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Einstellung zu anderen Menschen

  • suchender2
  • 20. Oktober 2016 um 10:29
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  • Karnataka
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    • 8. November 2016 um 10:42
    • #26
    Carneol:


    Warum willst du dich weniger wichtig nehmen als Andere? Ich sage ja nicht, dass du dein Ego kultivieren und dich selbst höher stellen sollst. Umgekehrt aber auch nicht niedriger. Wenn du dich auf einer Stufe mit deinen Mitmenschen siehst, wirst du feststellen, dass du Anderen nur helfen kannst, wenn du selbst eine feste Basis hast. Und es nützt auch den Anderen nichts, wenn du diese untergräbst - vorgeblich zum Wohle der anderen. Was meinst du denn, wo das hinführt?


    Mitgefühl, Wertschätzung und Sympathie für sich selbst und für andere. Wer gerade dran ist, d.h. wer bedürftiger ist, um wen sich gekümmert werden muss, verrät dir dann deine Intuition. Von Moment zu Moment. Es hilft nichts, wenn du nur die Anderen siehst und dich selbst dabei vergisst. Damit generierst du nur Erwartungen den Anderen gegenüber. Und das ist wieder Egoismus.

    Karnataka:


    Das Thema „Bedürftigkeit“ finde ich sehr spannend. Hilft die Meditation Liebender Güte dabei, mit Einsamkeitsgefühlen und unerfüllten Sehnsüchten klarzukommen? Wie siehst du das?


    Die Meditation Liebender Güte hilft dabei, eine Verbindung zu den anderen Menschen aufzubauen bzw. zu erkennen. Zu Einsamkeitsgefühlen und unerfüllten Sehnsüchten hilft es vielleicht am meisten, diese Verbindung zu dir selbst wieder herzustellen. Weiß nicht ob du verstehst was ich jetzt damit gemeint habe, aber probier's doch einfach mal. Keine Angst - das ist kein Egoismus. ;)


    Hallo liebe Carneol,

    Ich habe bereits im vorherigen Beitrag versucht, meine Ansicht zu begründen: Für die Meditation von Mitgefühl und Liebender Güte sollten wir uns nach meiner Ansicht um eine Aktivierung natürlicher Gefühle für andere Menschen bemühen, um diese sodann zu vertiefen.

    Wie ich sehe, ziehst du eine mehr reziproke Sicht vor. Eine Freundin erklärte mir beispielsweise, sie hätte als Kind sehr viel für ihre Geschwister sorgen müssen und es wäre heute wichtig für sie, zu lernen, sich stärker abzugrenzen.

    In deinem Beitrag sprichst du ja mein Denken und Fühlen an. Im Job habe ich beispielsweise in der letzten Woche vermieden, einen Konflikt zu thematisieren. Ich bin mir nicht sicher, ob das klug war. Mit meinem Bemühen um Liebende Güte hat es aber kaum was zu tun. Diese Methode passt für mich.

    Ich glaube, dass die Meditation Liebevoller Güte besonders geeignet ist, um mit Einsamkeitsgefühlen klar zu kommen. Daher habe ich die Frage gestellt. Danke für deine kurze Antwort. Wie können wir die grundsätzliche Verbindung zu uns und zu anderen Menschen, von der du sprichst, erleben?

    Zunächst glaube ich, dass es nicht weiter hilft, nur den Mangel zu beachten. Wie du schreibst, geht es um die innere Einstellung: Innere Anteilnahme und Warmherzigkeit, Vertrauen und eine Stimmung der Güte mindern das Gefühl quälender Einsamkeit. Sie lassen eine negative Selbstbezogenheit überwinden, was sich dann auch in positiveren Gedanken und Ansichten spiegelt.

    Der Dalai Lama schreibt: Um Freundschaften entstehen zu lassen, braucht es Vertrauen und Zuneigung und das Gefühl gegenseitiger Achtung. Unsere innere Haltung gibt also die Grundlage, um passende Beziehungen entstehen zu lassen. Der Weg dorthin scheint mir mit dem Mildern der Egozentrik zu tun zu haben.

    Lieben Gruß!

  • Sunu
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    • 8. November 2016 um 14:49
    • #27
    Karnataka:
    Sunu:

    Ich denke es gibt das Extrem, dass jemand nur auf sich selbst schaut... Und das Extrem, dass jemand nur auf die anderen schaut... In Beiden Fällen erhofft man sich etwas davon d.h. beide Fälle wurzeln im Egoismus...im Glauben eines unabhängigen Selbst.
    Das "Geheimnis" ist, einen Ausgleich zu schaffen.. D.h. eigentlich ist es kein Geheimnis, sondern die natürliche Folge aus der rechten Erkentnis vom abhängigen Entstehen.

    Hallo Sunu,

    das Extrem, dass jemand nur auf die anderen schaut, gibt es vermutlich nicht. Die Evolution hätte ein solches Wesen nicht zugelassen, denke ich. (Übrigens Danke für den Artikel: Brauche wir eine neue Evolutionstheorie?) Vielleicht ist das Ausdehnen unseres sozialen Empfindens andererseits jedoch die Evolutionsgeschichte schlechthin. Ich glaube, dass der DL es so sieht.

    Auch Menschen, die große Probleme damit haben, selbstfürsorglich zu sein, besitzen daher einen starken Wunsch dazu. Aus begreiflichen Gründen sind gerade solche Menschen sogar ständig um sich bekümmert und leiden sehr unter ihrem Unvermögen.

    In diesem Gespräch geht es um die Meditation (Liebender Güte). Die eben getroffene Feststellung ist daher für die Richtung unseres Bemühens wichtig. Wie ich früher mehrfach angesprochen habe, geht es dabei durchaus um Eigennutz, wenn wir uns um Liebevolle Güte nicht für uns, sondern für unsere Mitmenschen bemühen.

