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Shingon

    • Vajrayana
  • Sôhei
  • 9. März 2016 um 10:04
  • Zum letzten Beitrag
  • kilaya
    Gast
    • 11. März 2016 um 23:14
    • #26

    Ja stimmt schon, es gibt halt diese weitverzweigten gegenseitigen Einflüsse und Tantra ist generell ein Symbolmagie-System. Überall gibt es spannende Ideen, und man kann froh sein, wenn man einige dieser Ideen in einer lebendigen und praktizierbaren Weise aufgreifen kann.

    kilaya

  • 123XYZ
    Gast
    • 12. März 2016 um 09:41
    • #27
    kilaya:

    Ja stimmt schon, es gibt halt diese weitverzweigten gegenseitigen Einflüsse und Tantra ist generell ein Symbolmagie-System. Überall gibt es spannende Ideen, und man kann froh sein, wenn man einige dieser Ideen in einer lebendigen und praktizierbaren Weise aufgreifen kann.


    Ja, und die im Westen ansässigen Zentren scheinen, wenn ich mich nicht täusche, ohnehin offener und nicht so sehr auf eine bestimmte schulische Linie versteift zu sein. Zumindest in den drei Sanghas wo ich bislang war hat man mir geraten mich auch in anderen Zentren umzusehen und mir erklärt das man für alle Richtungen offen sei.

    Nochmal zurück zu Shingon: Könnte man Shingon nicht am besten mit der tibetischen Nyingma-Linie vergleichen? Ich kenne mich nicht vertieft mit Nyingma aus, wird in dieser ältesten tib. Schulrichtung Anuttarayoga Tantra praktiziert?
    Interessant wäre auch zu wissen inwieweit die Reformen der neueren tib. Übersetzungslinien in Shingon eingeflossen sind. Ich könnte mir vorstellen das es hier eine spezifisch eigene japanische Weiterentwicklung gegeben hat, wie man ja auch an der Aufteilung der o.a. Schulen in ältere/orthodoxe und neuere/reformierte zu sehen scheint.

  • kilaya
    Gast
    • 12. März 2016 um 12:30
    • #28
    Thomas23:

    Ja, und die im Westen ansässigen Zentren scheinen, wenn ich mich nicht täusche, ohnehin offener und nicht so sehr auf eine bestimmte schulische Linie versteift zu sein. Zumindest in den drei Sanghas wo ich bislang war hat man mir geraten mich auch in anderen Zentren umzusehen und mir erklärt das man für alle Richtungen offen sei.


    Normalerweise bezieht sich diese Offenheit darauf, dass man niemanden festhalten will und jeder das finden soll, was passt. Sonst funktioniert es eh nicht. Aber was nach meiner Erfahrung so gut wie nie gemacht wird, ist die eigenen Linie und Praxis mit der anderer Schulen zu vermischen: entweder-oder. Das macht auch meistens Sinn, weil immer ein Komplettpaket geschnürt wird mit sich ergänzenden Elementen, ausserdem sind oft Kategorien, Begriffe und philosophisches Grundverständnis zumindest so verschieden, dass man als Anfänger sonst eher verwirrt wird.

    Thomas23:

    Nochmal zurück zu Shingon: Könnte man Shingon nicht am besten mit der tibetischen Nyingma-Linie vergleichen? Ich kenne mich nicht vertieft mit Nyingma aus, wird in dieser ältesten tib. Schulrichtung Anuttarayoga Tantra praktiziert?


    Ja, Nyingma ist vielleicht sogar die Linie, in der Dzogchen / Atiyoga am ursprünglichsten praktiziert wird. Bön-Dzogchen und Nyingma-Dzogchen sind sehr nah an einander. Und "inner Tantra" = Yidampraxis ist in allen tibetischen Schulen zentral. Ich glaube nicht, dass man da eine herausgreifen kann, die ähnlicher ist als die anderen. Ob meine Idee von weiter oben sinnvoll ist, bin ich nicht mehr so sicher. Vermutlich muss man doch Tibet und Japan als Äste sehen, die sich beide weiter verzweigen.

    kilaya

  • Sôhei
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    • 12. März 2016 um 13:34
    • #29
    Thomas23:

    Nochmal zurück zu Shingon: Könnte man Shingon nicht am besten mit der tibetischen Nyingma-Linie vergleichen? Ich kenne mich nicht vertieft mit Nyingma aus, wird in dieser ältesten tib. Schulrichtung Anuttarayoga Tantra praktiziert?
    Interessant wäre auch zu wissen inwieweit die Reformen der neueren tib. Übersetzungslinien in Shingon eingeflossen sind. Ich könnte mir vorstellen das es hier eine spezifisch eigene japanische Weiterentwicklung gegeben hat, wie man ja auch an der Aufteilung der o.a. Schulen in ältere/orthodoxe und neuere/reformierte zu sehen scheint.

