Was ist eigentlich mit Geisteskontinuum gemeint?
Geisteskontinuum im parinibbana
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CLK93
25. Juni 2019 um 18:18 Hat den Titel des Themas von „Geisteskontinuum“ zu „Geisteskontinuum im parinibbana“ geändert. -
- Offizieller Beitrag
Hallo CLK93
Jeder Augenblick bildet die ursächliche Grundlage des nächsten Augenblicks. Das betrifft die gesamte Wahrnehmung. Das Aufeinanderfolgen dieser kürzesten Einheiten geistigen Erlebens findet kontinuierlich statt.
Mehr dazu hier.
Liebe Grüße
T
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Ist es richrig, dass das kontinuum niemals endet, da es kein Anfang und kein Ende hat?
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Was ist eigentlich mit Geisteskontinuum gemeint?
Das ist ein philosophischer Versuch, das anfanglose Dasein von dem in der Buddha spricht, auf eine Weise "begreiflich" zu machen, der unter anderem darauf hinausläuft dass eine solche Vorstellung "Geistkontinuum ist mein Selbst" gebildet wird.
Jeder Augenblick bildet die ursächliche Grundlage des nächsten Augenblicks.
Wirklich?
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Das Geistkontinuum ist dein Erleben. Es ist etwas abstraktes. Jeder Augenblick deines Erlebens ist das Kontinuum. Und jeder Augenblick setzt sich aus den 5 Skandhas zusammen.
Man sagt, es ist Anfangs- und Endlos.
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SPK
25. Juni 2019 um 19:33 Hat das Thema aus dem Forum Theravada-Buddhismus nach Tibetischer Buddhismus verschoben. -
Du hast deine Frage im Theravadabereich gestellt, bist du dir sicher, dass sie nicht besser in den Bereich des tibetischen Buddhismus geschoben werden soll? Ich denke, dass es dort besser passt und schiebe den Thread dann einfach rüber.
Gibt es im Theravada das Geisteskontinuum etwa nicht? Ich hatte es nämlich bewusst hier erstellt.
Was ist eigentlich mit Geisteskontinuum gemeint?
Das ist ein philosophischer Versuch, das anfanglose Dasein von dem in der Buddha spricht, auf eine Weise "begreiflich" zu machen, der unter anderem darauf hinausläuft dass eine solche Vorstellung "Geistkontinuum ist mein Selbst" gebildet wird.
Anfangs-UND endlos?
Das Geistkontinuum ist dein Erleben. Es ist etwas abstraktes. Jeder Augenblick deines Erlebens ist das Kontinuum. Und jeder Augenblick setzt sich aus den 5 Skandhas zusammen.
Man sagt, es ist Anfangs- und Endlos.
Bezieht sich das auf das theravada?
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@kilaya kannst du bitte zurückschieben. Danke im Voraus.
Ich dachte du magst nur den Begriff erklärt haben, egal welche Richtung.
Den Begriff gibt es schon im Theravada, dh. in der Kommentarliteratur (sh. Bhavanga - Wikipedia), aber das könnte evtl. etwas kontrovers werden. Ich sag's nur vorher.
Dann hätte ich das in den allgemeinen Bereich getan 😉
Kontrovers weil?
Ja mich interessiert die Sicht der theravadins 😊
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Was ist eigentlich mit Geisteskontinuum gemeint?
Das ist ein philosophischer Versuch, das anfanglose Dasein von dem in der Buddha spricht, auf eine Weise "begreiflich" zu machen, der unter anderem darauf hinausläuft dass eine solche Vorstellung "Geistkontinuum ist mein Selbst" gebildet wird.
Anfangs-UND endlos?
"Anfanglos", "seit anfanglosen Zeiten", so und synonym sind die Sprechweisen. Dasein ist so gesehen endlos, in Gänze überschaubar unmöglich, wenn der "Beginn die Anfanglosigkeit ist" (so habe formuliert habe ich es glaub ich auch gelesen).
Über Zukünftiges wird ja auch gesagt, dass NichtWissen überwindbar ist und damit neuerliches Werden, also Dasein.
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Ist es richrig, dass das kontinuum niemals endet, da es kein Anfang und kein Ende hat?