    Ein paar Worte zu diesem Nutzen:

    Einmal liegt dieser Eigennutz in einer bestimmten Belohnung, die wir uns selbst dafür schenken, wenn die Meditation gelingt. Das intuitive Wissen darum drückt sich in den Religionen aus. Gläubige bemühen sich um die Liebe zu Gott, niemals jedoch um Selbstliebe. Die innere Ruhe, die eine solche Meditation schenkt, hilft dann auch, die eigenen Probleme mit Abstand zu betrachten und weniger anfällig für Stress zu sein. Ich glaube übrigens auch an einen biologischen Nutzen.

    Der rationale Nutzen liegt einmal darin, Eigenschaften zu entwickeln, die wir auch an anderen Menschen uns gegenüber schätzen, beispielsweise Hilfsbereitschaft, eine gewisse Bescheidenheit, Anerkennung und Aufmerksamkeit und so weiter. Daher ist es nur vernünftig und klug, solche Eigenschaften auch an sich selbst zu schätzen. So hat das Selbstwertgefühl mit dem Wert, den wir anderen Menschen geben, sogar rational zu tun.

    Als weitaus größten Nutzen erlebe ich jedoch den psychologische Nutzen. Einmal verbinden wir mit einer solchen Motivation das Gefühl von Sinn und Zweck. Zum anderen erweitert sich unsere soziale Kompetenz. Dieses Thema möchte ich jedoch in einem Beitrag extra behandeln.

    Lieben Gruß :)

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    Du hast recht wenn du sagst, dass es dieses Extrem, dass jemand nur auf die anderen schaut, als Verkörperung gar nicht gibt....Als oberflächliches Denken bzw. Selbstwahrnehmung denke ich, gibt es das zumindest zeitweise schon..
    Es ist quasi sogar eine Art von Überlebensstrategie...

    Ich praktiziere Mettameditation so nicht und kann deshalb nicht wirklich etwas dazu sagen. Wenn ich meditiere dann geht es um das loslassen von Vorstellungen und Urteilen... Von daher würde es nicht passen, wenn ich mir Gedanken mache, wem oder was ich Metta zukommen lasse.... Metta wird als Gegenmittel zu Hass genannt..Dana als Gegenmittel zu Gier.Dana ist Freigebigkeit ohne Gegenleistung zu erwarten... In diesem Sinne wäre es wichtig Metta ohne Erwartung an eine Gegenleistung zu geben, um nicht der Anhaftung bzw. Gier zu verfallen.....und gerade dieses "um" macht das ganze etwas paradox für mich, weil es für mich eine erwartete Gegenleistung impliziert.... Das heißt aber nicht, dass es für andere d.h. unter anderen Umständen, genauso sein muss.

    Lieben Gruß zurück

  • Sudhana
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    • 8. November 2016 um 15:08
    • #28
    Zitat

    Auf sich selber achtend, ihr Mönche, achtet man auf die anderen.
    Auf die anderen achtend, achtet man auf sich selber.
    Und wie, ihr Mönche, achtet man, auf sich selber achtend, auf den anderen?
    Durch Pflege, durch Entfaltung, durch häufiges Tun.
    So, ihr Mönche, achtet man, auf sich selber achtend, auf den anderen.
    Und wie, ihr Mönche, achtet man, auf den anderen achtend, auf sich selber?
    Durch Geduld (khanti),
    durch Gewaltlosigkeit (avihiṃsā),
    durch Liebe (mettacitta),
    durch [An-]Teilnahme (anudaya).
    So, ihr Mönche, achtet man, auf den anderen achtend, auf sich selber.
    (Sedakam)

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    OM MONEY PAYME HUNG

  • Carneol
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    • 8. November 2016 um 17:00
    • #29
    Sudhana:
    Zitat

    Auf sich selber achtend, ihr Mönche, achtet man auf die anderen.
    Auf die anderen achtend, achtet man auf sich selber.
    Und wie, ihr Mönche, achtet man, auf sich selber achtend, auf den anderen?
    Durch Pflege, durch Entfaltung, durch häufiges Tun.
    So, ihr Mönche, achtet man, auf sich selber achtend, auf den anderen.
    Und wie, ihr Mönche, achtet man, auf den anderen achtend, auf sich selber?
    Durch Geduld (khanti),
    durch Gewaltlosigkeit (avihiṃsā),
    durch Liebe (mettacitta),
    durch [An-]Teilnahme (anudaya).
    So, ihr Mönche, achtet man, auf den anderen achtend, auf sich selber.
    (Sedakam)

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    Danke dir, Sudhana, für dieses passende Zitat.

    Liebe Grüße :)

    Im erwachten Herzen leuchtet jede Farbe. (Jack Kornfield)

  • Carneol
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    • 9. November 2016 um 00:01
    • #30
    Karnataka:

    Ich habe bereits im vorherigen Beitrag versucht, meine Ansicht zu begründen: Für die Meditation von Mitgefühl und Liebender Güte sollten wir uns nach meiner Ansicht um eine Aktivierung natürlicher Gefühle für andere Menschen bemühen, um diese sodann zu vertiefen.

    Wie ich sehe, ziehst du eine mehr reziproke Sicht vor.


    Hallo lieber Karnataka,

    die andere Sicht besteht lediglich darin, sich selbst - für eine gesunde Basis - darin einzubeziehen, nicht auszuschliessen.

    Vielleicht hilft dir - nach meinen bisherigen Erklärungsversuchen - das freundlicherweise oben von Sudhana eingestellte Zitat weiter:

    Sudhana:
    Zitat

    Auf sich selber achtend, ihr Mönche, achtet man auf die anderen.
    Auf die anderen achtend, achtet man auf sich selber.
    Und wie, ihr Mönche, achtet man, auf sich selber achtend, auf den anderen?
    Durch Pflege, durch Entfaltung, durch häufiges Tun.
    So, ihr Mönche, achtet man, auf sich selber achtend, auf den anderen.
    Und wie, ihr Mönche, achtet man, auf den anderen achtend, auf sich selber?
    Durch Geduld (khanti),
    durch Gewaltlosigkeit (avihiṃsā),
    durch Liebe (mettacitta),
    durch [An-]Teilnahme (anudaya).
    So, ihr Mönche, achtet man, auf den anderen achtend, auf sich selber.
    (Sedakam)

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    Wir müssen hier aber - wenn du damit nichts anfangen kannst - auch nicht alle die gleiche Ansicht vertreten.

