Ist jemand von Euch Ehrenamtlich tätig? Wie steht ihr zu solchen Tätigkeiten aus eurer buddhistischen Sicht?
Ehrenamt und Buddhimus
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Kapitulation -
18. April 2011 um 23:30
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Hy Kapitulation
Was verstehst Du unter Ehren-amtlich?
Etwas ohne Bezahlung für seine Mitwesen tun um dafür geehrt zu werden?
Etwas für andere zu tun, ohne sich etwas dafür als Gegenleistung und wenn es nur Dankbarkeit ist zu erhoffen, ist eine gute Übung des Loslassens. Das ist Dana. Geben ohne Anhaftung.
Kapitulation:Ist jemand von Euch Ehrenamtlich tätig?
- Zum Beispiel die Moderatoren hier im Forum
Liebe Grüße
Kusala -
Kapitulation:
Ist jemand von Euch Ehrenamtlich tätig? Wie steht ihr zu solchen Tätigkeiten aus eurer buddhistischen Sicht?
Kusala hat es schon erwähnt. Weder für Ehre (Ich-Illusion) noch für eine Amt (Status-Illusion) beginnt man langsam geben zu lernen. Kapitulation heißt seine Ansprüche aufgeben und wird nur in Verwirrung als Verlust und nicht als Gewinn angesehen. Freiwillige Kapitulation ist der beginn für Frieden und der Beginn um frei geben zu können, ohne Ehre und ohne Amt.Dennoch sind viele Dinge ehrenamtlich *schmunzel* aber auch sie werden, wenn man achtsam bleibt entlarvt.
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Grüß Dich ganz recht herzlich Kapitulation,
ZitatKapitulation: Ist jemand von Euch Ehrenamtlich tätig? Wie steht ihr zu solchen Tätigkeiten aus eurer buddhistischen Sicht?
»Damit wir den reinen Dharma üben können, müssen wir die Anhaftung an die acht weltlichen Dharmas - die acht weltlichen Hoffnungen und Ängste - aufgeben. Diese sind: Glücklich sein, wenn man weltliche Belohnung erfährt, und unglücklich sein, wenn man solche Belohnung nicht erfährt; glücklich sein, wenn man gelobt wird, und unglücklich sein, wenn man kritisiert wird; glücklich sein, wenn man sich geistig und körperlich wohlfühlt, und unglücklich sein, wenn man geistig und körperlich leidet; glücklich sein, wenn man angenehme Dinge hört, sowie unglücklich und aufgeregt sein, wenn man unangenehme Dinge hört. «
Sarva mangalam
Mit ganz freundlichen und herzlichen Grüßen
Dorje Sema -
- Offizieller Beitrag
Der grosse Wortführer des Ehrenamt war ja Albert Schweitzer. Er sah Ethik als "die ins Grenzenlose erweiterte Verantwortung gegen alles, was lebt". Normalerweise werden wir dieser Verantwortung nicht gerecht, da 99,9% unseres Handelns nur unseren eigenen Bedürfnissen geschuldet ist.Deswegen sollen wir nach Schweitzer ein Handeln kultivieren, in dem wir unserer Verantwortung für andere Meschen, Gesellschaft, Tiere, Natur gerecht werden. Da das für die meisten Menschen nicht in ihrem Erwerbsberuf möglich ist, sieht er als Gelegenheit dafür das Ehrenamt.
Das bedeutet ihn neben der den eignen Bedürfnissen untergordeten Tätigkeit einen Tätigkeit für andere aufzunehmen. Also z.B Flücktlingsfamilien Nachhilfe kostenlos geben, Müll aus der Natur entfernen, für Amesty Briefe schreiben. Dabei ist der Begriff "Ehrenamt" irreführend, da ja eine Motivation des Ehrstrebens und des Statuserlangens, jede Tätigkeit wieder in den Begreich des Ichhaftens zieht, so hehr sie sich gibt.
Um Ehre und Amt geht es nicht im geringsten sodnern um den Dienst am anderen.
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void:
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Um Ehre und Amt geht es nicht im geringsten sondern um den Dienst am anderen.
Besonders, weil man sowieso nicht dafür "geehrt" wird in unserer Gesellschaft. Man macht es einfach, weil es jemand machen muss - und dann kann man sich freuen, dass es jemand gemacht hat.
Die Fähigkeit, einem das zu danken, haben nach meiner Erfahrung nur ganz wenige, liebevolle, herzensentwickelte Menschen. Davon laufen nicht so viele herum.
