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Dogen lehrte gar kein Shikantaza (Foulk/Heine)

  • diamant
  • 18. Oktober 2015 um 05:19
  • Zum letzten Beitrag
1. offizieller Beitrag
  • diamant
    Themenautor
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    24. Februar 2015
    • 18. Oktober 2015 um 05:19
    • #1

    Ich habe wiederholt darauf hingewiesen, dass man Dôgen Zenji auch anders verstehen kann, ja verstehen sollte, als es die Sôtô-Schule gemeinhin tut und viele von ihren Mitgliedern in Deutschland. Im neuen Buch von Steven Heine (Dogen and Soto Zen, Oxford 2015), aus dem ich kürzlich schon zitierte, findet sich der Aufsatz "Dogen’s Use of Rujing’s ‘Just Sit’ (shikan taza) and Other Koans” von T. Griffith Foulk, den der Herausgber folgendermaßen zusammenfasst:

    "Eine zentrale These dieses Kapitels ist, dass Dogen tatsächlich nicht die Art von Zazen lehrte (oder sich auch nur ausdachte), die ihm von modernen Soto-Gelehrten und Zen-Lehrern gemeinhin als Shikantaza zugewiesen wird. Foulk analysiert im Detail, dass Dogens Anweisungen fürs Zazen diesen Ausdruck nicht verwenden und auch keine Methode empfehlen, die sich mit dem deckt, was heutige Forscher über Nur-Sitzen sagen."

    Foulk zeigt vielmehr auf, dass Dôgen "Nur-Sitzen" als Kôan verstand. Dôgen habe Sitzen auf mehrere Weisen begriffen, als körperlich wie auch als "geistiges Sitzen" (mental sitting), das in jeder Haltung möglich sei. Hängt der Übende aber weder an körperlichen noch geistigen Phänomenen, dann ist dieser befreite Zustand das "Sitzen von 'Körper und Geist sind abgefallen'". Foulk schließt daraus, dass Dôgen seines Lehrers Rujings Ermahnung zum Nur-Sitzen als Aufforderung in diesem Sinne verstand: "Erlange nur Erwachen!".

    Diese Interpretation stützt u.a. meine hier seit langem geäußerte Kritik an der verzerrten Sicht, Dôgen habe kein "um ...zu" gelehrt. Sie ist ein gutes Beispiel dafür, dass Dôgen in der Tat vor der Vereinnahmung durch den Zensprech vieler Sôtô-Anhänger geschützt werden sollte. Nicht nur kennt Dôgen das Erwachen mittels eines Kôan (wie Sitzen), sondern er hält auch die eigentliche Tradition des sechsten Patriarchen durch sein Verständnis des "geistigen" und später "befreiten" Sitzens aufrecht.

    http://www.amazon.com/Dogen-Soto-Zen…/dp/B00T3FUVSO/

  • blue_aprico
    Gast
    • 18. Oktober 2015 um 16:48
    • #2

    d:

    Zitat

    Dôgen "Nur-Sitzen" als Kôan verstand.

    Nun, wenn man aber "Nur Sitzen" als Koan verstünde, kann es allenfalls Sitzen, aber kein `Nur Sitzen` sein. Ich kenn ja die Anweisung des Meisters von Dogen nicht, aber ich weiß, dass er sich nem harten Training unterworfen hat, dazu gehörte, dass der Meister die Schüler oft mit Stock und Schuh schlug, damit sie nicht einschlafen konnten. Ja, das körperliche Wegnicken mal beiseite geschoben, könnte man die Anweisung: "Nur Erwachen !" als Koan hernehmen. Möglicherweise hat Dogen das getan. Auch ihm war es sicherlich unklar, was das denn nun bedeuten sollte, bis er "verstand". :)


    Grüße
    Blue_

  • blue_aprico
    Gast
    • 18. Oktober 2015 um 21:14
    • #3

    d:

    Zitat

    Foulk analysiert im Detail, dass Dogens Anweisungen fürs Zazen diesen Ausdruck nicht verwenden und auch keine Methode empfehlen, die sich mit dem deckt, was heutige Forscher über Nur-Sitzen sagen...Dôgen habe Sitzen auf mehrere Weisen begriffen, als körperlich wie auch als "geistiges Sitzen" (mental sitting), das in jeder Haltung möglich sei.