    Karnataka:

    Eine Freundin erklärte mir beispielsweise, sie hätte als Kind sehr viel für ihre Geschwister sorgen müssen und es wäre heute wichtig für sie, zu lernen, sich stärker abzugrenzen.


    Und wie siehst du das?

    Karnataka:


    In deinem Beitrag sprichst du ja mein Denken und Fühlen an. Im Job habe ich beispielsweise in der letzten Woche vermieden, einen Konflikt zu thematisieren. Ich bin mir nicht sicher, ob das klug war.


    Warum hast du es denn vermieden? Und warum zweifelst du an deiner Entscheidung? Hast ja diese Woche immer noch Zeit, den Konflikt zu thematisieren. Manchmal braucht man etwas Zeit, um über Dinge nachzudenken...

    Karnataka:

    Mit meinem Bemühen um Liebende Güte hat es aber kaum was zu tun. Diese Methode passt für mich.

    Ich glaube, dass die Meditation Liebevoller Güte besonders geeignet ist, um mit Einsamkeitsgefühlen klar zu kommen. Daher habe ich die Frage gestellt. Danke für deine kurze Antwort. Wie können wir die grundsätzliche Verbindung zu uns und zu anderen Menschen, von der du sprichst, erleben?


    Vielleicht würde es ja weiterhelfen, wenn du mal konkret schilderst, wie so eine Meditation bei dir abläuft. Dann hätte ich vielleicht auch einen Ansatzpunkt, dir eine längere Antwort dazu geben zu können, die nicht nur an der Oberfläche kratzt weil auf Vermutung basierend.

    Karnataka:


    Zunächst glaube ich, dass es nicht weiter hilft, nur den Mangel zu beachten. Wie du schreibst, geht es um die innere Einstellung: Innere Anteilnahme und Warmherzigkeit, Vertrauen und eine Stimmung der Güte mindern das Gefühl quälender Einsamkeit. Sie lassen eine negative Selbstbezogenheit überwinden, was sich dann auch in positiveren Gedanken und Ansichten spiegelt.


    Vielleicht kannst du auch genau dieses Gefühl quälender Einsamkeit zum Objekt deiner Meditation machen - es in allen Aspekten in Ruhe und ganz bewusst auseinandernehmen. Woher kommt dieses Gefühl, wann taucht es auf, unter welchen Bedingungen, wann ist es nicht da, warum dann nicht, etc... so lange bis dir nichts, aber auch gar nichts mehr dazu einfällt... wenn du es also genug beobachtet und angenommen hast, also akzeptiert dass es da sein darf, löst es sich vielleicht sogar auf.

    Hier muss ich allerdings einen Disclaimer anfügen: ich habe davon bisher auch nur gelesen, aber keine Erfahrung damit. Für dich musst du selbst entscheiden. Vielleicht hat ja sonst jemand hier Erfahrungen mit dieser Methode, der dir evtl. noch hilfreiche Tips geben kann.

    Karnataka:


    Der Dalai Lama schreibt: Um Freundschaften entstehen zu lassen, braucht es Vertrauen und Zuneigung und das Gefühl gegenseitiger Achtung. Unsere innere Haltung gibt also die Grundlage, um passende Beziehungen entstehen zu lassen. Der Weg dorthin scheint mir mit dem Mildern der Egozentrik zu tun zu haben.

    Lieben Gruß!


    Dem kann ich zustimmen.

    Herzliche Grüße :om:

    Im erwachten Herzen leuchtet jede Farbe. (Jack Kornfield)

  • Karnataka
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    • 9. November 2016 um 11:40
    • #31
    Lucy:

    Hm, mir fehlt da ein wenig der Leerheits Gedanke. Durch die Annäherung an leerheit (Studium und Praxis) wird mir der Umgang mit Klienten leichter - weniger Ungeduld, weniger Ekel, weniger Ego einfach.
    Da stellt sich eine recht ruhige und gelöste arbeitsweise ein, ohne dass ich künstlich Sympathie oder Gefühle erzeuge.

    Spricht seine Helligkeit nicht über Leerheit? Ohne sie ist Mitgefühl nur Mitleid und helfen und dienen werden u.u. zu Märtyrer Handlungen ...
    (Unsere Arbeitsfelder ähneln sich sehr, Karnataka).

    Hallo Lucy,

    deine Ansicht, den Gedanken der Leerheit einzubringen, ist natürlich sehr spannend. Doch ist das Verständnis der letzten Wahrheit ein sehr weites Thema.

    Die Visualisierung eines unsterblichen Lichts hat mir überhaupt ermöglicht, meine sehr destruktive Haltung in der Meditation komplett zu überwinden. Auch heute richten sich meine Gedanken an jedem einzelnen Tag bei unzähligen Gelegenheiten auf dieses Licht, ohne dass mir dies überhaupt noch bewusst wäre.

    Zur Leerheit kann ich leider nichts sagen. Ich bin froh, wenn es mir gelingt, täglich mein Training Liebevoller Güte durchzuführen (und möglichst oft schwimmen zu gehen).

    Ich glaube aber, dass dieser Bereich dafür da ist, Trost, Hoffnung und Kraft zu geben, ja vielleicht sogar eine „innere Geburt“. Liebevolle Güte betrifft dagegen unseren Alltag, unsere Beziehungen und Probleme. Dazu erklärt der DL in wunderbaren Worten: Wesentlicher als die Religion ist daher unsere elementare menschliche Spiritualität. Wir weisen eine in uns Menschen angelegte Neigung zu Liebe, Güte und Zuneigung auf, und zwar unabhängig davon, ob wir einer Religion angehören oder nicht. Wenn wir diese elementarste aller menschlichen Urquellen in uns nähren – wenn wir uns entschließen, die inneren Werte, die wir alle bei anderen schätzen, zu kultivieren -, dann fangen wir an, spirituell zu leben.

