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  1. Buddhaland Forum
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Formale Praxis

  • BangoSkank
  • 7. März 2012 um 03:11
  • Zum letzten Beitrag
  • BangoSkank
    Themenautor
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    8. Februar 2012
    • 7. März 2012 um 03:11
    • #1

    Schönen Abend (bzw. Nacht ;) ),

    so aus reiner Neugier wollt ich mal Fragen wie denn eure formale Meditationspraxis aussieht. Verfolgt ihr eine bestimmte Technik? Ich halte (jetzt mal abgesehen von der alltäglichen Praxis) die Meditation an sich für einen verdammt wichtigen Faktor.
    Wer Lust und Laune hat, kann zum gegenseitigen Austausch und lernen von einander seine Sicht und Praktiken kund tun. Aber bitte ohne: ,,Man sollte es NUR so machen wie ich oder mein Meister es lehrt“. Auf sowas wie: ,, Meditation darf nicht mit einem Ziel verfolgt werden“ oder wie von Zen-Leuten üblich „es gibt nichts zu erreichen“ (ich kann diese Sichtweise absolut verstehen, aber darum geht’s in diesem Thread nicht) kann ich auch gut und gerne verzichten, ebenso wie Pali-Kanon Fetischisten. Um dem ganzen vielleicht einen überschaubaren Rahmen zu geben werd ich ein Paar Fragen in nummerierter Reihenfolge stellen und auch selbst meinerseits beantworten. Nochmal, bitte lasst allen Egoismus und herabblickende Belehrungen beiseite. Es geht hier nur um ehrliche Erfahrungen.

    Sorry, ist vielleicht bisschen umfangreich, aber jeder der etwas beitragen will kann sich natürlich Zeit lassen und sich überlegen was er sagen kann. Versucht wirklich mal auf eure eigenen Erfahrungen zurückzugreifen.


    1. Bestimmte, feste Uhrzeit oder so wie´s passt?

    2. Wie oft am Tag?

    3. Länge: So nach Lust und Laune oder bestimmte Zeitvorgaben oder gar beides?

    4. Auf Stuhl oder unten aufm Kissen? Gehen, Liegen, Stehen? Wenn Kissen, welche Art von Sitztechnik? Wie sehen die Erfahrungen mit all dem aus.
    Falls Lotussitz, schon immer gekonnt oder nach Training und wenn ja wie lange hat´s gedauert?

    5. Habt ihr immer auf die gleiche Weise praktiziert oder irgendwann eine für euch besser funktionierende Technik gefunden? Habt ihr euer Wissen durch
    Bücher, Lehrer oder aus eigener Erfahrung entwickelt?

    6. Immer nur eine Technik oder mehrere je nach Situation?

    7. Welches Meditationsobjekt? (Atem, Metta, Gefühle, Körper, Gedanken usw.. oder mehrere)

    8. Unterscheidet ihr streng zwischen Samatha und Vipassana (Also Konzentrations und Einsichts-Methoden)? Nutzt ihr beide je nach Situation, nur eins von
    beidem, oder beides in zusammen/auf einander folgend?

    9. Versucht ihr möglichst immer in derselben Position zu bleiben, ohne sich zu bewegen auch wenn es juckt? Oder tut ihr doch etwas dagegen?

    10. Wie geht ihr mit Störungen von außen um? Respektiert eure Familie eure Auszeit?

    11. Wie lange praktiziert ihr schon? Falls es Unterbrechungen gab, wie lange dauerten sie und wenn ja, aus welchem Grund traten sie ein?

    12. Habt ihr Retreat-Erfahrungen? Und wenn ja, wie sehen die aus? (Wie lange, wie sah die Situation danach aus?)

    13. Ein Thema das vielleicht einen eigenen Thread erfordert: Habt ihr die dunkle Nacht erlebt (auch als spirituelle Krise bekannt)? Wie seid ihr damit
    umgegangen? Welche Auswirkungen hat es auf euer Leben, eure Umwelt und eure Praxis gehabt? Wenn ja, wie seid ihr da wieder rausgekommen?

    14. Gibt es irgendwas konkretes das eure formelle Praxis extrem stört? Eure Konzentration und Achtsamkeit irgendwie in ernsthafte Bedrängnis bringt?

    15. Habt ihr schon bestimmte Jhanas erreicht? Wenn ja, nach welcher Zeit mit welcher Technik? Ist jemals irgendwas Ungewöhnliches eingetreten?

    16. Gibt es oder gab es konkrete Effekte die ihr lang- oder kurzfristig in eurem Alltagsleben zu spüren bekommen habt?

    17. Irgendwelche Rituale, die euch helfen?


    Also, ich fang mal selbst an:


    1.Vor ca. einem Jahr hab ich immer streng nach bestimmten Uhrzeiten versucht zu meditieren. Es hatte schon so seine Vorteile, da der Körper zunehmend daran gewöhnt war, jedoch auch Nachteile, da nicht es nicht immer möglich war diese Zeiten wirklich einzuhalten. Inzwischen gehe ich damit eher entspannt aber auch bestimmt um (Der Faulheit also in den Hintern tretend). Flexibel und diszipliniert zu bleiben ist meiner Erfahrung nach doch schon wichtig und hilfreich.

    2.Vor einem Jahr sah es bei mir so aus, dass ich 2/3 mal am Tag versucht habt dran zu bleiben (also Morgens, Nachmittags/am frühen Abend und vor dem Schlafengehen).
    Jetzt versuch ich möglichst bei zwei Mal zu bleiben, aber wenigstens einmal. Wirklich wichtig ist es, meiner Meinung nach, wenigstens einmal am Tag auch wenn’s kurz ist.

    3.In meiner Anfangszeit hab ich versucht das Ganze auf 10 Minuten auszudehnen, anschließend langsam auf 20. Das war schon Recht effektvoll, also ich konnte nach relativ kurzer Zeit (2/4 Wochen bei a 2/3 mal am Tag) deutliche Auswirkungen auf mein Alltagsleben erspüren. Jetzt versuche ich das ganze möglichst bei einmal am Tag mit min. 30 Minuten zu halten, daneben noch kürzere Zeiträume in denen ich mich sammle.

    4.In meiner Kindheit konnte ich den Lotussitz ohne Probleme einnehmen. Leider hab ich das während der Pubertät nicht mehr versucht. Inzwischen ist es alles andere als leicht auf dem Kissen Platz zu nehmen. Wenn auf dem Kissen, dann geht bei mir nur der burmesische Sitz. Diesen kann ich sofern ich unter dem Kissen noch ein zusammen gefaltetes Wolllacken hab ca. 15 Minuten halten bis mir min. ein Bein einschläft. Seltsamer weise kann ich nur mit dem linken Bein oben, den halben Lotussitz für ca. 20 Minuten halten. Mit dem rechten geht es eher schlecht als Recht und wenn nach Dehnung auch nicht lange. So ein Sitz mit gekreuzten Beinen hat den Vorteil, dass der Körper nicht so weit auseinander gezogen ist und man ihn deswegen bequemer Beobachten kann. Wenn 30 Minuten und mehr auf dem Radar, bleib ich lieber auf dem Stuhl ohne mich anzulehnen. So kann ich, sofern genug Sammlung vorhanden ist etwas mehr als eine Stunde sitzen. Im Stehen ist wahrscheinlich hilfreich wenn man eher müde ist, ähnlich wie gehen. Hab aber mit beidem eher mäßige Erfahrungen gemacht.

