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  1. Buddhaland Forum
  2. Maha

Beiträge von Maha

  • Was ist das Ich?

    • Maha
    • 21. Dezember 2024 um 15:13
    pano:

    Das ich ist ein Konstrukt meines Hirns. Es entsteht dadurch dass im Hirn nur Wahrnehmungen über die Sinnesorgane ankommen. Es ist also letztlich die Konsequenz eines großen Informationsfilters, einem biologischen Zensor.

    Du meinst also, dass das Hirn die materielle Basis für das Ich darstellt? Und die Wahrnehmungen sind der Stoff, aus dem das Hirn dann das Konstrukt "Ich" schafft?

    Ich mache auch mal einen Versuch einer Definition:

    Frei nach Kant ist das "Ich" eine Vorstellung, die alle meine Gedanken, Gefühle und Empfindungen begleitet. Ich bin es, der der dies denkt, fühlt und empfindet. In diesem Sinn ist es das Zentrum oder die Perspektive aus der ich die Welt erlebe. Man könnte das auch als eine raumzeitliche Positionalität bezeichnen. Ich bin hier und nicht dort. Ich bin jetzt und nicht vergangen oder zukünftig.

    Dazu kommt für mich auch die biographische Gewordenheit des Selbst. Ich bin das Selbst, das durch meine Erfahrungen und Lebensgeschichte bestimmt und geprägt wurde. Das vergegenständlichte Selbst meiner Erfahrungen, Überzeugungen, Ansichten, biologisch-leiblichen Reifung und Krankheit, usw...

    pano:

    Für eine Unterscheidung zu einem selbst sehe ich wenig Anlass. Interessanter wäre die Frage wie sich das ich zum „Du“ verhält, und wie es sich zum „wir“ verhält.

    Das "Ich" und das "Du" stehen sich erstmal undurchsichtig gegenüber. Sie brauchen die Sprache und den körperlichen Ausdruck, um sich überhaupt verstehen zu können.

    Das "Wir" ist eine Ansammlung von "Ichs", in denen das einzelne "Ich" aufgehen kann. Mit dem es sich identifizieren kann.

  • Was ist das Ich?

    • Maha
    • 21. Dezember 2024 um 14:28

    Was ist das Ich? Wir Menschen erleben uns in der Regel als ein Ich oder Selbst. Wir erfahren uns als Handelnde und Erleidende mit einem erfahrenden Zentrum, dem Ich oder Selbst. Was ist dieses Ich oder Selbst, das wir in unserer alltäglichen Erfahrung so unhinterfragt und selbstverständlich erleben? Wenn wir es untersuchen, woraus besteht es? Wo ist es verankert? Welche materielle Basis hat es möglicherweise? Gibt es einen Unterschied zwischen Seele, Ich und Selbst?

  • Tätige Nächstenliebe im Buddhismus

    • Maha
    • 17. Dezember 2024 um 18:38
    Tai:
    Mabli:

    Ich habe mit der Beschreibung dieses non-dualistischen Seins, in dem keine Unterscheidung mehr zwischen Subjekt und Objekt, zwischen Innen und Außen da ist, meine Probleme …

    Das ist völlig okay. Ich glaube auch nicht, dass Mahayana-Buddhismus für jede/n immer die geeignetste Methode sein muss. Vielleicht ist das einfach nicht dein Ding. Dieser Eindruck entstand zumindest bei mir, als dir im Nachbar-Thread bei der Erwähnung von Koan-Praxis und Zen-Talk nichts anderes einfiel als ein abwertender Bibelspruch über Balken im Auge. Vielleicht erschließt sich dir der Theravada-Buddhismus ja besser.

    Ich meine ja nicht, dass non-dualistische Sicht schlecht ist. Ich glaube nur, dass es da viele Missverständnisse gibt.

    Mein Zitat im Nachbarthread bezog sich auf die Frage, ob man anderen ungefragt ihre Verblendung unter die Nase reiben sollte und darauf wie ich es persönlich mit dieser Frage halte. Ich habe gar nicht wahrgenommen, dass es dabei um Zen oder Koan Praxis ging, beziehungsweise war das für mich nicht der wesentliche Punkt dabei.

    Das Zitat stammt übrigens aus der Bergpredigt und es drückt für mich eine grundlegende Einsicht in die menschliche Tendenz zur Projektion von eigenen Schwächen auf Andere aus.