    Freut mich auch, dass du unsere Berufstätigkeit ansprichst.
    Das Ziel der Ethik des Dalai Lama liegt nach meiner Ansicht nicht darin, zum Märtyrer zu werden, sondern den Nutzen liebevoller Güte für sich selbst zu erfahren und zu lernen, wie destruktiven Emotionen zu begegnen ist. Die Meditation Liebevoller Güte hat mir geholfen, die Qualität meiner Dienstleistungen etwas zu verbessern und bewusst an meiner Motivation zu arbeiten.

    Lieben Gruß! :)

  • Noreply
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    • 9. November 2016 um 13:20
    • #32
    Karnataka:


    Die Visualisierung eines unsterblichen Lichts hat mir überhaupt ermöglicht, meine sehr destruktive Haltung in der Meditation komplett zu überwinden. Auch heute richten sich meine Gedanken an jedem einzelnen Tag bei unzähligen Gelegenheiten auf dieses Licht, ohne dass mir dies überhaupt noch bewusst wäre.
    Zur Leerheit kann ich leider nichts sagen. Ich bin froh, wenn es mir gelingt, täglich mein Training Liebevoller Güte durchzuführen (und möglichst oft schwimmen zu gehen).
    Lieben Gruß! :)

    Hallo Karnataka Du schreibst: Die Visualisierung eines unsterblichen Lichts hat mir überhaupt ermöglicht, meine sehr destruktive Haltung in der Meditation komplett zu überwinden.
    Meine Frage ist, meinst Du damit das Du das Unsterbliche Licht siehst?
    Da hatte ich lange Probleme mit, bei mir war es eine dunkle Wolke. Bis ich mich umdrehte und diese im Rücken hatte, da erkannte ich Das Licht. An dem Schatten der von meinen Füßen ausging. Ich ging rückwärts bis er weg war und dann war ich das Licht und ich sah und fühlte die erleuchtete Leerheit. Die leere Weite. Nachher fragte ich mich warum sie leer war. Wie sollte sie nicht? Es gb ja nichts das das , mein, Licht reflektierte. Da waren keine Vorstellungen, ja nichtmal Gedanken. Die erleuchtete Leere ist erleuchtet und leer denn da ist nichts mit dem sich Gedanken oder Nachdenken beschäftigen konnten. Einige Zeit war die dunkle Wolke noch da bis ich gelernt hatte in deren Mitte zu gehen. Schon lange bin ich diese "Wolke" aus dieser Wolke lebe ich in Angstlosigkeit, jede Angst die entstehen will wird überprüft ob sie auf Reale Gefahren zurückzuführen ist oder nur auf Glauben. Furcht reagiert sofort Angst entsteht durch nachdenken, Angst ist immer Dukkha, Furcht ist einfach nur Furcht: Flucht-, Kampf-, Versteckreflex.

  • Karnataka
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    • 10. November 2016 um 15:44
    • #33
    Carneol:
    Sudhana:

    ()


    Danke dir, Sudhana, für dieses passende Zitat.

    Liebe Grüße :)


    In allen frühen Schriftkulturen Europas, Nordafrikas und Asiens finden sich ähnlich lautende Textstellen. Ihr gemeinsames Thema ist die Goldene Regel: Behandle andere so, wie du selbst behandelt werden willst. Sie gelten also primär dem Gerechtigkeitsempfinden, nicht der Nächstenliebe. Ich würde meinen, dass das Gerechtigkeitsempfinden dann den Weg in die Vertragstheorie nimmt, um Verträge zum beiderseitigen Wohl zu schließen.

    Wir sind auf diesem erstgenannten Weg sehr fortgeschritten. Innerhalb der Gesellschaft ist beispielsweise die Regel der Gewaltlosigkeit vollkommen anerkannt ist. Starke Rechtssysteme helfen dabei. Die Mordraten zeigen dies im historischen Vergleich.

    Ich glaube jedoch, dass der Text etwas anderes anvisiert, nämlich Nächstenliebe, Innerlichkeit und liebende Motivation. Nach meiner Ansicht liegen diese sozialen Empfindungen dem Gerechtigkeitssinn voraus.

    Wir können sicher annehmen, dass die Menschen früher Gesellschaften verglichen mit uns in höherem Maße Gruppenzugehörigkeit und in geringerem Maße Individualität erlebten und reflektierten. Bildhaft könnte man sagen: Das Zusammenleben in einem Tiroler Bergbauerndorf ist der Anonymität und Entfremdung eines New Yorker Wohnbaus gewichen. Mit dem Ende der Dorfgemeinschaft und Großfamilie entsteht die Gefahr einer Gesellschaft, wo jeder nur mehr auf sich selbst achtet.

    Geht es aber um soziales Empfinden und um das Erleben von Verbundenheit, dann lässt sich dies nicht auf Grundlage der Goldenen Regel und des Denkens, sondern auf Grundlage unseres Fühlens fördern, glaube ich.

  • Carneol
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    • 10. November 2016 um 17:50
    • #34

    Hallo Karnataka,

    lies' doch mal im Link weiter - da geht es vor allem um Achtsamkeit:

    Zitat

    "Achtsam, ihr Mönche, soll der Mönch verweilen, klar bewußt. Das lehre ich euch. Und wie ist der Mönch achtsam?

    Da wacht der Mönch beim Körper über den Körper,bei den Gefühlen über die Gefühle,beim Bewusstsein über das Bewusstsein,bei den Geistesformationen über die Geistesformationen,

    unermüdlich, klar bewußt, achtsam, nach Verwindung weltlichen Begehrens und Trübsinns. So ist, ihr Mönche, der Mönch achtsam.

    Und wie ist, ihr Mönche, der Mönch klar bewußt?

    Da steigen einem Mönch wissentlich Gefühle auf, halten an und gehen unter,steigen wissentlich Gedanken auf, halten an und gehen unter,steigen wissentlich Wahrnehmungen auf, halten an und gehen unter.

    So ist, ihr Mönche, der Mönch klar bewußt. Achtsam, ihr Mönche, möge der Mönch verweilen und klar bewußt: das lehr, ich euch".

