Es gibt keinen Ort, auch kein Paradies, ohne Leid, und keine Hölle, in der nur Leid erscheint. Das sind unerreichbare Gegensätze, endgültige Dualitäten, Endpunkte der Strecke von Geburt bis Sterben: kommen aus dem Paradies/der Hölle, gehen in das Paradies/die Hölle. Zwei Nicht‑Räume: in einem keinerlei Leid, im anderen nur Leid. Mein Leben, zwischen Geburt und Sterben, ist immer eine Mischung. Mein Totsein beendet mein Erscheinen vollkommen und beendet sofort Paradies und Hölle.
Es gibt nur das Ende des Entstehens von Leid. Das Ende der Leidentstehung ist erreicht, wenn mein Körper zerfällt und seine Wärme vergeht. Dann werde ich „Toter“ genannt; mein vergangener Name erscheint nur noch auf einem Stein, und dort vergeht auch er. Meine Vorstellung, nur ein Grabstein ohne Namen zu sein, schützt mich vor den Narrativen von Paradies oder Hölle. Mein Leben ist nur jetzt. Ja, mit Leiden, doch ohne dukkha.
Ich werde den Zustand der Nicht-mehr-Leidentstehung niemals als Wesen erleben, da dann alle meine Sinne vergangen sind. Es gibt kein Ich, das erleichtert aufatmet und sagt: „Endlich ist kein Leid mehr da.“
Jesus und alle Propheten möchten die Angst vor dem Sterben nehmen, damit Menschen ihr Leben freudig leben, auch sie selbst. Sie arbeiten mit Narrativen. Denn sie wissen vom Ende, dem Zerfallen des Körpers, und fürchten sich vor der Realität dieses Endes, denn Sterben ist unausweichlich.
Buddha macht das nicht. Er arbeitet nur mit Narrativen, wenn er schützen möchte. Vor den Mönchen und Nonnen spricht er von reinen Funktionen und Vorgängen, damit sie üben, jetzt zu leben im Nibbana: dem Ende des Glaubens an Zuschreibungen, Meinungen, Vorstellungen.