  • Tätige Nächstenliebe im Buddhismus

    • Maha
    • 17. Dezember 2024 um 17:03
    Nanu:

    Der Buddhismus hat sich ja erst seit den 70ern im Westen verbreitet, als einzelne Lehrer nach USA kamen und den "Hippies" den Dharma gelehrt haben. Seitdem gibt es aber hier schon auch eine Menge engagierter Buddhisten.

    Die "Hippies" sind natürlich in gewissem Sinn auch der Inbegriff von Egozentrik. :lol:

  • Tätige Nächstenliebe im Buddhismus

    • Maha
    • 17. Dezember 2024 um 17:02
    Anna Panna-Sati:

    Es wäre m.E. schön und erstrebenswert, wenn dieses gelebte Mitgefühl auch bei den Buddhisten, in den Sanghas, praktiziert würde....

    Oder?

    Ja, da stimme ich Dir auf jeden Fall zu. Die große Sangha im Sinne der größeren buddhistischen Gemeinschaft von Praktizierenden ist in meinen Augen wichtig als Gemeinschaft für die Entwicklung der Einzelnen. Die spirituelle Freundschaft unter Dharma-Geschwistern - wie unvollkommen auch immer - den Dharma zu teilen aus einem Gefühl der Verbundenheit ist für mich sehr wichtig. Manchmal habe ich das nicht so erlebt in Gruppen oder Zentren, in denen ich war. So etwas muss sich auch entwickeln und muss kultiviert werden von allen Beteiligten.

    Wobei das ja auch noch weit entfernt ist von dem Gleichmut, der keinen Unterschied mehr zwischen Wesen macht, da es eine ingroup / outgroup Unterscheidung beinhaltet.

    Qualia:

    Alles nur Gedanken über Gedanken anderer.

    Durch das "nur" klingt es in meinen Ohren etwas abwertend. Haben Gedanken über Gedanken anderer weniger Wert als "reine" eigene Erfahrungen? Das ist doch auch ein wichtiger Aspekt von Bezug auf andere, die vor uns waren oder jenseits unserer eigenen Erfahrung, sich mit ihren Gedanken auseinander zu setzen. Also ich sehen das nicht so negativ. Aber vielleicht war es ja auch gar nicht so negativ gemeint von Dir.

    Tai:

    Die von dir wiedergegebene Lehre verstehe ich so, dass ein Erwachen aus deiner Perspektive (und das ist die einzige, die du jemals haben kannst) das Erwachen aller anderen Wesen miteinschließt. Irgendwer sagte mal: "Wenn du erwacht bist, sind alle Wesen erwacht." Denn nichts, was du jemals erlebst, wahrnimmst oder dir vorstellst, kann getrennt von dir sein. Andersherum verstanden, wäre eine Erleuchtung, die nur dich betrifft und andere ausschließt, wieder geprägt von der Unterscheidung zwischen "Ich" und "Anderen" und könnte nicht als wirkliches Erwachen bezeichnet werden.

    Ich habe mit der Beschreibung dieses non-dualistischen Seins, in dem keine Unterscheidung mehr zwischen Subjekt und Objekt, zwischen Innen und Außen da ist, meine Probleme, weil das oberflächlich betrachtet auch eine Beschreibung eines undifferenzierten frühen menschlichen Entwicklungsstadiums sein könnte. Wenn wir als Säuglinge noch nicht unterscheiden können zwischen Ich und Anderen, zwischen eigenen und fremden Bedürfnissen. Wie kommt es, dass die Beschreibung von vermeintlich sehr fortgeschrittenen spirituellen Verwirklichungen so ähnlich klingt wie das Da-Sein eines Säuglings? Da gibt es doch sehr wahrscheinlich einen wesentlichen Unterschied, der mit entgangen ist, oder?

  • Tätige Nächstenliebe im Buddhismus

    • Maha
    • 16. Dezember 2024 um 17:01
    void:

    Im Christentum geht es ja nicht nur um die Veränderung des eigenen Geistes sondern um die Veränderung der Welt - man soll ja am Reich Gottes mitarbeiten - was ja eine gesellschaftliche Utopie vorgibt - eben eine Gemeinschaft der gegenseitigen Liebe aufzubauen.


    Während im Buddhismus selbst so soziale Haltungen wie karuna, metta mudita nicht als Wege zu einer besseren Welt sondern zu einem friedvolleren Geist gesehen werden..

    Tendenziell verstehe ich das auch so. Wobei es auch im Christentum eine Praxis gab oder gibt, die eine Erlösung der Menschheit durch eine weltabgewandte Praxis hinter verschlossenen Mauern anstrebt. Also nicht wirklich tätig in der Welt. Und im Buddhismus gibt es auch die sozialen Aspekte der Verantwortungsübernahme in sozialen Fragen, wie z.B. bei dem schon erwähnten Engagierten Buddhismus oder Initiativen wie "Mitgefühl in Aktion".