Genau, zumindest bis zum Buddha war es endlos und das war das Problem.
Keine Chance dem Leiden ein Ende zu machen.
Deswegen hatten die Menschen das Problem damals auch so ausgedrückt:
'Versunken bin ich in Geburt, in Altern und Sterben, in Wehe, Jammer und Leiden,
in Gram und Verzweiflung, in Leiden versunken, in Leiden verloren! O daß es doch
etwa möglich wäre dieser ganzen Leidensfülle ein Ende zu machen!'
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Würdest du mir zustimmen, wenn ich sagen würde, dass das eher ein Konzept bzw eher Spekulation ist, was man weder verifizieren noch falsifizieren kann?
So wie Buddha z. B. Fragen bzgl. dem Nibbana nach dem Tod offen gelassen hat, damit man sich keine Vorstellungen darüber macht, ob letztendlich noch etwas da ist oder nicht.
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- Offizieller Beitrag
Es ist ebenso spekulativ, wie die Frage, ob Materie ewig dauert und seit anfangsloser Zeit da ist. Für den achtfachen Pfad spielt das keine große Rolle.
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Nein. Der Buddha hat nichts offen gelassen in der geschlossenen Faust.
"Aufgewiesen hab' ich, Ānando, den Dhamma, und habe kein Innen und
kein Außen gemacht: nicht gibt es, Ānando, beim Vollendeten ein Aufsparen in der hohlen Faust."
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Nein. Der Buddha hat nichts offen gelassen in der geschlossenen Faust.
"Aufgewiesen hab' ich, Ānando, den Dhamma, und habe kein Innen und
kein Außen gemacht: nicht gibt es, Ānando, beim Vollendeten ein Aufsparen in der hohlen Faust."
accinca Magst du mal für Laien wie mich erklären, was du damit meinst? Ich komm manchmal nicht ganz klar mit dem metaphorischen Aussagen hier.
Kann es sein, dass du sagen willst, dass der Buddha eine eindeutige Antwort bzw Meinung zum Geist bzw. Geisteskontinuum hatte?
Das würde dem widersprechen was @SGM sagt in:
Überblick Nirvana im Theravada
"... Und zum Thema ‚höherer Geistigkeit’ rät mir-/ uns der Buddha zur Vorsicht und Zurückhaltung weil keine Meinung, keine Ansicht, egal von Wem nachgeprüft werden kann♥️🙏..."
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Zu einem zukünftigen ewigen Dasein, oder einer gedachten zukünftigen Daseinskette oder einem "zweistrahligen unendlichen Kontinuum".
[lz]32. "Haushälter, es gibt einige Mönche und Brahmanen, deren Lehrmeinung und Ansicht dieses besagt: 'Es gibt mit Sicherheit kein Aufhören allen Werdens.'"
33. "Nun gibt es einige Mönche und Brahmanen, deren Lehrmeinung der Lehrmeinung jener Mönche und Brahmanen genau widerspricht, und sie sagen: 'Es gibt mit Sicherheit ein Aufhören allen Werdens.' Was meint ihr, Haushälter? Vertreten diese Mönche und Brahmanen nicht Lehrmeinungen, die einander genau widersprechen?" - "Ja, ehrwürdiger Herr."
34. "Darüber erwägt ein Weiser so: 'Diese guten Mönche und Brahmanen vertreten die Lehrmeinung und Ansicht >es gibt mit Sicherheit kein Aufhören allen Werdens<, aber das ist von mir nicht gesehen worden. Und diese anderen guten Mönche und Brahmanen vertreten die Lehrmeinung und die Ansicht >es gibt mit Sicherheit ein Aufhören allen Werdens<, aber das weiß ich nicht. Wenn ich mich, ohne zu wissen und ohne zu sehen für eine Seite entscheiden und verkünden würde, >Nur dies ist wahr, alles andere ist falsch<, so wäre das nicht schicklich für mich.
