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  1. Buddhaland Forum
  2. gruenkern

Beiträge von gruenkern

  • Zen-Kater

    • gruenkern
    • 18. November 2008 um 13:54

    Hallo humanworld,

    Ji'un Ken hat Dir ein paar wichtige Ratschläge gegeben. Besonders diesen: "Fang bei dir an. Du brauchst dich gerade sehr." solltest Du Dir zu Herzen nehmen.

    Ich weiß es ist schwer, aber Du solltest versuchen Dir selbst (Stück für Stück) zu vergeben. Ich denke, Dein Kater würde es auch tun.
    Ihr habt Euch gegenseitig jahrelang geliebt und dieses eine Ereignis sollte diese wunderschöne Beziehung nicht überschatten.

    Schuldgefühle zu ignorieren ist der falsche Weg. Arbeite mit ihnen. Du schreibst, dass Du Gutes tun willst und ich glaube das ist der richtige Weg um schwere Schuldgefühle loszulassen. Wie wäre es wenn Du ein wenig ehrenamtlich im Tierheim arbeiten würdest? Anderen Katern zu helfen, wird Dir bestimmt helfen Deine Schuldgefühle letztendlich loszulassen.

    Ich hoffe meine Ratschläge kommen nicht zu "direkt" rüber...

    mit metta
    gruenkern

    PS: Auch wenn Du zurzeit nicht lesen magst, möchte ich Dir dieses Buch empfehlen: http://www.amazon.de/Die-Kuh-die-we…27011512&sr=8-1
    Es enthält über 100 wunderschöne, aufmunternde Geschichten.

  • Keisaku

    • gruenkern
    • 13. November 2008 um 10:37

    http://de.youtube.com/watch?v=DzvDy6--oCM

  • Meditation gegen Sozialphobie??

    • gruenkern
    • 30. Oktober 2008 um 22:00
    crazy-dragon:

    Kampfkunst brauchst Du nicht anzuwenden- der beste Kampf ist der, den man nicht kämpft. Aber alleine durch die Übung erlangst Du mehr Selbstbewußtsein-und das spüren die Mobber instinktiv, genau wie sie mangelndes Selbstbewußtsein ahnen. Sieht man schon an Deiner Körpersprache. :shock::evil:


    So wie Hunde Angst riechen? :lol:

    crazy-dragon:

    Bei niedrigem Blutdruck wäre auch Jogging gut für Psyche und Körper- kann überall eingeschoben werden ohne Termindruck. Hauptsache, Du machst neben der Meditation noch was Aktives als Ausgleich. Glaube mir, das tut Dir gut. :P


    Das glaube ich Dir auf's Wort. Ich muss meine Sportkleidung mal wieder raussuchen... :D

  • Meditation gegen Sozialphobie??

    • gruenkern
    • 30. Oktober 2008 um 11:33
    crazy-dragon:

    @ Grünkern: Deine Art sich mobben zu lassen ehrt Dich- manchmal muß man aber sich auch etwas wehren; die Samurai übten ZEN und verteidigten sich trotzdem, ebenso sahen es die Shaolin...


    Nun, ich war seltsamerweise sehr häufig, wenn ich mich unter Menschen befand, Mobbingopfer. Das ging schon im Kindergarten los. Liegt wohl an meiner Ausstrahlung... oder es hat irgendwas mit Karmafrüchten zu tun.

    Irgendwann merkt man aber, dass (innere) Wut alles nur schlimmer macht.

    Oder in Buddha's Worten:
    "Noch nie in dieser Welt
    Hat Haß gestillt den Haß.
    Nur liebende Güte stillt den Haß.
    Dies ist ein ewiges Gesetz."
    (Dhammapada 5)

    Zitat

    Selbstbewußsein kannst Du aber auch sehr schnell durch Kampf-Kunst erlangen, wie Judo, Aikido, Karate etc...


    Jupp, das stimmt. Ich habe mal eine Zeit lang Ju-Jutsu gemacht. Es fördert auf jeden Fall das Selbstbewusstsein und -vertrauen.
    Angewendet habe ich's aber nie, denn ich war zum Glück nie in eine wirkliche Schlägerei verwickelt. Das gelernte Abwehren von Tritten und Schlägen half mir trotzdem öfters.

    Ich habe mir vorgenommen demnächst mal beim Judo vorbeizuschauen, denn meine Ärztin sagt ich solle (wegen meines zu niedrigen Blutdrucks) endlich mal wieder Sport machen :D
    Mir geht's aber nicht darum Kampf"kunst" zu lernen, sondern um Körper-Achtsamkeit und die oben genannten Nebeneffekte.
    Eigentlich könnte ich da auch Tai Chi oder Yoga machen, aber das wäre wohl nicht im Sinne meiner Ärztin.

  • Meditation gegen Sozialphobie??

    • gruenkern
    • 26. Oktober 2008 um 15:39

    Hej Ines91,

    ich kenne das sehr gut wovon Du redest.

    Ines91:

    Gibt es eine Meditation die genau dieses unabhängig sein von anderen Menschen, die dominierend sind und vor deren Nicht-akzeptanz man Angst hat thematisiert?


    byang.chub hatte Dir die Metta-Meditation empfohlen. Dem kann ich mich nur anschließen.
    Metta bedeutet so viel wie "liebende Güte" und diese Meditationform dient der Entwicklung und Entfaltung liebender Güte.