    Bei dem Beispiel mit Buddha und dem kranken Mönch, fällt mir auf, dass hier das tätige Mitgefühl auf die Sangha der Ordinierten begrenzt wird, eben auch gerade weil diese keinen Rückhalt mehr in der Familie als soziale Unterstützung haben.

    Helmut:

    Die die beiden Aussagen in SN 47.19:

    Zitat

    Auf sich selber achtend, ihr Mönche, achtet man auf die anderen.

    Auf die anderen achtend, achtet man auf sich selber.

    hängen ja miteinander zusammen. Sie sind zwei unterschiedliche, aber miteinander zusammenhängende Perspektiven. Das kann man sich am Beispiel der Freigebigkeit verdeutlichen.

    Die Freigebigkeit ist die geistige Einstellung, für das Wohl anderer Menschen zu wirken. Diese Einstellung muss man aber erst einmal im eigenen Geist hervorbringen. Hat man also auf sich selber achtend diese Einstellung entwickelt, wirkt man für das Wohl der Anderen, weil man auf sie achtet.

    Indem ich die Freigebigkeit übend auf die anderen Menschen achte, achte ich auch auf mich selber, weil meine Handlungen der Freigebigkeit auf mich zurück wirken. Sie verleihen dadurch meinem Geist die Kraft, dass ich die Fähigkeit der Freigebigkeit immer weiter entwickeln kann.

    Alles anzeigen

    Diese Textstell finde ich sehr treffend. Ich frage mich, ob nicht hier die Gleichzeitigkeit der Sorge für Andere und der Selbstsorge das Entscheidende ist. Das eben nicht das eine dem anderen zeitlich vorausgehen muss. Dem entspricht ja auch diese Sicht.

    Nanu:

    Ich sehe es ganz laienhaft so, dass im Buddhismus meine Nächsten nicht getrennt von mir existieren und eher ein Teil meiner eigenen Wahrnehmung sind, in diesem Sinne ein unabtrennbarer Teil meiner Existenz. Und so gehe ich mit meinen Nächsten um wie mit mir selbst.

    Anna Panna-Sati:

    Mit diesem Eindruck stehst du nicht alleine...


    Der Vorwurf des "Egoismus" haftet den Buddhisten im Westen ohnehin schon ein wenig an, Tenor: "Die sitzen da nur auf dem Kissen herum, während andere, z.B. Christen, die Ärmel aufkrempeln, sich organisieren und praktische Hilfe leisten...!"

    Vielleicht tun wir den westlichen Buddhisten und Buddhistinnen da ja tatsächlich unrecht und es passiert vielmehr in diese Richtung als öffentlich wahrgenommen wird. Man muss ja auch sehen, dass der Buddhismus hier einfach keine fest institutionalisierte Religionsgemeinschaft ist.

    Anna Panna-Sati:

    Wenn der Buddhismus seine Glaubwürdigkeit als "friedlichste Religion" mit Schwerpunkt "Mitgefühl für alle Wesen" behalten (und im Westen überleben) will, wäre es m.E. wichtig, nicht länger das Bild zu vermitteln, man "sitze" nur so für sich...


    "An ihren "Früchten" werdet ihr sie erkennen.", ein Ausspruch Jesu -Mt 7,16- , der auch auf Buddhisten anwendbar ist...

    Von void wurde das oben schon angesprochen der Unterscheid zwischen einer Haltung, die die Taten in den Mittelpunkt der moralischen Wertung stellt, und einer Haltung, die die Absicht oder Gesinnung als entscheidend sieht. Da gibt es auch innerhalb des Buddhismus unterschiedliche Ansichten - wie auch im Christentum - könnte ich mir vorstellen.

  • Tätige Nächstenliebe im Buddhismus

    • Maha
    • 15. Dezember 2024 um 16:18

    Danke für die verlinkten Texte und Textstellen.

    Mich würde aber viel mehr interessieren:

    Wie ist denn eure Sicht auf dieses Thema (sofern ihr eine habt natürlich)? Wie sind eure persönlichen Erfahrungen damit (sofern ihr welche habt)?

  • Tätige Nächstenliebe im Buddhismus

    • Maha
    • 15. Dezember 2024 um 15:38
    Leonie:

    https://www.palikanon.com/samyutta/sam47.html#s47_19

    [lz]

    'Ich werde auf mich achten', so sind die Pfeiler [Grundlagen] der Achtsamkeit (satipatthāna), ihr Mönche, zu pflegen:

    'Auf den anderen werde ich achten, so sind die Pfeiler [Grundlagen] der Achtsamkeit zu pflegen.