Was nun die Mönche und Brahmanen anbelangt, die die Lehrmeinung und Ansicht vertreten >es gibt mit Sicherheit kein Aufhören allen Werdens<, wenn ihr Wort wahr ist, dann ist es sicherlich immer noch möglich, daß ich nach dem Tode bei den Göttern der formlosen Bereiche, die aus Wahrnehmung bestehen, wiedererscheine. Aber was die Mönche und Brahmanen anbelangt, die die Lehrmeinung und Ansicht vertreten >es gibt mit Sicherheit ein Aufhören allen Werdens<, wenn ihr Wort wahr ist, dann ist es möglich, daß ich hier und jetzt Nibbāna erlangen könnte.
Die Ansicht jener guten Mönche und Brahmanen, die die Lehrmeinung und Ansicht vertreten >es gibt mit Sicherheit kein Aufhören allen Werdens< ist der Begierde nahe, der Gebundenheit nahe, dem Entzücken nahe, dem Festhalten nahe, dem Anhaften nahe; aber die Ansicht jener guten Mönche und Brahmanen, die die Lehrmeinung und Ansicht vertreten >es gibt mit Sicherheit ein Aufhören allen Werdens< ist der Nicht-Begierde nahe, der Ungebundenheit nahe, dem Nicht-Entzücken nahe, dem Nicht-Festhalten nahe, dem Nicht-Anhaften nahe.' Nachdem er so erwogen hat, übt er sich im Weg zur Ernüchterung und Begierdelosigkeit in Bezug auf das Werden, zum Aufhören des Werdens."[/lz]
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accinca Magst du mal für Laien wie mich erklären, was du damit meinst? Ich komm manchmal nicht ganz klar mit dem metaphorischen Aussagen hier.
Das soll heißen, das der Buddha nach seinen Aussagen auf alles eine
eindeutige völlig klare nachvollziehbare Antwort gegeben hat. Ganz unabhängig
davon ob jeder das auch nachvollziehen kann. Das diese Nachvollziehbarkeit
bei vielen Menschen unterschiedliche Grenzen hat, war ihm natürlich auch klar.
Das ändert aber an seinen klaren eindeutigen Aussagen nichts. Schließlich kann
er ja nicht davon ausgehen das ihm alle vollkommen in allen Aussagen verstehen.
Wenn du also Zweifel an bestimmten Aussagen haben solltest kann es natürlich
trotzdem so sein, das viele Menschen das auch nicht nachvollziehen können. Davon
sind aber die Aussagen des Buddha nicht abhängig.
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Alles anzeigen
Zu einem zukünftigen ewigen Dasein, oder einer gedachten zukünftigen Daseinskette oder einem "zweistrahligen unendlichen Kontinuum".
[lz]32. "Haushälter, es gibt einige Mönche und Brahmanen, deren Lehrmeinung und Ansicht dieses besagt: 'Es gibt mit Sicherheit kein Aufhören allen Werdens.'"
33. "Nun gibt es einige Mönche und Brahmanen, deren Lehrmeinung der Lehrmeinung jener Mönche und Brahmanen genau widerspricht, und sie sagen: 'Es gibt mit Sicherheit ein Aufhören allen Werdens.' Was meint ihr, Haushälter? Vertreten diese Mönche und Brahmanen nicht Lehrmeinungen, die einander genau widersprechen?" - "Ja, ehrwürdiger Herr."
34. "Darüber erwägt ein Weiser so: 'Diese guten Mönche und Brahmanen vertreten die Lehrmeinung und Ansicht >es gibt mit Sicherheit kein Aufhören allen Werdens<, aber das ist von mir nicht gesehen worden. Und diese anderen guten Mönche und Brahmanen vertreten die Lehrmeinung und die Ansicht >es gibt mit Sicherheit ein Aufhören allen Werdens<, aber das weiß ich nicht. Wenn ich mich, ohne zu wissen und ohne zu sehen für eine Seite entscheiden und verkünden würde, >Nur dies ist wahr, alles andere ist falsch<, so wäre das nicht schicklich für mich.