    (Sedakam)

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    Wenn du auf diese Weise achtsam bist dir selbst gegenüber, bist du auch gleich viel achtsamer anderen gegenüber. :)

    Im erwachten Herzen leuchtet jede Farbe. (Jack Kornfield)

  • Karnataka
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    • 11. November 2016 um 11:08
    • #35
    Sunu:

    Ich praktiziere Mettameditation so nicht und kann deshalb nicht wirklich etwas dazu sagen. Wenn ich meditiere dann geht es um das loslassen von Vorstellungen und Urteilen... Von daher würde es nicht passen, wenn ich mir Gedanken mache, wem oder was ich Metta zukommen lasse.... Metta wird als Gegenmittel zu Hass genannt..Dana als Gegenmittel zu Gier.Dana ist Freigebigkeit ohne Gegenleistung zu erwarten... In diesem Sinne wäre es wichtig Metta ohne Erwartung an eine Gegenleistung zu geben, um nicht der Anhaftung bzw. Gier zu verfallen.....und gerade dieses "um" macht das ganze etwas paradox für mich, weil es für mich eine erwartete Gegenleistung impliziert.... Das heißt aber nicht, dass es für andere d.h. unter anderen Umständen, genauso sein muss.

    Hallo Sunu,

    Danke für deinen Beitrag. Ja, da gibt es beträchtliche Unterschiede in unserer Praxis. Wie du sagst, bestehen unterschiedliche Bedürfnisse und Methoden. Wenn ich im Folgenden einen Einwand formuliere, dann gilt dies einer theoretischen Auseinandersetzung und einem Gespräch, nicht mehr.

    Mein Vorbehalt gegen deine Praxis wäre, dass Vorstellungen und Urteile aus meiner Sicht sehr stark den kognitiven Teil unseres Gehirns betreffen. Liege ich mit diesem Einwand falsch?

    Ältere Gehirnregionen lassen in Zusammenarbeit mit Gedanken und Vorstellungen Gefühle entstehen, denke ich mir. Der tiefste Prozess scheint mir die natürliche Ausrichtung auf unsere Mitmenschen zu sein. Schon das Neugeborene streckt seine Arme der Mama entgegen, um aufgenommen zu werden. Es hat noch gar nicht die kognitiven Möglichkeiten, um zwischen sich und seiner Bezugsperson zu unterscheiden.

    Dein Einwand gegen meine Praxis betrifft einen interessanten Punkt. Wie du richtig feststellst, wäre eine selbstlose Motivation nie möglich, wenn man sich dafür einen Nutzen erwartet. Doch lässt sich dieses Problem relativ simpel umgehen, scheint mir. Der erwartet Nutzen – ein kurzes Glücksgefühl, eine ausgeglichene Stimmung, mehr soziale Kompetenz für erfolgreiche Kontakte mit anderen Menschen, langfristige Persönlichkeitsentwicklung und vielleicht sogar ein metaphysischer Nutzen – hat mit der Motivation zu tun und stört nicht dabei, sodann ein selbstloses Gernhaben in sich auszudehnen.

    Lieben Gruß!

  • Sunu
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    • 12. November 2016 um 00:27
    • #36
    Karnataka:

    Hallo Sunu,

    Danke für deinen Beitrag. Ja, da gibt es beträchtliche Unterschiede in unserer Praxis. Wie du sagst, bestehen unterschiedliche Bedürfnisse und Methoden. Wenn ich im Folgenden einen Einwand formuliere, dann gilt dies einer theoretischen Auseinandersetzung und einem Gespräch, nicht mehr.

    Mein Vorbehalt gegen deine Praxis wäre, dass Vorstellungen und Urteile aus meiner Sicht sehr stark den kognitiven Teil unseres Gehirns betreffen. Liege ich mit diesem Einwand falsch?

    Ältere Gehirnregionen lassen in Zusammenarbeit mit Gedanken und Vorstellungen Gefühle entstehen, denke ich mir. Der tiefste Prozess scheint mir die natürliche Ausrichtung auf unsere Mitmenschen zu sein. Schon das Neugeborene streckt seine Arme der Mama entgegen, um aufgenommen zu werden. Es hat noch gar nicht die kognitiven Möglichkeiten, um zwischen sich und seiner Bezugsperson zu unterscheiden.

    Hi Karnataka
    Ja, genau...
    das Neugeborene denkt nicht" ich strecke die Arme jetzt aus, damit Mami mich aufnimmt". Es streckt sie einfach aus...

    Karnataka:


    Dein Einwand gegen meine Praxis betrifft einen interessanten Punkt. Wie du richtig feststellst, wäre eine selbstlose Motivation nie möglich, wenn man sich dafür einen Nutzen erwartet. Doch lässt sich dieses Problem relativ simpel umgehen, scheint mir. Der erwartet Nutzen – ein kurzes Glücksgefühl, eine ausgeglichene Stimmung, mehr soziale Kompetenz für erfolgreiche Kontakte mit anderen Menschen, langfristige Persönlichkeitsentwicklung und vielleicht sogar ein metaphysischer Nutzen – hat mit der Motivation zu tun und stört nicht dabei, sodann ein selbstloses Gernhaben in sich auszudehnen.

    Lieben Gruß!

    So lange es dem Selbstzweck dient, stärkt es dann nicht die Vorstellung vom Selbst und den Anderen ? ...
    Empfindet man liebevolle Güte in einen Augenblick in dem man an das "Ich und die Anderen" keinen Gedanken verschwendet ...empfindet man grenzenloses Metta. Wenn man nach Objekten sucht, auf die man Metta anwenden bzw. ausweiten kann, dann wird sich immer etwas finden, auf das man sich beschränkt. Denke ich...

    Liebe Grüße zurück

  • Carneol
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    • 12. November 2016 um 21:18
    • #37
    Carneol:
    Karnataka:


    Zunächst glaube ich, dass es nicht weiter hilft, nur den Mangel zu beachten. Wie du schreibst, geht es um die innere Einstellung: Innere Anteilnahme und Warmherzigkeit, Vertrauen und eine Stimmung der Güte mindern das Gefühl quälender Einsamkeit.


