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Mitgefühl - Bücher - tib. Buddhismus (vorzugsweise Gelug)

  • Andrej
  • 2. September 2016 um 14:57
  • Zum letzten Beitrag
  • Andrej
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    • 2. September 2016 um 14:57
    • #1

    Hallo Leute,

    es gibt auf dem Markt ja etliche Bücher, die von Mitgefühl und dessen Entwicklung handeln.
    Da es so viel Auswahl gibt, ist es auch schwer sich zu entscheiden.

    Ich befasse mich mit dem tibetischen Buddhismus. Dort vor allem mit der Gelug-Tradition.
    Da es doch schon einige Unterschiede zu den anderen drei großen tib. Traditionen gibt, würde ich ungern Texte von Lehrern anderer Traditionen mischen - bevor ich nicht zumindest die eine Richtung gut genug verstanden habe.

    Ich würde mich sehr über Buchempfehlungen von Gelug-Lehrern zu diesem Thema freuen.


    PS: Wenn ihr sagt, einige Werke sind universell verständlich und nützlich, dann bitte her damit. :)

    Grüße

  • Lucky Luke
    Gast
    • 2. September 2016 um 15:47
    • #2
    Andrej:

    Ich würde mich sehr über Buchempfehlungen von Gelug-Lehrern zu diesem Thema freuen.

    Hallo Andrej,

    Da brauchst Du nur ein Buch vom Dalai Lama lesen, und schon hast Du automatisch das Thema Mitgefühl dabei.

    Wie wäre es mit dem "Buch der Menschlichkeit" ? Ich selbst habe die Hör CD und fand sie sehr ansprechend :)

    Aber natürlich gibt es noch X andere Bücher vom Dalai Lama, die man unter diesem Gesichtspunkt lesen könnte.

  • 123XYZ
    Gast
    • 2. September 2016 um 16:20
    • #3

    Hallo Andrej,

    "Sonnenstrahlen des Geistestrainings" von Namkha Päl ist ein Standardwerk der Gelugpa-Tradition zum Thema Bodhicitta.

  • Andrej
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    • 2. September 2016 um 17:03
    • #4

    Hallo Sherab Yönten,

    Danke schon mal für den Tipp! Ich weiß nicht warum, aber irgendwie finde ich keinen Zugang zum Dalai Lama und habe die Bücher von ihm bisher gemieden. Den grüßten Teil meines Wissens habe ich von der Berzin-Seite. Aber vielleicht wäre es mal doch einen Versuch wert. :)

    Mir wäre es wichtig, dass die Bücher vor allem zwischen "Idioten-Mitgefühl" bzw. "falschem Mitgefühl" und tatsächlichem selbstlosen Mitgefühl vermitteln - also nicht nur beschreiben, was Mitgefühl ist, sondern möglichst drauf eingehen, was es NICHT ist.

  • Karnataka
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    • 3. September 2016 um 12:45
    • #5
    Sherab Yönten:
    Andrej:

    Ich würde mich sehr über Buchempfehlungen von Gelug-Lehrern zu diesem Thema freuen.

    Hallo Andrej,

    Da brauchst Du nur ein Buch vom Dalai Lama lesen, und schon hast Du automatisch das Thema Mitgefühl dabei.

    Wie wäre es mit dem "Buch der Menschlichkeit" ? Ich selbst habe die Hör CD und fand sie sehr ansprechend :)

    Aber natürlich gibt es noch X andere Bücher vom Dalai Lama, die man unter diesem Gesichtspunkt lesen könnte.

    Ich sehe das „Buch der Menschlichkeit“ als den ersten Versuch des DL zu einer systematischen Ethik. „Rückkehr zur Menschlichkeit“ ist die spätere, aus meiner Sicht wesentlich verbesserte Variante. Der englische Titel entspricht wohl mehr der Intention des DL: Beyond Religion. Ethics for the whole world. Es handelt sich also um eine, wie der DL ausführlich erklärt, säkulare Ethik. Wenn die Auseinandersetzung mit moderner Wissenschaft interessiert, ist das Werk Gefühl und Mitgefühl sehr zu empfehlen, das der DL gemeinsam mit dem Emotionswissenschaftler Paul Ekman verfasst hat!

