Kennt jemand Texte in welchen Hishiryo und Mushin zusammen behandelt, oder Mushin und Hishiryo differenziert werden?
Mushin und Hishiryo
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Ich behaupte mal vorsichtig, dass die beiden Begriffe in verschiedenen Kontexten auftauchen. Hishiryo geht meines Wissens vor allem auf Dogen (Soto-Zen) zurück und Mushin wird eher im Zusammenhang mit Kampfkünsten verwendet.
Ich könnte mir vorstellen, dass es um das selbe geht: Nicht-Denken, Nicht-Geist - also einen Geisteszustand der unbefleckt von Anhaftungen ist.
Frei von Denken aber nicht ohne Denken
Texte in denen beides behandelt wird, kenne ich leider nicht.
Schriftzeichen:
- 非思量 - Hi | Shi | Ryo ---> "Nicht" | "Denken Sie Nach" | "Menge"
- 無心 - Mu | Shin ---> "Nichts" | "Herz"
Das ist jetzt eine (mögliche) Übersetzung der einzelnen Schriftzeichen. Aus dieser Übersetzung würde es bei "Hishiryo" darum gehen "nicht zuviel nachzudenken" und bei "Mushin" "sich etwas nicht zu sehr zu Herzen zu nehmen"
Wie gesagt, alles freie Übersetzungen von mir
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Ich behaupte mal vorsichtig, dass die beiden Begriffe in verschiedenen Kontexten auftauchen. Hishiryo geht meines Wissens vor allem auf Dogen (Soto-Zen) zurück und Mushin wird eher im Zusammenhang mit Kampfkünsten verwendet.
Ich könnte mir vorstellen, dass es um das selbe geht: Nicht-Denken, Nicht-Geist - also einen Geisteszustand der unbefleckt von Anhaftungen ist.
Frei von Denken aber nicht ohne Denken
Texte in denen beides behandelt wird, kenne ich leider nicht.
Schriftzeichen:
- 非思量 - Hi | Shi | Ryo ---> "Nicht" | "Denken Sie Nach" | "Menge"
- 無心 - Mu | Shin ---> "Nichts" | "Herz"
Das ist jetzt eine (mögliche) Übersetzung der einzelnen Schriftzeichen. Aus dieser Übersetzung würde es bei "Hishiryo" darum gehen "nicht zuviel nachzudenken" und bei "Mushin" "sich etwas nicht zu sehr zu Herzen zu nehmen"
Wie gesagt, alles freie Übersetzungen von mir
Hishiryo: Nicht Nach-denken! Gedanken wie Wolken ziehen lassen die ergreifst Du auch nur wenn Du anfängst sie mit Nachdenken zu deuten.
Mushin: Nichts dahinter, nur Herzgeist.
Nur Herzgeist heißt ja nicht Nach-denken. Hishiryo, Muschin: Nicht Nachdenken, nur Herzgeist nichts dahinter.
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Ich habe noch etwas gefunden, ob das hilfreich ist, weiß ich nicht.
Es stammt von einer französischen Zen-Website (Zen - Pratique de zazen et du bouddhisme zen avec Maître Kosen).
Dort können offenbar Fragen gestellt werden, die von Stéphane Kosen Thibaut (Kosen Thibaut - Wikipedia, la enciclopedia libre), einem Schüler von Mokudō Taisen Deshimaru beantwortet werden.
Die Frage in dem Forum lautete:
What is the differens between mushin and hishiryo?
Die Antwort war:
Mushin means unconsciously, hishiryo is the absolute consciousness.
During zazen, sometimes we think, sometimes we do not think, but the way of thinking and not thinking is different from ordinary thinking and not thinking. They are called Mushin or Hishiryo in Japanese, so that it is easier not to understand.