    Nur kurz, da ich unterwegs bin:
    Die tibetischen Übersetzungslinien sind überhaupt nicht in Shingon eingeflossen.
    Shingon hat auch keinen anderen bezug zu tibetischen Vajrayanalinien; die Gemeinsamkeiten gehen auf die indischen Vorformen zurück.
    Ich werde ab nächster Woche schauen ein bisschen was einzubringen.

  • 123XYZ
    Gast
    • 13. März 2016 um 12:15
    • #30
    Sôhei:

    Die tibetischen Übersetzungslinien sind überhaupt nicht in Shingon eingeflossen.
    Shingon hat auch keinen anderen bezug zu tibetischen Vajrayanalinien; die Gemeinsamkeiten gehen auf die indischen Vorformen zurück.


    Klingt sehr spannend!
    Ich habe gelesen das im esoterischen Buddhismus in China die ursprüngliche Elementelehre durch die daoistische Elementelehre ersetzt wurde.
    Ist das auch im Shingon der Fall? Shingon kam ja aus China nach Japan.

    kilaya:

    Vermutlich muss man doch Tibet und Japan als Äste sehen, die sich beide weiter verzweigen.


    Nach aktuellem Informationsstand in diesem Thread zu urteilen scheint das wohl wirklich am Sinnvollsten zu sein.

  • verrückter-narr
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    • 13. März 2016 um 20:09
    • #31

    Hier finden sich einige Infos zum Shingon und Tendai Buddhismus:
    http://www.bghh.de/Esoterischer-Buddhismus-Japan.pdf

  • Sôhei
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    • 13. März 2016 um 20:54
    • #32
    Thomas23:
    kilaya:

    Vermutlich muss man doch Tibet und Japan als Äste sehen, die sich beide weiter verzweigen.


    Nach aktuellem Informationsstand in diesem Thread zu urteilen scheint das wohl wirklich am Sinnvollsten zu sein.

    Das ist das, was ich schon zu Beginn im Gespräch mit Kilaya meinte.
    Das hat aber eben nichts mit unserem Dafürhalten oder Kenntnisstand zu tun, sondern ist ganz einfach ein Fakt. Ich betone das so, weil es eben (wie sich hier ja auch zeigt) wohl manchmal nicht so leicht zu akzeptieren ist, da halt für gewöhnlich aber fälschlicherweise Vajrayana nur mit den tibetischen Ausprägungen identifiziert bzw. mit diesen gleichgesetzt wird.
    (Und ich erinnere gerne auch noch mal an die eindrucksvollen Anhänger-Zahlen in Japan, eben sogar deutlich mehr als Zen.)

  • Sôhei
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    • 13. März 2016 um 21:09
    • #33
    Thomas23:


    Ich habe gelesen das im esoterischen Buddhismus in China die ursprüngliche Elementelehre durch die daoistische Elementelehre ersetzt wurde.
    Ist das auch im Shingon der Fall? Shingon kam ja aus China nach Japan.

    Nein, das trifft so nicht zu. Im Shingon dominiert ganz klar die Lehre die indische Elementenlehre, bezeichnet als godai, d.i. die "fünf Großen" (Erde, Wasser, Feuer, Luft, Raum) oder rokudai, die "sechs Großen" (+ Bewusstsein/Geist).
    Aber natürlich hat sich Shingon auch in Japan entwickelt und verändert. Die Religionsdichte und -komplexität in Japan ist enorm hoch; neben den diversen buddhistischen Schulrichtungen sind da v.a. eben daoistische und konfuzianische Lehren zu nennen, das Gebilde "Shinto", oder auch Strömungen wie Shugendo und Tachikawa.
    Der esoterische Buddhismus hat in Japan lange Zeit eine wichtige politische Rolle gespielt und ist auch in eine intensive Auseinandersetzung mit vielen dieser Strömungen getreten; v.a. dem Shinto.