    5.Ich selbst hatte noch nie einen richtigen Lehrer, aber viele Bücher von verschiedenen Meistern und allgemein das Internet waren da für mich recht hilfreich. Seit meiner Anfangszeit hab ich eher das was allgemein als ``Achtsamkeits-Meditation“ bezeichnet wird praktiziert. Inzwischen versuche ich mich speziell auf die 16. Schritte wie sie von Ajahn Buddhadasa in seiner Anapanasati Form gelehrt wird zu konzentrieren. Daneben haben noch Ajahn Cha, Mahasi Sayadaw und ein Paar andere Meister verschieden Meditations-Techniken mithilfe der Angaben im Pali-Kanon entwickelt, die Recht interessant sind. Hat jemand vielleicht schon konkret Erfahrungen mit der Bennenungsmethode gemacht? Würd mich sehr interessieren.

    6.Ich hab mal gelesen, dass es sehr hilfreich wäre wenn man speziell Konzentrationsmethoden bei einem starken Anflug von ungesunder Gier nutzen würde, Einsichtsmethoden, helfen dann wenn einen eine falsche Anschauungen oder extrem negative Gefühle/Gedanken überkommen. In der Technik die ich seit kurzem verfolge wird zunächst Konzentration kultiviert um dann später darauf Einsicht zu üben.

    7.Wie gesagt, versuch ich mich grad an einer speziellen. Allerdings denk ich, würde mir eine bestimmte Form von Metta-Meditation bestimmt nicht schaden, da ich dazu neige mein Herz vor anderen zu verschließen sobald ich müde oder genervt bin. Mein Lieblingsobjekt ist der Atem, von dem ich anschließend auf Körper, Gefühl, Geist und Dhamma gehe.

    8.Manche Lehrer schwören darauf auf alle höheren Konzentrationspraktiken zu verzichten und sozusagen ´´trocken“ mit der Einsichtspraxis zu beginnen. Ich selbst verfolge und halte die Praxis mit der Methode von Konzentrations-Kultivierung und anschließender Einsichtspraxis für sehr hilfreich. Da ansonsten die Gedanken dazu neigen verstärkt dazwischen zu funken.

    9.Ich selbst hab da am meisten das störende Gefühl im Bewusstsein zu viel Spucke im Mund zu haben, deswegen versuche ich achtsam runter zu schlucken. Mich kratzen tu ich meist nur wenn es wirklich zu penetrant wird. Ansonsten versuche ich nur achtsam den Rücken wider gerade zu richten wenn ich merke irgendwie unnatürlich zusammen zu sinken.

    10.Was dies angeht hab ich zum Glück eine tolerante Umgebung, die darauf Rücksicht nimmt sofern ich sie zuvor warne. Wenn´s einer vergisst ignoriere ich deren Gerede sofern es nicht wirklich wichtig ist. Dann merken sie sowieso, dass es keinen Sinn macht dazwischen zu funken.

    11.Bei mir läuft das ganzen auf ca. 2 Jahre hinaus. Nach der Anfangszeit von ca. 4 Monaten hab ich für ungefähr ein Jahr aufgehört. Damals hat ich von Buddhas Lehre an sich nicht viel Ahnung. Hatte jedoch Interesse speziell an der Meditation und hab gemerkt, dass es Auswirkungen auf mein Leben hat. Nach dem ich eine schwierige Phase überstanden hatte, verflog das Interesse zunehmend. Nach einem Jahr jedoch merkte ich das sich mein Leben zunehmend in eine Richtung geneigt hat, die meiner Intuition nicht gefiel. Deswegen fing ich wieder an und intensiver als je zuvor. Ich wollte dem Leid entgegentreten.

    12.An einem Retreat hab ich bisher noch nie teilgenohmen, obwohl ich inzwischen Interesse hätte. Ich versuche lediglich an jedem Voll- oder Neu-Mond einen meditativen Tag zu vollbringen der komplett frei von geistiger Zerstreuung und Ablenkung ist.

    13.Ich selbst hab dies noch nie erlebt. Vermutlich noch nicht viel Erfahrung und noch keine wirklich intensive Einsichtspraxis auf die drei Daseinsmerkmale gehabt. Trotzdem hören sich alle Berichte die unabhängig voneinander sind sehr bedenkenswert an. Falls jemand genauere Erfahrungen hat, wär ich vermutlich nicht der einzige der dankbar für persönliche Erfahrungen wäre.

    14.Was das angeht, hab ich festgestellt, dass ein ausufernder Konsum von egal was den Geist dazu bringt in alte abgelenkte Muster zu verfallen. Ein ungesunder Verzicht erzeugt genau das gleiche. Meiner Erfahrung nach ist der mittlere Weg wirklich genau das richtige. Weder zu viel noch zu wenig.

    15.Ins erste Samatha-Jhana komme ich zurzeit nach einer ca. einer halben Stunde. Früher war meiner Konzentration wesentlich stabiler und es ging früher. Damals hatte ich auch vermehrt die Erfahrung gemacht meine Träume bewusster zu Erfahren, Déjavús hatte ich damals auch öfter als sonst. Trotzdem erlebe ich manchmal Bewusstseinszustände die recht außergewöhnlich sind. Zum Beispiel das Gefühl irgendwie langsam auf dem Rücken zu liegen und so die Wand bis zur Decke hoch zu fahren. Hatte ich nur einmal, war aber wirklich sehr seltsam, musste die Augen leicht öffnen um wirklich sicher zu gehen nicht auf dem Rücken zu liegen. Ich weiß, sowas ist wirklich nicht Ziel der Sache, aber trotzdem recht interessant. Mit Vipassana-Jhanas bin ich ehrlich gesagt noch unerfahren, wär interessant von jemand mit Erfahrung mehr zu hören.

    16.Kurzfristige Erfahrungen waren bisher immer solche, die mich recht entspannt haben, die die Blickrichtung mehr ins objektive gelenkt haben (also weniger das Gefühl zu haben der Hauptschauspieler im Drama zu sein, sondern eher ein Zuschauer der im Publikum sitzt). Mehr eine Einstellung die auf Selbstlosigkeit basiert und die, die Sinnlosigkeit von Sorgen und einem Gefühl einer festen Persönlichkeit feststellt. Dies hält allerdings nicht lange an, es sei denn die nächste Meditation dehnt diese Sichtweise aus und es erfolgt keine allzu ausufernde Ablenkung. Langfristige Erfahrungen zeichneten sich dadurch aus, dass ich allgemein entspannter mit meinem Leben umgehen, vieles nicht mehr so ernst nehme. Mehr verständnisvoll auf meine Mitmenschen eingehe, ohne vor mich hin zu fluchen. Besserer Schlaf, mehr Energie. Speziell muss ich sagen, dass ich ein ambitionierter Läufer bin, der irgendwann geradezu schlagartig die Erfahrung gemacht hat mehr leisten zu können. Schwer zu sagen wieso dieses Gefühl so plötzlich kam, es war aufjedenfall überwältigend. Dazu muss ich sagen, dass solche Zustände eben auch nicht von Dauer sind (Unbeständigkeit, ne ;)) Jedoch kann das durchaus mit dem Ausbleiben von meiner Praxis in Verbindung gebracht werden.

    17.Vor der Meditation sieht´s bei mir so aus, dass ich sozusagen alles ausmache. Mein Kissen auf dem Boden oder auf dem Stuhl zurecht rücke, mir selbst die Absicht der folgenden Meditation nochmal eingestehe, den Wecker auf meinem Handy einstelle. Danach hat sich bei mir die Angewohnheit breit gemacht, mich zu verbeugen. Wenn etwas ansteht, das Konzentration erfordert mach ich ein Paar aufweckende Atemübungen in Kombination mit Armbewegungen die Shaolin-mäßig aussehen. Wenn ich unten auf dem Kissen saß, versuch ich meist die Beine etwas zu massieren und zu dehnen.