    Auf sich selber achtend, ihr Mönche, achtet man auf die anderen.

    Auf die anderen achtend, achtet man auf sich selber.

    Und wie, ihr Mönche, achtet man, auf sich selber achtend, auf den anderen?

    Durch Pflege, durch Entfaltung, durch häufiges Tun.

    So, ihr Mönche, achtet man, auf sich selber achtend, auf den anderen.

    Und wie, ihr Mönche, achtet man, auf den anderen achtend, auf sich selber?

    Durch Geduld (khanti),

    durch Gewaltlosigkeit (avihiṃsā),

    durch Liebe (mettacitta),

    durch [An-]Teilnahme (anudaya).

    [/lz]

    https://www.buddha-netz.org/meditation-nda…-zum-einen.html

    https://www.buddha-netz.org/texte.html

    Alles anzeigen
    Mabli:

    Wie seht und erlebt ihr das?

  • Tätige Nächstenliebe im Buddhismus

    • Maha
    • 15. Dezember 2024 um 13:06

    Ein Frage, die mich schon länger beschäftigt, ist die, welchen Stellenwert im Buddhismus beziehungsweise in den verschiedenen Spielarten des Buddhismus, die aktive Nächstenliebe hat. Im Christentum gibt es ja die caritas als eine zentrale Tugend, die sich in aktiver Hilfe und Dienst an den kranken und schwachen Mitgliedern der Gesellschaft ausdrückt. Gibt es im Buddhismus etwas vergleichbares? Ich habe mal gehört, dass in vielen Gesellschaften in Asien die buddhistischen Klöster auch Aufgaben im Gesundheitssystem übernehmen etwa bei der Betreuung und Rehabilitation von psychisch kranken Menschen. Das fand ich sehr beeindruckend.

    Ich habe manchmal in den buddhistischen Kreisen hier in unserer Gesellschaft den Eindruck, dass die Motivation zur eigenen Erleuchtung, dem Beenden des Daseinskreislaufs, so im Mittelpunkt steht, dass die aktive Nächstenliebe gar nicht so eine große Rolle spielt. Auch bei dem Bodhisattva-Weg geht es darum, die eigene Erleuchtung zu erlangen, um alle Lebewesen zur Erleuchtung zu führen. Aber so lange man die Erleuchtung selbst noch nicht erlangt hat, kann man da vermeintlich wenig ausrichten. Mal etwas provokant gefragt: Erschöpft sich die tätige Nächstenliebe für uns in einer außerweltlichen Askese und Praxis? Wie seht und erlebt ihr das?

  • Das ist Nirvana

    • Maha
    • 15. Dezember 2024 um 12:47

    Es gibt ja die unterschiedlichen Auffassungen zu der plötzlichen und der schrittweisen Erleuchtung. Ich habe das mit der plötzlichen Erleuchtung nie so richtig verstanden. Man kann seine Hindernisse doch nur Schritt für Schritt auflösen, oder?

    Oder wie ist das mit der plötzlichen Erleuchtung gemeint?

  • Bedingungen und Ursachen

    • Maha
    • 14. Dezember 2024 um 16:49
    Metta:

    Ich bin ja selbst Naturwissenschaftler. Es ist klar, dass komplexen Phänomenen ein komplexes Bedingungsgefüge zugrunde liegen muß. Die Naturwissenschaft hat sich zunächst damit geholfen, Systeme im "Gleichgewicht" mit einer dominierenden Ursache zu beschreiben, und dabei von andern (wichtigen) Bedingungen zu abstrahieren, klassisch: Vernachlässigung von Reibungskräften bei Bewegungsgesetzen.
    Das geht aber bei bestimmten Systemen nur eingeschränkt oder überhaupt nicht: z.B. Wettermodelle.

    Weiter oben habe ich schon die Vermutung geäußert, dass die Systemtheorie mit ihrer Vorstellung von Rückkopplungen dem Bedingungs- und Ursachengefüge, wie es in der buddhistischen Philosophie aufgefasst wird, womöglich am nächsten kommt.

