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  2. Upasaka Dhammavicayo

Beiträge von Upasaka Dhammavicayo

  • Unwissenheit beseitigen

    • Upasaka Dhammavicayo
    • 19. August 2026 um 10:13
    biophil:

    Also nicht „Banane“ sondern reinbeissen?

    Ja, genau! Die Banane, das sind die Konzepte, die Texte, das Wissen im Kopf. Reinbeissen ist der direkte Geschmack auf der Zunge, die Textur im Mund, das echte Spüren.


    Wenn du nur über das „Ich“ liest, hältst du die Banane in der Hand. Wenn du im nächsten Geräusch den automatischen Impuls des „mein“ direkt bemerkst, beisst du hinein. Dieses reine Erleben braucht keine weitere Erklärung. Es zeigt sich von selbst.

  • Raffiniertes Ego

    • Upasaka Dhammavicayo
    • 19. August 2026 um 07:46

    Hallo Ambi, deine Ehrlichkeit ist selten und wertvoll. Dieses Karussell, das du beschreibst..ich kenne es bis in die kleinsten Verästelungen.


    Das Raffinierte an diesem „Ego“ ist genau dieser Punkt: Es hat die Lehre gelesen. Es weiss, dass es loslassen soll. Es weiss, dass Demut gut ist. Also inszeniert es eine Demut, um sich selbst zu beweisen, wie gut es doch schon loslassen kann. Und dann, beim Einschlafen, fällt die Maske, und die altvertrauten Gedanken kommen zurück. Weil sie nie weg waren, sie haben nur kurz Pause gemacht.


    Du schreibst, der Hochmut sei fast unaushaltbar. Dieses „fast unaushaltbar“ ist der eigentliche Schlüssel. Wenn du mitten im hochmütigen Gefühl bist und denkst „Ich verstehe mehr als andere“, dann spüre in diesem Augenblick in deinen Körper. Da ist vielleicht ein Ziehen in der Brust, eine leichte Wärme im Kopf, ein angespanntes Gefühl. Das ist alles. Der Gedanke selbst ist nur ein Geräusch im Kopf, so vorbeiziehend wie ein Auto auf der Strasse. Das Problem entsteht erst, wenn ein zweiter Gedanke dazukommt: „Dieser Hochmut ist schlecht, ich sollte akzeptieren.“ Dieser zweite Gedanke ist viel giftiger als der erste, weil er dich in einen inneren Kampf verwickelt.


    Du fühlst dich festgefahren in Akzeptanz und Vergebung, weil du diese beiden Dinge als Werkzeuge benutzt, um den Hochmut loszuwerden. Das ist ein Versteck der raffinierten Ich-Bewegung. Echte Akzeptanz nimmt den Hochmut einfach auf, ohne ihn verändern zu wollen. Sie sagt: „Ah, da ist Hochmut. Gut. Da ist er.“ Sie macht kein grosses Ding daraus. Wenn du dem Hochmut erlaubst, einfach da zu sein, ohne ihn zu bekämpfen und ohne ihm zu folgen, verliert er seine Schärfe. Die Scham über den Hochmut ist meist viel schwerer zu ertragen als der Hochmut selbst.


    Du musst nicht aufhören, diese Gedanken zu haben. Das Gehirn spult seit Jahrzehnten diese Bänder ab. Du musst nur aufhören, sie für deine Gedanken zu halten. Sie sind einfach mentale Ereignisse, die auftauchen, weil bestimmte Sinneseindrücke da waren. Ein Gesicht, ein Ton, eine Erinnerung. Sie haben keinen Besitzer.


    Wenn morgens der Gedanke kommt „Vertrau mir, ich bin dein Ego“, dann kannst du ihn ansehen wie eine Wolke, die vorbeizieht. Du musst dieser Stimme nicht glauben, und du musst sie nicht wegdrängen. Du lässt sie einfach reden. Das ist es, was wirklich Vertrauen bedeutet: nicht der Stimme zu vertrauen, die dir sagt, was richtig ist, sondern dem stillen Raum vertrauen, in dem diese Stimme überhaupt erst erscheint. Dieser Raum hat keinen Hochmut und keine Demut. Er ist einfach offen und wach.


