Das Original:
Meine Fassung:
Er behauptet, nur seine Lehre sei gültig, und erklärt andere Lehren für unbrauchbar.
Er beschreibt die Vorzüge seiner eigenen Sichtweise und hält an seiner Interpretation fest.
Er sucht Diskussionen und geht in Gruppen, in denen sich die Beteiligten gegenseitig für unvernünftig halten.
Er stützt seine Aussagen auf fremde Quellen und erwartet Anerkennung für seine Darstellung.
Er richtet sein Verhalten stark auf Debatten aus und ist abhängig von Zustimmung.
Wird ihm widersprochen, reagiert er mit Scham; wird er kritisiert, reagiert er mit Ärger und sucht Fehler bei anderen. Wenn seine Position als unzutreffend erkannt wird und andere sie widerlegen, reagiert er mit Klage und bezeichnet sich als besiegt. In solchen Auseinandersetzungen fühlen sich manche überlegen und andere unterlegen. Wer das erkennt, vermeidet das Aufstellen von Behauptungen, da es dabei vor allem um Anerkennung oder Vorteile geht. Wird seine Darstellung jedoch gelobt, zeigt er Selbstzufriedenheit und betont seinen Erfolg. Sein Stolz führt zu Fehlverhalten, und seine Aussagen entstehen aus Selbstüberschätzung.
Wer das erkennt, beteiligt sich nicht an Streit, da dies nicht zu Klarheit führt. Wie jemand, der nach einem Fest einen Gegner sucht, sucht er eine Person, die er widerlegen kann, obwohl niemand vorhanden ist, der sich dafür eignet.
Wenn jemand seine Meinung absolut setzt und andere Positionen verwirft, kann man ihm sagen, dass er hier keinen tatsächlichen Gegner hat und nur den Streit selbst erzeugt.
Es gibt Menschen, die sich von Gruppen fernhalten und keine Meinung gegen eine andere stellen; sie würden nicht mit ihm streiten, da sie sich nur auf das Wesentliche ausrichten. Er entwickelt eigene Gedankenkonstruktionen, doch wenn er jemanden herausfordert, der frei von solchen Mustern ist, wird er keine Antwort mehr geben können.
Meine Analyse:
Die eigenen sankhāra zu erkennen, ist schwer. Einfacher ist es, die fremden sankhāra zu verwenden, ohne damit die eigenen zu reinigen.
Die sankhāra-Wirkungsbereiche, Anhäufungen,
die entstehen, wenn Meinung als Identität (Meine, bin Ich , so bin ich) verwendet wird:
Behauptungs‑saṅkhāra — erzeugt Sicherheit durch Festhalten
Vergleichs‑saṅkhāra — erzeugt Überlegen/Unterlegen
Anerkennungs‑saṅkhāra — sucht Zustimmung
Abwehr‑saṅkhāra — reagiert mit Ärger, Scham, Rechtfertigung
Klage‑saṅkhāra — erklärt sich selbst zum Opfer
Stolz‑saṅkhāra — erzeugt Selbstzufriedenheit und Fehlverhalten
Das Entscheidende:
All diese Muster entstehen aus dem Versuch, ein „Ich“, „ein Selbst“ zu stabilisieren, das aus Meinung gebaut ist.
Das ist eine präzise Beschreibung von:
attavāda (Selbst‑Behauptung)
diṭṭhi‑upādāna (Festhalten an Ansicht)
māna (Vergleich: höher, gleich, niedriger)
saṅkhāra‑Dynamik (Reaktionsprogramme)
Es sind Funktionsfehler, keine moralischen Fehler.
Moralische Fehler (dukkha) erscheinen erst bei Anwendung auf andere Menschen.