    "Zufriedenheit bedeutet, aufzuhören nach ihr zu jagen" "Alles was sich Beobachten lässt, bist nicht du"

  • SpringMode5708
    Gast
    • 7. März 2012 um 04:35
    • #2

    Hallo BangoSkank,

    1. Bestimmte, feste Uhrzeit oder so wie´s passt?
    Direkt vor dem Schlafen gehen und gleich nach dem Aufwachen.

    2. Wie oft am Tag?
    Zwei bis drei Mal.

    3. Länge: So nach Lust und Laune oder bestimmte Zeitvorgaben oder gar beides?

    Mindestens 30 Minuten.

    4. Auf Stuhl oder unten aufm Kissen? Gehen, Liegen, Stehen? Wenn Kissen, welche Art von Sitztechnik? Wie sehen die Erfahrungen mit all dem aus. Falls Lotussitz, schon immer gekonnt oder nach Training und wenn ja wie lange hat´s gedauert?
    Auf einem Stuhl. Bodensitzen habe ich aufgegeben, weil es keine sinnvolle Sitzhaltung für mich gibt (schläft immer alles ein oder unsinnige Schmerzen)

    5. Habt ihr immer auf die gleiche Weise praktiziert oder irgendwann eine für euch besser funktionierende Technik gefunden? ]Habt ihr euer Wissen durch Bücher, Lehrer oder aus eigener Erfahrung entwickelt?
    Zuerst Vipassana mit Atem aus Büchern. Dann Samatha-Vipassana mit Metta mit Lehrer.

    6. Immer nur eine Technik oder mehrere je nach Situation?
    Immer nur eine Technik. Das heist, meiner Meinung nach gibt es ja eh nur eine Technick und verschiedene Meditationsobjekte. Also, immer nur ein Meditationsobjekt.

    7. Welches Meditationsobjekt? (Atem, Metta, Gefühle, Körper, Gedanken usw.. oder mehrere)
    Metta

    8. Unterscheidet ihr streng zwischen Samatha und Vipassana (Also Konzentrations und Einsichts-Methoden)? Nutzt ihr beide je nach Situation, nur eins von beidem, oder beides in zusammen/auf einander folgend?

    Nein. Für mich gibt es nur samatha-vipassana.

    9. Versucht ihr möglichst immer in derselben Position zu bleiben, ohne sich zu bewegen auch wenn es juckt? Oder tut ihr doch etwas dagegen?
    Keine körperliche Bewegung.

    10. Wie geht ihr mit Störungen von außen um? Respektiert eure Familie eure Auszeit?

    'Störungen von aussen' sind Anhaftungen am Sinneskontakt/Empfindung von innen.
    Erkennen, Loslassen, Entspannen, zurück zum Objekt. Familie: werde respektiert.

    11. Wie lange praktiziert ihr schon? Falls es Unterbrechungen gab, wie lange dauerten sie und wenn ja, aus welchem Grund traten sie ein?
    Drei Jahre mit unterschiedlich intensität. Wenn weniger, dann wegen übermässig vorhandenen geistige Hindernissen, meist Ruhelosigkeit und Zweifel.

    12. Habt ihr Retreat-Erfahrungen? Und wenn ja, wie sehen die aus? (Wie lange, wie sah die Situation danach aus?)
    Keine.

    13. Ein Thema das vielleicht einen eigenen Thread erfordert: Habt ihr die dunkle Nacht erlebt (auch als spirituelle Krise bekannt)?Ja. Wie seid ihr damit umgegangen? Mich einer Gemeinschaft zugewendet und Leid geteilt. Welche Auswirkungen hat es auf euer Leben, eure Umwelt und eure Praxis gehabt? Einige (sprengt den Rahmen, das hier zu dokumentieren) Wenn ja, wie seid ihr da wieder rausgekommen? Mit Annahme, Offenheit anderen gegenüber, Ehrlichkeit

    14. Gibt es irgendwas Konkretes das eure formelle Praxis extrem stört? Eure Konzentration und Achtsamkeit irgendwie in ernsthafte Bedrängnis bringt?
    Zweifel und Ruhelosigkeit.

    15. Habt ihr schon bestimmte Jhanas erreicht? Wenn ja, nach welcher Zeit mit welcher Technik? Ist jemals irgendwas Ungewöhnliches eingetreten?
    Ja. Welche, da frag lieber den Lehrer. Bereits nach kurzer Zeit. Aber auch schon ungewollt als Kind.

    16. Gibt es oder gab es konkrete Effekte die ihr lang- oder kurzfristig in eurem Alltagsleben zu spüren bekommen habt?
    Ernüchterung. Freude. Gelassenheit.

    17. Irgendwelche Rituale, die euch helfen?

    5 Sila.
    Rezitation von Zuflucht und Dhammapada.
    Uposatha.

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    18. Juni 2011
    • 7. März 2012 um 07:39
    • #3

    Formale Praxis ist wie Schwimmen mit Schwimmreifen. Die meisten lernen so das Schwimmen. 8)

  • Lirum Larum
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    Buddh. Richtung
    Ich protestiere gegen den mangelnden Respekt vor den unterschiedlichen Traditionen.
    • 7. März 2012 um 10:08
    • #4

    Hallo BangoSkank,

    eigentlich ist mir Dein Fragenkatalog zu ausführlich, aber ich verstehe schon, dass die Beantwortung insofern interessant sein kann, dass sich jeder etwas für sich herauspicken kann. Ich mag mich hier aber nicht mit meinen ach-so-tollen Erfahrungen brüsten, sondern antworte nur, um dem ein oder anderen vielleicht eine Hilfe zu sein. Die Frage über die schon erreichten Jhanas geht mir zu weit, ich könnte auf's Glatteis der Selbstdarstellung geraten, daher schreib ich dort "Kein Kommentar".

    1. Bestimmte, feste Uhrzeit oder so wie´s passt?
    Im Lamrim ist empfohlen vor und nach Sonnenauf- und -untergang. Also vier mal am Tag. Diese Zeiten sind also schwammig, aber trotzdem fest. Das kann ich super in meinen Alltag integrieren, denn die Zeiten nach Sonnenaufgang und vor Sonnenuntergang handhabe ich so sehr flexibel, je nach dem, was anliegt und wann ich Zeit finde.
    Die Medi vor Sonnenaufgang ist bei mir immer gleich und kurz: 7 Manjushri-Mantren, fast immer noch im Liegen, weil mein Kreislauf nicht mitmacht. Meist dann, wenn ich vor Morgengrauen von selbst irgendwann wach werde. Seit ich mir das so vorgenommen habe, ist das so der Fall. Kann also 3.30 oder 6.00 Uhr sein... Je nach dem. Das mache ich seit einem Jahr und die Regelmäßigkeit bringt sehr viel, obwohl die Medi an sich verschwindend und lächerlich kurz ist.


    2. Wie oft am Tag?
    Vier Mal, es sei denn ich bin aus dem Tritt gekommen (dann weniger) oder ich bin hoch inspiriert (dann mehr)

    3. Länge: So nach Lust und Laune oder bestimmte Zeitvorgaben oder gar beides?

    Mindestmaß: 7 Mantren. Höchstens drei Stunden, das dann aber im Gehen oder Arbeiten oder so.
    Normal, sitzend, sind 20 bis 40 Minuten schön. Danach schlafen meine Beine.

