In dem Fall geht es um Sterben und Tod aus Sicht des tibetischen Buddhismus. Hier kann ich die Vorwürfe gegenüber dem Lehrer ausblenden, zumal mir der Inhalt des Buchs sehr interessant erscheint.
Das Buch von Sogyal Rinpoche transportiert ja eben nicht eine traditionelle tibetische Sicht sondern ist gerade dadurch so faszinierend ( fesselnd) dass es das aus dem Kontext nimmt und psychologisch auffasst. Dadurch dass es da eine Brücke schlägt wurde es ja zu so einem Bestseller.
Ich habe das Buch angefangen zu lesen und bin richtig ergriffen von der tiefgründigen Weisheit, die darin enthalten ist.
Alles anzeigenUnd wenn dann der Leser den Worten des Rinpoche und seinen Koautoren - hochqualifizierten Leuten die in Oxford und Camebridge studiert haben, traut, wird er abgeholt und landet bei dem nicht unproblematischen Konzept des "Guruyoga" wo der Lehrer als Manifesation der wahre befreite Natur des Geistes, gesehen wurde. Dieser ist eine "Verkörperung bedingungsloser Liebe" und indem man sich ihm in einer "Herzensverbindung" anvertraut führt er einen zur Befreiung.
Ein noch problematischeres Konzept ist das der "verrückten Weisheit". Auch wenn einen der Guru vielleicht anschreit und die Grenzen verletzt handelt , soll man an seiner eigenen Wahrnehmung nicht trauen, weil es sich dabei nur um "verrückte Weisheit" zum eigenen Wohl handeln kann.
Die Opfer von Sogyal Rinpoche erlebten ja nicht nur sexuelle Nötigung sondern berichteten von Tritten, Ohrfeigen und Attacken mit Kleiderbügel. Ein Schüler wurde bewusstlos geschlagen. Und für die alle war das ein Ausdruck von "verrückter Weisheit". Schlapp, schlapp, schlapp hat man die Sandale im Gesicht.
Vielleicht eher ein Buch lesen, das weniger interessant und weniger faszinierend ist. Weniger zur Sandale taugt.
In dem Buch wird im Vorwort und im Anhang immerhin darauf hingewiesen, dass es die Vorwürfe gegen den Autor gibt.
Es ist aber für mich schwer, das zusammenbringen - die im Buch enthaltenene Weisheit und die handfesten Vorwürfe gegenüber den Autor.