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  1. Buddhaland Forum
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Kadampa

  • Echo7
  • 31. März 2012 um 10:58
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  • Lirum Larum
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    Ich protestiere gegen den mangelnden Respekt vor den unterschiedlichen Traditionen.
    • 4. April 2012 um 09:42
    • #26

    Ja, Rückzug ist das zweitbeste Mittel - wenn es mit dem Erdulden oder dem Umwandeln der Schwierigkeiten in den Pfad nicht mehr klappt.
    Dann ist es keine Schande, sich aus einer unheilsamen Situation zurückzuziehen.

    :rainbow: Gute Wünsche für jede und jeden. :tee:


  • Linkshaender
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    • 19. Dezember 2013 um 20:28
    • #27

    Bitte entschuldigt, falls meine Fragen von wenig Wissen herrühren und habt Geduld mit mir:

    die NKT gründete sich 1991 im Westen. Im Grunde ist es eine Folge des Verbots des Dalai Lamas den Shugden-Kult weiter zu führen (etwas anderes als ein Verbot ist es nicht, wenn er Leute in seinem Gefolge nicht duldet die solches praktizieren).

    Lange hat er selbst Shugden beschwichtigt bis ihm ahnte, dass dieses schädlich sei.

    Nun kann ich mich erinnern, dass der Dalai Lama (selbst den Orakel-Kult anwendent) gerne so gehört werden möchte, dass es gar keine Dämonen und dergleichen gebe, sondern dieses Zustände seien in uns, die es zu überwinden gäbe. Gleichzeitig gibt es aber im tibetischen Buddhismus Inkarnationen, gar Buddhas, die als Geistwesen weiter leben. All das passt nicht so recht zusammen.

    Jedenfalls hat wohl der Dalai Lama für sich erkannt, dass Shugden kein Dharma-Schützer, sondern wohl eher ein Dämon ist und darauf die Shugden-Praxis, die lange Tradition in Tibet hat, als schädlich erklärt.

    Da Shugden im tibetischen Buddhismus eine lange Tradition hat, hätte er die Reichweite seiner Entscheidung erkennen müssen.

    Er schloss die Shugden-Praktizierenden so aus seiner Gefolgschaft aus und zwang sie praktisch dazu einen Nebenzweig aufzumachen. Um die Lehre zu bewahren ist natürlich erst einmal eine strenge Befolgung notwendig, bis sich alles etabliert hat. Bleibt zu hoffen, dass sich bei der NKT evtl. gegebene Sektenzüge wieder auflösen.

    Dennoch frage ich mich: Warum hat der Dalai Lama, den ich als sehr weise befinde, eine solche Entscheidung getroffen?
    Was hat es mit Göttern und Geistern auf sich - sind es nun innere Zustände, oder Inkarnationen?
    Wie stehen einfache tibetische Buddhisten nun zum Shugdenkult?
    Welchen Dharmabeschützer beschwichtigt nun, nach Verwerfung Shugdens, der Dalai Lama?
    Welche Möglichkeiten gibt es zur Versöhnung?
    Und welche Rolle spielt China bei dem Ganzen?

    Danke fürs Lesen und bitte bedenkt beim Antowrten mein großes Unwissen und vergebt, wenn ich durch die ein oder andere Aussage durch Unwissen jemanden beleidigt haben könnte.

    Wenn du das Nirvana vor dir hast, so kehre um und gehe in die andere Richtung.

  • Lirum Larum
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    • 19. Dezember 2013 um 23:14
    • #28

    Hi Linkshänder,

    hier steht es ein bisschen umfangreich, dafür aber genau und gut erklärt:
    http://www.info-buddhismus.de/index.html

    :rainbow: Gute Wünsche für jede und jeden. :tee:


  • void
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    Zen
    • 20. Dezember 2013 um 09:36
    • Offizieller Beitrag
    • #29
    Linkshaender:

    Dennoch frage ich mich: Warum hat der Dalai Lama, den ich als sehr weise befinde, eine solche Entscheidung getroffen? Was hat es mit Göttern und Geistern auf sich - sind es nun innere Zustände, oder Inkarnationen?
    Wie stehen einfache tibetische Buddhisten nun zum Shugdenkult?
    Welchen Dharmabeschützer beschwichtigt nun, nach Verwerfung Shugdens, der Dalai Lama?
    Welche Möglichkeiten gibt es zur Versöhnung?
    Und welche Rolle spielt China bei dem Ganzen?