Was nun die Mönche und Brahmanen anbelangt, die die Lehrmeinung und Ansicht vertreten >es gibt mit Sicherheit kein Aufhören allen Werdens<, wenn ihr Wort wahr ist, dann ist es sicherlich immer noch möglich, daß ich nach dem Tode bei den Göttern der formlosen Bereiche, die aus Wahrnehmung bestehen, wiedererscheine. Aber was die Mönche und Brahmanen anbelangt, die die Lehrmeinung und Ansicht vertreten >es gibt mit Sicherheit ein Aufhören allen Werdens<, wenn ihr Wort wahr ist, dann ist es möglich, daß ich hier und jetzt Nibbāna erlangen könnte.
Die Ansicht jener guten Mönche und Brahmanen, die die Lehrmeinung und Ansicht vertreten >es gibt mit Sicherheit kein Aufhören allen Werdens< ist der Begierde nahe, der Gebundenheit nahe, dem Entzücken nahe, dem Festhalten nahe, dem Anhaften nahe; aber die Ansicht jener guten Mönche und Brahmanen, die die Lehrmeinung und Ansicht vertreten >es gibt mit Sicherheit ein Aufhören allen Werdens< ist der Nicht-Begierde nahe, der Ungebundenheit nahe, dem Nicht-Entzücken nahe, dem Nicht-Festhalten nahe, dem Nicht-Anhaften nahe.' Nachdem er so erwogen hat, übt er sich im Weg zur Ernüchterung und Begierdelosigkeit in Bezug auf das Werden, zum Aufhören des Werdens."
[/lz]Es ist auch wieder spekulativ:
Woher soll der Buddha gewusst haben, dass man bei den Göttern erscheint? Vielleicht ist man ja auf einer ganz anderen Ebene, die nicht mit dem Selbst behaftet ist.
Ich denke aber, dass es hier nicht auf das Aufhören des Werdens im Pari-Nibbāna bezogen sein kann. Ich hatte mal in einem anderen thread konkret was dazu gelesen. Ich suche es morgen mal raus und packe es hier rein.
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hier mal eine bessere Übersetzung:
"Es gibt, Hausväter, manche Asketen und Priester, die sagen und lehren: 'Es gibt keine gänzliche Auflösung des Daseins.' Nun sagen aber, Hausväter, manche Asketen und Priester gerade das Gegenteil davon und behaupten: 'Es gibt eine gänzliche Auflösung des Daseins.' Was meint ihr wohl, Hausväter: sagen da nicht die einen Asketen und Priester gerade das Gegenteil von dem, was die anderen sagen?"
"Allerdings, o Herr!"
"Da überlegt nun, Hausväter, ein verständiger Mann: 'Wenn da die einen lieben Asketen und Priester sagen und lehren 'Es gibt keine gänzliche Auflösung des Daseins', so hab' ich das nicht gesehn; und wenn da die anderen lieben Asketen und Priester sagen und lehren 'Es gibt eine gänzliche Auflösung des Daseins', so hab' ich das nicht erfahren. Doch wenn ich mich nun, ohne es erfahren, ohne es gesehn zu haben, einzig für eines entschiede, 'Dies nur ist Wahrheit, Unsinn anderes', so stände mir das übeL an. Ist es nun wahr, was da die einen lieben Asketen und Priester sagen und lehren 'Es gibt keine gänzliche Auflösung des Daseins', so kann es wohl sein, daß mir unter den Göttern, die formlos wahrnehmbar bestehn, ein Wiederdasein fraglos erreichbar sei; ist aber das wahr, was da die anderen lieben Asketen und Priester sagen und lehren 'Es gibt eine gänzliche Auflösung des Daseins', so kann es wohl sein, daß mir noch bei Lebzeiten Wahnerlöschung erreichbar sei. Den Asketen und Priestern nun, die da sagen und lehren 'Es gibt keine gänzliche Auflösung des Daseins', denen gereicht diese Lehre zum Reize, zur Lockung, zur Freude, zum Behagen, zum Anhalt: den Asketen und Priestern aber, die da sagen und lehren 'Es gibt eine gänzliche Auflösung des Daseins', denen gereicht diese Lehre nicht zum Reize, nicht zur Lockung, nicht zur Freude, nicht zum Behagen, nicht zum Anhalt.' Also überlegend wird er eben des Daseins überdrüssig, wendet sich ab, löst sich los.