Ehrenamtliche Tätigkeit ist also nichts für Wichtigtuer und Dankbarkeitserwarter. So gesehen - voll buddhistisch. -
MENNO
Wenn es ehrenamtlich ist und es den Mitmenschen hilft, warum dann nicht es einfach machen, anstatt noch eine Rechtfertigung oder eine passende Sichtweise irgendeiner Religion dahinterzuklemmen ?
Irgendwo findet sich bestimmt was beim Buddhismus, der Ehrenämter "rechtfertigt", aber in anderen Religionen ebenso.
Mach es doch einfach aus purer Nächsenliebe .. Punkt, Komma, Strich
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Ich hab letztens eine Radioreportage über die ehrenamtlichen freiwilligen Feuerwehren gehört.
Es wurde vorgerechnet, dass zweistellige Milliardenbeträge an Gehältern gespart werden. Leider habe ich die Bezugsgrößen nicht bekommen (Milliarden in welcher Zeit für welches (Bundes)Land?). Aber egal: es wäre jedenfalls definitiv für die kleinen Gemeinden unbezahlbar - und wenn's brennen würde, müssten die Leute selber Wassereimer schleppen.Als Problem bezeichneten die ehrenamtlichen Feuerwehrleute das Anspruchsdenken der Bevölkerung - "Das kann doch schließlich die Feuerwehr machen! Wozu haben wir die sonst?"
Es sei vielen Leuten nicht im Geringsten bewusst, dass die Feuerwehrleute freiwillig und unentgeldlich arbeiten, dass sie noch einen anderen Beruf haben, für den es auch gut wäre, ausgeschlafen zu sein.
Manchmal käme der Gedanke auf "Wozu mache ich das eigentlich alles?". Aber dann stünde natürlich immer wieder der Trost an erster Stelle, dass diese Arbeit schließlich jemand machen müsse, und dann sei es o.k. und gut, wenn man selbst es mache.Das meinte ich, was ich typisch finde und was vielfach erlebbar ist: Rückst Du freiwillig, unentgeldlich, ehrenamtlich, von deiner Frei- oder Arbeitszeit abgespart, aus, um anderen uneigennützig zu helfen, dann kriegst du oft noch eins aufs Dach. *Kopfschüttel* So sind wir kritischen Deutschen.
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Losang Lamo:
Das meinte ich, was ich typisch finde und was vielfach erlebbar ist: Rückst Du freiwillig, unentgeldlich, ehrenamtlich, von deiner Frei- oder Arbeitszeit abgespart, aus, um anderen uneigennützig zu helfen, dann kriegst du oft noch eins aufs Dach. *Kopfschüttel* So sind wir kritischen Deutschen.
Vielleicht ist das eher ein Merkmal einer Leistungsgesellschaft als das der kritischen Deutschen.Die Erfahrung teile ich aber. Mein Vater ist seit etwa 35 Jahren im Stadtrat aktiv, war auch Vorsitzender eines Sportvereines. Auf große Dankbarkeit braucht man da nicht zu hoffen.
Ich sehe das eher als Selbsttherapie: Wer Gutes tut, dem geht es gut
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Losang Lamo:void:
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Um Ehre und Amt geht es nicht im geringsten sondern um den Dienst am anderen.
Besonders, weil man sowieso nicht dafür "geehrt" wird in unserer Gesellschaft. Man macht es einfach, weil es jemand machen muss - und dann kann man sich freuen, dass es jemand gemacht hat.
Die Fähigkeit, einem das zu danken, haben nach meiner Erfahrung nur ganz wenige, liebevolle, herzensentwickelte Menschen. Davon laufen nicht so viele herum.