    Metta:

    ich beziehe mich hier auf http://www.palikanon.com

    DN15 https://palikanon.com/digha1/dn15.html

    SN36.6 https://palikanon.com/samyutta/sam36.html#s36_6

    S.12.24. https://www.palikanon.com/samyutta/sam12_30.html#s12_24

    Das ist sehr interessant und zeigt, dass schon im Tripitaka (den drei Körben der Lehrreden) keine lineare Vorstellung von monokausaler Verursachung vorherrscht. Auch die wechselseitige Bedingtheit wird schon erörtert in den Beispielen, z.B. in der Lehrrede über die Ursachen in Absatz 20ff.

    Digha Nikaya 15:

    21. 'Durch Bewusstsein bedingt ist Name und Materie (ein Individuum)', wenn das so gesagt wird, soll man, Ānanda, das in dieser Weise verstehen, wie Name und Materie (ein Individuum) durch Bewusstsein bedingt ist: Wenn aber, Ānanda, das Bewusstsein nicht in den Mutterschoß eintreten würde, würde dann Name und Materie im Mutterschoß heranreifen?" - "Nein, das nicht, Verehrungswürdiger." - "Wenn, Ānanda, das Bewusstsein, nachdem es in den Mutterschoß eingetreten ist, sich wieder zurückziehen würde, würde dann hier Name und Materie (ein Individuum) geboren?" - "Nein, das nicht, Verehrungswürdiger." - "Wenn das Bewusstsein von einem kleinen Kind, einem Jungen oder Mädchen sich abtrennen würde, könnte dann Name und Materie (ein Individuum) zu Fortschritt, Wachstum und Fülle kommen?" - "Nein, das nicht, Verehrungswürdiger." - "Daher, Ānanda, ist dies der Grund, ist dies die Ursache, ist dies die Entstehung, ist dies die Bedingung für Name und Materie (ein Individuum), nämlich das Bewusstsein."

    22. 'Durch Name und Materie (ein Individuum) bedingt ist Bewusstsein', wenn das so gesagt wird, soll man, Ānanda, das in dieser Weise verstehen, wie Bewusstsein durch Name und Materie (ein Individuum) bedingt ist: Wenn, Ānanda, Bewusstsein in Name und Materie (ein Individuum) sich nicht festsetzen würde, würde in der Zukunft Leid entstehen durch Geburt, Altern und Sterben?" - "Nein, das nicht, Verehrungswürdiger." - "Daher, Ānanda, ist dies der Grund, ist dies die Ursache, ist dies die Entstehung, ist dies die Bedingung für das Bewusstsein, nämlich Name und Materie (ein Individuum). Insofern Ānanda, wird man geboren, altert, stirbt, scheidet dahin, wird wieder geboren. Insofern ist die Möglichkeit für Benennung, die Möglichkeit zu definieren, die Möglichkeit für Erklärungen, das ganze Gebiet der Weisheit und so lange läuft der Daseinskreislauf weiter, bis verstanden wird, dass sich Name und Materie (ein Individuum) und Bewusstsein gegenseitig bedingen

    Interessanterweise sind die sich gegenseitig bedingenden "Name und Materie" und "Bewusstsein" der Ausgangspunkt, von dem die Verursachung geschildert wird.

  • Bedingungen und Ursachen

    • Maha
    • 14. Dezember 2024 um 13:00
    JoJu91:

    Die gedanklichen und emotionalen Muster aufgeben oder auflösen, bei mir klappt das nicht.

    Ich bin dran. Auch kleine Erfolge sind schon sehr gut, sage ich mir. Das Muster wahrnehmen. Das Muster annehmen (mich nicht dafür runter machen oder selbst bemitleiden). Und das Muster unterbrechen oder zumindest eindämmen. Wenn mir das gelingt bin ich schon ganz froh. Die Ursachen für die Muster sind oft tieferliegend.

    Man kann natürlich auch versuchen, den Mustern mit der "Leerheits-Keule" eins überzuziehen. Für mich funktioniert das nicht.

    Ich denke auch, dass zunächst die Suche nach Ursachen oder die Anwendung einer Methode zur Veränderung der Muster für mich nicht so funktioniert. Erstmal geht es für mich um Selbstmitgefühl.

  • Bedingungen und Ursachen

    • Maha
    • 14. Dezember 2024 um 09:29
    Qualia:

    Wenn du dich durch das ganze SN 12 gekämpft hast, wird dir der Unsinn des Abhidhamma auffallen und du lässt die Finger von diesem Wirrwarr der Systematisierungen.

    Da sind die Wahrnehmungen offenbar sehr unterschiedlich. Ich nehme die Darstellung im Abhidharmakosabashya als sehr strukturiert und verständlich wahr.