    So eine Meditation fängt oft mit einem selbst an (für mich das Schwierigste - nicht selten laufen dann die Tränen ;) ) und geht dann weiter über Menschen die einem Nahe stehen, Menschen denen man neutral gegenüber steht hin zu Menschen, die man nicht mag und dann noch weiter bis man metta allen Wesen gegenüber aussrahlt. Dadurch lernt man so einiges... vor allem: Verzeihen.
    Und du lernst ein gewisses Maß an Verständnis und auch Gleichmut. Du siehst den Menschen den Du nicht magst anders. Du siehst wie verfangen er in seinem Ego-Trip ist und anstatt Groll entwickelst sich Mitgefühl.

    Ich war letztes Jahr Mobbingopfer in unserer Studenten-WG. Und jedes mal wenn sich "ein Vorfall" ereignete empfand ich Mitgefühl meinen egozentrischen, egoistischen Mitbewohnerinnen gegenüber. Wie traurig, dass sie sich so rücksichtslos verhalten müssen um sich selbst gut zu fühlen... daraufhin habe ich ihnen in Gedanken gegenüber Wünsche ausgesprochen: "Möget ihr in euren Herzen wohnen. Möget ihr glücklich werden und Frieden finden!"
    Du glaubst gar nicht wie befreiend das war!

    Nun, Du findest sehr viele Anleitungen zur Metta-Meditation auch im Internet. Schaue z.B. einfach mal nach Büchern/Videos/Vorträgen von Ayya Khema.
    Hier findest Du einige Sachen von ihr: http://www.wat-lao.com/Bibliothek/index-Ayya%20Khema.html

    Übrigens auch eine geleitete Metta-Meditation: Liebende-Güte-Meditation: Bester Freund

    Mir hat dies sehr geholfen.

    Ein Buch möchte ich dir noch unbedingt empfehlen: Ajahn Brahm - "Die Kuh, die weinte"
    Ein wirklich wunderschönes Buch mit haufenweise aufmunternden, lehrreichen Geschichten.

    Dank Ajahn Brahm habe ich gelernt mir gegenüber Herzenswärme zu empfinden und mir selbst zu versichern, dass die Tür zu meinem Herzen für mich immer offen stehen wird, ganz gleich wer ich sein oder was ich auch tun werde.

    mit metta ;)
    gruenkern

  • Regeln für Laienanhänger

    • gruenkern
    • 5. Oktober 2008 um 13:15

    Thich Nhat Hanh hat die sila ein wenig moderner und ausführlicher beschrieben, bei ihm heißen sie "Achtsamkeitsübungen":

    Zitat


    1. Achtsamkeitsübung

    Im Bewusstsein des Leids, das durch die Zerstörung von Leben entsteht, gelobe ich, Mitgefühl zu entwickeln und Wege zu erlernen, um das Leben von Menschen, Tieren, Pflanzen und Mineralien zu schützen. Ich bin entschlossen, nicht zu töten, das Töten durch andere zu verhindern und keine Form des Tötens zu dulden, sei es auf der Welt, in meinen Gedanken oder in meiner Lebensweise.

    2. Achtsamkeitsübung

    Im Bewusstsein des Leids, das durch Ausbeutung, soziale Ungerechtigkeit, Diebstahl und Unterdrückung entsteht, gelobe ich, liebevolle Güte zu entwickeln und Wege zu erlenen, die zum Wohlergehen der Menschen, Tiere, Pflanzen und Mineralien beitragen. Ich gelobe Großzügigkeiten zu üben, indem ich meine Zeit, Energie und materiellen Mittel mit denen teile, die sie wirklich brauchen. Ich bin entschlossen, nicht zu stehlen und mir nichts anzueignen, was anderen zusteht. Ich will das Eigentum anderer achten, aber auch andere davon abhalten, sich an menschlichem Leiden oder am Leiden anderer Lebensformen auf der Erde zu bereichern.

    3. Achtsamkeitsübung

    Im Bewusstsein des Leids, das durch sexuelles Fehlverhalten entsteht, gelobe ich, Verantwortungsgefühl zu entwickeln und Wege zu erlernen, die Sicherheit und Integrität von Individuen, Paaren, Familien und der Gesellschaft zu schützen. Ich bin entschlossen, keine sexuellen Beziehungen einzugehen, die nicht von Liebe und der Bereitschaft zu langfristigem Zusammensein getragen sind. Ich bin entschlossen, meine Bindungen und die Bindungen anderer zu respektieren, um unser aller Glück zu erhalten. Ich will alles tun, was in meiner Macht steht, um Kinder vor sexuellem Missbrauch zu schützen und verhindern, dass Paare und Familien durch sexuelles Fehlverhalten auseinander brechen.

    4. Achtsamkeitsübung

    Im Bewusstsein des Leids, das durch unachtsame Rede und aus der Unfähigkeit, anderen zuzuhören, entsteht, gelobe ich, liebevolles Sprechen und tief mitfühlendes Zuhören zu entwickeln, um meinen Mitmenschen Freude und Glück zu bereiten und ihr Leid lindern zu helfen. In dem Wissen, dass Worte sowohl Glück als auch Leid hervorrufen können, gelobe ich, wahrhaftig und einfühlsam reden zu lernen und Worte zu gebrauchen, die Selbstvertrauen, Freude und Hoffnung fördern. Ich bin entschlossen, keine Neuigkeiten zu verbreiten, bevor ich nicht sicher bin, dass sie der Wahrheit entsprechen, und nichts zu kritisieren oder zu verurteilen, worüber ich nichts Genaues weiß. Ich will keine Worte gebrauchen, die Uneinigkeit oder Zwietracht säen oder zum Zerbrechen von Familien und Gemeinschaften beitragen können. Ich will mich stets um Versöhnung und um die Lösung aller Konflikte bemühen, so klein sie auch immer sein mögen.