Ehrenamtliche Tätigkeit ist also nichts für Wichtigtuer und Dankbarkeitserwarter. So gesehen - voll buddhistisch.Hallo alle zusammen,
aus gegebenen Anlaß greife ich dieses Thema einmal wieder auf: in unserer kleinen Gemeinde bin ich punktuell immer mal wieder kommunalpolitisch "in Erscheinung getreten". Bislang habe ich mich allerdings noch nicht kontinuierlich (partei)politisch gebunden - ich kann mich nach Bedarf also immer wieder zurückziehen. Dieses Zurückziehen fand ich bisher auch für mich immer sehr wichtig, da ich gerade in Zeiten großen Engagements merkte, dass ich Abstand brauche, da ich ansonsten von den verschiedenen Eindrücken, Meinungen etc. gleichsam "mitgerissen" werde und mich von einer gelassenen Grundhaltung noch weiter entferne. Nun bin ich von sehr engagierten Menschen hier im Ort angesprochen worden, welche meinten, dass ich aufgrund bestimmter (beruflich erlangter) Kenntnisse gerade für die Menschen hier vor Ort viel tun könne und dass es sehr schade sei, wenn ich mich immer nur kurz an gerade aktuellen Diskussionen beteilige. Nun bin ich dabei, alles neu zu überdenken: Kommunalpolitisch tätig würde ich aus der Motivation werden, etwas für die Menschen in meinem Umfeld zu tun - und damit nicht aus Gründen, mich selbst als "wichtig" oder "Dankbarkeit erwartend" zu sehen. Insoweit sehe ich hier auch keinen Widerspruch zwischen "Ehrenamt" und "Buddhismus". Allerdings sehe ich für mich die Gefahr, nicht den nötigen inneren Abstand zu einer derartigen Tätigkeit zu haben (es gibt in diesem Bereich doch immer sehr viele -nicht sachorierentierte- zwischenmenschliche "Scharmützel"). Gibt es in diesem Forum vielleicht jemanden, der politisch aktiv ist und diese Tätigkeit mit seinem buddhistischen Weg (gerade was die Frage der "Gelassenheit" angeht) in Übereinstimmung bringen kann? Oder hat jemand entsprechend negative Erfahrungen gemacht? Über Antworten freue ich mich! Liebe Grüße peema
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Hi peema,
ich habe auch schon des öfteren überlegt, ob ich in meiner alten Firma ehrenamtlich als Verwaltungsratsmitglied tätig werden sollte, da ich mich gut aufgrund von Erfahrung und Einblick dazu eigne, und auch Durchsetzungskraft besitze. Was mich immer wieder hindert ist die Befürchtung, dass mich dieses Engagement irgendwann verschlingt.Soeben fiel mir ein: "Wer sich in Gefahr begibt, kommt darin um".
Für mich wäre es eine Gefahr, für andere vielleicht nicht. Aber man sieht es ja auch ganz gut an gutmeinenden jungen Politikern, wie schnell sie "ihre Seele verkaufen" müssen, um am Ball zu bleiben. Es geht um Macht, um Dünkel, um Rechthabenwollenmüssen ...Ich habe mich dagegen entschieden. Eine Art innere Klosterhaltung
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Monika
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Danke Monika für Deine Antwort. Interessanterweise habe ich im Strang: Der große „4 unermeßlichen ???“ Beschreibungswettkrampf folgenden Beitrag von Onda (17.06.2011) gefunden: " Ānanda, ein Bhikkhu zeichnet sich nicht aus, indem er Geselligkeit liebt, indem er sich mit Geselligkeit vergnügt, indem er sich der Vorliebe für Geselligkeit hingibt, indem er Gesellschaft liebt, indem er sich mit Gesellschaft vergnügt, indem er sich über Gesellschaft freut. In der Tat, Ānanda, es ist nicht möglich, daß ein Bhikkhu, der Geselligkeit liebt, der sich mit Geselligkeit vergnügt, der sich der Vorliebe für Geselligkeit hingibt, der Gesellschaft liebt, der sich mit Gesellschaft vergnügt, der sich über Gesellschaft freut, jemals nach Belieben, ohne Problem oder Schwierigkeit, die Glückseligkeit der Entsagung, die Glückseligkeit der Abgeschiedenheit, die Glückseligkeit des Friedens, die Glückseligkeit der Erleuchtung erlangen wird. Es kann aber erwartet werden, daß ein Bhikkhu, wenn er allein, von der Gesellschaft zurückgezogen lebt, nach Belieben, ohne Problem oder Schwierigkeit, die Glückseligkeit der Entsagung, die Glückseligkeit der Abgeschiedenheit, die Glückseligkeit des Friedens, die Glückseligkeit der Erleuchtung erlangen wird [1]."
Die Beschäftigung mit Politik führt immer dazu, dass man in häufiger Gesellschaft mit sehr vielen Menschen ist und sich darin -auch wenn es so anfangs nicht beabsichtigt war- darin "verzetteln" kann. Es gehört schon sehr viel innere Gelassenheit dazu, aktiv in diesem Bereich mitzuwirken, ohne sich innerlich in irgendeiner Form zu binden. Ich werde hier die nächsten Tage noch sehr viel überlegen/meditieren.....
Einen schönen Sonntag wünscht peema
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Guten Morgen peema,
schön, dass Du Ondas Zitat hier nochmal mit einbringst.
