilfe, um beim Sitzen die Wirbelsäule gut aufzurichten und dabei die Schulterblätter zurück zu nehmen (und sinken zu lassen). Öffnet Brust- und Bauchraum und beugt Rückenschmerzen vor. Mit etwas Übung (naja, ein paar Jährchen mache ich das schon ...) braucht es zu Beginn der Sitzung nur noch zwei, drei Atemzüge, dann übernimmt der Körper und man kann die Konzentration auf den Kreislauf des Qi und damit auch die Vorstellung 'Qi' loslassen.

  • Wenn unser Glaube verächtlich gemacht wird...

    • Sudhana
    • 8. Mai 2024 um 16:23
    Hue32:

    klingt so als würdest du den "Fehler" immer bei dir suchst. Ein Missverständnis

    Genau. [wenn ich mich mal einmischen darf] Allerdings liegt das Missverständnis wohl auf Deiner Seite; für mich klingt das nicht so. Der Punkt ist: solche Begebenheiten, wie Du sie beschrieben hast, sind bedingt. Das Bild mit dem Spiegel beschreibt es eigentlich recht verständlich. Das "Spiegelbild" ist Deine Erfahrung. Sie ist bedingt durch Dich, das erfahrende, gespiegelte Subjekt und selbstverständlich auch durch den 'Spiegel', das erfahrene / spiegelnde Objekt.

    Beide Seiten sind selbst jeweils durch eine Vielzahl von zum Großteil variablen Faktoren bedingt. Dazu kommt: die wenigsten 'Spiegelbilder' sind perfekt und es gibt welche, in denen man sich leichter und solche, in denen man sich gar nicht wiedererkennt (oder erkennen will). Das kann am Spiegel liegen - aber auch an dem, der hineinschaut. Am wahrscheinlichsten (aber nicht immer) liegt es an beidem.

    P.S.: die KI hat wohl Grammatik-Probleme.

  • Ursachen der Leidenschaften

    • Sudhana
    • 7. Mai 2024 um 17:27

    Frei : Was Du da als scheinbare Widerlegung der These, der Mensch benötige zum Überleben keine Leidenschaften, präsentierst, ist ja keine. Dein schönes Bild von den fetten Schweinen des Nachbarn ist ja nur ein kleines Addendum: mit Gier geht's auch. Was sonst? Ist ja wohl offensichtlich. Und was bringt's, wenn man sein Überleben auf das sog. Recht des Stärkeren stützt? Das, was uns hier, in der überfütterten 'Ersten Welt' geboten wird. Fette Schweine. Und das, was dafür den Menschen im globalen Süden geboten wird. Die dürfen die Gülle entsorgen. Siedlungskolonialismus mit ethnischen Säuberungen und Völkermord immer noch inbegriffen, wobei unsere frei und demokratisch gewählte Regierung kräftig Beihilfe leistet und die Medien wegschauen und stattdessen rund um die Uhr 'Unterhaltung' liefern.

    Das Gegenmodell dazu - konkret monastische Gemeinschaften - funktioniert aber ebenfalls. Da deren Mitglieder idR zolibatär leben (das hilft ... :grinsen: ), funktioniert das mit dem 'Überleben' natürlich nur in Symbiose mit der weniger leidenschaftslosen Gesellschaft, die für Nachschub an Dropouts sorgt, die das Rattenrennen satt haben. Wobei es da (bei den weniger leidenschaftslosen Gesellschaften) durchaus gierigere und weniger gierige gibt ...

  • Wenn unser Glaube verächtlich gemacht wird...

    • Sudhana
    • 3. Mai 2024 um 17:00
    lubob:
    Hue32:

    Meine Frage, besonders an Männer, lautet: Habt ihr solche Situationen erlebt, und sagt ihr heute noch offen, dass ihr an das Dharma glaubt?

    Nein, habe ich noch nie erlebt.

    Die Welt ist ein ungemein unerbittlicher Spiegel und wenn du das so erlebst, dann geht die Frage m.E. eher an dich, was du tust, auf dass es zu solchen Reaktionen kommt. Andere Menschen habe auch ohne Worte feine Antennen dafür, wie du sie beurteilst.