    Vielleicht kannst du auch genau dieses Gefühl quälender Einsamkeit zum Objekt deiner Meditation machen - es in allen Aspekten in Ruhe und ganz bewusst auseinandernehmen. Woher kommt dieses Gefühl, wann taucht es auf, unter welchen Bedingungen, wann ist es nicht da, warum dann nicht, etc... so lange bis dir nichts, aber auch gar nichts mehr dazu einfällt... wenn du es also genug beobachtet und angenommen hast, also akzeptiert dass es da sein darf, löst es sich vielleicht sogar auf.

    Hier muss ich allerdings einen Disclaimer anfügen: ich habe davon bisher auch nur gelesen, aber keine Erfahrung damit. Für dich musst du selbst entscheiden. Vielleicht hat ja sonst jemand hier Erfahrungen mit dieser Methode, der dir evtl. noch hilfreiche Tips geben kann.


    Da hat doch eben jemand zu dem Thema einen eigenen Thread aufgemacht - schau mal hier:

    http://www.buddhaland.de/viewtopic.php?f=2&t=16037

    Im erwachten Herzen leuchtet jede Farbe. (Jack Kornfield)

  • Yofi
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    6. Februar 2016
    • 12. November 2016 um 23:22
    • #38
    Zitat

    Töten, ihr Brüder, ist das Böse,
    Stehlen ist das Böse,
    den Wünschen Frönen ist das Böse,
    Lüge ist das Böse,
    Verleumdung ist das Böse,
    barsche Rede ist das Böse,
    geschwätzige Rede ist das Böse,
    Gier ist das Böse,
    Wut ist das Böse,
    falsche Erkenntnis ist das Böse.

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    http://www.palikanon.com/majjhima/ken/m009.htm

  • Karnataka
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    • 13. November 2016 um 11:20
    • #39
    Carneol:
    Carneol:


    Vielleicht kannst du auch genau dieses Gefühl quälender Einsamkeit zum Objekt deiner Meditation machen - es in allen Aspekten in Ruhe und ganz bewusst auseinandernehmen. Woher kommt dieses Gefühl, wann taucht es auf, unter welchen Bedingungen, wann ist es nicht da, warum dann nicht, etc... so lange bis dir nichts, aber auch gar nichts mehr dazu einfällt... wenn du es also genug beobachtet und angenommen hast, also akzeptiert dass es da sein darf, löst es sich vielleicht sogar auf.

    Hier muss ich allerdings einen Disclaimer anfügen: ich habe davon bisher auch nur gelesen, aber keine Erfahrung damit. Für dich musst du selbst entscheiden. Vielleicht hat ja sonst jemand hier Erfahrungen mit dieser Methode, der dir evtl. noch hilfreiche Tips geben kann.


    Da hat doch eben jemand zu dem Thema einen eigenen Thread aufgemacht - schau mal hier:

    http://www.buddhaland.de/viewtopic.php?f=2&t=16037

    Hallo Carneol,

    nein, das Beispiel quälender Einsamkeitsgefühle galt in der Hauptsache nicht meiner persönlichen Befindlichkeit. Unser Thema ist der Nutzen Liebevoller Güte. Das geistige Vermögen dazu ist in jedem Fall notwendig, um Glück im Kontakt zu anderen Menschen zu empfinden. Hat ein Mensch beispielsweise viele nur oberflächliche Kontakte, dann können diese auch rasch wieder verschwinden. Liebevolle Güte ist die innere Ebene, die zu äußeren Bedingungen, die wir nicht immer perfekt gestalten können, hinzukommen muss.

    Mein Sohn ist gerade bei mir. Ich sagte zu ihm: Schön, dass du da bist. Er lächelte daraufhin, was mich glücklich macht. Dieses Bewusstsein, geliebt zu werden, ist natürlich wichtig für mich. Der erste und entscheidende Schritt ist jedoch, dass ich ihm Liebe entgegenbringe. (Wenn du antwortest, dann antworte bitte nicht nur in Bezug auf mich und meinen Sohn! Es geht schließlich um grundsätzliche Zusammenhänge.)

    Achtsamkeit gegenüber den eigenen Gefühlen, die du ansprichst, ist die Voraussetzung einer gelungenen Interaktion mit anderen Menschen. Wenn ich etwa ein zorniges Gefühl erlebe, reicht es manchmal wirklich, bloß abzuwarten.

    Doch zeigt das Beispiel Zorn auch die Grenzen reiner Achtsamkeit: Wenn man aber beispielsweise immer den anderen alle Schuld für den eigenen Zorn gibt (oder den eigenen Zorn sogar gutheißt), dann braucht es eine Veränderung der kognitiven Einstellung. Hat man überdies die Neigung dazu, ständig Zorn zu empfinden, dann kann dies mit inneren Prozessen zu tun haben, die eine tiefe Versöhnung erfordern, könnte ich mir vorstellen. Eine solche Versöhnung meint keinen kognitiven Entschluss, sondern einen emotionalen Vorgang.

    Lieben Gruß.

  • Yofi
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    • 13. November 2016 um 13:32
    • #40

    Gedanken zum Thema und Anregung:

    Was in der westlichen Zivilisation als Narzissmus z. B. in Verbindung mit Eitelkeit und vorgetäuschter Freundlichkeit gilt - wobei letzteres in Wirklichkeit dem eigenen narzisstischen Interesse dient -, wird im Buddhismus als 'Wahn' bezeichnet. Es heißt ja auch, dass die Ursache im Wahn liegt - der Mensch selbst kann sich befreien insofern er den Blick von seiner Verfehlung nicht abwendet. Zu der falschen Sicht (Absicht) gehört auch vorgespielte Freundlichkeit, die auf der gewaltsamen Unterdrückung der Selbsterkenntnis beruht. Das daraus resultierende Gefühl des Mangels sucht sich dann andere Wege aus dem Unterbewusstsein an die Oberfläche zu gelangen, was ja auch - so unangenehm es sein kann - eine nützliche Alarmfunktion darstellt.