    4. Auf Stuhl oder unten aufm Kissen? Gehen, Liegen, Stehen? Wenn Kissen, welche Art von Sitztechnik? Wie sehen die Erfahrungen mit all dem aus. Falls Lotussitz, schon immer gekonnt oder nach Training und wenn ja wie lange hat´s gedauert?
    Jedwede Haltung, die gerade passt. Das Sitzen mit geradem Rücken bringt über den Körper den Geist gut zur Ruhe, so ist Raum für tiefe Konzentration. Aber als Haushaltsmensch ist nicht immer die Zeit dafür. Ich meditiere also auch gern beim Spazieren, beim Einkaufen, auch beim Schwimmen liebe ich es. Oft auch inzwischen beim Autofahren. In der Straßenbahn ist ein idealer Ort auch für Metta-Meditation. :)

    5. Habt ihr immer auf die gleiche Weise praktiziert oder irgendwann eine für euch besser funktionierende Technik gefunden? ]Habt ihr euer Wissen durch Bücher, Lehrer oder aus eigener Erfahrung entwickelt?
    Lehrer.
    Zunächst bei Ananda Marga ( nicht buddhistisch ) hatte ich eine Initiation mit einem persönlichen Mantra und hab nur und ausschließlich das gemacht. Heute finde ich das ein bisschen wie Gehirnwäsche und es war auch nicht für jede Lebenssituation immer die wirksamste Methode. In der Folge war es dann eben so, dass ich zwar zweimal täglich wie befohlen saß, aber das konnte man dann vielleicht sogar wochenlang nicht Meditation nennen, weil diese Methode bei mir in dem Moment nicht griff. Im tibetischen Buddhismus jetzt steht mir ein großer Blumenstrauß an verschiedenartigsten Methoden zur Verfügung, die ich nach Belieben an meine Befindlichkeiten anpassen kann. Wichtig dabei ist, sich auf eine Hauptpraxis festzulegen, um auch ein Geländer zu haben. Fest sind bei mir die Frühmorgenpraxis und die Vormittagspraxis. Die eine sehr kurz, die andere sehr lang.

    6. Immer nur eine Technik oder mehrere je nach Situation?
    Ah, oben schon beantwortet.

    7. Welches Meditationsobjekt? (Atem, Metta, Gefühle, Körper, Gedanken usw.. oder mehrere)
    Der Blumenstrauß besteht aus: tibetischen Initiationen, reinen Atembetrachtungen, Gewahrsein (Shamata), Vipassana auf eine Fragestellung wie z.B. Bodhichitta, aber auch leidvolle Betrachtungen wie Tod, Höllenleiden, Wiedergeburten, problematische Menschen, Dämonenfütterungen nach Tsultrim Allione..., Mettameditationen, Meditationen über Sutren oder hilfreiche Texte.

    8. Unterscheidet ihr streng zwischen Samatha und Vipassana (Also Konzentrations und Einsichts-Methoden)? Nutzt ihr beide je nach Situation, nur eins von beidem, oder beides in zusammen/auf einander folgend?

    Siehe oben.

    9. Versucht ihr möglichst immer in derselben Position zu bleiben, ohne sich zu bewegen auch wenn es juckt? Oder tut ihr doch etwas dagegen?
    Wenn der Geist ruhig wird, muckt der Körper auch nicht mehr. In einer verspannten Verharrung sehe ich keinen Sinn sondern mir ist es ganz egal, was mein Körper macht. Schläft ein Fuß ein, quäle ich mich nicht damit, sondern stelle ihn auf bis das Blut wieder zirkuliert und meditiere währenddessen lieber weiter. Der Fuß ist mir egal.


    10. Wie geht ihr mit Störungen von außen um? Respektiert eure Familie eure Auszeit?

    Als Mutter akzeptiere ich den Wunsch meiner Leute, mir Fragen zu stellen. Ich gehe dann sanft raus und wieder rein in die Meditation. Ich möchte nicht, dass sie meine Praxis als ihren Gegner begreifen. Aber ein "Ich kümmere mich nachher, wenn ich mit Meditieren fertig bin" können sie sehr gut verstehen und akzeptieren.
    Stören tut immer das, was man nicht haben will. Das ist also auch wieder eher eine Frage der inneren Haltung und nicht der äußeren Begebenheiten. Manchmal stört mich, wenn sie sich draußen hinter meiner Tür streiten. Dann hab ich zwei Optionen: Streit schlichten gehen oder Ohropax - je nach dem.

    11. Wie lange praktiziert ihr schon? Falls es Unterbrechungen gab, wie lange dauerten sie und wenn ja, aus welchem Grund traten sie ein?
    Insgesamt 31 Jahre. Davon 3 Jahre tibetischer Buddhismus. In diesen drei Jahren hab ich mehr Fortschritte gemacht als in den Jahrzehnten davor. Jetzt auch keine Unterbrechungen mehr, nur mal kurze Formschwächen, wo ich mal einen Tag lang mit der Regelmäßigkeit aus dem Tritt komme. Früher hatte ich manchmal jahrelange uninspirierte Phasen, wo ich vielleicht nur einmal in der Woche meditierte, gefolgt von hoch inspirierten Phasen. Das kam wie in Wellen deren Ursache ich aber nicht erfassen oder benennen konnte.

    12. Habt ihr Retreat-Erfahrungen? Und wenn ja, wie sehen die aus? (Wie lange, wie sah die Situation danach aus?)
    Bei Ananda Marga habe ich mal eine Woche Retreat gemacht. Da waren ein paar Regeln, die einen in so einen Nonnenmodus brachten: 1. Schweigen, 2. keine Schuhe tragen, 3.nur eine Mahlzeit am Tag, um die man betteln musste, 4. Verbot auf einem Stuhl zu sitzen, 5. Verzicht auf Kosmetika, Kamm, Shampoo und Seife - DAS war schwer! :lol:
    Es war eine einschneidende prägende Erfahrung zu sehen, wie man seinen Geist mit diesen Äußerlichkeiten ablenkt. Vor allem mit Quasseln und Essen.

    13. Ein Thema das vielleicht einen eigenen Thread erfordert: Habt ihr die dunkle Nacht erlebt (auch als spirituelle Krise bekannt)? Ja. Sie waren letztendlich die wichtigsten Meilensteine in meinem Leben. Ich hab verstanden, das Krisen nicht nur hilfreich sondern essentiell notwendig sind, um der Oberflächlichkeit zu entkommen. So bitter das ist und so wenig man das auch irgend jemandem wünschen mag, so ist die dunkle Nacht doch oft das beste, was einem passieren kann... :| um heraus zu kommen.

    14. Gibt es irgendwas Konkretes das eure formelle Praxis extrem stört? Eure Konzentration und Achtsamkeit irgendwie in ernsthafte Bedrängnis bringt?
    Nein, extrem stört mich bislang nichts.

    15. Habt ihr schon bestimmte Jhanas erreicht? Wenn ja, nach welcher Zeit mit welcher Technik? Ist jemals irgendwas Ungewöhnliches eingetreten?
    Kein Kommentar.

    16. Gibt es oder gab es konkrete Effekte die ihr lang- oder kurzfristig in eurem Alltagsleben zu spüren bekommen habt?
    Geduld, Mitgefühl, viel bessere Nerven, innere Ruhe, Angstfreiheit, Distanziertheit gegenüber meinen Eitelkeiten, Begehrlichkeiten, Erwartungen.


    17. Irgendwelche Rituale, die euch helfen?

    Ja, da mach ich viel Brimborium mit Kerzen usw usf. Das tut mir gut, das liegt in meiner Natur.

    :rainbow: Gute Wünsche für jede und jeden. :tee:


  • Maybe Buddha
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    • 7. März 2012 um 14:13
    • #5

    Hi Bango Shank,

    Du hast die 16 Schritte von Buddhadasa erwähnt... Hast du vielleicht einen Link mit der deutschen Medi-Anleitung dazu?
    Das würde mich sehr intressiern, denn nachdem ich vor kurzem eins seiner Bücher (Kerholz des Bodhibaums) gelesen habe,
    würde ikch diese gern mal ausprobiern...