    Zitat

    "Dogen sagte auch: Erreicht man den WEG mit dem Körper oder dem Geist ? In den Lehrschulen heißt es, der WEG werde mit dem Körper erreicht, da Körper und Geist eins sind. Allerdings kommt nicht klar heraus, daß wir den WEG mit dem Körper erreichen, wenn sie sagen, da Körper und Geist eins sind. Im Zen heißt es, daß sowohl der Körper als auch der Geist den WEG erreicht. ... Einem Weisen klärte sich der Wahre Geist ( die Wirklichkeit ), als er Pfirsichblüten sah, und ein anderer erwachte zum WEG, als er einen Dachziegel an einem Bambus schlagen hörte. Sie erreichten den WEG mit dem Körper. Wenn wir unsere Gedanken und Ansichten vollständig wegwerfen und shikantaza praktizieren, gehen wir deshalb weiter auf dem WEG und werden auf diese weise damit vertraut. Aus diesem Grunde erreicht man den Weg zweifellos mit dem Körper. Deshalb ermutige ich euch, aus ganzem Herzen Zazen zu üben." Zuimonki II 26


    Grüße
    Blue_

  • diamant
    Themenautor
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    24. Februar 2015
    • 18. Oktober 2015 um 22:07
    • #4

    Eine allgemeine Beobachtung: Um Dôgen einordnen zu können, ist es m.E. wichtig, sein gesamtes Werk zu studieren, also nicht nur Auszüge aus dem Shobogenzo, sondern dessen verschiedene Fassungen, das gesamte Eihei Koroku, auch seine Verse, das Eihei Shingi usw. Das Shobogenzo Zuimonki stammt von seinem Schüler Ejo bzw. dessen Schülern. Es stellt nur einen kleinen Teil der Überlieferung zu Dôgen dar, die - wenn man sie im Gesamten kennt - etliche Widersprüche enthält. Siehe hierzu auch David Putney über die frühen und späten Schriften Dôgens: http://www.thezensite.com/ZenEssays/Doge…lems_putney.htm

    [Meine Anmerkung zu Stellen, in denen Dôgen Aussagen von einem Weg von A nach B (also durch Übung zum Erwachen) nachgesagt werden, wo er also seine Vorstellung von Zazen mit den klassischen Erweckungsgeschichten in Einklang zu bringen sucht:}
    Die Idee, dass das Erwachen durch den Ton eines Kieselsteines auf Bambus etc. im Wesentlichen körperlich sei, ist ein Zirkelschluss in dieser Lesart (in diesem Falle kann man dafür vielleicht Ejo verantwortlich machen). Tatsächlich hören ja auch Nicht-Erwachte da einen Ton, aber er führt nur dann zum Erwachen, wenn der Geist darauf vorbereitet ist, keinerlei Gedanken bei der Wahrnehmung zu hegen. Denmach wäre es also gerade nicht die körperliche Sinneswahrnehmung, die hier entscheidet, sondern die "Leere" und Empfänglichkeit des Geistes.

  • Der Unbuddhist
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    • 24. Oktober 2015 um 09:59
    • #5

    diamant: Willst du nicht deine Arbeiten hier in letzter Zeit in irgend einer Form zusammen fassen und z.B. als Reader herausbringen? Ich habe es zwar nur oberflächlich verfolgt aber es scheint mit doch wichtig genug, um so einiges an Aberglaube im Esoterik-Zen richtig zu stellen und vielleicht etwas mehr zu etwas vorzudringen, was mit dem zu tun was die damals tatsächlich dachten und taten.

  • Der Unbuddhist
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    • 27. Oktober 2015 um 08:10
    • #6

    Ah, ok. Sehe, die Buddhalandzensur funktioniert immer noch bestens.

  • void
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    • 27. Oktober 2015 um 17:28
    • Offizieller Beitrag
    • #7
    Der Unbuddhist:

    Ah, ok. Sehe, die Buddhalandzensur funktioniert immer noch bestens.

    Von Zensur kann man nur dann sprechen, wenn es nicht um ein Verhalten sondern um bestimmte Inhalte geht.

    Der Benutzer Diamant wurde aber nicht wegen seiner kritischen Beiträge zu diversen Dharmalehrern gesperrt sondern deswegen, weil sein Verhalten von eine breiten Front an Benutzern und Moderatoren des Forums als untragbar erachtet wurde. Und als dimant im Bezug auf diverse Beiträge auf mögliche juriststischen Konsequenzen verwies, sah der Foreneigner keine gemeinsame Vertrauensbasis mehr gegeben.

  • Der Unbuddhist
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    • 27. Oktober 2015 um 17:56
    • #8

    Void. Zugegeben, hätte mir die Anmerkung auch sparen können.

Ausgabe №. 135: „Achtsamkeit und Aktivismus"

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