    Die Richtungen im tibetischen Buddhismus werden zumeist in metaphysischer Hinsicht unterschieden. Auch dort wird also freudvoll diskutiert, wie die Leere richtig zu verstehen sei. In Hinsicht auf die Ethik wird die Sache sicher enorm komplex, da hier gesellschaftliche und politische Umstände hineinspielen. Da kenne ich mich zwar nicht aus, doch ließe sich vergleichsweise kein pauschaler Unterschied der christlichen Kirchen zur Nächstenliebe festmachen, da diese nach dem Religionsstifter das wichtigste Gebot überhaupt ist.

    Anmerkung zum von Andrej genannten „Idioten-Mitgefühl“: Ich glaube, dass sich die Möglichkeit nicht leugnen lässt, Mitgefühl für manipulative Zwecke zu missbrauchen. Vermutlich bedeutet auch im tibetischen Buddhismus Mitgefühl, sich um einen geistigen Zustand des Mitgefühls zu bemühen, um über komplexe Probleme nachzudenken. Dann ist Mitgefühl keine Emotion wie Zorn, die das Denken einengt. Im Gegenteil sollte es helfen, einen weiten Blickwinkel und damit bessere Lösungen zu finden.

  • kilaya
    Gast
    • 3. September 2016 um 13:01
    • #6

    Ein anderer Ansatz könnte sein, nach Büchern über Gottheiten zu schauen, die Mitgefühl in besonderer Weise verkörpern, also v.a. Chenrezig und Tara. Da wird dann naturgemäß auch Mitgefühl eine zentrale Rolle spielen.

    Ansonsten ist der persönliche Umgang mit Mitgefühl und Ethik im Laufe der Zeit in einem ständigen Wandel. Je weiter man auf dem Bodhisattva-Pfad kommt, umso mehr nehmen einerseits die Fähigkeiten zu, mühelos zu helfen, auf der anderen Seite nimmt die - ich nenne es mal: Intuition - zu, wo und wie es überhaupt sinnvoll und angemessen ist, zu helfen.

    Während die meisten mit klaren ethischen Regeln anfangen, weil diese Intuition noch fehlt, kann man mit zunehmender Entwicklung auch geschickte Mittel anwenden, wobei das Verhalten von den anfänglich starren Regeln auch immer mehr auch mal abweichen kann. Es sollte aber so herum verlaufen, dass das zunehmende Mitgefühl einem diese Mittel gewissermaßen spontan in die Hand gibt. Wer herumrennt und aus irgend einem Stolz heraus "mit dem geistigen Schwert fuchtelt" und das für "geschickte Mittel" hält, liegt meistens weit daneben.

    Ich finde ein guter Merksatz ist: geschickte Mittel heissen so, weil sie einem geschickt werden, wenn es angemessen ist. Man greift nicht willkürlich selbst danach. Auf die Weise kann man sich einige Peinlichkeiten ersparen.

    kilaya

  • Lirum Larum
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    Buddh. Richtung
    Ich protestiere gegen den mangelnden Respekt vor den unterschiedlichen Traditionen.
    • 3. September 2016 um 14:02
    • #7

    "Mitgefühl und Liebe" von Jeffrey Hopkins (der lange Jahre Dolmetscher für den Dalai Lama war).
    Untertitel: "Meditationstechniken und buddhistische Sichtweise",
    Goldmann Taschenbuch, Arkana Reihe. ISBN 3-442-21613-3

    Ich hab nicht viele solcher Bücher gelesen, aber dieses ist jedenfalls super.

    :rainbow: Gute Wünsche für jede und jeden. :tee:


  • Lirum Larum
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    Buddh. Richtung
    Ich protestiere gegen den mangelnden Respekt vor den unterschiedlichen Traditionen.
    • 3. September 2016 um 14:19
    • #8

    Zum Thema "Idiotenmitgefühl" ist vielleicht dieser Artikel ganz interessant, der zwar überhaupt nicht anprangert, aber doch die Irrtümer bezüglich von Mitgefühl, Mitleid und Empathie hervorhebt. Allerdings auf Englisch - aber ich persönlich finde das ganz hilfreich, um mich von Begriffen zu lösen und mehr mit der Gefühlsebene der Sache zu befassen:

    http://info-buddhism.com/Empathy-Compassion-Neuroscience-Ricard-Altruism.html#


    Thomas23:

    ....
    "Sonnenstrahlen des Geistestrainings" von Namkha Päl ist ein Standardwerk der Gelugpa-Tradition zum Thema Bodhicitta.