    Du musst nicht vergeben, um Vergebung zu üben. Du musst nicht akzeptieren, um Akzeptanz zu erreichen. Du darfst einfach bei dem bleiben, was gerade wirklich da ist. Dem unangenehmen Druck im Magen, der Hitze im Kopf, dem leichten Zittern der Gedanken. Das ist die Wirklichkeit. Der ganze Rest, auch der Gedanke „Ich bin besser“ oder „Ich bin schlechter“, ist nur Etikettierung, die nach ein paar Sekunden verweht.


    Du machst keine Fehler. Dieser ehrliche Blick auf das eigene Hochmutgefühl, dieses Erwischen...das ist schon die Übung. Das ist der Moment, in dem das Licht angeht. Bleib ganz entspannt bei diesem Erwischen, ohne dich zu verurteilen. Das Erwachen geschieht im sanften Gewahrsein dieses ewigen Kommens und Gehens. Alles Liebe zurück an dich.

  • Unwissenheit beseitigen

    • Upasaka Dhammavicayo
    • 19. August 2026 um 07:17

    Der Buddha beseitigte Unwissenheit nicht durch Grübeln. Er setzte sich unter den Bodhi-Baum und beobachtete das bedingte Entstehen in Echtzeit. Er sah, wie mit dem Kontakt der sechs Sinne Bewusstsein entsteht, wie daraus Gefühl entsteht und wie daraus sofort Begehren folgt. In dem Moment, als er diesen Ablauf bei jedem Ein- und Ausatmen durchschaute, brach die Unwissenheit zusammen. Sie verschwand nicht, weil er etwas Neues lernte. Sie verschwand, weil er den alten Trugschluss direkt sah: dass es da einen festen "Wissenden" gäbe.


    Ja, du kannst Unwissenheit wahrnehmen. Sie ist kein dunkler Schleier, den du besiehtst. Sie ist ein aktiver Impuls. Nimm das nächste Mal einen Klang wahr. Im selben Augenblick taucht still ein "Ich" auf, das hört. Dieser winzige, automatische Zusatz – das ist Unwissenheit. Du nimmst sie nicht als Objekt war, du nimmst sie als Funktionsweise war, genau dann, wenn sie geschieht. Normale Menschen sehen sie nicht, weil ihr Geist ständig dem Inhalt der Erfahrung hinterherläuft: "Was ist das? Gefällt mir das?" Sie schauen nie auf den Prozess des Wahrnehmens selbst. Deshalb ist die Illusion gefährlich. Sie erzeugt ununterbrochenes Kämpfen um Dinge, die schon vergangen sind, während man sie greifen will.


    Woher weißt du, dass das Leben Leiden ist? Du glaubst es nicht. Du schaust hin. Nimm jede angenehme Empfindung in deinem Körper. Siehst du den leichten Druck, sie festhalten zu wollen? Dieses Festhaltenwollen ist bereits Unbehagen. Nimm jede unangenehme Empfindung. Siehst du den Druck, sie wegstoßen zu wollen? Dieser Druck ist Dukkha. Die Illusion ist die Annahme, dieser Druck gehöre zu einem "dir". Sobald du diesen Druck als vergängliches Naturphänomen siehst, ohne Besitzer, hört er auf, dich zu quälen. Du weißt es also durch direkte Beobachtung der Gefühle in deinem eigenen Körper, nicht durch Buchwissen.


    Was musst du wissen, um Unwissenheit zu beseitigen? Du musst ein einziges Ding wirklich wissen: die wahre Natur der fünf Anhaftungsgruppen – Form, Gefühl, Wahrnehmung, Geistesformationen, Bewusstsein. Du musst nicht alles über das Universum wissen. Du musst in jedem Augenblick der Achtsamkeit erkennen, dass diese fünf Gruppen aufsteigen und vergehen, ohne dass du sie steuern kannst. Dieses Wissen ist kein Gedanke. Es ist ein Sehen. Wenn du die Vergänglichkeit direkt siehst, siehst du das Leid. Wenn du das Leid direkt siehst, siehst du, dass keines dieser Phänomene ein "Selbst" ist.