Ich wünsche Dir viel Weisheit und auch die Kraft, diese umzusetzen.Monika
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peema:
Die Beschäftigung mit Politik führt immer dazu, dass man in häufiger Gesellschaft mit sehr vielen Menschen ist und sich darin -auch wenn es so anfangs nicht beabsichtigt war- darin "verzetteln" kann.Was ist gegen die Gesellschaft anderer Menschen einzuwenden? Auch eine Sangha ist eine Gesellschaft von Menschen und es ist nichts Falsches daran sich ihrer zu erfreuen. Das Porblem ist doch die Motivation der besagten Menschen. Besteht die Motivation der Menschen darin andere zu manipulieren und ihnen Ansichten aufzudrücken beginnen die Probleme. Erst dann wird verbogen und man verbiegt sich selbst - dann fühlt man sich als etwas "Besseres" oder "Besonderes". Natürlich kann das auch in einer Sangha passieren ... , was man dann spirituelle Arroganz nennt.
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Bishafu_2:peema:
Die Beschäftigung mit Politik führt immer dazu, dass man in häufiger Gesellschaft mit sehr vielen Menschen ist und sich darin -auch wenn es so anfangs nicht beabsichtigt war- darin "verzetteln" kann.
Was ist gegen die Gesellschaft anderer Menschen einzuwenden? Auch eine Sangha ist eine Gesellschaft von Menschen und es ist nichts Falsches daran sich ihrer zu erfreuen. Das Porblem ist doch die Motivation der besagten Menschen. Besteht die Motivation der Menschen darin andere zu manipulieren und ihnen Ansichten aufzudrücken beginnen die Probleme. Erst dann wird verbogen und man verbiegt sich selbst - dann fühlt man sich als etwas "Besseres" oder "Besonderes". Natürlich kann das auch in einer Sangha passieren ... , was man dann spirituelle Arroganz nennt.
Ja in einer Gemeinsamkeit mit anderen leben hat seine Vor und Nachteile.
Deswegen es ja auch heißt:
Und findet man auch seiner Wanderschaft den
Besseren den Gleichen nicht, so wandere Einsam,
mit Toren schließt man keinen Bund.Da ist der Sangha noch ein günstigster Fall. Aber führt natürlich
aus der Abhängigkeit und der Gemeinsamkeit hinaus. So heißt es
auch im SUTTA-NIPÂTA:35
Abstehend von Gewalt bei allen Lebewesen,
Nicht eins von ihnen irgendwie verletzend,
Nicht Sohn sich wünschend, noch Gefährten,
Allein mag wandern man, dem Nashorn gleich.36
Dem, der sich zugesellt, Anhänglichkeit erwächst ihm.
Anhänglichkeit hat im Gefolge dies Leiden.
Anhänglichkeits-entstammtes Leiden sehend,
Allein mag wandern man, dem Nashorn gleich.
37
Für Freunde und Vertraute Mitleid fühlend,
Sein Heil verliert man, wenn das Herz gefesselt
Solch Fährnis in vertrautem Umgang sehend,
Allein mag wandern man, dem Nashorn gleich. -
Danke accinca!
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Ja, accina - mag ja sein. Dennoch ist da noch die Gefahr, dass man als einsames Nashorn im eigenen Saft schmort und keine Schritt weiterkommt ... und vielmehr als neurotischer Spinner mit einem Sprung in der Schüssel endet. Eine innere Unabhängigkeit ist nicht schlecht, aber der Kontakt mit Menschen ist durchaus hilfreich - dann und wann.
Wie immer in der Mitte liegt die Wahrheit, wenn es denn eine gibt.
Gruß
Bishafu -
Bishafu_2:
Ja, accina - mag ja sein. Dennoch ist da noch die Gefahr, dass man als einsames Nashorn im eigenen Saft schmort und keine Schritt weiterkommt ... und vielmehr als neurotischer Spinner mit einem Sprung in der Schüssel endet. Eine innere Unabhängigkeit ist nicht schlecht, aber der Kontakt mit Menschen ist durchaus hilfreich - dann und wann. Wie immer in der Mitte liegt die Wahrheit, wenn es denn eine gibt.
Aber genau deswegen hatte ich je doch geschrieben:ZitatJa in einer Gemeinsamkeit mit anderen leben hat seine Vor und Nachteile.
Deswegen es ja auch heißt:
Und findet man auch seiner Wanderschaft den
Besseren den Gleichen nicht, so wandere Einsam,
mit Toren schließt man keinen Bund. usw.