    Nur um ein bisschen Erbsen zu zählen: "Bodhicitta" ist nicht exakt gleich "Mitgefühl", denn genau heißt es "Erleuchtungsgeist". Das ist der Wunsch, aus Mitgefühl heraus für die anderen möglichst zügig den Zustand eines Buddha erreichen zu wollen.

    :rainbow: Gute Wünsche für jede und jeden. :tee:


  • Karnataka
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    • 3. September 2016 um 14:41
    • #9
    kilaya:

    Ein anderer Ansatz könnte sein, nach Büchern über Gottheiten zu schauen, die Mitgefühl in besonderer Weise verkörpern, also v.a. Chenrezig und Tara. Da wird dann naturgemäß auch Mitgefühl eine zentrale Rolle spielen.

    Ansonsten ist der persönliche Umgang mit Mitgefühl und Ethik im Laufe der Zeit in einem ständigen Wandel. Je weiter man auf dem Bodhisattva-Pfad kommt, umso mehr nehmen einerseits die Fähigkeiten zu, mühelos zu helfen, auf der anderen Seite nimmt die - ich nenne es mal: Intuition - zu, wo und wie es überhaupt sinnvoll und angemessen ist, zu helfen.

    Während die meisten mit klaren ethischen Regeln anfangen, weil diese Intuition noch fehlt, kann man mit zunehmender Entwicklung auch geschickte Mittel anwenden, wobei das Verhalten von den anfänglich starren Regeln auch immer mehr auch mal abweichen kann. Es sollte aber so herum verlaufen, dass das zunehmende Mitgefühl einem diese Mittel gewissermaßen spontan in die Hand gibt. Wer herumrennt und aus irgend einem Stolz heraus "mit dem geistigen Schwert fuchtelt" und das für "geschickte Mittel" hält, liegt meistens weit daneben.

    Ich finde ein guter Merksatz ist: geschickte Mittel heissen so, weil sie einem geschickt werden, wenn es angemessen ist. Man greift nicht willkürlich selbst danach. Auf die Weise kann man sich einige Peinlichkeiten ersparen.

    kilaya

    Sicher ist die persönliche Weiterentwicklung das Wichtigste. Auch ist oft einfach fürsorgliches Empfinden gefragt, um zum richtigen Handeln zu gelangen.

    Doch gehört auch das Nachdenken zur Ethik. Ansichten, die das Zusammenleben betreffen, resultieren aus unterschiedlichen Faktoren. Da gibt es eine Haltung („Mitgefühl“), das Wissen um Fakten („Bildung“), sowie die Auseinandersetzung mit anderen Meinungen. Damit Kommunikation aber zu einem geschickten Mittel wird, braucht es einen herrschaftsfreien Dialog, wo das Argument nicht die einzige, aber doch eine wichtige Rolle spielt.

  • Lucky Luke
    Gast
    • 3. September 2016 um 14:51
    • #10
    Karnataka:

    „Rückkehr zur Menschlichkeit“ ist die spätere, aus meiner Sicht wesentlich verbesserte Variante.

    Danke für den Hinweis, das ist mir bisher nicht bekannt gewesen, dass es eine "verbesserte Variante" dazu gibt. Hast Du beide Bücher gelesen ? Vermutlich sind viele Teile doppelt, oder ?
    Das Buch der Menschlichkeit beinhaltet für mich übrigens nicht nur Ethik, es wird auch viel auf Weisheit/ Mitgefühl und abhängiges Entstehen eingegangen.

  • Karnataka
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    • 3. September 2016 um 15:14
    • #11
    Sherab Yönten:

    Danke für den Hinweis, das ist mir bisher nicht bekannt gewesen, dass es eine "verbesserte Variante" dazu gibt. Hast Du beide Bücher gelesen ? Vermutlich sind viele Teile doppelt, oder ?
    Das Buch der Menschlichkeit beinhaltet für mich übrigens nicht nur Ethik, es wird auch viel auf Weisheit/ Mitgefühl und abhängiges Entstehen eingegangen.