    Zunächst zur (Doppel-)Frage von Hue32: mir geht bzw. ging es da wie lubob ; auch ich habe so etwas nie erlebt. Was den zweiten Teil der Frage angeht wäre zu differenzieren, was mit "offen sagen" gemeint ist und vor allem was mit "an das Dharma glauben" gemeint ist. Bei dieser Formulierung wurde ziemlich offensichtlich einfach "Evangelium" durch "Dharma" ersetzt. Typischer KI-Fehler.

    Gehen wir mal in's Detail. Ich lebe in einem Dorf und da ist es unvermeidlich, dass die Leute mehr übereinander wissen, als manchem recht ist. Wobei man in meiner Gegend - vor allem durch den jahrhundertealten Handel mit einer hier auch traditionell konsumierten Droge - relativ weltoffen ist. In der Regel sind die Leute gut evangelisch, die wenigen Katholiken (die haben hier im Dorf nicht mal eine eigene Kirche) sind mittlerweile (über drei Jahrhunderte nach der Kurpfälzischen Religionsdeklaration) bestens integriert. Pietkong sind hier eher selten (ich kenne keine persönlich). Juden gibt es hier im Dorf keine mehr- allerdings schon seit den 'Goldenen Zwanzigern'. Was nicht heisst, dass man hier in der Gegend im tausendjährigen Reich besser mit ihnen umgesprungen wäre als anderswo. Früher gab es einen nennenswerten Bevölkerungsanteil an Juden; sie lebten hier traditionell vom Viehhandel, was ihnen nicht immer Sympathie einbrachte. Etliche kleine jüdische Friedhofe (auf Karten sind sie - aus gutem Grund - nicht als solche ausgewiesen und es führen auch keine offiziell ausgewiesenen Wanderrouten zu ihnen) zeugen für ein langes Zusammenleben. Spätestens seit der Zeit als Département der französischen Republik hatte sich hier auch bei der Landbevölkerung weitgehend eine liberale und tolerante Gesinnung gegenüber Nichtchristen durchgesetzt. Ich bin da ein wenig ausschweifend geworden, um deutlich zu machen, dass Probleme mit Intoleranz auch stark von regional unterschiedlichen Bedingungen abhängen - möglicherweise bin ich persönlich da nur zufällig (oder wegen karma und so ...) in einer privilegierten Situation und in - beispielsweise - einem Dorf in MeckPomm oder Niederbayern sähe es ganz anders aus..

    Was die 'Offenheit' angeht, so sitzen über der Eingangstür meines Hauses zwei steinerne Buddhas. Ansonsten rede ich über Buddhismus lediglich nur, wenn ich danach gefragt werde. Das machen die Christen hier mit ihren Glauben genau so. Was darauf hinausläuft, dass ich solche Gespräche eigentlich nur mit zwei hier im Ort ansässigen 'Spezialisten' führe; beide Religionspädagogen, jeweils für die evangelische und die katholische Fraktion. Und da geht es selbstverständlich nicht um 'Bekehrung', sondern darum, etwas zu lernen - was voraussetzt, dass man auch etwas zu lehren hat. Das heisst, es geht vorrangig um Wissen, womöglich die Aufklärung von Missverständnissen. Was natürlich neben beiderseitigem Interesse aneinander voraussetzt, dass man über das Thema (bzw. seinen Anteil daran) auch etwas weiss und nicht nur "glaubt". Oder zu wissen glaubt ...

    Ansonsten hat es sich bei den Leuten hier, mit denen ich z.B. im ehrenamtlichen Bereich häufiger zu tun habe, herumgesprochen, dass ich Buddhist bin. Weil ich z.B. bei Vereinsfesten der einzige Vegetarier bin (und selbstverständlich eine vegane 'Extrawurst' bekomme) bin oder früher zu manchen Terminen (etwa Weihnachtsfeier während Rohatsu) nicht abkömmlich war. Wenn man das erklärt, ist der Verweis auf Buddhismus eine nützliche 'Schublade', in der bestimmtes Verhalten eigeordnet werden kann, das sonst möglicherweise als Affront aufgefasst wird - als Absondern oder Sich-Ausschließen. Was man auf jeden Fall vermeiden sollte ist 'virtue signaling'. Bewusst und gezielt den Eindruck vermitteln [wollen] 'ich bin besser/schlauer/weiser als du'. Das kommt nie gut an.

