Roni:mukti:Selber gönnt man sich aber mehr, bei den Anderen wird man zum strengen Philosophen.
Geht auch anders. Man sucht im Laufe der Diskussion nach Ausdrucksformen um sich verständlich zu machen und lernt daraus, sowie aus der Reaktion anderer dazu. Andersherum - wenn man Gespräche zum Zweck der Selbstbestätigung führt, fühlt man sich durch Argumente anderer gestört oder belehrt.
Sorry, aber damit wollte ich dich nicht persönlich kritisieren, fühle mich eigentlich nicht gestört. Das beobachte ich bei mir selber, also bin mukti gegenüber oft viel großzügiger als anderen gegenüber, da fällt es leichter sich auf die Notwendigkeiten des Lebens zu beschränken, bei den anderen.
Nur um zur Verdeutlichung ein kleines Beispiel zu geben: Ein Bekannter von mir ist zur Zeit in Bolivien, und seine neue Bankomatkarte wird ihm dorthin nicht zugestellt. Er ist in Verbindung mit einem Ashram - ich kann nun meinen, dort kann er einziehen und hat dann alles was er braucht. Aber ich bemühe mich die Karte möglichst sicher dorthin zu bringen, weil ich mich in seine Lage versetze und selber auch nicht in diesem Ashram leben möchte.
Solche Situationen gibt es oft, man hat Freunde und Verwandte denen man mal was schenkt, oder man hilft wenn man darum gebeten wird, auch wenn es nicht nur um Nahrung und Kleidung geht. Man lebt selber in relativem Wohlstand hier, würde ich das den anderen nicht zubilligen, müsste ich selber auch auf alles verzichten, dann hätte ich das Recht dazu. Immerhin arbeite ich daran.
Roni:
Unternimm nichts mit dem Körper, sondern entspanne dich einfach. Halte Deinen Mund verschlossen und verharre im Schweigen. Mache deinen Geist leer und denke an nichts. Laß deinen Körper zur Ruhe kommen - einem hohlen Bambusrohr vergleichbar. Wenn du nichts mehr weggibst oder aufnimmst, kannst du auch deinen Geist zur Ruhe bringen. Mahamudra ist wie der Geist, der an nichts mehr anhaftet. Wenn du auf diese Weise praktizierst, wirst du die Buddhaschaft erlangen, wenn die rechte Zeit dafür gekommen ist.(Tilopa)
Roni:Das bedeutet auch: Kein Ziel haben, nach gar nichts streben.
Ich denke da halt einfach und pragmatisch: Kein Ziel hat man, wenn man alles losgelassen hat. Wenn es noch Anhaftungen gibt, dann gibt es auch ein Ziel - Befreiung von Leid und Unwissenheit.
mukti:Es schadet gar nichts wenn man sich als ein guter Mensch fühlt, während man weiß dass man im Grunde gar nicht dieser Mensch ist.
mukti:Aber darüber möchte ich die Menschlichkeit nicht vergessen, wo ich doch noch ein Mensch unter Menschen bin.
Roni:
Hättest du ev. Lust diese Menschlichkeit näher zu erläutern?
Ich denke das erste Zitat ist ehrlich und drückt die Tatsache aus, dass es in der Dualität keine Menschlichkeit geben kann, die frei von persönlichen Zwecken wäre. Du schreibst im Grunde man solle Gutes tun um sich besser zu fühlen. Und dass diese Lüge uns nicht schadet. Ich denke sie schadet enorm, selbst wenn man sich der Täuschung bewußt ist, weil dadurch ein innerer Konflikt entsteht - man handelt anders als man denkt um sich besser zu fühlen, was im Grunde nicht gelingen kann.Die Menschen, denen man helfen möchte - genau da fangen Konzepte an, die sich oft mit tatsächlichen Erscheinungsformen nicht decken. Mir fällt dazu dein Beispiel des Bettlers ein. Du gibst Geld, fühlst dich dabei gut. Was aber auch sein kann, und zunehmend die Regel in den Städten ist-
http://www.tz-online.de/aktuelles/muen…hen-401647.html
Das ist nur eines von unendlich vielen Beispielen, die eine Kluft sichtbar machen, die zwischen der vermuteten und der tatsächlichen Wirkung eigener Taten bestehen kann, und dass eine derartige Linderung des Leids oft noch mehr Unheil mit sich bringt. Weil hier keine Klarheit besteht, die Klarheit, die eine achtsame Haltung mit sich bringt, ... um letztendlich das Thema nicht zu verfehlen.
LG Roni
In Österreich haben sie dieses "organisierte Betteln" verboten. Vielleicht gibt es Bettler die gezwungen werden und alles abgeben müssen. Ich denke es läuft meistens so ab: Die einfachen armen Leute haben keine Ahnung wie sie in ein wohlhabendes Land kommen, wo sie dort am Besten hingehen, wie sie wieder zurückkommen. Da hat einer einen Bus: Ich nehme euch mit, zeige euch die Plätze und hole euch ab, und ihr ersetzt mir die Kosten und gebt mir was ab für die Mühe, und jedem ist geholfen.
Die Spießer fühlen sich halt belästigt wenn in der prunkvollen Einkaufsstraße ein lumpiger Bettler hockt, das passt ja nun gar nicht in den Kram.
Menschlichkeit - ein gutes Herz und das Entwickeln von Tugenden wie Wohlwollen, Respekt, Freundlichkeit, gutes Benehmen, Bescheidenheit, Großzügigkeit, Geduld, Verständnis, das sind Dinge des Herzens, die nicht erklärt werden müssen. Das geht mit der Philosophie, dem Erkenntnisstreben Hand in Hand bei mir.
Einfach Liebe oder eben Mitgefühl, wenn es auch noch nicht das perfekte Mitgefühl des Buddha ist.
Eigentlich könnte es heißen: Erkenntnis und Mitgefühl ist Weisheit. Erkenntnis betrifft den Verstand, Mitgefühl das Herz. Der Verstand sollte dem Herzen nicht vorauseilen, dann wird man kalt und stolz, und auch nicht umgekehrt, dann wird man sentimental, Gefühlsduselei.
Und dass wir auch noch beim Thema sind: Achtsamkeit ist Voraussetzung für Nibbana, ist ja wohl jedem hier klar. Achtsamkeit auf das was im Kopf vor sich geht, und auf das was im Herzen vor sich geht.
Nur eine kurze Darstellung wie ich das sehe, man könnte Bücher darüber schreiben. Also nur mein Zugang, man tauscht sich halt aus.
Lieber Gruß,
mukti