    5. Achtsamkeitsübung

    Im Bewusstsein des Leids, das durch unachtsamen Umgang mit Konsumgütern entsteht, gelobe ich, für mich selbst, meine Familie und die Gesellschaft auf körperliche und geistige Gesundheit zu achten, indem ich achtsames Essen, Trinken und Konsumieren übe. Ich will nur das zu mir nehmen, was das Wohl und den Frieden meines Körpers und meines Geistes fördert und was ebenso der kollektiven körperlichen und geistigen Gesundheit meiner Familie und der Gesellschaft dient. Ich bin entschlossen, auf Alkohol oder andere Rauschmittel zu verzichten und keine Nahrungsmittel oder andere Dinge zu konsumieren, die mir schaden könnten, wie z.B. bestimmte Fernsehprogramme, Zeitschriften, Bücher, Filme und Gespräche. Ich bin mir bewusst, dass ich meinen Vorfahren, Eltern, der Gesellschaft und künftigen Generationen Unrecht tue, wenn ich meinen Körper und meinen Geist solch schädigenden Einflüssen aussetze. Ich will daran arbeiten, Gewalt, Angst, Ärger und Verwirrung in mir selbst und in der Gesellschaft zu transformieren, indem ich eine maßvolle Lebensweise übe. Mir ist bewusst, dass eine maßvolle Lebensweise entscheidend ist, für meine eigene Veränderung und die Veränderung der Gesellschaft.

    Alles anzeigen

    Vielleicht hilft Dir das ein wenig weiter.

  • Wiedergeburt als Baum?

    • gruenkern
    • 29. September 2008 um 13:05

    Hier versucht Bhikkhu Bodhi die Wiedergeburt anhand des alten Beispiels der Kerze(n) zu erklären: http://www.beyondthenet.net/dhamma/rebirth.htm

  • Wiedergeburt als Baum?

    • gruenkern
    • 28. September 2008 um 19:48
    Songhi:

    Aber wie will er denn als Stein gestorben sein?


    Ein Stein nutzt auch ab, bis er nur noch Sand ist :D
    Ich weiß aber nicht ob es möglich ist als Stein geboren zu werden. Hat ein Stein auch Begierde, Hass, Verblendung? Ich weiß es nicht.

    Übrigens: Laut Dieter Nuhr werden Buddhisten, welche sich unethisch verhalten haben als Spreewaldgurke wiedergeboren :lol:


    Aber back-to-topic: Eine Wiedergeburt als Baum kann ich mir vorstellen.

  • Wiedergeburt als Baum?

    • gruenkern
    • 28. September 2008 um 11:44
    Buddhismus-N00b:

    Ich weis nicht mehr geenau, wo ich das gelesen habe, aber in einer Geschichte des Buddha, in dem er einige Kinder belehrte, das jeder der grausam zu anderen ist, selbst grausam behandelt werden wird, war der Buddha selbst ein Baum. Also müsste es eigentlich möglich sein, als Pflanze wiedergeboren zu werden.


    Das stammt glaube ich aus einem Buch von Thich Nhat Hanh, indem er auch schreibt (wenn ich mich richtig erinnere), dass sich der Buddha an ein Leben als Stein zurückerinnern konnte. Auch eine schöne Daseinsform.

  • versuch einer beschreibung....

    • gruenkern
    • 23. September 2008 um 19:02
    KarmaJigmeDorje:

    Grünkern,
    ich verehre Ajahn Brahm!
    Jigme Dorje

    Hej Jigme,

    ja, Ajahn Brahm ist wirklich ein genialer Lehrer.
    Ich schätze besonders an ihm, dass er in seinen Dhammareden einfache, anfängergerechte Wörter wählt und daher auch für Nicht-Buddhisten verständlich ist. Außerdem lehrt er Traditionsübergreifend: er beschränkt sich nicht auf die Theravada-Schule und sieht alle buddhistischen Richtungen als eine "Familie". z.B. verwendet und erklärt er in einem seiner Beiträge den Begriff "Buddha-Natur".

  • versuch einer beschreibung....

    • gruenkern
    • 22. September 2008 um 15:57
    Leonidas:

    Ja, ist er. Gelugpa-Schüler. ;)


    Dann ist er doch ein sehr gutes Beispiel dafür, dass sich Buddhismus und Satire nicht ausschließen.

    Übrigens namaste, Du gehst doch öfter in die Pagoge Phat Hue, oder?
    Am 24. und 25.10. hält Ajahn Brahm dort Vorträge. An seiner Art Vorträge zu halten kannst Du sehen, dass sich auch Mönchstum und Witz vereinbaren lassen.
    Bei YouTube werden regelmäßig (ich glaube fast jeden Freitag) Dhammavorträge von ihm veröffentlicht, einfach mal nach "Ajahn Brahm" suchen.

  • versuch einer beschreibung....

    • gruenkern
    • 22. September 2008 um 11:05

    Zum Punkt Satire: Ist John Cleese (Monty Python) nicht auch Buddhist? Irgendwo habe ich das mal gelesen...

  • versuch einer beschreibung....