  • Ohne Einübung der Sila gibt es keine buddhistische Praxis

    • Sudhana
    • 29. April 2024 um 21:57
    Aravind:
    Helmut:

    Mitgefühl (Karuna) besteht ja in der Geisteshaltung, die wünscht , dass die Menschen frei sein mögen von Leid und dessen Ursachen. Warum sollte dies geistige Schwäche sein und deshalb keine sinnvolle Tugend sein?

    Da wir hier über buddhistische Praxis reden, wäre für mich die Antwort: Weil es derjenige, der das schreibt, im Moment so empfindet. Das ich für mich keine normative Aussage.

    sorry, aber ich verstehe nicht inwiefern Empathie, die unsere kognitiven Fähigkeiten erweitert / entgrenzt, etwas mit "Stärke" (insbesondere mentale) zu tun haben soll. Zumal sich ja da ein Messungsproblem ergibt, wenn wir uns nicht strikt auf physische Stärke / Kraft beschränken: was soll da wie gemessen werden? Ich halte Helmut s Frage für völlig berechtigt und die Aussage "karuṇā bedingt/bewirkt Schwäche" schon logisch für Nonsens. Ein Kategorienfehler.

    Aravind:

    So wie es Menschen gibt, die es auf Grund ihrer Geschichte im Moment nicht ertragen können, Metta für sich selbst zu üben. Weil sie beispielsweise noch die Idee haben, sie haben Liebende Güte gar nicht verdient.

    Das ist jetzt wieder eine andere Geschichte. Aber ich denke, Traumabewältigung ist ein positiver Nebeneffekt der Übung des Wegs. Eine Abkürzung (im Vergleich zu einer Psychotherapie) ist es allerdings wohl auch nicht, spart nur Aufwand und Kosten ... Wobei ich mit dieser etwas flapsigen Behauptung keinen Beruf diffamieren (und auch nicht jemandes Einkommen schmälern) will und schon gar nicht schwer Traumageschädigte dissen. Also das gilt ausdrücklich nur für den ganz normalen Stadt-und-Land-Neurotiker (wie mich).

    Aravind:

    Man muss halt herausfinden, was gerade geht.

    So isses. Geschickte Mittel, upāya kauśalya. :like:Man hat bloß leider nicht immer das richtige im Werkzeugkoffer dabei. Damit klar zu kommen - dabei ist śīla pāramitā eine große Hilfe.

  • Ohne Einübung der Sila gibt es keine buddhistische Praxis

    • Sudhana
    • 26. April 2024 um 17:29
    Bebop:

    Aber dass man ggf. auf dem Marktplatz handfeste Lösungen findet, ist natürlich inbegriffen,

    Es bleibt einem ja gar nichts anderes übrig, als wenigstens danach zu suchen. Sonst könnte man gleich zu Hause bleiben ...

    Bebop:

    genaus wie die Entscheidung, Nicht-Eingreifen könne das rechte Handeln sein.

    Danke, dass Du das einräumst - wobei es ja selbst beim Eingreifennoch eine recht breite Skala gibt. Von 'geschickten Mitteln' bis hin zu zunehmend ungeschickteren.

    Bebop:

    Mir ist es zu einfach, das als Gewissensfrage zu deklarieren, weil das Gewissen in unserem Kulturkreis etwas anderes ist als das, was den (Zen-)Buddhisten zu Reue veranlassen könnte.

    Ich sehe das nicht als Gewissensfrage sondern als eine der Übung. "Im Reich des unzerstörbaren Dharma nicht die Idee des Zerstörens aufsteigen zu lassen, wird das Gelöbnis des Nicht-Tötens genannt." Soll Bodhidharma mal gesagt haben ...

    pano:
    Bebop:

    Unsinn und Personenkult. Man schaue sich einfach an, wie das bei anderen Gurus laeuft. Das ist Ego, Geltungsbeduerfnis, Selbstueberschaetzung (Hunderte von Massregelungen fuer eine Gemeinschaft aufstellen, nachdem man selbst in Saus und Braus gelebt hatte ...). Er haette z.B. einiges erreicht, wenn er sein Palasterbe angetreten und an Beduerftige verteilt oder wenn er dem Schlachter nicht sein Geschaeft madig gemacht haette. Aber was soll man von einem erwarten, der sich schon nach der Geburt fuer den hoechsten gehalten haben soll?