(Der direkte Link zu der Frage-Antwort-Session mit dieser Frage ist: Mondo avec le maître zen Kosen: What is the differens between mushin and hishiryo? - Tout savoir sur le bouddhisme zen et Zazen »)
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Den Bezug zu Hishiryo findest Du im Shobogenzo, etwa im Kapitel ZazenGi.
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Die historische Entwicklung der für Chan (trotz aller nonverbaler Ansätze immer noch unverzichtbaren) spezifischen Begrifflichkeit gerade hinsichtlich dieses so zentralen Themas erläutert recht lesbar Suzuki Daisetzu Teitaro in seinem dritten Band der 'Essays in Zen-Buddhism' (1. Kapitel 'From Zen to the Gaṇḍavyūha') - da wird man allerdings eine Fernleihe-Bibliothek oder ein Antiquariat in Anspruch nehmen müssen. Suzuki setzt da bei Bodhidharmas 'wuxin' an, beleuchtet Huinengs (und Shenhuis) 'wunian', geht dann auf Baizhang Huaihai ein, vergisst auch Zhaozhou nicht und landet dann bei Linji. Mit Chaodong/Sōtō hatte Suzuki allerdings nicht viel am Hut. Wobei Dongshans (an Shitou anknüpfendes) wuwei ein bemerkenswerter Ansatz dieser Schule ist, über eine dialektische Annäherung zu einer nichtdualistischen Deutung des Weges zu gelangen, in der natürlich auch jeder Gegensatz wuxin / xin (oder welchem Begriff man da nun gerade den Vorzug gibt) aufgehoben ist. Das kam erst (als Abschluss des Koan-Curriculums) durch Hakuin wieder in die Rinzai-Linie.
Zu Dōgen findet man also - wenig überraschend - bei Suzuki nichts. Dōgen rekurriert mit seinem hishiryō mE gezielt auf Sengcans feisiliang (identisch geschrieben, nur im Chinesischen und Japanischen jeweils unterschiedlich ausgesprochen). Und ich denke, dass das nicht nur als Argument der Anciennität seiner Auffassung (Sengcan galt ja als 3. chinesischer Patriarch des Zen) propagandistischen Zwecken dienen sollte. Wobei ein Rückgriff auf die Tradition noch vor Huineng mE durchaus als eine Kritik an der japanischen Rinzai-Rezeption aufgefasst werden kann - dass es da auf beiden Seiten nicht viel wechselseitige Liebe gab, ist ja bekannt.
Ansonsten kann man bei Dōgen dann noch etwas tiefer einsteigen, indem man sich die 'zanmai'-Kapitel des Shōbōgenzō etwas näher anschaut, insbesondere natürlich das Shōbōgenzō Jjijuyu Zanmai. Ein kleine Einführung dazu hier. Wobei es für Jemanden, der in die Dōgen - Exegese
erst einsteigt, sicher sinnvoll ist, mit dem Shōbōgenzō Zazen Gi (oder einer der beiden anderen Versionen) einzusteigen - was nicht zuletzt praktische Umsetzung des Textes bedeutet. Dann als nächsten Schritt vielleicht Shōbōgenzō Zazen Shin und Mazus 'einen Buddha machen' klären. Und dann ist man vielleicht auch schon satt ...
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SPK : Herzlichen Dank für den Hinweis!
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auch von mir ein herzliches Danke.
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Vielen Dank für die weiteren Antworten, da habe ich jetzt definitiv etwas zum durcharbeiten
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da habe ich jetzt definitiv etwas zum durcharbeiten
Wenn das "durcharbeiten" eine persönliche, empirische Überprüfung dieser Beschreibungsansätze bedeutet, ist da mE auch nichts dagegen einzuwenden. Das kann vielmehr durchaus inspirierend sein und den Verstehenshorizont weiten.