    Diese Einschätzung teilten anscheinend auch andere:

    Tibetan Buddhist Encyclopedia:

    Seit seinem Erscheinen wurde es als Standardlehrbuch für das Verständnis nicht nur der Abhidharma-Lehren, sondern aller grundlegenden buddhistischen Lehren im Allgemeinen verwendet.

    Von Paramartha 563 n. Chr. und von Hsuan-tsang 651-654 n. Chr. ins Chinesische übersetzt, berichtet uns Hsuan-tsangs Schüler P'u-Kuang, dass das "Abhidharmakosa-Bhasya" in Indien als "Buch der Intelligenz" gepriesen wurde. Auch in China, Japan und im Fernen Osten wurde das Kosa allgemein als Lehrbuch von grundlegender Bedeutung für buddhistische Studien hoch geschätzt.

    Übersetzt mit DeepL.com (kostenlose Version)

  • Bedingungen und Ursachen

    • Maha
    • 13. Dezember 2024 um 17:06
    Metta:

    In den Sutten kommt man oft mit weniger Giedern und anderen "Eintrittspunkten" aus. Was im Sachzusammenhang auch eher einleuchtend ist.

    Könntest du dafür konkrete Beispiele aus den Sutten verlinken?

  • Bedingungen und Ursachen

    • Maha
    • 13. Dezember 2024 um 17:00
    Metta:

    Das stimmt wohl ziemlich mit den modernen Auffassungen von Kausalität überein, wenn gleich es in der wissenschaftlichen Praxis ziemlich üblich ist, die Zahl der Bedingungen methodisch zu begrenzen. Das ist aber kein Widerspruch, sondern nur Methodik.

    Welche moderne Auffassung meinst du? Da gibt es ja immer noch Diskussionsbedarf - sogar in den Naturwissenschaften.

  • Bedingungen und Ursachen

    • Maha
    • 13. Dezember 2024 um 16:56
    Metta:

    Das Abhidhamma-Geraffel ist wieder nicht sehr hilfreich, weil es im Suttapitaka schlicht darum geht zu zeigen, dass es eben nicht "die (eine) Ursache" für irgendwas gibt, sondern immer mehrere Bedingungen (und zwar mehr als 2) eintreten müssen, dass irgendwas passiert.

    Beziehst du dich hier auf diese Aussage von Leonie ?

    Leonie:

    Buddha geht - im übrigen wie alle wissenschaftlich Interessierten - zunächst von der Wirkung aus - geht ja auch nicht anders, denn die Wirkung ist ja das, was erfahren wird. Bei Buddha geht es um dukkha als Wirkung.

    Dann fragt er nach der Ursache dieser Wirkung. Und da gibt es offenbar nur eine Ursache. Als er das nun heraus gefunden hatte, interessierte ihn nur noch der Weg, der zur Beendigung der Wirkung führt.

    oder auf die generelle Vorstellung einer einzigen - vielleicht sogar letzten - Ursache?

    Dass das abhängige Entstehen eher als ein Netz von Ursachen zu verstehen ist und multikausale Verursachung eher die Regel als die Ausnahme bildet, finde ich plausibel.

  • Bedingungen und Ursachen

    • Maha
    • 13. Dezember 2024 um 15:02

    Um an die Diskussion anzuknüpfen, zitiere ich mal Helmut

    Helmut:

    Da finde ich Vasubandhus Zusammenfassung zu sechs Ursachen hilfreicher. So schreibt er im Abhidharmakosa:

    Zitat

    Wirkursache, Gemeinsam-entstehende, Gleichartige, Bewussthaft-übereinstimmende, Kontinuierliche und solche für Vollständig-Reifendes: Diese sechs Arten von Ursachen werden postuliert.

    (Abhidharmakosa, II, 49a-d)


    Die Bezeichnungen sind natürlich nicht unbedingt selbsterklärend.

    Ich habe versucht diese einzelnen Ursachen verständlicher zu machen anhand von Beispielen und Erklärungen. Bisher habe ich die Wirkursache, die gleichzeitig-existierende (gemeinsam entstehende) Ursache und die zusammenhängende (übereinstimmende) Ursache näher beleuchtet. Und Unterschiede zu dem Verständnis von "Ursachen" im allgemeinen Sprachgebrauch und in der Naturwissenschaft aufgezeigt.

    Da könnten wir anknüpfen, um zum Thema zurück zu finden.

  • Bedingungen und Ursachen

    • Maha
    • 13. Dezember 2024 um 10:28
    Leonie:

    Also - was hat dich dazu gebracht sich mit diesem Text zu beschäftigen?