    • gruenkern
    • 20. September 2008 um 13:26

    Wer entscheidet was Du darfst und was nicht? Nur Du solltest dies tun, denke ich.
    Entscheide selbst was für Dich richtig ist und was nicht (die buddh. Bezeichnungen sind "heilsam" und "unheilsam"). Gewichte selbst.

  • Das Gesamtbild

    • gruenkern
    • 10. September 2008 um 13:20
    Akuma:

    Also was ist das End-Ziel buddhistischer Praxis?


    Loslassen.

    Und dies ist, wie Du schon schreibst, gleichsam einfach wie schwierig.

  • Zen-Zitate die mich berühren

    • gruenkern
    • 9. August 2008 um 23:49

    40. Koan des Mumonkan:

    Zitat

    Meister Wei-shan diente anfangs unter der Jüngerschar des Pai-Chang als Koch. Pai-Chang wünschte, den Vorsteher für den Berg Ta-kuei auszuwählen. Er ging zusammen mit (Wei-shan und) dem Jünger vom Obersten Sitz vor die Jüngerschar und ließ beide sich äußern. Pai-chang nahm einen Wasserkrug, stellte ihn auf den Boden und fragte: "Nennt diesen nicht Wasserkrug, wie nennt ihr ihn denn?" Der Mönch vom Obersten Sitz sprach: "Man kann ihn nicht Holzschuhe nennen." Pai-Chang fragte darauf den Wei-shan. Wei-shan stieß mit dem Fuß den Wasserkrug um und ging hinaus. Da lachte Pai-Chang und sprach: "Der Mönch vom Obersten Sitz ist dem Wei-shan unterlegen." So befahl er diesem die Klostergründung.

  • Starthilfe

    • gruenkern
    • 4. August 2008 um 21:13

    Vielen lieben Dank crazy-dragon, vielen lieben Dank bel.

  • Starthilfe

    • gruenkern
    • 3. August 2008 um 22:01

    Moin,
    leider fehlen hier die Literaturtipps, nur die Danksagungen sind übriggeblieben. Daher frage ich nochmal und hänge meine Fragen hier an:

    Welche (Anfänger-)Zen-Literatur könnt Ihr empfehlen?
    Ich hatte an Dogen's Shobogenzo gedacht. Ist dies anfängergeeignet?

    Von einigen Theravada-Seiten kenne ich, dass dort Bücher und Lehrreden als PDFs zum download zur Verfügung gestellt werden.
    Gibt es Zen-Literatur zum download?

  • Fragen zu Anatta und die Rolle des Karmas auf Myanmar

    • gruenkern
    • 14. Mai 2008 um 19:00
    Vinnana:

    Damit will ich aber auf keinen Fall sagen, dass seine Worte wertlos sind oder sowas in der Art.


    Nein, das habe ich auch nicht behauptet. Und wie gesagt: Thich Nhat Hanh kann sich natürlich auch gewaltig irren.

  • Fragen zu Anatta und die Rolle des Karmas auf Myanmar

    • gruenkern
    • 14. Mai 2008 um 16:48

    Ok, vielen lieben Dank nochmals an alle! Ich werde erstmal ein wenig Lesen und Grübeln und melde mich bei dringenden Fragen wieder.

    Das Problem für mich waren von Anfang an die verschiedenen Auffassungen der anatta-Lehre. Ein Glück gibt es dieses Forum für Fragen und Diskussionen. In Flensburg existiert leider "nur" eine Diamantweg-Gruppe. Ansonsten würde ich Buddhisten aus verschiedenen Schulen vor Ort ansprechen.

    Vinnana:

    Es ist aus meiner Sicht nicht falsch, was Thich Nhat Hanh da schreibt, aber er gibt (meiner Meinung nach) das abhängige Entstehen bzw. die Lehre vom Nicht-Selbst nicht so wieder wie sie der Buddha (im Palikanon) lehrte, aber das ist wahrscheinlich auch gar nicht sein Anspruch.


    Ich möchte Thich Nhat Hanh auch nicht unbedingt in Schutz nehmen. Nur, für mich als Einsteiger klang das von ihm Geschriebene (von den verschiedenen Meinungen, die ich bisher las/hörte) am plausibelsten und es las sich anfangs so, als ob Du mit seiner Meinung alles andere als einverstanden bist und sie als falsch ansiehst.
    Und das wunderte mich. Wie kann ein Mönch verschiedener Schulen, der sein Leben dieser Religion hingab, so stark falsch liegen?

    Wikipedia:

    Orthodoxen buddhistischen Kreisen geht Thích Nhất Hạnhs Lehrauslegung mitunter zu weit - wobei schon der Buddha betonte, dass auch seine eigene Lehre (wie alle Dinge) dem Wandel unterliegt und stets in der Darstellungsform der jeweiligen Zuhörerschaft und ihrem spezifischen historisch-sozialen Kontext angepasst werden muss.

    Allerdings dürfte der letzte Satz nicht eine Abänderung der "Kernlehre" bedeuten.


    Ach ja, und der Beitrag von think ging leider unter. Wäre schön (und interessant), wenn er auch noch beantwortet werden könnte:

    think:

    Vielen Dank an Mr_Aufziehvogel, Qi und nikaya für Eure Antworten bezüglich Karma! :) Langsam wird mir das ganze etwas klarer ...