    Zitat

    Weil nämlich aufgrund jenes Unerschaffenen (asankhata) der Dünkelwahn (māna) der Männlichkeitswahn und alle übrigen Arten des Wahns (In A.III.39b werden 3 Arten des Wahns oder der Eitelkeit (mada, eig. Berauschung) aufgezählt: Gesundheitswahn, Jugendwahn, Lebenswahn; Vibh. p.345 sogar 27 Arten, nämlich: Abstammungswahn, Familienwahn, Gesundheitswahn, usw.), wahnlos und zunichte werden, darum nennt man es die Wahnzerstörung. Und weil dadurch aller sinnliche Durst zur Überwindung und Aufhebung gelangt, darum nennt man es die Überwindung des Durstes.

    VIS. VIII. 4. Die Betrachtung über den Frieden (upasamânussati)

    Das geht auf die drei Wurzeln zurück. Gier (Durst), Hass, Verblendung.

  • Carneol
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    • 13. November 2016 um 15:12
    • #41
    Karnataka:

    Hat ein Mensch beispielsweise viele nur oberflächliche Kontakte, dann können diese auch rasch wieder verschwinden. Liebevolle Güte ist die innere Ebene, die zu äußeren Bedingungen, die wir nicht immer perfekt gestalten können, hinzukommen muss.


    Hi Karnataka,
    das sehe ich auch so.

    Karnataka:

    Mein Sohn ist gerade bei mir. Ich sagte zu ihm: Schön, dass du da bist. Er lächelte daraufhin, was mich glücklich macht. Dieses Bewusstsein, geliebt zu werden, ist natürlich wichtig für mich. Der erste und entscheidende Schritt ist jedoch, dass ich ihm Liebe entgegenbringe. (Wenn du antwortest, dann antworte bitte nicht nur in Bezug auf mich und meinen Sohn! Es geht schließlich um grundsätzliche Zusammenhänge.)


    Genau - darüber hatten wir ja auch schon gesprochen. Sorry, dass ich mich gern an Beispielen festhalte - ich finde das fördert die Verständlichkeit des Ausdruckes. Aber ich werde deine Bitte berücksichtigen.

    Karnataka:

    Achtsamkeit gegenüber den eigenen Gefühlen, die du ansprichst, ist die Voraussetzung einer gelungenen Interaktion mit anderen Menschen. Wenn ich etwa ein zorniges Gefühl erlebe, reicht es manchmal wirklich, bloß abzuwarten.

    Doch zeigt das Beispiel Zorn auch die Grenzen reiner Achtsamkeit: Wenn man aber beispielsweise immer den anderen alle Schuld für den eigenen Zorn gibt (oder den eigenen Zorn sogar gutheißt), dann braucht es eine Veränderung der kognitiven Einstellung. Hat man überdies die Neigung dazu, ständig Zorn zu empfinden, dann kann dies mit inneren Prozessen zu tun haben, die eine tiefe Versöhnung erfordern, könnte ich mir vorstellen. Eine solche Versöhnung meint keinen kognitiven Entschluss, sondern einen emotionalen Vorgang.

    Lieben Gruß.


    Ich denke die Versöhnung bedeutet ein Annehmen der eigenen Gefühle - kein Wegdrücken sondern ein Beobachten - Zorn ist z.B. nur ein oberflächlicher Ausdruck viel tiefer liegender Emotionen - und deren bedingter Entstehung - erst wenn man alles bewusst anschaut, kann es sich klären und ggf. auch auflösen...

    Herzliche Grüße :om:

    Im erwachten Herzen leuchtet jede Farbe. (Jack Kornfield)

  • Yofi
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    • 13. November 2016 um 15:24
    • #42
    suchender2:

    Hallo Community,
    mich beschäftigt seit ein paar Tagen eine gewisse Frage in Bezug zu anderen Menschen und würde gerne mal eure Meinung dazu hören.


    Noch ein Gedanke dazu kann mit der Frage in Verbindung gebracht werden: Wie könnte man dieses "Menschen" auf alle Geschöpfe und ferner auf alle Umstände und Situationen im Leben ausweiten.

    Die "Menschen" kommen und gehen - alles, womit man in Berührung kommt, geht irgendwann. Die Art, wie man damit umgeht, hängt von der inneren Einstellung ab, und die richtet sich wiederum an der Erkenntnis der Zusammenhänge. Das ist also der primäre Bereich, der die Art unserer Interaktion mit der Umwelt bedingt.

    Wie geht man mit den "anderen" um - eben so, wie man mit sich selbst umgeht. Man überträgt den inneren Bezug nach außen.

    Wie andere das machen - tja, ob sie immer die Wahrheit sagen oder überhaupt kennen...

    :)

    Grüße, Yofi

  • Spacy
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    • 13. November 2016 um 19:16
    • #43
    Yofi:
    suchender2:

    Hallo Community,
    mich beschäftigt seit ein paar Tagen eine gewisse Frage in Bezug zu anderen Menschen und würde gerne mal eure Meinung dazu hören.


    Noch ein Gedanke dazu kann mit der Frage in Verbindung gebracht werden: Wie könnte man dieses "Menschen" auf alle Geschöpfe und ferner auf alle Umstände und Situationen im Leben ausweiten.

    Die "Menschen" kommen und gehen - alles, womit man in Berührung kommt, geht irgendwann. Die Art, wie man damit umgeht, hängt von der inneren Einstellung ab, und die richtet sich wiederum an der Erkenntnis der Zusammenhänge. Das ist also der primäre Bereich, der die Art unserer Interaktion mit der Umwelt bedingt.

    Wie geht man mit den "anderen" um - eben so, wie man mit sich selbst umgeht. Man überträgt den inneren Bezug nach außen.

    Wie andere das machen - tja, ob sie immer die Wahrheit sagen oder überhaupt kennen...

    :)

    Grüße, Yofi

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    Man kann natürlich hingehen und so tun, als ob alles nur ein einziges Eiapopeia vom Himmel wäre und sich auf die Sicherung des Eiapopeia outsourcen.
    Es fragt sich nur, ob das outsourcing oder das Eiapopeia der Grund für das danach ist.