    Ich glaube es ist wichtig nicht Hagiographien für bare Münze zu nehmen.

    Das ist sicherlich richtig, andererseits sollte man Hagiographien nicht einfach auf dem Müllhaufen der Geistesgeschichte entsorgen. Natürlich handelt es sich nicht, wie nach knapp 21/2 Jahrtausenden einer recht ramponierten Überlieferung kaum verwunderlich, um historisch verlässliche Narrative. Nichtsdestotrotz um Narrative, die Botschaften transportieren und dies auch sollen. Säkularen Buddhisten ins Stammbuch geschrieben: es geht auch den meisten 'klerikalen Buddhisten' nicht darum, solche Geschichten zu glauben, sondern darum, sie zu verstehen.

    Wobei das Interesse an solchen Narrativen, die sich mit der Bodhisattva-Karriere Buddhas (also seiner 'Biografie' vor seinem Erwachen bzw. dem Beginn seiner Lehrtätigkeit) beschäftigen, anscheinend erst einige Jahrhunderte nach Buddhas Parinirvāṇa einsetzte. Wenig überraschend gleichzeitig mit dem entstehenden Mahāyāna mit seinem Fokus auf den Bodhisattva-Mahāsattva als Übungsideal. Die entsprechenden Texte, insbesondere das Mahāvastu (1. Jhdt.), Aśvaghoṣas Buddhacaritam (Beginn 2. Jhdt.) und das Lalitavistara (ca. 1 Jhdt. später) sind vor allem an einer pseudo-doketischen Buddhologie ausgerichtet und in historischer Hinsicht natürlich anachronistisch.


  • Ohne Einübung der Sila gibt es keine buddhistische Praxis

    • Sudhana
    • 26. April 2024 um 00:24
    Punk:

    nicht ins Mitgefühl.

    ... wenn schon, dann "nicht aus Mitgefühl" (weswegen eigentlich sonst?) - "ins Mitgefühl" ist doch schon rein grammatisch Quatsch.

  • Ohne Einübung der Sila gibt es keine buddhistische Praxis

    • Sudhana
    • 23. April 2024 um 18:23

    Naivität hilft nicht, Arroganz ebenso wenig, Pessimismus und Hoffnungslosigkeit schon

    Wobei mich ja eher stört, wie flott hier denen, die nicht ebenso flott Wünschen nach Waffenlieferungen nachkommen wollen, wahlweise Naivität, Arroganz oder aber Pessimismus und Hoffnungslosigkeit unterstellt wird. Um mal auf demselben Level zu antworten: das ist billig, Frau Billig. Immer schön mit den Wölfen heulen ...

  • Ohne Einübung der Sila gibt es keine buddhistische Praxis

    • Sudhana
    • 23. April 2024 um 18:17

    Zeitenwende, mein lieber Helgo. Wobei die Meinung von Frau Billig (Chefredaktion) nicht notwendig die der DBU (Herausgeber) ist.

  • Ohne Einübung der Sila gibt es keine buddhistische Praxis

    • Sudhana
    • 23. April 2024 um 16:25
    Bebop:

    Was hier fehlt ist - wie bei den meisten Zenlehrern heutzutage - Unterscheidungsfähigkeit.

    Du sprichst von "Unterscheidungsfähigkeit"; zweifelsohne ein lohnendes Übungsobjekt. Aber Du meinst "Parteinahme", das ist etwas anderes. Wobei das schon ein Euphemismus ist, nach meiner Beobachtung ist das zumeist kein aktiver Prozess, sondern ein passiver - ein "rekrutiert werden" bzw. "sich rekrutieren lassen". Man geht doch nicht auf dem Markt, um sich dort in die nächstbeste Schlägerei verwickeln zu lassen.

    Bebop:

    Wieso sollte so einer ausgerechnet den Impuls verspüren, tatenlos zuzuschauen, wie um ihn herum Menschen gefoltert, vergewaltigt oder getötet werden?