    Darf ich nochmal kurz zusammenfassen? Wenn ich das richtig verstehe, bedeutet Karma im Grunde, dass jede Handlung viele Auswirkungen - sowohl auf die handelnde Person selbst als auch auf alle Wesen, die mit ihr verbunden sind - hat. Abgesehen von den direkten, sofort sichtbaren Auswirkungen, gibt es auch noch viele andere - wenn z.B. wie in Qi's Beispiel ein Mensch einen anderen schlägt, hat das logischerweise eine starke Wirkung auf den geschlagenen Menschen, aber auch auf den Schläger selbst (sowohl auf psychologischer als auch auf geistiger Ebene), und natürlich auch auf alle im Jetzt und in Zukunft lebenden Wesen, da das Weltgeschehen ja ein Zusammenspiel der Handlungen aller Wesen ist. Im Bezug auf die Reinkarnation bedeutet das, dass man also selbst an der Erschaffung der Welt beteiligt ist, in der man sich wieder manifestieren wird. Karma ist aber weder eine "Strafe", noch geht es dabei um eine Art "Auge um Auge"-Prinzip (man kassiert also keine Ohrfeige als "Strafe", weil man im letzten Leben eine Ohrfeige ausgeteilt hat, sondern eher, weil man eine Welt mitgestaltet hat, in der Ohrfeigen ausgeteilt werden) ... hmmm ... ist meine Zusammenfassung in etwa richtig?

    Vielen Dank und liebe Grüße
    Think

  • Fragen zu Anatta und die Rolle des Karmas auf Myanmar

    • gruenkern
    • 13. Mai 2008 um 08:25
    Vinnana:

    Sich als "Teil des Gesamten" zu betrachten ist immer noch eine Identifikation im Sinne von: "Das gehört mir, das bin ich, das ist mein Selbst.", nur dass jetzt "das Gesamte" als "Ich" herhalten muss. Es ist das Festhalten daran, Teil von etwas Größerem zu sein oder dieses Größere als das "eigentliche" oder "wahre Selbst" zu betrachten.


    Führt "sich" überhaupt nicht als irgendetwas zu betrachten dann nicht leicht zu dem, was ich oben von der Seite "Frauen und Buddhismus" zitiert habe?

    Zitat

    Die Idee, das Selbst bekämpfen zu müssen. Das Selbst als Feind eines spirituellen Menschen. Oder wir verwechseln es mit dem Gefühl unserer Wertlosigkeit und Unbedeutsamkeit.

    Aber vielleicht habe ich auch das nur ein wenig falsch formuliert, sprich: "Nicht dich selbst, sondern deine 5 Skandhas als Teil des Gesamten sehen". Oder liege ich immer noch total daneben? :D

    EDIT:
    Und wäre es schlimm, wenn ich mich dazu entschließen sollte buddhistischer Laie zu werden (der noch keine Ahnung von spiritueller/buddhist. Praxis hat) die anatta-Lehre noch nicht zu verstehen?
    Ich glaube um sie zu verstehen, müsste ich mich wohl in der Praxis üben.

    Und vielleicht wollte Thich Nhat Hanh auch einfach nicht abschrecken (-> "puhhhhh... das ist mir zu abstrakt, also das mit dem Buddhismus lass ich mal lieber bleiben."), sondern wollte einen leichteren (aus der Sicht eines Fortgeschrittenen: falschen) Einstieg geben. Denn ich habe immer noch Probleme damit, wenn ich das von Dir (Vinnana) Geschriebene lese, mit meinen Gedanken nicht in den Nihilismus abzudriften.

    Deswegen: sich selbst als Teil eines Gesamten zu sehen, ist wahrscheinlich schon ein Großer Schritt für eine(n) Durschnitts-WestlerIn.
    Mit Thays Worten (aus: "Wie Siddhartha zum Buddha wurde"):

    Zitat

    "Er erkannte, daß er nur ganz tief in ein Staubteilchen hineinschauen mußte, um darin das wahre Gesicht des gesamten Universums zu sehen. Er verstand, daß das Staubteilchen selbst das Universum war und daß das Universum nicht existieren konnte, wenn dieses Staubteilchen nicht existierte. Der Mönch Gautama ging über die Vorstellung vin einem eingenständigen Selbst oder atman hinaus. Er erkannte mit einemmal, daß ihn lange Zeit eine falsche Sichtweise von Atman berherrscht hatte, nämlich die, die in den Veden dargelegt war.


    oder

    Zitat

    "Das Blatt und sein Körper waren eins. Keines von beiden besaß ein eigentständiges, unvergängliches Selbst."


    oder

    Zitat

    "Daher, so dachte er, bedeutet das Leben annehmen auch Unbeständigkeit und Leerheit von Selbst annehmen. Der Ursprung des Leidens ist der falsche Glaube an Beständigkeit und an die Existenz eines eigenständigen, abgetrennten Selbst. Dies zu sehen, bedeutet zu verstehen, daß es werder Geburt noch Tod gibt, weder Entstehen noch Vergehen, weder eins noch viele, weder innen noch außen, weder groß noch klein, weder unrein noch rein. All dies Vorstellungnen sind falsche Unterscheidungen, durch den Intellekt geschaffen. Taucht man in die Leerheit aller Dinge ein, wird man alle geistigen Schranken transzendieren und befreit sein vom Kreislauf des Leidens"


    Eigentlich schon ziemlich abstrakt.

    -> Das Buch trägt übrigens auch den Untertitel "Eine Einführung in den Buddhismus". ;)

  • Fragen zu Anatta und die Rolle des Karmas auf Myanmar

    • gruenkern
    • 12. Mai 2008 um 22:15
    bel:

    Na, dann bist ja hier richtig. Die Suche nach dem "wahren Ich" kann ja zweierlei beduteten: Die Suche nach einer Ich-Substanz oder die Frage "Was bin ich wirklich?" ("ich" hier nur pronominal).