  • Yofi
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    • 13. November 2016 um 21:44
    • #44

    :lol: Es soll auch etwas ganz ohne Grund möglich sein - Fragen, Antworten, Annahmen und Vorstellungen sind Eiapopeia des leidenden dualistischen Geistes. Dagegen scheint das Schweigen die bessere Wahl zu sein. Betroffenes Schweigen beispielsweise.

  • Morpho
    Gast
    • 13. November 2016 um 22:50
    • #45

    yofi:

    Zitat

    Wie geht man mit den "anderen" um - eben so, wie man mit sich selbst umgeht. Man überträgt den inneren Bezug nach außen.


    Korrekt. Wobei es da auch differenzielle Abweichungen gibt. Man geht also mit sich selbst anders um als mit anderen, besser oder schlechter.

  • Max Schenzle
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    • 15. November 2016 um 21:27
    • #46

    Hi,
    im Achtfachen Pfad steht über die Behandlung von anderen Menschen:
    1. Den Nächsten für sich selbst nehmen.
    2. Liebe, Mitleid und Erbarmen

    sakko

  • Karnataka
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    • 20. November 2016 um 12:20
    • #47
    Spacy:


    Man kann natürlich hingehen und so tun, als ob alles nur ein einziges Eiapopeia vom Himmel wäre und sich auf die Sicherung des Eiapopeia outsourcen.
    Es fragt sich nur, ob das outsourcing oder das Eiapopeia der Grund für das danach ist.


    Eiapopeia meint ja das Spiel mit Kleinkindern oder auch das Verhältnis, das wir zu Kindern haben. In der Diskussion hier ging es um Liebevolle Güte und die Frage, ob Liebevolle Güte eher ein selbstloses Gefühl der Zuneigung oder eher ein Empfinden wechselseitigen Wohlergehens bedeutet. Praktisch relevant empfinde ich dies für die meditative Übung Liebevoller Güte.

    Ich bin der festen Überzeugung, dass Eiapopeia der Ursprung allen sozialen Empfindens ist. Das gilt für die Entwicklung eines emotional gesunden Kleinkindes genauso wie für die Entwicklung des sozialen Lebens überhaupt. Säugetiere und Vögel besitzen eine Empfindung der Nähe für ihren Nachwuchs. Diese Empfindung trat zur evolutionären Konkurrenzsituation hinzu. Diese ursprüngliche Muttertier-Jungtier-Bindung galt durch emotionale und kognitive Entwicklung dann auch dem Rudel bzw. den Artgenossen und führte schließlich zu den individuellen Beziehungen bei Primaten, denke ich.

    Auch beim Menschen ist es nach wie vor so, dass es besonders Müttern gelingt, ihre Motivation ehrlich und dauerhaft auf das Wohl eines anderen Menschen – gemeint ist natürlich das Wohl ihres Kleinkindes – zu richten. Dieses Empfinden bedeutet aber kein wechselseitiges Wohlergehen, kein Mitgefühl für sich selbst, sondern eigentlich die Bereitschaft, sich nötigenfalls aufzuopfern, etwa auf den nächtlichen Schlaf zu verzichten. Geht es also darum, in der Meditation Liebender Güte ein natürliches Empfinden auszudehnen, dann sprechen wir aus meiner Sicht von mütterlichem bzw. väterlichem Empfinden der Fürsorglichkeit.

    Das Eiapopeia funktioniert dann zumeist auch im familiären Rahmen ausgezeichnet. Doch bedeutet dies nicht, dass es im größeren Rahmen unterschiedlicher Beziehungen, etwa am Arbeitsplatz oder in einem sozialen Netzwerk, automatisch ebenso wäre. Denken wir nur an den armen Ned Flanders von den Simpsons, der zumeist nicht gut wegkommt. Hier muss also eine Strategie der Verteidigung gegenüber destruktiven Kräften hinzukommen.

  • sati-zen
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    • 20. November 2016 um 14:44
    • #48

    Du hast vergessen zu erwähnen, dass nach der liebevollen Bindung im Kleinkindalter und dem dazugehörigen Eiapopeia das Lösen der Beziehung folgen muss will das heranwachsende Lebewesen jemals selbstständig überleben. Ohne diese Lösung der Kinder von den Eltern gibt es keinen Fortbestand der Art, denn nur mit einer selbstständigen Lebensweise können Nachkommen heranwachsen die das Überleben sichern. So ist das Eiapopeia als Kind notwendig aber genauso notwendig ist es als junger Erwachsener loslassen zu können um es dann bei den eigenen Kindern wieder anzuwenden.
    Fehlt dieser Schritt der Emanzipation der Persönlichkeit wird das Überleben nur durch Unterstützung anderer Menschen möglich und das ist nicht das Ziel. Deshalb lehrte Buddha schon vor 2500 Jahren die Autonomie des Organismus, testete es durch Versuch und Irrtum aus und kam so relativ unabhängig zum Erwachen.

  • Spacy
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    • 21. November 2016 um 05:52
    • #49

    Was nutzt es, sich die Welt als ein Eiapopeia zu suggerieren, wenn die Welt nicht so ist?
    Wenn man im Eiapopeia stecken bleibt, wird man, sobald man die selbstgewählte Echokammer einer idealisierten Welt mal verlassen muß, große Schwierigkeiten bekommen, denke ich.
    Nichts gegen das Eiapopeia - aber es ist nur ein winziger Teil der Realität, ein Überbetonung erscheint mir fehl am Platze und führt, wie das andere Extrem des Pendels der Moral, die Empathielosigkeit, in den Abgrund.

  • Anandasa
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    • 21. November 2016 um 08:39
    • #50
    Spacy:

    Wenn man im Eiapopeia stecken bleibt, wird man, sobald man die selbstgewählte Echokammer einer idealisierten Welt mal verlassen muß, große Schwierigkeiten bekommen, denke ich.


    Das war für mich das Zitat der Woche: Ich stecke ständig in einer idealisierten Welt, daher kommen meine Leiden! Diese einfache Sache war irgendwie sehr schwer zu sehen. Aber jedenfalls Danke!

    Die Dinge entstehen, existieren und vergehen. Das ist normal. Ajaan Tippakorn

Ausgabe №. 135: „Achtsamkeit und Aktivismus"

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