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Es ist auch wieder spekulativ:
Woher soll der Buddha gewusst haben, dass man bei den Göttern erscheint? Vielleicht ist man ja auf einer ganz anderen Ebene, die nicht mit dem Selbst behaftet ist.
Wenn der Buddha tatsächlich gesagt hätte was du vielleicht verstanden hast und aus der
Übersetzung heraus gelesen hast, dann wäre es vielleicht eine Spekulation gewesen.
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- Offizieller Beitrag
[lz]
Das soll heißen, das der Buddha nach seinen Aussagen auf alles eine
eindeutige völlig klare nachvollziehbare Antwort gegeben hat. Ganz unabhängig
davon ob jeder das auch nachvollziehen kann.[/lz]
Das ist eine typisch "religiöse" Auffassung, wie es sie auch unter Christen, Muslimen oder anderen Religionen gibt. Die Worte Gottes / Jesu / des Propheten / des Koran oder Buddhas sind eindeutig, in jeder Hinsicht wahr und über jeden Zweifel erhaben. Wenn man das nicht einsieht und versteht, mangelt es einem an Erkenntnisvermögen. An den jeweiligen Texten liegt es nie. Dadurch hat die jeweilige Institution, Schrift oder Überlieferung natürlich immer recht. Das führt dann dazu, dass "religiöse" Menschen zum Teil die seltsamsten geistigen Verrenkungen vornehmen, um auch noch die absurdesten Aussagen zu rechtfertigen.
Die Aussagen des Buddha sind über Jahrhunderte gewachsenes Menschenwerk. Vieles mag wahr sein, manches auch erst durch Erfahrung verständlich. Einiges aber beruht auf überkommenen Vorstellungen, die bestimmten historischen Kontexten geschuldet sind. Da muss man in jedem Fall den eigenen Kopf bemühen.
Jemandem, der auf alles eine eindeutige klare Antwort hat, sollte man grundsätzlich misstrauen. Glücklicherweise gehört der Buddha nicht dazu. Zu vielen Dingen, die in Spekulationen enden würden, hat er einfach geschwiegen.
Einen schönen, warmen Tag wünscht
Thorsten
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Glücklicherweise gehört der Buddha nicht dazu. Zu vielen Dingen, die in Spekulationen enden würden, hat er einfach geschwiegen.
So kann man es sich auch erklären wenn man will und
genau das werde ich jetzt auch machen. Beim Schweigen
kann ja jeder eben glauben was er will bzw. glaubt glauben zu müssen
und das sage ich nicht um jemand anderen abzuwerten
obwohl ich nicht glaube das deine Ansicht beim Buddha zutreffend ist.
Woraus sich ergibt, das der Buddha schweigen konnte wenn Worte
sinnlos waren.
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Es ist auch wieder spekulativ:
Woher soll der Buddha gewusst haben, dass man bei den Göttern erscheint? Vielleicht ist man ja auf einer ganz anderen Ebene, die nicht mit dem Selbst behaftet ist.
Ich denke aber, dass es hier nicht auf das Aufhören des Werdens im Pari-Nibbāna bezogen sein kann. Ich hatte mal in einem anderen thread konkret was dazu gelesen. Ich suche es morgen mal raus und packe es hier rein.Ganz und gar nicht. Es ist sogar eine Vorstellung und eine Erklärung über das Abstehen vom Spekulieren.
Wie kann, wenn weiteres Werden aufgehoben ist (Nibbana), Werden doch wieder sein?
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- Offizieller Beitrag
Nirvana entsteht durch das Verlöschen von Gier, Hass und Unwissenheit. Besteht die Wirklichkeit nur aus Gier, Hass und Unwissenheit?
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"Die Wirklichkeit" - das ist das Begriffsproblem.
Ich fand die Formulierung "Der Wirklichkeit gemäß erkennen" hilfreich für ein sichereres Verständnis/Einsehen.
Problem bei der Begriffs- & Vorstellungsbildung Wirklichkeit ist, dass man davon Dasein zumeist abkoppelt, also dass man Wirklichkeit als etwas für sich irgendwie Seiendes, was nichts mit (eigener ... räusper) Wahrnehmung zu tun hätte, versteht.