    Eben. Aber der Impuls, sich daran zu beteiligen - nur halt auf der 'richtigen Seite' - ist eine andere Geschichte. Man muss schon ziemlich binär in grobem Raster denken, um in kriegerischen Konflikten wie Ukrainekrieg oder Gazakrieg eine 'richtige Seite' zu finden, für die man zu töten bereit ist. Wobei das eine Täterperspektive ist. Für Opfer gibt es keine 'richtige Seite'.

    Mich amüsiert diese Argumentationsfigur mittlerweile etwas. "Wir müssen der Ukraine Taurus-Raketen liefern; Nichtstun wäre die falsche Politik." Als ob Nichtstun die einzige Alternative zu Mord und Totschlag wäre ... Und wenn es so wäre, wäre das nicht unbedingt die schlechtere Alternative.

  • Was bringt eine DBU Mitgliedschaft?

    • Sudhana
    • 23. April 2024 um 15:41

    Amdap : da bist Du mit Sicherheit einer Fehlinformation oder einem Missverständnis aufgesessen. Zu dieser Zeit war ich noch in der DBU aktiv und gerade in diese KdöR-Geschichte ziemlich eingebunden. Das Antragsformular auf Mitgliedschaft wurde zwar im Februar '22 aktualisiert, aber da stand auch schon vorher nichts von Kirchensteuer o.ä. drin.

  • Was bringt eine DBU Mitgliedschaft?

    • Sudhana
    • 23. April 2024 um 13:06
    Amdap:

    Da man in Deutschland Kirchensteuer zahlt, wozu es aber eine erwiesene Mindestanzahl von Mitgliedern braucht, hat die DBU, in Stellvertretung für uns Buddhisten, ein starkes Interesse daran, an registrierten Mitgliedern so viele wie möglich zu haben.

    Sorry, aber das sind fake news. Mal davon abgesehen, dass entscheidend dafür die Verleihung des öffentlich-rechtlichen Körperschaftsstatus ist, nicht die Mitgliederzahl, hat die DBU ausdrücklich erklärt, dass eine Erhebung und Eintreibung von Mitgliedsbeiträgen durch den Staat (nichts anderes ist die sog. 'Kirchensteuer') jetzt und auch in Zukunft (etwa nach Verleihung des Körperschaftsstatus) nicht angestrebt wird. Das ließe die Struktur der DBU auch gar nicht zu, ähnlich wie bei den diversen muslimischen Dachverbänden von Moscheevereinen, die ebenfalls den Status einer öffentlich-rechtlichen Körperschaft anstreben, aber keine muslimische "Kirchensteuer". Es gibt andere Vorteile, wegen denen der Status einer Körperschaft des öffentlichen Rechts angestrebt wird - wobei ich mir nicht sicher bin, ob die DBU das überhaupt noch tut.

    Ansonsten: Kirchensteuer zahlt auch in Deutschland nur, wer will (ich z.B. nicht). Die erhebliche staatliche Subventionierung der Kirchen steht allerdings auf einem anderen Blatt, daran dürfen müssen sich auch Nichtmitglieder über ihre Steuern beteiligen.

  • Ohne Einübung der Sila gibt es keine buddhistische Praxis

    • Sudhana
    • 22. April 2024 um 20:35
    Bebop:

    Wenn man sich im Krieg ggf für eine Seite entscheiden zu meinen muss, wird die andere normalerweise auch weniger Mitgefühl erfahren.

    Dann hat man bei der Übung von Śīla pāramitā offenbar einen Fehler gemacht. Zumal im Mahāyāna jeder Übung der pāramitā Prajñā paramita 'vorangeht'. Was das konkret bedeutet, wird im Diamantsutra exemplarisch aufgezeigt:

    Vajracchedikā Prajñāpāramitā Sūtra:

    ‘Jeglicher, o Subhuti, der hier den Pfad der Bodhisattvas betreten hat, muss seine Gedanken so gestalten: So viel Wesen es in dieser Welt des Daseins gibt, zusammengefasst unter dem Begriff der Wesen - sie seien aus einem Ei geboren oder aus dem Mutterleib, aus Feuchtigkeit entstanden oder durch Verwandlung - geformt oder ohne Form, denkend oder nicht denkend, oder weder denkend noch nichtdenkend; soweit Welten von Dasein bekannt sind, alle diese müssen von mir in der vollkommenen Welt der Auslöschung erlöst werden. Und dennoch, wenn so unermesslich viele Wesen erlöst wurden, wurde doch kein einziges Wesen erlöst. Und warum? Wenn, o Subhuti, ein Bodhisattva dem Gedanken eines Wesens anhinge, könnte er nicht Bodhisattva genannt werden. Und warum? Weil, o Subhuti, niemand ein Bodhisattva genannt werden sollte, für den der Gedanke eines Wesens, der Gedanke des Lebens oder der Gedanke einer Person existiert.’

    Ich würde mal sagen, der Bodhisattva ist wehruntauglich. Da funktioniert die Freund-/Feinderkennung auf psychophysischer Ebene nicht mehr.

    Bebop:

    Für ein entscheidendes Missverständnis

    ... halte ich das darauf Folgende, komplettes Zitat spar ich uns. Natürlich ist das kein Übungsweg zur Befreiung; das Kalamer Sutta ist ja auch keine Lehrrede, die Buddha seinen Bhikṣus hält oder wo er mit Vertretern anderer Gemeinschaften diskutiert, sondern ein Vortrag für Skeptiker, die sich für keines der ihnen gemachten 'spirituellen Angebote' entscheiden mögen bzw. können. Für die hat Buddha *nur* die bereits die erwähnten vier Zusicherungen zu bieten, keine Befreiung. Aber immerhin, für einen kostenlosen Rat ohne weitere Verpflichtungen nicht schlecht, da kann man nicht meckern ...

  • Ohne Einübung der Sila gibt es keine buddhistische Praxis

    • Sudhana
    • 22. April 2024 um 15:28

    'Sawaki' triggert mich jetzt, sorry. Ich mag seinen Stil nicht sonderlich, aber das ist eine andere Sache. Nach allem, was ich gelesen habe (insbesondere den Nestbeschmutzer Victoria) scheint er mir, mit Verlaub, ein ziemliches Ars**lo** gewesen zu sein. Immerhin ist er wohl nach '45 zur Vernunft gekommen, anders als einige Zeitgenossen von ihm.

    Man kann Ethik bzw. Śīla durchaus rein von ihrer Funktion her als soziales Regulativ verstehen. Gerade im Buddhismus gibt es ja die "vierfache Gemeinschaft" aus Laien und Ordinierten jeweils beiderlei Geschlechts (man sehe mir den Exklusionismus nach). Es ist der Gedanke einer supraethnischen und supranationalen Gemeinschaft, die auf dem untersten Level (ihrem Fundament) auf sehr wenigen sozialen 'Verabredungen' beruht - konkret der 'dreifachen Zuflucht' und der Selbstverpflichtung zu fünf ethischen Übungswegen (Śikṣāpada), bekannter als die pañcaśīla. Das zweite Level ist dann der Sangha im engeren Sinn, wo man einer Fülle weiterer sozialer und ethischer Regeln als 'Preis' für einen höheren sozialen Status (wenn auch nicht - zumindest der Theorie nach - Lebensstandard) unterworfen ist.

    Eine solche reduktive Sichtweise ignoriert die Basis buddhistischer Ethik, die eine 'Mitleidsetik' im Sinne Schopenhauers ist, nicht nur ein mit Sanktionierungen mehr oder weniger erfolgreich antrainiertes soziales Regulativ. Sie ist Ausdruck einer 'Durchlässigkeit' der sozialen Rolle des Ichs für Empathie. Es sollte nicht überraschen, dass Buddha den Kalamern als Mittel, die Verständigen von den Unverständigen zu scheiden, eben die Entwicklung ihrer empathischen Fähigkeiten mittels der Übung der apramana (auch als brahmavihara bekannt) empfahl - um so konkret frei von Feindseligkeit und Böswilligkeit, also von agressiven Impulsen, zu werden. Was immerhin "vier Zusicherungen" einbringt, ob 'vierfache Gemeinschaft' oder nicht, 'Verdienst' hin und her. AN III.66, falls die Quelle noch nicht genannt wurde.