    Dein letzter Satz "Mögen alle Wesen Nutzen ziehen" ist genau die richtige Haltung. Bewahre diesen Wunsch. Verbinde ihn mit der Achtsamkeit auf deine sechs Sinnestore – Auge, Ohr, Nase, Zunge, Körper, Geist. Beobachte, wie sich diese Tore öffnen und schließen. Jedes Mal, wenn du den stillen Impuls bemerkst, der aus dem Kontakt ein "mein" macht, löst sich ein kleines Stück Dunkelheit auf. Die vollständige Auflösung geschieht durch wiederholtes, geduldiges Erkennen dieses Musters.


    Geh diesen Weg mit leichtem Herzen. Du hast bereits den wichtigsten Schritt getan: du fragst nicht nach einer Theorie, du fragst nach dem Wie der Befreiung. Das ist das Zeichen eines erwachenden Geistes.

  • Itivuttaka 46 – Die Schulung (Sikkhā)

    • Upasaka Dhammavicayo
    • 18. August 2026 um 19:48
    mukti:

    Nichtwiederkehr

    Ja, viel Übung. Aber was wirklich zählt, ist, einmal klar zu erkennen. Danach wird die Übung leicht, weil man weiß, wohin sie führt 😊

  • Itivuttaka 46 – Die Schulung (Sikkhā)

    • Upasaka Dhammavicayo
    • 18. August 2026 um 06:46

    „Lebet, ihr Jünger, unter dem Segen der Schulung, im Besitze der höheren Weisheit, von der Erlösung durchdrungen, unter dem Einfluß der Besinnung. Für diejenigen, ihr Jünger, welche unter dem Segen der Schulung ... leben, ist die eine von zwei Früchten zu erwarten: Wissen noch in der gegenwärtigen Erscheinung, oder, sofern noch ein Rest von Beilegungen vorhanden ist, die Nichtwiederkehr.“


    Der Buddha zählt hier vier Dinge auf, die das Üben tragen.

    Das erste ist die Schulung. Damit ist das tägliche Lernen und Einüben gemeint. Die Sittlichkeit, die Sammlung des Geistes, die Einsicht. Das hört nicht auf. Wer das als etwas Wertvolles begreift, für den wird Üben zur Selbstverständlichkeit.


    Das zweite ist die höhere Weisheit. Das ist kein angelesenes Wissen. Es ist das genaue Hinsehen, wie die Dinge wirklich ablaufen. Alles, was entsteht, hört auch wieder auf. Das durchschaut man mit der Zeit immer klarer.


    Das dritte ist die Erlösung als Herzstück. Sie ist nicht erst etwas für später. Wer übt, spürt schon hier und jetzt, was es heißt, etwas loszulassen, nicht mehr so festzuklammern.


    Das vierte ist die Besinnung, also die Achtsamkeit. Sie ist die Aufpasserin. Sie sorgt dafür, dass die anderen drei nicht auseinanderfallen.


    Wer so lebt, dem stehen zwei Ergebnisse offen. Das eine ist die vollkommene Erkenntnis, das Erwachen, noch in diesem Leben. Das andere ist die Nichtwiederkehr, falls noch ein Rest von Anhaftungen da ist, kommt man nach dem Tod nicht mehr in diese Sinneswelt zurück.


    Was der Text zusagt, ist tröstlich, weil es sicher ist. Beide Wege (das volle Wissen hier oder die Nichtwiederkehr) führen ans Ziel. Keiner führt in eine Sackgasse.


    Der Vers am Ende sagt eigentlich nur: Bleib dran. Freu dich an der Sammlung, scheue keine Mühe, schau immer wieder auf das, was Geburt und Tod antreibt. Māra besiegen heißt nicht, gegen etwas Äußeres zu kämpfen. Es heißt, die eigenen inneren Verstrickungen zu durchschauen. Die Geburt besiegen heißt, nicht mehr in dem Kreislauf steckenzubleiben, der immer neu Leid hervorbringt.