[lz]4. "Auf zweierlei (Möglichkeit) kommt, Kaccāyana, diese Welt zumeist hinaus [28], auf Sein und auf Nichtsein.
5. Für den nun, Kaccāyana, der den Ursprung der Welt der Wirklichkeit gemäß mit richtigem Verständnis betrachtet, gibt es das nicht, was in der Welt ,Nichtsein' (heißt); für den aber, Kaccayana, der die Aufhebung der Welt der Wirklichkeit gemäß mit richtigem Verständnis betrachtet, gibt es das nicht, was in der Welt ,Sein' (heißt).[/lz]
Samyutta Nikaya 12.11-20 (hier: S.12.15)
Besteht die Wirklichkeit nur aus Gier, Hass und Unwissenheit?
Du nennst starkes (emotionales) Begehren, und mit der Unwissenheit das, was dem ja schon entspricht. Dann fragst du, ob die Wirklichkeit nur hieraus bestünde.
Nein, tut sie nicht. Es gibt auch das Gute. Und das Wahre. Und das Schöne. Und das Richtige. Und das Mitleid und die Mitfreude.
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Alles anzeigen
Das soll heißen, das der Buddha nach seinen Aussagen auf alles eine
eindeutige völlig klare nachvollziehbare Antwort gegeben hat. Ganz unabhängig
davon ob jeder das auch nachvollziehen kann. Das diese Nachvollziehbarkeit
bei vielen Menschen unterschiedliche Grenzen hat, war ihm natürlich auch klar.
Das ändert aber an seinen klaren eindeutigen Aussagen nichts. Schließlich kann
er ja nicht davon ausgehen das ihm alle vollkommen in allen Aussagen verstehen.
Wenn du also Zweifel an bestimmten Aussagen haben solltest kann es natürlich
trotzdem so sein, das viele Menschen das auch nicht nachvollziehen können. Davon
sind aber die Aussagen des Buddha nicht abhängig.
Wie jetzt? Hat er denn nun für andere klare und völlig nachvollziehbare Antworten gegeben oder nicht?
Beides geht nämlich nicht.
Natürlich hat jeder eine andere Grenze des Verständnisses, da würde ich dir zustimmen.
Aber klar und nachvollziehbar heißt nicht, dass es das Wahre sein muss.
hier mal eine bessere Übersetzung:
"Es gibt, Hausväter, manche Asketen und Priester, die sagen und lehren: 'Es gibt keine gänzliche Auflösung des Daseins.' Nun sagen aber, Hausväter, manche Asketen und Priester gerade das Gegenteil davon und behaupten: 'Es gibt eine gänzliche Auflösung des Daseins.' Was meint ihr wohl, Hausväter: sagen da nicht die einen Asketen und Priester gerade das Gegenteil von dem, was die anderen sagen?"
"Allerdings, o Herr!"
...
Egal ob man den Begriff Götter auf die eine oder andere Weise versteht, wenn er von Göttern redet, dann meint er da ja wohl nichts metaphorisches. Und da keiner weiß, ob es Götter gibt oder nicht, ist auch die Aussage des Buddhas hierzu dementsprechend nur reine Spekulation.
Es ist auch wieder spekulativ:
Woher soll der Buddha gewusst haben, dass man bei den Göttern erscheint? Vielleicht ist man ja auf einer ganz anderen Ebene, die nicht mit dem Selbst behaftet ist.
Wenn der Buddha tatsächlich gesagt hätte was du vielleicht verstanden hast und aus der
Übersetzung heraus gelesen hast, dann wäre es vielleicht eine Spekulation gewesen.
Was heisst den "Wenn der Buddha tatsächlich gesagt hätte was du vielleicht verstanden hast..."?
Das ist doch das was die Übersetzung sagt? Oder muss ich einen Kopfstand machen, um es richtig zu lesen?
Mich würde interessieren, was du unter der Übersetzung verstehst?
Du bist ja anscheinend der Meinung, dass ich irgendwas falsch verstanden habe.