    Danke fürs Lesen und bitte bedenkt beim Antowrten mein großes Unwissen und vergebt, wenn ich durch die ein oder andere Aussage durch Unwissen jemanden beleidigt haben könnte.

    Es ist relativ nachvollziehbar, sich vorzustellen, dass "Gottheiten" bestimmte innere Zustände von Menschen symbolisieren. Und eine Verehrung der Gottheit diesen stärkt. Was uns dagegen seltsam anmutet ist, wenn sich das auf eine kollektive/politische Ebene erweitert. Wo also Gottheiten/Schützer/Buddahspekte auch automatisch bestimmte gesellschaftliche Werte transportieren. Wir leben ja in einer Gesellschaft leben, wo Ritual und Politik zwei vollkommen verschieden Paar Schuhe sind. Und wo es dewegen Privatsache ist, was man so verehrt.

    In unserer Kultur ist es schwierig "Akte der Verehrung" zu finden, die gleichzeitig eine politische Aussage sind. Im Nordirland Konflikt gibt es glaube ich einige Heilige, deren Verehrung mit dem Gedanken "Schütze uns vor den verdammten Protestanten" verknüpft ist. Ein Schutzheiliger kann also eine ziemlich politisch brisante Sache sein. Wenn in der katholischen Kirche ein Prister die Messe mit dem Rücken zur Gemeinde hält anstatt sie dabei anzuschauen, dann ist das auch kein belangloses Detail, sondern hat die Aussage, dass der Priester das zweite vatikanische Konzil (bei dem das geändert wurde) ablehnt und zu der davor gültigen Lehre zurükkehren möchte.

    Ein Beispiel aus Japan, ist der shinoistische Yasukuni-Schrein Dort werden die Gefallenen des zweiten Weltkriegs einschliesslich der Kriegverbecher verehrt. Die dortigen Shintogottheiten sind also eine Verkörperung des japanischen Nationalismus. Und ihre Verehrung gleichzeitig eine Parteinahme für die japanischen Imperialisten. Und deswegen gibt es immer mal wieder Skandale damit, dass prominenten japanische Politiker dort hin pilgerte. Genauso wie du ja in deinem Vorgarten viele bunte Fahnen aufziehen kann, aber wenn es eine Hakenkreuzfahne ist kommt die Polizei. Weil man sowas nicht zufällig aufzieht, sondern um damit ein Statement zu geben und ein bestimmte Einstellung zu fördern.

    Was ist dieses Statement im Falle Dorje Shugden? Für einen tibetischen Lehrer ist es wohl das Wichtigste, dass der Dharma unverfälscht weiter gegeben wird. Also dass die Lehre rein gehalten wird. Dorje Shugden wird in der Gelug-Schule als Schützer dieser Reinheit verehrt und angerufen. Nach der Ansicht von Geshe Kelsang hat es der Dalai Lama versäumt, die Gelug-Lehre ihres gemeinsamen Lehrers Trijang Rinpoche authentisch weiterzugeben. Die Toleranz die der Dalai Lama gegenüber anderen tibetischen Schulen, gegenüber Bön, Chrstetentum, Wissenschaft, Poltik und Prominenz übt, wird als eine Verwässerung der Lehre gesehen. Um die Lehre rein zu halten, muss sie deswegen vor allem vor dem Dalai Lama und seiner Politik geschützt werden. Die Anrufung von Dorje Shugden ist also in gewisser Weise eine Kampfansage an die gesammte politische Linie Dalai Lama. Das ist wohl nicht persönlich gemeint, sondern hat mit den verschienden Aufgaben zu tun, die sich bei ihm bündeln. Er wird ja als Repräsenant des tibetischen Buddhismus, als Freheitskämpfer für Tibet und als vieles andere gesehen. Seine Position in der Gelug-Schule ist nur eine von vielen. Für Geshe Kelsang ist die Frage, ob es ein freies Tibet gibt oder nicht, gegenüber der Bewahrung des Dharmas in seiner Gelug-Form, etwas vollkommen nebensächliches. (Es gibt aber genügend Schützer, die nicht diese Brisanz haben)

    Sowowhl der Dalai Lama als auch Geshe Kelsang wollten niemals, dass der Konflikt so dermassen eskaliert. Nachdem Geshe Kelsang dem Dalai Lama so heftig widersprach, nahmen das andere Kräfte innerhalb der Gelug-Schule zum Anlass , auch Rabatz zu machen und sich als Opfer von Unterdrückung hinzustellen. Das kochte so hoch, dass es damals sogar zu Morden kam. In so eine Situation knnte dann der Dalai Lama schlecht wieder versöhnlich zurückrudern. Deswegen haben sich die Fronten so verhärtet.