    Klar - Buddha hatte den ganzen Zinnober nicht nötig, als er erwachte und das strapaziöse Leben danach schon garnicht - er war wohl schon etwas erleichtert, dass Ananda ihn nach der Lebensmittelvergiftung nicht bat, noch weiter zu machen. Alle Nötige war gesagt, mehr als einmal. Es gibt einen Grund, warum er sich das 45 Jahre lang antat : Mitgefühl.

  • Wissen Tiere um Tod?

    • Sudhana
    • 21. April 2024 um 18:25

    A Mönch frogad an Moasda Joshu: "Hot dera Hund a Buddhanatur oda ned?" Sogd der Joshu: "Koan!"

  • Bodhisattva-Gelübde

    • Sudhana
    • 21. April 2024 um 17:05

    Das Bodhisattvacaryāvatāra ('Einführung in den Weg des Bodhisattva') ist auch im chinesischen Tripitaka überliefert (T 1662.32.543–562, im 10. Jhdt. übersetzt), wo es allerdings Nāgârjuna (wie auch im koreanischen Tripitaka) zugeschrieben wird - mit ziemlicher Sicherheit zu Unrecht. Auch wenn der Text eine wichtige Brücke zwischen Bodhisattva-Praxis und prajñāpāramitā- Epistomologie herstellt, ist er in Ostasien trotz des nobl(er)en Pedigree bei weitem nicht so "populär" wie in Tibet.

    Das liegt wohl nicht zuletzt daran, dass in Ostasien neben den hier schon zitierten/paraphrasierten 'vier universellen [Bodhisattva-]Gelübden', die dem Muster der 'Vier edlen Wahrheiten' folgen, hinsichtlich einer formelleren, also mit ritueller Initiation verbundenen Praxis, vor allem die Gelübde nach dem (Mahayana-)Brahmajala-Sutra T.1484.24.997a–1010a die prominenteste Rolle spielen. Dieser möglicherweise erst in China entstandene Text (oder Schlusskapitel [von zehn] eines verloren gegangenen Sanskrit-Sutras) ist dort seit dem 5. Jahrhundert maßgebend für Bodhisattva-Ordination - 10 Haupt- und 48 Nebengelübde. Das war in China bereits eine dreihundert Jahre alte und etablierte Praxis, als Śāntideva (vermutlich in Nālandā) das Bodhisattvacaryāvatāra verfasste.

    Übrigens wurden die Gelübde in China in aller Regel von Bhikṣus und Bhikṣunis genommen, also zusätzlich zu den Gelübden des Vinaya. Die Bodhisattva-Ordination nach dem Brahmajala war vor allem eine Praxis der Tiantai-Schule, die als Tendai-Schule einen japanischen 'Ableger' bekam, in dem aus (religions-)politischen Gründen auf die Vinaya-Ordination verzichtet wurde. Unschlagbares Argument: die Bodhisattva-Gelübde reichen aus. Dieser 'Verzicht' auf Vinaya-Ordination wurde dann von den aus dem Tendai hervorgehenden dissidenten Kamakura-Schulen übernommen; für die Bodhisattva-Ordination wurden hingegen neue, 'schulspezifische' (d.h. vom Tendai unabhängige) Modelle entwickelt - beispielsweise von Dōgen Zenji.

  • Auftauchen von „Trippy“ Objekten und Welten in der Meditation

    • Sudhana
    • 20. April 2024 um 15:04

    Im Soto-Zen sitzt man ja überlicherweise mit 'halboffenen' Augen vor einer Wand, wie Bodhidharma. 'Halboffen' heisst, dass die Oberlider leicht gesenkt sind, um nicht zu viel Licht aufzunehmen. Der 'Trick' ist dann, nicht mehr zu fokussieren. Übrigens auch, nicht (zumindest nicht allzu häufig) zu blinzeln. So 40, 45 Minuten geht das mit etwas Gewöhnung schon, ohne dass man Augentropfen braucht. Gerade morgens, wenn man noch nicht ganz wach ist - bei jedem Blinzeln besteht das Risiko, dass die Augen geschlossen bleiben und die wache Aufmerksamkeit verloren geht. Die Wand ist optimalerweise hell, zumindest einfarbig. Wenn man - typischer Anfängerfehler - auf die Wand fokussiert, wird diese leicht zur Projektionsfläche und dann läuft schon der eine oder andere Film ab ...