    Die chinesischen fünf Wandlungsphasen sind in Japan aber v.a. als Referenzrahmen der chinesischen Medizin weitverbreitet, welche ja bis ins 18/19. Jh. die dominierende Medizin in Japan war. So kommt es durchaus vor, dass in Texten auf beide Systeme Bezug genommen wird.

    "Die sechs Elemente durchdringen sich gegenseitig ungehindert und sind ewig eins.
    Sie sind nicht getrennt von den Vier Mandalas.
    Durch die Praxis der Kraftübertragung der Drei Geheimnisse verkörpern sie sich unmittelbar.
    Das universale Netz ist das, was wir unseren Körper nennen.
    Allen Dingen wohnt von Natur aus Bodhisattva-Weisheit inne; diese transzendiert den Geist an sich, die untergeordneten Aspekte des Geistes und die Sinnesobjekte.
    Jeder der Fünf Weisheitsaspekte ist mit grenzenloser Weisheit ausgestattet.
    Das ist die Kraft des vollkommenen Spiegels, ist wahre erleuchtete Weisheit."
    (Kûkai – Sokushin jôbutsu gi)

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    • 2. Juli 2016 um 12:10
    • #34
    Zitat

    rgendwie auch spannend, dass es soweit ich weiß bis heute keine Niederlassung in Deutschland gibt; oder überhaupt in Europa?

    es gibt einen deutschen, der wohl einige zeit in japan lebte und sich dort u.a. mit ninjutsu und shingon beschäftigte und dies nun hier auf kommerzieller basis zusammen mit einer eigenen reiki-form unterrichtet. persönlich halte ich dies aber nicht für seriös.
    http://www.reiki-do-institut.com/ausbildung-zum…h/15-reiki.html
    http://www.reiki-institut-freiburg.de/shingon-reiki.html

    es gibt auch die shinnyoen gruppe http://www.shinnyoen.de/, http://www.saisho-goma-berlin.com/de, deren gründer u.a. auch dem shingon zuzuordnen ist. die gruppe ist aber auch umstritten https://de.wikipedia.org/wiki/Shinnyo-En, http://www.ezw-berlin.de/html/15_1493.php

    der nächst gelegene shingon tempel bzw. gruppe befindet sich in
    frankreich http://www.komyo-in.net/
    kroatien http://mandala.hr/
    grossbritanien http://www.lightshiptherapies.net/BC/index.html, https://www.facebook.com/GloucesterBuddhistCentre?fref=ts, http://www.dharmawheel.net/viewtopic.php?t=4203

  • verrückter-narr
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    • 2. Juli 2016 um 12:32
    • #35

    der deutsche theravada-mönch Bhikkhu Philipp Thitadhammo aus freising http://www.bodhi-vihara.org/ war früher wohl auch shingon mönch, wandte sich dann aber dem theravada zu.
    Seite 40 http://www.bghh.de/BM_01_2013_Inhalt.pdf

    Zitat

    Das Folgejahr verbrachte er an der Taisho Universität in Tokyo, wo er Vorlesungen zur Buddhismuskunde mit dem Schwerpunkt auf Mahāyāna und Vajrayāna besuchte. Im Anschluss erhielt er die japanischen Mönchsweihen, den Ordinationsnamen Seiho und absolvierte eine einjährige Vajrayāna Ausbildung im Shingon Buddhismus auf dem Koya Berg sowie in Tokushima auf der Insel Shikoku. Diese schloss er mit der Weihe zum Ācārya ab.
    Da sein Interesse sich immer mehr dem Ursprungsland der japanisch buddhistischen Tradition zugewendet hatte, wechselt e er nach seiner Rückkehr nach Deutschland das Hauptfach auf Sinologie. Es folgten zwei Aufenthalte in Taiwan, wo er in Klostergemeinschaften mitlebte und die Erlaubnis erhielt, nach dem Studium dort in die Hauslosigkeit zu gehen. Mit einer Magisterarbeit über das Thema „Chan Meister im gegenwärtigen Taiwan: ein Vergleich der Meister Baiyun (Qianfoshan) und Shengyan (Fagushan) bezüglich ihres Chan Verständnisses“ beendete er seine akademischen Lehrjahre.