    :) keine Überschneidungen. Mir ist die "Rückkehr" wichtiger. Das Thema Leerheit fehlt dort vollständig, die säkulare Haltung wird ausführlich erklärt. Nach eigener Auskunft verfolgt der DL diese Haltung nicht, um für den Buddhismus über das Hintertürchen die Werbetrommel zu rühren. Sondern es geht ihm um eine moderne Ethik, deren Begründung von keiner bestimmten Religion abhängt, die zugleich aber auch keiner Religion widerspricht. In Zeiten zunehmender Unsicherheit, Angst, Ablehnung, Ausgrenzung und Feindseligkeit gegenüber Menschen muslimischer Religionszugehörigkeit finde ich dieses Vorhaben besonders zukunftsweisend. Der DL stellt das gemeinsame Menschsein in den Vordergrund, ohne dabei religiös empfindende Menschen vor den Kopf zu stoßen.

  • 123XYZ
    Gast
    • 3. September 2016 um 19:37
    • #12
    Losang Lamo:
    Thomas23:

    "Sonnenstrahlen des Geistestrainings" von Namkha Päl ist ein Standardwerk der Gelugpa-Tradition zum Thema Bodhicitta.

    Nur um ein bisschen Erbsen zu zählen: "Bodhicitta" ist nicht exakt gleich "Mitgefühl", denn genau heißt es "Erleuchtungsgeist". Das ist der Wunsch, aus Mitgefühl heraus für die anderen möglichst zügig den Zustand eines Buddha erreichen zu wollen.


    Du hast natürlich recht das man Bodhicitta nicht nur auf Mitgefühl reduzieren kann.
    Aber Mitgefühl ist durchaus das Hauptthema von Bodhicitta, "Erleuchtung durch Mitgefühl".
    Ich komme gerade vom ersten Tag eines Bodhicitta-Kurses.
    Das oben genannte Werk ist ein populärer Kommentar zum Text "Die Sieben Punkte der Geistesschulung", niedergeschrieben von Geshe Chekawa (1102-1176) nach einer Übertragung des Yogacara-Meisters Serlingpa aus Sumatra an Atisha.

    Der Text fängt an mit "Ehre dem Großen Mitgefühl!"

    Normalerweise fangen Texte mit Ehrerbietungen an Manjushri, Shakyamuni, Chenrezig .. an.
    Mit der Ehrerbietung an das große Mitgefühl wollte man unterstreichen das Mitgefühl einen besonderen, einzigartigen Stellenwert neben den üblichen Schriftenkategorien inne hat.

    Ich denke die Beschäftigung mit Bodhicitta kann sehr gewinnbringend sein wenn man mehr über die "richtige" Art von Mitgefühlsäußerung erfahren möchte.

  • Lucky Luke
    Gast
    • 3. September 2016 um 19:59
    • #13
    Thomas23:

    Mit der Ehrerbietung an das große Mitgefühl wollte man unterstreichen das Mitgefühl einen besonderen, einzigartigen Stellenwert neben den üblichen Schriftenkategorien inne hat.

    Was meinst Du mit "üblichen Schriftenkategorien" ?

  • 123XYZ
    Gast
    • 3. September 2016 um 20:14
    • #14

    Hallo Sherab,

    Bikshu Tenzin Peljor hat uns heute erklärt man könne die Kategorie der Schriften an den Ehrerbietungen des Anfangs erkennen: Manjushri=Weisheit, Buddha=Ethik, Buddhas u. Bodhisattvas=Konzentration.

  • Karnataka
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    • 3. September 2016 um 21:54
    • #15
    Andrej:

    Mir wäre es wichtig, dass die Bücher vor allem zwischen "Idioten-Mitgefühl" bzw. "falschem Mitgefühl" und tatsächlichem selbstlosen Mitgefühl vermitteln - also nicht nur beschreiben, was Mitgefühl ist, sondern möglichst drauf eingehen, was es NICHT ist.

    Vermute, dass du da beim DL auch nicht fündig wirst. Ein heikles Thema. Nachdem du aber dieses wichtige Thema angeschnitten hast, beschäftigt es mich und ich nehme mir die Freiheit, ein paar Gedanken hier zu formulieren.