    Meine heftigste Vision hatte ich persönlich allerdings, als ich der Wand den Rücken zukehrte (ich hatte da irgendeinen Assistentenjob zu besorgen) und meine Augen, wie es in vielen Beschreibungen von Zazen heisst, auf einen Punkt Richtung Boden ca. zwei Meter vor mir richtete. Sitzt man vor der Wand, liegt dieser Punkt hinter der Wand - man sieht ihn nicht und fokussiert daher auch nicht darauf. Umgekehrt ist z.B. ein Korkfußboden auch eine schöne Projektionsfläche ...

    Solche Effekte werden durch die tendenzielle sensorische Deprivation in typischen Zen - Meditationssettings begünstigt. Wohingegen die konkrete Gestalt der erlebten Halluzinationen oder Visionen natürlich durch die Verfasstheit des Halluzinierenden bedingt ist; sie sagt etwas über sie oder ihn aus. Selten etwas sinnvolles. Wenn man eine*n Lehrer*in hat, kann man mit ihr oder ihm darüber sprechen. In der Regel wird man aber wohl nur zu hören bekommen, man solle das ignorieren und sich schon gar nichts auf solchen Unsinn einbilden.

    Wie schon von Gotara erwähnt, werden solche Erlebnisse im Zen makyō 魔境 genannt - das 'ma' 魔 (von dem indischen Todesdämon Māra abgeleitet) steht für für einen bösartigen Dämon, das 'kyō' 境 steht hier für 'Welt, Reich' - zusammen also das 'Reich Maras' - Lu Kuan Yu übersetzt im oben verlinkten Śūraṅgama Sūtra "States of Māra", also 'Māra-Zustände". Das steht natürlich in Verbindung mit der alten Legende von der 'Versuchung' Buddhas durch den Dämon Māra und seine drei Töchter, als letzter Versuch, sein Erwachen zu verhindern.

  • Auftauchen von „Trippy“ Objekten und Welten in der Meditation

    • Sudhana
    • 18. April 2024 um 18:32

    Das ist in dieser Intensität ungewöhnlich, aber grundsätzlich ein Anfängerproblem (deswegen hier auch richtig verortet). Wobei man natürlich geteilter Ansicht sein kann, wie lange jemand Anfänger ist. Vor allem bei Leuten, die sich gezielt um einen Anfängergeist bemühen - was in sich natürlich widersprüchlich und deswegen witzig ist. Merkt bloß nicht jeder ...

    Nichtbeachtung ist jedenfalls die beste Herangehensweise, wie Du selbst schon richtig erkannt hast. Zumindest so lange diese 'Visionen' nicht in Deine Alltagswahrnehmung 'einbrechen'. Dann hast Du ein Problem und solltest qualifizierten Rat suchen.*

    Um Deiner direkten Fage

    Weltling:

    Wie nennt man diese Erscheinungen?

    nicht auszuweichen: am ausführlichsten werden sie im Śūraṅgama Sūtra klassifiziert und beschrieben, bekannt als die "50 dämonischen Skandha-Zustände". Ob (und wenn wo) das in Muralts deutscher Übersetzung drin ist, weiss ich jetzt nicht.** In der oben verlinkten englischen Übersetzung Lu Kuan Yus ist es das letzte (VIII.) Kapitel. Überhaupt ein interessanter Text, aber nicht wirklich Anfängerlektüre ...

    *Dieser hier beispielsweise (also meiner) geht nicht als 'qualifiziert durch, weil meine Qualifikation für Dich nicht überprüfbar ist. Was somit auch diesen Rat zu einem unqualifizierten macht.

    **In meinem Originalexemplar - in irgendeinem indischen Vihara als hektografierter Druck hergestellt - mag ich nicht mehr nachschauen, das Ding muss dringend zu einem Buchbinder, bevor es auseinanderfällt. Eine Neuauflage gibt's im Angkor-Verlag, was impliziert, dass die Übersetzung nicht öffentlich im Internet zugänglich ist.

Ausgabe №. 135: „Achtsamkeit und Aktivismus"

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