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  • VOOM108
    Gast
    • 20. Dezember 2013 um 13:07
    • #30
    Zitat

    Jedenfalls hat wohl der Dalai Lama für sich erkannt, dass Shugden kein Dharma-Schützer, sondern wohl eher ein Dämon ist und darauf die Shugden-Praxis, die lange Tradition in Tibet hat, als schädlich erklärt.


    Es gibt nicht nur schwarz oder weiss. Das Problem mit Shugden ist, dass er unter dem Schützen des Dharma verstand, dass die Gelug-Tradition den anderen überlegen ist, was u.a. zu den (versuchten) Unterdrückungen der anderen Linien unter früheren Dalai Lamas geführt hat. Der 14. hat diese Trennung aufgehoben und wollte alle Traditionen bewahrt und studiert sehen. Der Shugden-Kult hat dem direkt entgegen gewirkt. Diese verbindende Aktivität des 14. DL wurde durch die Shugden-Verehrung sehr geschwächt und somit auch seine Autorität als Dalai Lama.

    Dämonen und Geister sind nicht das gleiche wie Yidams oder Sambhogakaya-Erscheinungen der Buddhas und Schützer. Bei den Schützern gibt es allerdings auch sowas wie lokale Gottheiten und weltliche Schützer, das ist so eine Grauzone. Wie sehr die nützlich oder schädlich sein können, hängt vom Einzelfall ab.

    Was die Orakel angeht, gibt es auch sehr verschiedene Qualitäten. Das Nechung-Orakel oder Khandro-La als Medium für Palden Lhamo sind Orakel, die das Ganze im Blick haben. Shugden war eben sehr auf Gelug beschränkt und das machte es schwierig. Dann gibt es noch viele "kleine" und lokale Gottheiten, die von Tibetern als Orakel befragt wurden oft zu ganz weltlichen Dingen und das ist aus buddhistischer Sicht auch eher schwierig.

    Ich kann aus meiner Perspektive nur sagen, dass ich es absolut richtig finde, dass der 14. DL den "Mut" bewiesen hat, sich für das Wohl aller Tibeter gegen eine Tradition seiner eigenen Schule zu stellen!

    Ergänzung: Wer fit in Englisch ist und das Thema vertiefen will, hier ist ein wirklich guter Film: http://www.youtube.com/watch?v=zQ1VvvrAILo

  • VOOM108
    Gast
    • 20. Dezember 2013 um 13:50
    • #31
    Zitat

    Dennoch frage ich mich: Warum hat der Dalai Lama, den ich als sehr weise befinde, eine solche Entscheidung getroffen?


    Siehe oben

    Zitat

    Was hat es mit Göttern und Geistern auf sich - sind es nun innere Zustände, oder Inkarnationen?


    Beides. Die Grenzen sind fliessend. Deswegen vereinigt man sich ja im Tantra auch mit geeigneten Formen, um die strikte Trennung aufzuheben. Und auch wenn man als Tantriker erkennt, dass man selbst die Gottheit ist, ist das ja nicht exklusiv. Die Gottheit besteht für andere in gleicher Weise weiter. Und wenigstens in der Weise, als Archetyp, gibt es so etwas wie eine "eigenständige Existenz" der Gottheit.

    Zitat

    Wie stehen einfache tibetische Buddhisten nun zum Shugdenkult?


    Für die meisten, die das nicht schon lange praktiziert haben, oder die in einer anderen Schule als Gelug praktizieren, die Shugden ohnehin nie angerufen hat, spielt das spirituell gesehen keine Rolle.

    Zitat

    Welchen Dharmabeschützer beschwichtigt nun, nach Verwerfung Shugdens, der Dalai Lama?


    Der Dalai Lama hat 8 Hauptschützer, darunter Formen von Mahakala und als weibliche Form Palden Lhamo. Die sind alle unumstritten, und zu denen gehörte Shugden auch vorher nicht.

    Zitat

    Welche Möglichkeiten gibt es zur Versöhnung?