    Nehmen wir eine Zeitung, die eine herzzerreißende Story von einem kleinen Hündchen bringt. Vielleicht ist die Geschichte schlicht erlogen und die Zeitung bringt sie nur, um sich als mitfühlend darzustellen, während sie bei viel wichtigeren Themen harte Ansichten propagiert. Ähnlich erlebte ich unlängst, wie die Bundessprecherin „meiner“ Partei einer heiklen Frage auswich, indem sie eine rührselige Geschichte auftischte.

    Mitgefühl als Gefühl ist vermutlich etwas, das in manchen Situationen angemessen sein kann, aber nicht generell überhöht werden sollte. Beispielsweise ist es für eine Krankenschwester wichtig, sich abgrenzen zu können, um ihren Beruf auszuüben. Vielleicht muss man vor der Gefahr der Manipulation sogar warnen.

    Der DL beschreibt Mitgefühl als eine Ausrichtung des Geistes, als Bereitschaft, zum Wohl anderer zu handeln, die aus dem Gefühl der Verbundenheit erwächst. Ein solches Vertrauen stärkt unsere sozialen Fähigkeiten. Schließlich meint Mitgefühl wohl auch etwas, das mit Glaube und Gewissen zu tun hat.

  • kilaya
    Gast
    • 3. September 2016 um 22:46
    • #16

    Hier ein Abschnitt aus "Das Diamantlicht des gewöhnlichen Geistes" vom 9. Karmapa (von mir gekürzt und editiert zur besseren Lesbarkeit).

    Zitat

    Sogar wenn du durch die Meditation starkes Vertrauen, Mitgefühl und derlei Qualitäten entwickelt hast, werden diese sich aufgrund ihrer Unbeständigkeit wieder auflösen, wenn sie nicht durch das Verständnis der Untrennbarkeit von Mitgefühl und Leerheit gereinigt worden sind.

    Nimm an, du entwickelst Mitgefühl für jemanden, der keine guten Dharmaqualitäten besitzt: Momentan denkst du, es wäre nützlich, ihm zu helfen. Wenn du, obwohl dies keinerlei letztendlichen Nutzen brächte, deine eigenen guten Dharmaqualitäten fallen läßt, um ihm zu helfen, hat sich Mitgefühl als Feind erhoben.

    Ein Beispiel. Angenommen, du siehst einen Jäger, der Schwierigkeiten hat, einen Hirsch zu töten, und aus Mitgefühl für ihn entschließt du dich, ihm zu helfen. Wenn du dein eigenes Mitgefühl für Tiere und dein Gelübde, nicht zu töten, aufgibst und ihm hilfst, das Tier zu erschießen, hat sich Mitgefühl als Feind erhoben.

    In diesem Fall solltest du die Natur dieses Mitgefühls erkennen. Veweile, indem du das Gefühl weder unterdrückst noch ihm nachgehst. Durch unermüdliche gute Wünsche zum Wohle aller Wesen wirst du, während du dich in diesem Zustand befindest, das Mitgefühl, das sich als Feind erhebt, ausschalten und das Wohl der Wesen in Übereinstimmung mit dem abhängigen Entstehen bewirken.

    Die Fähigkeit, andern mühelos zu helfen, entsteht nach dem Gesetz von Ursache und Wirkung als Ergebnis dieser Gebete ebenso wie durch die Verwirklichung der Einheit von Mitgefühl und Leerheit. Während du auf die Erleuchtung hinarbeitest, ist es grundlegend, Mitgefühl zu entwickeln und anderen zu helfen - aber mit Weisheit.

    Es besteht ein großer Unterschied zwischen einem Bodhisattva, der unkonventionelles Verhalten einsetzt, um jemandem zu helfen, weil er sieht, daß dies letztlich wohltätige Wirkungen hervorbringen wird, und einem Anfänger ohne Verwirklichung, der sehr emotional anderen stümperhaft zu helfen versucht, damit nicht wirklich hilft und nur seine eigene Praxis schädigt.

    Gib nicht vor, ein Bodhisattva zu sein, wenn du es nicht bist, und benutze Mitgefühl nicht als Rechtfertigung für impulsives Handeln. Aber selbstverständlich solltest du jemandem, der zum Beispiel im Begriff ist zu fallen, helfen. Du mußt einfach deinen gesunden Menschenverstand gebrauchen.