    "Nur eines verkünde ich heute, wie immerdar: Leiden und seine Vernichtung."
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  • Onda
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    • 7. März 2012 um 15:01
    • #6

    http://www.dhamma-dana.de/buecher.htm#buddhadasa

    "Es gibt nichts Gutes, außer: man tut es." (Erich Kästner)
    "Dharma books and tapes are valuable, but the true dharma is revealed through our life and practice." (Thich Nhat Hanh)

  • Maybe Buddha
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    • 7. März 2012 um 15:15
    • #7
    Charlie:

    http://www.dhamma-dana.de/buecher.htm#buddhadasa

    Danke dir...

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  • basti
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    • 8. März 2012 um 23:50
    • #8

    Dann sage ich hier auch mal etwas dazu. Im Grunde finde ich so etwas schon interessant, da man durch die formale Praxis der anderen eventuell Anregungen für die eigen Praxis bekommt.

    1. Bestimmte, feste Uhrzeit oder so wie´s passt?
    Morgens und Abends, aber zu keinen festen Uhrzeiten. Es variiert von Tag zu Tag ein wenig.

    2. Wie oft am Tag?
    Zwei Mal.

    3. Länge: So nach Lust und Laune oder bestimmte Zeitvorgaben oder gar beides?

    D.h. zwei mal am Tag für je 65 Minuten ist das Ziel. Leider funktioniert es nicht jeden Tag und es gibt gute und schlechte Phasen. Momentan bin ich soweit, dass ich mindestens ein Mal 65 Minuten mache.

    4. Auf Stuhl oder unten aufm Kissen? Gehen, Liegen, Stehen? Wenn Kissen, welche Art von Sitztechnik? Wie sehen die Erfahrungen mit all dem aus. Falls Lotussitz, schon immer gekonnt oder nach Training und wenn ja wie lange hat´s gedauert?
    Auf einem Meditationsbänkchen.

    5. Habt ihr immer auf die gleiche Weise praktiziert oder irgendwann eine für euch besser funktionierende Technik gefunden? ]Habt ihr euer Wissen durch Bücher, Lehrer oder aus eigener Erfahrung entwickelt?
    Ich habe mit Vipassana nach U Ba Khin/Goenke angefangen und mache das bis heute.

    6. Immer nur eine Technik oder mehrere je nach Situation?
    Ich mache nur die Technik nach U Ba Khin/Goenke, laut Lehrer sollte man sich auf eine Technik fokussieren, nichts vermischen oder verändern.

    7. Welches Meditationsobjekt? (Atem, Metta, Gefühle, Körper, Gedanken usw.. oder mehrere)
    60 Minuten die Empfindungen im Körper, danach 5 Minuten Metta.

    8. Unterscheidet ihr streng zwischen Samatha und Vipassana (Also Konzentrations und Einsichts-Methoden)? Nutzt ihr beide je nach Situation, nur eins von beidem, oder beides in zusammen/auf einander folgend?

    Habe ich mir noch keine Gedanken zu gemacht.

    9. Versucht ihr möglichst immer in derselben Position zu bleiben, ohne sich zu bewegen auch wenn es juckt? Oder tut ihr doch etwas dagegen?
    So gut es geht keine körperliche Bewegung.

    10. Wie geht ihr mit Störungen von außen um? Respektiert eure Familie eure Auszeit?

    Es gibt eigentlich keine Störungen von außen.

    11. Wie lange praktiziert ihr schon? Falls es Unterbrechungen gab, wie lange dauerten sie und wenn ja, aus welchem Grund traten sie ein?
    ca. 3 Jahre

    12. Habt ihr Retreat-Erfahrungen? Und wenn ja, wie sehen die aus? (Wie lange, wie sah die Situation danach aus?)
    War drei mal für 10 Tage in einem Goenka Retreat.

    13. Ein Thema das vielleicht einen eigenen Thread erfordert: Habt ihr die dunkle Nacht erlebt (auch als spirituelle Krise bekannt)? Wie seid ihr damit umgegangen?Welche Auswirkungen hat es auf euer Leben, eure Umwelt und eure Praxis gehabt? Der Begriff dunkle Nacht ist mir neu. Zweifel kommt immer wieder mal hoch, verschwindet aber auch wieder.

    14. Gibt es irgendwas Konkretes das eure formelle Praxis extrem stört? Eure Konzentration und Achtsamkeit irgendwie in ernsthafte Bedrängnis bringt?
    Ich meditiere einfach und versuche es so gut es geht. Wenn der Geist unruhig ist etc. dann ist das eben so.

    15. Habt ihr schon bestimmte Jhanas erreicht? Wenn ja, nach welcher Zeit mit welcher Technik? Ist jemals irgendwas Ungewöhnliches eingetreten?
    Ich kenne mich mit Jhanas nicht wirklich aus, von daher kann ich die Frage nicht beantworten. Es gibt manchmal so Zustände, bei denen man nichts wahrnimmt aber irgendwie auch nicht "nichts wahrnimmt". Lässt sich schwer beschreiben.

    16. Gibt es oder gab es konkrete Effekte die ihr lang- oder kurzfristig in eurem Alltagsleben zu spüren bekommen habt?
    Irgendetwas tut sich, ich kann es aber schwierig in Worte fassen. Manchmal denkt man es hat sich dies oder jenes verbessert, und nach zwei Tagen merkt man, oh falsch gedacht, es ist fast noch schlimmer geworden :D

    17. Irgendwelche Rituale, die euch helfen?

    Wie Mirco, schreibe ich hier auch mal die Silas rein. Ist für mich jetzt kein Ritual, aber die Silas sind sehr wichtig für den Fortschritt. Ohne die ständige Bemühung die Silas einzuhalten und seine Lebensweise "moralischer" zu gestalten, macht auch die formale Meditation keinen Fortschritt.

  • basti
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    • 8. März 2012 um 23:58
    • #9
    basti:


    15. Habt ihr schon bestimmte Jhanas erreicht? Wenn ja, nach welcher Zeit mit welcher Technik? Ist jemals irgendwas Ungewöhnliches eingetreten?
    [...] Es gibt manchmal so Zustände, bei denen man nichts wahrnimmt aber irgendwie auch nicht "nichts wahrnimmt". Lässt sich schwer beschreiben.

    Das war natülich ein Witz. Im "Weder-Wahrnehmungs-noch-Nichtwahrnehmungsgebiet" war ich natürlich noch nicht. Vielleicht ist ja der ein oder andere für einen kurzen Moment "neidisch" geworden und hat jetzt die Möglichkeit diesen Neid zu beobachten und sich zu fragen, wo der her kommt. 8) *schmunzel*

    Grundsätzlich denke ich, dass so etwas schnell nach hinten los gehen kann. Weil meist dann doch ein wenig Verlangen nach einem tieferen Jhana entsteht. Wenn es dann doch mal kommt und sobald wieder verschwindet kann man gewaltig daran anhaften. Von daher, Jhana hin oder her, spielt es eine Rolle?

  • odysseus05
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    • 9. März 2012 um 00:48
    • #10

    1. Bestimmte, feste Uhrzeit oder so wie´s passt?
    Morgens

    2. Wie oft am Tag?
    Mindestens einmal

    3. Länge: So nach Lust und Laune oder bestimmte Zeitvorgaben oder gar beides?
    20 min Metta, 30 min samatha-vipassana

    4. Auf Stuhl oder unten aufm Kissen? Gehen, Liegen, Stehen? Wenn Kissen, welche Art von Sitztechnik? Wie sehen die Erfahrungen mit all dem aus.
    Falls Lotussitz, schon immer gekonnt oder nach Training und wenn ja wie lange hat´s gedauert?
    Bänkchen, aber möglichst so bequem, dass ich 1 h locker aushalte.

