Es ist schade zu hören, daß scheinbar auch miese Erfahrungen gemacht wurden. Ich kenne das nicht und kenne persönlich auch niemanden, der an Scharlatane geraten ist. Ich denke, kritisches Denken sollte bei der Suche nicht fehlen, aber mit Mißtrauen wird man zumindest in den tantrischen Schulen nicht weit kommen.
Aber auch die Schüler sind nicht immer leicht, für die Lamas. Viele sind voller Konzepte und wollen zu vieles gleich am Anfang schon bekommen. Häufig lese ich von Selfmadepraktizierenden, die Phowa oder Vereinigungstantras nutzen, ohne die Voraussetzungen dafür zu schaffen. Weiter noch: Sie lehnen das sogar ab! Meinen, das sei alles Firlefanz, diene der Unterdrückung und der Hierarchiebildung.
Diese Sichtweise habe ich nie verstanden und zeugt nicht unbedingt von (selbst)kritischen Denken und weist auf ausgeprägten Stolz hin. Wäre ich soweit entwickelt, wie das manche von sich glauben, wäre ich nicht in dieser Situation (in Samsara). Jedenfalls geht es völlig am Sinn der tibetischen Schulen vorbei. Bei ihnen zählt die Übertragung immer als Kernunterweisung.
Dass es nicht um blindes Vertrauen geht, sondern um ein immer tiefer werdendes Bündnis zwischen dem Lehrer und einem selbst, sollte verstanden werden. Das ist ein Prozess, der in Freiheit, nicht in Abhängigkeit führt, wenn man den Lehrer eben nicht als Person sieht.
Die Schüler haben häufig feste Vorstellungen darüber, wie ein Lehrer zu sein hat. Gerade auch Gutmenschen kommen dann mit vielen Eigenschaften der Person nicht klar, und hängen sich lieber daran auf, als sich einfach nach einem anderen Lehrer umzusehen, der vielleicht besser den eigenen Vorstellungen entspricht. Statt dessen werden die Lamas kritisiert, weil sie vielleicht gerade erklärt haben, die Erde sei eine Scheibe (was manche alte Lamas tatsächlich noch glauben)
Das ist natürlich gerade am Anfang nicht leicht, darum rate ich immer dazu, sich mit den "normalen" Freunden, Kollegen und Verwandten darüber auszutauschen. Sie haben meist den klareren Blick von Aussen. Sagen sie, man würde komisch abgehoben, schwammig oder unscharf, oder nur scharf, ohne Herz, ist eindeutig was falsch. Das Ziel ist es ja, für die Leute nützlich zu werden. Reagieren sie zunehmend komisch auf uns, oder sie kommen uns immer komischer vor, dann ist Selbstskritik und Humor gefragt. Der Stolz gibt nicht gerne zu, daß man vielleicht dämlich handelt.
Ich wünsche jedenfalls jedem bei der Lehrerfrage Mut und vor allem auch Spaß!