    _()_


    Definitiv letzteres.

  • Fragen zu Anatta und die Rolle des Karmas auf Myanmar

    • gruenkern
    • 12. Mai 2008 um 22:04
    bel:

    Also das Eingangsstatement und das Eingeklammerte bekomme ich nicht zusammen.
    Unter "Auslebung des Ichs" wird doch im Westen gerade verstanden etwas anderes (Besseres) aus "sich" zu machen: noch mehr "Fun", noch mehr Materielles - also purer Hedonismus. Sich selbst zu akzepieren in seiner Begrenzt- und Bedingtheit, (to be yourself) ist doch höchst unpopulär.


    Wohl ein wenig falsch formuliert ;)
    So typisch westlich war die Erziehung wohl eher nicht. Außer die, die mir manche Lehrer vermitteln wollten... :D
    Ich habe geschrieben, dass das Finden des wahren "Ichs" und die Auslebung dessen das Ziel war. Das wahre "Ich" zu erkennen schaffen die Wenigsten, denke ich. Jedenfalls im Westen.
    Deswegen bin ich seit dem ich denken kann auf der Suche nach dem Sinn dieses Lebens und meines wahren "Ichs". Und deswegen bin ich nun auf den Buddhismus gekommen.

    Also, streich das mit dem "ausleben". ;)

  • Fragen zu Anatta und die Rolle des Karmas auf Myanmar

    • gruenkern
    • 12. Mai 2008 um 21:19

    Vielen lieben Dank an Euch alle für Eure ausführlichen, lehrreichen Antworten!

    Als westlich erzogener, getauft und konfirmierter junger Mensch, der das Finden seines wahren "Ichs" und die Auslebung dieses "Ichs" als DAS Ziel im Leben ("to be yourself is all that you can do...") gesehen hat, ist es für mich immer noch schwierig die anatta-Lehre zu begreifen. Aber seit dem ich mich seit ein paar Wochen mit dem Buddhismus beschäftige, ändert sich meine Sicht auf die Welt nach-und-nach.

    Ich glaube, dass die anatta-Lehre eine der wichtigsten im Buddhismus ist, dass sie allerdings auch die Lehre ist, die am meisten falsch verstanden wird/wurde.
    Befrage 10 Buddhisten, aufgeteilt in unterschiedliche Schulen, und Du bekommst 10 verschiedene Antworten. Die/Der Erste sagt, es gibt kein fixes Selbst, allerdings ein Selbst im ständigen Wandel. Die/Der Zweite sagt es gibt keinerlei Selbst. Die/Der Dritte sagt, es gibt ganz einfach kein höheres Selbst. Die/Der nächste sagt, die 5 Skandhas ergeben das "Ich", usw.
    Manche Meinungen kleben dann an der Grenze zum Nihilismus oder überschreiten sie sogar.

    Hier einmal ein Text zum Thema der Seite Frauen und Buddhismus:

    Zitat

    "[...]Das Konzept von "Nicht-Selbst" bietet Raum für unzählige Spekulationen und Missverständnisse: Die Idee, das Selbst bekämpfen zu müssen. Das Selbst als Feind eines spirituellen Menschen. Oder wir verwechseln es mit dem Gefühl unserer Wertlosigkeit und Unbedeutsamkeit. Auch kann das falsch verstandene Konzept als Entschuldigung missbraucht werden, um sich aus der Verantwortung im Leben zurückzuziehen. Der Satz "Alles ist sowieso eine Illusion" wird immer mal wieder dazu verwendet. Dies verstärkt jedoch nur unsere Aversion und wir verpassen es, dieses "Nicht-Selbst" zu erkennen und die befreiende Wirkung dieser Erkenntnis zu erfahren. Die Zeichen eines wahren Verständnisses dieses "Nicht-Selbst" sind nicht innere Armut, Einsamkeit und Depression, sondern sind innerer Reichtum, Verbundenheit und Freude.

    Es gibt eine Geschichte, welche dieses falsch verstandene Konzept der Leerheit ganz anschaulich illustriert:
    Ein Schüler sprach zu seinem Guru: "Die wahre Natur der Dinge ist die Leere. In Wirklichkeit existiert absolut nichts. Es gibt weder dich noch mich, weder Weisheit noch dummheit." Der Guru betrachtete ihn lange, dann gab er ihm eine schallende Ohrfeige. Der Schüler erschrak und wurde dann furchtbar zornig. "Wenn nichts existiert," erkundigte sich der Guru, "woher kommt dann dieser Zorn?" - aus: "Da lacht der Erleuchtete", Eli Jaxon Bear, Sabrina Lorenz, Knaur Esoterik

    Der Begriff "Nicht-Selbst" meint nicht, dass es uns nicht gibt. Er meint lediglich, dass wir nicht so existieren, wie wir meinen, nämlich als unabhängige Wesen, in denen irgendwo etwas Solides, Unveränderliches gefunden werden kann, dass wir sind. Was wir "ich" nennen ist eine Sammlung aus sich ständig verändernden Prozessen: Der Prozess des physischen Körpers, seiner Form und Sinnesorgane, der Prozess der Gefühlsempfindungen, die mit jeder Erfahrung kommen. Der Prozess der Wahrnehmung und des Unterscheidungsvermögens, der Prozess der Reaktionen, Antworten, Emotionen, die auf die Gefühlsempfindungen reagieren sowie der Prozess des Bewusstseins, das wahrnimmt. Das Gefühl eines unabhängigen, unveränderlichen, getrennten Selbst entsteht immer dann, wenn wir einen Teil dieses dynamischen Prozesses vom Rest der Erfahrung isolieren und ihn festhalten.
    Wenn wir uns auf einen echten spirituellen Weg begeben, so brauchen wir ein grosses Mass an Selbstachtung und Selbstvertrauen. Wir brauchen ein gesundes Selbst, also innere Qualitäten wie eigenes Unterscheidungsvermögen sowie Liebe und Achtung für uns selber und für das Leben als Ganzes.[..]"