    Die Trennung und Verbindung von Schulen und Linien wegen verschiedener Ansichten oder gemeinsamer Interessen zieht sich durch die gesamte tibetische Geschichte. Im Grunde ist der Dalai Lama ja sehr versöhnlich: er akzeptiert alle ausser die, die andere nicht akzeptieren. (s.o.) Und die eigentlich auch, selbst wenn sie sich abspalten. Das steht nicht im Vordergrund des tibetischen Buddhismus, das ist mehr "Politik"

    Zitat

    Und welche Rolle spielt China bei dem Ganzen?


    Direkt wohl keine, indirekt, wie oben skizziert, hat der Exodus der Tibeter die Situation geschaffen. In diesem Fall ist es allerdings vielleicht auch besser, wenn die Linien und Schulen insgesamt mehr zusammenrücken.

  • void
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    • 20. Dezember 2013 um 14:08
    • Offizieller Beitrag
    • #32
    Linkshaender:

    Welche Möglichkeiten gibt es zur Versöhnung?.

    Man könnte sich ein Szenario vorstellen in dem man sich inhaltlich anähert. Es ist ja durchaus verständlich, dass es in einer Schule immer diejenigen gibt, die für mehr Reinheit und gegen Verflachung und Korruption des Dharmas eintreten. Und diejenigen, für die Offenheit und Dialog sehr wichtig ist. Also lässt sich da bestimmt ein Kompromiss finden, bei dem man anerkennt dass beide Ansätze ihre Berechtigung haben, um sowohl einer Erstarrung als auch einer Verflachung des Dharma entgegen zu wirken.

    Aber leider gibt es noch einen andere Aspekt, der die Schüler von Geshe Kelsang von anderen Gelug-Mönchen trennt. Geshe Kelsang hat nämlich für seine Schüler die Mönchsregeln modifiziert, so dass sie nach den normalen Gelug-Regeln nicht mehr als Mönche gelten. Das könnte sich als ein viel größeres Hindernis erweisen als die Frage nach einem Schützer.

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  • Linkshaender
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    • 20. Dezember 2013 um 14:18
    • #33

    Vielen Dank Euch allen, besonders an VOOM108,

    so gesehen wird ein Akt der Gleichberechtigung und Demokratisierung nun von bestimmten Kräften ausgenutzt um dem Dalai Lama das Gegenteil anzulasten, nämlich totalitär zu sein.
    Aber das kann ich gut nachvollziehen, ist doch auch im Weten bei uns ähnliches im Gang, wenn Lobbyisten sich quer legen wenn hier oder da gespart werden soll.

    Ok. Nach dem ich dieses Problem jetzt mit eurer Hilfe durchschaut habe und jetzt auch für Tante Google die richtigen Suchwörter habe um mich in die Materie weiter rein zu lesen; beschäftigt mich in Bezug auf den Dalai Lama nur noch die Sache mit den tibetischen Waisenkindern in der Schweiz bei denen manche behaupten würden es wären gar keine Waisen gewesen... aber das ist OT. Vielleicht kann mir da jemand einen kleinen Tip per PN schicken?

    Danke noch einmal.

    der Linkshänder

    Ah... bitte bemüht euch nicht, ich habe die Lösung bereits gefunden:
    http://tibetfocus.com/2013/10/03/ehe…ch-filmemacher/
    Es waren nicht alles Waisenkinder, aber von ihren Familien notgedrungen verlassene Kinder. In sofern klärt sich doch einiges auf.

    Wenn du das Nirvana vor dir hast, so kehre um und gehe in die andere Richtung.

  • void
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    Zen
    • 20. Dezember 2013 um 15:46
    • Offizieller Beitrag
    • #34
    Linkshaender:

    Vielen Dank Euch allen, besonders an VOOM108,

    so gesehen wird ein Akt der Gleichberechtigung und Demokratisierung nun von bestimmten Kräften ausgenutzt um dem Dalai Lama das Gegenteil anzulasten, nämlich totalitär zu sein.
    Aber das kann ich gut nachvollziehen, ist doch auch im Weten bei uns ähnliches im Gang, wenn Lobbyisten sich quer legen wenn hier oder da gespart werden soll.

    ist eine Sichtweise die dem guten, strahlenden Dalai Lama mit finsteren Gegenkräften kontrastiert der Situation angemessen?