    Metta:

    Bisher ist mir aber nicht deutlich geworden, wo jetzt konkret dein Problem mit "verursacht" ist. Kannst du das nicht mal auf den Punkt bringen?

    In der eigene Praxis stoße ich immer wieder auf Muster, bei denen ich mich frage, wie ich an diesen arbeiten kann. Ist mein Ziel sie aufzulösen oder Gegenmittel zu finden und sie zu bekämpfen? Oder eher sie zu anzunehmen und mit den damit verbundenen Gedanken und Gefühlen zu sein, um sie zu integrieren? Oder geht es darum ihre wahre Natur zu erkennen? Das sind jetzt Fragen, die aus der Praxis kommen.

    Was hat das mit Ursachen zu tun? Zum einen ist mit dem Konzept der Ursache eng verbunden die Frage wie kleshas / hinderliche Formationen in unserem Geist entstehen und wie wir mit ihnen arbeiten können. Die ganze Frage nach den karmischen Spuren und Wirkungen hängt da mit dran. Generell auch die Frage wie unser Geist eigentlich funktioniert.

  • Bedingungen und Ursachen

    • Maha
    • 12. Dezember 2024 um 21:10
    Leonie:

    Das ist natürlich was sehr Bedeutendes - die historisch und kulturell gewachsenen Ansichten über die sich vortrefflich räsonieren lässt - dagegen sind Ansichten über Kirschmarmelade nur was persönliches :grinsen:

    Ich bleibe dabei. Das Abhidharmakosabashya ist kategorial etwas anderes als Oma Ernas Vorliebe für Kirschmarmelade.

    Leonie:

    Es ist auch schwer zu erkennen, dass beides sich nicht sehr unterscheidet und beides persönliche Ansichten sind, allerdings hat die Oma einen Vorteil - sie hat den Geschmack der Marmelade erfahren, redet und handelt also aufgrund von einer Erfahrung.

    Erfahrung ist natürlich wichtig. Und Wissen ohne Erfahrung ist totes Wissen. Aber um zu Wissen zu werden, muss sich jede erfahrene Erkenntnis erstmal von dem subjektiven Erleben lösen.

    Leonie:

    Wer sich den unterschiedlichen buddhistischen Schulen zuwendet, der hat hoffentlich ein Forschungsvorhaben, das einen weiteren Abschluss an einer Uni einbringt, aber ansonsten lässt sich Vergangenes nicht erfahren, nur vorstellen und falls man es einmal erlebt hat, dann allenfalls noch erinnern. Man referiert dann Ansichten und fügt mit seiner Arbeit lediglich eine weitere Ansicht hinzu. Lohnt sich nur, wenn man damit eine wissenschaftliche Laufbahn anstrebt.

    Ich denke nicht nur in Kategorien von kulturellem Kapital, akademischen Abschlüssen und Laufbahnen. Der akademische Betrieb interessiert mich nicht,

  • Bedingungen und Ursachen

    • Maha
    • 12. Dezember 2024 um 18:51
    Leonie:
    Mabli:

    Ich gehe davon aus, dass es einen Weg gibt und viele unterschiedliche Perspektiven auf diesen Weg. Und ich denke nicht unbedingt, dass eine Perspektive per se besser als die andere ist.

    Wenn man mal statt "Perspektive" den Begriff der Ansicht verwendet, dann kommt man wieder auf den Punkt der Ich-Ansichten und dann erkennt man auch, dass nicht Ansichten per se gemeint sind auf die es so nicht drauf ankommt - jeder hat ja eben so seine (persönliche) Ansicht - sondern dass es um Rechte und Falsche Ansicht geht - also um rechte und falsche Perspektive.

    Dem möchte ich widersprechen. Es geht mir gerade nicht um persönliche Ansichten im Sinne einer Beliebigkeit "Oma Erna aus der Brückenstrasse mag gerne Kirschmarmelade auf Schwarzbrot mit Quark." Sondern um historisch und kulturell gewachsene Perspektiven, die sich z.B. auch in den unterschiedlichen buddhistischen Schulen in der ungefähr 2500 jährigen Geschichte des Buddhismus ausdrücken.

    Es geht meiner Meinung nach auch nicht primär um Selbst-Ansichten im Sinne einer Auffassung in Bezug auf die Existenz oder Nicht-Existenz eines Selbst, sondern eben um die in diesen Schulen vertretenen Auffassungen, was Verursachung bedeutet oder nicht bedeutet. Das hat mit dem (nicht vorhandenen) Selbst nur mittelbar zu tun. Irgendwie hängt das natürlich schon zusammen.