    Angenommen, du hast noch keine sichere Verwirklichung in der richtigen Sicht der Leerheit und meinst stattdessen, durch dein verwirrtes Lernen von Grammatik, Logik und so weiter die Voraussetzung für die Einsicht in die richtige ursprüngliche Sichtweise zu schaffen: Wenn du dann das Meditieren aufgibst, so heißt das "Ursache und Wirkung, die sich als Feind erheben".

    Es ist falsch anzunehmen, daß das Lernen weltlicher Wissenschaften zum Verständnis der Leerheit führt. Es ist umgekehrt. Wenn du Einsicht in die Leerheit gewonnen hast, folgt jedes andere Wissen und jede andere Weisheit. Das heißt natürlich nicht, daß du nichts studieren sollst, bevor du die Leerheit vollkommen verwirklicht hast, aber du solltest Prioritäten setzen.

    Bemüh dich daher, die richtige Sichtweise zu erlangen, und meditiere darüber. Indem du dich ohne Hoffnung und Furcht darin übst, wirst du dieses Hindernis ausschalten.

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  • verrückter-narr
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    • 4. September 2016 um 10:16
    • #17

    ja, trungpa prägte den begriff “idiot compassion” im neuzeitlichen buddhismus, aber es war wohl gurdjieff, der es vorher schon verwendet hat.
    http://www.wildmind.org/blogs/on-practice/idiot-compassion
    http://caslater.freeservers.com/disability4.htm

    mitfühlend zu handeln und zu sprechen, bedeutet aber auch nicht immer, dass es von den betreffenden als angenehm empfunden wird, sondern manchmal kann mitfühlendes handeln und sprechen auch als unangenem wahrgenommen werden. im Abhayarājakumāra Sutta, mn 58, wird dies erklärt.
    http://www.palikanon.com/majjhima/zumwinkel/m058z.html
    http://www.palikanon.com/majjhima/m058n.htm

    Zitat

    "Ebenso, Prinz, Worte, die der Tathāgata als unwahr, falsch und nicht nützlich erkennt, und die auch anderen unwillkommen und unangenehm sind: solche Worte äußert der Tathāgata nicht. Worte, die der Tathāgata als wahr und richtig, aber nicht nützlich erkennt, und die auch anderen unwillkommen und unangenehm sind: solche Worte äußert der Tathāgata nicht. Worte, die der Tathāgata als wahr, richtig und nützlich erkennt, aber die anderen unwillkommen und unangenehm sind: für den Gebrauch solcher Worte kennt der Tathāgata den richtigen Zeitpunkt. Worte, die der Tathāgata als unwahr und falsch erkennt, aber die anderen willkommen und angenehm sind: solche Worte äußert der Tathāgata nicht. Worte, die der Tathāgata als wahr und richtig, aber nicht nützlich erkennt, und die anderen willkommen und angenehm sind: solche Worte äußert der Tathāgata nicht. Worte, die der Tathāgata als wahr, richtig, und nützlich erkennt, und die anderen willkommen und angenehm sind: für den Gebrauch solcher Worte kennt der Tathāgata den richtigen Zeitpunkt. Warum ist das so? Weil der Tathāgata Mitgefühl für die Wesen hat."

  • Andrej
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    • 4. September 2016 um 22:10
    • #18

    Guten Abend an alle,

    erst mal freut es mich, dass das Thema zumindest etwas Anklag gefunden hat! Die anfänglichen Diskussionen versrechen auch sehr spannend werden zu können.

    Ich würde mich grundsätzlich auch gern daran beteiligen. Allerdings würde ich die Empfehlung aussprechen, dies in einen anderen Thread zu verlagern (gibt es bereits einen für das Thema Mitgefühl?) und diesen hier - aus Übersichtgründen! - auf das Empfehlen / Diskutieren von Büchern zu beschränken.

    Vielleicht noch kurz zu dem Begriff "Idioten-Mitgefühl" - Ich ziele damit auf die notwendige Verbindung aus Mitgefühl und Weisheit / untersscheidenem Gewahrsein. Ja, @Lucy, den Begriff habe ich von Trungpa Rinpoche. ;) Das Problem ist bei den meisten Büchern, dass sie viel zu eindeutige, für meinen Geschmack oft überzeichnete und offensichtliche Beispiele verwenden. Das wahre Leben ist aber viel komplizierter, und das Notwendige bzw. wirklich helfende Handeln ist kaum zu sehen. Man wäre oft gerne in der Lage zu helfen, weiß aber nicht wie. Was ist richtig? Die Hilfe schwankt oft zw. "nicht frei vom Ego" (Allein der Gedanke, dass "ICH" gerne helfen will, ist ja schon "Ego-zentriert") und einer Art "Mitleid" (Alles für den Menschen machen - was definitv weder die Person, noch mich oder unser Miteinander weiterbringt). Wann und wie erkennt man seine eigenen Grenzen? etc. pp.