    5. Habt ihr immer auf die gleiche Weise praktiziert oder irgendwann eine für euch besser funktionierende Technik gefunden? Habt ihr euer Wissen durch
    Bücher, Lehrer oder aus eigener Erfahrung entwickelt?
    Bücher, Seminare, Erfahrung

    6. Immer nur eine Technik oder mehrere je nach Situation?
    Mischung

    7. Welches Meditationsobjekt? (Atem, Metta, Gefühle, Körper, Gedanken usw.. oder mehrere)
    vorwiegend Atem

    8. Unterscheidet ihr streng zwischen Samatha und Vipassana (Also Konzentrations und Einsichts-Methoden)? Nutzt ihr beide je nach Situation, nur eins von
    beidem, oder beides in zusammen/auf einander folgend?
    unterscheiden ja, einsetzen Beide.
    Am Anfang viel samatha, später auch Vipassana (geht mit Ruhe im Kopf besser)

    9. Versucht ihr möglichst immer in derselben Position zu bleiben, ohne sich zu bewegen auch wenn es juckt? Oder tut ihr doch etwas dagegen?
    wenn es sehr unbequem ist, bewegen

    10. Wie geht ihr mit Störungen von außen um? Respektiert eure Familie eure Auszeit?
    suche mir möglichst ruhige Ecke und Zeiten

    11. Wie lange praktiziert ihr schon? Falls es Unterbrechungen gab, wie lange dauerten sie und wenn ja, aus welchem Grund traten sie ein?
    viele Jahre

    12. Habt ihr Retreat-Erfahrungen? Und wenn ja, wie sehen die aus? (Wie lange, wie sah die Situation danach aus?)
    Seminare, teils auch eine Woche lang

    13. Ein Thema das vielleicht einen eigenen Thread erfordert: Habt ihr die dunkle Nacht erlebt (auch als spirituelle Krise bekannt)? Wie seid ihr damit
    umgegangen? Welche Auswirkungen hat es auf euer Leben, eure Umwelt und eure Praxis gehabt? Wenn ja, wie seid ihr da wieder rausgekommen?
    Jeder Nacht folgt ein Tag und jede Nacht bringt mich zurück auf meinen Weg.
    Wenn mein Leid wieder größer wird, bringt mich mein Leid automatisch zu Buddha.

    14. Gibt es irgendwas konkretes das eure formelle Praxis extrem stört? Eure Konzentration und Achtsamkeit irgendwie in ernsthafte Bedrängnis bringt?
    Hindernisse gehören zum Leben dazu.
    Meistens ist es der Affe in mir, der mich vom Meditationsobjekt wegzieht.
    Hin und wieder auch etwas Trägheit, die meine Konzentration schwächt.
    Aber damit kann man arbeiten.

    15. Habt ihr schon bestimmte Jhanas erreicht? Wenn ja, nach welcher Zeit mit welcher Technik? Ist jemals irgendwas Ungewöhnliches eingetreten?
    Ja, war sehr heftig.
    Ist gut sie mal erlebt zu haben.
    Als Dauerdroge aber nicht zu empfehlen,
    denn ich will den Alltag meistern und Meditation stärkt mich für den Alltag.
    Daher sind Einsichten wichtig.

    16. Gibt es oder gab es konkrete Effekte die ihr lang- oder kurzfristig in eurem Alltagsleben zu spüren bekommen habt?
    Mein Leben ist ziemlich anders geworden.
    Ich habe angefangen an mein Leben auf meine Einsichten anzupassen, ändere sogar große Ziele.
    Ist eine richtig schöne Zeit zu erleben wie Buddhas Lehre im eigenen Leben
    vom kleinen Samen zur herrlichen Ernte aufgeht.
    Seine Aussagen sind nicht nur in meinem Großhirn,
    sondern sie geistern in allen meinen Zellen herum.

    Eigentlich ist Alles ziemlich einfach,
    so einfach, dass ich momentan nicht weiss,
    ob ich lachen oder weinen soll.
    Aber es ist auf jeden Fall herzergreifend.

    17. Irgendwelche Rituale, die euch helfen?

    Ich erinnere mich selbst im Alltag immer wieder
    an wichtige Gesetzmäßigkeiten,

    wie: Alles ist miteinander verbunden. Ich erforsche dann spielend und mit Herz die Verbindung.

    wie: Du erntest was Du sähst. Willst Du ernten, mußt Du vorher sähen.
    Metta als Saatgut ist ziemlich heftig. Man braucht aber Geduld, weil die Saat nur langsam aufgeht.

    wie: Erinnere Dich daran achtsam zu sein,
    denn nur so kann ich bewußt sähen und bewußt ernten und natürlich forschen und lernen.

    wie: Entfache immer wieder Metta im Herzen und lasse Dich davon leiten.
    Metta ist meiner Meinung nach genauso wichtig wie Achtsamkeit.
    Metta ist für mich eine sehr starke Energie, die sehr starke Wirkung auf die Umwelt und auf mich selbst hat.
    Dabei arbeite ich stark mit dem Gefühl, die Metta auslöst.
    Metta und Achtsamkeit sind 2 Freunde, die ich nicht mehr missen möchte,
    weil sie mir immer wieder sagen, wohin ich gehen soll :)

    Egal wie Dein Weg auch sein mag.
    Laß Dich stets von Achtsamkeit, Liebe und Mitgefühl führen.
    Denn ohne diese 3 Weisen, wird kein Weg von Erfolg sein.

  • BangoSkank
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    • 10. März 2012 um 17:44
    • #11

    Es freut mich wirklich sehr, dass schon so viele mitgemacht haben! Es ist eine persönliche Angelegenheit die sehr individuell sein kann, deswegen versteh ich wenn man auf so etwas eher zögernd antwortet. Die Erfahrungen mit den Jhanas sind auch so ne Sache... niemals sollte man daran hängen, niemals stolz darauf sein (wozu denn auch, sofern man nur Buddhas Weg verfolgt geht es nur um Einsicht). Und Trotzdem ist es interessant andere Meinungen zu hören und von den Erfahrungen anderer Leute zu profitieren. Welchen Sinn hätte dieses Forum, wenn dies nicht wahr wäre?
    Eine Sache die mir des öfteren eher negativ aufgefallen ist, ist dass viele User scheinbar sich auf reine Theorie und abstrakte Gedankengänge versteifen, ohne sich ernsthaft mit iherer eigenen Praxis zu beschäftigen (nur meine begrenzte Sicht). Deswegen ist es doch eine feine Sache, sich an die eigene Nase zu fassen und ehrlich zu sich selbst zu sein.

    @ Maybe Buddha und andere die Buddhadasas Methode interessiert

    Das Buch heißt: Anapanasati Die sanfte Heilung der spirituellen Krankheit

    Ich selbst habe den 2. Schritt mit dem 1. getauscht, find ich so logischer und bequemer. Manche behaupten das wäre eine Methode die nur für ordinierte Mönche geeignet wäre, seh ich persönlich nicht so. Man sollte nur nicht erwarten innerhalbt von sehr kurzer Zeit damit klar zu kommen. Das allerwichtigste ist und bleibt Geduld und Disziplin.

    Hier nochmal der Link: http://buddhadasa.de/downloads/Anapanasati.pdf

    Natürlich gibt es noch haufenweise anderer Methoden, bei denen es sich lohnt ein Auge drauf zu werfen. Die Techniken die Odysseus und Basti genannt haben, haben meine Neugier geweckt, die werd ich mir auch nochmal genauer ansehen.

    @ Odysseus

    Mit den letzten beiden Antworten hast du ein Paar wirklich wunderbare Dinge genannt, die ich so oder so ähnlich auch erfahren habe, nur nicht Worte fassen konnte. Ihr habt Recht, ohne Metta oder Sila ist doch die ganze Unternehmung für den Arsch.


    Wäre super wenn sich noch weitere Praktizierende beteiligen würden!

