Doris Rasevic-Benz:Alles anzeigenNun ja, es gibt ja auch noch ein Denksystem, das davon ausgeht, dass die Wahrheit in den Worten Anderer zu finden sei. Und ob das dann die Worte eines oder mehrerer Anderer ist, spielt dabei keine Rolle.
Ich denke, es ist durchaus legitim, andere zu zitieren, aber ich würde mich dann immer fragen warum tue ich das?
Kann ich mich nicht verständlich ausdrücken oder denke ich, dass ich das nicht kann?
Finde ich das so wundervoll ausgedrückt, dass ich vor Ehrfurcht mich nicht traue meine eignen Worte zu finden?
Will ich durch ein Zitat meine Autorität behaupten? …Für mich werden dann Zitate zu Lügen. Ich zitiere deshalb sehr wenig. Klar, manchmal denke ich schon, dass ich mich in ein paar Jahren für meinen unausgegorenen und unerleuchteten Mist schämen könnte. Aber was soll’s. Wenn ich mich in ein paar Jahren für das schäme, was ich heute schreibe, dann war ich heute nicht achtsam genug und bin in ein paar Jahren immer noch nicht achtsam genug, sonst würde ich mich nicht dafür schämen, dass ich ein Work-in-progress bin.
Ich traue mich also besser einfach nur zu denken und das, was ich gerade denke zu schreiben ohne Netz und doppelten Boden. Das Leben hat mich schon so oft korrigiert, es wird es weiterhin tun und kann es nur, wenn ich mir nicht vorspiele mehr zu sein, als ich bin. Ich muss dem Leben schon die Gelegenheit geben mich zu korrigieren indem ich mich offenlege.Liebe Grüße
Doris - KnochensackPS
Ich empfinde die Offenlegung meine Identität bisher als wohltuend. Es ist wie in meinem Leben sonst auch: da ich nichts verberge und niemandem was vorspiele, biete ich keine Angriffsfläche. Das scheint merkwürdig, aber mich macht das irgendwie gelassener.
Zum Glück hatten da andere über Jahrtausende einfach nur zitiert *schmunzel und sich weniger an ihrer Identität geschmiegt.