    Der Dalai Lama ist sicher ein Ausnahmemensch von gewaltiger Tatkraft und Ausstrahlung. Aber genau das kann sich ja als Problem erweisen. Weil der Dalai Lama so eine charismatische Gestalt ist, konzentriert sich alles auf ihn. Von jetzigen politischen Oberhaupt der tibetischen Zentralregierung ( Lobsang Sangay) kennt niemand den Namen. Und auch das Oberhaupt der Gelug-Schule der "Ganden Tripa" ist so unsichtbar, dass die meisten Leute den Dalai Lama für das Haupt dieser Schule halten. Und dort wo einer alle anderen überragt ist es schwer, dass sich Strukturen von Kompromiss und Austausch bilden.

    Und weil diese ausgelichenden Strukturen fehlten (bzw. bedeutunglos sind) , konnte sich der Konflikt so hochschaukeln. Konservative Gelug-Leute fühlten sich vom Dalai Lama nicht mehr richtig vertreten, weil der allen möglichen anderen Aufgaben nachgeht, von der tibetischen Freheit bis zu Apple Werbespots und dem Schütteln von Prominenten. Die beiden letzeren Punkte sind wichtig dafür, den tibetischen Kampf Öffentlichkeit zu schaffen, für ein religiöses Oberhaupt aber zu seicht. Ist man für beides zuständig, kann man es nie ganz richtig machen. Und weil es keine Instanzen gab, die den Richtungsstreit innerhalb der Gelug-Schule um Offenheit/Reinheit moderieren hätten können, wuchs die Spannung und irgendwann eskalierte das so heftig.

    Das ist die Kehrseite der Prominenz und des Charisma. Ihre Größe und Stahlkraft wirft Schatten. Weil viele Aufgaben sich in einer Person zentrieren, können sich rundherum keine vernünftigen Strukturen bilden. Wäre Mandela nicht so strahlkränftig und grossartig gewesen, dann hätten sich im ANC niemals so verlotterte Verhältnisse bilden können.

    Und es waren ja eben auch die vielen Dalai Lama Fans in der Welt, die zur Eskalation beitrugen. Sieht man den Dalai Lama nicht einen Kleriker, der eben machmal mit anderen Klerikern Richtunsstreite austrägt sondern einen lebendigen Gott, dann bleibt für dessen Gegner die Rolle übler Ketzer und finsterer Verschwörer.

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  • Lirum Larum
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    • 20. Dezember 2013 um 16:33
    • #35

    Du deutest es in Deinem Text an, void, aber ich möchte es klar hervorheben:
    Dieser Medienhype um die Person des Dalai Lama wird benötigt wie ein Schutzschild. Verrückte Zeiten brauchen verrückte Mittel.

    :rainbow: Gute Wünsche für jede und jeden. :tee:


  • Bakeneko
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    • 17. Januar 2014 um 20:29
    • #36
    Losang Lamo:

    Hm, davon halte ich dies:
    http://info-buddhismus.de/Interviews-Ex-NKT.html

    Ich kenne Tenzin Peljor persönlich und schätze ihn hoch.

    Problematisch und nicht zweckdienlich ist dabei allerdings die polemische und falsche Verwendung des eigentlich religionswissenschaftlichen Begriffs "Sekte". Denn solange er nicht "nachweisen" kann, im Besitz der allein seeligmachenden Wahrheit zu sein und einer Religionsgemeinschaft von vielen angehört, ist er de facto Angehöriger einer Sekte, der eine andere Sekte als Sekte bezeichnet. Persönlich kann ich nicht umhin, solche Meinungsmache über einen polemisch umgedeuteten Begriff(von christlichen Kirchen, deren Ziel bei der Umdeutung dieses Begriffes war, nicht-christliche Gruppierungen zu "brandmarken" - eine angemaßte Deutungshoheit, die man ja immer noch an deren sogenannten "Sektenbeauftragten" sieht) als ziemlich billig zu empfinden.

  • VOOM108
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    • 17. Januar 2014 um 22:53
    • #37

    Jetzt müsste man wissen, ob der Begriff wissentlich benutzt wurde, oder unbedacht / unwissentlich z.B. aus dem Englischen übertragen, wo "Sect" ein für die tibetischen Schulen und Linien völlig neutral gebräuchlicher Ausdruck ist: Gelug-Sect, Kagyu-Sect of Tibetan Buddhism usw. Es heisst ja wörtlich eigentlich nur "Teilgruppe"....