    "Zufriedenheit bedeutet, aufzuhören nach ihr zu jagen" "Alles was sich Beobachten lässt, bist nicht du"

    Einmal editiert, zuletzt von BangoSkank (10. März 2012 um 17:50)

  • Maybe Buddha
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    • 10. März 2012 um 17:48
    • #12

    Danke... Buch schon bestellt vor ein paar Tagen und gestern angekommen... ;)

    "Nur eines verkünde ich heute, wie immerdar: Leiden und seine Vernichtung."
    Buddha

  • BangoSkank
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    • 10. März 2012 um 17:53
    • #13

    Hehe, man kann´s zwar kostenlos im Internet lesen. Aber ein richtiges Buch in der Hand zu halten ist trozdem angenehmer, vor allem wenn man es öfter aufschlägt so wie ich. Werd´s mir deswegen vielleicht auch nochmal als Buch kaufren :)

    "Zufriedenheit bedeutet, aufzuhören nach ihr zu jagen" "Alles was sich Beobachten lässt, bist nicht du"

  • SpringMode5708
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    • 10. März 2012 um 18:59
    • #14

    :off topic:

    BangoSkank:

    niemals sollte man daran hängen,
    niemals stolz darauf sein


    Ich finde finde diese Art der Formulierung immer wieder irreführend. Besser gefällt mir:

    "Wenn man daran hängt, sollte man wieder loslassen,
    wenn man Stolz wird, sollte man wieder loslassen.
    "

    Denn dass man sich an etwas hängt und dass man Stolz wird, geschieht noch oft.

    Gruß :)

  • Lirum Larum
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    Buddh. Richtung
    Ich protestiere gegen den mangelnden Respekt vor den unterschiedlichen Traditionen.
    • 10. März 2012 um 19:08
    • #15

    Ja, und dann Entspannen, wie ich letztens lernte. :)

    Bei dem Blumenstrauß der Meditationsformen vergaß ich noch: Tonglen.

    :rainbow: Gute Wünsche für jede und jeden. :tee:


  • crazy-dragon
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    • 10. März 2012 um 19:25
    • #16

    BangoSkank: Du redest für meinen Geschmack etwas zuviel, deswegen ziehe ich es vor, zu schweigen... :P

    _()_ c.d.

    Tag für Tag ein guter Tag

  • BangoSkank
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    • 10. März 2012 um 20:21
    • #17

    Formuliert es und denkt darüber wie ihr wollt. Ich bestreite nicht, dass ich hin und wieder etwas unglücklich formuliere.

    @ crazy-dragon

    Vielen Dank für diesen am Thema vorbeiführenden Hinweis, der mich wirklich sehr weit bringt :roll:
    Hier geht es um formale Praxis, ich finde da spricht nichts dagegen auch mal ins Detail zu gehen. Oberflächliches Gelabbere kann man auch anderswo bekommen. Da wir hier in einem Forum im Internet sind und ich das Gegenüber nicht sehen kann (und auch seine Gedankent nicht lesen kann) mach ich´s wie es mir passt. "Schweigen" ;)

    Für den Geschmack eines anderen ist es vielleicht nicht "zuviel"

    "Zufriedenheit bedeutet, aufzuhören nach ihr zu jagen" "Alles was sich Beobachten lässt, bist nicht du"

  • rosie
    Gast
    • 10. März 2012 um 21:37
    • #18

    BangoSkank, hmm, in der Signatur zitierst du Sawaki, aber eine Antwort von Zenübenden wirst du wohl kaum erwarten. Meditationsobjekt? Jhana? Vipassana oder Samatha?

    Ich persönlich gehe sogar noch weiter: Feste Zeiten? Es gibt keine Trennung von Alltag und Zenleben. Wenn es eines ritualisierten Sitzens bedarf, um einen Zustand der Versenkung zu erreichen, dann ist hiermit bereits gesagt, dass dieses Ziel nicht erreicht wird. Man nimmt sich also sozusagen eine Auszeit vom hektischen Alltag, in dem man sich weder genug konzentrieren noch die Gedanken einfach fließen lassen kann. Das ist dann ungefähr so wie einen Termin beim Psychoklempner wahrzunehmen oder in seinen Fußballclub zu gehen. Allerdings würde zumindest bei Letzterem wohl kaum einer sagen: Seit ich es zu bestimmten Zeiten mache, fällt mir das Training leicht. Dass ein Gruppentraining zu bestimmten verabredeten Zeiten stattfindet, versteht sich wohl von selbst. Aber Zen ist kein Mannschaftssport, und wenn du auf deiner eigenen Bank versauerst, ist das genauso in Ordnung wie irgendwo im Mittelpunkt zu stehen. Kaum bist du aus dem Dojo draußen, erweist sich erst, wie es um deine Einsicht und Verwirklichung steht - wie du Zen anwenden kannst, wenn du nicht die Rituale nachäffst.

    Dieser ganze Fragenkatalog zeigt etwas Groteskes im Buddhismus auf. Z.B. auch die Frage nach Veränderung - dabei heißt Zenübung ein normaler Mensch zu sein. Kürzlich sagte in einem Forum ein ehemaliger Fremdenlegionär: "Was erwartet ihr - Tattoos und Obdachlosigkeit? Wir sind doch ganz normale Menschen."

    Ich sitze ohne Kissen, auch wenn ich mich in einen formalisierten (vollen) Lotussitz begebe. Das ist einfach zuweilen geil. Ich glaube, die meisten Menschen, die nicht spezielle Sportarten machen oder entsprechend gebaut sind, werden diesen vollen Lotussitz erst nach mehrjähriger (ritualisierter) Versenkungs-Übung einnehmen können. Allerdings führt das in die Irre. Es ist nicht nötig, so zu sitzen, um zu erwachen, und es ist auch danach nicht nötig. Wenn man frei ist, macht man es, wie es kommt. Die Vorstellung bestimmter Zeiten stammt aus dem Klosterleben, und ich führe keins (obwohl ich zuweilen mehr Regeln einhalte als so mancher Mönch, aber ich bin ja auch im tiefen Innern einer, darum brauche ich nicht mal das Kloster- oder Robenkonzept). Wenn man weiß, wie man auf andere Weise, also auch in der Bewegung und Aktivität und im Alltagstun, seinen Horizont erweitert und seine Einsicht vertieft sowie seine Intuition freilegt, dann macht man dies nicht vom Sitzen in Meditationshaltung abhängig. Aber das ist auch so eine Erkenntnis, die ich gewonnen habe, nachdem ich selbst gesessen habe. Ich denke, man kann sie auch anders gewinnen, ich sehe deshalb keinen Grund mehr, Menschen in erster Linie etwa Zazen anzuempfehlen. Es ist besser, gleich in den Alltag zu integrieren, worum es geht - z.B. jetzt zu beobachten, wie der Hass auf meinen Beitrag hochkommt, wie sich auch körperlich der Widerspruch äußert, wie Gedanke a zu b und c führt und nun in die Tasten gehauen werden will ... Und dann, was wohl diese oder jene Person gerade macht, auf die ich scharf bin usf. - kann ich das auch lassen und einfach über mich lachen?

    Während ich das schreibe, läuft auf Deluxe gerade ein Discomischmasch aus je zwei Titeln, gerade Shakira und Michael Jackson. Das funktioniert. Man muss nur gut mischen können, dann gehen Alltagsleben und buddhistische Übung Hand in Hand und ergeben sogar einen erfrischenden Klang. Aber bitte: Das ist etwas anderes, als wenn die Meditationsritual-Anhänger sagen, in ihrer Sitzhaltung sei bereits alles verwirklicht. Es ist nämlich so, dass im Alltag bereits der Lotussitz verwirklicht werden kann, ohne dass man ihn einnimmt.

  • rosie
    Gast
    • 10. März 2012 um 21:58
    • #19
    Zitat

    Ohne die ständige Bemühung die Silas einzuhalten und seine Lebensweise "moralischer" zu gestalten, macht auch die formale Meditation keinen Fortschritt.