    Nochmal zurück zu Thich Nhat Hanh (siehe oben):
    Vinnana, wenn ich Dich richtig verstanden habe, ist die Begründung falsch und außerdem fehlt das Wesentliche: "Das gehört mir nicht, das bin ich nicht, das ist nicht mein Selbst".
    Meiner Auffassung nach, ist das aber die Konsequenz aus dem von Thich Nhat Hanh Geschriebenen. Betrachtet mensch sich wirklich als ein Teil des Gesamten, schwindet der Glaube an ein "Ich". Und die Folge davon ist nicht-dualität. Berichtige mich bitte, falls ich falsch liege.


    accinca:

    Genau! allerdings gibt es keinen "Geist" der irgend etwas einfach so wollen könnte.
    Wenn aber entsprechende Bedingungen da sind, dann kommt es auch zur entsprechenden Wirkung.
    "Durch dieses bedingt ist jenes".


    So habe ich das noch gar nicht betrachtet :D
    Ich kannte Ursache und Wirkung und ich kannte die Aufteilung des Lebens in die einzelnen Gruppen. Aber daran gedacht, beides miteinander zu kombinieren, habe ich nicht... Wie gesagt, ich beschäftige mich erst seit kurzem mit dem Buddha und seiner Lehre.

    Aber dann stellen sich mir wieder ein paar Fragen:
    Gibt es einen freien Willen (an den glaube ich so oder so nicht wirklich)? Was unterscheidet Mensch von Tier von Pflanze? Einfach nur ein erweitertes Bewusstsein? Was ist Kreativität? Auch nur eine Wirkung aus einer Ursache?


    Und nochmals: Vielen lieben Dank für Eure Antworten (Vielen Dank nikaya. Ich bin jetzt fleißig am Lesen)

  • Fragen zu Anatta und die Rolle des Karmas auf Myanmar

    • gruenkern
    • 10. Mai 2008 um 14:10

    Erstmal, vielen lieben Dank für die ausführliche Antwort!

    Vinnana:


    Der Buddha lehrte, dass die fünf Khandhas ("Daseinsgruppen", "Zusammenhäufungen") Anatta sind und so zu betrachten: "Das gehört mir nicht, das bin ich nicht, das ist nicht mein Selbst." Und zu diesen Khandhas gehört auch das sogenannte "Geistige". Natürlich existiert "Geistiges" (Gedanken, Gefühle usw.), aber es ist die Existenz des Geistigen und nicht "ich" oder "meine" Existenz.


    Also es würde bedeuten, dass dieser Text gerade von meinem Geist geschrieben wird, der meine Gedanken und Finger steuert. Allerdings nicht von mir.
    Aber, wenn der Geist anatta ist würde dies nicht bedeuten, dass dieses "Gefühl-von-ich" die Gedanken nicht kontrollieren könnte? Wenn alle Khandas anatta sind, dann existiert dieser Mensch, hier vor dem Monitor, grob gesagt aus Geist und körper... total unkontrolliert. Zwar teilweise unter der Kontrolle des Geistes, allerdings eben so wie der Geist es will.
    Allerdings, wenn der Geist teilweise Kontrolle über diesen Körper hat, gehört dann nicht (zumindest ein Teil) des Körpers dem Geist?

    Zitat

    Über etwas, das mir tatsächlich gehören würde, könnte ich auch verfügen. Was aber unbeständig und vergänglich ist, also seiner Natur nach irgendwann anders wird als "ich" es haben will, zeigt dadurch, dass es "meiner" Verfügungsgewalt nicht untersteht, so dass der Anspruch, es gehöre "mir" oder "zu mir", auf Verblendung beruht und darum immer in Leiden enden muss. Das gilt auch für alles Geistige.


    Das ist für mich wieder schwierig zu verstehen. Dass der Körper nicht "ich" ist, ist mir klar. Allerdings kann "ich" einigermaßen komplex denken und "meinen" Geist formen. Wenn ich Dich (bzw. Deinen Geist?) jetzt richtig verstehe, ist das Gefühl von "ich" ein Trugschluss des Geistes. Das was ich als "ich" wahrnehme ist mein Geist und trotzdem ist er nicht "ich" bzw. "mein" Geist.

    Doch was sind meine komplexen Gedanken? Woher entstammen die? Gehören diese Gedanken meinem Geist? Kann der Geist dann anatta sein? Was ist mit meiner Persönlichkeit, die ebenfalls vergänglich ist? Woher kommt dieses Gefühl von der Kontrolle der Gedanken?

    "Ich denke, also bin ich" stimmt also nicht? Müsste es richtig heißen "Mein Geist denkt, also bin ich nicht"?