  • Bakeneko
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    • 18. Januar 2014 um 08:47
    • #38

    Vom aisatischen Standpunkt aus bin ich Mitglied in verschiedenen Sekten und so wird das dort auch kommuniziert. Aber im deutsch- und englischsprachigen Raum ist das für gewöhnlich anders. Wenn du das betreffende Interview gelesen hast, mit den Aufzählungen der "Sektenmerkmale" a la christlicher "Sektenbeauftragten", wird dir sicherlich klar sein, warum ich diese Begriffsverwendung kritisch sehe.
    Ich zitiere an dier Stelle nur kurz den Schluß:
    "Für mich entlarvte er sich als ›Alleinherrscher‹. In einer Auseinandersetzung, in der es darum ging, wer und was NKT überhaupt sei, antwortete er: »I. I am NKT!«
    Ich denke, vor diesem Hintergrund ist es berechtigt, wenn ich bei der NKT von einer Sekte spreche. "
    Die angeblichen "Sektenmerkmale" sind ja üblicherweise, unter anderen, ein charismatischer Führer, eine feste Struktur, ein festes Weltbild, Kontaktabbruch zu "Ungläubigen" usw. Also Dinge, die in diesem Interview hervorgehoben werden. Das mag stimmen oder nicht, ich habe nur die Auffassung, daß diese Begriffsverwendung von "Sekte" der Sache keine Hilfe ist, und in dieser Weise eine Meinungsmache (die mit jeglichen Grundsätzen von Rechter Rede wohl nicht besonders gut vereinbar ist). Man kann auch ohne solche Zuschreibungen auf Missstände aufmerksam machen.
    Ein anderer Punkt ist der Verweis, daß ein weiteres "Sektenmerkmal" die Konzentration auf eine Praxis ist, die man selbst, und die eigene Gruppe, nicht gut findet - und das ist eine klassische Sektenpolemik des Christentums seit der Antike.
    Wie gesagt, Dinge, die ich vermeiden würde und die ich - als Außenstehender und von jeglichen dieser beschriebenen Probleme nicht Betroffener - als nicht hilfreich empfinde. Das letzte, was wir in der buddhistischen Landschaft benötigen, sind Glaubenskämpfe, welche Sekte nun Recht hat.

  • Lirum Larum
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    Buddh. Richtung
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    • 18. Januar 2014 um 09:11
    • #39
    Bakeneko:

    ....
    Die angeblichen "Sektenmerkmale" sind ja üblicherweise, unter anderen, ein charismatischer Führer, eine feste Struktur, ein festes Weltbild,


    Hi,
    ich bin mir nicht sicher, wo Du das her hast, aber wie auch immer: dieses allein sind keine Sektenmerkmale, sondern "Sekte" geht erst ab hier los:

    Zitat

    Kontaktabbruch zu "Ungläubigen" usw. ...


    Da ist besonders das "usw" hervorzuheben, nämlich dass auch über den eigenen Tellerrand zu schauen verpönt ist, dass andere Schriften als die des eigenen Lehrers zumindest als uninteressant und irrelevant gelten, bis hin zur Verteufelung. Den Mitgliedern werden also nicht nur Scheuklappen aufgesetzt in Bezug zu "Ungläubigen", sondern allen anderen, die nicht "wir" sind, gegenüber. Das ist Sekte, Ausschluss der Öffentlichkeit.
    Du verwendest das Wort Sekte eben anders, mehr wie im Englischen, wo es einfach "Gruppierung" heißt. Darum aber geht es hier nicht. Es geht auch nicht mal nur um das Abspalten der Menschen von der Außenwelt sondern um die krankheitserzeugenden Mechanismen, die damit zusammenhängen (zB Erzeugung von Paranoia).

    Ich spreche hier von Sekten im allgemeinen. Mit der NKT habe ich keine persönlichen Erfahrungen, allerdings vertraue ich Tenzin Peljor da schon, dass er krankmachende Strukturen dort entdeckt hat und nicht allein für sich persönlich sondern zum Wohle zukünftiger Opfer dagegen vorgegangen ist.

    :rainbow: Gute Wünsche für jede und jeden. :tee:


  • VOOM108
    Gast
    • 18. Januar 2014 um 12:01
    • #40

    Solche Merkmallisten sind ja meist so gedacht, dass man aufmerksam werden sollte, wenn (X) mehrere davon zutreffen. "Kontaktabbruch zu Ungläubigen" allein kann auch ein geschlossenes Retreat sein ;)

Ausgabe №. 135: „Achtsamkeit und Aktivismus"

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