Apropo Spekulationen:
Es gibt im Pali-Kanon mehrere Stellen, wozu sich der Buddha nicht eindeutig äußert, weil er es nunmal auch nur als reine Spekulation ansieht:
"Daß der Vollendete nach dem Tode bestehe (vgl. WzE, §44f), oder daß er nicht bestehe, oder daß er teils bestehe teils nicht bestehe, oder daß er weder bestehe noch nicht bestehe: das, o Mönch, ist eine Gasse der Ansichten."
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" 9. "Wie ist es, Meister Gotama, ist Meister Gotama der Ansicht: 'Ein Tathāgata existiert nach dem Tode: nur dies ist wahr, alles andere ist falsch'?"
"Vaccha, ich bin nicht der Ansicht: 'Ein Tathāgata existiert nach dem Tode: nur dies ist wahr, alles andere ist falsch.'"
10. "Ist dann Meister Gotama der Ansicht: 'Ein Tathāgata existiert nach dem Tode nicht: nur dies ist wahr, alles andere ist falsch'?"
"Vaccha, ich bin nicht der Ansicht: 'Ein Tathāgata existiert nach dem Tode nicht: nur dies ist wahr, alles andere ist falsch.'"
11. "Wie ist es, Meister Gotama, ist Meister Gotama der Ansicht: 'Sowohl existiert ein Tathāgata nach dem Tode, als auch existiert er nicht: nur dies ist wahr, alles andere ist falsch'?"
"Vaccha, ich bin nicht der Ansicht: 'Sowohl existiert ein Tathāgata nach dem Tode, als auch existiert er nicht: nur dies ist wahr, alles andere ist falsch.'"
12. "Ist dann Meister Gotama der Ansicht: 'Weder existiert ein Tathāgata nach dem Tode, noch existiert er nicht: nur dies ist wahr, alles andere ist falsch'?"
"Vaccha, ich bin nicht der Ansicht: 'Weder existiert ein Tathāgata nach dem Tode, noch existiert er nicht: nur dies ist wahr, alles andere ist falsch.'"
13. "Wie ist es dann, Meister Gotama? Wenn Meister Gotama eine dieser zehn Fragen gestellt wird, erwidert er jedesmal: 'Ich bin nicht jener Ansicht.' Welche Gefahr sieht Meister Gotama, daß er keine dieser spekulativen Ansichten annimmt?" "
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"...(Spekulationen über die Zukunft)
2. "Ihr Bhikkhus, es gibt einige Mönche und Brahmanen, die über die Zukunft spekulieren und Ansichten über die Zukunft vertreten, die verschiedene Lehrsätze behaupten, die die Zukunft betreffen.
(I) Einige behaupten: 'Das Selbst ist wahrnehmend und besteht nach dem Tode unbeeinträchtigt weiter.'
(II) Einige behaupten: 'Das Selbst ist nicht-wahrnehmend und besteht nach dem Tode unbeeinträchtigt weiter.'
(III) Einige behaupten: 'Das Selbst ist weder wahrnehmend noch nicht-wahrnehmend und besteht nach dem Tode unbeeinträchtigt weiter.'
(IV) Oder sie beschreiben die Vernichtung, Zerstörung und Auslöschung eines existierenden Wesens (zum Zeitpunkt des Todes)...."
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" Diese spekulativen Ansichten sind vom Erhabenen nicht verkündet worden, sind von ihm verworfen und abgelehnt worden, nämlich:
'Die Welt ist ewig' und
'die Welt ist nicht ewig';
'die Welt ist endlich' und
'die Welt ist unendlich';
'die Seele ist das gleiche wie der Körper' und
'die Seele ist eine Sache und der Körper eine andere'; und
'ein Tathāgata existiert nach dem Tode' und
'ein Tathāgata existiert nach dem Tode nicht' und
'sowohl existiert ein Tathāgata nach dem Tode, als auch existiert er nicht' und
'weder existiert ein Tathāgata nach dem Tode, noch existiert er nicht.'... "
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"... Aus diesem Anlaß tat der Erhabene aus seiner Schau folgenden Ausspruch:
"Es besteht[121] ein Reich, ihr Mönche,
wo es keine Erdenart gibt,
Wasserart nicht, Feuerart nicht,
Luftart nicht, wo kein Bereich ist
eines unbegrenzten Raumes,
oder endlosen Erfahrens,
oder 'Nicht-Etwas', und auch nicht
'Weder-Wahrnehmung noch keine',
'Diese Welt' und 'jene' – beides
gibt's dort nicht, auch 'Sonne', 'Mond' nicht.