    Tut mir leid, dass das jetzt ein wenig unstrukturiert runtergeschrieben wurde... mein Geist... ;)

  • Fragen zu Anatta und die Rolle des Karmas auf Myanmar

    • gruenkern
    • 10. Mai 2008 um 11:29
    Vinnana:

    Ich habe den Eindruck, dass das "Entstehen in Abhängigkeit" (besonders) im Mahayana eine Bedeutungsveränderung erfahren hat. Im Palikanon lehrt der Buddha das abhängige Entstehen im Zusammenhang mit dem Problem des Leidens und seiner Auflösung. Da geht es nicht darum, ob und wie "alles Leben" oder "alle Dinge" miteinander verflochten sind, sondern eben wie Leiden entsteht und vergeht, und zwar dort, wo es vorgefunden wird, nämlich im Erleben. Auch die Anatta Lehre bezieht sich nicht auf ein Selbst von oder in den Dingen "da draußen", sondern auf "uns selbst". Es geht um den (vermeintlichen) Erleber und Handelnden. Ein solcher ist nicht aufzufinden. Von allen Dingen gilt: "Das gehört mir nicht, das bin ich nicht, das ist nicht mein Selbst." Und diese Aussage begründet der Buddha nicht etwa mit z. B. "Verflochtensein", sondern mit der Unbeständigkeit und damit Unzulänglichkeit (Leidhaftigkeit) aller Dinge bzw. alles Erlebens.


    Etwa so ähnlich steht es bei Wikipedia. Das dort geschriebene hat mich nächtelang grübeln lassen und während des Grübelns verschwomm die Grenze zischen Anatta und Nihilismus immer mehr...
    Bis ich die Stelle im Buch von Thich Nhat Hanh gelesen habe. Danach verfestigte sich die Grenze wieder und es hat Klick gemacht. Nur weiß ich nicht, ob dieses Klick richtig war ;) Deswegen die Frage.

    Meiner Meinung nach bedeutet die Unbeständigkeit aller Dinge nicht die Abwesendheit eines Selbst. Es bedeutet nur, dass es kein fixes Selbst gibt, keine "Seele".
    Ein "ich" könnte dennoch existieren. Der Geist ist auch vergänglich und befindet sich im ständigen Fluss, trotzdem existiert er. Warum also sollte der Geist nicht mein "ich" sein?
    Die Existenz eines "ichs" bedeutet für mich auch nicht, dass daraus unbedingt Selbstsucht etc. entsteht, sondern einfach nur die Gewissheit, dass "ich" überhaupt existiere, dass ich nicht nur eine Illusion bin.

    Die Kombination aus Unbeständigkeit aller Dinge und dem bedingten Entstehen erklärt für mich die Abwesendheit eines "aus-sich-heraus-existierendem-ichs". Und das klingt für mich logisch. Die Meinung in diese Welt geboren zu werden und deswegen aus sich selbst heraus zu existieren, abgeschottet von der restlichen Welt, ist meiner Meinung nach falsch und führt wirklich zur Selbstsucht.

    Ich zitiere einfach mal aus dem Buch und zwar die Stelle an der der Mönch Siddhartha, unter dem berühmten Baum saß und nur noch Stunden von der Erleuchtung entfernt war.

    Zitat

    Aus "Wie Siddhartha zum Buddha wurde", Thich Nhat Hanh, dtv, 2004:

    Kaptitel 17, Seite 111, Zeile 33ff:
    "Normalerweise denken wir, daß ein Blatt im Frühling geboren wird, doch Gautama sah, daß es schon seit langer, langer Zeit da war - in dem Sonnenlicht, den Wolken, dem Baum und in ihm selbst. Da er sah, daß das Blatt niemals geboren worden war, konnte er auch erkennen, daß auch er niemals geboren worden war. Das Blatt - wie er selbst - hatten sich nur manifestiert - es war niemals geboren worden noch würde es jemals sterben. Durch diese Einsicht lösten sich seine Vorstellungen von Geburt und Tod, Erscheinen und Vergehen auf, und das wahre Gesicht des Blattes - und sein eigenes wahres Gesucht - enthüllten sich. Und er erkannte, daß die Gegenwart jeder einzelnen Erscheinung das Dasein aller anderen Erscheinungen möglich machte. Ein Phänomen umfaßte alle, und alle waren in einem enthalten.
    Das Blatt und sein Körper waren eins. Keines von beiden besaß ein eigenständiges, unvergängliches Selbst. Beide konnten sie nicht unabhängig vom Rest des Universums existieren. Indem er die wechselseitige Abhängigkeit aller Dinge als ihre Natur erkannte, sah Siddhartha auch die Leerheit aller Erscheinungen als die Natur der Dinge - alles ist leer von einem eigentständigen, vereinzelten Selbst. Er verstand, daß der Schlüssel zur Befreiung in diesen beiden Prinzipien lag - der wechselseitigen Abhängigkeit und dem Nicht-Selbst aller Dinge.

    Meine Frage bezieht sich vor allem auf die Meinung der anderen Schulen zur Schilderung von Thich Nhat Hanh.
    Ok, es gibt wahrscheinlich keine Pauschalmeinung, denn ein "Glaube" existiert ja nicht wirklich im Buddhismus. Die meisten Theravadis werden den Pali-Kanon wohl hoffentlich auch nicht als ihre Bibel betrachten.

    Und letztendlich ist es eine Sache der Erfahrung. Um wirklich zu begreifen was der Buddha meinte müsste mensch wahrscheinlich selber Buddha werden.

Ausgabe №. 136: „Liebe & Loslassen"

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