    Da kann man sagen: Das ist alles zu komplex. Um den Weg zu gehen, brauche ich das nicht. Das lenkt nur vom Wesentlichen ab. Zurück zur Leerheit. Zurück zur Einfachheit .Das ist ja durchaus legitim. Und dafür habe ich auch eine gewisse Sympathie. Andererseits halte ich das auch für zu kurz gegriffen. Da muss man aufpassen, dass man nicht auf der anderen Seite vom Pferd fällt, indem man zu sehr vereinfacht und das Ganze zu unterkomplex sieht.

  • Bedingungen und Ursachen

    • Maha
    • 12. Dezember 2024 um 17:52
    Metta:

    Wie viele Perspektiven brauchst du denn, um einen Weg zu gehen? Kannst du mehrere (unterschiedliche) Wege gleichzeitig gehen?

    Ich gehe davon aus, dass es einen Weg gibt und viele unterschiedliche Perspektiven auf diesen Weg. Und ich denke nicht unbedingt, dass eine Perspektive per se besser als die andere ist. Das ist je nach Situation und individuellen Voraussetzungen zu beurteilen, ob eine Perspektive hilfreich sein kann oder nicht. Ich nehme mal auf, was du zu einem vorigen Zeitpunkt geschrieben hast.

    Metta:

    Es liegt eher selten an "mangelnder Belesenheit", sondern an mangelnder Bereitschaft, seinen eigenen Standpunkt zu hinterfragen (Bestätigungsfehler) und deshalb das Gelesene oder Gehörte misszuverstehen. Warum sollte es nicht möglich sein, das zu korrigieren? Ich sehe das als wesentlichen Punkt buddhistischer Praxis.

    Den eigenen Standpunkt zu hinterfragen ist eine Fähigkeit, die für mich wesentlich mit der Fähigkeit zusammenhängt unterschiedliche Perspektiven einzunehmen - oder zumindest offen zu sein für unterschiedliche Perspektiven. Nur dann kann man den eigenen Habitus und das eigene Milieu transzendieren und eigene Bestätigungsfehler reflektieren.

    Daher gerne so viele Perspektiven wie möglich! Und so wenige, dass wir nicht überfordert damit sind.

  • Bedingungen und Ursachen

    • Maha
    • 12. Dezember 2024 um 16:26
    Metta:
    Mabli:

    Ich beziehe mich vor allem auf das Abhidharmakosabashya von Vasubandhu, also eine wichtige Zusammenfassung des Sarvastivada-Abhidharma.

    Das dir als Pdf oder gedruckte Version zur Verfügung steht?

    Wobei man die Frage natürlich auch aus der Perspektive jeder anderen Schule betrachten kann. So wie du es aus einer bestimmten Theravada-Perspektive getan hast. Die Vielfalt der Perspektiven macht die Diskussion interessanter. Das Dickicht womöglich auch dichter.

  • Bedingungen und Ursachen

    • Maha
    • 12. Dezember 2024 um 16:22
    JoJu91:
    Leonie:

    In MN 2

    Leonie, Qualia, was bedeuten denn die Abkürzungen "MN 2", "DN 2" u.s.w., von denen ich hier oft lese ? Verzeiht meine Faulheit, selbst zu recherchieren ...

    _()_

    Das sind die Abkürzungen für die Insider. Majjhima Nikaya (mittlere Lehrreden) und Digha Nikaya (längere Lehrreden). Die "2" steht für die Nummer der Lehrrede in der entsprechenden Sammlung. Man könnte das schon so formulieren, dass das auch die Nicht-Eingeweihten verstehen finde ich. Es sei denn man möchte lieber unter sich bleiben.

  • Bedingungen und Ursachen

    • Maha
    • 11. Dezember 2024 um 21:34
    Metta:
    Mabli:

    Ich beziehe mich vor allem auf das Abhidharmakosabashya von Vasubandhu, also eine wichtige Zusammenfassung des Sarvastivada-Abhidharma.

    Das dir als Pdf oder gedruckte Version zur Verfügung steht?

    Ich habe in gedruckter Form die neue Übersetzung von Lodro Sangpo und die Übersetzung von Pruden z.t. als PDF.

  • Bedingungen und Ursachen

    • Maha
    • 11. Dezember 2024 um 21:25
    Leonie:

    Ich finde es bemerkenswert, dass dir das nicht aufgeht.

    Manchmal sind die Dinge etwas komplexer als sie auf den ersten Blick scheinen.

Ausgabe №. 135: „Achtsamkeit und Aktivismus"

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