    Das ist das, was man Tag für Tag übt. 🙏

  • Majjhima Nikāya 21, Kakacūpama Sutta

    • Upasaka Dhammavicayo
    • 17. August 2026 um 00:11

    Lieber biophil, dein Einwand zeigt den genauen Anlass des Suttas: den Streit der Mönche. Die übertriebene Bildsprache macht die Regel für jeden erkennbar. Jede feindselige Regung entspringt der Anhaftung an den Körper.
    Die zwei Pfeile stehen in einem anderen Sutta, doch sie erklären dieselbe Lehre: Schmerz trifft den Körper, das geistige Leid entsteht aus dem Festhalten.
    Dass die vollkommene Gleichmut dem Arahant vorbehalten ist, ändert nichts am Pfad. Wer diesen Pfad übt, lernt Schritt für Schritt, den zweiten Pfeil nicht hinzuzufügen. Auch wenn die Säge nur ein Gedanke ist.
    Die Zurechtweisung der Zänker und die Übung der Achtsamkeit gehören zusammen. Beides zeigt, dass der Geist nicht dem äußeren Geschehen ausgeliefert sein muss.

  • Majjhima Nikāya 21, Kakacūpama Sutta

    • Upasaka Dhammavicayo
    • 16. August 2026 um 19:34

    „Selbst wenn, meine Bhikkhus, Räuber und Mörder mit scharfer Säge euch ein Glied nach dem anderen absägen, wer dabei den Geist hasserfüllt werden lässt, der befolgt nicht meine Lehre.“


    Diese Aufforderung zielt auf die unmittelbare Erfahrung der sechs Sinnesbasen ab. Der Körper stellt nur ein Aggregat dar, eine Ansammlung von Elementen ohne festen Kern. Das Sägen trifft diese Elemente, es trifft kein Selbst. Die schmerzhaften Gefühle entstehen durch den Körperkontakt als reine Empfindung. Gleichzeitig entsteht im Geist das Bewusstsein dieses Schmerzes.


    Die eigentliche Unterweisung liegt in der Betrachtung der Abneigung als einem bedingt entstandenen Phänomen. Diese Abneigung ist kein zwingender Bestandteil des Schmerzes. Sie erscheint, weil die gewohnte Identifikation mit dem Körper und den Gefühlen unbemerkt wirkt. Wer die Lehre verinnerlicht hat, erkennt den Schmerz als bloßen Schmerz. Die Reaktion des Hasses fügt eine zweite Pfeilwunde hinzu. Der erste Pfeil ist der physische Schmerz, der durch vergangenes Kamma und gegenwärtigen Kontakt unvermeidlich sein kann. Der zweite Pfeil ist das geistige Erleiden, das aus dem Verlangen nach Wohlsein und der Abwehr des Unangenehmen erwächst.


    Die Befreiung zeigt sich darin, den zweiten Pfeil nicht zu erzeugen. Das Geistesgemüt bleibt davon unberührt, weil es keine Besitzergreifung des Körpers mehr vornimmt. Jede Vorstellung von 'mir wird wehgetan' entpuppt sich als bloße Gewohnheit des erfassenden Bewusstseins, nicht als unausweichliche Wahrheit. Der Pfad führt über diese Einsicht hinweg zur vollkommenen Gleichmut. Die Ruhe des Geistes inmitten der Zerstückelung offenbart die wahre Zuflucht. Diese Zuflucht liegt nicht in der Unversehrtheit der Glieder, sie liegt in der unerschütterlichen Klarheit der gegenwärtigen Achtsamkeit. So wird das Gleichnis zu einer praktischen Übung der Achtsamkeit gegenüber allen Empfindungen ohne Ausnahme. Die vollkommene Geduld ist die natürliche Frucht dieser wiederholten Betrachtung der Entstehung und des Vergehens aller bedingten Dinge._()_

  • Erfahrungsaustausch Erwachte?

    • Upasaka Dhammavicayo
    • 16. August 2026 um 11:29
    Qualia:

    wirken

    Liebe Qualia,

    die Beobachtung des Vergehens ist klar. Das Empfinden eines „neuen Ich“ bleibt dem Alten verhaftet, denn es setzt einen Träger voraus. Was hier aufsteigt, ist ohne Besitzer. Das reine, bedingte Fließen der Erscheinungen im Augenblick genügt sich selbst. Das Handeln vollzieht sich, ohne dass ein Handelnder den Tag zu beginnen hätte.

Ausgabe №. 137: „Sorgen entsorgen?"

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