    Ich erlaube mir zu sagen: Diese Ansicht ist katastrophal falsch. Man kann sie natürlich leicht aus alten Schriften ableiten, aber das macht es eben nicht besser. Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun, wenn man eine Kausalkette daraus konstruiert. Selbst wenn jemand nix von Sila weiß (im Sinne einer genauen Kenntnis des Dhamma - die meisten Menschen werden hingegen irgendwann eine Art Gewissen eingeimpft und ein paar moralische Spielregeln beigebracht bekommen haben), kann er in der Meditation zu tiefer Einsicht über sich selbst kommen bzw. dieses Selbst als nichtig durchschauen und zu einer höheren spirituellen Erfahrung erwachen.

    "Silas einhalten" bedeutet einen bewussten Prozess: a) Kenntnis der silas, b) Verständnis der silas, c) Befolgen der silas. Die silas funktionieren nach einem schwarzweiß-Schema, das moralischen Geboten inhärent ist. Das kann man daran erkennen, dass die meisten Menschen die Regel "nicht töten" nur so interpretieren können: Töten ist falsch und verstößt gegen die sila. Es gibt jedoch Menschen, denen dieses Verhalten nicht möglich ist und die dennoch nichts dabei empfinden. Solange diese Menschen nicht an ihrem Tun anhaften, ist jedoch auch ihnen Befreiung möglich, d.h. eben auch ein spirituelles Erwachen zur Buddhanatur. Es ist von daher unmöglich zu sagen, wer Sila nicht einhält, sei nicht erwacht. Es ist aber auch nicht möglich zu sagen, dass jeder Erwachte die sila brechen würde. Während sich der sila-Adept etwas vom Einhalten der Regeln verspricht (und damit einer Illusion aufsitzt), weiß der Erwachte, dass sich die sila von selbst verwirklichen, wenn er befreit ist. Es ist völlig klar, dass dies nichts mit einem Befolgen von Buchstaben zu tun haben kann. Ein Erwachter wäre dann z.B. nicht in der Lage, den potentiellen Mörder eines Kindes zu töten, wenn sich ihm die Gelegenheit im rechten Moment böte. So etwas wäre absurd. Die Funktionsweise der Budda-Natur oder auch des Nirwana ist anders, sie ist ja gerade nicht mehr auf irgendein Dogma festgelegt. Man verhält sich korrekt, weil es für alle Beteiligten am besten ist, nicht weil man dadurch erwacht. Moralisches Verhalten ist messbar, das Erwachen ist unermesslich.

  • SpringMode5708
    Gast
    • 10. März 2012 um 22:16
    • #20

    Verhalten hat Wirkung.

    Die Silas umgrenzen die Verhaltensweisen, die meistens solch starke geistigen Hindernisse erzeugen, das eine erfolgreiche Meditation nicht möglich ist.

    Sie sind eine Hilfestellung, um es leichter zu machen.


    Gruß :)

  • Lirum Larum
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    Buddh. Richtung
    Ich protestiere gegen den mangelnden Respekt vor den unterschiedlichen Traditionen.
    • 10. März 2012 um 22:17
    • #21

    Sila heißt Schutzschild im Sanskrit.

    :rainbow: Gute Wünsche für jede und jeden. :tee:


  • BangoSkank
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    8. Februar 2012
    • 10. März 2012 um 22:47
    • #22

    :grinsen: Hallo rosie,

    Ich habe schon ein sehr tiefes Sympathie-Gefühl für den Zen-Buddhismus, ich schätze die Reden von Shunryu Suzuki, Kodo Sawaki, Dogen Zenji und Huang Po sehr. Trotzdem betrachte ich mich nicht zu 100 % als Zenni. Bin eher einer der die Wahrheit in jeder Richtung auf seine Weise sieht und gerne etwas von allem nutzt.

    Ich beschreib´s mal so:

    -Im Zen seh ich die starke Betonung auf das hier und jetzt, die Aufgabe von Konzepten und Ritualen, nicht grübeln sondern bewusst tun.
    -Im Vairayana die verstärkte Kultivierung von Metta durch spezielle Methoden, Altruismus der das Zusammenleben verbessert.
    -Im Theravada schätze ich die ungeheure Schatzgrube an Lehrreden, genauen Pfad-Beschreibungen/Karten und ausführlichen Beschreibungen von Techniken. (Für Methoden-Freaks wie mich sehr hilfreich ^^)

    Auf eine gewisse Weise hat jede Richtung von allem mehr oder weniger und trotzdem sind für mich gewisse Schwerpunkte erkennbar. Deswegen kenn ich auch so einige an Vorurteilen die die Anhänger mancher Richtungen gegenbüber anderen haben, die ziemlich engstirnig sind.

    Im alltäglichen Leben achtsam und gegenwärtig sein, ist eine Sache die ich auch so weit umsetze wie es in meiner Fähigkeit liegt.
    Und trotzdem denk ich, dass es sich lohnt auf das Wissen der Theradava-Leute zurückzugreifen wenn es um genaue Details in der formellen Praxis geht. Bei den Zen-Leuten ist es soweit ich weiß eher eine Angelegenheit die hinter vorgehaltener Hand oder nur mit dem Lehrer erfolgt (hat unbestritten seine Gründe).
    Ich sehe meine Meditationsitzungen nicht als ritualisierte Flucht vor der Realität, sonderen im gegenteil, eine Hilfe die wie keine zweite meine Sicht auf die Realität gerade rückt.

    Ich weiß, die Sitz-Technik ist nicht das wichtigste. Konntest du den Lotussitz nach langer Übung einnehmen oder schon immer gekonnt? So ganz ohne Kissen, wie lange kannst du so sitzen, ohne das es wirklich sehr unangenehm wird? Würd ich gerne irgendwann können.

    Joa, Deluxe Music ist echt klasse, besser als der Müll der grad auf RTL läuft :grinsen:

    "Zufriedenheit bedeutet, aufzuhören nach ihr zu jagen" "Alles was sich Beobachten lässt, bist nicht du"

  • rosie
    Gast
    • 10. März 2012 um 23:12
    • #23
    Zitat

    Konntest du den Lotussitz nach langer Übung einnehmen oder schon immer gekonnt? So ganz ohne Kissen, wie lange kannst du so sitzen, ohne das es wirklich sehr unangenehm wird?

    Das führt nur auf die falsche Fährte. Das Sitzen auf diese Art ist eigentlich immer recht schnell unangenehm, darum gibt es ja Sofas, Sessel, Stühle und praktisch kein normaler Mensch nimmt von selbst den vollen Lotussitz ein. Und wie gesagt, du kannst den einen Masochismus durchziehen und von mir aus eine Stunde schmerzfrei sitzen, und dann kommt ein ganz anderer Schmerz von anderer Intensität, und auch diese Hoffnung, dass dich das Zazen-Durchstehen oder ein Rohatsu-Sesshin vor irgendwas bewahrt, ist zunichte.

    Ich wünsche dir, dass du irgendwann im Sessel versinkst, statt dir den vollen Lotussitz zu erhoffen.

  • rosie
    Gast
    • 10. März 2012 um 23:13
    • #24
    Zitat

    Verhalten hat Wirkung.

    Aber nicht auf die Buddha-Natur und auch nicht auf Nirwana.

  • SpringMode5708
    Gast
    • 11. März 2012 um 01:21
    • #25
    rosie:
    Zitat

    Verhalten hat Wirkung.

    Aber nicht auf die Buddha-Natur und auch nicht auf Nirwana.


    Na, dann viel Spaß damit. Und komm' nicht so spät nach hause.

    Gruß :)

Ausgabe №. 135: „Achtsamkeit und Aktivismus"

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