Kommen gibt's dort nicht, so sag ich,
Gehen nicht und kein Sichstützen,[122]
Schwinden nicht und Wiederkommen:
Frei von Stützen, frei von Fort-Gang:
So ist es ganz unabhängig.
Wahrlich: Das ist Leidens Ende."... "
Wobei jetzt hier das letzte verlinkte Zitat auch nur auf das Nibbana zu Lebzeiten bezogen sein müsste. Über den Tod hinaus wäre wie gesagt wieder nur Spekulation Seitens des Buddhas.
[lz]Alles anzeigenDas soll heißen, das der Buddha nach seinen Aussagen auf alles eine
eindeutige völlig klare nachvollziehbare Antwort gegeben hat. Ganz unabhängig
davon ob jeder das auch nachvollziehen kann.
[/lz]Das ist eine typisch "religiöse" Auffassung, wie es sie auch unter Christen, Muslimen oder anderen Religionen gibt. Die Worte Gottes / Jesu / des Propheten / des Koran oder Buddhas sind eindeutig, in jeder Hinsicht wahr und über jeden Zweifel erhaben. Wenn man das nicht einsieht und versteht, mangelt es einem an Erkenntnisvermögen. An den jeweiligen Texten liegt es nie. Dadurch hat die jeweilige Institution, Schrift oder Überlieferung natürlich immer recht. Das führt dann dazu, dass "religiöse" Menschen zum Teil die seltsamsten geistigen Verrenkungen vornehmen, um auch noch die absurdesten Aussagen zu rechtfertigen.
Die Aussagen des Buddha sind über Jahrhunderte gewachsenes Menschenwerk. Vieles mag wahr sein, manches auch erst durch Erfahrung verständlich. Einiges aber beruht auf überkommenen Vorstellungen, die bestimmten historischen Kontexten geschuldet sind. Da muss man in jedem Fall den eigenen Kopf bemühen.
Jemandem, der auf alles eine eindeutige klare Antwort hat, sollte man grundsätzlich misstrauen. Glücklicherweise gehört der Buddha nicht dazu. Zu vielen Dingen, die in Spekulationen enden würden, hat er einfach geschwiegen.
Einen schönen, warmen Tag wünscht
Thorsten
Stimme ich dir zu.
-
Wie jetzt? Hat er denn nun für andere klare und völlig nachvollziehbare Antworten gegeben oder nicht?
Beides geht nämlich nicht.
Natürlich hat jeder eine andere Grenze des Verständnisses, da würde ich dir zustimmen.
Aber klar und nachvollziehbar heißt nicht, dass es das Wahre sein muss.
Und was ist, Bruder, der Anlaß, was ist der Grund, daß sich der Erhabene darüber nicht geäußert hat?""Wenn Bruder, die Form, das Gefühl, die Wahrnehmung, die Gestaltungen, das Bewußtsein nicht der Wirklichkeit gemäß erkannt und gesehen werden, ihr Entstehen, ihre Auflösung und das zu ihrer Auflösung führende Vorgehen, dann denkt man:'Der Vollendete besteht nach dem Tode, der Vollendete besteht nicht nach dem Tode, der Vollendete besteht sowohl als auch nicht nach dem Tode, der Vollendete besteht weder-noch besteht er nicht nach dem Tode'.Wird aber, Bruder, die Form, das Gefühl die Wahrnehmung, die Gestaltungen, das Bewußtsein der Wirklichkeit gemäß erkannt und gesehen, ihr Entstehen, ihre Auflösung und das zu ihrer Auflösung führende Vorgehen, dann denkt man nicht:'Der Vollendete besteht nach dem Tode, der Vollendete besteht nicht nach dem Tode, der Vollendete besteht sowohl als auch nicht nach dem Tode, der Vollendete besteht weder-noch besteht er nicht nach dem Tode'.Das ist der Anlaß, Bruder, das ist der Grund, daß sich der Erhabene darüber nicht geäußert hat". -