  • verrückter-narr
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    • 18. Dezember 2016 um 12:00
    • #36

    weitere interessante Links:
    https://www.univie.ac.at/rel_jap/an/Geschichte/Kukai
    http://www.donicon.de/index.php/wiss…des+Shingon.pdf
    http://selfdefinition.org/tantra/Yamasak…ic-Buddhism.pdf
    https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/jiab…nload/8710/2617
    http://www.academia.edu/Documents/in/Shingon
    http://www.uni-goettingen.de/de/document/do…iplett_0567.pdf
    http://www.bdk.or.jp/document/dgtl-…nTexts_2004.pdf
    http://townsendgroups.berkeley.edu/sites/default/…ngon_ritual.pdf
    http://www.academia.edu/27230665/Shing…penetration.pdf
    http://www.uky.edu/Centers/Asia/S…2_Kobubunji.pdf
    https://www.princeton.edu/~jstone/Articl…20for%20the.pdf

  • Benkei
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    • 17. August 2017 um 18:41
    • #37

    Namaste!

    Hatte diesen interessanten Tread letztes Jahr übersehen, weil ich unterwegs war (auch in so manchem Kloster/Tempel der Shingon Shû :) ).

    Deshalb erst jetzt ein kurzer "Einwurf":

    Neben den bereits erwähnten Unterschieden zum tibetischen Vajrayana sind weitere Unterschiede, dass das Zölibat in der heutigen Shingon Shû als "Pflichtprogramm" kaum mehr eine Rolle spielt, ebensowenig wie das Vinaya. Die verschiedenen Schulen der Shingon Shû haben eigene "Zehn Regeln" (Jukai), die auf den Gründer (bzw. Übermittler) der Lehre, Kôbô Daishi Kûkai, zurückgehen.

    Besonders für den Shingon-Laien ist dann auch die Verehrung und Hinwendung an den Daishi von essentieller Bedeutung. Er wird hier ähnlich angerufen wie Amida Buddha im japanischen Jôdomon (Amitabha-Buddhismus/"Tor des Reinen Landes"). Kûkai soll in seinem Mausoleum auf dem Kôya-san noch immer in "Ewiger Meditation" zum Wohl der Wesen wirken und er gilt für manchen als Nirmanakaya zwischen Shakyamuni und Maitreya (vergleichbar wohl mit Padmasambhava).

    Ein sehr interessanter Aspekt ist auch die mittlerweile in Japan verbotene Selbstmumifizierung, das Sokushinbutsu ("Buddha werden im gegenwärtigen Leib"). Diese Praxis war zwischen dem 16. und 19. Jahrhundert vor allem in Nordjapan um die Provinz Yamagata verbreitet, auch wenn sie im Geheimen ausgeübt wurde. Dort kann man noch immer einige der sogenannten "Körperikonen" bestaunen.

    Neben dem "separierten" Shingon-Buddhismus gibt es in vielen Schulen auch Orden von Yamabushi (Bergasketen), welche eine synkretistische Form aus Shingon-Buddhismus und Shintoismus mit taoistischen Einschlägen und fordernden Übungen (Wasserfallbad, Laufaskese, Hängen von der Klippe,etc.) praktizieren.

    Und natürlich sind im Shingon-Buddhismus auch Pilgerschaften beliebt - besonders die 88 Tempel der Insel Shikoku.

    < gasshô >

    Benkei

    Namu-Daishi-Henjo-Kongô

    "Allmorgendlich beginne ich meinen Tag damit, den Spiegel zu polieren;
    Täglich türme ich neue Staubschichten auf;
    Allabendlich beende ich meinen Tag damit, weiter zu polieren;
    Und scheinbar wirbelt auch ein Schlafender noch Staub auf."
    HôShin

  • kilaya 18. Dezember 2021 um 16:48

    Hat das Thema aus dem Forum Tibetischer Buddhismus nach Weitere Mahayana-Schulen verschoben.
  • kilaya 18. Dezember 2021 um 16:54

    Hat das Label Vajrayana hinzugefügt.

Ausgabe №. 135: „Achtsamkeit und Aktivismus"

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