Die Gefahr einer solchen Herangehensweise liegt darin, unter dem Studium des Verstehens der Methode das Studium der Anwendung zu vernachlässigen. Und noch mehr darin, die empirische Überprüfung der Beschreibung durch Erwartungshaltungen zu verfälschen. Es nimmt der Übung ein Stück weit die Offenheit. Ob also solches 'durcharbeiten' eher nützt oder schadet, hängt sehr von individuellen Umständen ab. Und dazu gehört, ob man solche Stolperstellen des Weges als solche erkennt oder nicht.
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Mein Fokus liegt auf dem Sitzen. Die Texte nehme ich dabei nur als Unterstützung. Mit dem Sitzen kommt zumeist auch das Gefühl für die Texte. Allerdings kommen manchmal eben Hürden einfach dadurch, dass die Texte natürlich auch aus einer andere Zeit und aus einer anderen Sprache kommen, da ist es gut Quellen zu haben die auf diese Begrifflichkeiten eingehen. Durch meinen Fokus fehlt mir da allerdings bisher etwas die Übersicht, wo ich zu welchen Begrifflichkeiten am besten nachlesen kann (das Soto-Shu Glossar hat leider keinen Eintrag zu Mushin - oder ich habe ihn nicht gefunden)
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Es gibt ne Doktorarbeit "SATORI UND ALETHEIA EIN INTERKULTURELLER VERGLEICH DES WAHRHEITSVERSTÄNDNISSES IM JAPANISCHEN ZEN-BUDDHISMUS MIT DEM ANTIPLATONISCHEN PHILOSOPHIEREN MARTIN HEIDEGGERS UND HENRI BERGSONS" von Florian Seidl (also kein zenbuch im engeren Sinn), indem es ein Kapitel zu Munen und Mushin gibt. Auch gibt es ein Buch von DT Suzuki "Mushin – Die Zen-Lehre vom Nicht-Bewusstsein". In der Doktorarbeit wird an anderer Stelle Suzuki zitiert:
[lz]Mushin sei, so Suzuki, ursprünglich von Muga (Chin. wu-wo, Skt. anâtman), also „Nicht-Ich“ abgeleitet, einem der zentralen Begriffe aller buddhistischen Schulen, der bereits in den ältesten Texten des Buddhismus erscheint und von Buddha Shakyamuni selbst stammen dürfte.[/lz]
Mich erinnert es aber auch an das Fasten des Herz-Geistes bei Zhuangzi.
Ansonsten erwähnt Deshimaru beides kurz in seinem "Zazen - die Praxis des Zen" :[lz]Beim Zazen tauchen Gedanken auf. Durch lange Übung erreicht man allmählich — unbewußt, automatisch, natürlich und spontan — den reinen Geist, man ist ohne Denken (mushin), jenseits des Denkens (hishiryo). Das Ich ist aufgegeben, man lebt in absoluter Harmonie mit dem Universum.[/lz]
Japanese Zen Buddhist Philosophy (Stanford Encyclopedia of Philosophy) führt zu mushin aus:
[lz]It often uses the phrase “no-mind” (mushin) to generally designate the above experiential dimension. However, Zen does not mean it to be a mindless state, much less losing the mind. Nor does it mean a disappearance of the mind. Rather it designates a dimension of experience in which the ego-logically discriminatory activity of the mind disappears. This may be illustrated in terms of seeing things that occurs in a deep state of meditative absorption, where “seeing” means becoming visible as mentioned above./[/lz]
Vielleicht auch interessant. Mushin | Zen Buddhism und Hishiryo | Zen Buddhism -
Auch Interessant (Aber auch kein Zen-Buch) ist Nothing Transcended An examination of the metaphysical implications of interdependence. Dort gibt es ein Kapitel namens No-mind , in dem Justin Shimeld u.a. ausführt, daß Mushin die Verschmelzung von Anatman und Wu Wei sei. Insgesamt ist das Kapitel recht interessant, es weisst von Huineng bis zu der Kyoto Schule einerseits, aber auch bis zu Shinran und Honen und Taoismus andererseits.