    ----------------------
    Ich fasse mal die tollen Empfehlungen bisher zusammen - entschuldigt / ergänzt / verbessert bitte, wenn ich etwas vergessen habe:

    Gelug:
    - Namkha Päl - "Sonnenstrahlen des Geistestrainings"
    - Geshe Thubten Ngawang - Mit allem verbunden

    Eher allgemeiner, aber von Gelug-nahen Autoren/Lehrer:
    - Dalai Lama - Buch der Menschlichkeit
    - Dalai Lama - Rückkehr zur Menschlichkeit - Richtung sekulärer Ethik
    - Dalai Lama - Gefühl und Mitgefühl
    - Jeffrey Hopkins -Mitgefühl und Liebe

    Autoren / Lehrer aderer Schulen:
    - 9. Karmapa - Das Diamantlicht des gewöhnlichen Geistes
    - Trungpa Rinpoche - Erziehung des Herzens [Anm. v. mir]
    --> beide Kagyü


    Sonstiges:
    - Bücher großer Gottheiten, die mit dem Thema assoziiert werden
    -------------------------

    Auf Anhieb sprechen mich die Werke von Namkha Päl und Trungpa Rinpoche (trotz Gefahr von Verwirrung aufgrund seines Kagyü-Herkunft).

  • kilaya
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    • 5. September 2016 um 00:06
    • #19

    Ich würde jetzt den Karmapa-Text nicht komplett zu diesem Thema nennen, da geht es in erster Linie um was anderes. Ich fand nur das Zitat sehr passend zum inhaltlichen Teil des Threads.

    Im Moment sehe ich keinen Anlass, den Thread aufzutrennen. Aber eine vertiefende inhaltliche Diskussion kann natürlich gerne als neuer Thread gestartet werden.

    kilaya

  • Andrej
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    • 5. September 2016 um 13:27
    • #20

    Danke Lucy!

    Mal ein kleiner Exkurs: Wie ich oben schon mal angeschnitten habe, merke ich in einigen Situationen, dass der Fortschritt der spirituellen Praxis (hier: Mitgefühl) oft nicht frei vom Ego ist und dieses womöglich sogar noch stärken kann, anstatt dessen Verständnis und damit dessen Auflösung zu begünstigen.

    So bin ich auf das Buch "Spirituellen Materialismus durchschneiden" von Chögyam Trungpa [Amazon-Link] gestoßen.

    Habt ihr dieses gelesen? Eure Meinungen & Erfahrungen dazu würden mich schon interessieren. :)

  • kilaya
    Gast
    • 5. September 2016 um 13:54
    • #21

    Grundsätzlich ein sehr gutes Buch, finde ich sehr empfehlenswert.

    kilaya

  • Samten
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    • 5. September 2016 um 14:15
    • #22

    eines, das man gewiss mehr als nur einmal studiert....;)

  • Andrej
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    • 5. September 2016 um 14:40
    • #23

    Tatsächlich denke ich, dass die in dem Buch besprochene Problematik derzeit das eigentliche Hindernis für meine Praxis darstellt.


    Bestellt ist es eh schon. :grinsen:

  • Samten
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    • 6. September 2016 um 18:16
    • #24

    nadenn...
    Erziehung des Herzens /Chögyam Trungpa (wie du bereits erwähntest), überaus empfehlenswert.....hattn überaus stabilen Einband und kann deshalb immer und überall mit dabeisein, zumindest bei mir...;)

  • Samten
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    • 6. September 2016 um 19:24
    • #25

    Yepp.... :vajra:
    (Ich/wir) hamm im Wohnz. noch son schönes dazu passendes Plakat an der Wand: seven points of Mindtraining...noch aus "Vajra-Dhatu-Zeiten"...

Ausgabe №. 135: „Achtsamkeit und Aktivismus"

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